Download [ODT] [PDF] Bibeltext
Gaben und Dienste
„Darum erkläre ich euch: Keiner, der aus dem Geist Gottes redet, sagt: Jesus sei verflucht! Und keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet.“
(1. Korinther 12,3)
Wir Christen glauben an einen Gott, der sich in drei Personen offenbart hat: Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der Heilige Geist. Die Bibel sagt, dass die Menschen, die an Jesus glauben, den Heiligen Geist empfangen, d. h., Gott selbst fängt an, in unseren Herzen zu wohnen. Wenn Gott in uns wohnt, dann bleibt das nicht ohne Folgen. Was würden wir auch anderes erwarten? Wenn der Heilige Geist in uns wohnt, dann werden merkwürdige und außergewöhnliche Dinge passieren. Wir erfahren, wie eine Kraft, die nicht von dieser Welt ist, in uns und durch uns anfängt zu wirken. Und wir bekommen das, was der Text Gaben des Geistes nennt. Im heutigen Text geht es um diese Gaben und wie diese Gaben in der Gemeinde zum Einsatz kommen sollten.
Meines Erachtens ist das Hauptziel einer Predigt, die frohe Nachricht von Jesus zu verkündigen. Aus dieser Warte aus betrachtet, ist unser Text heute nicht einfach zu predigen. Es ist ein Text, der sich wunderbar für einen theologischen Vortrag eignet. Man kann auch sehr gut darüber diskutieren. (Und der Inhalt wurde auch schon im Lauf der Kirchengeschichte sehr heftig und kontrovers diskutiert. Es haben sich schon einige Gemeinden darüber zerstritten). Die Lehren dieses Textes richten sich ganz klar an Menschen, die bereits mit Jesus unterwegs sind. Aus diesem Grund möchte ich etwas tiefer auf die drei einleitenden Verse eingehen. Die sind für alle sehr relevant. Diese Worte sind für dich, egal ob du an Jesus glaubst oder nicht. Aufgrund des Textes gibt es drei Fragen, über die wir nachdenken wollen: erstens, wem wir dienen, wenn wir den Geist nicht haben; zweitens, wem wir dienen, wenn wir den Geist haben; drittens, wie dieser Dienst aussieht – mit ein paar praktischen Hinweisen.
1. Wem wir dienen, wenn wir den Geist Gottes nicht haben
Vers 1 gibt uns einen wichtigen Anhaltspunkt, wo wir uns im Brief befinden: „Auch über die Gaben möchte ich euch nicht in Unkenntnis lassen, meine Brüder und Schwestern.“ Kurz zu Erinnerung: In den ersten vier Kapiteln hatte Paulus das größte Problem der Gemeinde angesprochen: Spaltungen und tiefer Zwist. In den folgenden Kapiteln geht er dann nacheinander auf verschiedene Fragen und Themen ein, die von den Korinthern selbst ins Spiel gebracht wurden. Die Christen in Korinth hatten Paulus einen Brief geschrieben, in dem sie ihm Verschiedenes berichtet hatten und auch verschiedene Fragen gestellt hatten. Eine der Fragen war, was es mit den Gaben des Geistes auf sich hat. Und hier in Vers 1 sagt Paulus, dass er jetzt auf diese Frage eingeht. Paulus startet einen neuen Diskurs, der bis zum Ende von Kapitel 14 reicht.
Was genau, war das Problem? Und was genau war die Frage, die Paulus gestellt wurde? Gute Frage. Ich hatte früher schon einmal erklärt, dass uns bei den Paulusbriefen leider nur eine Seite der Konversation erhalten geblieben ist. Es ist, als ob wir einer Person beim Telefonieren zuhören. Wir hören nur die Hälfte des Gespräches und müssen versuchen aus dieser Hälfte zu rekonstruieren, worum es geht. Und das ist hier nicht sehr einfach. Wir können folgendes vermuten: Die Gemeinde von Korinth war eine Gemeinde, in der die Gaben des Heiligen Geistes eifrig praktiziert wurden. Aber die Art und Weise, wie diese Gaben zum Einsatz kamen, führte dazu, dass damit mehr Schaden angerichtet wurde, als dass dadurch geholfen wurde. Wir können auch vermuten, dass die Geistesgaben dazu führten, dass es eine Zweiklassengesellschaft in der Gemeinde gab: Diejenigen, die mit besonderen Gaben gesegnet waren, fühlten sich als etwas Besseres; sie hielten sich für die geistliche Elite, für diejenigen, die Gott besonders nah waren, d. h., sie waren arrogant und schauten auf die anderen herab.
Das scheint der Grund zu sein, weshalb Paulus in den Versen 2 und 3 ein wenig ausholt, bevor auf das eigentliche Thema zu sprechen kommt. Vers 2. „Als ihr noch Heiden wart, zog es euch, wie ihr wisst, mit unwiderstehlicher Gewalt zu den stummen Götzen.“ Wem oder was dienen wir, wenn wir den Geist Gottes nicht haben? Die Antwort ist, stummen Götzen.
Wie die meisten von euch wissen, war die Antike voll von vielen Götzen. Und für die Götzen gab es überall Tempel, so auch in der Stadt Korinth. Das Interessante ist, dass Paulus hier beschreibt, dass diese Götzen eine große Anziehungskraft ausübten. Die Einheitsübersetzung schreibt hier „mit unwiderstehlicher Gewalt“. David Garland beschreibt das sehr anschaulich in seinem Kommentar: „Dieser Ausdruck passt zum Alltag einer hellenistischen Stadt wie Korinth (R. Horsley übersetzt ihn mit »ihr wurdet zu stummen Götzenbildern abgeführt«). Man kann das auf die sogenannten pompē beziehen, eine kultische Festprozession, bei der die Teilnehmer gewöhnlich eine heilige Route entlangzogen. Am Ende der Prozession stand der Zug der Anhänger vor den Bildern des Heiligtums. Es war eines der öffentlichsten, aufwendigsten, teuersten und aufregendsten Ereignisse im ‚liturgischen Jahr‘ eines Heiligtums. Nicht alle der korinthischen Konvertiten – falls überhaupt welche – waren Mitglieder ekstatischer Kulte, aber alle ehemaligen Heiden in der Gemeinde hatten wohl irgendwann einmal an einem Götterumzug teilgenommen, da religiöse Prozessionen ein äußerst verbreitetes Element der griechischen und römischen Religionsausübung waren.“
Meine naive Vermutung ist, dass niemand von uns an solchen Göttermärschen durch die Stadt teilgenommen hat. In der Mitte unserer Stadt steht kein Tempel von Zeus, Apollo oder Artemis. Aber die Bibel sagt, dass wir alle von Götzen angezogen sind, und zwar mit unwiderstehlicher Macht. Die Götzen heißen heute anders. Damals wie heute geht es um genau dasselbe: Macht, Geld und Sex.
Ich gebe euch nur ein Beispiel. In dem Buch Der Herr der Ringe, gibt es einen Ring, von dem viele verführt werden. Dieser Ring wurde vom Erzbösewicht Sauron geschmiedet, um alle in Mittelerde zu knechten und zu unterwerfen. Sauron wird besiegt, und der Ring geht erst einmal verloren. Später wird der Ring von einem Hobbit namens Smeagol gefunden. Der Ring gibt ihm neue Fähigkeiten und verleiht ihm ein unnatürlich langes Leben. Aber der Ring tut noch etwas anderes. Es vergiftet sein Herz und verändert ihn zu einem hässlichen Wesen, das besessen ist von diesem Ring. Das, was der Ring symbolisiert, ist Macht. Die Faszination von Macht ist so alt wie die Menschheit selbst.
Frage: Ist euch aufgefallen, wie ähnlich Machtmenschen, Diktatoren, Autokraten überall auf der Welt sind? Seit jeher bauen praktisch alle Alleinherrscher einen Personenkult auf: Überall in ihrem Reich sieht man große Statuen und Bilder von ihnen. Autokraten lieben es, gehuldigt zu werden: In aller Öffentlichkeit müssen ihre Untertanen sie preisen und ihnen sagen, wie toll sie sind, weil sie das brauchen. Autokraten lieben es, ihre Macht zu zelebrieren: Sie liebe große Aufmärsche und Militärparaden. Autokraten lieben auch riesige und pompöse Architektur. Es gibt noch viele weitere Gemeinsamkeiten. Was ich damit sagen will: Gestern wie heute gab es und gibt es unzählige Menschen, die besessen sind vom Ring der Macht.
Und vielleicht gibt es in dir ähnliche Tendenzen. Vielleicht hast du ein fragiles Ego, das davon abhängig ist, von anderen ständig gelobt und anerkannt zu werden. Vielleicht befinden sich in dir ähnliche Tendenzen der Selbstzentriertheit, dass es immer vor allem um dich geht. Vielleicht hast du Tendenzen, andere kontrollieren zu wollen. Vielleicht bist du besessen davon, immer deine eigenen Interessen durchsetzen zu müssen, dass du dafür bereit bist, andere auszubooten oder dir zumindest wünschen würdest, sie würden aus dem weg gehen. Viele haben ganz ähnliche Tendenzen, der Faszination der Macht über andere zu erliegen; und von dem Ring der Macht vergiftet zu werden. Warum tun wir das? Weil wir der Illusion erliegen, dass diese Art von Macht uns glücklich machen kann. Smeogol ist Gollum geworden, weil er dachte, dass der Ring ihm Glück und Zufriedenheit schenken kann. Das genaue Gegenteil war der Fall. Die Macht ist der stumme Götze, welche sein Leben ruinierte.
Fakt ist, wir alle dienen etwas. Wir alle sind etwas oder jemandem erlegen. Da gibt es keine Ausnahmen. Die Frage ist nur wem wir dienen.
2. Wem wir dienen, wenn wir den Geist Gottes haben
In Vers 3 fährt Paulus fort: „Darum erkläre ich euch: Keiner, der aus dem Geist Gottes redet, sagt: Jesus sei verflucht! Und keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet.“ Die Tatsache, dass Menschen mit dem Geist erfüllt sind, äußert sich darin, dass sie Jesus als Herr bekennen. In Römer 10,9 heißt es: „Denn wenn du mit deinem Mund bekennst: Jesus ist Herr – und in deinem Herzen glaubst: Gott hat ihn von den Toten auferweckt, so wirst du gerettet werden.“
Vielleicht fragt ihr euch: Was ist daran so besonders, mit dem Mund diese Worte auszusprechen, dass Jesus der Herr ist? Kann das nicht einfach jeder sagen? Zwei Hinweise dazu. Zum einen, zu sagen, dass Jesus der Herr ist, kann man vielleicht ein ganz klein wenig damit vergleichen, wenn ich sagen würde, dass ich mit G. verheiratet bin. „Ich bin G.’s Ehemann“ ist eine Aussage, die ich nur dann machen sollte, wenn diese Aussage wahr ist, und wenn ich das meine. Hinter der Aussage steckt ein gemeinsames Leben, Pflichten, Aufgaben, Verantwortung, Dienst aber auch die Freuden einer liebevollen Beziehung. Zu sagen, dass Jesus der Herr ist, kommt mit einem Leben einher, das damit im Einklang stehen muss.
Zum anderen müssen wir verstehen, dass die Aussage, dass Jesus der Herr ist, im römischen Reich überhaupt nicht einfach war. Wenn Jesus der Herr ist, bedeutet es, dass der römische Kaiser nicht der Herr ist. Können wir uns vorstellen, weshalb das eine politisch brisante Aussage war? Paulus macht die schockierende Aussage, dass keiner, der aus dem Geist Gottes redet, sagen kann, dass Jesus verflucht ist. Hundert Jahre später hat man Christen auf dem Scheiterhaufen verbrannt, wenn sie sich geweigert haben, Jesus zu verfluchen. „Jesus ist der Herr“ ist keine einfache und billige Aussage. Es ist eine Aussage, die unser Leben kostet. Wir können das nur sagen, wenn wir diesem Jesus wirklich untertan sind und ihm dienen.
Ich habe gesagt, dass wir alle etwas oder jemandem dienen. Was ist dann der Unterschied zwischen einem Leben im Dienst von stummen Götzen im Vergleich zu einem Leben im Dienst Jesu? Ist das nicht Jacke wie Hose, wem man dient? Ich möchte euch drei Unterschiede nennen.
Zum einen, die Motivation, weshalb wir dienen, unterscheidet sich radikal. Wenn du Geld, Karriere, Liebe, Sex oder Macht dienst, dann dienst du, um gerettet zu werden. Wenn du Jesus dienst, dann dienst du, weil du von ihm bereits gerettet wurdest. Eine wunderbare Illustration stammt aus dem Film „Chariots of Fire“, In diesem Film geht es um zwei Athleten, die als Läufer bei den olympischen Spielen 1924 in Paris antreten: Harold Abrahams und Eric Liddell. Vor dem wichtigsten Lauf sagt Abrahams folgendes: „Und in einer Stunde werde ich wieder dort draußen sein. Ich werde den Blick heben und den Korridor hinunterblicken; einen Meter breit, mit zehn einsamen Sekunden, um meine Existenz zu rechtfertigen. Aber werde ich das schaffen?“ Abrahams läuft, um sich zu beweisen; um sich und den anderen zu zeigen, dass sein Leben einen Wert hat; dass er jemand ist. Er hat 10 Sekunden, in denen er versucht, sich selbst zu retten.
Der Christ Eric Liddell hat eine völlig andere Herangehensweise. Er erfährt, dass der 100m-Lauf an einem Sonntag ist und weigert sich deshalb, am Lauf teilzunehmen, weil er den Sonntag heiligen will. Weil sein Teamkollege seinen Platz an ihn abtritt, kann Liddell am Staffellauf teilnehmen. Über das Laufen sagt Liddell folgendes: „Ich glaube, Gott hat mich zu einem bestimmten Zweck geschaffen – aber Er hat mich auch schnell gemacht. Und wenn ich laufe, spüre ich, dass Er Freude daran hat.“ Wie anders ist das! Liddell muss nicht laufen, um zu gewinnen. Er hat niemanden etwas zu beweisen. Aber wenn er läuft, wenn er das Talent, das Gott ihm gegeben hat, einsetzt, dann spürt er wie Gott sich über ihn freut. Er dient Gott, weil er bereits gerettet wurde.
Hier ist der Punkt: Jesus, der Sohn Gottes, hat sich für uns dahingegeben, um uns zu retten. Wenn du an ihn glaubst, wirst du gerettet, weil Jesus das Leben gelebt hat, das wir hätten leben sollen; und weil er den Tod gestorben ist, den wir hätten sterben sollen. Wir werden nicht aufgrund von dem gerettet, was wir tun, sondern, aufgrund dessen, was Jesus für uns getan hat. Wir dienen Jesus, weil er uns gerettet hat, nicht um von ihm gerettet zu werden. Das ist eine Motivation, die sich radikal von allen Motiven unterscheidet, weshalb wir dienen.
Der zweite Unterschied ist eng damit verbunden. Wenn du dienst, um gerettet zu werden, geht es im Dienst in erster Linie um dich. Abrahams sagte, dass er 10 Sekunden hatte, seine Existenz zu rechtfertigen. Er impliziert damit, dass er sich im Prinzip selbst dient. Diese Art des Dienens macht uns selbstzentrierter. Aber wenn du dienst, weil du bereits gerettet wurdest, dann geht es nicht mehr länger um dich. Du wirst befreit, um an anderen zu denken. Wir werden frei, selbstlos zu werden.
Hier ist ein Grund, warum das wichtig ist. Wenn wir wirklich anderen dienen, dann werden wir erfüllt. Es gibt kaum etwas Erfüllenderes und Schöneres, wenn man echte Nöte adressieren und anderen helfen kann. Aber das geht nur dann, wenn wir anderen nicht deshalb dienen, um erfüllt zu werden. Denn wenn wir anderen dienen, um erfüllt zu werden, dann geht es nicht um die anderen, sondern um uns selbst; wir dienen uns selbst. D. h., die einzige Art und Weise die Erfüllung eines Dienstes für Jesus zu erfahren, ist die, dass wir Jesus dienen, ohne dass es um uns geht.
Der dritte Unterschied ist der: Wenn du anderen Herren dienst, ist das am Ende des Tages ein unglaublich hartes Leben; die Götter, denen wir dienen, vergeben uns nicht unsere Fehler und Niederlagen; wenn wir versagen, dann fallen wir richtig; die Götter legen uns ein schweres Joch auf. Aber wenn wir Jesus dienen, kommen wir sehr schnell zur Feststellung, dass Jesus ein unglaublich gnädiger und freundlicher Herr ist; Jesus ist voller Vergebung. Die Last, die er uns zu tragen gibt, ist leicht. Jesus selbst hat von sich gesagt: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“
Das sind die zwei unterschiedlichen Optionen, die wir haben. Entweder wir werden mit unwiderstehlicher Gewalt zu stummen Götzen geführt; oder aber wir haben Jesus als unseren Herrn, dem wir dienen dürfen.
3. Wie dieser Dienst aussieht
Was lernen wir über die Gaben, die Gott durch seinen Geist schenkt? Verse 4–6: „Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur einen Gott: Er bewirkt alles in allen.“ Dreimal verwendet Paulus das Wort „verschieden“ und dreimal sagt er, dass es nur einen Geist, einen Herrn und einen Gott gibt. Die Gaben sind vielfältig, aber der Ursprung ist der eine Gott. In den Versen 7–10 werden verschiedene Gaben aufgelistet. Für uns ist es wichtig zu verstehen, dass diese Liste nicht den Anspruch erhebt vollständig zu sein. Paulus gibt hier Beispiele, vermutlich mit einem Fokus auf das, was für die Gemeinde in Korinth von besonderer Relevanz war.
Hier sind die Gaben im Schnelldurchlauf: die Gabe, Weisheit mitzuteilen bedeutet, dass man geistliche Einsichten auf eine hilfreiche und zeitgemäße Weise einbringen kann; wie wir in den ersten Kapiteln von 1. Korinther gesehen hatten, ist die Weisheit Gottes das Evangelium, die Tatsache, dass Jesus für uns am Kreuz gestorben ist. Die Gabe Erkenntnis zu vermitteln ist nicht ganz eindeutig, aber bedeutet wahrscheinlich, dass man übernatürlich empfangenes Wissen weitergeben kann, also eine Art prophetische Einsicht. Glaube ist ebenfalls eine Gabe: gemeint ist hier vermutlich die Fähigkeit spezifisch an etwas Besonderes zu glauben, was Gott tun wird und dadurch andere zu ermutigen. Die Gabe Kranke zu heilen ist selbsterklärend, und doch sehr geheimnisvoll: Paulus heilte in seinem Dienst viele Menschen, in Lystra, auf Malta, in Ephesus; und gleichzeitig erfährt dieser Apostel wie andere geliebte Menschen in seiner Umgebung nicht geheilt werden: Epaphroditus war so krank, dass er fast daran gestorben wäre, Trophimus musste krank in Milet hinterlassen werden. Die Kraft Machttaten zu vollbringen bezieht sich auf Wunder außerhalb von Heilungen. Prophetische Rede bedeutet nicht unbedingt, dass man die Zukunft vorhersagen kann, sondern dass jemand inspiriert durch den Heiligen Geist spricht. Die Fähigkeit, Geister zu unterscheiden ist uneindeutig, aber könnte sich darauf beziehen, dass man Prophezeiungen unterscheiden kann. Und schließlich zuletzt die Zungenrede und die Fähigkeit das zu übersetzen. Zungenrede ist eine besondere Form des Gebets, in welcher der Betende in einer Sprache spricht, die nur Gott versteht.
Es gibt verschiedene Versuche und Möglichkeiten diese Gaben zu gruppieren. Vern Poythress machte eine ganz hilfreiche Einteilung, wie ich finde. Hier ist das, was er schreibt: „Das Wirken Christi für uns lässt sich gut unter der traditionellen Dreifaltigkeit der Ämter einordnen: Prophet, König und Priester. Christus spricht zu uns (Prophet), er herrscht über uns (König) und er gibt sein Leben im Dienst für uns hin (Priester). […] Alle in Römer 12, 1.Korinther 12 und Epheser 4 erwähnten Gaben lassen sich grob als prophetisch, königlich oder priesterlich einordnen. So sind beispielsweise die Gaben der Weisheit und der Erkenntnis prophetisch, während die Gaben der Verwaltung, der Wunderkraft und der Heilung königlich sind. Manche Gaben lassen sich jedoch leicht auf mehr als eine Weise einordnen. So könnte Heilung beispielsweise als priesterlich angesehen werden, da sie eine Ausübung von Barmherzigkeit gegenüber der geheilten Person darstellt. Letztendlich lassen sich prophetische, königliche und priesterliche Funktionen auf das gesamte Leben des Volkes Gottes ausweiten, sodass uns die offensichtliche Überschneidung nicht beunruhigen sollte. Diese Einteilung ist dennoch nützlich, um uns an unsere Beziehung zum Wirken Christi zu erinnern und uns vor Augen zu führen, dass keine der Gabenlisten im Neuen Testament als erschöpfend gedacht ist.“
Einige Anwendungen zum Schluss: Wenn du an Jesus glaubst und wenn Jesus dein Herr ist, dem du dienst, dann ist es deine Aufgabe, herauszufinden, welche Gaben er dir gegeben hat. Wenn du den Heiligen Geist hast, hast du ein einzigartiges Profil von Gaben und Befähigungen, so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Gott hat nur dir deine einzigartige Kombination von Gaben gegeben, weil es Aufgaben in der Gemeinde und im Dienst Jesu gibt, die nur du tun kannst; weil es Menschen gibt, die nur du auf eine einzigartige Art und Weise lieben kannst; und weil es Nöte gibt, die nur du adressieren kannst.
Wie findest du deine Gaben und deine Berufung? Tim Keller gab drei Prinzipien aus:
Fähigkeit, Affinität und Gegebenheiten. Fähigkeiten sind deine Talente und die Gaben, von denen du vielleicht bereits weißt. Affinität sind deine Leidenschaften, das wofür du brennst, das, was dir wichtig ist, das was du gerne machst. Gegebenheiten sind die Nöte, die du um dich herum siehst. Alle drei sollten zusammenkommen und zusammenspielen. Aber nicht alle haben die gleiche Priorität. Zum Beispiel erzählte Tim Keller, dass er nie wusste, dass er eine Gabe für Evangelisation hatte, bis er anfing, in New York das Evangelium zu predigen. Seine Empfehlung ist daher: Fang mit den Nöten und mit den Bedürfnissen an, die dich umgeben. Wo gibt es etwas zu tun? Wo gibt es etwas anzupacken? Wenn das deine Berufung ist und wenn du anfängst dort zu dienen, wird Gott dir die dafür notwendigen Gaben schenken und er wird dir auch Leidenschaft und Freude daran geben: zum Wohl der anderen, zur Erbauung der Gemeinde Jesu, zur Ehre und Herrlichkeit Gottes.