Predigt: 1. Korinther 4,1-21

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Folgt meinem Beispiel

„Darum ermahne ich euch: Folgt meinem Beispiel!“

(1. Korinther 4,16)

Wie wir bereits in den Kapiteln 1–3 gesehen haben, gab es in der Gemeinde in Korinth Spaltungen und Parteiungen. Einige Gemeindemitglieder sagten: „Ich habe von Paulus gelernt“ oder „Ich habe von Apollos gelernt“. Sie verglichen sich anhand von Menschen und zeigten eine hochmütige Haltung, indem sie ihre eigenen Gaben und Fähigkeiten rühmten.
Diese Menschen verwies Paulus zunächst auf die Kraft des Kreuzes und die Weisheit Gottes. Er lehrte sie, dass das Wachstum der Gemeinde nicht von menschlichen Fähigkeiten abhängt, sondern von der Gnade Gottes und der Führung des Heiligen Geistes, und dass Diener Gottes lediglich Mitarbeiter sind, die an der Frucht teilhaben, die Gott selbst schenkt.
Im heutigen Abschnitt zeigt der Apostel Paulus besonders, wie er als Diener Christi seinen Dienst ausübt, und am Ende ermahnt er die Gemeinde, seinem Beispiel zu folgen. Durch dieses Wort wollen wir tiefer erkennen, mit welcher Haltung wir als Nachfolger Jesu vor Gott leben sollen und warum Paulus die Gemeinde auffordert, seinem Beispiel zu folgen.

I. Verwalter der Geheimnisse Gottes (Verse 1–5)
Lasst uns gemeinsam Vers 1 lesen: „Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse.“ Hier erscheinen zwei Bezeichnungen für Diener des Evangeliums. Die eine ist „Diener Christi“, die andere „Verwalter der Geheimnisse“. Das Wort für „Diener“ ist hypēretēs (ὑπηρέτης) und bezeichnet jemanden, der seinem Herrn dient, ihn begleitet und auf seine Anweisungen hört. Es meint einen Knecht, der den Befehl seines Herrn empfängt und ihm gehorsam folgt. Der Apostel Paulus blieb ein Jahr und sechs Monate in Korinth, um die Gemeinde zu gründen, und Apollos setzte danach den Dienst mit dem Wort fort. Doch die korinthischen Christen blickten nur auf Paulus oder Apollos, bildeten Parteien und wurden hochmütig. Dabei sind alle Gemeindeleiter nichts anderes als Diener, die dem Werk Jesu Christi zur Seite stehen. Paulus bekennt damit, dass auch er nur ein Knecht ist, der den Befehlen Jesu Christi vollkommen gehorsam folgt.
Der Begriff „Verwalter“ ist oikonomos (οἰκονόμος) und bezeichnet einen Stellvertreter, der im Auftrag des Herrn den Haushalt verwaltet. Von diesem Wort leitet sich auch der Begriff „Ökonomie“ ab. Je nachdem, wie ein Verwalter die Wirtschaft eines Hauses führt, entscheidet sich das Gedeihen oder der Niedergang einer Familie. Ebenso hängt das Werk der Rettung eines Lebens davon ab, wie derjenige, dem das Evangelium anvertraut ist, mit diesem Evangelium umgeht. Das liegt an der besonderen Eigenschaft des Evangeliums als Geheimnis. Das Evangelium ist allen Menschen offen zugänglich, und doch ist es so geheimnisvoll, dass Gott durch Menschen wirkt, die es weitergeben und seinen Sinn auslegen und lehren.
Was ist also das Wichtigste, das ein Verwalter braucht? Es ist Treue. Die Welt fordert Fähigkeiten, Beliebtheit, Ruhm und Erfolg oder Führungskompetenz. Gott jedoch sieht allein auf Treue und Zuverlässigkeit. Im Leben eines Verwalters ist nicht entscheidend, wie viel er nach außen hin vorweisen kann, sondern wie vertrauenswürdig er ist. Ist ein Verwalter treu, wird die Frage der Fähigkeit zweitrangig, denn Weisheit und Kraft kommen allein von Gott. Wenn wir treu sind, schenkt Gott Weisheit und Kraft in Fülle.
Im Matthäusevangelium Kapitel 25 finden wir das Gleichnis von den anvertrauten Talenten. Als der Herr in ein fernes Land reiste, rief er seine Knechte zu sich und gab jedem nach seinen Fähigkeiten Talente. Nach langer Zeit kehrte er zurück und nahm die Abrechnung vor – und er sah allein auf ihre Treue. Worin aber sollen Diener Christi in erster Linie treu sein? In der Aufgabe, die ihnen anvertraut wurde, nämlich die Geheimnisse Gottes, das Evangelium, weiterzugeben. Zur Zeit Jesu forderten die Menschen immer wieder, dass er Zeichen und Wunder tue und als Messias ihre konkreten Lebensprobleme löse. Doch Jesus ging darauf keinen Kompromiss ein und sagte klar: „Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Orte, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen“ (Mk 1,38). In Johannes 21,15–17 gibt der auferstandene Jesus dem Petrus dreimal denselben Auftrag: „Weide meine Lämmer … hüte meine Schafe … weide meine Schafe.“ „Weiden“ bedeutet, die Schafe mit dem Wort des Lebens zu nähren, und „hüten“ heißt, sie wie ein guter Hirte fürsorglich zu begleiten.
Wer aber beurteilt, ob wir diesen Auftrag gut erfüllt haben? Sind es Menschen, die Reaktionen der Gemeinde oder wir selbst? Lasst uns gemeinsam die Verse 3–5 lesen.
Auch wenn man treu als Diener Christi lebt, gibt es immer Menschen, die urteilen. Der Apostel Paulus wusste sehr wohl, dass er von anderen beurteilt wurde. Manche sagten: Paulus schreibt gut, aber Apollos predigt besser; sein Aussehen gefällt mir nicht; er spricht immer nur vom Kreuz Jesu; manche zweifelten sogar daran, ob er ein echter Apostel sei. Solche Urteile können entmutigen, ängstlich machen und emotional verletzen. Doch Paulus betrachtete dies als eine Kleinigkeit. Denn das wahre Urteil gehört allein dem Herrn. Ja, wir sollen uns nicht einmal selbst richten. Hält man sich selbst für besonders gut, wird man schnell hochmütig; hält man sich für unfähig, fällt man leicht in Minderwertigkeitsgefühle. Doch die christliche Selbstachtung gründet sich nicht auf Selbsturteile. Sie entspringt dem Glauben daran, dass Gott mich trotz aller Schwächen und Mängel erwählt, liebt und gebraucht. Darum müssen wir weder von den Urteilen anderer abhängig sein, noch uns selbst richten. Wenn der Herr kommt, wird das Verborgene offenbar und die Motive der Herzen werden ans Licht gebracht; dann wird jeder von Gott sein Urteil und sein Lob empfangen. Deshalb sollen wir das Richten ganz dem Herrn überlassen und treu sein in dem Auftrag, den er uns anvertraut hat.

II. Folgt meinem Beispiel (Verse 6-21)
Für Paulus war Treue kein Konzept, das sich nur in Worten oder in einer inneren Haltung erschöpfte. Sie musste sich zwingend in der konkreten Lebensweise zeigen. Deshalb fügt Paulus keine weiteren Erklärungen hinzu, sondern stellt sein eigenes Leben unverhüllt vor Augen. Ja, er geht sogar so weit, dazu aufzufordern, seinem Beispiel zu folgen.
Lasst uns Vers 6 lesen: „Dies aber, Brüder und Schwestern, habe ich auf mich selbst und Apollos gedeutet um euretwillen, dass ihr an uns lernt, was das heißt: Nicht über das hinaus, was geschrieben steht; auf dass sich bei euch keiner für den einen gegen den andern aufblase.“
Der Apostel Paulus und Apollos arbeiteten gut miteinander zusammen und gaben ein Vorbild im Glauben. Doch die Gemeinde in Korinth versuchte immer wieder, über das hinauszugehen, was geschrieben steht. Nicht nur, dass die Korinther andere beurteilten – auch der Maßstab ihres Urteilens lag außerhalb des Wortes Gottes.
Was bedeutet es also, nicht über das Wort Gottes hinauszugehen? Es bedeutet, die von Gott in seinem Wort gesetzten Maßstäbe nicht zu überschreiten. Anders gesagt: Setzt keine anderen Maßstäbe über die Schrift, vertraut eurer eigenen Überzeugung nicht mehr als der Bibel und benutzt das Wort Gottes nicht als Werkzeug, um eure eigenen Wünsche zu rechtfertigen. Die Formulierung „darüber hinausgehen“ bedeutet nicht, das Wort Gottes offen zu verwerfen, sondern es zwar anzuerkennen, sich aber faktisch über das Wort zu stellen.
In 1. Mose 3 verleugneten Adam und Eva das Wort Gottes nicht. Dennoch folgten sie den Worten der Schlange – etwas, das verlockender erschien als Gottes Wort. Das ist die erste Szene, in der der Mensch über das Wort hinausgeht. In 1. Samuel 15 sehen wir den Ungehorsam Sauls: Er kannte das Gebot des Herrn, änderte es aber nach eigenem Ermessen und rechtfertigte sein Handeln. In Markus 7 wussten die Pharisäer sehr wohl um das Gebot, Vater und Mutter zu ehren, doch mit dem Hinweis auf „Korban“ stellten sie ihre Tradition über Gottes Wort und gingen so über die Schrift hinaus.
Wie aber gingen die Korinther über Gottes Wort hinaus?
Erstens: Sie hatten ein ausgeprägtes Gefühl von Sonderstellung und Privilegierung. Lesen wir Vers 7: „Denn wer gibt dir einen Vorzug? Was hast du, das du nicht empfangen hast? Wenn du es aber empfangen hast, was rühmst du dich dann, als hättest du es nicht empfangen?“
Die Korinther glaubten, sie seien gerettet worden, weil sie selbst so gut sind. Sie kämpften nicht darum, sich von der Welt zu unterscheiden, sondern vergaßen, dass alles, was sie hatten, Gnade war. Sie litten gewissermaßen an einer „Gnaden-Amnesie“. Und so rühmten sie sich: weil sie tüchtig seien, weil sie sich angestrengt hätten, weil sie da gewesen seien, sei alles so geworden.
Zweitens: Sie herrschten als Könige – ohne Hirten. Schauen wir auf Vers 8: „Ihr seid schon satt geworden? Ihr seid schon reich geworden? Ohne uns seid ihr zur Herrschaft gelangt? Ja, dass ihr doch herrschen würdet, damit auch wir mit euch herrschen könnten!“
Sie meinten, bereits gesättigt und reich zu sein, vergaßen ihren Anfang und verfielen in Hochmut und Selbstzufriedenheit. Sie missachteten die Diener Christi, die unter Mühen geistlich um sie gerungen und sie großgezogen hatten und machten sich selbst zu Königen. Sie wollten alles nach ihren eigenen Vorstellungen ordnen und für ihren eigenen Vorteil leben. „So leben doch alle Menschen in der Welt!“ – und passten ihr Glaubensleben dem Maßstab der Welt an.
„Ich habe so viel zu lernen und die Arbeit ist so stressig – Muss ich wirklich Zeit für’s Bibelstudium aufbringen?“, „Es reicht doch, innerlich Gnade zu empfangen“, „Hauptsache, ich gehe sonntags zum Gottesdienst“, „Ist der Zehnte wirklich notwendig? Jetzt muss ich doch Geld sparen, um später sorgenfrei leben zu können.“ So machten sie sich selbst zum König ihres Lebens, setzten ihre eigenen Maßstäbe und rechtfertigten sie. Ohne den Maßstab des Wortes Gottes wurde das eigene Denken zum höchsten Kriterium. Wenn das Herz ohne das Wort Gottes sich selbst überlassen bleibt, richtet es sich ganz von selbst immer höher auf.
Paulus hatte ein zutiefst brennendes und sorgendes Herz, als er diese Korinther-Christen sah. Gegenüber den Hochmütigen bezeugt er, wie er selbst als Hirte für sie gelebt hat. Sehen wir uns Vers 9 an: „Denn ich meine, Gott hat uns Apostel als die Allergeringsten hingestellt, wie zum Tode Verurteilte. Denn wir sind ein Schauspiel geworden der Welt und den Engeln und den Menschen.“
Der Ausdruck „zum Tode Verurteilte“ bezieht sich auf Kriegsgefangene, die in den römischen Arenen hinausgeführt wurden, um den wilden Tieren vorgeworfen zu werden. Während die Gladiatoren im Amphitheater unter Einsatz ihres Lebens kämpften, sahen zahllose Zuschauer diesem grausamen Schauspiel aus reiner Unterhaltung zu, verspotteten und verhöhnten die Opfer. Paulus beschreibt, dass er im Dienst der Gemeindegründung auf diese Weise Verachtung, Missverständnisse und Verfolgung ertragen musste und zum Gespött der Menschen geworden war. Und auch in der Gegenwart litt er unter vielfältigen Mühen.
Lasst uns gemeinsam die Verse 11–13 lesen: „Bis auf diese Stunde leiden wir Hunger und Durst, sind nackt und werden geschlagen und haben keine sichere Stätte und mühen uns ab mit unsrer Hände Arbeit. Schmäht man uns, so segnen wir; verfolgt man uns, so dulden wir’s; verlästert man uns, so reden wir freundlich. Wir sind geworden wie der Abschaum der Menschheit, jedermanns Kehricht, bis heute.“
Wie sehr muss er verachtet, zurückgewiesen und geplagt worden sein, dass er sich selbst als „Abschaum der Welt“ bezeichnet! Auch der Apostel Paulus war ein Mensch wie wir, mit Gefühlen, Ängsten und Schmerz. Ein solches Leben war gewiss nicht leicht. Ursprünglich war Paulus kein Nachfolger Jesu Christi, sondern im Gegenteil ein Verfolger der Gemeinde Jesu. Er ließ Christen gefangen nehmen und versuchte mit Drohungen und Gewalt, die Kirche zu zerstören. Als der treue Zeuge Stephanus gesteinigt wurde, stand Paulus dabei, billigte es und freute sich darüber.
Wie konnte sich ein solcher Mensch so radikal verändern? Nicht, weil er selbst umkehrte oder seinen Lebensweg neu ausrichtete, sondern weil der auferstandene Jesus Christus ihn zuerst aufsuchte. Auf dem Weg nach Damaskus begegnete Paulus genau diesem Jesus, den er verfolgt hatte, und erkannte in diesem Moment, dass er der Größte unter den Sündern war.
Die Gnade, die Paulus damals erkannte, war diese: Selbst als er Jesus verfolgte, hat Jesus ihn nicht verworfen, sondern geliebt. Er berief einen Unwürdigen und vertraute einem einstigen Feind eine Mission an. Vor dieser Gnade wurde das ganze Leben des Paulus völlig auf den Kopf gestellt.
Darum war Leiden für Paulus nichts Befremdliches. Früher war er ein Verfolger Christi gewesen, nun war er einer, der um Christi willen verfolgt wurde. Paulus betrachtete dies nicht als Niederlage, sondern als Zeichen der Gnade. Sein Bekenntnis, „der Abschaum der Welt“ geworden zu sein, war kein Ausdruck von Verzweiflung, sondern das Zeugnis eines Lebens, das dem Herrn immer ähnlicher wurde.
Es gab nur einen Grund, warum Paulus das Leiden ertragen konnte: Er wusste, was für ein Sünder er gewesen war, und zugleich kannte er die Gnade Jesu Christi, der ihm trotz allem vergeben und ihn geführt hatte. Nur wer diese Gnade kennt, ist bereit, für Christus Leid auf sich zu nehmen.
Paulus schrieb dies nicht, um die Korinther zu beschämen oder zu verurteilen, sondern um sie auf den rechten Weg des Glaubens zurückzuführen. Der Grund dafür ist, dass er sie nicht bloß als Mitglieder einer Glaubensgemeinschaft sah, sondern als seine geliebten Kinder (Vers 14).
Wie konnte Paulus die Korinthischen Christen als seine Kinder ansehen? Lesen wir Vers 15: „Denn wenn ihr auch zehntausend Erzieher hättet in Christus, so habt ihr doch nicht viele Väter; denn ich habe euch gezeugt in Christus Jesus durch das Evangelium“
Lehrer gibt es viele, Väter jedoch nur wenige. Ein Lehrer trägt keine letzte Verantwortung. Wenn jemand trotz Unterrichts nicht lernt, kann er sagen: „Das war seine eigene Entscheidung.“ Bleibt der Erfolg aus, wird die Bewertung gesenkt, und wenn ein Schüler immer wieder scheitert, kann die Beziehung beendet werden. Ein Vater hingegen ist anders. Ein Vater tritt zuerst in eine Beziehung ein, bevor er lehrt. Ob das Kind gut oder schlecht handelt – es bleibt sein Kind. Das Scheitern des Kindes wird zum Schmerz des Vaters, und die Wunden des Kindes werden zur Last des Vaters. Ein Neugeborenes kann jeder auf den Arm nehmen. Doch eine schmutzige, übelriechende Windel zu wechseln, ist ohne elterliche Liebe kaum möglich. Ein Vater ist jemand, sein Kind trotz der schwächsten und beschämendsten Seiten nicht verlässt, sondern sie bis zum Ende mitträgt. Darum gibt ein Vater sein Kind nicht leicht auf. Wenn es ihm gut geht, freut er sich mit ihm und lobt es; wenn es scheitert, wendet er sich nicht ab, sondern nimmt sogar den Schmerz von Zurechtweisung und Erziehung auf sich, um es neu aufzurichten. Ein Vater betrachtet die Schuld und die Schwächen seines Kindes nicht als eine fremde Angelegenheit.
So war auch der Apostel Paulus. Er war für die Korinther nicht nur ein Bibellehrer, der sie gelehrt hatte. Als ihr geistlicher Vater hatte er sie durch das Evangelium gezeugt und trug ihre Schwachheiten und Probleme mit eigener Verantwortung. Darum war seine Zurechtweisung keine kalte Kritik, sondern die Ermahnung eines Vaters, die aus der Liebe entsprang, die niemals aufgibt.
Lasst uns gemeinsam Vers 16 lesen: „Darum ermahne ich euch: Folgt meinem Beispiel!“ Wie kann Paulus es wagen, so etwas zu sagen: „Folgt meinem Beispiel“? In 1. Korinther 11,1 steht: „Folgt meinem Beispiel wie ich dem Beispiel Christi!“. Er spricht mit solcher Zuversicht, weil er selbst mit aller Kraft bemüht war, Jesus Christus nachzuahmen. Darum fordert er die Gemeinde auf, nicht ihn als Person, sondern ihn in seinem Ringen nachzuahmen und so Christus ähnlich zu werden. Das Leben des Paulus, der darum kämpfte, Jesus immer ähnlicher zu werden, war geprägt von Liebe, Demut und der aktiven Bereitschaft, am Leiden Christi teilzuhaben. Dieses Leben wurde für die Gläubigen zu einem großen Zeugnis.
Paulus war ein mit Strenge ausgebildeter Gesetzeslehrer, erzogen in der Schule Gamaliels. Er war Pharisäer und gehörte schon in jungen Jahren zur Führungsschicht. Doch dieser Apostel legte allen weltlichen Ruhm ab und lebte eine Wertordnung, in der er allein Christus rühmte. Für die jungen Gläubigen wurde er selbst „zum Abschaum der Welt“ d.h. er führte ein opferbereites Leben, das ihnen zum Vorbild wurde. Mit der Aufforderung „Folgt meinem Beispiel“ wollte Paulus den Korinthern eine ganz praktische Richtung für ihr Leben im Glauben geben.
Paulus nachzuahmen bedeutet nicht, ein so großer Mensch zu werden wie Paulus. Es bedeutet, seine Lebensrichtung nachzuahmen, d.h. ein Leben, das treu auf Christus ausgerichtet ist, ein Leben, das das Urteil Gottes mehr fürchtet als die Bewertung der Menschen, ein Leben, das den eigenen Ruhm loslässt und sich an das Kreuz klammert.
Auch wir sind heute nicht vollkommen, so wie Paulus es nicht war. Doch wenn wir nicht aufhören, danach zu streben, Christus ähnlicher zu werden, wenn wir es nicht aufgeben, auf diesem Weg zu bleiben, wird auch unser Leben für die nächste Generation zu einem Vorbild des Glaubens. Darum wollen auch wir wie Paulus leben: das Urteil dem Herrn anvertrauen und an dem Platz, den er uns anvertraut hat, treu sein.
Während ich über das Wort Gottes nachdachte und diese Botschaft vorbereitet habe, dankte ich Gott, der meinem Herzen Gnade geschenkt hat. Wenn ich auf das vergangene Jahr zurückblicke, kann ich nicht leugnen, wie viel Zorn, Klagen und Unzufriedenheit in meinem Herzen waren. Der Grund dafür war, dass ich mehr danach strebte, Herr über mein eigenes Leben zu sein, als ein treuer Diener Gottes. Ich habe versucht, das Wort Gottes nach meinem Geschmack auszuwählen. Die Worte der Gnade und des Segens wollte ich bereitwillig aufnehmen, aber die Worte, die Opfer, Hingabe und Geduld verlangten, habe ich gemieden. Infolgedessen wurde ich in den großen und kleinen Schwierigkeiten des Lebens leicht unzufrieden und zornig.
Auch beim Vorbereiten und Verkünden der Schrift habe ich nur an das gedacht, was ich selbst vorbereitet hatte. Ich habe die Zuhörer nicht im Blick gehabt, sondern gedacht: „Ich habe meine Aufgabe getan. Ob sie es annehmen oder nicht, ist ihr Problem.“ So sprach ich nicht als geistlicher Vater, sondern als gesetzlicher Lehrer der Schrift. Liebe, Hingabe und Geduld habe ich zurückgestellt und ein Leben angestrebt, das Ruhm ohne Leiden und Anerkennung in der Welt sucht.
Herr, in dieser Stunde bekenne ich meinen Hochmut, so wie die Gemeinde in Korinth. Ich tue Buße für meine Lieblosigkeit, Unglaube und Ungeduld. Der Apostel Paulus ermahnt mich: „Folge meinem Beispiel.“ Ich bete, dass ich jeden Tag in der Gnade der Vergebung leben darf, die mir Jesus Christus am Kreuz geschenkt hat. Ich bete, dass ich ein treuer Diener Christi werde. Ich möchte nicht nur ein Lehrer, der biblisches Wissen weitergibt, werden, sondern ein geistlicher Vater, der mit Liebe die Menschen umfasst.