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Lasst alles zur Erbauung geschehen!
„Wie ist es nun, Brüder und Schwestern? Wenn ihr zusammenkommt, so hat ein jeder einen Psalm, er hat eine Lehre, er hat eine Offenbarung, er hat eine Zungenrede, er hat eine Auslegung. Lasst es alles geschehen zur Erbauung!“
(1. Korinther 14,26)
Im heutigen Text lehrt der Apostel Paulus die Christen in Korinth und damit auch uns über die unterschiedlichen Gaben, die Gott durch seinen Geist den Gläubigen gibt, und darüber wie sie bewertet und angewendet werden sollen. Paulus schreibt darüber ein ganzes Kapitel, weil in der Korinthergemeinde darüber Unklarheit herrschte und viele ihre Gaben im Gottesdienst rücksichtslos einsetzten in einer Weise, die für die Gemeinde schädlich war. Paulus lehrt uns in diesem Kapitel deutlich das Ziel, wozu alles in der Gemeinde dienen soll, nämlich dass die Gemeinde dadurch erbaut wird. Dies zeigt uns das Anliegen, an dem sich all unser Reden und Tun in der Gemeinde orientieren soll und dem wir alle persönlichen Wünsche und Bestrebungen unterordnen sollen. Lasst uns heute lernen, welche geistliche Gaben Gott seinen Kindern gibt, nach denen wir streben sollen, und wie wir sie in seinem Sinne richtig gebrauchen! Lasst uns vor allem Gottes Herzensanliegen verstehen, dass die Gemeinde erbaut werden soll, und lasst uns dafür beten und danach streben!
Betrachten wir den Text. Der Vers 1 beginnt mit den Worten: „Strebt nach der Liebe!“ Diese Aufforderung ist eine Schlussfolgerung aus dem vorangehenden Kapitel über die Liebe, über das wir letzte Woche die Predigt von N. gehört haben. Es reicht nicht, wenn wir nur theoretisch wissen, wie bedeutsam und großartig die Liebe ist. Als Christen sollen wir jeden Tag danach streben, Jesu Liebe in unserem Herzen zu haben und die Liebe an unseren Mitmenschen auszuüben, ganz besonders in der Familie und in der Gemeinde. Gerade an unserer Liebe wird für andere sichtbar und erfahrbar, dass wir Jesu Liebe wirklich erkannt haben und dass diese Liebe größer und anders ist, als Liebe in der Welt. Lasst uns nach der Liebe streben, damit wir uns untereinander wirklich ermutigen, trösten und helfen können und diejenigen, die Jesus noch nicht persönlich kennen, zu ihm einladen und auf seine große Liebe hinweisen können!
Aber Paulus wusste, dass die Christen in Korinth neben dieser grundsätzlichen Ermutigung weitere konkrete Hilfe brauchten, damit sie ihre Probleme in der Gemeinde überwinden können. Worum ging es? Paulus schreibt im Vers 1 weiter: „Bemüht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber darum, dass ihr prophetisch redet!“ Es ging um die Gaben des Heiligen Geistes und wie man sie richtig gebrauchen sollte. Wenn wir sorgfältig betrachten, was Paulus in diesem Kapitel schreibt, wird deutlich, dass viele Korinther zwar Gaben vom Heiligen Geist erhalten hatten, dass viele aber nicht wussten, wie sie sie gut gebrauchen sollten. Viele praktizierten ihre Gabe im Gottesdienst und redeten einfach drauflos, ohne Rücksicht auf die anderen. Daher redeten oft viele wild durcheinander, teilweise in Sprachen, die keiner verstehen konnte. Als Folge davon waren ihre Gottesdienste oft chaotisch, anstrengend und ganz und gar nicht erbaulich.
Betrachten wir noch einmal Vers 1. Paulus ermutigt die Gläubigen in Korinth und damit auch uns dazu, sich um die Gaben des Geistes zu bemühen. Paulus wiederholt diese Ermutigung in diesem Kapitel mehrfach. Wir können uns um die Gaben des Geistes bemühen, indem wir konkret dafür beten. Unser Motiv sollte dabei nicht sein, dass wir einfach eine neue, exotische Erfahrung machen oder andere mit unseren geistlichen Gaben beeindrucken wollen, sondern damit wir Gott besser ehren und anderen in der Gemeinde besser dienen können.
Paulus macht aber auch von Anfang an deutlich, dass nicht alle Gaben in gleichem Maß erstrebenswert sind. Er ermutigt im Vers 1 dazu, dass wir uns am meisten darum bemühen sollen, prophetisch zu reden. Er begründet das in den folgenden Versen so: „Denn wer in Zungen redet, der redet nicht zu Menschen, sondern zu Gott; denn niemand versteht ihn: im Geist redet er Geheimnisse. Wer aber prophetisch redet, der redet zu Menschen zur Erbauung und zur Ermahnung und zur Tröstung.“ (2.3) Das Reden in Zungen (anders übersetzt: in Sprachen) ist ein vom Geist gewirktes Beten in einer anderen Sprache, die für andere nicht verstehbar ist. Es hilft dem Betreffenden, mit Gott Gemeinschaft zu haben und dadurch selbst geistlich erbaut zu werden. Die anderen Gläubigen werden dadurch aber nicht erbaut, weil sie nicht verstehen können, was der andere sagt.
Ganz anders verhält es sich, wenn jemand die Gabe der prophetischen Rede. Damit ist nicht nur das Voraussagen von Dingen gemeint, die in der Zukunft passieren werden. Nach Vers 3 ist die Gabe des prophetischen Redens ein Reden, das andere geistlich aufbaut, sie ermahnt, ermutigt und tröstet. Diese Gabe kann beim persönlichen Gespräch zum Tragen kommen, beim gemeinsamen Bibellesen oder in Versammlungen wie zum Beispiel im Gottesdienst.
Paulus stellt diese beiden Gaben einander gegenüber und schreibt: „Wer in Zungen redet, der erbaut sich selbst; wer aber prophetisch redet, der erbaut die Gemeinde. Ich möchte, dass ihr alle in Zungen reden könnt; aber noch viel mehr, dass ihr prophetisch redet. Denn wer prophetisch redet, ist größer als der, der in Zungen redet; es sei denn, er legt es auch aus, auf dass die Gemeinde erbaut werde“ (4.5). Paulus stellt klar, dass beide Geistesgaben ihren Wert haben und erstrebenswert sind. Aber die Gabe der prophetischen Rede ist größer und erstrebenswerter als das Reden in Zungen, weil dadurch die Gemeinde geistlich erbaut wird. Und dieses Anliegen sollte unser ganzes Verhalten in der Gemeinde bestimmen, weil die Erbauung der Gemeinde, also ihr Aufbau und ihre Stärkung, Gottes grundlegendes Anliegen ist.
In den Versen 6–11 führt Paulus deshalb verschiedene Argumente an, um zu zeigen, wie wichtig es ist, dass das, was in der Gemeinde gesprochen wird, für die anderen verständlich sein soll. Wenn Paulus in der Gemeinde in Zungen reden würde, könnten ihn die Gemeindeglieder nicht verstehen. Ein Musikstück vom Orchester ist dann schön, wenn die verschiedenen Instrumente erkennbar unterschiedliche Töne von sich geben und nicht alle ähnliche, nicht differenzierbare Klänge (Eine weitere Voraussetzung ist natürlich auch, dass die unterschiedlichen Töne gut zueinander passen). Wenn Menschen in unterschiedlichen Sprachen sprechen und einander nicht verstehen, bleiben sie einander fremd und ihre Worte nutzlos. Damit betont Paulus den Punkt, wie wichtig es ist, dass durch alles, was in der Gemeinde geredet wird, die anderen erbaut werden sollen.
Im Vers 12 zieht Paulus folgende Schlussfolgerung: „So auch ihr: Da ihr euch bemüht um die Gaben des Geistes, so trachtet danach, dass ihr sie im Überfluss habt und so die Gemeinde erbaut.“ Wenn wir uns um die Gaben des Geistes bemühen, sollen wir danach trachten, sie im Überfluss zu haben und sie so zu verwenden, dass die Gemeinde erbaut wird. Dass alle in der Gemeinde erbaut werden durch unsere Worte und Tun, soll unser aller Herzensanliegen sein und unser größtes Anliegen werden. Es geht in der Gemeinde nicht vor allem darum, dass ich mich selbst wohlfühle, dass meine eigenen Bedürfnisse erfüllt werden. Wir sollen Gottes Anliegen begreifen, der will, dass die Gemeinde fortlaufend erbaut wird, von der er uns zu einem Teil gemacht hat. Wenn wir alle dieses Anliegen zu unserem machen, dafür beten und unser ganzes Verhalten in der Gemeinde danach ausrichten, kann die ganze Gemeinde wachsen und wir selbst als ein Teil davon glücklich sein.
Deshalb sollte jemand, der in der Gemeinde in Zungen redet, es auch auslegen. Sonst sollte er nur zu Hause für Gott und für sich selbst in Zungen beten. Paulus ist nicht gegen Zungenrede. Er sagt, dass er selbst mehr in Zungen redete als sie alle. Aber er wollte lieber fünf Worte mit seinem Verstand reden als zehntausend Worte in Zungen, damit auch die andern dadurch erbaut werden. Wenn ein Ungläubiger in die Gemeinde kommt, und alle in Zungen reden würden, würde er eher erschreckt werden und nicht wieder kommen, weil er denkt, sie wären von Sinnen. Wenn aber Gläubige durch die Gabe der prophetischen Rede sein geistliches Problem adressieren können, würde er vor Gott niederfallen und anerkennen, dass Gott unter ihnen ist.
Welche Schlussfolgerung zieht Paulus? Betrachten wir die Vers 26-32a: Wie ist es nun, Brüder und Schwestern? Wenn ihr zusammenkommt, so hat ein jeder einen Psalm, er hat eine Lehre, er hat eine Offenbarung, er hat eine Zungenrede, er hat eine Auslegung. Lasst es alles geschehen zur Erbauung! Wenn jemand in Zungen redet, so seien es zwei oder höchstens drei und einer nach dem andern; und einer lege es aus. Ist aber kein Ausleger da, so schweige er in der Gemeinde und rede für sich selber und für Gott. Auch von den Propheten lasst zwei oder drei reden, und die andern lasst darüber urteilen. Wenn aber einem andern, der dabeisitzt, eine Offenbarung zuteilwird, so schweige der Erste. Ihr könnt alle prophetisch reden, doch einer nach dem andern, damit alle lernen und alle ermahnt werden. Die Geister der Propheten sind den Propheten untertan. Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens.“
Mit diesen Worten ordnete Paulus den Gottesdienst der Korinther. Jeder durfte sich beteiligen. Deshalb sollte es Zungenrede nur dann geben, wenn sie von jemandem ausgelegt werden kann. Auch die prophetische Rede sollte es nur zwei- oder dreimal geben, und andere sollten beurteilen, ob das Gesagte nach der Bibel richtig ist. Der Hauptpunkt ist, dass alles zur Erbauung geschehen soll. Auch wenn einige sich vom Geist gedrängt fühlen, sollen sie doch nicht direkt reden, sondern Rücksicht auf die andern nehmen und prüfen, ob das, was sie sagen wollen, die anderen wirklich erbaut. Dass die Gemeinde erbaut wird, ist Gottes Wunsch und sein Anliegen, dem alles, was in der Gemeinde geschieht, dienen soll.
Wir lernen heute, dass wir für geistliche Gaben beten, besonders dafür, dass wir die Gabe der prophetischen Rede erhalten und andere durch unsere Worte geistlich aufbauen, ermutigen und wirklich trösten können. Wir haben einen wesentlich stärker geordneten Gottesdienst als die Christen in der Korinthergemeinde und haben nicht die Probleme, die es dort gab. Aber es wichtig, dass wir das Anliegen beherzigen, dass durch alles, was wir sagen und tun, die Gemeinde erbaut wird. Wir reden nicht öffentlich in Zungen, aber wir sollen uns prüfen, ob wirklich alles, was wir in der Gemeinde sagen, die anderen erbaut, und sollten darauf achten, dass wir kein unnützes Zeug reden, sondern mit Verantwortungsbewusstsein. Lasst uns beten.