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Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir
„Doch weil wir wissen, dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch des Gesetzes Werke wird kein Mensch gerecht“
(Galater 2,16)
„Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben.“
(Galater 2,20)
Vom ersten Kapitel des Galaterbriefs bis zu unserem heutigen Abschnitt beantwortet Paulus immer wieder dieselbe Frage: „Was ist das Evangelium?“ In Kapitel 1 betont Paulus, dass es nur ein Evangelium gibt. Wenn wir zum Glauben an Jesus Christus noch irgendeine weitere Bedingung hinzufügen, dann ist es nicht mehr das Evangelium. Unsere Rettung wird allein aus der Gnade Gottes und durch den Glauben an Jesus Christus geschenkt.
In Kapitel 2, Verse 1–10, zeigt Paulus dann die erstaunliche Kraft dieses Evangeliums. Petrus wurde von Gott berufen, den Juden das Evangelium zu verkündigen, und Paulus den Heiden. Sie dienten Menschen mit unterschiedlicher Kultur, Tradition und Lebensweise. Doch das Evangelium, das sie verkündigten, trennte die Menschen nicht. Das eine Evangelium bildete aus Juden und Heiden eine Gemeinschaft. Ursprünglich war die Trennung zwischen Juden und Heiden so groß, dass sie nicht einmal gemeinsam aßen. Ihre Kultur, ihre Traditionen und ihre Wertvorstellungen waren völlig unterschiedlich. Menschlich gesehen konnten sie niemals eins werden – sie waren wie Wasser und Öl, die sich nicht vermischen. Doch das Evangelium Jesu Christi riss all diese Mauern nieder und machte aus ihnen eine einzige Gemeinschaft. Das Evangelium trennt Menschen nicht, sondern hat die Kraft, sie miteinander zu verbinden. Unser heutiger Text zeigt uns nun, wie dieses Evangelium in unserem Leben sichtbar werden soll. Ich bete, dass das Evangelium durch das heutige Wort in unserem Leben lebendig wirkt und seine Kraft entfaltet.
1. Das Evangelium ist wichtiger als die Meinung der Menschen (Galater 2,11–14)
Der heutige Bibelabschnitt enthält eine Überraschung. Paulus weist Petrus öffentlich zurecht. Petrus gehörte zu den zwölf Jüngern Jesu und war einer der wichtigsten Leiter der Urgemeinde. Paulus dagegen gehörte nicht zu den Zwölfen und war im Vergleich zu ihnen erst später als Apostel berufen worden. Petrus öffentlich zu tadeln, muss für ihn deshalb eine große Herausforderung gewesen sein. Doch Paulus ließ sich weder vom Ansehen noch von der Autorität eines Menschen leiten. Denn das Evangelium besitzt eine größere Autorität als jeder Mensch. Wenn wir das Verhalten von Petrus betrachten, könnten wir zunächst denken:
„Ist es wirklich so schlimm, ob man gemeinsam mit Heiden isst oder nicht?“ – „Musste Paulus ihn deswegen wirklich öffentlich zurechtweisen?“ War das Verhalten von Petrus also wirklich so schwerwiegend? In Apostelgeschichte 10 schenkt Gott Petrus eine Vision. Er sieht verschiedene Tiere vom Himmel herabkommen und hört die Aufforderung: „Steh auf, schlachte und iss!“ Petrus weigert sich zunächst, weil er die Tiere für unrein hält. Doch Gott antwortet ihm dreimal: „Was Gott für rein erklärt hat, das nenne du nicht unrein.“ Durch diese Vision erkennt Petrus, dass es nicht in erster Linie um Speisevorschriften geht. Gott selbst hat auch den Heiden die Tür zum Heil geöffnet. Deshalb bekennt Petrus später im Haus des Kornelius folgendes: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und Recht tut, der ist ihm angenehm. (Apg 10,34–35) Während Petrus noch predigte, fiel der Heilige Geist in gleicher Weise auf die Heiden wie zuvor auf die Juden (s. Apg 10,44–45). Dieses Ereignis machte unmissverständlich deutlich, dass es im Evangelium keine Unterschiede zwischen Juden und Heiden gibt. Deshalb hatte Petrus in Antiochia zunächst ganz selbstverständlich Gemeinschaft mit den Heiden und aß mit ihnen. Doch als einige Judenchristen aus Jerusalem kamen, änderte sich sein Verhalten. Er begann, auf ihre Meinung zu achten, und zog sich von den Heiden zurück. Vers 12 berichtet: Denn bevor einige von Jakobus kamen, aß er mit den Heiden; als sie aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, weil er die aus der Beschneidung fürchtete. Das war nicht einfach ein kleiner Fehler. Äußerlich ging es nur um die Frage, ob Petrus mit den Heiden gemeinsam aß oder nicht. Doch Paulus sah darin ein viel tieferes Problem. In Vers 14 schreibt er: Als ich aber sah, dass sie nicht richtig handelten nach der Wahrheit des Evangeliums, sprach ich zu Kephas öffentlich vor allen: Wenn du, der du ein Jude bist, heidnisch lebst und nicht jüdisch, warum zwingst du dann die Heiden, jüdisch zu leben? Genau hier liegt der Kern des Problems. Paulus sagt nicht, dass Petrus gegen eine Essensregel verstoßen habe. Er sagt vielmehr, dass Petrus nicht entsprechend der Wahrheit des Evangeliums gehandelt habe. Durch sein Verhalten wurde die Einheit zerstört, die Christus durch das Evangelium geschaffen hatte. Petrus hatte durch das Erlebnis bei Kornelius selbst erfahren, dass Gott keinen Unterschied zwischen Juden und Heiden macht. Das Evangelium verkündigt, dass der Mensch nicht durch Werke des Gesetzes, sondern allein durch den Glauben gerecht wird. Doch als andere Juden kamen, fürchtete sich Petrus vor ihrer Reaktion. Deshalb brach er die Gemeinschaft mit den Heiden ab. Dadurch entstand der Eindruck, als müssten die Heiden zuerst jüdische Traditionen und das Gesetz einhalten, um wirklich zum Volk Gottes zu gehören. Noch schlimmer war, dass auch die anderen Judenchristen seinem Beispiel folgten. Sogar Barnabas, der enge Mitarbeiter des Paulus, ließ sich mitreißen. Petrus kannte das Evangelium. Er hatte es nicht nur verstanden, sondern auch danach gelebt. Doch in dem Moment, in dem er Menschen mehr fürchtete als Gott, brachte er das Evangelium nicht mehr durch sein Leben zum Ausdruck. Mit seinen Worten bekannte er die Einheit in Christus, doch durch sein Verhalten errichtete er erneut eine Mauer zwischen Juden und Heiden.
Dasselbe kann auch bei uns geschehen. Wir bekennen mit unserem Mund, dass wir an das Evangelium glauben. Doch im Alltag richten wir uns oft mehr nach der Meinung anderer Menschen als nach Gottes Wahrheit. Ob in der Schule, am Arbeitsplatz oder in unseren alltäglichen Beziehungen – immer wieder erleben wir Situationen, in denen wir aus Angst vor den Reaktionen anderer nicht so leben, wie es das Evangelium fordert. Wie können wir also die Menschenfurcht überwinden und gemäß dem Evangelium leben? Die Antwort ist, dass wir das Evangelium immer wieder neu und richtig verstehen.
2. Das Evangelium rechtfertigt allein durch den Glauben an Jesus Christus (Galater 2,15–19)
Lasst uns gemeinsam Vers 16 lesen: Doch weil wir wissen, dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch des Gesetzes Werke wird kein Mensch gerecht. Dieser Vers ist das Herzstück des Galaterbriefes. Ein Mensch wird vor Gott nicht durch seine guten Werke gerecht, sondern allein durch den Glauben an Jesus Christus. Paulus betont dies immer wieder: Kein Mensch kann durch das Halten des Gesetzes vor Gott gerecht werden. Warum? Nicht, weil das Gesetz schlecht wäre, sondern weil kein Mensch das Gesetz vollkommen erfüllen kann. Das Gesetz führt uns deshalb nicht zur Gerechtigkeit. Vielmehr zeigt es uns, dass wir Sünder sind. Vor dem Gesetz erkennen wir unsere eigene Schwachheit und unsere Unfähigkeit. Es ist vielmehr wie ein Spiegel, der uns unsere Sünde zeigt und uns zu Christus führt. Das Gesetz selbst besitzt keine Kraft, uns zu retten. Darum sandte Gott Jesus Christus. Der sündlose Sohn Gottes nahm am Kreuz unsere Schuld auf sich. Wer an ihn glaubt, wird vor Gott gerecht gesprochen. Unsere Gerechtigkeit beruht nicht auf unseren Werken, sondern allein auf der Gnade Gottes. Paulus bekennt deshalb in Vers 19: Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt. Das bedeutet: Das Leben, in dem wir versuchen, uns durch das Gesetz Gottes Anerkennung zu verdienen, ist zu Ende. An seine Stelle tritt ein neues Leben – nicht mehr, um von Gott angenommen zu werden, weil wir durch seine Gnade bereits angenommen sind. Aus dieser Gewissheit heraus leben wir nun für Gott. Genau an diesem Punkt wurde das Verhalten des Petrus zum Problem. Durch sein Handeln begann wieder ein anderes Kriterium zu gelten, nach dem Menschen beurteilt und voneinander getrennt wurden. Es ging also nicht nur um die Frage, ob man gemeinsam aß oder nicht. Es ging um die entscheidende Frage des Evangeliums: Wodurch wird ein Mensch vor Gott gerecht? Wenn die Grundlage unserer Gerechtigkeit nicht mehr die Gnade Gottes, sondern wieder das Halten des Gesetzes ist, dann entstehen auch in der Gemeinde erneut Trennungen. Dann wird unterschieden zwischen Juden und Heiden, zwischen denen, die das Gesetz halten, und denen, die es nicht halten, zwischen denen, die Gott scheinbar näher stehen, und denen, die weiter von ihm entfernt sind. Deshalb konnte Paulus diese Situation nicht einfach hinnehmen. Denn sobald das Evangelium verdunkelt wird, gerät auch die Gemeinde wieder unter menschliche Maßstäbe und menschliche Bewertungen. Von hier aus führt Paulus seine Gedanken noch weiter. Er zeigt, dass das Evangelium nicht nur der Anfang unseres Glaubens ist, sondern die Kraft, die unser ganzes Leben verändert.
3. Evangelium verändert unser Leben (Galater 2,20–21)
Paulus erklärt das Evangelium nun nicht mehr nur mit Worten – er verkündigt es durch sein eigenes Leben (Vers 20): Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben. Dieses Bekenntnis ist weit mehr als eine persönliche Glaubensaussage. Es ist die Erklärung, dass das Zentrum seines Lebens durch das Evangelium vollkommen verändert worden ist. Wer ist also ein Mensch, der das Evangelium angenommen hat? Er ist nicht einfach jemand, der zustimmt und sagt: „Jesus hat recht.“ Ein Mensch, der das Evangelium annimmt, erkennt zuerst vor Gott, dass er ein Sünder ist. Er erkennt, dass er mit seiner eigenen Gerechtigkeit niemals vor Gott bestehen kann und unter seinem Gericht steht. Doch er bleibt nicht an diesem Punkt stehen. Er kommt zum Kreuz. Er vertraut nicht auf seine eigenen Leistungen, sondern allein auf die Gnade Jesu Christi. Das ist das Evangelium. Es ist die Kraft Gottes, die den Menschen zuerst zerbricht und ihn dann neu aufrichtet. Deshalb lebt ein Mensch, der das Evangelium angenommen hat, nicht länger nach seinen eigenen Maßstäben. Nicht mehr seine Gedanken oder sein eigenes Urteil bestimmen sein Leben, sondern Gottes Wort. Hingabe an Jesus bedeutet: Die Herrschaft über das eigene Leben Christus zu überlassen. Deshalb ist das Wort des Paulus: „Nicht mehr ich lebe“ keine emotionale Aussage, sondern eine grundlegende Veränderung. Das Zentrum des Lebens hat sich verschoben – weg vom eigenen Ich hin zu Christus.
An dieser Stelle kann jedoch leicht ein Missverständnis entstehen. Viele verstehen das Evangelium lediglich als die Gewissheit der Errettung oder als eine Art „Eintrittskarte in das Himmelreich“. Andere denken: „Wenn nicht mehr ich lebe, sondern Christus in mir lebt, dann spielt es keine Rolle mehr, wie ich lebe. Christus wird schon alles regeln.“ Doch genau daraus entstehen falsche Schlussfolgerungen. Manche nehmen die Gnade zum Anlass, die Sünde zu verharmlosen oder ihr eigenes Leben weiterhin nach ihren eigenen Vorstellungen zu führen. Das ist jedoch nicht das Evangelium, sondern eine Verzerrung des Evangeliums. Das Evangelium macht die Sünde nicht belanglos. Es zerstört die Macht der Sünde und führt uns in ein Leben der Heiligung. Wer am Evangelium festhält, erkennt seine eigene Schwachheit sogar immer tiefer. Deshalb kehrt er immer wieder zur Gnade zurück, bekennt seine Schuld und hält sich neu an Christus fest. Gerade aus dieser Gnade wächst der Wunsch, im Gehorsam vor Gott zu leben. Paulus fährt deshalb fort: „Ich verwerfe die Gnade Gottes nicht; denn wenn die Gerechtigkeit durch das Gesetz käme, dann wäre Christus umsonst gestorben.“ (Gal 2,21) Wenn wir meinen, wir könnten durch unsere eigenen Leistungen vor Gott gerecht werden, dann machen wir die Gnade Gottes wirkungslos. In diesem Moment verschiebt sich das Zentrum des Evangeliums: Nicht mehr Gottes Gnade steht im Mittelpunkt, sondern das, was wir selbst leisten. Nicht Gottes Geschenk wird zum Maßstab, sondern unser eigener Erfolg. Dann kann Gnade nicht länger Gnade bleiben. Die Folge ist schwerwiegend. Das Kreuz verliert seine Bedeutung, der Tod Jesu wird entwertet, und in der Gemeinde entstehen erneut Vergleiche, Bewertungen und Trennungen zwischen Menschen. Deshalb ist das Evangelium nicht nur eine Lehre, der wir zustimmen. Es ist die Kraft Gottes, die unser ganzes Leben trägt und verändert. Wenn das Evangelium aus unserem Blick gerät, kehren wir unweigerlich zu menschlichen Maßstäben und zu unserer eigenen Gerechtigkeit zurück.
Doch das Evangelium ist weit mehr als die Botschaft, dass wir nach unserem Tod in den Himmel kommen. Es ist Gottes Kraft, die uns schon heute dazu ruft, unserem alten Leben zu sterben und Christus in uns leben zu lassen. Deshalb bedeutet Glauben an das Evangelium nicht, Jesus einfach zu unserem bisherigen Leben hinzuzufügen. Es bedeutet, den König unseres Lebens zu wechseln. Nicht mehr wir selbst sitzen auf dem Thron unseres Lebens, sondern Jesus Christus ist unser Herr.
Die Gnade Jesu Christi, die am Kreuz sichtbar wurde, hat auch mein eigenes Leben verändert.
Durch Jesaja 9 zeigte mir Gott, dass Jesus nicht nur mein Erlöser ist, sondern auch mein ewiger Vater und der Fürst des Friedens. Als ich voller Angst in die Zukunft blickte, schenkte er mir seinen Frieden. Damals erkannte ich: Nicht ich selbst bin Herr meines Lebens, sondern Jesus Christus. Obwohl ich das Evangelium erkannt hatte, lebte ich nicht immer im Einklang mit dem Evangelium. Auch nachdem ich Jesus angenommen hatte, kämpfte ich immer wieder damit, auf die Meinung und das Urteil anderer Menschen zu achten. So wie Petrus Angst vor den Judenchristen hatte, fürchtete auch ich die Menschen. Ich versuchte, ihren Erwartungen zu entsprechen und möglichst nicht aufzufallen. Obwohl ich bekannte, an Jesus zu glauben, wurde das Evangelium in meinem Alltag oft nicht sichtbar.
Vor einigen Monaten, als ich mich auf eine neue Arbeitsstelle bewarb, stand ich erneut vor einer ähnlichen Herausforderung. Ich musste erklären, warum ich meine vorherige Arbeitsstelle verloren hatte. Ich hatte Angst vor der Reaktion der Menschen und befürchtete, dass man mich deshalb negativ beurteilen könnte. Deshalb wollte ich diese Geschichte zunächst möglichst kurz halten und schnell darüber hinweggehen. Ich wollte den sicheren Weg wählen – den Weg, der sich nach den Erwartungen der Menschen richtet. Doch eine Frage ließ mich nicht los: „Was gefällt Gott?“ Schließlich entschied ich mich, nicht nur die Situation zu erklären, sondern auch offen zu sagen, dass ich Christ bin. Selbst wenn mir dadurch Nachteile entstehen würden, wollte ich ehrlich sein. Außerdem erzählte ich, dass ich meine Kündigung nicht nur als persönliches Scheitern sehe, sondern als einen Weg, auf dem Gott mich geführt hat. Besonders in dieser Zeit hatte mich das Leben Josefs durch die Herbstkonferenz ermutigt. Beim Nachdenken über seine Geschichte durfte ich erkennen, dass Gott auch in Situationen, die ungerecht oder unverständlich erscheinen, gegenwärtig ist und seinen guten Weg mit mir geht. Für mich war das keine Rechtfertigung meines Handelns, sondern ein persönliches Zeugnis davon, wie das Evangelium mein Leben prägt und wie ich mein Leben im Licht des Evangeliums verstehe. Zu meiner Überraschung erzählte meine Gesprächspartnerin daraufhin ebenfalls, dass sie Christin ist. Dadurch entstand ein offenes und ehrliches Gespräch. Gott schenkte mir schließlich nicht nur eine neue Arbeitsstelle, sondern ließ mich vor allem erfahren, dass es sich lohnt, ihm zu vertrauen.
Durch dieses Erlebnis habe ich neu verstanden: Nach dem Evangelium zu leben bedeutet nicht, immer den sichersten Weg zu wählen. Es bedeutet, Gottes Wahrheit höher zu achten als die Meinung der Menschen. Und ich durfte erfahren, dass Gott diejenigen, die ihm vertrauen, mit seiner Gnade führt.
Gott hat mir durch Galater 2 drei Dinge gezeigt. Erstens: Nur durch das Evangelium werde ich gerechtfertigt. Zweitens: Das Evangelium ist Jesus Christus, mein Retter, der für mich am Kreuz gestorben und von den Toten auferstanden ist. Drittens: Das Evangelium ist nicht nur die Botschaft meiner Rettung. Es ist die Kraft Gottes, die mein Leben verändert und mich jeden Tag neu prägt.
Dennoch bin ich immer noch schwach. Oft lasse ich mich von den Blicken und der Meinung anderer Menschen beeinflussen und gerate ins Wanken. Deshalb bete ich darum, immer wieder über die Gnade Jesu nachzudenken, der für meine Sünden am Kreuz gestorben ist. Ich bete auch darum, nicht nach dem Urteil der Menschen zu leben, sondern vor Gott. Ich glaube, dass das Evangelium dann in meinem Leben sichtbar und wirksam wird.
„Ich bin mit Christus gekreuzigt. Und nun lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir.“ (Galater 2,20) Ich bete, dass dieses Bekenntnis nicht nur das Bekenntnis des Paulus bleibt, sondern auch unser persönliches Bekenntnis wird.