Predigt: 1. Korinther 13,1-13

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Ohne Liebe bin ich nichts

„Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen und hätte die Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.“

(1. Korinther 13,2.3)

Stellt euch vor, ein Mensch treibt auf dem Meer. Ringsherum ist nur Wasser. Doch wisst ihr, was dieser Mensch am dringendsten zum Überleben braucht? Trinkwasser. Ironischerweise ist er vom Wasser umgeben, hat aber nichts zu trinken. Deshalb leidet er unter großem Durst und stirbt schließlich daran.
Unser Leben ähnelt diesem Bild. In der Familie, in der Schule und auch in der Gemeinde sprechen wir von Liebe. Wir senden täglich unzählige Nachrichten, drücken „Gefällt mir“ oder „Herzen“ und versuchen so, Liebe auszudrücken und Beziehungen zu pflegen. Und doch klagen viele Menschen innerlich über Einsamkeit und innere Leere. Die Verbindungen sind zwar zahlreicher geworden, aber die Liebe scheint weniger geworden zu sein. In einer Welt, die viel von Liebe spricht, aber in der es an echter Liebe fehlt, leiden viele Menschen.
Das 13. Kapitel des 1. Korintherbriefes wird oft als „Kapitel der Liebe“ bezeichnet. Der Apostel Paulus stellt in seiner Lehre über die Gaben des Heiligen Geistes die Liebe in den Mittelpunkt. Liebe ist das Wesen des Glaubens. Wenn wir in dieser Liebe handeln, findet die Gemeinde ihre Ordnung wieder, und selbst in der Vielfalt der Gaben entsteht eine schöne Harmonie. Darüber hinaus lehrt Paulus, dass die Liebe für jeden Gläubigen das Notwendigste und Wichtigste ist.
Was ist also die wahre Liebe, von der die Bibel spricht? Was ist das für eine Liebe, die der Apostel Paulus so sehr betont? Heute wollen wir gemeinsam lernen, was wahre Liebe ist und wie wir diese Liebe in unserem Leben praktisch umsetzen können. Meine Predigt besteht aus drei Teilen: Erstens: Ohne Liebe bin ich nichts. Zweitens: Was ist die wahre Liebe? Drittens: Warum ist die Liebe ewig?
1. Ohne Liebe bin ich nichts (V. 1–3)
Schauen wir uns nun Vers 1 gemeinsam an: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.“ Mit den Menschenzungen sind nicht nur die durch den Heiligen Geist geschenkten Sprachen gemeint, sondern auch alle weisen und schönen Worte, die ein Mensch sprechen kann. Die „Engelzungen“ hingegen weisen auf eine geistliche, himmlische Sprache hin, die über die menschliche Sprache hinausgeht. Mit anderen Worten: Selbst wenn jemand die höchste Fähigkeit zu reden besitzt – sowohl menschlich als auch geistlich –, ist all das ohne Liebe nur „tönendes Erz und eine klingende Schelle“. Wie klingt es für euch, wenn jemand passende Worte sagt, aber ohne Liebe? Es klingt wie ein Angriff, wie ein Urteil. Und am Ende verletzt sie andere. Worte ohne Liebe machen Menschen müde und bedrücken sie. Selbst wenn sie inhaltlich richtig sind, lösen sie Widerstand im Herzen aus, wenn Liebe und Aufrichtigkeit fehlen. Umgekehrt gilt: Auch wenn jemand nicht besonders gut reden kann, haben Worte, die aus der Liebe kommen, die Kraft, Herzen zu bewegen. Worte, die von echter Aufrichtigkeit getragen sind, berühren das Herz. Deshalb können sogar ermahnende Worte angenommen werden, wenn sie in Liebe gesprochen werden.
Wenn eine klingende Schelle ständig ertönt, ohne mit anderen Instrumenten im Einklang zu sein, entsteht keine Musik, sondern Lärm. Sie bringt keine Freude, sondern Ärger und Unruhe. Genauso zerstören Worte ohne Liebe die Harmonie einer Gemeinschaft und führen zu Spaltung und Streit. Sie bauen Menschen nicht auf, sondern ziehen sie runter. Deshalb ist nicht nur wichtig, was wir sagen, sondern wie wir es sagen – nämlich mit einem Herzen voller Liebe.
Nun schauen wir auf die Verse 2 und 3: „Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse und alle Erkenntnis wüsste und allen Glauben hätte, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und meinen Leib dahingäbe, um mich zu rühmen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.“ Hier wird das Wort „alle“ mehrfach wiederholt: vollkommene Erkenntnis, vollkommene geistliche Fähigkeit, vollkommener Glaube. Selbst wenn jemand all das besitzt, sagt Paulus: „Ich bin nichts“, wenn die Liebe fehlt. Warum? Weil all diese Dinge zwar das eigene Ansehen erhöhen können, aber nicht andere Menschen aufbauen. Erkenntnis und Fähigkeiten können einzelne Personen hervorheben – aber nur die Liebe baut die Gemeinschaft auf. Dienen wir nicht manchmal, um Anerkennung zu bekommen? Sprechen wir nicht manchmal, um zu beweisen, dass wir recht haben? Reden wir nicht manchmal, um zu gewinnen, statt den anderen aufzubauen? Nach außen hin mögen diese Dinge gut erscheinen. Doch wenn im Herzen keine Liebe ist, kann Gottes Bewertung ganz anders ausfallen. Paulus geht sogar so weit zu sagen: Selbst wenn jemand sein Leben opfert, ist es ohne Liebe nichts. Da denken wir vielleicht: „Ist das nicht etwas Großartiges?“ Doch Paulus sagt klar: „Ohne Liebe nützt es nichts.“ Denn selbst Opfer können aus falschen Motiven geschehen – aus dem Wunsch nach Ehre, Anerkennung oder Selbstzufriedenheit. In den Augen der Menschen mag es wie große Hingabe aussehen. Aber Gott sieht nicht nur die Tat, sondern vor allem die Motive des Herzens. Ein Opfer ohne Liebe kann letztlich ein selbstbezogenes Opfer sein. Es sieht nach Hingabe aus, ist aber vor Gott vielleicht keine wahre Anbetung. Das Fazit ist eindeutig: Alles ohne Liebe ist letztlich wertlos. Wenn alles ohne Liebe nichts wert ist, was ist dann wahre Liebe?

2. Was ist wahre Liebe? (V. 4–7)
Viele Menschen verstehen Liebe als ein Gefühl. Sie denken: „Wenn sich etwas gut anfühlt, dann ist es Liebe.“ Und wenn dieses gute Gefühl verschwindet, sagen sie, die Liebe sei erkaltet. Am Anfang erscheint alles schön. Schon kleine Dinge berühren das Herz, und man hat das Gefühl, für den anderen alles tun zu können. Doch was geschieht, wenn die Zeit vergeht und der Alltag eintritt? Man verletzt einander, Erwartungen werden enttäuscht, es entstehen Missverständnisse, Vergleiche häufen sich. Die Liebe kühlt langsam ab, wird manchmal zu Streit, und manchmal zerbricht sogar die Beziehung. Warum geschieht das? Weil menschliche Liebe oft mit Gefühlen beginnt. Gefühle verändern sich je nach Situation. Wenn es mir schlecht geht, kühlt die Liebe ab. Wenn mir der andere nicht gefällt, gerät sie ins Wanken. Deshalb kann menschliche Liebe zwar eine Zeit lang bestehen, aber sie hält oft nicht bis zum Ende durch.
Wer ist eurer Meinung nach, in der Bibel ein Beispiel für die größte menschliche Liebe? Ich denke dabei an Jakob. Es ist schwer, einen solchen Romantiker zu finden. Jakob arbeitete 14 Jahre lang ohne Lohn, nur um Rahel zu gewinnen – nicht ein oder zwei Jahre, sondern ganze 14 Jahre. Er hielt aus Liebe durch. Vielleicht denken viele Frauen: „So eine Liebe würde ich auch gern erfahren.“ Doch was geschieht mit dieser scheinbar ewigen Liebe? Im Lauf der Zeit zeigt sich, wie auch bei Jakob und Rahel, die Realität des Alltags zu Spannungen und Konflikten führt. Die Liebe ist nicht verschwunden – vielmehr zeigt sich die Grenze menschlicher Liebe. Sie kann zwar lange bestehen, aber sie hat ganz klare Grenzen.
Die Bibel jedoch spricht von einer ganz anderen Liebe. Sie beschreibt Liebe nicht als Gefühl, sondern als Handlung. Liebe bedeutet, etwas zu tun – und auch, etwas nicht zu tun. Sie ist keine Stimmung, sondern eine Entscheidung. Keine momentane Emotion, sondern eine beständige Lebenshaltung.
(1) Was tut die Liebe?: „Die Liebe ist langmütig und freundlich.“ (4)
Liebe bedeutet, geduldig zu sein. Es geht nicht nur darum, Zeit auszuhalten, sondern eine Beziehung festzuhalten, den anderen nicht aufzugeben, ihn zu verstehen und auf seine Veränderung zu warten. Können wir so lieben? Mit menschlicher Kraft ist das unmöglich. Doch Jesus hat uns bis zum Ende festgehalten. Er hat uns nicht aufgegeben. Auch als wir ihn nicht kannten und in Sünde lebten – und selbst jetzt, wo wir als Gläubige noch schwach sind und immer wieder fallen – bleibt er geduldig mit uns und trägt uns. Wir werden nicht geliebt, weil wir es verdienen. Es ist die Geduld und Liebe Jesu, die uns trägt. Und genau deshalb können auch wir andere mit Geduld lieben – weil wir uns an diese Liebe erinnern und uns auf sie verlassen.
Liebe ist auch freundlich. Freundlichkeit bedeutet, anderen mit Güte und Sanftmut zu begegnen. Besonders im Umgang mit anderen – etwa in der Erziehung oder im Dienst – heißt das, nicht von Ärger oder Frustration bestimmt zu werden, sondern ruhig und sanft zu reagieren. Wer Kinder erzieht, weiß, wie schwer das ist, freundlich zu bleiben, auch wenn sie nicht gehorsam sind oder schreien. Unsere Natur wird schnell müde, schnell wütend, urteilt schnell und gibt schnell auf. Viele denken, Sanftmut sei eine Frage des Charakters. Doch die Bibel zeigt etwas anderes. In Matthäus 11,29 sagt Jesus: „Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; lernt von mir.“ Sanftmut wächst, wenn wir mit Jesus leben, von ihm lernen und im Alltag darin geübt werden. Wir können geduldig und freundlich lieben, weil Jesus uns dieses Vorbild gegeben hat. Der Weg ist also klar: mit Jesus leben, ihn nachahmen und seine Liebe im Alltag praktizieren. Ich bete, dass wir diese geduldige und freundliche Liebe mit Jesus leben können.
(2) Was tut die Liebe nicht? Paulus zählt vieles auf, was die Liebe nicht tut: „Die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit.“ Zusammengefasst bedeutet das: Liebe gibt die Ich-Bezogenheit auf. Sie stellt den anderen in den Mittelpunkt. Liebe bedeutet nicht „Ich zuerst“, sondern „Du zuerst“.
Ein besonders wichtiger Punkt ist: „Sie rechnet das Böse nicht an.“ Das bedeutet, dass sie Verletzungen nicht festhält. Wir neigen dazu, Gutes schnell zu vergessen, aber Verletzungen lange zu speichern. Wir sammeln sie im Herzen und lassen sie irgendwann explodieren. Doch Liebe ist anders. Liebe vergibt und lässt los. Sie erinnert sich an das Gute, vergisst das Verletzende und baut Beziehungen neu auf. Deshalb ist Liebe keine Emotion, sondern eine Entscheidung und Handlung: zu verstehen, zu warten, zu vergeben und sich selbst zurückzunehmen. Diese Liebe wächst in unserem Leben, wenn wir mit Jesus gehen und darin geübt werden.
(3) Wie bleibt die Liebe bis zum Ende? Vers 7 „Sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.“ Das entscheidende Wort hier ist „alles“. Liebe ist nicht bedingt. Sie liebt in guten Zeiten und in schweren Zeiten. Sie liebt, ob sich der Mensch verändert oder nicht. Viele verstehen Liebe als etwas Bedingtes: „Ich liebe dich, weil du schön bist“, „weil du einen guten Charakter hast“, „weil du etwas hast“. Doch wenn diese Bedingungen wegfallen, endet auch diese Art von Liebe. Sie ist letztlich wie ein Geschäft. Die Liebe, von der die Bibel spricht, ist anders. Sie stellt keine Bedingungen. Sie bleibt – auch wenn sich Umstände ändern, auch wenn Menschen enttäuschen, auch wenn das Herz verletzt ist. Liebe ist eine Entscheidung und eine Handlung, unabhängig von der Situation.
Woher kommt diese Kraft? Aus der Liebe Jesu zu uns. Seine Liebe ist bedingungslos. Selbst als wir ihn missachtet haben, als wir ihn nicht verstanden, ihn verspottet und abgelehnt haben, hat er uns weiter geliebt. Selbst im Leiden und am Kreuz hat er uns nicht aufgegeben. Als er sein Blut und Wasser vergoss, blieb seine Liebe unverändert. Sogar im Sterben am Kreuz betete er für uns. Diese Liebe verändert uns. Sie befähigt uns, auch andere bis zum Ende zu lieben. Liebe zeigt sich im Leben: den anderen zu verstehen, trotz Enttäuschung zu vergeben, im Glauben zu warten. Das ist die Liebe, von der die Bibel spricht. Aus eigener Kraft können wir das nicht. Aber in der Liebe Jesu ist es möglich. Ich bete, dass wir in dieser Liebe leben, Menschen nicht aufgeben, geduldig bleiben und bis zum Ende lieben können.

3. Warum ist die Liebe ewig? (V. 8–12)
Betrachten wir Vers 8: „Die Liebe höret nimmer auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird.“ Paulus spricht hier von der Ewigkeit der Liebe. Im Gegensatz dazu sagt er, dass prophetisches Reden vergeht, Zungenrede aufhört und Erkenntnis vergeht. All diese Dinge sind nur Stückwerk. Wir erkennen jetzt nicht vollständig. Wir sehen wie in einem undeutlichen Spiegel – unser Erkennen ist unvollkommen. Doch wenn der Herr wiederkommt, werden wir vollständig erkennen, und alles wird klar werden. Dann werden diese Gaben nicht mehr nötig sein.
Aber die Liebe ist anders. Die Liebe bleibt in Ewigkeit. Warum? Weil sie das Wesen des Reiches Gottes ist. Prophetisches Reden, Zungenrede und Erkenntnis sind begrenzt – die Liebe aber ist vollkommen und bleibt bis zum Ende. Deshalb sagt Paulus in Vers 13: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Glaube und Hoffnung sind sehr wichtig. Doch von diesen dreien ist die Liebe die größte. Unser Glaube und unsere Hoffnung werden erfüllt sein, wenn das Reich Gottes vollendet ist. Dann werden wir glauben, weil Jesus direkt vor unseren Augen steht. Wir werden nicht mehr hoffen, weil unsere Hoffnung Wirklichkeit geworden ist. Aber die Liebe ist die vollkommene Kraft, die von Gott kommt, und sie bleibt ewig unverändert. Nur die Liebe verbindet uns wirklich und ist der Wert, der im Reich Gottes niemals vergeht.
Während ich über dieses Wort nachdachte, musste ich mich selbst prüfen. Oft konzentriere ich mich beim Schreiben des praktischen Anwendungsteils einer Predigt darauf, welcher Teil des Textes mich besonders anspricht und berührt. Doch im heutigen Text gab es keinen einzigen Vers, der mich nicht angesprochen und herausgefordert hätte. Jeder Vers hat mich sehr getroffen. Es gab so vieles, das ich hätte sagen können, und bei jedem Vers erinnerte ich mich an meine begangenen Sünden und musste viel Buße tun. Es fiel mir schwer, all dies kompakt zu ordnen. Zusammengefasst muss ich sagen: Ich war ein Mensch ohne Liebe. Genauer gesagt: Ich rede von Liebe, aber in meinem Alltag lebe ich oft aus meiner eigenen, menschlichen Liebe heraus. Wenn ich auf meine Familie schaue, besonders auf die Erziehung meiner Kinder – P., L. und D. –, merke ich, wie oft ich ungeduldig werde, schnell müde bin, frustriert reagiere und Dinge aus meiner eigenen Perspektive bewerte. Auch in engen Beziehungen, besonders zu meiner Frau, bemerke ich, dass ich oft zuerst urteile, statt geduldig zu verstehen. Selbst in der Gemeinde werde ich unruhig, wenn meine Meinung nicht angenommen wird, und möchte das Ergebnis oft schnell bekommen, statt in Liebe zu warten.
Als ich den heutigen Text betrachtete, wurde mein Herz schwer. Denn es heißt: „Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist freundlich.“ – aber mein Leben spiegelt das oft nicht wider. Durch dieses Wort habe ich etwas Entscheidendes erkannt: Ich dachte immer, ich müsse mich mehr anstrengen, geduldiger, freundlicher sein und andere mehr achten. Doch menschliche Liebe kann nicht bis zum Ende tragen. Sie bleibt begrenzt, selbst bei größter Anstrengung. Sie kann niemanden wirklich aufbauen.
Doch wenn ich auf Jesus schaue, sehe ich den Weg. Jesus hat mich bis zum Ende getragen. Als ich ihn noch nicht kannte, als ich in die Irre ging, in Begierden und Vergnügungen lebte und voller Unsicherheit über meine Zukunft war, kam er zu mir – wie es in Jesaja 9,6 heißt – als das Kind, das uns gegeben ist. Er ließ mich erkennen, dass er mein Friedefürst und mein ewiger Vater ist. Und auch jetzt, als Gläubiger, trägt er mich weiterhin. Wenn ich schwach bin, wenn ich falle – selbst jetzt gibt er mich nicht auf. Wenn ich an diese Liebe denke, kann ich auch andere ertragen. Wenn ich in dieser Gnade lebe, kann ich sanft reagieren. So habe ich erkannt: Liebe ist nicht meine eigene Leistung, sondern ein Leben in der Liebe Jesu.
Herr, ich bekenne, dass ich oft versucht habe, aus eigener Kraft zu lieben, statt mich auf deine Liebe zu stützen. Meine Liebe hat Grenzen. Und wenn ich an diese Grenzen komme, zeigt sich meine sündige Natur. Ich tue Buße dafür. Ich bete, dass ich zuerst in deiner Liebe bleibe und die Frucht der Liebe trage.
Wenn ich in der Liebe Jesu bleibe, beginnt sich mein Leben zu verändern. Meine Haltung gegenüber meinen Kindern verändert sich. Mein Verhalten in Beziehungen verändert sich. Mein Blick auf die Familie und Gemeinde verändert sich. Die entscheidende Frage ist heute nicht: „Wie kann ich mehr lieben?“ Sondern: „Bleibe ich in der Liebe Jesu?“ Denn wahre Liebe entsteht nicht dadurch, dass wir uns mehr anstrengen, sondern dadurch, dass wir in seiner Liebe bleiben. Nur dort wird unser Herz verändert. Nur dort können wir andere wirklich lieben. Darum lasst uns nicht zuerst versuchen, besser zu werden, sondern tiefer in die Liebe Jesu einzutauchen und in seiner Gnade zu bleiben. In dieser Liebe werden wir fähig, geduldig und sanft zu sein, Menschen aufzubauen und eine lebendige, liebevolle Gemeinschaft zu gestalten. Dies ist die wahre Kraft der Liebe – unvergleichlich, ewig und vollkommen.