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Johannes der Vorbereiter
„Er war es, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat: Stimme eines Rufers in der Wüste: / Bereitet den Weg des Herrn! / Macht gerade seine Straßen!“
(Matthäus 3,3)
Als Teenager war ich einmal in der Altstadt, weil der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl dort eine Wahlkampfrede hielt. Der Besuch von Kohl wurde auf Plakaten angekündigt mit den Worten „Der Kanzler kommt!“ Für mich war es das erste Mal, den höchsten Politiker unseres Landes live zu erleben. Ich kann mich kaum noch an seine Rede erinnern. Aber ich erinnere mich, dass ich von seinem Auftritt beeindruckt war: guter Redner, imposante Persönlichkeit. Bevor ein Kanzler nach Heidelberg kommen kann, braucht es Vorbereitung. Das Bundeskriminalamt ist für den Schutz des Kanzlers verantwortlich und arbeitet mit der Landespolizei an einem Sicherheitskonzept. Der Veranstaltungsort wird nach Bomben abgesucht und abgesichert. Es gibt Straßensperrungen, Halteverbote, Vorbereitung von möglichen Ausweichstrecken, medizinische Absicherung mit Planung der nächstgelegenen Krankenhäuser usw.
Und damit sind wir beim heutigen Text. Nicht der Kanzler kommt, es ist der König, der uns besuchen kommt. Sein Besuch braucht gründliche Vorbereitung. Als Vorbereiter wird ein Mann namens Johannes geschickt. Der Text heute fokussiert sich auf diesen sehr besonderen Mann. Wir sehen hier erstens, wer dieser Vorbote ist, zweitens, wie seine Vorbereitung aussah, und drittens, welche Vorfreude auf den König geweckt wird.
1. Der Vorbote
Vers 1 beginnt mit den Worten: „In jenen Tagen …“ Lukas gibt uns verschiedene historische Indizien, die das Auftreten von Johannes ziemlich klar in der Geschichte verankern: das 15. Jahr des Kaisers Tiberius, Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, usw. Für Matthäus waren alle diese Details erst einmal nicht ganz so wichtig. „In jenen Tagen“ bezieht sich auf die Tage Jesu in der Öffentlichkeit. Aber bevor Jesus auftreten sollte, brauchte es einen Vorboten. Dieser Vorbote war Johannes der Täufer.
Was wissen wir über Johannes den Täufer? Vers 4 erwähnt: „Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften; Heuschrecken und wilder Honig waren seine Nahrung.“ Wir alle haben schonmal Romane gelesen. In Romanen ist es völlig normal, dass uns viel und ausführlich über das äußere Erscheinungsbild einer Person berichtet wird: Größe, Haarfarbe, Auffälligkeiten und natürlich die Garderobe. Der Schreibstil dient dem Zweck, dass wir uns die Person bildlich vorstellen können. Für die Geschichtsschreiber der Antike war das meistens zweitrangig. Das Matthäusevangelium ist kein Roman. Warum erwähnt Matthäus das Outfit von Johannes dem Täufer? Es gibt mindestens zwei Gründe.
Auf der einen Seite weckt die Beschreibung Erinnerungen an einen großen Propheten des AT. Über den Propheten Elia lesen wir 2. Könige 1,8: „Er trug einen Mantel aus Ziegenhaaren und hatte einen ledernen Gurt um die Hüften.“ Bei Elia war das Gewand aus Ziegenhaar, bei Johannes war es Kamelhaar. Aber davon abgesehen klingt ihre Tracht sehr ähnlich. Es bleibt nicht bei äußerlichen Ähnlichkeiten. Johannes nimmt in seiner Zeit die Rolle ein, die Elia in seiner Zeit eingenommen hatte. Der Engel Gabriel hatte angekündigt, dass Johannes mit dem Geist und mit der Kraft Elias vorangehen würde. Mit anderen Worten, Johannes ist ein Prophet in der Nachfolge und prophetischen Tradition Elias, auch in der Art und Weise wie er sich kleidete.
Der andere Grund ist, dass Vers 4 uns zeigt, wie authentisch Johannes‘ Leben war. Ziegen- und Kamelhaar waren ziemlich rudimentäre und auch etwas grobschlächtige Kleidung. Es war die Kleidung einfacher Nomaden im Gegensatz zu feineren Stoffen wie Leinen oder Seide. Damit einhergehend lesen wir, dass Johannes sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährte. Michael Wilkins schreibt dazu: „Johannes’ Lebensweise lässt ihn als jemanden hervorstechen, der den Luxus des Lebens abgelehnt hat. Seine Lebensweise und seine Kleidung verbinden sich mit seiner Botschaft zu einem machtvollen Aufruf zur Umkehr angesichts der Nähe des Reiches Gottes. Er verkörpert in seinem Lebensstil die Botschaft der Umkehr, die er predigt.“
Stichwort authentisch: Vermutlich war es diese Einheit von einer starken Botschaft gepaart mit einem starken Lebensstil, dass Menschen zu ihm hinströmten. Sie waren der Ansicht, dass dieser Mann wirklich etwas zu sagen hatte. Vers 5: „Die Leute von Jerusalem und ganz Judäa und aus der ganzen Jordangegend zogen zu ihm hinaus.“ Die Menschen kamen von nah und fern, um ihn zu hören. Und dabei war Johannes der Täufer alles andere als schmeichelhaft. Pharisäer und Sadduzäer kamen zu ihm. Das war die religiöse Elite des Landes. Zu ihnen sagte er: „Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Zorngericht entrinnen könnt?“
Johannes scheint eine Tradition von Predigern geschaffen zu haben, die ihre Zuhörerschaft liebevoll aber derb beschimpfen. Der Prediger George Whitefield konnte ebenfalls riesige Menschenmassen zu sich ziehen. Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten war ein Augenzeuge von Whitefield’s Predigten. Er berichtete folgendes: „Die Menschenmengen aller Glaubensrichtungen und Konfessionen, die seinen Predigten beiwohnten, waren enorm, und für mich, der ich zu ihnen gehörte, war es ein Anlass zum Nachdenken, den außerordentlichen Einfluss seiner Redekunst auf seine Zuhörer zu beobachten und zu sehen, wie sehr sie ihn bewunderten und respektierten, obwohl er sie regelmäßig beschimpfte, indem er ihnen versicherte, sie seien von Natur aus halb Tier und halb Teufel.“ Aber hier war das Erstaunliche: Die Predigten von Whitefield hatten eine unglaubliche Kraft und führten zu nachhaltigen Veränderungen. Menschen bekehrten sich. Franklin schreibt weiter: “Es schien, als würde die ganze Welt religiös werden; sodass man abends nicht durch die Stadt gehen konnte, ohne von verschiedenen Familien in jeder Straße gesungene Psalmen zu hören.“
Eine kurze Anwendung, bevor wir fortfahren. Vor Jahren hatte ich ein kurzes aber interessantes Gespräch mit einem jungen Mann. Er fragte mich, warum ich an Gott glauben würde. Ich antwortete ihm, dass ich in einer christlichen Familie aufgewachsen bin und den Glauben praktisch in die Wiege gelegt bekommen hatte; aber dass ich viele Jahre später zur Einsicht kam, dass es meiner Meinung nach bessere Argumente zugunsten des Glaubens gibt als umgekehrt. Ich gab ihm ein konkretes Beispiel. Für die Encounter Konferenz dieses Jahr wurde ich gebeten, einen Workshop zum Thema intellektuelle Grundlagen des Glaubens abzuhalten. Ich bin ein großer Fan von Diskussionen über den christlichen Glauben und welche Gründe dafür und vielleicht auch dagegensprechen. Aber gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass intellektuelle Einwände für den christlichen Glauben für junge Menschen vor 20 Jahren ein etwas akuteres Problem waren, als das heute der Fall zu sein scheint. Korrigiert mich gerne, falls ich hier falsch liegen sollte! In einem Artikel zu diesem Thema hatte ich gelesen, dass junge Menschen heute andere Fragen auf dem Herzen haben. Die Fragen gehen eher in die Richtung: „Das mit Jesus, ist da etwas Wahres dran? Hat das Substanz? Kann ich darauf vertrauen? Funktioniert das mit dem Glauben? Macht das wirklich einen Unterschied?“
Wir alle leben in einer Zeit der Informations- und Reizüberflutung. Wir bekommen mehr wichtiges und noch viel mehr unwichtiges Wissen vermittelt, als unser armes Gehirn sinnvoll prozessieren kann. Und wir leben in einer Zeit, in der sich jeder seine Quellen selbst aussuchen kann, durch welche man seine Nachrichten bekommt. Viele bekommen ihre News aus den sozialen Medien. Damit einhergehend leben wir in einer Zeit, in der es unglaublich viele Falschinformationen gibt. Wir verstehen, dass zwei sich widersprechende Aussagen nicht zur gleichen Zeit und auf die gleiche Art und Weise wahr sein können. Aber wir werden überschüttet von sich widersprechenden Aussagen. Wem und was kann in der heutigen Zeit überhaupt noch vertrauen?
Ich glaube, dass eine Person wie Johannes der Täufer mehr denn je gebraucht wird: Eine Person die authentisch ist; eine Person, deren Worte und Leben übereinstimmen; eine Person, die für die Wahrheit einsteht, auch dann noch, wenn es einen Preis kostet. Ich glaube, dass es einen Hunger nach dem gibt, was wahr und was real ist. Und falls es dir so gehen sollte, habe ich gute Nachrichten. Das Reale und das Wahre sind genau das, was Gott dir in Jesus Christus bietet.
2. Die Vorbereitung
Wir haben gesagt, dass Johannes der Vorbote für Jesus ist. Die Frage ist nun, wie die Vorbereitung aussah. Vers 3 sagt: „Er war es, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat: Stimme eines Rufers in der Wüste: / Bereitet den Weg des Herrn! / Macht gerade seine Straßen!“ Der Weg des Herrn sollte bereitet werden; die Straßen sollten gerade gemacht werden. Das Bild ist nicht schwer zu verstehen: Wenn eine Straße in schlechtem Zustand war, musste sie ausgebessert werden; Unebenheiten mussten ausgeräumt werden, Schlaglöcher mussten gefüllt werden; wenn sich auf der Straße ein Hindernis befand, dann musste es beseitigt werden. Hier ist der Punkt: Wenn wir auf einer schlechten Straße unterwegs sind, müssen wir vorsichtiger fahren. Wenn wir auf Hindernisse stoßen, müssen wir drumherum fahren. Mit anderen Worten, wir müssen uns der schlechten Straße anpassen. Aber wenn ein König eine schlechte Straße passieren wollte, dann musste die Straße begradigt werden. Die Straße musste sich dem König anpassen. Nicht der König passt sich uns an. Wir sind aufgefordert, uns dem König anzupassen. Matthäus zitiert aus Jesaja 40,3, um anzuzeigen, dass Johannes die Stimme in der Wüste ist. Aber wenn die Rede davon ist, den Weg des Herrn zu bahnen, steht in Jesaja für HERR das hebräische Wort Jahwe „ich bin“. Jesus ist nicht ein Herr; er ist der HERR. Der König, für den Johannes den Weg bereitet, ist niemand anders als Gott selbst. Gott kommt uns in Jesus Christus besuchen.
Was sollen wir also tun? Vers 6 erwähnt, dass das Volk kam, um seine Sünden zu bekennen und sich taufen zu lassen. In den Versen 8-10 sagt Johannes. „Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt, und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen dem Abraham Kinder erwecken. Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.“ Einige Kommentare zu diesen Versen, die wirklich voller Inhalt sind.
Das Volk ließ sich taufen. Uns ist vermutlich nicht bewusst, wie radikal das ist. Wenn Heiden sich zum Judentum bekehrten, dann wurden sie getauft. Für die Juden machte das Sinn: Die Heiden waren die Unreinen, das Volk Gottes waren die Reinen; natürlich mussten sich die ungläubigen, schmutzigen Heiden taufen lassen, um Teil ihrer heiligen Gemeinschaft zu werden. Aber das war nicht das, was Johannes sagte. Johannes sagte: „Alle müssen ins Wasser!“ Auch diejenigen, die dachten, dass sie bereits zum Volk Israel gehörten. Und Johannes sagte auch: „Ihr braucht euch nicht auf Abraham zu verlassen.“ D. h.: „Alle eure religiösen Riten, sie bringen euch erst einmal gar nichts. Abrahams Nachkommen zu sein, ist erst einmal zweitrangig. Gott hat keine Enkelkinder. Er hat nur Kinder.“ Das gilt auch uns. Vielleicht denken sich manche hier: „Ich bin ja christlich aufgewachsen; ich bin jede Woche im Gottesdienst; ich studiere die Bibel; ich kann auch das Mischpult bedienen und kenne das Passwort für den Gemeinde-Computer und habe die Stuhlordnung für den Gottesdienst auswendig gelernt.“ Und Johannes würde sagen: „Verlasst euch nicht darauf; bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt.“
Das bringt uns zum nächsten Punkt: Johannes predigte die Umkehr, oder auf Lutherdeutsch die Buße. Das griechische Wort ist metanoia (zusammen mit agape gehört das zu einer Handvoll von griechischen Wörtern, die man sich ruhig merken darf). Metanoia bedeutet einen radikalen Richtungswechsel, eine Abkehr von unserem alten Leben und eine Hinwendung zu Gott. Wenn diese Umkehr echt ist, dann wird sie Frucht bringen. Frucht ist ein gutes und frommes Leben. Craig Bloomberg schreibt in seinem Kommentar: „Ein Christ ohne Frucht ist kein Christ.“ Frucht ist nicht das, was uns rettet, aber Frucht ist ein Indiz dafür, dass wir gerettet wurden.
Ich gebe ein paar konkrete Beispiele. Umkehr bedeutet Abkehr von schlechten Dingen, die wir tun. Was sind die Sünden, von denen wir abkehren sollten? Vielleicht fallen uns Momente ein, in denen wir uns lieblos verhalten haben. Vielleicht fällt uns ein, dass wir gelogen haben. Vielleicht fällt uns ein, dass wir rücksichtslos unsere eigenen Interessen (die durchaus ihre Berechtigungen haben) durchgesetzt haben, ohne auf die Interessen und die Bedürfnisse der anderen zu achten. Vielleicht fallen uns sexuelle Sünden ein. Vielleicht fallen uns Geldsorgen ein. Metanoia bedeutet nicht nur, dass wir die Entscheidung treffen, davon abzulassen. Es setzt einen Schritt vorher an. Wir machen uns Gedanken darüber, weshalb wir die Dinge tun, von denen wir eigentlich wissen, dass sie nicht gut sind. Warum sind wir selbstsüchtig? Warum lügen wir? Warum sind wir geldgierig? Was ist das größere Prinzip, das dahintersteht? Denn jede Sünde, die wir begehen, hat etwas damit zu tun, dass Gott nicht unser König ist und unser König nicht Gott ist. Etwas anderes sitzt auf dem Thron unseres Herzens.
Metanoia hört aber nicht bei den schlechten Dingen auf. Echte Buße bedeutet, dass wir uns auch darüber Gedanken machen, weshalb wir die guten Dinge tun, die wir tun. Warum führst du das gute Leben, das du führst? Hier ist ein Klassiker: Ist es dir wichtiger, ein frommes Leben zu führen oder dass anderen Menschen über dich denken, dass du ein frommes Leben führst? Bist du jemand, der wirklich ordentlich ist oder jemand, der sein Zimmer und seine Wohnung nur dann aufräumt, wenn Gäste kommen? Weil wir eigentlich Chaoten sind, aber wir nicht wollen, dass andere sehen, wie chaotisch wir eigentlich sind? Verstehen wir, dass die Motivation, weshalb wir etwas tun, in Gottes Augen genauso wichtig ist, wie das, was wir tun?
Die Taufe der Buße war anders als jüdische Reinigungen. Bei rituellen Reinigungen ging man selbst in das reinigende Wasser. Bei der Taufe hingegen wird man von einer anderen Person getauft. Wir können uns nicht selbst taufen. Und wir können uns nicht selbst so verändern, dass wir Frucht der Umkehr hervorbringen. Die gute Nachricht ist aber, dass wir das nicht selbst zu tun brauchen.
3. Die Vorfreude
Wenn wir diesen Text oberflächlich lesen, scheint der Text etwas düster und trostlos zu sein. Aber wenn wir etwas genauer lesen, sehen wir in diesem Text auch eine große Vorfreude. Die Predigt von Johannes begann mit den Worten: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“ Hier ein kleiner Spoiler: In den nächsten Monaten, in denen wir uns mit Matthäus-Evangelium beschäftigen, werden wir uns ganz tiefgehend mit dem Himmelreich auseinandersetzen. Das Himmelreich ist praktisch das Hauptthema. Und die Tatsache, dass das Reich Gottes nahe ist, ist die beste Nachricht, die es gibt.
Um noch einmal Bloomberg zu zitieren: „Zu verkünden, dass das Reich nahe ist, bedeutet, dass die entscheidende Verwirklichung der göttlichen Herrschaft den Menschen so nahegekommen ist, dass sie mit der Möglichkeit und der unausweichlichen Notwendigkeit von Buße und Bekehrung konfrontiert sind. Das Reich fasst Gottes Plan zusammen, ein neues menschliches Leben zu schaffen, indem es eine neue Art von Gemeinschaft unter Menschen, Familien und Gruppen ermöglicht. Es verbindet die Möglichkeit einer persönlichen Beziehung zu Jesus mit der Verantwortung des Menschen, die gesamte Natur weise zu verwalten; die Erwartung, dass echte Veränderung hier und jetzt möglich ist; […] die Schaffung neuer menschlicher Beziehungen und die schließlich von Gott herbeigeführte Befreiung der gesamten Natur von der Zerstörung.“
Ich habe gesagt, dass wir nicht aus uns selbst heraus Frucht der Umkehr wachsen lassen können. Gott hilft uns dabei. In Vers 11 sagt Johannes: „Ich taufe euch mit Wasser zur Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich und ich bin es nicht wert, ihm die Sandalen auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“ Johannes spricht davon, dass Jesus seine Anhänger mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen wird. Ausleger sind sich nicht ganz einig, was Taufe mit Feuer bedeutet. Vermutlich ist damit gemeint, dass der Heilige Geist uns reinigt. In der Bibel ist häufig davon die Rede, dass Feuer etwas Reinigendes hat, wie z. B. Gold, das im Feuer geläutert wird. Aber es klingt unangenehm.
Dem König den Weg zu bereiten, und die Straßen zu begradigen ist Umkehr. Nicht der König passt sich uns an. Wir müssen uns dem König anpassen. Sich diesem König unterzuordnen hört sich nach dem Gegenteil von Freiheit an. Es hört sich beängstigend an. In den Chroniken von Narnia landen die vier Geschwister Peter, Susan, Edmund und Lucy in der Welt von Narnia, das von dem großen König Aslan regiert wird. Sie haben keine Ahnung, wer Aslan ist. Während ihr Bruder Edmund auf Abwegen ist, begegnen drei von ihnen der Familie Biber. Und die Biber erklären den Kindern: „Aslan ist ein Löwe – der Löwe, der große Löwe.“ Susan sagt daraufhin: „Ooh, ich hatte gedacht, er wäre ein Mensch. Ist er … ungefährlich? Ich habe Angst davor, einem Löwen zu begegnen.“ Auf diese Frage antwortet Herr Biber: „Ungefährlich? Wer hat was von ungefährlich gesagt? Natürlich ist er nicht ungefährlich. Aber er ist gut. Er ist der König, das sage ich dir.“ Es ist so eine wundervolle Illustration für Jesus. Sich auf Jesus einzulassen ist gefährlich. Wir wissen nicht, was uns erwartet.
C.S. Lewis beschreibt den Prozess der Heiligung in Mere Christianity: „Stell dir vor, du wärst ein lebendes Haus. Gott kommt herein, um dieses Haus wieder auf Vordermann zu bringen. Zunächst kannst du vielleicht noch nachvollziehen, was Er tut. Er bringt die Abflüsse in Ordnung, beseitigt die undichten Stellen im Dach und so weiter; du wusstest, dass diese Arbeiten notwendig waren, und bist daher nicht überrascht. Doch schon bald fängt Er an, das Haus auf eine Weise zu zerlegen, die furchtbar wehtut und keinen Sinn zu ergeben scheint. Was in aller Welt hat Er vor? Die Erklärung ist, dass Er ein ganz anderes Haus baut als das, das du dir vorgestellt hast – hier einen neuen Flügel anbauen, dort ein zusätzliches Stockwerk aufsetzen, Türme errichten, Innenhöfe anlegen. Du dachtest, du würdest zu einer anständigen Hütte umgebaut, aber Er baut einen Palast. Er beabsichtigt, selbst darin zu wohnen.“
Der König ist gefährlich. Aber woher wissen wir, dass er gut ist? Wir lernen diesen König in den folgenden Kapiteln kennen. Einen kleinen Ausblick: Jesus ist ein ganz anderer König als jeder König der Menschheitsgeschichte. In der vergangenen Woche waren meine Söhne M., E. und ich in Straßburg und haben uns dort mit Freunden und Familie getroffen. Curie hatte die wunderbare Idee, in das Museum für Moderne Kunst zu gehen. Nie und nimmer wäre ich auf die Idee gekommen, mit Kindern dort hinzugehen, aber es hat erstaunlich gut geklappt. Eines der Hauptwerke im Museum ist ein riesiges Gemälde (ca. 9m lang und 6m hoch) von Gustave Doré mit dem Titel „Christus verlässt das Prätorium“. Gemeint ist damit, dass Pilatus Jesus zum Tod verurteilt hatte und Jesus auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte ist. Im Hintergrund sind die politischen Machthaber. Links und rechts steht das Volk, das von den Soldaten zur Seite gedrängt wird. Simon von Kyrene trägt Jesus das Kreuz. Und in der Mitte des Gemäldes wandelt Jesus mit einer Dornenkrone, in einem weißen Gewand. Es gibt keinen Zweifel daran, dass er der König ist.
Jesus ist der König, der für seine Feinde am Kreuz stirbt. Jesus ist der König, der sein Leben für Menschen dahingegeben hat, die es nicht verdient haben, damit diese Menschen (wir alle!) ein neues Leben führen können. Jesus ist der König der Liebe. Das Gefährliche an Jesus ist seine Liebe, aber diese Liebe ist unendlich gut und unendlich barmherzig und das Einzige, was uns heilen und ganz machen kann. König Jesus ist die Hoffnung dieser Welt, und der Text strahlt die Vorfreude aus, dass dieser König gekommen ist.
Das Himmelreich ist nahe. Bereitet ihm den Weg. Macht die Straße gerade für ihn.
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