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Sklaven und Kinder
„Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, auf dass er die, die unter dem Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Kindschaft empfingen.“
(Galater 4,4.5)
Unser heutiger Text knüpft direkt an das Kapitel 3 an, das wir in den letzten zwei Wochen betrachtet haben. Darin hat Paulus die Galater Christen gefragt, warum sie, nachdem sie zum Glauben an das Evangelium gekommen waren, nun versuchten, durch das Halten des Gesetzes aus dem Alten Testament vor Gott gerecht zu werden. Denn wer dadurch vor Gott bestehen will, muss das ganze Gesetz halten, ohne je gegen ein einziges Gebot zu verstoßen. Weil wir Menschen dafür aber viel zu mangelhaft sind, sind diejenigen, die versuchen, durchs Gesetz gerecht zu werden, unter dem Fluch, weil das Gesetz alle unsere Fehler gnadenlos aufdeckt und anklagt. Daher kann niemand durch das Halten des Gesetzes Gottes Anerkennung erlangen und in sein herrliches Reich kommen. Paulus erinnert an den Ausweg, den Gott selbst geschaffen hat: „Christus aber hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns“ (3,13). Wer daran glaubt, den erklärt Gott für gerecht und nimmt ihn als sein Kind an, ohne dass er dazu sein Gesetz halten oder sonst etwas dafür tun muss. Auf diesen Weg hat Gott schon im Alten Testaments hingewiesen, als er den alten Abraham allein aufgrund seines Glaubens für gerecht erklärt hat. Am Ende des Kapitels hat Paulus geschlussfolgert: „Gehört ihr aber Christus an, so seid ihr ja Abrahams Nachkommen und nach der Verheißung Erben“ (3,29). Was bedeutet es, dass wir Gottes Kinder und Erben sind? Im heutigen Text erklärt Paulus die großartige Bedeutung dieser Botschaft. Dazu erläutert er die Situation von Erben damals, um uns zu helfen, die geistliche Wirklichkeit zu verstehen. Wir wollen den Text mit drei Fragen betrachten: 1. Welche Bedeutung hatte es damals für einen jungen Menschen, Erbe zu sein (1–3)? 2. Was hat Gott getan, um uns als seine Kinder anzunehmen (4.5)? 3. Welche großartigen Auswirkungen hat das auf unser Leben (6.7)?
1. Zwischen Erben und Sklaven bestand zunächst kein Unterschied (1–3)
Betrachten wir die Verse 1 und 2: „Ich sage aber: Solange der Erbe unmündig ist, ist zwischen ihm und einem Knecht kein Unterschied, obwohl er Herr ist über alle Güter; sondern er untersteht Vormündern und Verwaltern bis zu der Zeit, die der Vater bestimmt hat.“ Hier spricht Paulus die Situation eines Erben nach dem damals verbreiteten römischen Erbrecht an. Damals konnten nur Söhne erben, weshalb im Urtext in den folgenden Versen von „Sohn“ und von „Söhnen“ gesprochen wird. Weil das Gesagte im geistlichen Sinn aber nicht nur für Männer, sondern genauso auch für Frauen gilt, verwenden hier viele Übersetzungen „Kind“ bzw. „Kindern“. Wenn damals ein Junge von seinem Vater als Erbe eingesetzt wurde, hatte das zunächst keine sichtbaren Auswirkungen in seinem Leben. Obwohl er später alle Güter seines Vaters besitzen sollte, hatte er auf dem Hof nichts zu sagen und hatte weder Zugriff auf den Besitz noch das Recht, den Knechten seines Vaters Anweisungen zu geben. Vielmehr wurden Söhne, die später erben sollten, Vormündern unterstellt, die vom Vater autorisiert waren, sie streng zu erziehen, und denen sie in allem gehorchen mussten. Wenn ein Junge von seinem Vater als Erbe eingesetzt wurde, bewirkte das für ihn also zunächst keine sichtbare Verbesserung seines Lebens. Sein Leben unterschied sich nicht von dem eines Knechts oder Sklaven, da auch er fremden Menschen gehorchen musste und keine Freiheit hatte. Das änderte sich erst zu der Zeit, die der Vater bestimmt hatte.
Warum beschreibt Paulus das so genau? Das wird im Vers 3 klar, wo er schreibt: „So auch wir: Als wir unmündig waren, waren wir geknechtet unter die Mächte der Welt.“ Paulus wendet dieses Bild direkt auf uns als Gläubige an. Auch wenn Gott schon lange bestimmt hat, dass wir seine Kinder und Erben werden sollten, war davon lange nichts zu spüren. Wir waren „geknechtet unter die Mächte der Welt“. Geknechtet bzw. versklavt zu sein, beschreibt eine extreme Form der Abhängigkeit, ein Leben ohne Freiheit. Was sind die „Mächte der Welt“, denen wir unterworfen waren? Wenn wir darüber nachdenken, fallen uns schnell Mächte ein, die Menschen gefangen nehmen. Die wohl bekannteste Macht ist die Macht des Geldes. Geld hat auf alle Menschen eine Anziehungskraft, weil wir uns damit scheinbar alles, was wir brauchen, kaufen und uns darüber hinaus alle möglichen Dinge besorgen können, von denen wir uns Freude und Zufriedenheit versprechen. Aber Jesus hat schon in der Bergpredigt gelehrt, dass Geld nicht einfach nur ein Mittel ist, sondern auch eine Macht, die uns versklaven kann, als er sagte: „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“ (Mt 6,24). Viele werden von der Begierde nach Geld gefangen genommen, sodass sie vieles tun, was für sie selbst und für andere nicht gut ist; zum Beispiel, zu viel zu arbeiten, sodass sie ihre Familie vernachlässigen und ihre Gesundheit ruinieren. Manche lassen sich von der Geldgier dazu verleiten, am Arbeitsplatz ihre Kollegen, Vorgesetzten oder Untergebenen zu belügen oder anders schlecht zu behandeln, um mehr Erfolg zu haben und mehr Geld zu bekommen.
Es gibt noch viele andere Mächte dieser Welt, die uns gefangen nehmen können. Zum Beispiel die Lust nach Vergnügen, das Verlangen, ständig etwas Neues, Aufregendes zu erleben. Damit verbunden ist die Angst, etwas zu verpassen (FOMO, Fear of Missing out), die Angst, im Leben zu kurz zu kommen, die heute stärker verbreitet ist als früher. Es gibt viele weitere Ängste, unter denen Menschen auch heute leiden, sie gefangen nehmen und krank machen können. Das Gleiche gilt für Neid, der Menschen auch gefangen nehmen kann und der zu Hass und Spaltungen in Familien und in der Gesellschaft führen kann.
Es gibt noch viele andere Mächte in der Welt, die uns auf unsichtbare Weise gefangen nehmen und versklaven können. Das ist nicht einfach nur ein psychologisches Problem, das durch psychologische Methoden gelöst werden kann. Wenn es so wäre, sollten mental starke und kluge Menschen davon frei sein. Aber das ist nicht der Fall. Mentale Stärke oder Klugheit reichen nicht, um sich den Mächten dieser Welt zu entziehen oder zu widersetzen. Deshalb schreibt Paulus im Vers 3 pauschal, dass „wir“ unter die Mächte der Welt geknechtet waren, und schließt dabei alle mit ein. Die Mächte dieser Welt bringen alle unter ihre Gewalt; menschliche Klugheit, mentale Stärke oder psychologische Methoden reichen nicht aus, um sich davor zu schützen oder sich davon zu befreien. Warum? Der Grund dafür ist, dass dahinter böse Geister stehen, Diener des Teufels, die mit dämonischer Macht und Geschick die Menschen verführen und versklaven. Paulus schrieb in seinem Brief an die Christen in Ephesus: „Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, mit den Herren der Welt, die über diese Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel“ (Epheser 6,10-12). Die Mächte dieser Welt sind letztlich böse Geister, die Paulus „Mächtige und Gewaltige“ und die „Herren dieser Welt“ nennt. Sie nehmen Menschen gefangen und versklaven sie, wobei sie die Begierden, Sorgen, Ängste, Neid, Hass usw. als Mittel gebrauchen, um die Menschen zu binden und zu versklaven.
Auch wir waren früher unter den Mächten dieser Welt und konnten ihnen trotz guter Absichten nicht widerstehen, sondern wurden davon versklavt; vielleicht unsichtbar, vielleicht auch unbewusst, es war sicher bei jedem anders, aber wir waren alle betroffen. Auch wenn wir uns dessen nicht bewusst waren, haben wir darunter gelitten, dass wir nicht so leben konnten, wie wir wollten, und Dinge gesagt und getan haben, die wir eigentlich nicht tun wollten. Vielleicht haben wir in manchen Momenten gemerkt, dass wir nicht frei sind, dass uns irgendetwas hindert, so zu leben, wie wir es eigentlich gerne würden. Vielleicht haben wir auch geahnt, dass wir es niemals schaffen werden – vielleicht auch, dass das vor dem heiligen Gott eines Tages Konsequenzen haben wird. Auf jeden Fall war es ein Zustand der Unfreiheit, unter dem wir mehr oder weniger bewusst gelitten haben. Aber Gott hatte längst einen Plan, uns zu befreien und zu retten, den er zu seiner Zeit erfüllen wollte.
2. Mit dem Kommen des Sohnes wurde alles anders (4.5)
Was tat Gott für uns? Lesen wir gemeinsam die Verse 4 und 5: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, auf dass er die, die unter dem Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Kindschaft empfingen.“ Gott hatte sich schon entschieden, unsere Lage grundlegend zu ändern. Er wollte uns von der Unfreiheit unter den Mächten der Welt und der schicksalhaften Bindung an das Gesetz befreien und zu seinen Kindern machen. Wir waren unter den Mächten dieser Welt vergleichbar mit den Menschen, die in manchen Ländern in Cyber-Betrugsfabriken als moderne Sklaven gefangen gehalten und gezwungen werden, jeden Tag über das Internet Verbrechen zu begehen, und die so Tag für Tag Schuld anhäufen, ohne dass sie dem entfliehen können. So haben auch wir in unserem Leben Tag für Tag Dinge gedacht und getan, die Gottes heiligem Willen für uns widersprechen, und haben Schuld angehäuft, ohne daraus wirklich ausbrechen zu können. Obwohl die Liste unserer Vergehen lang und unsere Schuld groß war, hat Gott seinen Sohn gesandt, um uns zu befreien und den Weg dafür freizumachen, uns als seine Kinder zu adoptieren. Dazu brauchte es einen Erlöser, der stärker ist als alle Mächte der Welt und der unsere Bindung ans Gesetz überwinden kann. Um uns zu erlösen, musste der Erlöser selbst ein Mensch sein, damit wir stolzen Menschen ihn annehmen könnten, und er musste selbst rein sein, damit er stellvertretend für uns eintreten kann. Aber wer erfüllt alle diese Bedingungen? Kein Mensch; überhaupt niemand im Universum. Nur Gottes Sohn, der selbst Gott ist, rein und heilig, konnte es tun. Deshalb sandte Gott, als die Zeit dafür erfüllt war, seinen Sohn in der Gestalt eines Menschen. Was für eine Liebe hat Gott zu uns!
Jesus wurde von einer Frau geboren, damit er ein Mensch mit Fleisch und Blut würde wie wir, der unsere Lage, unsere Schwachheit und Not wirklich verstehen kann. Die Worte „geboren von einer Frau“ bringen auch zum Ausdruck, wie unfassbar tief sich Gottes Sohn erniedrigt hat, um zu uns zu kommen. Diese Worte erinnern auch an die erste Verheißung eines Erlösers, die Gott direkt nach der Sünde der ersten Menschen im Paradies ausgesprochen hat, wo er zu der Schlange gesagt hat: „Und ich will Feindschaft setzten zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Verse stechen“ (1. Mose 3,15). Dieses Versprechen vom Retter hat Gott nie vergessen, sondern hat es die ganze Geschichte hindurch festgehalten und darauf hingewirkt. Gott hätte genug Gründe gehabt, um sein Vorhaben zu verwerfen, weil wir Menschen uns die ganze Geschichte hindurch gegen Gott und seine Herrschaft aufgelehnt haben. Aber wegen seiner Treue zu seinem Wort und seiner Liebe zu uns hat Gott sein Versprechen erfüllt und seinen Sohn in die Welt gesandt, als die Zeit dafür erfüllt war.
Jesus wurde als ein Mensch geboren und unter das Gesetz gestellt, das eigentlich für die sündhaften Menschen gegeben worden war. Aber Jesus hielt das Gesetz vollständig in seinem eigentlichen Sinn und erwies sich so als wahrer vollkommener Mensch und Gott. Jesus gehorchte dem Vater in allem, bis dahin, dass er seinen Erlösungsplan erfüllte und sich schließlich für unsere Schuld verurteilen und an einem Holzkreuz töten ließ. Durch seinen Tod trug er für uns stellvertretend die Strafe, die wir nach dem Gesetz verdient hätten, und hat so die Forderung des Gesetzes an uns vollständig erfüllt. So wie damals Sklaven an ihre Herren lebenslang gebunden waren, aber für einen bestimmten Preis losgekauft („erlöst“) werden konnten, so hat Jesus uns losgekauft von dem Gesetz Gottes, indem er den Preis selbst bezahlt hat, indem er stellvertretend sein Leben gab. Dass wir von dem Gesetz losgekauft sind, bedeutet, dass unsere schicksalhafte Bindung an das Gesetz aufgehoben ist, da das Gesetz uns nun nicht mehr verdammen kann, weder wegen früherer Sünden noch wegen solcher Sünden, die wir vielleicht noch begehen werden. Durch die Erlösung, die Jesus durch seinen Tod für uns vollbracht hat, hat Jesus uns in einen ganz neuen Status versetzt, denn wir sind rechtmäßig Gottes Kinder geworden. Als Gottes Kinder hat er uns auch von den Mächten der Welt befreit, die nun keinen Anspruch mehr auf uns haben und auch praktisch nicht mehr über uns herrschen können, wenn wir unsere Erlösung und die Kindschaft durch den Glauben bewusst festhalten.
Lesen wir nochmals die Verse 4 und 5: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Kindschaft empfingen.“ Der Inhalt dieser Worte ist gewaltig und ihre Bedeutung ist für uns kaum zu fassen. Dass Gott seinen Sohn als Mensch gesandt hat, hat die Lage von uns Menschen völlig verändert, hat uns von unserer schicksalhaften Bindung zum Tod befreit und zu neuen Leben als Gottes Kinder geführt. Jesus Kommen bedeutet so die entscheidende Wende in der Geschichte der Menschheit sowie die Wende im Leben von jedem, der ihn im Glauben annimmt. Für diese Gnade dürfen wir Gott immer dankbar sein und ihm jederzeit danken, weil sie ein Erweis seiner großen Liebe zu uns ist und weil sie unfassbare Konsequenzen für uns hat.
3. Welche großartigen Auswirkungen hat das auf unser Leben (6.7)?
Betrachten wir den Vers 6: „Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!“ Dieser Vers bekräftigt die Wahrheit, dass wir Gottes Kinder sind, und zeigt uns die Folgen auf, die das für unser Leben hat. Als seinen Kindern hat Gott uns den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gegeben, der „Abba, lieber Vater!“ ruft. Sein Geist hilft uns, nicht nur theoretisch zu glauben, dass wir Gottes Kinder sind, sondern Gott tatsächlich als unserem Vater zu begegnen und dementsprechender zu ihm zu beten. Wir dürfen zu Gott kommen und ihn mit „Abba, lieber Vater!“ anrufen. „Abba“ ist das aramäische Wort für „Vater“ bei der persönlichen Ansprache; vom Sinn her entspricht es heute dem Wort „Papa“. Wenn ein Kind seinen Vater mit „Papa“ anspricht, kommt damit die Liebe und die Vertrauensbeziehung zum Ausdruck, die zwischen ihm und dem Vater besteht. Im Markusevangelium lesen wir, dass Jesus zum Beispiel bei seinem Gebet in Gethsemane seinen himmlischen Vater vertraut mit „Abba“ angesprochen hat (Mk 14,36). Eigentlich ist es unfassbar, dass wir Gott so anreden dürfen, da Gott ewig, allmächtig und heilig ist. Weil die Juden das wussten, wagten sie nicht einmal, Gott mit dem Namen JHWH anzusprechen, mit dem Gott sich selbst vorgestellt hatte (2. Mose 3,14). Aber weil Gott seinen Sohn gesandt und uns durch ihn von unserer Schuld und vom Urteil des Gesetzes erlöst hat, sind wir rechtmäßig Gottes Kinder geworden, und dürfen dementsprechend zu ihm im Gebet kommen. Dabei geht es nicht nur um die Anrede, sondern der Geist ermutigt uns dazu, vertrauensvoll zu ihm alle Anliegen sagen, die wir auf dem Herzen haben, und mit ihm über alles zu reden, was uns beschäftigt, wie ein kleines Kind, das seinem Vater alles sagt, was es bewegt. Unser himmlischer Vater ist jederzeit bereit, uns zuzuhören und mit seiner göttlichen Liebe und Verständnis darauf zu antworten. Dass wir so eine vertrauensvolle Beziehung zu Gott haben und so vertrauensvoll zu ihm beten dürfen, ist das größte Privileg in unserem Leben und die Quelle, aus der täglich geistliche Freude, Zuversicht und Kraft in uns strömt. Wenn wir täglich so im Glauben beten, wächst unser Glaube und wird unerschütterlich.
Im Vers 7 fasst Paulus alles zusammen: „So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.“ Hier ändert Paulus seinen Sprachstil von der Wir-Form auf das persönliche „du“. Das, was er jetzt sagt, soll jeder begreifen und persönlich zu Herzen nehmen. Die wichtige Botschaft, die Paulus hier sagt, ist: Du bist nicht mehr Knecht, sondern Kind (wörtlich: Sohn). Als Gottes Kind brauchst du dir seine Anerkennung und Liebe nicht mehr zu verdienen, denn er liebt dich bereits, so wie du bist. Als Gottes Kind brauchst du dich nicht mehr vor einem Urteil aufgrund seines heiligen Gesetzes zu fürchten, weil Jesus schon alle Forderungen des Gesetzes erfüllt hat. Als Gottes Kind hast du eine ganz neue, völlig andere Beziehung zu Gott, die auf seiner Liebe und Gnade beruht. Weil du Gottes Kind bist, kannst du in allen Situationen zu deinem Vater immer Himmel kommen und darfst darauf vertrauen, dass er dir gerne helfen will. Diese Beziehung kann dir niemand mehr wegnehmen.
Und das ist noch nicht alles! Zum Schluss sagt Paulus: „Wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.“ Wenn du Gottes Kind geworden bist, bist du auch rechtmäßiger Erbe geworden. Kinder reicher Eltern können von ihnen vielleicht Häuser, Firmen oder ein anderes Stück von irdischem Vermögen erben. Aber als Erbe deines himmlischen Vaters wirst du mit deinen Geschwistern zusammen Gottes herrliches ewiges Reich erben, wenn Jesus zu der von Gott bestimmten Zeit wiederkommt. Dort wirst du Gott schauen und seine Gegenwart genießen und dich in ungeahnter Weise freuen. Darauf darfst du dich schon jetzt jeden Tag freuen und dein Leben zuversichtlich auf dieses Ziel hin ausrichten. Das ist das Leben, das Gott dir zugedacht hat, für das er dich erkauft hat. Und falls du denkst, dass du dafür nicht gut genug bist, dass du noch an dir arbeiten oder mehr für Gott tun solltest, dann hast du noch nicht genug verstanden, was es bedeutet, dass Gott seinen Sohn gesandt hat, und solltest dieses Werk Gottes weiter wahrnehmen. Lasst uns beten.