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Jona wollte vor Gott fliehen
„Aber Jona machte sich auf und wollte vor dem Herrn nach Tarsis fliehen und kam hinab nach Jafo. Und als er ein Schiff fand, das nach Tarsis fahren wollte, gab er Fährgeld und trat hinein, um mit ihnen nach Tarsis zu fahren, weit weg vom Herrn.“
(Jona 1,3)
Wir danken Gott für das neue Bibelstudium aus dem Buch Jona. Wer war Jona und warum wollen wir das Buch über ihn studieren? Jona wird am Anfang des Buchs als der Sohn Amittais vorgestellt. Im 2. Buch Könige (2. Kön 14,23–27) wird Jona ein Knecht Gottes und Prophet genannt, der aus der Stadt Gat-Hefer im Nordreich Israel kam und zur Zeit von Jerobeam II. lebte (der regierte 787–747 v.Chr.). Damit war Jona ein Zeitgenosse der Propheten Hosea und Amos. Es war die Zeit, in der Israel sich schon weitgehend von Gott abgewandt hatte und vielen Götzen diente. Als Folge davon wurden sie von anderen Völkern bedrängt und verloren Teile ihres Gebiets. Aber die Stelle im 2. Buch Könige sagt uns, dass Jerobeam verlorene Teile von Israel wieder zurückerobern konnte, und zwar nach dem Wort des Herrn, das er durch den Propheten Jona geredet hatte. Gott hat Jona also als Propheten gebraucht, der dem König eine wichtige Prophezeiung gab. So gesehen wirkte Jona als ein Prophet wie andere Propheten Gottes der Bibel. Aber im Buch Jona geht es um ein anderes Ereignis in Jonas’ Leben, das alles andere als normal war. Jona bekam von Gott einen Auftrag, nahm ihn aber nicht an, sondern versuchte, vor Gott zu fliehen. Wir erfahren, wie Gott damit umging und wie er Jona half, Gottes Willen doch anzunehmen, sodass er für die Rettung einer großen Stadt gebraucht werden konnte. Durch dieses Buch können wir Gottes Herz für die Menschen in einer heidnischen Großstadt kennenlernen, die Gott nicht kannten. Wir lernen auch, wie Gott mit einem problematischen, eigensinnigen Diener umging und ihm half, sein enges Herz zu überwinden und für die Rettung vieler Heiden gebraucht zu werden. Schon das erste Kapitel, das wir heute betrachten, ist interessant und voller Gegensätze: ein berufener Prophet und Diener Gottes, der sich weigert, Gottes Auftrag anzunehmen, und versucht, vor Gott zu fliehen, und Männer, die Gott gar nicht kannten, ihn aber mehr fürchteten und anerkannten als der Prophet. Vor allem können wir Gott kennenlernen, der die Menschen trotz ihrer Sünde liebt und erretten will. Möge Gott uns helfen, Gottes Herz für die Rettung aller Menschen wahr- und anzunehmen! Möge Gott uns helfen, auch seine Liebe zu einem problematischen Diener zu erkennen, den er nicht aufgab, sondern mit Geduld und Konsequenz ihm half, damit er für Gottes Rettungswerk gebraucht werden konnte!
Unser Text beginnt mit dem Auftrag, den Gott Jona gab. Betrachten wir die Verse 1 und 2: „Es geschah das Wort des HERRN zu Jona, dem Sohn Amittais: Mache dich auf und geh in die große Stadt Ninive und predige wider sie; denn ihre Bosheit ist vor mich gekommen.“ Ninive lag am östlichen Ufer des Tigris und war eine der bedeutendsten Metropolen von Assyrien, einer Großmacht im Gebiet des heutigen Iraks. In dem Buch wird mehrfach gesagt, dass Ninive eine große Stadt war; in Kap. 4 werden 120.000 Einwohner genannt. Die Menschen in Ninive kannten Gott nicht. Sie hatten viele Götter, die sie verehrten und anbeteten. Gott hasst diese Sünde, weil sie eine direkte Verachtung Gottes ist. In ihrem Hochmut eroberten die Assyrer viele andere Länder, nahmen viele Menschen als Kriegsgefangene und gingen äußerst grausam mit ihnen um. Gott sagte zu Jona: „ihre Bosheit ist vor mich gekommen.“ Ihre vielen Sünden hatten sich so angehäuft, dass sie zum Himmel schrien und Gottes Gericht unvermeidlich wurde.
Warum beauftragte Gott Jona, nach Ninive zu gehen und gegen sie zu predigen? Wenn Gott die Menschen in Ninive hätte richten wollen, hätte er das Gericht über sie kommen lassen können, ohne sie vorher zu warnen. Aber Gott hatte Mitleid mit den Menschen in Ninive, die Gott nicht kannten und deshalb geistlich völlig orientierungslos waren. In Kapitel 4 sagt Gott später zu Jona, dass die Menschen in Ninive nicht wussten, was rechts oder links ist (4,10.11). Gott wollte sie durch Jonas’ Predigt warnen und zur Umkehr führen, damit er sie retten konnte, anstatt sie zu richten. Gott liebte nicht nur sein erwähltes Volk Israel, sondern auch die heidnischen Völker, trotz ihrer Sünde. Gott liebte die Menschen in der Stadt Ninive.
Wie reagierte Jona auf Gottes Befehl? Betrachten wir den Vers 3: „Aber Jona machte sich auf und wollte vor dem HERRN nach Tarsis fliehen und kam hinab nach Jafo. Und als er ein Schiff fand, das nach Tarsis fahren wollte, gab er Fährgeld und trat hinein, um mit ihnen nach Tarsis zu fahren, weit weg vom HERRN.“ Jona hörte zwar Gottes Befehl, aber er nahm ihn nicht an. Stattdessen wollte er vor Gott fliehen. Er ging nach Jafo an der Küste Israels (beim heutigen Tel Aviv). Forscher haben gefunden, dass Tarsis eine Stadt in Südwest-Spanien war. Jona wollte vor Gott fliehen, so weit weg gehen wie möglich, ans Ende der Welt.
Warum wollte Jona den Auftrag Gottes nicht ausführen? Wir finden am Anfang von Kapitel 4 einen starken Hinweis darauf. Dort heißt es: „Das aber verdross Jona sehr, und er ward zornig und betete zum HERRN und sprach: Ach, HERR, das ist’s ja, was ich dachte, als ich noch in meinem Lande war. Deshalb wollte ich ja nach Tarsis fliehen; denn ich wusste, dass du gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte bist und lässt dich des Übels gereuen.“ Jona verstand Gottes Absicht, dass er durch seine Predigt die Menschen in Ninive zur Umkehr zu Gott führen wollte; zumindest ahnte er es. Aber Jona teilte nicht Gottes zerbrochenes Herz für die Heiden. Er wollte nicht, dass die Heiden in Ninive Buße tun würden und Gott ihnen vergeben würde. Er gönnte ihnen nicht den Segen der Errettung, den sie nach seiner Meinung nicht verdient hatten. Warum? Politisch gesehen war Assyrien eine Großmacht, die ein Feind Israels war und es in seiner Existenz bedrohte. Jona war nationalistisch und betrachtete die Menschen in Ninive als Feinde seines Volks. Außerdem betrachtete er sie auch geistlich als Gottes Feinde, die Gottes Gnade nicht verdient hatten. Ihre Sünden der Grausamkeit und des Götzendiensts waren weit über ihre Grenzen bekannt. Jona hatte ein Herz für sein Volk Israel und war bereit, ihnen als Prophet zu dienen. Aber er war nicht bereit, sich für die Menschen in Ninive einzusetzen, die offen gegen Gott sündigten, und sich für ihre Rettung zu engagieren. Das widerstrebte ihm so sehr, dass er versuchte, vor Gott zu fliehen, obwohl er wusste, dass Gott Himmel und Erde schuf und dass man vor ihm nicht fliehen kann. Den Menschen in Ninive zu helfen, war ihm trotzdem so zuwider, dass er sich wie ein trotziges Kind verhielt. Er rebellierte gegen Gott. Hinter seiner Weigerung, nach Ninive zu gehen, stand auch seine selbstgerechte Haltung, dass er dachte, dass er und sein Volk die Gnade Gottes irgendwie verdient hätten, heidnische Völker aber nicht.
Wie ging Gott mit dieser Situation um? Betrachten wir die Verse 4–9: „Da ließ der HERR einen großen Wind aufs Meer kommen, und es erhob sich ein großes Ungewitter auf dem Meer, dass man meinte, das Schiff würde zerbrechen. 5 Und die Schiffsleute fürchteten sich und schrien, ein jeder zu seinem Gott, und warfen die Ladung, die im Schiff war, ins Meer, dass es leichter würde. Aber Jona war hinunter in das Schiff gestiegen, lag und schlief. Da trat zu ihm der Schiffsherr und sprach zu ihm: Was schläfst du? Steh auf, rufe deinen Gott an! Vielleicht wird dieser Gott an uns gedenken, dass wir nicht verderben. Und einer sprach zum andern: Kommt, wir wollen losen, dass wir erfahren, um wessentwillen es uns so übel geht. Und als sie losten, traf’s Jona. Da sprachen sie zu ihm: Sage uns, um wessentwillen es uns so übel geht? Was ist dein Gewerbe, und wo kommst du her? Aus welchem Lande bist du, und von welchem Volk bist du? Er sprach zu ihnen: Ich bin ein Hebräer und fürchte den HERRN, den Gott des Himmels, der das Meer und das Trockene gemacht hat. Da fürchteten sich die Leute sehr und sprachen zu ihm: Was hast du da getan? Denn sie wussten, dass er vor dem HERRN floh; denn er hatte es ihnen gesagt.“ Gott ließ nicht zu, dass Jona vor ihm und seiner Aufgabe davonläuft. Gott ließ einen starken Sturm aufkommen, der so stark wurde, dass die professionellen Schiffsleute mit ihrem Untergang rechneten. In ihrer Verzweiflung beteten sie jeder zu ihrem Gott. Als man Jona unten im Schiff schlafend fand und ihn zur Rede stellte, erzählte er die ganze Geschichte. Dabei legte er ein Glaubensbekenntnis ab, dass Gott Himmel und Erde geschaffen hat; aber er hatte Gott, den er angeblich fürchtete, nicht gehorcht. Jonas’ Verhalten war wirklich sehr widersprüchlich. Die heidnischen Männer, die Gott bis dahin nicht kannten, verhielten sich besser als Jona, indem sie erschraken und Gott fürchteten und den Mann Gottes wegen seiner Sünde tadelten. Die Schiffsleute versuchten weiter, Jona zu retten, aber der Sturm wurde immer schlimmer. Schließlich warfen sie Jona ins Meer, nachdem sie Gott ernsthaft angefleht hatten, sie deswegen nicht zu verurteilen. Jona trieb auf dem offenen Meer. Aber Gott ließ einen großen Fisch kommen, der Jona verschluckte. Jona überlebte im Bauch des Fisches offenbar in einer Luftblase und war darin gefangen. Dort tat er endlich Buße für seinen Widerstand gegen Gottes Auftrag, was wir in Kapitel 2 erfahren werden.
Was können wir im ersten Kapitel über Gott lernen? Gott gab die Menschen in Ninive trotz ihrer Sünde nicht auf. Obwohl sie so krass sündigten, dass sie Gottes Gericht provozierten, gab Gott sich so viel Mühe darum, Jona zu helfen und ihn dazu zu bringen, zu ihnen zu gehen und ihnen Gottes warnende Botschaft zu predigen, damit sie umkehren würden und er sie retten konnte. Das zeigt uns, dass Gott auch die Menschen liebt, deren Einstellung und Lebensweise seinem Willen sehr widersprechen, und wie sehr er sie retten will. Gott gab auch Jona nicht auf, der Gottes Herz und Willen für die Heiden nicht annehmen konnte. Aber Gott ließ ihn nicht in seiner Engherzigkeit, Selbstgerechtigkeit und seinem Nationalstolz und gab ihn auch nicht auf! Gott verstand ihn und half ihm, seinen Eigensinn zu überwinden und Gott doch zu gehorchen. Gott liebte ihn und half ihm bis zum Ende.
Wie können wir den Fehler von Jona vermeiden, der Gott den Gehorsam verweigerte, weil er sein Herz nicht sehen und nicht annehmen konnte? Wir können Jonas’ Fehler vermeiden, wenn wir Gottes Liebe und Herz für die Rettung aller Menschen erkennen. Wir sollen uns klarmachen, dass Gott auch die Menschen liebt, die in schlimmer Weise sündigen, und dass er Menschen sucht, die ihnen seine Botschaft sagen, damit sie Gott erkennen und zu ihm umkehren. Wir sollten unser Herz weit machen und annehmen, dass Gott wirklich alle Menschen liebt und sie erretten will und von keinem will, dass er verloren geht – auch die, die gegen seinen Willen leben, weil sie ihn nicht kennen, auch die Menschen aus anderen Kulturen, die uns fremd sind und die wir nicht gut verstehen. Möge Gott uns durch das Buch Jona weiter dabei helfen, sein Herz für alle Menschen zu verstehen und bereit zu werden, allen die frohe Botschaft von Jesus zu sagen, die er uns zeigt, unabhängig davon, ob wir sie kennen oder nicht, ob wir sie sympathisch und ihre Lebensweise gut finden oder nicht!