Predigt: Johannes 11,1-45

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Ich bin die Auferstehung und das Leben

„Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das?“

(Johannes 11,25.26)

Heute wollen wir Johannes Kapitel 11 betrachten, wo der Verfasser das letzte und größte der Wunder Jesu schildert, dass Jesus einen Verstorbenen vom Tod auferweckt und sich selbst als die Auferstehung und das Leben offenbart. Seit dem Sündenfall des ersten Menschen scheint der Tod eine unüberwindbare Macht zu sein, die das Leben jedes Menschen unabhängig von seiner Klugheit, Reichtum und Macht zerstört und seine Angehörigen tief verletzt, traurig und hilflos zurücklässt. Obwohl die Menschen viel über Medizin und Longevity (Langlebigkeit) forschen und vieles tun, um ihr Leben ein wenig zu verlängern, finden sie nichts, was sie dem Tod entgegensetzen könnten. Lasst uns heute Gottes Wort gut zuhören und Jesus erkennen, der die Auferstehung und das Leben ist, damit wir den Tod überwinden und ewig leben können!

I. Jesus offenbart sich Marta als die Auferstehung und das Leben (1–27)
Unser Text beginnt mit der Beschreibung von drei Geschwistern namens Marta, Maria und Lazarus, die in einem Dorf namens Betanien unweit von Jerusalem lebten. Jesus besuchte diese kleine Familie anscheinend öfter, wenn er nach Jerusalem reiste, und entwickelte eine Freundschaft mit ihnen (11). Der Vers 5 sagt ausdrücklich, dass Jesus Marta, Maria und Lazarus liebhatte. Vers 2 erwähnt, dass Maria die Frau war, die Jesu geistliche Liebe erwiderte, indem sie seine Füße mit sehr teurem Salböl „wusch“. Nun war Lazarus ernsthaft krank, und Maria und Marta sandten eine Nachricht zu Jesus, um ihn darüber zu informieren. Die beiden Schwestern glaubten, dass Jesus ihren kranken Bruder heilen konnte und dass er sie so sehr liebte, dass er so bald wie möglich kommen und ihn heilen würde.
Wie reagierte Jesus? Der Vers 4 sagt: „Als Jesus das hörte, sprach er: Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Verherrlichung Gottes, dass der Sohn Gottes dadurch verherrlicht werde.“ Jesus betrachtete Lazarus‘ Krankheit nicht mit Sorge, sondern sagte voraus, dass sie zu einer Gelegenheit würde, durch die Gott sich selbst verherrlichen und Jesus als den Sohn Gottes verherrlichen würde. Erstaunlicherweise blieb Jesus aber noch zwei Tage an dem Ort, wo er war, und brach erst danach mit seinen Jüngern nach Betanien auf. Warum Jesus das tat, wird erst in den Verse 14 und 15 etwas klarer, wo Jesus seinen Jüngern sagt: „Lazarus ist gestorben, und ich bin froh um euretwillen, dass ich nicht dagewesen bin, auf dass ihr glaubt.“
Als Jesus in Betanien ankam, war Lazarus bereits vier Tage tot. Als Marta hörte, dass Jesus kam, lief sie ihm entgegen und sagte zu ihm: „Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Was du bittest von Gott, das wird dir Gott geben“ (21.22). Martas Worte drücken vor allem ihre Enttäuschung darüber aus, dass Jesus scheinbar zu spät gekommen war. Marta glaubte grundsätzlich, dass Jesus Wunder tun kann und dass Gott ihm alles gibt, was er von Gott erbittet. Aber angesichts des Todes ihres Bruders half ihr ihr allgemeiner Glaube nicht weiter. Jesus sagt zu ihr: „Dein Bruder wird auferstehen.“ Mit diesem Wort kündigt Jesus an, dass er ihren Bruder auferwecken will. Aber Marta hält das nicht für möglich und versteht Jesu Wort im Rahmen ihres jüdischen Glaubens, dass es eines Tages in ferner Zukunft eine Auferstehung der Toten geben wird. Sie kann Jesus nicht richtig verstehen, weil sie noch nicht erkannt hat, wer Jesus wirklich ist. Wie hilft Jesus ihr? „Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe. Und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das?“ (25.26) Diese Worte Jesu sind eine gewaltige Offenbarung, die nicht nur Maria, sondern uns allen helfen sollen, zu erkennen, wer Jesus wirklich ist. Wer ist Jesus? Jesus ist ein Arzt für die Kranken, ein Freund der Sünder und der gute Hirte, der uns im Leben den Weg zeigt. Er ist das Licht der Welt und das Brot des Lebens. Aber Jesus ist noch mehr als das. Jesus ist die Auferstehung und das Leben. Deshalb wird jeder, der an ihn glaubt, leben, auch wenn er stirbt, weil das Leben, das Jesus uns gibt, ewig ist. Wer im Glauben an ihn lebt, wird daher niemals sterben. Für das Wort „nimmermehr“ steht im Urtext im „aenon“, was „Ewigkeit“ bedeutet. Wenn wir im Glauben an Jesus leben, werden wir in Ewigkeit nicht sterben. Auch wenn unser irdischer Körper eines Tages vergeht, wird unsere Seele weiter leben. Die Seele ist sozusagen unsere innere Person, in der sich alles Wesentliche in unserem Leben abspielt, wo wir Wünsche hegen, Entscheidungen treffen, Beziehungen eingehen und ausleben, vor allem eine persönliche Beziehung zu Gott. Unser Körper ist wie eine Hülle, in der unsere Seele lebt. Der Tod kann diese leibliche Hülle zerstören, aber nicht unsere Seele, die ewig ist. Wenn wir im Glauben an Jesus leben, kommt unsere Seele nach unserem Tod zu Gott und kann ruhen; schließlich werden wir in einem neuen herrlichen Leib auferstehen und ewig mit Ihm leben. Der Tod ist also nichts anderes als eine Tür zum neuen Leben, in dem wir von diesem Körper befreit sind, der schwach und für viele Krankheiten und Sünden anfällig ist und unsere Gemeinschaft mit Gott ständig begrenzt. Aber dann können wir ständig in ungetrübter, vollkommener Gemeinschaft mit Gott leben. Dieses Leben haben wir wegen der Sünde eigentlich verloren. Aber Gott sei Dank für Jesus, der die Auferstehung und das Leben ist, der selbst für uns gestorben und auferstanden ist und der jedem, der an ihn glaubt, wahres, ewiges Leben gibt.
Am vergangenen Mittwoch ist unser lieber Bruder J.M. gestorben. Er ist vor zwanzig Jahren nach Heidelberg gekommen, weil er an Jesus geglaubt hat und aus Liebe zu ihm als ein Missionar für die Studenten in Deutschland leben wollte. Vor fünfzehn Jahren hat er einen geistlichen Durchbruch erlebt, als er Gottes Wort aus Galater 2,19b.20 empfing: „Ich bin mit Christus gekreuzigt. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben.“ Dieses Wort hat ihn von da an motiviert, für Gottes Werk in unserer Gemeinde von Herzen mitzuwirken und sich liebevoll um seine wachsende Familie zu kümmern.
Als er vor über drei Jahren die Krankheit ALS bekam, hielt er seinen Glauben an Jesus treu fest. Auch als er immer schwächer wurde und schließlich nicht mehr reden oder essen konnte, hielt er an Gott fest und vertraute weiter auf Gottes Liebe und seine souveräne Führung. Das konnte jeder merken, der Josua besuchte, weil er jedes Mal lächelte, wenn man mit ihm über Gott und seine Liebe sprach. Als am vergangenen Mittwoch S. ihn im Krankenhaus besucht und ihm den Kern des Evangeliums in Johannes 3,16 vorgelesen hat, antwortete er darauf deutlich mit „Amen“, obwohl er eigentlich nicht mehr sprechen konnte. Am Nachmittag desselben Tages hat ihn Gott zu sich gerufen.
Obwohl J.’s Weggang für uns alle schmerzlich ist, am allermeisten für G. und seine Kinder, brauchen wir nicht von Traurigkeit überwältigt zu werden, weil Jesus lebt. Jesus spricht: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.“ Jesus ist die Auferstehung und das Leben und schenkt jedem, der an ihn glaubt, ewiges Leben. Daher wissen wir, dass J., der seine irdische Hülle verlassen hat, lebt, befreit von seinem irdischen Körper, der für ihn am Ende wie ein Gefängnis war. Er kann nun ausruhen und in Frieden auf den Tag warten, an dem Jesus in Kraft und Herrlichkeit wiederkommen und alle Toten erwecken wird. Er wird alle, die an ihn geglaubt haben, in einem neuen Leib in sein herrliches, ewiges Reich führen wird. Dorthin wird Jesus auch uns entrücken, sodass wir uns mit ihm an Jesus erfreuen können, wenn wir wie J. den Glauben bis zum Ende festhalten. Möge Gott jedem von uns helfen, an Jesus, die Auferstehung und das Leben, zu glauben und unser ganzes Leben aus diesem Glauben heraus zu führen!

II. Jesus erweckt Lazarus von den Toten auf (28-45)
Nachdem Jesus sich Marta mit den Worten „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ offenbart und ihr geholfen hat, auch angesichts des Todes an ihn zu glauben, war Jesus mit seinem Dienst für diese Familie noch nicht fertig. Wie half Jesus ihrer Schwester Maria? Als Maria zu ihm kam, sagte sie: „Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben“ (32b). Sie sagte fast die gleichen Worte wie Marta und drückte damit ihren begrenzten Glauben und tiefe Enttäuschung aus. Als Jesus sah, wie Maria weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr zum Grab gekommen waren, ergrimmte er im Geist und erbebte. Viele Theologen haben darüber nachgedacht, warum Jesus wohl ergrimmte und innerlich bewegt wurde. Ich glaube, dass Jesus so tief bekümmert war, als er sah, wie traurig und hilflos der Tod die Menschen macht, wenn sie keinen Auferstehungsglauben haben. Jesus hatte tiefes Mitgefühl mit den traurigen Menschen und gleichzeitig großen Ärger auf den Tod, der Gottes Geschöpfe so leiden lässt. Aber Jesus war entschlossen zu handeln. Er sagte: „Wo habt ihr ihn hingelegt?“ Als sie weinend sagten: „Herr, komm und sieh!“, musste Jesus selbst auch weinen. Jesus ist so liebevoll und mitfühlend, dass es ihn nicht unberührt lässt, wenn Menschen vor Traurigkeit weinen, auch wenn es eigentlich nicht nötig wäre, angesichts des Todes so traurig zu sein.
Wie half Jesus ihnen weiter? Als sie zum Grab kamen, sagte er: „Hebt den Stein weg!“ Jesu Aufforderung, den Stein vor dem Grab wegzuheben, war eine Ankündigung des Wunders, das Jesus tun wollte. Aber Marta sagte: „Herr, er stinkt schon; denn er liegt seit vier Tagen.“ Martas Worte zeigen, dass ihr Glaube an Jesus immer noch nicht klar war, weshalb sie der Gedanke an den Leichnam ihres Bruders mehr beeinflusste als die Anwesenheit Jesu, der vor dem Grab stand.
Jesus sagte zu ihr: „Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlich­keit Gottes sehen?“ (39.40) Durch diese Ermahnung und Verheißung forderte Jesus sie nochmals dazu auf, auch angesichts des Todes an ihn zu glauben. Dieses Wort kam anscheinend in ihrem Herz an. Denn als Jesus das gesagt hatte, hoben sie den Stein weg.
Als sie den Stein weggetan hatten, hob Jesus seine Augen auf und betete: „Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich wusste, dass du mich allezeit hörst; aber um des Volkes willen, das umhersteht, sagte ich’s, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast“ (41b.42) Danach rief Jesus mit lauter Stimme: „Lazarus, komm heraus!“ Was geschah daraufhin? „Und der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen, und sein Gesicht war verhüllt mit einem Schweißtuch. Jesu spricht zu ihnen: Löst die Binden und lasst ihn gehen!“ (43.44) Es brauchte nur drei Worte von Jesus, um den verstorbenen Lazarus aufzuerwecken. Obwohl er vier Tage zuvor gestorben war, musste er Jesu Befehl gehorchen und aus dem Grab herauskommen. Weil er wegen der vielen Grabtücher, in die sein Leichnam gewickelt worden war, kaum laufen konnte, befahl Jesus den Umstehenden, ihm zu helfen. Viele von den Juden, die mit Maria zum Grab gekommen waren und dieses Wunder sahen, glaubten an Jesus.
Durch die Auferweckung von Lazarus hat Jesus seine Macht über den Tod eindrucksvoll bewiesen. Jesus ist wirklich die Auferstehung und das Leben. Er ist viel stärker als der Tod. Ohne Jesus sind wir dem Tod gegenüber hilflos. Aber wenn wir an ihn glauben, werden wir ewig mit ihm leben, auch wenn unser Körper eines Tages stirbt. Mit Jesus hat der Tod seinen Schrecken völlig verloren. Er ist nur der Übergang zu einem neuen Leben, das viel besser als das hier auf der Erde ist. Wie herrlich muss das Himmelreich sein, wo es kein Leid, keine Schmerzen, keine Krankheit, keine Tränen, keine Sünde und keinen Tod gibt! Wir werden allezeit mit Jesus Gemeinschaft haben und uns ungestört an seiner Herrlichkeit erfreuen! Dieses Leben ist unser wahres Ziel, das wir alle erreichen sollen. Danken wir Gott für Jesus, der die Auferstehung und das Leben ist und uns den Weg zum ewigen Leben geöffnet hat! Lasst uns alle unser Leben in diesem Glauben und dieser Zuversicht führen! Dann werden wir uns, unabhängig davon, wann wir sterben, in seinem herrlichen Reich alle wiedersehen und uns gemeinsam ewig an ihm erfreuen! Lesen wir noch einmal das Leitwort: „Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das?“