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Die Gerechtigkeit Abrams durch Gottes Gnade
„Nach diesen Dingen geschah das Wort des HERRN zu Abram in einer Vision und sprach: Fürchte dich nicht, Abram! Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn.“ …
„Abram glaubte dem HERRN, und er rechnete es ihm zur Gerechtigkeit.“
(1. Mose 15,1.6)
Der Theologe Karl Barth sagte einmal, dass man beim Bibellesen immer drei Themen im Hinterkopf behalten sollte, um über das Wort Gottes tiefer nachzudenken. Diese drei Themen sind: Erstens, die Existenz Gottes (Wer ist der Gott der Bibel), das Bundesvolk Gottes (Was ist das Volk Gottes, das in einem Bund mit ihm steht?) und das Reich Gottes (die Entstehung, Entwicklung und Vollendung des Reiches Gottes). Heute wollen wir in 1. Mose 15 insbesondere die Themen der Existenz Gottes und des Volkes Gottes betrachten. Wir wollen durch das Wort erkennen, was für ein Gott er ist und was es bedeutet, dass wir sein Volk sind.
Lesen wir Vers 1 gemeinsam: „Nach diesen Geschichten begab sich’s, dass zu Abram das Wort des HERRN kam in einer Erscheinung: Fürchte dich nicht, Abram! Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn.“ Der Ausdruck „nach diesen Geschichten“ bezieht sich auf die Ereignisse von 1. Mose Kapitel 12 bis 14. Es geht um Abrams Berufung, seine Flucht nach Ägypten, den Streit und die Trennung von Lot sowie die Rettung Lots. Nach diesen Ereignissen kommt Gott zu Abram und sagt ihm, er solle sich nicht fürchten; er sei sein sehr großer Lohn. Viele sind der Meinung, dass Abram nach dem Krieg besorgt war über die mögliche Vergeltung oder Kriege, in die er hineingezogen werden könnte. Das könnte durchaus sein. Doch ab Vers 2 wird deutlich, dass es nicht um Krieg oder militärische Bedrohungen geht, sondern um die Nachkommenschaft. Eins ist klar, dass Abram Angst hatte. Aber wovor hatte er dann Angst?
Schauen wir uns die Verse 2 und 3 an: „Abram sprach aber: Herr HERR, was willst du mir geben? Ich gehe dahin ohne Kinder und mein Knecht Eliëser von Damaskus wird mein Haus besitzen. Und Abram sprach: Mir hast du keine Nachkommen gegeben; und siehe, einer aus meinem Haus wird mein Erbe sein.“ Die wahre Angst, die Abram hatte, war nicht die Angst vor militärischen Bedrohungen oder Vergeltung, sondern die Furcht, dass Gottes Wort nicht in die Erfüllung gehen würde. Zehn Jahre waren vergangen, seitdem er im Glauben lebte, aber es gab keine Nachricht bezüglich seines Nachkommens. Diese Angst verwandelte sich in Groll und Unmut. Wegen des fehlenden Nachkommens, des Weggangs Lots und seines Alters – wobei er dachte, es sei unmöglich, einen Sohn zu bekommen – hatte er seine Hoffnung verloren und glaubte, dass Gottes Segen und seine Verheißung nun an den Damaszener übergehen würde. In 1. Mose 13,16 hatte Gott ihm Nachkommen so zahlreich wie den Staub der Erde versprochen, doch als sich das Wort nicht erfüllte, stellte er sich die Frage, ob er im Glauben versagt hatte oder ob das Wort Gottes nicht wahr sei. Ohne Nachkommen zu sterben, schien ihm wie ein unausweichliches Schicksal. Lot, sein nächster Blutsverwandter, war jetzt auch weg, und so verlor er die letzte Hoffnung. Eliëser war ein treuer Diener, aber er war nicht sein Sohn. Abrams Angst war eine geistliche Angst. Inmitten dieser geistlichen Krise und des Zweifels begegnete Gott ihm in einer Vision und half ihm durch sein Wort.
Wie hilft Gott Abram? Gott offenbart sich als sein „Schild“ und sein „sehr großer Lohn“. Er tadelt Abram nicht, sondern half ihm durch sein Wort in Vers 4: „Und siehe, der HERR sprach zu ihm: Er soll nicht dein Erbe sein, sondern der von deinem Leibe kommen wird, der soll dein Erbe sein.“ Er verspricht ihm, dass er einen Sohn haben wird, der sein Erbe sein wird. Gott sagt ihm, dass nicht Eliëser, sondern der verheißene Sohn, Abrams nachfolgen wird. Und Gott führt Abram aus dem Zelt hinaus.
Betrachten wir uns Vers 5: „Und er hieß ihn hinausgehen und sprach: Sieh gen Himmel und zähle die Sterne; kannst du sie zählen? Und sprach zu ihm: So zahlreich sollen deine Nachkommen sein.“ Als Abram in den Himmel schaute, sah er die strahlenden Sterne, die Gott geschaffen hatte. Die geistlichen Augen Abrams wurden geöffnet. Der Gott, der das Universum durch sein Wort erschuf, hatte ihm geholfen, als er etwa 300 Männer gegen eine riesige Armee führte, um Lot zu retten. In den letzten zehn Jahren hatte er alle Widrigkeiten überwunden. Durch seine Fehler und Schwächen hindurch wurde er von Gott bis zu diesem Punkt geführt. Als Abram in den Nachthimmel schaut, sieht er nicht nur die Sterne, sondern er blickt durch sie hindurch auf Gott, der die Verheißung erfüllen würde. Dadurch gewinnt Abram den Glauben, dass er einen Sohn bekäme, wie es ihm Gott versprochen hatte.
Lasst uns Vers 6 gemeinsam lesen: „Abram glaubte dem HERRN, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit.“ Tatsächlich hat sich an der Situation von Abram, als er zuvor im Zelt saß und voller Furcht war, nichts geändert. Er hat nach wie vor nichts in der Hand. Er hat weder Nachkommen noch Land. Aber der Glaube verdrängt die innere Angst. Was für ein Glaube ist das? Es ist der Glaube an die Verheißung Gottes für Nachkommen. Hier bezieht sich das Wort „Nachkommen“ auf den verheißenen Sohn Isaak. Die Bibel sagt jedoch nicht nur das. In Galater 3,16 steht: „Die Verheißungen wurden Abraham und seinem Nachkommen gegeben. Es wird nicht gesagt: ‚Und den Nachkommen‘, als ob es sich um viele handelte, sondern es wird gesagt: ‚Und deinem Nachkommen‘, der einer ist, nämlich Christus.“ Abrams Glaube ist nicht nur auf den verheißenen Sohn Isaak beschränkt, sondern ist der Glaube an Jesus Christus, den Gott ihm geben wollte. Abram hoffte auf Jesus und glaubt an ihn. Dieser Glaube macht den Unterschied. Glauben oder nicht glauben; der Unterschied liegt darin, ob man inmitten gleicher Umstände und Bedingungen weint und in Selbstmitleid versinkt oder sein Zelt verlässt und ein Leben der Herausforderung und Hoffnung führt. Wenn wir unsere eigenen Gedanken und Pläne loslassen und die Sterne, also die Vision Gottes betrachten, die Gott uns zeigt, und an den verheißenen Sohn Christus glauben, wird die Sorge, der Kummer und die Angst in unserem Herzen weichen. Ein solcher Glaube erfreut Gott. Als Abram das Wort Gottes annimmt und glaubt, rechnet Gott es ihm zur Gerechtigkeit.
In Römer 4,2 heißt es: „Denn wenn Abraham aus Werken gerechtfertigt worden wäre, hätte er etwas zu rühmen; aber vor Gott hat er nichts.“ Unsere Gerechtigkeit ergibt sich nicht aus Taten, sondern aus dem Glauben an Gott, der uns in eine richtige Beziehung zu ihm bringt.
Was für ein Gott ist er? In unserem heutigen Text sagt Gott, dass er unser Schild und unser sehr großer Lohn ist. Dass Gott unser Schild ist und uns beschützt, bedeutet nicht, dass er uns vor unseren Feinden bewahrt, damit wir reich werden und ein angenehmes Leben führen können. Dagegen steht es im Zusammenhang mit der Errettung. Er schützt uns, um uns vor Unglauben und Zweifeln zu bewahren und uns das ewige Leben zu geben. In einer Situation, in der es keine Hoffnung mehr gibt und das Licht der Hoffnung erloschen ist, ist es Gott, der unseren Glauben wie ein Schild schützt. In Römer 4,18 steht: „Wo keine Hoffnung war, hat er auf Hoffnung hin geglaubt, auf dass er der Vater vieler Völker werde, wie zu ihm gesagt ist.“ Inmitten der Verzweiflung, der hoffnungslosen Situation und einem schwankenden Glauben bewahrt Gott den Glauben von Abram wie mit einem Schild und stärkt ihn somit. Dadurch kann Abram an den verheißenen Nachkommen, Jesus, glauben und hoffen. Er allein kann seinen Glauben nicht festhalten. Wer in seine geistliche Not eingreift, ist Gott. Gott macht Abram zu einem Gerechten. Dieser Schild taucht wieder in 5. Mose 33.29 auf: „Wohl dir, Israel! Wer ist dir gleich? Du Volk, das sein Heil empfängt durch den Herrn, der deiner Hilfe Schild und das Schwert deines Sieges ist! Deine Feinde werden dir schmeicheln, und du wirst auf ihren Höhen einherschreiten.“
Wer ist das Volk des Bundes Gottes? In Galater 3,7 steht: „Erkennt also: Die aus dem Glauben sind, das sind Abrahams Kinder.“ So wird gesagt, dass wir, wenn wir an Jesus glauben, Nachkommen Abrahams sind. Nicht nur die Juden sind Nachkommen Abrahams, sondern wir, die an Jesus glauben, sind Israel und das Volk des Bundes. Weil Gott unser Schild und unser sehr großer Lohn ist, haben wir die Errettung erlangt. Wir haben diese Gnade nicht erlangt, weil wir durch unsere Kraft und durch unsere Bemühungen an Gott oder an Jesus glauben. Es ist vielmehr so, dass Gott uns die Gnade gegeben hat, an ihn glauben zu können. Deshalb können wir uns nicht rühmen, dass wir Glauben haben oder dass wir durch unsere Glauben irgendetwas erreicht haben. Wir sollten Gott danken, der unser Schild ist und unseren Glauben bewahrt. Wir sollten Gott danken, der unser sehr großer Lohn ist und uns die Errettung gewährt hat. Ohne Gottes Gnade kann unser Glauben bis jetzt bestehen. Als Volk des Bundes sind wir glückliche Menschen. Wir haben nichts dazu beigetragen. Und trotzdem ist Gott unser Schild und unser sehr großer Lohn. Obwohl wir nicht dazu beigetragen haben, macht Gott uns gerecht, wie er Abram gerecht gemacht hat. Wenn wir diese Gnade erkennen, erkennen wir, dass wir wirklich von Gnade beschenkt sind und glückliche Menschen sind. Diese Gnade ist schon überwältigend, aber Gott fügt noch weitere Gnaden hinzu.
Lass uns auch Vers 7 betrachten: „Und er sprach zu ihm: Ich bin der HERR, der dich aus dem Land der Chaldäer herausgeführt hat, um dir dieses Land zu geben, um es zu besitzen.“ Gott gibt Abram das verheißene Land. Er gibt nicht nur Glauben und ewiges Leben, sondern er sorgt auch dafür, dass wir im verheißenen Land leben können, um uns zu versorgen. Auch Jesus hat es in Matthäus versprochen. Der Gott, der selbst die Spatzen und Lilien versorgt, wird auch das Volk des Bundes, also uns, sicherlich bewahren. Er wird uns wie ein Schild beschützen und uns als sehr großen Lohn die Errettung und das ewige Leben gewähren und dafür sorgen, dass wir in dem verheißenen Land leben können.
Ich danke und preise Gott, der mein Schild und mein sehr großer Lohn ist und meinen, wie ein kleines Kerzenlicht anfälligen, Glauben beschützt. Gott schützt als mein Schild auch in Zukunft meinen Glauben. Gott hat all das gegeben, was ich brauche. Er hat mir eine liebe Ehefrau, einen guten Arbeitsplatz und zwei wunderbare Töchter geschenkt. Inmitten dieser Lebensumstände entdecke ich, dass ich mehr nach den Hoffnungen dieser Welt strebe, als nach den Verheißungen Gottes, die mir gegeben werden. Äußerlich scheint mein Leben stabil, aber geistlich betrachtet bin ich in Gefahr, den Willen Gottes, den er für mich hat, zu verlieren. Ich bekenne, dass dies eine geistliche Krise ist. Doch auch in dieser Situation hat Gott mich vorbereitet, sein Wort zu empfangen. Gott sagt mir, dass er mein großer Schild ist. Gott wird mein Schild und sehr großer Lohn sein und meinen Glauben beschützen. Er hilft mir, die Hoffnung auf Jesus zu setzen. Er hilft mir, auf das ewige Leben zu schauen und die geistliche Belohnung mehr als alles zu schätzen. Und er rechnet meinen Glauben zur Gerechtigkeit. Auch wenn ich als Missionar in Deutschland bin, bin ich oft unzulänglich und habe wenig erreicht. Doch Gott schützt meinen Glauben und rechnet ihn mir zur Gerechtigkeit. Wenn ich an diesen Gott denke, kann ich mich wegen meines Glaubens nicht rühmen, sondern darf dankbar dafür zu sein, dass er meinen Glauben bis jetzt bewahrt hat. Momentan bin ich in einer neuen Arbeitsumgebung, die eine große Herausforderung für mich darstellt und mir Angst macht. In dieser neuen Umgebung brauche ich Glauben. Gott wird mein Schild und mein sehr großer Lohn sein. Wie er mich bis jetzt geführt hat, möchte er weiter mein Leben in Deutschland nach seinem Plan führen. Wenn ich über diesen Gott nachdenke, weicht die Angst. Wenn ich auf diesen Gott schaue, kann ich ihm nur danken und mich auf ihn freuen. Ich bete, dass ich jeden Tag auf Gott schaue und den Glauben habe, dass Gott mich als Segen für viele gebraucht.