Predigt: Römer 8,31-39

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Gott ist für uns

„Wer kann sie verurteilen? Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: Der auferweckt worden ist, er sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein.“

(Römer 8,34)

Vor eineinhalb Wochen hatte J. mich angeschrieben und gefragt, was der Text für den Ostersonntag ist. Ich hatte ihm geantwortet: „Ich stecke etwas fest und weiß noch nicht so recht … wahrscheinlich Römer 8,31-39.“ Wie ist die Wahl dann auf diesen Text gefallen? Zum einen hatte ich J. gefragt: „Meinst du, dass das ein guter Ostertext ist?“ Und seine Antwort war: „Jaa, voll der starke Text!“ Und ich hatte eine KI namens Nikodemus AI gefragt. Die Antwort war eindeutig: „Römer 8,31-39 ist ein richtig starker Ostertext – auch wenn er nicht direkt die Auferstehungsgeschichte erzählt. […] Christus ist gestorben, auferstanden, erhöht – und nichts kann mehr seine Liebe zu uns stoppen. Genau das fasst Paulus hier theologisch zusammen.“ Nachdem ich mich ein wenig damit beschäftigt habe, kann ich das wirklich nur bestätigen. Dieser Text ist ein Fest!
Es gibt so viel, was man zu diesem Text sagen könnte. Ich will nur auf drei Dinge kurz eingehen. Der Text scheint uns zum einen zu zeigen, was wir wissen dürfen und sollen, nämlich die Tatsache, dass Gott für uns ist. Als zweitens sehen wir im Text, woher wir das wissen dürfen, nämlich dass Jesus für uns gestorben ist, dass er auferweckt wurde und zur Rechten Gottes für uns eintritt. Als drittes erfahren wir, wie wir aufgrund dessen dann leben dürfen: triumphierend in der Liebe Gottes.

1. Was wir wissen dürfen
Um ganz kurz zu erklären, wie der heutige Text zu verstehen ist: Paulus beginnt diesen letzten Abschnitt von Römer 8 mit den Worten „Was sollen wir nun dazu sagen?“ Und diese Frage ist zu verstehen als ein gewaltiges „Deshalb“. Die meisten von euch sind vermutlich nicht unbedingt Fans von klassischer Musik (obwohl es objektiv die beste Musik ist, die es gibt). Um eine Illustration aus der Musik zu verwenden, um das zu veranschaulichen: In vielen Symphonien gibt es eine Schlusscoda. Die Coda befindet sich am Ende des vierten und des letzten Satzes. Die Aufgabe der Coda ist es, das ganze Werk in einem großen Feuerwerk und Rausch zu Ende zu führen. Und so ähnlich ist das hier im heutigen Text. Paulus fasst in diesen letzten 9 Versen das zu zusammen, was er in den Kapiteln 5, 6, 7 und 8 erklärt hatte. Wir genießen das Schlussfeuerwerk.
Welche Gewissheit spricht uns der Text zu? Was ist das, was wir wissen dürfen und wissen sollen? Paulus schreibt: „Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?“ Gott ist auf unserer Seite. Bevor ich erkläre, was das bedeutet, muss ich kurz erklären, was es nicht bedeutet. In der fast 2000-jährigen Geschichte des Christentums gab es leider viel zu viele Fälle, in denen die Aussage, dass Gott für uns ist, schrecklich missverstanden wurde. Um nur ein Beispiel zu nennen: im Ersten Weltkrieg hatten Soldaten auf praktisch allen Seiten religiöse Symbole getragen. In Deutschland waren die Worte „Gott mit uns“ auf den Militärgürteln der Soldaten eingraviert. Unter diesem Motto sind mehr als 13 Millionen deutsche Soldaten ausgezogen, um andere Soldaten abzuschlachten. Zwei Millionen von ihnen sind gestorben und mehr als 4 Millionen wurden verwundet. Sie kämpften und starben mit dem fatalen Irrglauben, dass sie unter dem Schutz Gottes standen, weil sie meinten, im Interesse Gottes in den Krieg zu ziehen.
N.T. Wright schreibt dazu: „Die Aussage in Vers 31, dass «Gott für uns ist», klingt nichtssagend, wenn wir an Armeen denken, die in den Krieg ziehen und göttlichen Schutz für ihre Seite beanspruchen. Ganz anders klingt sie, wenn sie von einem Apostel stammt, der Not, Verfolgung, Gefahr und den Tod erlebt hat. […] Die Aussage, dass die Hoffnung uns nicht im Stich lassen wird, kann nur dann gemacht werden, wenn wir die Leiden des Messias teilen.“
Was ist dann damit gemeint, dass Gott auf unserer Seite ist? Es bedeutet, dass Gott uns bedingungslos liebt. Es bedeutet, dass wenn wir in Christus sind, Gott es kompromisslos gut mit uns meint. Es bedeutet, dass wenn wir in Christus sind, Gott immer unser Bestes im Sinn hat. Es bedeutet, dass wir uns immer und zu jederzeit auf Gott verlassen dürfen und dass wenn wir uns auf ihn verlassen, er uns niemals im Stich lassen wird. Gottes Wille wird geschehen, und sein Wille ist das Beste, was uns passieren kann.
Inwiefern ist das was völlig anderes, als das, was die deutschen Soldaten erwartet hatten, als sie mit den Worten „Gott mit uns“ auf den Gürteln in die Schlacht gezogen sind? Ich gebe euch nur ein Beispiel. Die Menschen, die meinen, dass Gott ihnen in politischen, kriegerischen Auseinandersetzungen hilft, nutzen Gott für ihre eigene Agenda. Es steht eine Erwartung dahinter, dass Gott mir das gibt, was ich will und dann, wenn ich es will. Und genau das ist völlig inkompatibel mit einem Gott, der kompromisslos das Beste für uns will. Hier ist der Grund weshalb: Wer sagt, dass das, was wir uns wünschen, überhaupt gut für uns ist? Jeder von uns kann sich an Dinge erinnern, die wir uns von Herzen gewünscht haben. Im Nachhinein wissen wir, dass das, was wir uns damals so sehnsüchtig gewünscht hatten, entweder unwichtig ist (im besten Fall), oder aber, regelrecht schlecht für uns gewesen wäre. Ein Gott, der unser Bestes im Sinn hat, kann uns nicht immer das geben, was wir wollen. Tatsächlich wird er in vielen Situationen genau das Gegenteil von dem tun, was wir uns wünschen.
Der erste Punkt, den wir mitnehmen dürfen, ist der, dass Gott auf unserer Seite steht. Er liebt uns, er meint es gut mit uns, er wird uns niemals im Stich lassen.

2. Woher wir das wissen dürfen
Gott ist kompromisslos für uns. Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Aber die Frage ist: Woher kommt die Gewissheit? Woher dürfen wir das wissen? Paulus gibt uns zwei Gründe, die mit der Essenz der frohen Botschaft zu tun haben; zwei Gründe, die mit den historischen Eckpfeilern zu tun haben, die wir jedes Jahr an Ostern feiern dürfen. Der erste Grund ist in Vers 32: „Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“ Paulus Argument ist, dass Gott uns in Jesus alles gegeben hat, was er geben konnte. Gott hat sich uns selbst geschenkt. Jesus hatte selbst erklärt, dass es keine größere Liebe gibt, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Die Art und Weise, wie Gott uns seinen Sohn schenkte, war die, dass Jesus sein Leben am Kreuz für alle hingab. Jesus Tod am Kreuz ist das absolute Opfer, und es ist das ultimative Geschenk Gottes. Gott kann uns unmöglich mehr geben, weil er uns in Christus nichts vorenthalten hat. In Christus hat Gott uns alles gegeben, was er geben konnte.
Ich war die letzten Tage in Köln bei meinen besten Freunden S. und C. zu Besuch. Am Karfreitag hatten sie eine besondere Überraschung für mich: Sie luden mich zu einem Konzert in die Kölner Philharmonie ein. Gespielt und gesungen wurde an diesem Abend die Johannes-Passion von J.S. Bach. Es war ein musikalischer Hochgenuss. Und gleichzeitig war es auch eine zutiefst geistliche Erfahrung. Eine Bass-Arie hatte mich besonders angesprochen. In der Arie heißt es:

„Mein teurer Heiland, lass dich fragen,
da du nunmehr ans Kreuz geschlagen
und selbst gesagt: «Es ist vollbracht»,
bin ich vom Sterben frei gemacht?
Kann ich durch deine Pein und Sterben
das Himmelreich ererben?
Ist aller Welt Erlösung da?
Du kannst vor Schmerzen zwar nichts sagen,
doch neigest du das Haupt
und sprichst stillschweigend: Ja!“

Ich finde die Fragen wunderbar: „Bin ich vom Sterben frei gemacht? Kann ich durch deine Pein und Sterben das Himmelreich ererben? Ist aller Welt Erlösung da?“ Und die Antwort ist ein gewaltiges „Ja“ durch das, was Jesus für uns am Kreuz vollbracht hat.
Der zweite Eckpfeiler ist in Vers 34: „Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: Der auferweckt worden ist, er sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein.“ Jesus ist nicht nur gestorben. Jesus ist auch von den Toten auferstanden; er lebt, er sitzt zur Rechten Gottes und setzt sich für die Kinder Gottes ein. Während es praktisch keine seriösen Historiker gibt, die Jesu Tod am Kreuz anzweifeln, scheint es (aus schwer nachvollziehbaren Gründen 😉) ein wenig mehr Zweifel daran zu geben, dass Jesus von den Toten auferstanden ist.
Wir haben in der Predigt nicht die Zeit dafür, in aller Tiefe darauf einzugehen, weshalb wir daran glauben, dass Jesus wirklich das Grab überwunden hat. Ich möchte nur drei extrem unwahrscheinliche historische Fakten auflisten, die schwer zu entkräften sind. Zum einen, das Grab Jesu war am Ostermorgen leer. Woher wissen wir das? Verschiedene Gründe sprechen dafür; unter anderem aber auch die zweite historische Tatsache: Sehr kurz nach Jesu Tod gab es Menschen, die behaupteten, dass sie den auferstandenen Jesus gesehen hatten. Und der Kreis dieser Menschen blieb nicht bei ein paar wenigen. Es waren innerhalb von einigen Wochen Tausende, die daran glaubten. Die einfachste Art und Weise, diese Behauptung zu widerlegen, wäre auf Jesu Leichnam im Grab hinzuweisen. Aber das Grab war tatsächlich leer. Die Dritte Tatsache ist, dass in Jerusalem, dem Zentrum des jüdischen Glaubens, eine Gemeinde Jesu entstand, mit Lehren und Bräuchen, die kein Jude ohne weiteres zu übernehmen bereit gewesen wäre, weil diese Lehren und Bräuche dem jüdischen Glauben in wesentlichen Punkten widersprachen. Kein Jude wäre auf die Idee gekommen, einen anderen Menschen anzubeten. Aber Jesus wurde von Anfang an als Gottes Sohn angebetet. Nicht nur das, nichts und niemand, keine Gewalt von außen und keine Versuchung von innen, konnte diese junge Bewegung aufhalten, innerhalb von wenigen Jahrzehnten den gesamten Mittelmeerraum zu evangelisieren. Die Botschaft von der Auferstehung Jesu war dabei die zentrale Lehre, die verkündet und bald von unzähligen tausenden von frühen Christen geglaubt wurde.
Drei Fakten: das Grab war leer; Menschen behaupteten, den auferstandenen Jesus gesehen zu haben; entgegen von allem, was an hätte erwarten können, beginnen frühe jüdische Christen, Jesus als den Messias und Sohn Gottes zu verehren. Zu allen diesen Punkten könnte man jetzt stundenlang weitere Details diskutieren. Aber mein Punkt ist einfach, dass diese Fakten nicht so einfach wegzuerklären sind; und dass die Auferstehung Jesu am Ende die plausibelste Erklärung für diese Tatsachen sind. Gott hat Jesus von den Toten auferweckt. Das ist die Botschaft von Ostern.
Noch einmal die Frage: Woher dürfen wir wissen, dass Gott für uns ist und ganz auf unserer Seite steht? Weil Gott bereit war, das größte Opfer darzubringen, als sein Sohn am Kreuz für uns starb; und weil Jesus Sünde, Tod und Teufel besiegt hat und das Grab siegreich überwunden hat. Kathy Keller hatte zu Ostern gesagt: „Die Geschichte ist auf unserer Seite.“

3. Wie wir aus dieser Gewissheit leben dürfen
Aufgrund von dem, was der Text sagt, wollen wir gerne zwei Anwendungen mitnehmen. Paulus schreibt, dass Gott für uns ist. Und seine rhetorische Frage in Anschluss daran lautet: „Wer ist dann gegen uns?“ Und Paulus verwendet Begriffe, die wir aus der Justiz kennen und fährt fort (Vers 33): „Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen?“ Vers 34: „Wer kann sie verurteilen?“
Ich gehe davon aus, dass die wenigsten von uns erfahren haben, wie es ist, wenn gegen uns Anklage erhoben wird. Die meisten von uns kennen Szenen aus dem Gerichtssaal hoffentlich nur aus Filmen. Aber vielleicht hat der ein oder andere schon einmal eine Mahnung erhalten. Ich hatte früher mal einen Handyvertrag, den ich gekündigt hatte. Es stand aber noch eine Rechnung aus, die an eine Adresse geschickt wurde, wo ich längst nicht mehr wohnte. Monate später dann bekam ich sehr unangenehme Post. Die Mobilfunkfirma hatte meine ausstehende Schuld an eine Anwaltskanzlei „verkauft“, die sich darauf spezialisiert hatte, Menschen abzumahnen. Meine Schuldigkeit war eigentlich ca. 40 Euro. Aber dann wurden mir diverse Verspätungsgebühren, Anwaltskosten und vorgerichtliche Gebühren in Rechnung gestellt, insgesamt mehr als 100 Euro. Natürlich war das Ganze dämlich. Aber wisst ihr, weshalb das Ganze wirklich unangenehm war? Weil es sich so anfühlte, als ob ich auf eine Schuldigkeit aufmerksam gemacht wurde, die ich wirklich hatte. Nein, nicht die 40 Euro. Sondern die Tatsache, dass ich nicht so bin, wie ich sein sollte.
Frage an dich: „Bist du in Ordnung?“ Ich meine nicht damit, wie es dir heute geht, sondern ich meine damit, ob du ein Leben geführt hast, das in Ordnung ist. Ist dein Leben so, wie dein Leben sein sollte? Bist du ein guter Mensch? Oberflächlich denken wir vielleicht: „Niemand ist perfekt. So schlimm bin ich jetzt auch wieder nicht.“ Aber wenn wir ehrlich sind, fallen uns vielleicht doch Bereiche ein, die überhaupt nicht in Ordnung sind. Vielleicht fallen dir Momente ein, in denen du dich wirklich selbstsüchtig und rücksichtslos egoistisch verhalten hast, was dir heute sehr leidtut. Unsere Beziehungen zu unseren Mitmenschen sind ein richtig guter Gradmesser für unseren Charakter. Vielleicht fallen dir Beziehungen in deinem Leben ein, die völlig zerrüttet und kaputtgegangen sind; wo du insgeheim weißt, dass du daran eine große Mitschuld trägst. Oder vielleicht hattest du schon einmal das Erlebnis, dass du draußen unterwegs bist und ganz plötzlich hast du einen Anflug von tiefer Schuld: Du fühlst dich, wie als ob eine schmerzhafte Erinnerung von dir auf der Großleinwand abgespielt wird; und vielleicht ist das etwas, wofür du dich zutiefst schämst, weil du weißt, wie sehr du dich daneben benommen hattest. Vielleicht fallen dir Begebenheiten ein, von denen du dir wünschst, dass du zurück in die Vergangenheit gehen könntest und alles anders machen könntest.
Mein Punkt ist, dass die Worte von Paulus für praktisch alle Menschen relevante Bedeutung haben; dass Anklage und Verurteilung etwas ist, was wir selbst erfahren haben; und auch zu Recht erfahren haben. Was ist das, was uns wirklich frei machen kann? Als der Anwaltsbrief mich auf meine Schuldigkeit hingewiesen hatte, hatte ich selbst einen Anwalt, den ich persönlich kannte, um Hilfe gebeten. Er war supernett und hilfsbereit. Aber er konnte nicht wirklich helfen, weil es nicht seine Expertise war. Und dann habe ich mich an eine Richterin gewendet. Sie gab mir hilfreichen Rat, wie ich mich verhalten sollte, was ich begleichen sollte (ein Bruchteil von dem, was von mir gefordert wurde). Das hatte ich getan, und danach habe ich nie wieder von den „Anklägern“ gehört. Es kann hilfreich sein, einen Richter zu kennen.
Hier ist Paulus‘ Argument: Du kennst einen Richter. Nicht irgendeinen Wald- und Wiesenrichter, sondern den Richter des Universums, der alle Lebenden und Toten eines Tages richten wird; der Richter, vor dem alle Menschen eines Tages Rechenschaft abgeben müssen. Und dieser Richter ist für dich! Er steht auf deiner Seite! Nicht nur das, der Richter selbst ist dein Anwalt und dein Fürsprecher. Nicht nur das, der Richter hat selbst das Urteil verbüßt, das uns hätte treffen müssen, als er am Kreuz für alle unsere Sünden bezahlt hat und dann von den Toten auferstanden ist. Nicht nur das, dieser Richter hat uns völlig freigesprochen, von aller Schuld unserer Vergangenheit, von allem, was wir jetzt gerade falsch machen und von allem, was wir in Zukunft noch verbocken werden. Er hat uns ein für allemal vergeben.
Bei Anklagen geht es nicht nur um unsere Schuld. Es aber auch um unsere inneren Verletzungen. Vielleicht tragen wir Wunden aus unserer Kindheit mit uns herum. Vielleicht hatten wir Eltern, die uns zwar geliebt aber auch verletzt haben; oder Freunde, die uns im Stich gelassen haben; oder Lehrer, die uns beschimpft haben. Jeder von uns wurde schon einmal angeschrien. Manches davon perlt einfach an uns ab und kann uns nichts anhaben. Aber manche Erfahrungen verursachen etwas in unserem Herzen; Wunden, die nicht verheilen wollen und vielleicht immer wieder aufs Neue aufbrechen. Vielleicht haben manche auch Formen von physischem oder seelischem Missbrauch erfahren. Die Stimme des Anklägers sagt, dass wir keinen Wert haben; dass wir Menschen zweiter oder dritter Klasse sind; dass wir Müll sind.
Das Evangelium, die frohe Botschaft, sagt uns, dass wir einen unübertrefflichen Wert haben; dass wir eine Würde haben, die uns nichts und niemand nehmen kann: „Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? […] Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? Gott ist es, der gerecht macht. Wer kann sie verurteilen? Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: Der auferweckt worden ist, er sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein.“ Der Richter des Universums spricht uns auch von diesen Anklagen frei.
Letzte Anwendung zum Schluss. Dreimal im Text wird das Wort Liebe oder lieben verwendet. Vers 35: „Was kann uns scheiden von der Liebe Christi?“ Vers 37: „Doch in alldem tragen wir einen glänzenden Sieg davon durch den, der uns geliebt hat.“ Noch einmal in den Versen 38 und 39, wenn Paulus uns sagt, dass es nichts, nichts, nichts gibt, was uns von der Liebe Gottes scheiden kann, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. Dreimal spricht Paulus von Liebe.
In der Serie Cobra Kai ist Johnny Lawrence ein Karate-Sensei mittleren Alters. Er hat einen letzten Kampf gegen einen Gegner, der jünger, schneller und stärker ist. Während er sich auf den Kampf vorbereitet, merkt man seine Furcht. Sein Freund und sein Mentor Danny LaRusso spricht ihm Mut zu, in dem er eine Illustration aus einem Film aus ihrer Jugendzeit verwendet: Rocky. LaRusso sagt: „Rocky trainiert den ganzen Film über hart. Und was passiert am Ende? Er ist so nah dran und verliert doch. Aber fühlt er sich deshalb schlecht? Nein … Er hat bis zum Schluss durchgehalten. Für ihn – und für alle anderen – fühlte es sich so an, als hätte er gewonnen. Er darf die Frau umarmen, die er liebt, denn wenn der Kampf vorbei ist, ist das alles, was zählt. Und genauso ist es auch bei dir. Was auch immer passiert, du hast Menschen um dich herum, die dich lieben. Einschließlich meiner selbst. Das ist es, was wirklich zählt, und das macht dich zu einem Gewinner.“
Ganz egal, was in deinem Leben ansteht, ganz egal welche Herausforderungen du meistern musst, ganz egal mit welchen Problemen du zu tun hast und wie diese Probleme ausgehen sollten: Am Ende ist das, was den einen Unterschied macht, die Tatsache, dass du geliebt bist. Nicht nur von Mitmenschen, auch wenn das an sich schon tröstlich und ermutigend sein kann. Du bist von Gott geliebt. Das ist es, was wirklich zählt, und das macht dich zu einem Gewinner.
Die letzten Verse von Römer 8 sind ein einziger, glorreicher Triumphzug: Jesus ist für uns gestorben, Jesus ist auferstanden, nichts und niemand kann uns von der ewigen Liebe Gottes trennen.