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Um am Evangelium teilzuhaben
„Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, auf dass ich an ihm teilhabe.“
(1. Korinther 9,23)
Der Anfang von unserem heutigen Text zeigt ähnlich wie der Anfang von Kapitel 7, dass der Apostel Paulus hier auf konkrete Fragen eingeht, die die Gläubigen in Korinth ihm in einem vorangehenden Brief geschrieben hatten. In Kapitel 7 war es die Frage, ob man als Christ heiraten sollte oder besser nicht. In unserem heutigen Text geht es um die Frage, ob sie als Christen Fleisch von Tieren essen sollten, die den heidnischen Göttern geopfert worden waren. Diese Frage war für die Gläubigen in Korinth deshalb so relevant, weil in ihrer Stadt in den Götzentempeln so viele Tiere geopfert wurden, dass ein großer Teil des Fleischs, das man in der Stadt kaufen konnte, von solchen Opfern stammte. Auf den ersten Blick erscheint diese Frage für uns heute gar nicht relevant. Aber wir sehen im heutigen Text, dass Paulus nicht nur auf ihre konkrete Frage eine klare, biblisch fundierte Antwort gibt, sondern dabei tiefer geht und auch auf die grundlegenden Fragen eingeht, die eigentlich dahinterstehen. Deshalb gibt der heutige Text auch uns heute wichtige Lehren für unser Glaubensleben. Denn es geht um mehr als um die Frage, ob eine bestimmte Sache nach der Bibel erlaubt ist oder nicht. Deshalb geht es im heutigen Text auch grundlegend um den richtigen Umgang mit der Freiheit, die wir in Jesus haben; es geht um die Verantwortung, die wir anderen gegenüber haben, und es geht um die grundlegende Frage, wofür wir eigentlich leben sollen. Und weil das alles so wichtige Dinge sind, die wir nicht nur vom Kopf her verstehen, sondern auch zu Herzen nehmen sollen, lehrt Paulus all das nicht nur allgemein und theoretisch, sondern bezeugt anschaulich an seinem eigenen Beispiel, wie sehr er sich für das Evangelium einsetzt und warum er so hingebungsvoll dafür lebt, indem er am Ende sagt: „Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, auf dass ich an ihm teilhabe.“ (9,23) Was bedeutet das? Lasst uns heute von Paulus lernen, wie wir als Christen leben sollen!
1. Welches Verhalten ist richtig? (Darf ich oder darf ich nicht?) (8,1-13)
Wie beginnt Paulus seine Antwort auf die Frage der Korinther Christen? „Was aber das Götzenopfer angeht, so wissen wir, dass wir alle die Erkenntnis haben. Die Erkenntnis bläht auf; aber die Liebe baut auf. Wenn jemand meint, er habe etwas erkannt, der hat noch nicht erkannt, wie man erkennen soll. Wenn aber jemand Gott liebt, der ist von ihm erkannt“ (8,1-3). Hier macht Paulus von vornherein klar, dass es nicht ausreicht, wenn man erkennt, was nach der Bibel an sich richtig ist, um sich wirklich richtig zu verhalten. Wenn wir meinen, aufgrund der Bibel zu wissen, was richtig und falsch ist, können wir trotzdem falsch liegen, wenn wir nicht von der Liebe zu Gott erfüllt sind. Damit wir wirklich im Sinne Gottes leben können, brauchen wir sowohl richtige Erkenntnis aus der Bibel und die Liebe zu Gott und zu seinen Kindern.
Was ist die richtige Erkenntnis in dieser Frage? Paulus erklärt: „Was nun das Essen von Götzenopferfleisch angeht, so wissen wir, dass es keinen Götzen gibt in der Welt und keinen Gott als den einen. Und obwohl es solche gibt, die Götter genannt werden, es sei im Himmel oder auf Erden, wie es ja viele Götter und viele Herren gibt, so haben wir doch nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir zu ihm, und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn“ (4-6). Hier stellt Paulus klar, dass es gar keine anderen Götter gibt, die Macht haben und auf uns oder auf die Tiere, die ihnen geopfert werden, Einfluss nehmen könnten. Es gibt nur einen Gott, nämlich den Vater, von dem alle Dinge sind und wir zu ihm; und wir haben nur einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge geschaffen sind und wir durch ihn. Deshalb können die Christen grundsätzlich auch Fleisch von Tieren, die Gott geschaffen hat, bedenkenlos essen, selbst wenn die Tiere fälschlicherweise davor sogenannten Göttern geopfert worden waren. Solches Fleisch zu essen ist also nach Paulus grundsätzlich kein Problem.
Es gibt aber eine wichtige Einschränkung. Im Vers 7 schreibt Paulus: „Aber nicht alle haben die Erkenntnis. Einige essen’s als Götzenopfer, weil sie immer noch an die Götzen gewöhnt sind; und so wird ihr Gewissen, weil es schwach ist, befleckt.“ Diejenigen, die diese geistliche Wahrheit nicht klar erkannt haben, essen das Götzenopferfleisch immer noch in dem Bewusstsein, dass es ein Götzenopfer ist, und haben ein schlechtes Gewissen. Paulus stellt klar, dass es vor Gott an sich keinen Unterschied macht, ob man solches Fleisch isst oder nicht. Er ermahnt die Gläubigen aber dazu, auf die Geschwister Rücksicht zu nehmen, deren Gewissen wegen ihrer begrenzten Erkenntnis schwach ist: „Seht aber zu, dass diese eure Freiheit für die Schwachen nicht zum Anstoß wird!“ Wie ernst sollten sie das nehmen? In den Versen 10-12 gibt er zu bedenken: „Denn wenn jemand dich, der du die Erkenntnis hast, im Götzentempel zu Tisch sitzen sieht, wird dann nicht sein Gewissen, da er doch schwach ist, verleitet, das Götzenopfer zu essen? Und so geht durch deine Erkenntnis der Schwache zugrunde, der Bruder, für den doch Christus gestorben ist. Wenn ihr aber so sündigt an den Brüdern und Schwestern und verletzt ihr schwaches Gewissen, so sündigt ihr an Christus.“ Schlussfolgernd sagt er von sich selbst: „Darum, wenn Speise meinen Bruder zu Fall bringt, will ich nimmermehr Fleisch essen, auf dass ich meinen Bruder nicht zu Fall bringe“ (13). Obwohl es vor Gott eigentlich kein Problem ist, Fleisch von Tieren zu essen, die vorher Götzen geopfert worden waren, sollte man es trotzdem nicht tun, wenn man dadurch einen Bruder dazu verleitet, es auch zu tun, obwohl er dabei ein schlechtes Gewissen hat; denn es kann ihn in geistliche Schwierigkeiten bringen, durch die er im schlimmsten Fall vom Glauben abfallen kann.
Auch wenn es heute für die meisten kein Thema ist, ob man Fleisch essen soll, dass für irgendwelche Kulte missbraucht wurde, gibt es viele andere Fragen, zu denen es unter Christen unterschiedliche Auffassungen gibt. Zum Beispiel die Frage, ob man Musik mit ungeistlichen Texten hören oder weltliche Filme ansehen soll; ob man auf Partys gehen und mit anderen Männern bzw. Frauen tanzen soll, ob man vor der Ehe einen festen Freund bzw. Freundin haben soll, usw. Wir sollten mit solchen Fragen nicht leichtfertig umgehen oder sie oberflächlich vorschnell beantworten. Die Tatsache, dass Paulus auf alle Fragen der Gläubigen in Korinth gründlich geantwortet hat, ermutigt uns, Fragen, wie wir uns in bestimmten Situationen verhalten sollen, ernst zu nehmen und in der Bibel nach Antwort zu suchen; und dabei eventuell auch die Hilfe von Glaubensgeschwistern in Anspruch zu nehmen, die sich in der Bibel besser auskennen oder geistlich mehr Erfahrung haben. Denn es geht ja um Gott und um seinen Willen. Es ist wichtig, dass wir bei solchen Fragen ernsthaft suchen, was nach der Bibel richtig ist, und aufgrund der Bibel klar erkennen, was Gott erfreut und was nicht. Aber das allein reicht nicht. Wir sollen auch an unsere Glaubensgeschwister denken, die möglicherweise in der geistlichen Erkenntnis nicht so weit sind wie wir, und sollen entsprechend auf sie Rücksicht nehmen, sowohl bei dem, was wir sagen als auch bei dem, wie wir uns verhalten. Denn es nicht nur um unser geistliches Wohl, sondern auch um das geistliche Wohl von unseren Glaubensgeschwistern und von denen, die auf der Suche nach Gott sind. Einfach gesagt sollen wir nicht nach der Erkenntnis handeln, sondern nach der Liebe.
2. Vom richtigen Gebrauch der christlichen Freiheit (9,1-27)
Im Kapitel 9 führt Paulus das Thema fort und spricht darüber, wie wir als Christen mit der Freiheit umgehen sollen, die wir in Jesus durch das Evangelium erhalten haben. Er behandelt diese Frage an seinem eigenen Beispiel. Er schreibt: „Bin ich nicht frei? Bin ich nicht ein Apostel? Habe ich nicht Jesus, unsern Herrn, gesehen? Seid nicht ihr mein Werk in dem Herrn? Bin ich für andere kein Apostel, so bin ich’s doch für euch; denn das Siegel meines Apostelamts seid ihr in dem Herrn. Denen, die mich verurteilen, antworte ich so: Haben wir nicht das Recht, zu essen und zu trinken? Haben wir nicht auch das Recht, eine Schwester als Ehefrau mit uns zu führen wie die andern Apostel und die Brüder des Herrn und Kephas? Oder haben allein ich und Barnabas nicht das Recht, nicht zu arbeiten?“ Der Hintergrund dieser Verse ist auch wohl der Konflikt zwischen den Parteien, die es in der Korinther Gemeinde gab. Einige behaupteten wohl von Paulus, dass er gar kein richtiger Apostel wäre, weil er parallel zu seinem geistlichen Dienst für seinen eigenen Lebensunterhalt arbeitete und sich nicht wie andere Apostel finanziell unterstützen ließ. Ihnen kam Paulus wie ein Diener Gottes zweiter Klasse vor, weil er für seinen Dienst keinen Lohn verlangte. Einige bemängelten auch, dass Paulus im Gegensatz zu anderen Aposteln nicht verheiratet war. Aber Paulus war sehr wohl auch ein Apostel – vor allem für die Korinther, die durch ihn zum Glauben gekommen waren. Der Punkt war, dass diejenigen, die Paulus kritisierten, nicht verstanden hatten, warum er so lebte.
Zunächst stellt Paulus klar, dass er sehr wohl wusste, dass er auch ein Recht darauf hatte, von der Gemeinde, der er diente, eine finanzielle Unterstützung zu verlangen. Das sagt nicht nur der gesunde Menschenverstand, sondern Gott hatte das auch im Gesetz des Mose ausgedrückt, wo es heißt: „Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden.“ Er führt aus: „Sorgt sich Gott etwa um die Ochsen? Oder redet er nicht überall um unsertwillen? Denn um unsertwillen ist es geschrieben. Wer pflügt, soll auf Hoffnung pflügen; und wer drischt, soll in der Hoffnung dreschen, dass er seinen Teil empfangen wird. Wenn wir für euch Geistliches säen, ist es dann zu viel, wenn wir Leibliches von euch ernten wollen? Wenn andere dieses Recht an euch haben, warum nicht viel mehr wir?“ (9-12a) Warum hatte Paulus von ihnen dann keine Unterstützung verlangt, wenn sogar Gott in seinem Wort das Recht darauf verankert hatte? Er sagt: „Aber wir haben von diesem Recht nicht Gebrauch gemacht, sondern wir ertragen alles, dass wir nicht dem Evangelium Christi ein Hindernis bereiten“ (12b). Paulus hatte allemal ein Recht darauf, von der Gemeinde unterstützt zu werden. Aber er hat von seinem Recht keinen Gebrauch gemacht, um dem Evangelium Christi kein Hindernis zu bereiten. Paulus wollte lieber auf die ihm zustehende Unterstützung verzichten, damit niemand denken konnte, er hätte all das nur gepredigt, damit er von der Gemeinde Geld bekommt.
Hier lehrt Paulus das Prinzip des Verzichts für das Evangelium. Obwohl er klar darlegte, dass es nach der Bibel richtig war, dass ein Arbeiter des Evangeliums sich von denen, denen er geistlich dient, materiell versorgen lässt, wollte Paulus lieber darauf verzichten und selbst nebenher arbeiten, um in keiner Weise das Evangelium daran zu hindern, zu den Menschen zu kommen und von ihnen angenommen und geglaubt zu werden. Paulus‘ Haltung entspricht dem, was er davor in Kap. 8 gelehrt hat, dass man von seinem Recht, Götzenopferfleisch zu essen, keinen Gebrauch machen soll, wenn dadurch ein Bruder in Schwierigkeiten geraten könnte.
Paulus schrieb nicht von seinem Anrecht auf eine Unterstützung, weil er von nun an etwa so eine Unterstützung erhalten wollte. Er schreibt: „Ich aber habe von alledem keinen Gebrauch gemacht. Ich schreibe auch nicht deshalb davon, damit es nun mit mir so gehalten werde. Lieber wollte ich sterben – meinen Ruhm soll niemand zunichtemachen! Denn dass ich das Evangelium predige, dessen darf ich mich nicht rühmen; denn ich muss es tun. Und wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predigte! Tue ich’s freiwillig, so wird’s mir gelohnt. Tue ich’s aber unfreiwillig, so ist mir das Amt doch anvertraut. Was ist denn nun mein Lohn? Dass ich das Evangelium predige ohne Entgelt, sodass ich von meinem Recht am Evangelium nicht Gebrauch mache.“ (15-18).
Paulus erachtete es als seinen Lohn, dass er das Evangelium ohne Entgelt predigte und von seinem Recht auf finanzielle Unterstützung keinen Gebrauch machte. Er hielt die Tatsache, dass er das Evangelium predigen durfte, an sich schon für ein Privileg. Dass er dafür keinen finanziellen Lohn bekam, war ein Ausdruck dessen, dass er es tun musste, weil Gott selbst ihn damit beauftragt hatte. Paulus konnte so leben, weil er glaubte, dass Gott ihn letztlich für seinen Dienst reich belohnen wird.
Paulus Haltung gegenüber dem Evangelium drückte sich nicht nur in der Tatsache aus, dass er von seinem Recht auf einen materiellen Lohn keinen Gebrauch machte. Wie gab sich Paulus selbst hin, um das Evangelium zu verbreiten? Betrachten wir die Verse 19-22: „Denn obwohl ich frei bin von jedermann, habe ich doch mich selbst jedermann zum Knecht gemacht, auf dass ich möglichst viele gewinne. Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne. Denen unter dem Gesetz bin ich wie einer unter dem Gesetz geworden – obwohl ich selbst nicht unter dem Gesetz bin –, damit ich die unter dem Gesetz gewinne. Denen ohne Gesetz bin ich wie einer ohne Gesetz geworden – obwohl ich doch nicht ohne Gesetz bin vor Gott, sondern bin im Gesetz vor Christus –, damit ich die ohne Gesetz gewinne. Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise etliche rette.“
Daher verzichtete er auf das Recht, für seinen Dienst am Evangelium bezahlt zu werden bzw. seinen Unterhalt finanziert zu bekommen, obwohl das für Arbeiter des Evangeliums im Alten und im Neuen Testament eigentlich so vorgesehen ist. Lieber arbeitete er mit seinen eigenen Händen oder litt Mangel, als dass er dem Evangelium ein Hindernis bereiten würde; niemand sollte daran Anstoß nehmen und sagen können, dass Paulus zwar von der bedingungslosen Liebe und Hingabe Gottes predigt, dass er sich selbst aber für seinen Predigtdienst bezahlen lässt. Eigentlich will jeder zumindest irgendeinen Lohn für seine Arbeit. Aber Paulus sagte im Vers 18: „Was ist denn nun mein Lohn? Dass ich das Evangelium predige ohne Entgelt, sodass ich von meinem Recht am Evangelium nicht Gebrauch mache.“ Er verlangte keinerlei Lohn für seinen Dienst, sondern betrachtete eben die Tatsache, dass er das Evangelium ohne Entgelt predigte, als seinen Lohn.
Er wurde den Juden, die unter dem Gesetz waren, wie einer, der unter dem Gesetz ist, obwohl er selbst nicht unter dem Gesetz war; und er wurde den Heiden, die ohne Gesetz waren, wie einer, der ohne Gesetz ist, obwohl er nicht wirklich ohne Gesetz war, sondern unter dem Gesetz Christi war, das die völlige Hingabe an ihn und die Liebe zum Nächsten fordert. Er fasst seine Einstellung und seine Lebensweise mit den Worten zusammen: „Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise etliche rette.“ Er liebte die Menschen so sehr und war so entschlossen, sie zum Glauben an das Evangelium und dadurch zur Rettung zu führen, dass er ihre Denk- und Lebensweise wirklich verstand und sie von Herzen nachvollzog und annahm, sodass sie sich wirklich verstanden und angenommen fühlen und ihr Herz ihm und dem Evangelium gegenüber öffnen konnten.
Wie konnte er sich selbst so sehr verleugnen, dass er sein gesetzliches Denken und seinen Stolz als ein Jude so völlig ablegen und die Heiden so von Herzen annehmen konnte, sodass sie sich wirklich von ihm verstanden und angenommen fühlten? Wie konnte er andererseits seine egoistische Neigung, die auch er als Mensch hatte, so sehr überwinden? Wie konnte er die Freiheit, die er als Christ im Evangelium gefunden hatte, völlig für den Dienst für Christus und für die Rettung anderer Menschen gebrauchen? Konkret: Wie konnte er sich mit den Juden, die unter dem Gesetz waren, identifizieren, sodass auch sie sich von ihm wirklich angenommen und verstanden fühlten?
Er sagt im Vers 23: „Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, auf dass ich an ihm teilhabe.“ Hier verrät Paulus den Grund und sein innerstes Motiv, aus dem er so hingebungsvoll für die Rettung möglichst vieler Menschen lebte. Er tat alles wegen des Evangeliums, damit er daran teilhätte. Das Evangelium war seine Grundlage, auf der sein ganzes Denken und Leben gründeten. Sein starker Wunsch, das Evangelium zu verbreiten und Menschen zu helfen, daran zu glauben, kamen aus seiner Liebe zum Evangelium, aus seiner Gemeinschaft mit dem Evangelium. Im griechischen Urtext steht hier für „teilhaben“ das Wort „koinonia“, was eine enge, liebevolle Gemeinschaft beschreibt. Paulus hatte Gemeinschaft mit dem Evangelium, und daraus entsprangen, seine Liebe zu den Menschen, seine beständige Motivation und Kraft, sie zum Glauben an das Evangelium zu führen, sein Verständnis und seine Weisheit, den jeweils besten Weg dafür zu finden. Paulus tat alles wegen des Evangeliums und für das Evangelium, anders gesagt tat er alles für Jesus, aus seiner Gemeinschaft heraus, die er täglich mit ihm hatte.
Und dieses Wort sagt noch mehr als das! Paulus‘ Worte „auf dass ich an ihm teilhabe“, oder nach der Elberfelder Übersetzung: „um an ihm Anteil zu bekommen“, zeigen, dass er sich bewusst war, dass er längst noch nicht am Ziel war, dass er das Evangelium bzw. Jesus noch nicht genug erkannt hatte: Paulus gab sich mit dem Maß an Glauben, das er hatte, nicht einfach zufrieden, sondern er war von einem starken Verlangen erfüllt, Jesus noch viel mehr zu erkennen und mit ihm viel mehr Gemeinschaft zu haben. Deshalb schrieb er in seinem Brief an die Christen in Philippi: „Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleich gestaltet werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.“ Obwohl Paulus Jesus sicher besser kannte als jeder von uns, wollte er ihn noch viel mehr erkennen. Er wollte ihn nicht nur theoretisch und begrenzt kennen, sondern wollte ihn wirklich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung in seinem realen Leben erfahren. Er wollte in seinem täglichen Leben die Kraft seiner Auferstehung erfahren und dazu auch an Jesu Leiden für die Rettung von Menschen teilhaben, damit er auch zur Auferstehung von den Toten gelangen würde. Paulus wollte sich nicht selbst betrügen und gab sich nicht mit dem zufrieden, was er von Jesus und seinem Evangelium schon erkannt hatte, weil er wusste, dass es so viel mehr gibt, was er erkennen und mit ihm real erfahren konnte. Deshalb war er willig, für die Verbreitung des Evangeliums auch zu leiden, damit er Jesus wirklich verstehen und auch die Kraft seiner Auferstehung erleben kann. Durch das reale Leiden für das Evangelium und die reale Erfahrung der Kraft seiner Auferstehung wollte er Jesus immer mehr erkennen und auf dieser Basis immer persönlichere Gemeinschaft mit ihm haben. Deshalb tat er alles dafür, die unterschiedlichsten Menschen wirklich zu verstehen und auf einer Wellenlänge mit ihnen zu reden, damit er sie für das Evangelium erreichen konnte. Niemand kann auf Dauer aus eigener Kraft so leben. Aber Paulus konnte bis zum Ende seines Lebens so hingebungsvoll für das Evangelium leben, weil er das Evangelium zu seinem Ziel gemacht hatte. Er hatte erkannt, dass das der Weg ist, auf dem er Jesus wirklich erkennen und mit seinem Evangelium wirklich Gemeinschaft haben kann. Es wurde ihm klar, dass Gott ihn gerade auf diesem Weg zur Auferstehung von den Toten und zur ewigen Gemeinschaft mit ihm führen will. Paulus hatte erkannt, dass das der Weg ist, auf dem Gott nicht allein ihn, sondern alle Christen dazu führen will, Jesus immer mehr zu erkennen und mit dem Evangelium in Ewigkeit Gemeinschaft zu haben.
Wozu ermutigte Paulus deshalb die Christen in Korinth? Er schreibt in den Versen 24–25: „Wisst ihr nicht: Die im Stadion laufen, die laufen alle, aber nur einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt. Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen.“ Hier vergleicht Paulus das Leben im Glauben an Jesus mit einem Wettlauf im Stadion. Die Läufer laufen im Stadion nicht gemütlich, als ob es um nichts gehen würde, sondern geben ihr Bestes, damit sie im Lauf als Erste ankommen, weil nur er Siegeskranz bzw. die Goldmedaille gewinnen kann. Sie geben nicht nur während dem Wettkampf ihr Bestes, sondern richten ihr ganzes Leben darauf aus, beim Wettlauf erfolgreich zu sein, indem sie regelmäßig trainieren und auf alles verzichten, was sie am erfolgreichen Laufen hindert, z. B. ungesundes Essen, Alkohol, Rauchen, Partys bis in die Nacht usw. Paulus will damit natürlich nicht sagen, dass es im christlichen Leben um einen Wettbewerb geht oder dass nur die allerbesten Christen ans Ziel kommen. Aber er will uns die richtige Haltung lehren, mit der wir unser Leben für das Evangelium aus Liebe zu Jesus führen sollen.
Wie entschlossen kämpfte Paulus darum, das Ziel zu erlangen? Er schreibt: „Ich aber laufe nicht wie ins Ungewisse; ich kämpfe mit der Faust nicht wie einer, der in die Luft schlägt, sondern ich schinde meinen Leib und bezwinge ihn, dass ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde.“ Paulus lebte nicht unentschlossen und ziellos vor sich hin. Er führte sein Glaubensleben zielbewusst und kämpfte darum, anderen das Evangelium auf überzeugende Weise zu sagen und selbst nach allem zu leben, was er anderen predigte. Er richtete sein Leben ganz darauf aus, das Evangelium zu verbreiten, und verzichtete dabei auf seine Privilegien, damit er niemandem ein Hindernis bereitete, sondern möglichst viele retten kann. Das war der konkrete Ausdruck davon, dass er Gott wirklich von ganzem Herzen liebte und Jesus in seinem Leben immer mehr erfahren und dann ewig mit ihm Gemeinschaft haben wollte. Und es war der Ausdruck seiner wahren Nächstenliebe. Möge Gott uns helfen, seinem Beispiel zu folgen!