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Jona erfährt Gnade
„Ich aber will dir opfern / und laut dein Lob verkünden. Was ich gelobt habe, will ich erfüllen. / Vom HERRN kommt die Rettung.“
(Jona 2,10)
Der Text heute ist ein Psalm. Das Thema von diesem Gebet ist eine Reflexion von Gnade. Was ist Gnade? Gnade ist Gottes unverdiente Zuwendung und Gunst, die uns zuteilwird. Gnade ist die Tatsache, dass Gott uns unendlich besser behandelt, als wir es verdient hätten. Das ist es, was Jona erfahren hatte. In Bezug auf die Gnade lernen wir im Text mindestens drei Dinge: wann, wie und wessen. Wann erfuhr Jona Gnade, wie erfuhr er sie und wessen Gnade war es?
1. Wann erfuhr Jona Gnade?
Wir finden die Antwort in Vers 2: „Da betete Jona zum HERRN, seinem Gott, aus dem Inneren des Fisches heraus.“ Die Antwort lautet: am Tiefpunkt. Jona erfuhr Gott persönlich, als er am absoluten Tiefpunkt seines Lebens angelangt war. Niemand von uns hat jemals die Erfahrung gemacht, mehrere Tage im Bauch eines Fisches zu verbringen. Aber wir können uns darauf einigen, dass es nicht viel schlimmer geht.
Einen kurzen Kommentar zum armen Fisch. Wir wissen nicht, was für ein Seemonster Jona an einem Stück verschlugen haben könnte. Für ganz viele Menschen, damals wie heute, ist die Geschichte von Jona völlig unglaubwürdig. Die meisten sehen sie auf einer Stufe mit Märchen, Fabeln und Legenden. Das Einzige, was ich dazu sagen kann, ist, dass es keine gute und plausible wissenschaftliche Erklärung dafür gibt, und dass es am Ende eine Frage der Weltanschauung ist. Wer daran glaubt, dass es einen Gott gibt, der diese Welt geschaffen hat und der Jesus von den Toten auferweckt hat, der kann auch glauben, dass Gott einen Seelebewesen vorbeischicken kann, das groß genug ist, Jona zu verschlucken und freundlich genug, um Jona drei am Leben zu halten. Wir sollten uns nicht zu sehr davon ablenken lassen, weil das am Ende unwesentlich ist.
Jonas Gebet beginnt mit den Worten: „In meiner Not rief ich zum HERRN / und er erhörte mich. Aus dem Leib der Unterwelt schrie ich um Hilfe / und hörtest meine Stimme.“ Der Ausdruck „aus dem Leib der Unterwelt“ ist nicht nur poetisch, sondern trifft seine Lage sehr gut. Im Leib eines riesigen Seeungeheuers eingesperrt zu sein ohne Sonne, ohne Licht, muss sich sprichwörtlich angefühlt haben, als ob man lebendig begraben ist. Jona war ein Gefangener.
Jona war nicht nur am Tiefpunkt. Die Verse 4 und 5 sagen: „Du hast mich in die Tiefe geworfen, in das Herz der Meere; / mich umschlossen die Fluten, all deine Wellen und Wogen / schlugen über mir zusammen. Ich sagte: Ich bin verstoßen / aus deiner Nähe. Wie kann ich jemals wiedersehen / deinen heiligen Tempel.“ Jona sah seine missliche Lage als Gottes Strafe an: „Du hast mich in die Tiefe geworfen“ und „ich bin verstoßen / aus deiner Nähe.“ Mit anderen Worten: seine Misere war selbstverschuldet. Der einzige Grund, weshalb es ihm so schlecht ging, war, dass er Gott ungehorsam war. Hätte er auf Gott gehört, würde er sich nicht mitten auf der finsteren See eingesperrt in einem Seeungeheuer befinden.
Eine Anwendung, bevor wir fortfahren. Für ganz viele Menschen sind Tiefpunkte der Moment, in denen wir Gott auf besondere Weise begegnen. Wenn wir Verluste erleben und trauern, wenn wir krachende Niederlagen eingefahren haben, wenn wir Schmerzen und Leiden haben, wenn es uns richtig dreckig geht, wenn wir uns fühlen, als ob wir in Finsternis gefangen sind, ist das ganz häufig der Moment, dass Gottes Gnade und auf besondere Weise anrührt. Es liegt nicht daran, dass Gott uns fern ist, wenn es gut geht. Es liegt nicht daran, dass Gott uns nicht begegnen will, wenn unser Leben geregelt ist und wir glücklich sind. Aber ganz offensichtlich sind Tiefpunkte in unserem Leben besondere Momente, in denen wir eine Offenheit haben, Gott zu hören, die wir sonst nicht haben.
C.S. Lewis hatte mal Folgendes über Schmerzen geschrieben: «Schmerz ist das entlarvte, unverkennbare Böse; jeder Mensch weiß, dass etwas nicht stimmt, wenn ihm wehgetan wird […] und Schmerz ist nicht nur ein sofort erkennbares Übel, sondern ein Übel, das man unmöglich ignorieren kann. Wir können uns zufrieden in unseren Sünden und unserer Torheit ausruhen; […] wir können sogar das Vergnügen ignorieren. Doch der Schmerz verlangt nach unserer Aufmerksamkeit. Gott flüstert uns in unseren Freuden zu, spricht zu unserem Gewissen, aber Er schreit in unserem Schmerz: Es ist sein Megafon, um eine taube Welt wachzurütteln.»
Viele Leiden, die wir erfahren, gehen auf unsere eigene Dummheit zurück. Wir leiden, weil wir selbst dämliche Fehler gemacht haben. Bei Jona war es so. Es gibt aber auch Schmerzen, die wir nicht direkt selbstverschuldet haben. Hier ist die Anwendung: schwierige Zeiten in deinem Leben sind immer eine goldene Gelegenheit, Gottes Stimme zu hören. Wenn du leidest, nutz die Gelegenheit, dich Gott neu zuzuwenden. Wenn du deinen Tiefpunkt erreicht hast, höre auf seine Stimme. Joni Eareckson Tada sagte, dass wir unseren Schmerz nicht verschwenden sollen. Jeder Schmerz, der uns nicht enger in die Arme Gottes treibt, ist ein verschwendeter Schmerz.
Noch einmal, die Aussage ist nicht, dass wir Gott nur dann begegnen können, wenn es uns schlecht geht. Aber wenn es uns schlecht geht, scheinen wir eine größere Offenheit für Gott zu haben. Diese Momente haben daher ihren Wert und sind kostbar.
2. Wodurch erfuhr Jona Gnade?
In Vers 5 hatte Jona die Frage gestellt: „Wie kann ich jemals wiedersehen / deinen heiligen Tempel?“ In den folgenden Versen betet Jona: „Das Wasser reichte mir bis an die Kehle, / die Urflut umschloss mich; Schilfgras umschlang meinen Kopf. / Bis zu den Wurzeln der Berge bin ich hinabgestiegen in das Land, / dessen Riegel hinter mir geschlossen waren auf ewig.“ Jona wusste, dass er wegen seines Ungehorsams verdient hatte, von Gott verstoßen zu werden. Er war zu Recht und verdienterweise von Gott abgeschnitten. Aber dann kommt der Wendepunkt in Verse 7b und 8: „Doch du holtest mich lebendig aus dem Grab herauf, / HERR, mein Gott. Als meine Seele in mir verzagte, / gedachte ich des HERRN und mein Gebet drang zu dir, / zu deinem heiligen Tempel.“
Wie erfuhr Jona also Gnade? Die Antwort ist Umkehr oder Buße. Umkehr bedeutet nicht, dass wir uns dadurch der Gnade Gottes verdient machen. Gnade ist und bleibt Gottes Geschenk, das wir nicht verdient haben. Umkehr bedeutet lediglich, dass wir uns auf die Gnade, die Gott uns schenkt, einlassen. Augustinus hatte gesagt, dass Gott uns beschenken will, aber es nicht tun kann, weil unsere Hände bereits gefüllt sind. Es gibt keinen Platz für ihn. Umkehr ist das Loslassen davon und das Ausstrecken unserer Hand, um das anzunehmen, was Gott uns schenken will.
Was braucht es für eine Umkehr? Vielleicht zunächst ein Aspekt, den es nicht unbedingt braucht: Buße kann aber muss nicht mit starken Gefühlen assoziiert sein. Umkehr erfordert nicht zwangsläufig, dass man auf einem christlichen Konzert von Emotionen überwältigt wurde, so dass man laut in Tränen ausbricht. Francis Collins zum Beispiel berichtete, dass seine Bekehrung eher nüchtern war. Auf einer Wanderung traf er die Entscheidung, sein Leben Gott zu übergeben. Er tat das, nachdem er sich es in Ruhe reiflich überlebt hatte. Umkehr kann aber muss nicht emotional sein.
Was braucht es dann also? Es braucht ein ehrliches Verständnis von der Realität. In dem Film Matrix besucht Neo das Orakel. Im Vorzimmer des Orakels sind Kinder, die besondere Eigenschaften haben: Ein Mädchen bringt Gegenstände zum Schweben; ein Junge kann allein durch Gedanken einen Löffel verbiegen. Der Junge überreicht Neo einen Löffel, damit er sich daran probieren kann und sagt ihm dabei: „Versuche nicht, den Löffel zu verbiegen. Das ist nicht möglich. Versuche stattdessen einfach nur, die Wahrheit zu erkennen.“ Neo fragt: „Welche Wahrheit?“ Der Junge antwortet: „Es gibt keinen Löffel.“ Ich verwende diese kleine Episode nur als Illustration: „Versuche einfach nur, die Wahrheit zu erkennen.“ Wir alle sind angehalten, der Realität in die Augen zu sehen.
Was ist also die Wahrheit? Was ist die Realität? Die Wahrheit ist, dass wir Sünder sind. Die Wahrheit ist, dass wir nicht so gut, so moralisch, so annehmbar sind, wie wir uns das eingestehen wollen. Frage an euch: Wer von euch hatte schonmal geträumt, dass ihr in einer wichtigen Klausur sitzt, und ihr merkt, dass ihr völlig unvorbereitet seid? Wer von euch hat geträumt, dass ihr einen Vortrag oder Referat halten müsst, und ihr geht nach vorne aufs Podest oder die Bühne, obwohl ihr wisst, dass ihr absolut nichts vorbereitet habt. Oder wer von euch hat schonmal geträumt, dass ihr in einem Kreis von Menschen seid, die wichtig sind und bei denen ihr unbedingt einen guten Eindruck hinterlassen wollt. Und dann merkt ihr, dass ihr keine Hose anhabt oder nur Badesachen. Das sind ganz weit verbreitete Träume, die viele Menschen in der ein oder anderen Form schonmal hatten. Kann ich an dieser Stelle ganz kurz ausnahmsweise Traumdeuter spielen? Vielleicht ist der Grund, weshalb wir solche Träume haben, der, dass wir tief in unserem Innersten verstehen, dass wir nicht adäquat sind: Es gibt eine Prüfung, die auf uns wartet, und wir haben nicht die Qualität, die es braucht, um die Prüfung zu bestehen; es gibt ein Gremium, das über unsere Aufnahme entscheidet, und wir sind nicht annähernd gut genug, um angenommen zu werden. Tief im Innersten tragen wir Geheimnisse mit uns herum, für die wir uns schämen, und wir haben Furcht davor, dass das aufgedeckt wird. Wir wissen, dass wir nicht so sind wie wir hätten sein sollen.
Tatsächlich ist das eine Botschaft, mit der viele in unserer Zeit nicht so viel anfangen können. Tim Keller sagte, dass unser Zeitalter vom „Triumph des Therapeutischen“ geprägt ist. Unsere Kultur würde sagen: „Dein Problem ist, dass du zu wenig Selbstwertgefühl hast; du machst dir zu viele Selbstvorwürfe; du darfst nicht so hart zu dir sein.“ Unsere Kultur behauptet ebenfalls, dass es keine absoluten moralischen Maßstäbe gibt: „Standards für das, was gut und böse ist, sind konstruiert; Werte sind relativ.“ Das wiederum bedeutet, dass jeder selbst für sich entscheiden kann, was richtig und was falsch ist. Tim Keller schreibt: „In einer Gesellschaft, die von solchen Überzeugungen geprägt ist, wirkt die beharrliche Botschaft der Bibel, dass wir schuldige Sünder sind, bedrückend, wenn nicht gar böse und gefährlich. Diese modernen kulturellen Themen lassen das Angebot der Gnade überflüssig, ja sogar wie eine Beleidigung erscheinen.“
Für viele von uns mag Schuld etwas extrem Subjektives sein: Was für den einen schlimm ist, ist für den anderen harmlos und umgekehrt. Für viele in unserer heutigen Zeit ist Schuld etwas, was man sich einbildet. Aber wenn die Bibel von Schuld spricht, ist das ziemlich objektiv und real. Hier ist ein Beispiel. Vor einem Jahr war ich mit sehr guten Freunden in Hannover. Wir hatten uns dort eine Ferienwohnung gemietet. Am letzten Abend hatten wir einen gemütlichen Abend, und wir wollten eine Flasche Rotwein aufmachen. Das Problem war nur, dass es keinen Flaschenöffner gab. Irgendjemand hatte die brillante Idee, dass wir versuchen sollten, den Korken in die Flasche hineinzudrücken. Weil mein Freund schlau genug war, hat er das im Badezimmer gemacht. Hat aber alles nichts geholfen. Es gab einen Riesenspritzer, und der Rotwein landete auch auf die nicht geflieste Wand und Decke. Wir hatten verzweifelt versucht, den Rotwein herunterzuwaschen. Aber es war zu spät. Es entstand ein Schaden, für den jemand aufkommen musste. Diese Schuld war objektiv und real, und sie musste beglichen werden.
Jetzt gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten, wie das Ganze behoben werden kann. Die Vermieterin kann den Schaden begutachten und beziffern und mir in Rechnung stellen, und ich muss die Schuld begleichen. Die andere Möglichkeit wäre gewesen: Die Vermieterin vergibt mir. (Ihr könnt euch denken, was passiert ist). Die Schuld, die wir bei Gott haben, ist objektiv, und sie ist real. Wir haben seine Anforderungen nicht erfüllt. Wir sind sein Eigentum und in die Irre gegangen. Dieser Realität ins Auge zu sehen und das einzugestehen, ist der erste Schritt in der Buße.
Das Zweite, das Jona tat, war die Hinwendung zu Gott. Jona betete. Noch einmal der Vers 8: „Als meine Seele in mir verzagte, / gedachte ich des HERRN und mein Gebet drang zu dir, / zu deinem heiligen Tempel.“ Es gibt Menschen, die ihre eigene Schuld und Sünde erkannt haben und dabei stehenbleiben. Das führt zu Selbstverdammnis. Das kann extrem destruktiv sein. Jona blieb aber nicht dabei. Er wendet sich an die einzige Entität, die ihm wirklich helfen konnte. Er kommt zu Gott. Wir kommen damit zum dritten Teil.
3. Wessen Gnade erfährt Jona?
Die Antwort liegt natürlich auf der Hand. Verse 9 und 10: „Die nichtige Götzen verehren, / verlassen den, der ihnen Gutes tut. Ich aber will dir opfern / und laut dein Lob verkünden. Was ich gelobt habe, will ich erfüllen. / Vom HERRN kommt die Rettung.“ Dieser Satz „vom HERRN kommt die Rettung“ könnte einer der Leitverse der ganzen Bibel sein. Es ist wie eine komprimierte Zusammenfassung von dem, was die ganze Bibel sagt. Gott ist unsere Rettung. Jona erfährt die Gnade Gottes. Drei wichtige abschließende Gedanken dazu.
Zum einen, die Gnade Gottes ist das Einzige, was uns wirklich retten kann. Ist euch aufgefallen, dass Jona in seinem Gebet zweimal vom heiligen Tempel spricht? Vers 5: „Wie kann ich jemals wiedersehen / deinen heiligen Tempel?“ Und in Vers 8 erwähnt Jona wie sein Gebet zu Gott vorgedrungen ist, in seinem heiligen Tempel. Von Gott gerettet zu sein, bedeutet, dass Jona zu diesem heiligen Tempel Einlass gefunden hatte. Von Gott gerettet zu sein, bedeutet, dass Jona die Annahme und die Aufnahme gefunden hatte, die er sich sein ganzes Leben gewünscht hatte und die kein Götze ihm geben konnte. Gott hatte Jona angenommen.
Vor zwei Jahren gab es ein interessantes Interview zwischen Conan O’Brian und Lisa Kudrow, eine von sechs Hauptdarstellern der Fernsehserie Friends. Unter anderem diskutierten sie den tragischen Todesfall von ihrem Schauspielerkollegen und Freund Matthew Perry. Perry hatte viel unter Drogenmissbrauch gelitten. Am Ende war er durch Missbrauch von einem Medikament ums Leben gekommen. Viele junge Schauspieler, die darauf warten, den Durchbruch zu schaffen, haben ein hartes Leben: sie schlafen bei Freunden auf der Couch, gehen tagsüber zu Probevorspielen, wo sie mit vielen anderen gutaussehenden, talentierten Schauspielern konkurrieren, gehen nachts in Bars arbeiten, um zumindest etwas Geld zu verdienen, und ernähren sich hauptsächlich von Ramen-Nudeln. Ganz offensichtlich hatten alle Friends-Schauspieler den Durchbruch geschafft. Sie wurden berühmt, sie waren beliebt, sie wurden reich.
O’Brian sagte: „Ich habe viele Menschen gesehen, die berühmt wurden […]. Was ich immer und immer wieder beobachtet habe – und was ich den Leuten gerne sagen würde –, ist: ‚Es gibt vieles, das irgendwie schön ist am Erfolg, und es ist schön, wenn sich jemand freut, dich zu sehen. Es bringt aber nichts in Ordnung. Wenn etwas kaputt ist, wenn etwas Risse hat oder etwas repariert werden muss, wird das nichts davon in Ordnung bringen.‘ Tatsächlich tut es wahrscheinlich sogar mehr weh – wegen der Enttäuschung und der Wut: ‚Ich habe das bekommen, was ich wollte. Ich bin jetzt berühmt. Ich habe ein Haus. Ich habe die Aufmerksamkeit. Warum geht es mir nicht gut?‘“
Das, was O’Brian sagt ist, dass es kein Geld der Welt gibt, keine Traumkarriere, noch nicht einmal Liebe und Anerkennung von Menschen, die uns die Heilung bringen können, die wir brauchen. Warum ist das so? Weil alles das Götzen sind. Vom HERRN kommt die Rettung. Es gibt nur eine Liebe, die sich wirklich retten kann und die dich wirklich erfüllen kann; es gibt nur eine Umarmung, die dir wirklich die Gewissheit schenken kann, dass du angenommen bist; es gibt nur einen Ort, der wirklich dein Zuhause ist. Die Rettung, nach der wir uns sehnen, ist die Rettung durch Gott.
Als zweites, Gottes Gnade bedeutet, dass Gott selbst den Preis bezahlt hat. Wir haben vorhin gesehen, dass Schuld objektiv und real ist. Die Tatsache, dass Gott uns vergibt und dass er uns annimmt, bedeutet nicht, dass unsere Schuld sich damit in Luft aufgelöst hat. Nichts könnte weiter von der Wahrheit sein. Stattdessen ist es so, dass Jona im Fisch selbst ein Sinnbild dafür geworden ist, wie Gott uns Menschen rettet. In Matthäus 12 lesen wir wie Schriftgelehrte und Pharisäer sich an Jesus wenden und ihn nach einem Zeichen fragen (als ob Jesus nicht bereits genug Zeichen und Wunder vollbracht hätte). Jesus antwortet ihnen: „Diese böse und treulose Generation fordert ein Zeichen, aber es wird ihr kein Zeichen gegeben werden außer das Zeichen des Propheten Jona. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein.“
Letzte Woche haben wir gehört, wie Jona über Bord geworfen wurde. Jona wurde in das aufgewühlte und tosende Meer geworfen. Und Jona ist zu einem Symbol dafür geworden, was Jahre später Jesus für uns tun würde. Als Jesus am Kreuz starb, erfuhr Jesus den wahren Sturm, das wahre aufgewühlte Meer: Jesus erfuhr die ganze Verdammnis, die unsere Sünde und unsere Schuld mit sich brachte. Jona über Bord ist ein Sinnbild für das, was Jesus tun würde: Jesus ist der wahre Prophet Jona; er ist die Erfüllung von vom Propheten Jona; aber gleichzeitig starb Jesus auch für die Schuld und Sünde von Jona. Jona fand Annahme bei Gott, weil Jesus am Kreuz von Gott verworfen wurde.
Vom HERRN kommt die Rettung bedeutet, dass wir nicht nur Annahme bei Gott finden, sondern dass Gott selbst alles dafür getan hat, damit er uns annehmen kann. Gott selbst wurde zum stellvertretenden Opfer, das ihm wohlgefällig ist. Gott selbst ist der Versöhner, der uns mit ihm versöhnt. Gott selbst ist der Weg, der uns zu ihm hinführt. Gott ist der Planer, der Initiator, der Durchführer, der Erlöser und das Ziel der Rettung. Gott ist das A und O unserer Rettung.
Als letztes, die Tatsache, dass Gott unsere Rettung ist, ist die tröstlichste Nachricht, die es gibt. Zu Beginn haben wir gesagt, dass Jona die Gnade Gottes erfuhr, als er sich am absoluten Tiefpunkt seines Lebens befand. Warum kann uns Gott dort begegnen? Die Antwort ist, weil Jesus Christus, der Sohn Gottes, sich nicht zu schade war, sich in die tiefsten Tiefen unserer Verlorenheit herabzubegeben. Im Apostolischen Glaubensbekenntnis sagen wir jede Woche: „Gekreuzigt, gestorben, begraben, hinab gestiegen in das Reich der Toten.“
John Ortberg sagte in einer wunderbaren Predigt: „Aus menschlicher Sicht betrachten wir den Sonntag als den Tag des Wunders, an dem der Mensch Jesus von den Toten auferstanden ist. Aus himmlischer Sicht frage ich mich aber, ob nicht der Samstag das große Wunder ist. Erinnert ihr euch daran, als Jesus geboren wurde und der Himmel voller himmlischer Heerscharen war? Sie lobten Gott und sagten: „Ehre sei Gott in der Höhe“, denn dieses kleine Kind ist Immanuel – Gott in einer Krippe. Nun, am Samstag blicken die Engel herab und was sehen sie? Gott ist tot. Gott ist in einem Grab beigesetzt. Das Wunder des Sonntags besteht darin, dass ein toter Mensch lebt. Das Wunder des Samstags ist, dass der ewige Sohn Gottes stirbt. Er besiegt den Tod nicht durch seine Unbesiegbarkeit, sondern indem er sich ihm unterwirft. Wenn man ihn also in einem Grab finden kann, wenn man ihn im Tod finden kann, wenn man Jesus in der Hölle finden kann – wo kann man ihn dann nicht finden, wo wird er nicht erscheinen? Was auch immer der Schmerz eines Menschen sein mag, was auch immer sein Versagen sein mag, was auch immer sein Bedauern sein mag – es ist nicht das Ende.“
Jona war drei Tage im Bauch eines Fisches und überlebte. Jesus hingegen starb und war drei Tage im Reich des Todes. So gründlich, so konsequent, so kompromisslos rettet Gott uns Menschen.
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