Predigt: 1. Korinther 10,1-13

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Gott ist treu

„Noch ist keine Versuchung über euch gekommen, die den Menschen überfordert. Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über eure Kraft hinaus versucht werdet. Er wird euch mit der Versuchung auch einen Ausweg schaffen, sodass ihr sie bestehen könnt.“

(1. Korinther 10,13)

Viele von euch wissen, dass ich in den letzten sieben Jahren ein großes europäisches Projekt geleitet hatte, dass dieses Jahr zu Ende geht. Als das Projekt angefangen hatte, wurden wir von der EU als ein Hochrisikoprojekt eingestuft, d. h., wir wurden von Anfang an etwas enger überwacht und mit gutem Grund: Wir hatten anfangs riesige Baustellen und große Schwierigkeiten. Aber irgendwann kam der Moment, als es deutlich besser lief. Der Wendepunkt für mich war, als wir den Vertreter der EU-Kommission zu unserem jährlichen Meeting einluden. Er lehnte dankend ab mit den Worten: „Ich muss ein anderes Projekt begutachten. Im Gegensatz zu euch haben die richtige Probleme!“ Das war ein Ritterschlag für uns. Wir waren nicht länger seine Sorgenkinder.
Stichwort „richtige Probleme“: Wenn es eine Gemeinde gab, die richtige Probleme hatte, dann musste es die Korinther Gemeinde sein. Meine Herren! Wir haben bereits gesehen, dass diese Gemeinde unter Spaltungen litt; sexuelle Fehltritte, die so krass waren, dass es selbst für die außerhalb der Gemeinde „too much“ war; Streitigkeiten untereinander, die vor Gericht ausgetragen wurden; Unordnung beim Gottesdienst usw.
Stellen wir uns vor, wir wären Berater und Seelsorger für so eine Gemeinde. Würden wir nicht an der Herausforderung verzweifeln? Vielleicht kämen wir zum Schluss, dass bei dieser Gemeinde Hopfen und Malz verloren sind. Wenn wir Paulus‘ Brief an die Korinther lesen, merken wir keine Hoffnungslosigkeit. Paulus findet klare Worte. Er schimpfte auch mit ihnen „ihr seid so aufgeblasen …“ Aber wir sehen keine Verzweiflung. Und ich finde, dass das ist einer der Gründe, weshalb dieser Brief so ermutigen und so lehrreich ist. Wenn es Hoffnung gibt für eine Gemeinde wie sie, dann gibt es auch Hoffnung für uns. Vielleicht kann ich es noch etwas persönlicher formulieren: Wenn es Hoffnung gibt für Christen, wie sie es waren, dann gibt es auch Hoffnung für dich, ganz egal wo du im Glaubensleben stehst. Und das spiegelt sich auch im Titel der heutigen Predigt wider: Gott ist treu.

Unser Text hat einen Kontext. In Kapitel 8 hatte Paulus ein neues Thema angefangen. Es hatte mit etwas zu tun, was wir nur bedingt nachvollziehen können, nämlich wie Christen mit dem heidnischen Kult in der Stadt umgehen sollten. Auf den Märkten von Korinth wurde Fleisch verkauft, dass vorher Götzen geweiht worden war. War es in Ordnung, dieses Fleisch zu essen, zumal es 30% reduziert war? Wir haben letzte Woche in der Predigt von R. gehört, dass Paulus auf der einen Seite keine Probleme damit zu haben schien, so lange – und dieser Punkt ist zentral – ihre Mitmenschen nicht in Leidenschaft gezogen würden. Das war ein Aspekt dieses Themas. Aber längst nicht das einzige. Es sah so aus, dass einige Christen nicht nur auf das reduzierte Fleisch aus waren. Einige von ihnen schienen auch regelrecht am Götzenkult teilzunehmen. Paulus zeigt im heutigen Kapitel, dass das nicht geht. Es geht heute im Prinzip darum, wie Christen in einer heidnischen Welt leben sollten.
Drei Aspekte wollen wir hier betrachten. Erstens, das, was außen ist; zweitens, das, was innen ist; und drittens, die Treue Gottes. (Nur falls es hilft: erstens, außen hui; zweitens, innen pfui; drittens, Gott ist treu. Reimt sich fast).

1. Das, was außen ist
In Vers 1 und den folgenden spricht Paulus über eine Geschichte aus dem AT: „Ihr sollt wissen, Brüder und Schwestern, dass unsere Väter alle unter der Wolke waren, alle durch das Meer zogen“ Diese Verse sind nicht ganz einfach zu verstehen. Paulus spricht hier über die Geschichte Israels und über den Auszug aus Ägypten. Aber er tut es auf eine sehr interessante und auch geheimnisvolle Art und Weise.
In Vers 2 schreibt Paulus: „und alle auf Mose getauft wurden in der Wolke und im Meer.“ Was bedeutet es, dass die Israeliten in der Wolke und im Meer getauft wurden, und zwar auf Mose hin? In den Versen 3 und 4 heißt es dann: „Alle aßen auch die gleiche geistgeschenkte Speise und alle tranken den gleichen geistgeschenkten Felsen, der mit ihnen zog. Und dieser Fels war Christus.“ Generation von Auslegern haben darüber nachgedacht, was Paulus im Einzelnen gemeint haben könnte. In zwei Punkten scheinen sich die Ausleger relativ einig zu sein.
Zum einen, Paulus spricht hier über zwei symbolische Rituale, die wir Christen Sakramente nennen: die Taufe und das Abendmahl. Bei der Taufe wird eine Person ins Wasser getaucht und wieder hervorgehoben. Die Taufe symbolisiert die Tatsache, dass unser altes Leben mit Jesus gestorben und begraben ist, und dass wir zu einem neuen Leben auferstehen. Wir werden auf eine Person hin getauft, nämlich Jesus. Wir geben damit zu verstehen, dass unser neues Leben nicht mehr uns gehört, sondern dass wir zu Jesus gehören. Die Taufe steht am Anfang des Glaubenslebens, d. h. diejenigen, die eine persönliche Begegnung mit Jesus hatten, lassen sich taufen, um ihre neue Zugehörigkeit zu Jesus zu bekennen. Das ist es, was die Israeliten erfahren hatten: Sie wurden getauft durch den Durchzug durch das Rote Meer, in der Gegenwart Gottes. Ihre Taufe bedeutete ebenfalls, dass sie fortan zu Gott gehörten.
Das zweite Ritual oder Sakrament ist das Abendmahl. Beim Abendmahl nehmen wir das Brot, brechen es und essen davon und trinken dazu Wein. Das Brot repräsentiert den Leib Jesu und der Wein sein Blut. Das ist es auch, was Jesus in Johannes 6 gelehrt hatte: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag. Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank.“ In Anlehnung darauf spricht Paulus davon, dass die Israeliten in der Wüste Speise gegessen hatten, die geistlich war, bzw. vom Geist also von Gott gegeben war; und sie tranken aus einem geistlichen Felsen. Paulus geht sogar so weit zu sagen, dass der Fels Christus war. Paulus spricht hier also über die Taufe und das Abendmahl.
Der zweite Punkt, der sehr eindeutig im Text ist: Paulus versucht diese Geschichte direkt auf die Korinther zu beziehen. Und indem er das tut, bezieht er diese Geschichte direkt auf einen jeden von uns. Schauen wir uns noch einmal den Vers 1 an: „Ihr sollt wissen, Brüder und Schwestern, dass unsere Väter alle unter der Wolke waren, alle durch das Meer zogen …“ Wenn wir das AT lesen und davon lesen, wie die Israeliten in der Wüste gescheitert sind, dann tun wir es vielleicht mit etwas Abstand. Vermutlich lesen wir diese Geschichte und denken, dass das ziemlich wenig mit uns zu tun hat. Aber Paulus spricht hier von unseren Vätern. Paulus sagt hier: „Ihr seid direkte Nachkommen und Kinder von ihnen.“ Der Grund weshalb er das tut, ist der, dass diese Geschichte direkt etwas mit uns zu tun hat. Das erschreckende Urteil ist in Vers 5: „Gott aber hatte an den meisten von ihnen keinen Gefallen; denn er ließ sie in der Wüste umkommen.“
Zwei kurze Anwendungen. Sowohl die Taufe als auch das Abendmahl sind heilige Rituale. Und gleichzeitig sind Taufe und Abendmahl gerade das: Rituale, d. h., symbolische Gesten, die eine Bedeutung haben, aber keine Zauberei sind. Sie versinnbildlichen etwas, was mit unserer Rettung zu tun hat. Sie deuten auf etwas hin. Aber sie sind nicht selbst das, was uns rettet. Sie sind das, was ich mit Äußerlichkeiten meine. Ich meine das in keiner Weise abwertend. Wir könnten einen Schritt weitergehen und uns fragen, welche anderen Rituale wir kennen. Und dann würde uns dabei einfallen, dass wir uns gerade in einem Ritual befinden: den Gottesdienst am Sonntag, gefolgt von einem gemeinsamen Mittagessen. Oder wir machen Bibelstudien. Oder wir feiern Ostern und Weihnachten. Hier ist der springende Punkt: Alle christlichen Bräuche haben ihren Wert und haben ihren Platz. Aber sie sind nicht das, was uns zu Christen macht. Du wirst nicht zu einem Christen, weil du zum Gottesdienst kommst, oder weil du dich taufen lässt oder weil du am Abendmahl teilnimmst. Taufe und Abendmahl sind geistliche Hilfestellungen.
Das bringt uns zu zweiten Anwendung. Fast alles, was Paulus in den Versen 1–11 erwähnt, sind Ereignisse, welche die Israeliten in der Wüste erlebt hatten. Was ist die Wüste? Die Wüste ist eine Zeit der Wanderschaft, in der wir in Zelten wohnen. Die Wüste steht für eine Zeit der Unbequemlichkeit und Anstrengung. Die Wüste ist ein Ort des Mangels und der Entbehrung. Die Wüste ist eine Zeit, in der ungefiltert das zum Vorschein kommt, was in den Herzen der Menschen ist.
Vor wenigen Monaten war ich auf der Beerdigung von Esther H. Mutter. Sie hatte die letzten Jahre ihres Lebens an Demenz gelitten. Während der Beerdigung hatte ich mit T. gesprochen. Er hatte erzählt, dass Menschen, die an Demenz leiden, häufig an Komplikationen versterben, die mit Verschlucken zu tun haben. So sehr leiden die kognitiven Fähigkeiten, dass selbst Schlucken keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Die beiden hatten sich jahrelang um die Mutter gekümmert, wie sich Eltern um ein Kleinkind kümmern. (Für mich sind beide richtige Heilige). Vor allem ein Punkt hat mich sehr berührt. Eben weil Demenzkranke nach und nach alles vergessen, kommt in vielen von ihnen ungefiltert das heraus, was in ihrem Herzen ist. Viele Kranke werden richtig aggressiv und unausstehlich. Aber Tobias meinte, dass seine Schwiegermutter immer friedevoll und lieb war, weil es das war, was in ihrem Herzen war. Was ist das, was in unserem Herzen ist? Wenn wir Zeiten der Not und Mühsal haben, was ist das, was aus unseren Herzen kommt?

2. Das, was innen ist
Wir haben gesehen, dass manche Christen in Korinth sich mit Äußerlichkeiten begnügt hatten. Die Frage ist, was in ihren Herzen war. In Vers 6 schreibt Paulus: „Das aber geschah als warnendes Beispiel für uns: damit wir uns nicht von der Gier nach dem Bösen beherrschen lassen, wie jene sich von der Gier beherrschen ließen.“ In ihren Herzen war Gier nach dem Bösen. Diese Gier nach dem Bösen kommt auf subtile Weise zum Ausdruck. In den Versen 7–10 gibt Paulus vier Warnungen aufgrund von dem Versagen der Israeliten in der Wüste.
Vers 7: „Werdet nicht Götzendiener wie einige von ihnen; denn es steht in der Schrift: Das Volk setzte sich zum Essen und Trinken; dann standen sie auf, um sich zu vergnügen.“ Die erste Warnung von Paulus ist, dass die Korinther keine Götzendiener sein sollten. Um es vorweg zu nehmen: alle vier Warnungen von Paulus haben etwas mit Götzendienst zu tun. Die Tatsache, dass das Volk sich zum Essen und Trinken setzte, ist nicht das Problem. Das Essen und Trinken hier waren Teil des Götzenkultes gefolgt von „Vergnügungen“. Elberfelder und Luther übersetzen das griechische Wort paizo mit „spielen“, was durchaus korrekt ist. Aber gemeint ist hier nicht, dass die Israeliten nach dem Essen anfingen, Skat oder Brettspiele zu spielen. Die Vergnügungen, die hier gemeint sind, war sexuelle Unmoral.
Vers 8: „Lasst uns nicht Unzucht treiben, wie einige von ihnen Unzucht trieben! Damals kamen an einem einzigen Tag 23.000 Menschen um.“ Diese Warnung ist ziemlich selbsterklärend, und wir brauchen nicht tiefer darauf eingehen. Götzendienst in Korinth war häufig mit Prostitution verbunden. Für viele Juden waren deshalb Götzendienst und Unzucht zwei Seiten der gleichen Medaille.
Vers 9: „Lasst uns auch nicht Christus auf die Probe stellen, wie es einige von ihnen taten, die dann von Schlangen getötet wurden!“ Wir haben vorhin gesehen, dass Jesus mit den Israeliten in der Wüste war. Christus ist der Fels, von dem die Israeliten getrunken hatten. Was bedeutet es, dass sie Jesus auf die Probe stellten? Was dahinter stand war die Haltung, die man mit „Wie weit kann ich gehen?“ bezeichnen kann. Es ist das, was Kinder tun, wenn sie ihre Grenzen austesten: „Wie weit kann ich gehen, bis ich von meinen Eltern Ärger bekomme? Wie weit kann ich gehen und gerade noch so ungeschoren davonkommen?“ Richtig schlimm und verletzend wird es, wenn Erwachsene sich so verhalten; wenn beispielsweise ein Ehepartner meint, sich an keine Regeln halten zu müssen und sämtliche Grenzen überschreitet, was zu allen Formen von missbräuchlichen Beziehungen führen kann. Das war das Verhalten von manchen Christen in Korinth. Und Paulus sagt hier ganz klar, dass Gott das nicht mit sich machen lässt.
Die vierte und letzte Warnung finden wir in Vers 10: „Murrt auch nicht, wie einige von ihnen murrten; sie wurden vom Verderber umgebracht!“ Fast die ganze Reise der Israeliten war begleitet von Meckern, Maulen, Mäkeln, Nörgeln, Quengeln. (Ich war etwas überrascht davon, wie viele synonyme Wörter es im Deutschen für Murren gibt). Es gibt ihre grundsätzliche Haltung wieder, die sie Gott gegenüber hatten.
In den Versen 11 und 12 fasst Paulus zusammen: „Das aber geschah an ihnen, damit es uns als Beispiel dient; uns zur Warnung wurde es aufgeschrieben, uns, die das Ende der Zeiten erreicht hat. Wer also zu stehen meint, der gebe Acht, dass er nicht fällt.“ Wie vorhin erwähnt haben alle vier Warnungen etwas mit Götzendienst zu tun. Die Warnungen richten sich an Christen in Korinth, die davon ausgingen, dass sie nach Belieben heidnische Opferfeste feiern konnten, wahrscheinlich auch mit den sexuellen Exzessen, die damit einhergingen. Schlimmer noch, sie meinten, keine Konsequenzen befürchten zu müssen, weil sie ja getauft waren und weil sie das Abendmahl hielten. Gordon Fee fasst das Ganze zusammen: „Die Warnung, die sich auf die tragischen Beispiele Israels stützt, ist klar und eindringlich. Manche Sünden sind mit dem Leben in Christus so unvereinbar, dass das sichere Gericht, also der Verlust der Erlösung, die unvermeidliche Folge ist, wenn man daran festhält. […] Es handelt sich um vorsätzliche Handlungen, die auf einer falschen Sicherheit beruhen und Gott auf die Probe stellen, als würde man Gott herausfordern, jemanden zu richten, der in Christus »getauft« wurde. Paulus versichert uns, dass solch mutwilliger Ungehorsam zum Untergang führt.“
Was bedeutet das für uns? Ich habe vorhin die Frage gestellt, was in unseren Herzen ist. Was ist in unserem Inneren? Die meisten von uns sind vermutlich nicht unbedingt versucht, an heidnischen Opferkulten teilzunehmen. Wir haben keinen Tempel der Aphrodite in der Mitte unserer Stadt. Aber an einer Sache hat sich die letzten 2.000 Jahre nichts verändert. Menschen fühlen sich gestern wie heute Götzen hingezogen. Was sind Götzen? Ein Götze ist alles, dem wir uns zuwenden, um das zu bekommen, was uns nur Gott geben kann. Was ist das, was uns nur Gott geben kann? Wir alle sind auf der Suche nach Sinn und Bedeutung für unser Leben; wir suchen nach Sicherheit und Geborgenheit; wir suchen nach Identität; wir suchen nach unserem wahren Zuhause; wir suchen nach dem, was uns erfüllen und wahrhaft glücklich machen kann. Nur Menschen suchen danach. Und nur Gott ist derjenige, der uns alles das geben kann und alles das geben will.
Das, was allen menschlichen Sünden zugrunde liegt, ist die Tatsache, dass wir das Absolute und das Unendliche nicht bei Gott suchen. Die Bibel macht deutlich, dass jede Bosheit, die wir Menschen begehen, eine Folge von Götzendienst ist. Und die Bibel macht auch deutlich, dass alle Menschen darin verstrickt sind. Eines der berühmtesten Zitate von dem Reformator Johannes Calvin lautet: „Die Natur des Menschen ist sozusagen eine unaufhörliche Fabrik von Götzen.“
Alles und jeder kann ein Götze sein. Auch Dinge, die an und für sich neutral oder sogar gut sind, können zu Götzen werden. Hier ist ein Beispiel: Wir alle verdienen Geld. Welche Rolle spielt Geld „in“ dir? Vielleicht ist Geld eine Form von psychologischer Absicherung, dass Geld zu haben das Gefühl gibt, dass wir für alle Nöte gewappnet sind. Oder vielleicht ist Geld eine Art Statussymbol, dass Geld das Gefühl gibt, dass man etwas im Leben erreicht hat, dass man jemand ist. Oder vielleicht ist Geld für dich die Quelle von Glück, weil man sich durch Geld alles das leisten und kaufen kann, wovon man schon immer geträumt hatte. Falls dem so ist, ist Geld mehr als einfach nur Geld. Es ist ein Götze. Geld nimmt in unserem Leben die Rolle ein, die Gott alleine gebührt.
Unsere Tempel heute sehen etwas anders aus. Es sind lange Einkaufsstraßen und Luxus-Kaufhäuser, oder ganze Stadtteile, die dem Geschäft gewidmet sind wie das Börsenviertel, oder Hochhäuser für große Banken. Manche von den Tempeln sind virtuell aber nicht weniger real. Vor allem bauen wir in unserem Herzen einen Altar für Geld, auf dem wir bereit sind alles dem Geld untertan zu machen und zu opfern. Jemand hat einmal gesagt, dass Geld ein nützlicher Diener sein kann, aber ein grausamer und böser Herr ist. Geld verspricht Sicherheit aber gibt das Gefühl von Furcht und Angst, nicht genug zu haben.
Was ist das, was in uns an höchster Stelle steht?

3. Die Treue Gottes
Der heutige Text spricht sehr klare Warnungen aus. Er spricht von Gottes Gericht. Und es ist Teil von einem größeren Argument von Paulus, das noch bis zum Ende des Kapitels geht. Aber inmitten dessen scheint Paulus seinen Gedanken zu unterbrechen. In Vers 13 spricht er ein Wort der Ermutigung. Dieser Vers ist so erbaulich, dass Gordon Fee meinte, dass er losgelöst vom Kontext ein eigenes Leben führt. „Noch ist keine Versuchung über euch gekommen, die den Menschen überfordert. Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über eure Kraft hinaus versucht werdet. Er wird euch mit der Versuchung auch einen Ausweg schaffen, sodass ihr sie bestehen könnt.“
Kurz zur Erklärung: Paulus kritisierte in der Korinther Gemeinde diejenigen, die meinten, dass sie sicher sind und Gott auf die Probe stellten, also Gott versuchten. Aber Paulus wusste auch, dass es Menschen gibt, die selbst in Versuchung waren. Was ist mit den Menschen, die in Sünde fallen, obwohl sie es nicht wollen? Was ist mit den Menschen, die unter Abhängigkeiten und Süchten leiden, vielleicht über viele Jahre hinweg und die keinen Ausweg sehen und immer wieder in alte Muster fallen? Was ist mit den Menschen, die wegen ihrer ungelösten Schwächen in Zweifel geraten und sich die Frage stellen, ob sie wirklich gerettet sind?
Zu diesen Menschen spricht Paulus nun: „Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über eure Kraft hinaus versucht werdet. Er wird euch mit der Versuchung auch einen Ausweg schaffen, sodass ihr sie bestehen könnt.“ Aber woher wissen wir, dass dem so ist? In Vers 5 hatten wir Gottes harsches Urteil über die Israeliten gesehen: „Gott aber hatte an den meisten von ihnen kein Gefallen.“ An wem hat Gott dann Gefallen? Wer ist die Person, die Gottes Ansprüchen gerecht werden könnte? Das gleiche griechische Wort eudokeo „Gefallen haben mit etwas / an jemandem“, kommt in Matthäus 3,17 vor. Jesus, der Sohn Gottes, wird von Johannes getauft. Als Jesus vom Wasser aufsteigt, öffnet sich der Himmel, und der Geist Gottes kommt herab. Es heißt da: „Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“ Gott hat Gefallen an Jesus.
Stellen wir uns eine Klasse vor, in der es den einen vollkommenen Musterschüler gibt, an dem alle Lehrer Gefallen haben. Inwiefern hilft es der Klasse, wenn es den einen Überflieger gibt? Richtig. In der Regel hilft es ihnen überhaupt nicht weiter. Die Dummheit des Rests der Klasse wird umso offensichtlicher. Inwiefern ist es aber eine gute Nachricht, eigentlich die beste Nachricht, dass Gott der Vater Wohlgefallen an seinem Sohn hat? In 2. Korinther 5 beschreibt Paulus, was der Tod Jesu am Kreuz bedeutet und was er bewirkt hat. „Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.“ Am Kreuz wurde Jesus so behandelt wie wir es wegen unserer Sünde verdient hätten, damit Gott einen jeden von uns so behandeln kann, wie nur Jesus es verdient hat. Wenn wir in Christus sind, dann sieht Gott uns an, wie er seinen geliebten Sohn ansieht: Er hat Wohlgefallen an uns. Wenn du in Christus bist, hat Gott Wohlgefallen an dir. Er sieht dich und übersieht alle deine Vergehen. Er bietet dir ein neues Leben an.
Der Text letzter Woche endete damit, dass Paulus beschreibt, wie er kämpft. Er verglich sich mit einem Athleten, der voller Fokus und Disziplin trainiert, um zu gewinnen. Das christliche Leben ist ein Lauf, es ist ein Kampf. Aber eines ist das christliche Leben nicht: Es ist kein Kampf, um Gottes Wohlgefallen zu verdienen. Wir kämpfen nicht, um besser bei Gott dazustehen. Wir kämpfen nicht, um von ihm angenommen zu werden. Wir kämpfen nicht, um von ihm mehr geliebt zu werden. In Jesus Christus bietet Gott uns alles das bereits an: vollkommene Liebe und völlige Annahme.
Unser Kampf ist, diese Tatsache mehr zu realisieren. Unser Kampf ist, jeden Tag mehr, aus dieser Liebe heraus zu leben; jeden Tag mehr, Gott dafür zu danken; jeden Tag mehr Freude und Glück daraus zu schöpfen.
Wir sind schwach. Aber Gott ist treu. Die Treue Gottes ist die Treue seiner Gnade und die Treue seiner Liebe.