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Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn
„Was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.“
(1. Johannes 1,3)
Wir wollen gemeinsam eine Gemeinde werden, in der Jesu Liebe gelebt, spürbar und erfahrbar ist. Das ist das Anliegen, für das wir in diesem Jahr besonders beten wollen. Passend dazu hatte sich R. gewünscht, dass wir den 1. Johannesbrief studieren. Dieser Brief ist sehr kurz. Der Brief ist nicht nur kurz, er ist extrem „einfach“. Das gesamte griechische Vokabular des NT sind 5437 Wörter. In den drei Johannesbriefen werden lediglich 303 verschiedene Wörter gebraucht; die meisten dieser Wörter gehören zum ganz einfachen Wortschatz. Zum Vergleich, ein Kindergartenkind im Alter von 4 Jahren benutzt mehr als 1000 verschiedene Wörter. Das Vokabular in diesem Brief ist also extrem knapp und einfach gehalten. Aber der Inhalt hat einen Reichtum, mit dem man sich ein ganzes Leben lang beschäftigen kann.
Die Liebe, so wie die Bibel den Begriff versteht, ist eine Hingabe an andere. Liebe ist ein sich Aufopfern, sich Aufgeben, sich Hingeben, um anderen zu dienen. D. h., die Liebe kann nur dort gelebt werden, wo es andere Personen gibt, denen diese Liebe erwiesen wird. Mit anderen Worten, Liebe braucht Gemeinschaft. Ohne Gemeinschaft kann es keine Liebe geben. Mit den ersten vier Versen des Briefes tauchen wir genau in diese Gemeinschaft ein. Wir haben hier erstens, den Ursprung, zweitens, die Offenbarung, drittens, die Verbreitung und viertens, das Ziel der christlichen Gemeinschaft.
1. Der Ursprung der christlichen Gemeinschaft
Wenn wir normale Sätze bilden, folgen wir in der Regel folgender Reihenfolge: Subjekt, Verb, Objekt. Beispiel: Jon kocht Hähnchen. Jetzt kann man natürlich auch im Deutschen das Objekt nach vorne stellen: Das Hähnchen wird von Jon zubereitet. Wir tun das, wenn wir etwas besonders hervorheben wollen. Dasselbe tut Johannes. Johannes beginnt mit dem Objekt des Satzes in Vers 1: das Wort des Lebens. Die Frage ist, wer oder was ist das Subjekt? Und wo ist das Verb? Wir finden das erst in Vers 3. Johannes macht erst noch einen Zwischeneinschub in Vers 2. Das Subjekt ist „wir“ und das Verb ist „verkünden“. Der Brief beginnt etwas seltsam und umständlich. Aber es macht deutlich, dass dieses Objekt dem Verfasser des Briefes praktisch alles bedeutete. Es gab nichts Wichtigeres und nichts Größeres für ihn.
Vers 1: „Was von Anfang an war, was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben vom Wort des Lebens …“ Wenn wir uns aktuelle Filme und Bücher der Popkultur anschauen, dann sehen wir, dass sogenannte Origin-Storys sehr beliebt sind. Wir wollen nicht einfach nur Batman dabei zuschauen, wie er Bösewichter verhaut. Wir interessieren uns dafür, wie aus Bruce Wayne Batman wurde. Wir wollen nicht einfach nur Spiderman dabei zuschauen, wie er sich durch New York hangelt. Wir wollen sehen, wie aus Peter Parker Spiderman wurde. Anfänge und Ursprünge üben eine Faszination auf uns aus. Das gilt nicht nur für Heldengeschichten. Was wir eigentlich verstehen wollen, ist der Ursprung aller Dinge. Wir interessieren uns für den Anfang der Anfänge, weil es dabei auch um unseren Anfang geht: Ich bin jetzt hier, aber woher komme ich eigentlich?
Wenn Johannes hier „Was von Anfang an war“ sagt, spricht er von nichts Geringerem als von dem Anfang aller Anfänge: die ultimative Origin-Story; die Erklärung dafür, warum es uns gibt und warum dieses ganze Universum existiert; die Erklärung nicht nur warum es uns gibt, sondern auch wofür es uns gibt. Was war am Anfang? Am Anfang war das Wort des Lebens. In seinem Evangelium hatte er geschrieben: „Am Anfang war das Wort.“ Diejenigen, die sich mit dem Johannes-Evangelium beschäftigt haben, werden sich daran erinnern, wie faszinierend es ist, dass Jesus als „das Wort“ bezeichnet wird. Wie kann eine Person ein Wort sein?
Um nur einen Aspekt dessen zu erläutern: Stellen wir uns einen Teenager vor, der über beide Ohren in Lisa verliebt ist. Aber er traut sich nicht, es ihr persönlich zu sagen. Also geht er zu Mona, die die beste Freundin von Lisa. Er fragt Mona: „Kannst du Lisa ausrichten, dass ich sie mag?“ Und stellen wir uns vor, dass Mona daraufhin antwortet: „Warum sagst du es Lisa nicht einfach selbst? Sie ist direkt neben mir.“ In diesem Moment hat der Teenager nicht nur eine Nachricht, die er vermitteln will. Er selbst wird zu dieser Nachricht, wenn er Lisa sagt: „Ich mag dich.“ Auf einer unendlich viel höheren und größeren Weise kommuniziert Gott zu uns. Im AT sprach Gott durch Mediatoren, durch Priester, durch Richter und durch Propheten. Priester und Propheten haben das Wort Gottes zum Volk gesprochen. Aber mit Jesus Christus tut Gott etwas kategorisch anderes. Gott spricht zu uns, indem er sich in Jesus Christus uns selbst gibt. Jesus Christus ist das endgültige Wort Gottes, das zu uns spricht. D. h., Jesus hat nicht nur eine Botschaft Gottes, er selbst ist die Botschaft Gottes; Jesus verkündet uns nicht nur gute Nachricht, er selbst ist die gute Nachricht; Jesus zeigt uns nicht nur, wie Gott ist, er selbst ist Gott.
Und das bringt uns zum zweiten Punkt.
2. Die Offenbarung der christlichen Gemeinschaft
Die erste zentrale Botschaft ist, dass Jesus Gott ist und dass Jesus ewig ist. Das, was Johannes in den ersten drei Versen über Jesus schreibt, ist absolut unerhört. Johannes behauptet jetzt, dass er dieses ewige Wort des Lebens, das im Anfang war, mit seinen eigenen Ohren gehört hatte und dass er ihn mit seinen Augen gesehen hatte. Nicht nur das, er sagt, dass sie ihn „geschaut“ hatten. Was ist der Unterschied zwischen Sehen und Schauen? Das griechische Wort für Schauen ist theaomai und die Elberfelder Studienbibel erklärt: „betrachten, genau ansehen; es beinhaltet eine erstaunte Aufmerksamkeit mit einem sorgfältigen und genauen Blick, der seinen Gegenstand zu erfassen sucht.“ So weit, so unbegreiflich. Hören, Sehen, Schauen – so weit kommen wir, wenn wir hunderte von Euros ausgeben, um ein Konzert unseres Lieblingspopstars zu besuchen. Aber dann hat Johannes auch noch den Wagemut zu sagen: „was unsere Hände angefasst haben …“ Jesus war sprichwörtlich zum Anfassen nahe.
Wie konnte es dazu kommen? Johannes erklärt das durch einen Zwischeneinschub: „das Leben ist erschienen und wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns erschienen ist.“ Johannes schreibt, dass das Leben erschienen ist. Andere Übersetzungen schreiben, dass das Leben offenbart worden ist. Als ich vor ein paar Wochen über 1. Korinther 15 gepredigte, hatte ich gesagt, dass Jesus den Graben überwunden hat, der zwischen Gott und den Menschen besteht. C.S. Lewis hatte gesagt, dass wenn es einen Gott gibt, dass Gott kein Nachbar ist, der ein Stockwerk über uns wohnt. Wenn es Gott gibt, dann ist dieser Gott nicht Teil dieses Universums; er ist nicht Teil unseres Bezugssystems; er ist nicht inhärenter Teil dieser Realität. Er steht außerhalb von Raum und Zeit.
Die einzige Möglichkeit, der einzige Weg, wie wir diesen Gott erfahren können, ist nicht, indem wir uns auf die Suche nach ihm machen; Gott muss sich auf die Suche nach uns machen. Nicht wir kommen primär zu ihm; Gott kommt primär zu uns. Nicht wir gehen hinauf in den Himmel; der Himmel kommt herab zu uns. Und das ist es, was Johannes hier schreibt. Der ewige Gott ist erschienen; er hat sich uns offenbart. Gott ist uns so nahe gekommen, dass wir ihn nicht nur hören, sehen und betrachten konnten, sondern dass Johannes ihn sogar anfassen konnte.
Als ich vor vielen Jahren auf dem Gymnasium war, hatte ich einen Geschichtslehrer der alten Schule. Wenn er uns eine Frage gestellt hatte, und wenn wir unbedacht unsere Antwort mit den Worten begannen „ich glaube …“ bekamen wir in der Regel von ihm zu hören: „Glauben kannst du in der Kirche. Bei mir musst du es wissen!“ Glaube gilt als etwas, was wachsweich ist. In unserer Gesellschaft darf im Prinzip jeder das glauben, was er glauben möchte.
Gottfried Lessing versucht in seiner berühmten Ringparabel nuanciert zu argumentieren, dass keine Religion für sich beanspruchen kann, die Wahrheit zu haben. In der Ringparabel besitzt ein Vater einen Ring, der den Träger des Rings bei Gott und bei den Menschen beliebt macht. Der Vater hat drei Söhne, die er alle liebt. Weil alle Söhne gleich würdig zu sein scheinen, lässt der Vater identische Kopien von dem Ring machen und gibt jedem Sohn einen Ring. Nachdem der Vater gestorben ist, behauptet jeder Sohn, den echten Ring zu haben. Die Echtheit lässt sich nicht nachweisen. Als der Fall vor Gericht kommt, urteilt der Richter, dass niemand beweisen kann, den echten Ring zu haben. Vielleicht ist der echte Ring ja auch verloren gegangen und alle haben eine Kopie. Er legt nahe, dass jeder Sohn durch sein Verhalten und durch ein gutes Leben zeigen soll, dass er im Besitz des wahren Ringes ist.
Lessings Parabel ist, wie ich schon gesagt hatte, sehr nuanciert und wird gerne missverstanden als ein „alle Religionen haben doch irgendwo recht“. Oder, weil Lessing argumentiert, dass keine Religion beweisen kann, die Wahrheit zu haben, ist die Wahrheit unwichtig; Lehren und Dogmen sind unwichtig. Oder, weil Lessing uns lehrt, dass wir tolerant sein sollten, brauchen wir keine Auseinandersetzungen mit dem Inhaltlichen mehr. Und vielleicht hast du ähnliche Anschauungen. Vielleicht wirst du auch extrem misstrauisch, wenn Religionen behaupten, die absolute Wahrheit zu haben.
Aber hier ist der Punkt: für den Apostel Johannes war die Tatsache, dass Gott in Jesus Mensch geworden ist, eben gerade das: eine Tatsache. Es war eine Aussage, die für sich beansprucht, objektive, stichhaltige Wahrheit zu sein. Robert Yarbrough argumentiert, dass die Worte „hören, sehen, betrachten, anfassen“ die Worte eines Augenzeugen sind: ein Zeugnis, das vor Gericht wirksam ist. Er schreibt in seinem Kommentar: „Die Wahrheit hängt ebenso sehr davon ab, was Gott durch Wort oder Tat, in der Schöpfung oder in der Erlösung offenbart hat, wie davon, was Menschen beobachten und daraus schließen. […] Ein feierliches Zeugnis im Anschluss an ein Ereignis, das von zwei oder mehr Personen bezeugt wurde, war der Mechanismus, den Gott in alttestamentlicher Zeit zur Feststellung von Tatsachen vorgesehen hatte. […] Wenn Johannes also schreibt: ‚Wir haben gesehen und bezeugen es‘, macht er nicht einfach nur Konversation, sondern legt praktisch eine eidesstattliche Erklärung ab.“
Für unsere Zeit ist das oft schwer verdaulich. Johannes konfrontiert uns nicht mit Ethik, Gefühlen, Meinungen, Präferenzen. Er konfrontiert uns hier mit der Tatsache der Historizität Jesu.
3. Die Verbreitung der christlichen Gemeinschaft
Wir kommen in Vers 3 endlich zum Subjekt und Verb des Satzes: „was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.“ Hier ist die Art und Weise, wie sich die christliche Gemeinschaft verbreitet: Es geschieht durch Verkündigung. Das Wort wird gepredigt, und dort, wo das Wort gepredigt wird, werden Menschen eingeladen, sich dieser Gemeinschaft anzuschließen. (Das ist auch das erklärte Ziel von dieser Predigt).
Eine Anwendung, bevor wir fortfahren. Ich habe vorhin gesagt, dass es im christlichen Glauben nicht primär um Ethik oder Meinungen geht. Das Zentrum des christlichen Glaubens ist die Person Jesus Christus, der Mensch geworden ist, der am Kreuz gestorben ist und der von den Toten auferstanden ist. (Das sind die Glaubenssätze, die wir jeden Sonntag im Gottesdienst bekennen). Wir glauben das nicht nur, wir verkündigen das auch. Das ist ein Punkt, mit dem viele Menschen in unserer Gesellschaft Probleme haben. Vielleicht haben wir auch schon solche Sätze gehört wie: „Du kannst glauben, was du willst. Aber kannst du deinen Glauben für dich behalten?“ Vielleicht haben manche hier ähnliche Gedanken: „Glaube ist so eine persönliche Sache. Ich will nicht von anderen missioniert werden.“
Kathy Keller erzählte davon wie ihr Mann Tim Keller über viele Jahre hinweg jeden Sonntag nach dem Gottesdienst eine Frage-Antwort-Stunde gehalten hatte. Nach jedem Gottesdienst blieben 50-100 interessierte New Yorker und stellten alle ihre schwierigen und skeptischen Fragen: „Glaubst du wirklich daran, dass Jesus der einzige Weg ist?“ „Denkst du wirklich, dass alle Menschen, die nicht an Jesus glauben, in die Hölle kommen?“ „Glaubst du wirklich, dass Sex außerhalb der Ehe Sünde ist?“ Oft antwortete Tim Keller mit EINER Gegenfrage: „Glaubst du, dass Jesus von den Toten auferstanden ist?“ Das hat viele sehr überrascht. „Was hat denn die Auferstehung Jesu mit meiner Frage zu tun?“ Antwort: Alles! „Wenn Jesus nicht von den Toten auferstanden ist, dann ist doch völlig egal, was ich hier predige und glaube. Es ist alles völlig belanglos. Es ist nichts als heiße Luft. Und es braucht dich nicht weiter zu bekümmern. Aber wenn Jesus von den Toten auferstanden ist, dann musst du dein ganzes Leben überdenken.“
Die Frage, mit der du dich auseinandersetzen musst, ist, ob Jesus wirklich das Wort des Lebens ist, ob Jesus, das Leben wirklich unter uns erschienen ist, ob dieser Jesus wirklich für uns gestorben und danach auferstanden ist. Wenn Jesus nicht derjenige ist, der er behauptet zu sein, dann ist er völlig unwichtig. Aber wenn Jesus derjenige ist, der er behauptet zu sein, dann ist er unendlich wichtig. Jesus muss dann die bedeutendste und dringendste Angelegenheit deines Lebens werden. D. h., wer Jesus ist, ist die wichtigste Frage deines Lebens. Alle anderen Fragen sind mit ganz großem Abstand zweit- und drittrangig.
4. Das Ziel der christlichen Gemeinschaft
Johannes schließt seine Einleitung mit dem Wort ab: „Dies schreiben wir, damit unsere Freude vollkommen ist.“ Johannes spricht von „unserer Freude“. Er gebraucht in den ersten Versen das Wort „wir“. Wahrscheinlich meinte er damit die Augenzeugen, die Jesus persönlich gesehen und erlebt hatten. Zu dem Zeitpunkt, als Johannes diesen Brief schrieb, waren die meisten dieser Augenzeugen bereits verstorben. Nicht wenige von ihnen waren als Märtyrer gestorben. Die Frage ist dann, wer mit „wir“ in Vers 4 gemeint ist. Und die Antwort ist in Vers 3: „was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.“ Durch die Verbreitung der christlichen Gemeinschaft entsteht ein neues „wir“. Das „wir“ der direkten Augenzeugen Jesu wird erweitert zu einem neuen „wir“, und zwar alle Menschen, die bereit sind und gewillt sind, sich dieser Gemeinschaft anzuschließen. Das Ziel der Gemeinschaft ist Freude. Und zwar die Freude von uns allen. Unser aller Freude soll vollkommen werden, und sie wird dadurch vollkommen, wenn wir in Gott dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus Gemeinschaft haben.
Theologisch ergibt das sehr viel Sinn. Warum hat Gott diese Welt erschaffen? Warum hat Gott uns erschaffen? Die alten Babylonier glaubten daran, dass Menschen geschaffen wurden, damit sie den Göttern dienen. Die Götter hatten keinen Bock auf Arbeiten und schufen daher niedrige Kreaturen (die Menschen), die diese Arbeiten für sie erledigen sollten. Der Gott der Bibel ist ganz anders. Er erschafft die Welt, um seine Herrlichkeit zu offenbaren. Der Gott der Bibel ist vollkommen in sich selbst. Er braucht nichts und niemanden, um besser, größer oder schöner zu sein, weil alle Vollkommenheit, Größe und Schönheit bereits in ihm ist. Gott ist ein Gott voll unendlicher Freude. Der Grund, weshalb Gott die Welt geschaffen hat, ist nicht der, dass er seine eigene Freude vergrößern wollte. Er hat uns geschaffen, um seine überfließende Freude mit uns zu teilen. Er hat uns geschaffen, um seine liebevolle Gemeinschaft mit uns zu teilen.
Um kurz zusammenzufassen: der Ursprung der christlichen Gemeinschaft ist das Wort des Lebens, das im Anfang war. Das Leben wurde unter uns offenbart, als Jesus Mensch geworden ist, um unter uns zu wohnen. Die Gemeinschaft wird verbreitet, wenn Jesus Christus verkündigt wird. Und das Ziel der christlichen Gemeinschaft ist die Vollkommenheit unserer Freude, die Gott uns schenkt, weil er seine unendliche Freude, die er in Ewigkeit hatte, mit uns teilen will.
Eine letzte Anwendung: das, was Johannes in diesen wenigen Versen aussagt, erklärt auf eine fundamentale Weise, wer wir sind und wie wir ticken: Wir Menschen sind Gemeinschaftswesen. Ganz egal, ob du introvertiert oder extrovertiert bist, ganz egal wie anstrengend du es findest, mit anderen Menschen zusammen zu sein oder auch nicht, du wurdest zu Gemeinschaft geschaffen. (Ich meine damit nicht, dass Zeiten des Alleinseins und der Zurückgezogenheit unwichtig sind; im Gegenteil, das ist sehr wichtig. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass wir in erster Linie zu Gemeinschaft gemacht wurden und in Gemeinschaft unsere Erfüllung finden).
Ein paar Beobachtungen: eine Harvard Studie kam zu der Erkenntnis, dass Beziehungen und wie glücklich wir in den Beziehungen sind, maßgeblichen Einfluss darauf hat, wie gesund wir sind. Harvard Professor Robert Waldinger sagte dazu: „Einsamkeit tötet. Sie ist genauso gefährlich wie Rauchen oder Alkoholismus.“ Die Studie zeigte auch, dass enge Beziehungen, mehr als Geld und Ruhm, einen viel größeren Einfluss darauf haben, wie glücklich wir sind. Das deckt sich gut mit unseren Erfahrungen. Denken wir an die glücklichsten Momente unseres Lebens. Die große Mehrheit der schönsten Momente unseres Lebens hatten wir nicht alleine, sondern in Gemeinschaft: der Tag, an dem wir die Liebe unseres Lebens getroffen hatten, der Hochzeitstag, die Geburten der Kinder, die Geburten der Enkelkinder.
Oder eine andere interessante Beobachtung: wenn wir jemanden unsere Liebe bekennen, dann sagen wir vielleicht folgendes: „Ich liebe dich. Ich werde dich für immer lieben.“ Wir versprechen uns ewige Liebe. Was wir eher nicht sagen, wäre z. B.: „ich liebe dich, aber nur so lange ich lebe; weil, wenn ich tot bin, dann kann ich dich ja nicht mehr lieben.“ Sich ewige Liebe zu versprechen, ist nicht nur romantische Gefühlsduselei. Wir wollen, dass Liebe ewig hält, weil wahre Liebe ewig sein muss und den Tod überwinden muss, ansonsten wäre es keine echte Liebe; weil alles andere als ewige Liebe für uns nicht wirklich akzeptabel zu sein scheint.
Der Grund weshalb wir uns so fühlen, liegt laut Johannes darin begründet, was am Anfang war. Am Anfang war der dreieinige Gott. Am Anfang des Universums war ewige Gemeinschaft zwischen Gott dem Vater und seinem Sohn Jesus Christus. Der Heilige Geist gehört auch noch dazu. Am Anfang war Liebe. Liebe ist das, was dieser Welt ursprünglich zugrunde liegt. Das ist der Grund, weshalb jeder Mensch ein Bedürfnis nach echter Gemeinschaft hat. Es ist der Grund, weshalb jeder Mensch ein Bedürfnis nach wahrer Liebe hat; nicht nur Liebe von anderen Menschen, sondern vor allen anderen Dingen die Liebe Gottes offenbart in Jesus Christus.
Apostel Johannes, der Jesus persönlich gesehen hatte, lädt uns nun zu dieser Gemeinschaft ein.