Fragebogen: 1. Mose 8,1 – 11,26 (Teil 2: Kap. 10-11)

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Gottes Bund mit Noah

„Und ich richte meinen Bund so mit euch auf, dass hinfort nicht mehr alles Fleisch ausgerottet werden soll durch die Wasser der Sintflut und hinfort keine Sintflut mehr kommen soll, die die Erde verderbe.“

(1. Mose 9,11)

Teil 1

  1. Denke darüber nach, was es bedeutet, dass Gott an Noah gedachte (1). Was tat Gott, um die Flut zu beenden (1-5)? Wie brachte die Taube, die Noah ausfliegen ließ, ihm schließlich Hoffnung, dass die Flut vorbei war?
  2. Beachte, wann Noah aus der Arche ging und wie lange er darin gewesen war (13.14). Was tat er, als er herausgegangen war, und was bedeutet das (20)? Was sagte Gott, als er den lieblichen Geruch des Opfers roch, und welche Verheißung gab er über die Erde (21.22)?
  3. Wie segnete Gott Noah und seine Söhne (9,1)? Wie unterscheidet sich die neue Ordnung in den Versen 2 und 3 von der ursprünglichen Schöpfungs­ordnung in 1,28?
  4. Wie lehrte Gott die Menschen den Wert menschlichen Lebens (4-6.11-13)? Welchen Bund schloss Gott mit Noah und seinen Nachkommen? Was lehrt uns der Regenbogen über Gott?
  5. Was verrät Hams Verhalten seinem Vater gegenüber (20-22)? Was lehrt der Fluch über Kanaan über die Bedeutung der geistlichen Ordnung in der Familie? Inwiefern wurde dadurch das Schicksal der Völker vorausgesagt, die von Kanaan abstammten (vgl. 3.Mose 18,2.3; Ri 1,30; Jos 9,27; 16,10)?

    Teil 2

  6. Worum geht es in Kapitel 10? Beachte die wiederholten Worte in den Versen 5.20.31.32. In welcher Beziehung steht das Kapitel zum Turmbau von Babel?
  7. Betrachte Kapitel 11. Warum missfiel es Gott, dass die Menschen den Turm zu Babel bauten? Wie ging Gott mit diesem Problem um? Was lehrt dieses Ereignis über die Menschen? Und über Gott?

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Predigt: 1. Mose 8,1 – 11,26 (Teil 1: Kap. 8-9)

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Gottes Gnade an allen Lebewesen

Da gedachte Gott an Noah und an alles wilde Getier und an alles Vieh, das mit ihm in der Arche war; und Gott ließ Wind auf Erden kommen, und die Wasser fielen

(1.Mose 8,1)

Letzte Woche hat sich unsere Gemeinde mit dem Gericht der Sintflut beschäftigt. Es ist sehr bemerkenswert, wie die Bibel dieses Gericht beschreibt.

1. Mo 6,7: Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis hin zum Vieh und bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln unter dem Himmel
1. Mo 6,13: Das Ende allen Fleisches ist bei mir beschlossen, denn die Erde ist voller Frevel von ihnen; und siehe, ich will sie verderben mit der Erde.
1. Mo 6,17: Denn siehe, ich will eine Sintflut kommen lassen auf Erden, zu verderben alles Fleisch, darin Odem des Lebens ist, unter dem Himmel. Alles, was auf Erden ist, soll untergehen.
1. Mo 7,4: Denn von heute an in sieben Tagen will ich regnen lassen auf Erden vierzig Tage und vierzig Nächte und vertilgen von dem Erdboden alles Lebendige, das ich gemacht habe.
1. Mo 7,16: Und der HERR schloss hinter ihm zu. (Das bedeutet so viel wie: „Jetzt ist Schluss“)
1. Mo 7,21-23: Da ging alles Fleisch unter, das sich auf Erden regte, an Vögeln, an Vieh, an wildem Getier und an allem, was da wimmelte auf Erden, und alle Menschen. Alles, was Odem des Lebens hatte auf dem Trockenen, das starb. So vertilgte er alles, was auf dem Erdboden war, vom Menschen an bis hin zum Vieh und zum Gewürm und zu den Vögeln unter dem Himmel. Sie wurden von der Erde vertilgt.

Wer beim Lesen von 1. Mo 6 + 7 Gänsehaut bekommt, hat diese beiden Kapitel ziemlich gut verstanden. Denn sämtliche Verse machen die Schärfe des Gerichts Gottes deutlich. Sie zeigen, wie radikal Gottes Gericht ist. Eltern und Lehrer ziehen oft die Strafe nicht durch, die sie den Kindern angekündigt haben. Bei Gott aber war es anders. In Kapitel 6 kündigte Gott ein radikales Gericht an, bei dem wohl viele sagen: „Die ganze Menschheit vernichten, das kannst du doch nicht machen?“, aber in Kapitel 7 sehen wir, wie Gott dieses Gericht auch tatsächlich durchzieht. Die Vorstellung von einem lieben Gott, der alles durchgehen lässt, wird in diesen beiden Kapiteln völlig auseinandergenommen. Sie geben einen erschütternden Eindruck davon, wie gefährlich Gott sein kann. Und wer meint: „Ja, das ist doch AT.“, der sei auf diese zwei Verse aus dem NT verwiesen: a) Hebr. 10,29: denn unser Gott ist ein verzehrendes Feuer; b) Hebr. 10,31: Schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. Das, was in Kapitel 6 und 7 beschrieben wird, hat jeder Einzelne von uns aufgrund seiner Sünde verdient. Das ist unsere eigentliche Lage vor Gott. Und warum ist das so wichtig, dass wir das verstehen? Erst wenn wir das verstehen, begreifen wir, wie gewaltig die Gnade Gottes ist, von der der heutige Text in 1. Mo 8 + 9 spricht. Vor dem Hintergrund des schrecklichen Gerichts Gottes leuchtet diese Gnade in besonderer Weise auf. Sie war alles andere als selbstverständlich. Wir wollen uns heute mit dieser Gnade anhand von drei Fragen auseinandersetzen:

Wie rettete Gott Noah?
Wie reagierte Noah auf die Rettung?
Wie segnete Gott Noah?

Teil 1: Gott rettet Noah (V. 1 – 14)

Das Kapitel 7 endete mit erschreckenden Worten des Gerichts. Doch der heutige Text leitet einen Wendepunkt ein. Er beginnt mit den Worten: „Da gedachte Gott an…“. Das sind nicht Worte des Gerichts, sondern der Gnade. Doch was bedeuten die Worte: „Gott gedachte an“ genau? Kann Gott etwa was vergessen? Dass Gott an jemandem gedachte, kommt auch an anderen Stellen der Bibel vor. Zum Beispiel heißt es über Rachel: Gott gedachte aber an Rahel und erhörte sie und machte sie fruchtbar (1.Mo 30,22). Wenn es also heißt: „Gott gedachte an…“, dann bedeutet das: Gott erbarmt sich über jemanden und leitet nun seine Rettung ein. Und so war es auch bei Noah: Inmitten des Gerichts, erbarmte sich Gott über Noah und griff nun rettend ein. Schon in 1. Mo 6,8 hieß es: Noah aber fand Gnade in den Augen des HERRN. Gott erbarmte sich aber nicht nur über Noah und seine Familie. Im Vers 1 heißt es weiter, dass sich Gott auch über alle Tiere, die mit ihm in der Arche waren, erbarmte. In den späteren Versen 12, 15 und 16 (Kapitel 9) wird für die Tiere einfach der Ausdruck: „lebendiges Wesen“ gebraucht. Gott erbarmte sich also nicht nur über den Menschen, sondern über jede Art von Lebewesen. Einst hatte Gott zu Noah gesagt: „Das Ende allen Fleisches ist bei mir beschlossen“. Doch inmitten dieses Gerichts erwies Gott soviel Gnade, dass jede Art von Lebewesen weiter fortbestehen durfte.

In den darauffolgenden Versen sehen wir, dass Gott die Errettung Schritt für Schritt eingeleitet hatte. Gott gab Noah sieben Anzeichen der Errettung. Von dem ersten Anzeichen erfahren wir am Ende von Vers 1 (Kapitel 8). Gott ließ einen Wind über die Erde fahren, um das Wasser auszutrocknen. Im Hebräischen steht für „Wind“ und „Geist“ ein- und dasselbe Wort. Dieser Wind ist eine Anspielung auf den Geist Gottes. Denn diese Situation erinnert an den Beginn der Schöpfungsgeschichte, wo Gottes Geist über die Wassermassen schwebte. Es ist fast so, als ob sich diese Situation wiederholt: Gottes Geist, durch den einst die Welt erschaffen wurde, war sozusagen wieder am Werk. Gottes Geist erweist sich auch nach der Sintflut als der „Ursprung und Quelle allen Lebens“. 1

Das zweite Anzeichen der Rettung war, dass der Zufluss der Wassermassen stoppte, von sowohl oben als auch von unten. Das führte zu einem weiteren Abzug der Wassermassen. Das dritte Anzeichen ist das Aufsetzen der Arche, wovon Vers 4 berichtet. Inzwischen waren die Wassermassen soweit gesunken, dass die Arche sich auf dem Gebirge Ararat absetzen konnte. Das vierte Anzeichen war das Sichtbarwerden der Spitzen von den anderen Bergen. Laut Vers 5 dauerte es etwa 2 ½ Monate, bis das Wasser so weiter abgesunken war, dass nun auch andere Berge zu sehen waren.

Die letzten drei Anzeichen wurden von Noah selbst initiiert. Hiervon berichten die Verse 6 bis 14. Das fünfte Anzeichen war das Ausbleiben des Raben. Es hatte sicherlich seinen Grund, dass Noah zuerst einen Raben und nicht eine Taube losgeschickt hatte. Anders als Tauben haben Raben keine Beziehung zum Menschen. Sie gehören zu den Wildtieren. So kam der Rabe auch dann nicht zurück, als er auf dem Wasser keinen Ruheplatz gefunden hatte. Da sich Raben auch von Fleisch ernähren, konnte er sich vom Aas und Leichen ernähren. An dem Ausbleiben des Raben konnte Noah also erkennen, dass das Wasser zumindest soweit zurückgegangen war, dass der Rabe es nicht nötig hatte, zurückzukehren. Insofern war das Ausbleiben des Raben ein gutes Zeichen. So weit so gut. Aber war das Wasser auch soweit zurückgegangen, dass die Erdoberfläche wieder zu sehen war? Das wollte Noah offenbar als Nächstes herausfinden. Um das herauszufinden, war eine Taube geeigneter als ein Rabe. Denn eine Taube würde nur dann ausbleiben, wenn sie auf der Erde einen Ruheort finden würde. Und so war es auch. Die Taube kehrte zurück. Nach sieben Tagen schickte Noah die Taube noch einmal los. Beim zweiten Ausfliegen kehrte die Taube zwar auch wieder zurück, brachte aber etwas mit, ein frisches Olivenblatt. Das frische Olivenblatt zeugte von neuen Pflanzen. Die Erde war sozusagen aus ihrem Wassergrab erstanden. Die Taube mit dem frischen Olivenblatt war das sechste Anzeichen der Rettung. Das letzte und siebte Anzeichen der Rettung war das Ausbleiben der Taube. Das war ein eindeutiges Zeichen dafür, dass sich das Wasser auf der Erdoberfläche vertrocknet war.

Als das siebte und letzte Anzeichen geschah, öffnete Noah das Dach der Arche. Was dann Noah zu sehen bekam, war einerseits zu erwarten und andererseits aber doch alles andere als selbstverständlich. Am Ende von Vers 13 heißt es: und siehe, die Fläche des Erdbodens war trocken. Und siehe – mit diesen Worten drückt der Verfasser Bewunderung aus. Noch vor Kurzem war es undenkbar gewesen, dass die Erde jemals wieder trocken sein würde. Doch nun tatsächlich eine trockene Erde vor Augen zu haben, war ein reiner Anblick der Gnade Gottes. Gott hatte seine Versprechen an Noah gehalten. Er erwies sich als treu und zuverlässig.

Bemerkenswert ist, dass Noah nicht sogleich die Arche verließ. Durch einen Vergleich der Zeitangaben zwischen Vers 13 und Vers 14 wird deutlich, dass Noah tatsächlich noch fast zwei Monate in der Arche blieb. Erst als Noah in den Versen 15 – 17 den Befehl von Gott bekam, verließ Noah die Arche. Die neue Erde wurde also nicht aus menschlicher Eigenmächtigkeit heraus in Beschlag genommen, sondern es war Gott, der die Erde wieder freigab, und zwar aus seiner souveränen Gnade heraus. In seinem Wort an Noah erwähnt Gott jede einzelne Gruppe der Erretteten, sowohl beim Menschen als auch beim Tier. Gott erwies explizit jedem Lebewesen Gnade.

Wie reagierte Noah auf die Gnade der Errettung? Lasst uns das im zweiten Teil der Predigt betrachten.

Teil 2: Noahs Opfer (V. 20)

Was tat Noah, als er aus der Arche ging? Im Vers 20 erfahren wir, dass Noah Gott einen Altar baute und darauf Opfer darbrachte. Es waren nicht irgendwelche Tiere, sondern reine Tiere und zwar von jeder Art. Noah opferte Gott also das Wertvollste und Kostbarste. Weiter heißt es, dass er diese Tiere als Brandopfer darbrachte. Solche Brandopfer waren immer Ganzopfer. Das heißt Noah verbrannte diese Tiere vollständig. In seinem Opfer brachte Noah Gott Anbetung und Hingabe entgegen. Warum verhielt sich Noah so? Einfach gesagt, Noah war dankbar. Noah war dankbar für die Gnade der Errettung. Warum? Noah hatte die Radikalität und die Schärfe des Gerichts Gottes erfahren. Gott hatte nahezu restlos die ganze Menschheit ausgerottet. Dass Gott überhaupt irgendein Lebewesen übrigließ, war alles andere als selbstverständlich. Der Grund, warum Noah und seine Familie verschont wurden, war Gnade. Denn sonst würde es ja nicht heißen: Noah aber fand Gnade in den Augen des HERRN (1. Mo 6,8). Noah war sich dessen bewusst. Aus diesem Grund opferte er von jedem reinen Tier ein Exemplar. Dadurch brachte er seinen Dank für jedes erhaltene Leben zum Ausdruck. Noah hatte verstanden, was Gottes Gnade ist: total unverdient und alles andere als selbstverständlich. Seinen tiefen Respekt gegenüber Gott brachte Noah auch schon dadurch zum Ausdruck, dass er fast zwei Monate in der Arche blieb, obwohl das Wasser schon längst verschwunden war.

Wie war das Opfer von Noah in Gottes Augen? Im Vers 21 erfahren wir, dass das Opfer für Gott einen lieblichen Geruch hatte. „Lieblicher Geruch“ ist ein bildhafter Ausdruck dafür, dass das Opfer von Noah für Gott sehr angenehm war. Und warum war es für Gott sehr angenehm? In Psalm 50,23 heißt es: Wer Dank opfert, der preiset mich…. Was das Opfer für Gott so lieblich machte, war der Beweggrund, aus dem das Opfer geschah. Es geschah aus tiefster Dankbarkeit gegenüber Gottes Gnade. Solche Opfer preisen Gott bzw. verherrlichen Gott. Dass Opfer nicht gleich Opfer sind, haben wir ja schon in der Geschichte von Kain gesehen. Opfer können auch aus anderen Motiven wie Pflichtgefühl, Angst, schlechtes Gewissen, Religiosität usw. geschehen. In der Geschichte von Israel wurden auch Opfer aus falschen Motiven dargebracht. Gott widerten diese Opfer an, dass er einst sagte: Ich hasse, ich verachte eure Feste und mag eure Festversammlungen nicht riechen! 22 Wenn ihr mir auch euer Brandopfer und Speisopfer darbringt, so habe ich doch kein Wohlgefallen daran. Gott mag nur solche Opfer riechen, die aus Dankbarkeit gegenüber seiner Gnade der Errettung geschehen.

Als Noah Gott das liebliche Opfer darbrachte, segnete Gott Noah reichlich. Was diesen Segen im Einzelnen ausmachte, wollen wir im dritten Teil der Predigt betrachten.

Teil 3: Gott segnet Noah (V. 8,21-9,17)

Betrachten wir Vers 21. Infolge des Opfers von Noah nahm sich Gott etwas vor. Solange die Erde bestehen sollte, wollte Gott keine globale Vernichtung mehr schicken. Mit der Sintflut hatte Gott Naturgesetze auf den Kopf gestellt. Doch im Vers 23 versprach Gott, dass die Perioden innerhalb eines Jahres und eines Tages solange bestehen bleiben, bis es die Erde gibt. Gott versprach hier also, die Schöpfungsordnungen nicht noch einmal grundsätzlich zu verändern. Die Schöpfungsordnungen braucht der Mensch zum Leben. Sowohl der Wechsel von Winter und Sommer als auch der Wechsel von Tag und Nacht sind Faktoren, die das Leben des Menschen begünstigen und erhalten. Zum Beispiel bestimmt der Wechsel von Winter und Sommer die Zeiten von Saat und Ernte.

Nach der Sintflut leitete Gott eine neue Epoche ein. Im Römerbrief bezeichnet Paulus diese Zeit als die Zeit der Geduld Gottes (Röm 3,26). Es ist eine Zeit, in der Gott Sünden ungerichtet lässt. Das Problem der Sünde konnte durch die Sintflut nicht gelöst werden. Vor der Flut hieß es: „Jeder Gedanke des Herzens war nur böse den ganzen Tag“ (1. Mo 6,5). Und nach der Flut stellte Gott fest: „das menschliche Herz ist böse von Jugend auf.“ (1. Mo 8,21). Das Schöne ist aber, dass Gott bald danach – mit der Berufung von Abraham- die Erlösungsgeschichte beginnt. Während er über das sündhafte Treiben der Völker hinwegsah, wählte sich Gott ein Volk aus, aus dem der Erlöser schließlich kommen sollte.

Infolge des Opfers fing Gott an Noah und die mit ihm Überlebenden zu segnen. Wie sehr Gott sie segnete sehen wir auch in Kapitel 9. Im Vers 1 erfahren wir, dass Gott seinen Schöpfungssegen erneut ausspricht. Mit dem Segen der Fruchtbarkeit und Vermehrung hat sich das Leben der Menschen über Generationen hinweg bis heute fortgesetzt und sich auf der ganzen Welt ausgebreitet. Kaum ein Fleck von der Welt ist unberührt. Anstatt die Erde erneut zu vernichten, segnete Gott die Menschen mit dem Erhalt des Lebens.

In den Versen 2 bis 6 gab Gott Regeln für das Leben des Menschen auf der neuen Erde. Die Menschen durften nun auch Fleisch essen, allerdings ohne Blut, weil das Blut das Leben repräsentiert. Gott verbot es strikt, Menschen zu töten. Gott verordnete die Todesstrafe für jedes Tier und für jeden Menschen, der einen anderen Menschen ermordet hat. Wie ernst es Gott damit meint, zeigt sich darin, dass er die Einforderung der Todesstrafe im Vers 6 wiederholt. Diese Regeln, die Gott hier gibt, haben mit dem Segen der Fruchtbarkeit eins gemeinsam: Beide bejahen und schützen das Leben, insbesondere das Leben des Menschen. Im Anschluss an diese Regeln, im Vers 7, spricht Gott den Segen der Fruchtbarkeit und Vermehrung erneut aus. Das zeigt, dass die Regeln in dem Segen eingebettet sind. Sie sind ein Teil des Segens, das das Leben des Menschen erhalten will und bejaht.

In den darauffolgenden Versen 8 bis 17 setzt Gott mit dem Segnen fort. Gott schloss einen Bund. Dabei wird ausdrücklich betont, dass dieser Bund allen Menschen, ja sogar allen Tieren gilt. Einfach gesagt, galt dieser Bund allem Leben auf dieser Erde. Dass Gott mit der gefallenen Schöpfung einen Bund schloss, war alles andere als selbstverständlich. Noch vor Kurzem, bei der Sintflut, war Gott der Schöpfung gegenüber als Vernichter aufgetreten. Nach der Sintflut hatte ja die Boshaftigkeit des Menschen nicht aufgehört. Daher wäre es zu erwarten gewesen, dass Gott der Schöpfung gegenüber auch weiterhin als Vernichter auftritt. Doch mit dem Bund machte Gott eins ganz klar: Nicht mehr als Vernichter wollte Er zur Schöpfung stehen, sondern als Verbündeter, also als einer, der ihr wohlgesonnen ist. Und eben das, war vor dem Hintergrund der Sintflut, alles andere als selbstverständlich. Es war geradezu revolutionär.

Die Herrlichkeit dieses Bundes leuchtet umso mehr auf, wenn wir daran denken, dass dieser Bund ein bedingungsloser Bund gewesen ist. Es war nicht so wie im mosaischen, wo die Erfüllung der Verheißungen davon abhing, ob man das Gesetz einhält oder nicht. In diesem Bund verpflichtete sich Gott ohne jegliche Bedingungen an die Lebewesen dazu, die Erde als Ganzes zu erhalten, solange es sie geben soll. Erst am Ende der Zeit, wo Gott einen neuen Himmel und Erde schaffen wird, wird Gott die Erde vernichten. Aber auch dann wird das nicht durch Wasser geschehen, sondern durch Feuer. Davon berichtet 2. Petr 3. „Trotz der Katastrophen, die täglich auf allen Erdteilen über Menschen hereinbrechen, stehen Mensch und Tier unter dem Segen und der Verheißung Gottes. Keine Katastrophe und keine Massenvernichtung kann diesen Segen aufheben“2.

Die Verse 12 und 13 berichten davon, dass Gott den Regenbogen zum Zeichen des Bundes setzte. Ein Regenbogen kann ja erst dann entstehen, wenn der schlimmste Regen vorbei ist und der Himmel allmählich wieder von der Sonne beherrscht wird. Auf diese Weise kündigt das Erscheinen des Regenbogens immer wieder aufs Neue an, dass sich die Sintflut nicht noch einmal wiederholen wird. Der Regenbogen macht Gottes Verheißung des Bundes anschaubar. Aber nicht allein das. Der Regenbogen war mehr als nur ein Symbol. Im Vers 16 versichert Gott, dass Er jedes Mal, wenn der Regenbogen erscheint, den Regenbogen ansehen möchte. Das Ansehen des Regenbogens wird Gott daran denken lassen, was er in seinem Bund versprochen hat. Dem ersten Eindruck nach hört sich das so an, als ob der Regenbogen eine Art Erinnerungshilfe für Gott ist. Aber so ist das nicht gemeint. Gott braucht keine Erinnerungshilfe. Gott sagte das nicht um seinetwillen, sondern um unsertwillen: Jedes Mal, wenn der Regenbogen am Himmel erscheint, darf der Mensch wissen: „Der Regenbogen bleibt von Gott nicht unbeachtet. Gott schaut ihn gerade an. Gerade jetzt denkt Gott an sein Versprechen, die Erde nicht durch eine Sintflut auszulöschen.“ Das gibt dem Menschen eine Gewissheit, dass Gott sein Versprechen mit Sicherheit einhalten wird. Der Regenbogen dient somit auch als Unterpfand des Friedensbundes Gottes mit der Menschheit3. Da Gott sein Versprechen des Bundes bis heute eingehalten hat, ist der Regenbogen auch ein Zeichen der Bewahrung und Treue Gottes und damit auch ein Zeichen des Trostes.

Infolge des Opfers von Noah strömte der Kreatur ein großer Segen zu. Dieses Opfer ist ein Bild für das Opfer Christi. Christus ist das Opfer, das für Gott einen lieblichen Geruch hatte. Kein anderes Opfer hatte für Gott einen solchen lieblichen Geruch wie das Opfer Jesu Christi. Das Problem der Sünde konnte durch die Sintflut nicht gelöst werden. Christus ist aber das liebliche Opfer, dass das Sündenproblem lösen konnte. Er ist das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt (Joh 1,29). Das Opfer der reinen Tiere stehen für ihn. Er ist der Reine, der für die Unreinen geopfert wurde. Christus ist das Brandopfer, das sich für Gott voll und ganz hingab. Christus ist das Opfer, das der Schöpfung einen großen Segen erbrachte. Die sieben Zeichen der Rettung, die Noah erfuhr, sind ein Bild für die vollständige Rettung, die Gläubige in Christus haben. Der Bund mit Noah ist ein Vorschatten auf den Neuen Bund. Dank dieses Bundes begegnet Gott den Gläubigen nicht mehr als Vernichter und Richter, sondern als Geber des Lebens. Dank dieses Bundes stehen Gläubige nicht mehr in Feindschaft mit Gott, sondern haben Frieden mit Gott. In diesem Bund versichert Gott den Gläubigen nicht nur die Bewahrung vor einer erneuten Sintflut, sondern vor dem zukünftigen ewigen Gericht Gottes. Es verheißt nicht nur den Erhalt des Lebens auf dieser Welt, sondern das Ewige Leben. Der Neue Bund ist ebenfalls nicht an Bedingungen der Gläubigen gebunden, sondern in dem Blut Christi begründet.

Wie reagieren wir auf diese Gnade? Wer die Gnade Gottes im Herzen verstanden hat, reagiert auf die Gnade Gottes wie Noah: Man bekommt dann einfach den Wunsch, Gott Opfer zu bringen. Dieser Wunsch kommt aus der Dankbarkeit gegenüber Gottes Gnade. In Psalm 50,14 heißt es: „Opfere Gott Dank“ und ein paar Verse weiter heißt es: Wer Dank opfert, der preiset mich da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes4 (V.23). Was sind die Opfer des Dankes in deinem und meinem Leben? Gibt es in deinem und meinem Leben Opfer des Dankes? Wenn die Opfer des Dankes in unserem Leben ausbleiben, müssen wir uns fragen, ob wir die Gnade Gottes noch richtig verstehen. Folgende Fragen können helfen, um das festzustellen:

1. Was ist die Gnade Gottes in meinen Augen? Ist sie etwas, was mich noch in Erstaunen versetzt, oder etwas Selbstverständliches geworden? Das radikale Gericht der Sintflut lehrt uns, dass Gottes Gnade alles andere als selbstverständlich ist.

2. Wie bitte ich Gott? Auch an der Art und Weise, wie man Gott um etwas bittet, kann man erkennen, wie sehr man Gottes Gnade verstanden hat. Manche stellen an Gott Ansprüche, als ob Gott einem das geben müsse, worum sie bitten. Wer aber so bittet, hat nicht verstanden oder vergessen, was Gnade ist. Das radikale Gericht der Sintflut lehrt uns: Das Einzige, was wir verdient haben, ist das Gericht Gottes. Alles darüber hinaus ist Gnade. In Klgl 3,22 heißt es: Die Güte des HERRN ist’s, dass wir nicht gar aus sind. Wir haben überhaupt kein Recht, Gott irgendwelche Ansprüche zu stellen5. Wer Gott gegenüber mürrisch auftritt, weil die Lebensumstände nicht so sind, wie er sich das vorstellt, hat noch nicht verstanden oder vergessen, was Gnade ist. So einer ist unfähig, jemals Opfer des Dankes zu bringen.

3. Was ist mir mehr bewusst: Das, was Gott für mich getan hat, oder das, was ich für Gott getan habe? Wer seine Taten mehr sieht als dass, was Gott für ihn getan hat, hat keinen Wunsch, Gott zu danken. Vielmehr sieht er Gott schuldig darin, ihn zu belohnen.

Ich möchte mit dem Beispiel eines Mannes abschließen, der die Gnade Gottes in seinem Leben im Herzen tief verstanden hatte. Es ist das Beispiel des Missionars David Livingstone:

Im Jahre 1840 ging David Livingstone im Dienste der Londoner Missionsgesellschaft nach Afrika. In Afrika hatten er und seine Familie ein karges und gefährliches Leben gehabt. Seine Familie hatte manchmal nichts anderes zu essen außer Heuschrecken, Raupen und Fröschen. Einmal wurde Livingstone von einem Löwen angegriffen und sein linker Arm wurde zerschmettert und ist nie richtig geheilt. Seine Frau hatte in Afrika ihre Gesundheit ruiniert, und sie musste deshalb das Land verlassen. Seine Frau starb – getrennt von ihrem Mann – in Armut, als sie nur 42 Jahre alt war. Auch einen Sohn hatte Livingstone in Afrika verloren. Livingstone wurde immer wieder von Hitze, Krankheit, vergifteten Wunden, Hunger, Durst und feindlichen Angriffen geplagt. Er war der erste – und vielleicht einzige Europäer – der Afrika zu Fuß durchquerte, vom atlantischen bis zum indischen Ozean. Er hat Sklavenhandel bekämpft und hat dabei eine Niederlage nach der anderen erlitten.

Einmal wurde Livingstone gefragt, wie viel Opfer sein Leben als Missionar in Afrika gekostet hatte. Livingstone reagierte, als ob er die Frage nicht verstanden hatte. Er erwiderte: „Opfer? Ich habe in meinem ganzen Leben kein Opfer gebracht.“ Und er erläuterte, wie er das meinte: „Kann man von Opfer sprechen, wenn wir so viel von Gott geschenkt bekommen haben, das wir nie vergelten könnten? (…) Dinge wie Angst, Krankheit, Leiden, Gefahr und ein unbequemes Leben sind wie nichts im Vergleich zu der Herrlichkeit, die später an uns und durch uns offenbart wird. Ich habe nie ein Opfer gebracht. Das einzige Opfer, von dem man sprechen sollte, ist das große Opfer dessen, der den himmlischen Thron seines Vaters verlassen hatte, um sich für uns hinzugeben.“

____________

1 BRÄUMER, H.: Das erste Buch Mose. Erklärt von Hansjörg Bräumer, S. 178. SCM R. Brockhaus.

2 ebd., S. 193.

3 ebd., S. 192

4 Dieser Vers macht deutlich, dass für mürrische und unzufriedene Menschen Dank die beste Hilfe ist. Gerade dadurch werden sie das „Heil Gottes sehen“ – dies in zweierlei Hinsichten:

   1. Dankbarkeit öffnet ihre Augen dafür, dass sie Gottes gütiges Handeln in ihrem Leben erkennen;

   2. Dankbarkeit bewirkt, dass der Mensch demütig vor Gott tritt. Gerade solchen Menschen kann Gott Gnade geben, dem Hochmütigen aber widersteht Gott (Jak 1,5; Mk. 7,27-29).

5 Bitte nicht falsch verstehen: Man darf und soll zwar Gott kühn bitten. Dies soll aber aus dem Vertrauen an seine Güte geschehen, nicht aufgrund der Beanspruchung eines vermeintlichen Rechts vor Gott)

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Fragebogen: 1. Mose 8,1 – 11,26 (Teil 1: Kap. 8-9)

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Gottes Bund mit Noah

„Und ich richte meinen Bund so mit euch auf, dass hinfort nicht mehr alles Fleisch ausgerottet werden soll durch die Wasser der Sintflut und hinfort keine Sintflut mehr kommen soll, die die Erde verderbe.“

(1. Mose 9,11)

Teil 1

  1. Denke darüber nach, was es bedeutet, dass Gott an Noah gedachte (1). Was tat Gott, um die Flut zu beenden (1-5)? Wie brachte die Taube, die Noah ausfliegen ließ, ihm schließlich Hoffnung, dass die Flut vorbei war?
  2. Beachte, wann Noah aus der Arche ging und wie lange er darin gewesen war (13.14). Was tat er, als er herausgegangen war, und was bedeutet das (20)? Was sagte Gott, als er den lieblichen Geruch des Opfers roch, und welche Verheißung gab er über die Erde (21.22)?
  3. Wie segnete Gott Noah und seine Söhne (9,1)? Wie unterscheidet sich die neue Ordnung in den Versen 2 und 3 von der ursprünglichen Schöpfungs­ordnung in 1,28?
  4. Wie lehrte Gott die Menschen den Wert menschlichen Lebens (4-6.11-13)? Welchen Bund schloss Gott mit Noah und seinen Nachkommen? Was lehrt uns der Regenbogen über Gott?
  5. Was verrät Hams Verhalten seinem Vater gegenüber (20-22)? Was lehrt der Fluch über Kanaan über die Bedeutung der geistlichen Ordnung in der Familie? Inwiefern wurde dadurch das Schicksal der Völker vorausgesagt, die von Kanaan abstammten (vgl. 3.Mose 18,2.3; Ri 1,30; Jos 9,27; 16,10)?

    Teil 2

  6. Worum geht es in Kapitel 10? Beachte die wiederholten Worte in den Versen 5.20.31.32. In welcher Beziehung steht das Kapitel zum Turmbau von Babel?
  7. Betrachte Kapitel 11. Warum missfiel es Gott, dass die Menschen den Turm zu Babel bauten? Wie ging Gott mit diesem Problem um? Was lehrt dieses Ereignis über die Menschen? Und über Gott?

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Predigt: 1. Mose 6,1 – 7,24

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Gottes Gericht und Rettung

„Dies ist die Geschichte von Noahs Geschlecht. Noah war ein frommer Mann und ohne Tadel zu seinen Zeiten. Er wandelte mit Gott.“

(1. Mose 6,9)

Nach dem Bericht über die Schöpfung und das Paradies haben wir in der Genesis erfahren, wie die Sünde in die Welt kam und sich ausgebreitet hat. Im heutigen Text erfahren wir, wie die ganze Menschheit von der Sünde ergriffen und derart beherrscht wurde, dass es für die Menschheit keinen Ausweg mehr gab und Gott sie durch eine Flut richten musste. Der Bericht über die Sintflut schildert das tragischste Ereignis und den negativen Höhepunkt des ganzen Alten Testaments. Wir erfahren aber auch, wie Gott inmitten des Gerichts einen Mann und seine Familie errettete und dadurch die Menschheit und die Tierwelt erhielt. Wir wollen den Text mit drei Fragen betrachten: Wie konnte es so weit kommen, dass Gottes Gericht unausweichlich wurde? Wer war Noah und wie wurde er mit seiner Familie gerettet? Welche Bedeutung hat dieser Text für uns heute?

1. Wie konnte es so weit kommen?

Der erste Abschnitt von Kap. 6 (Verse 1-4) ist der einzige in unserem Text, der uns bei dieser Frage weiterhelfen kann. Er ist eine Art Brücke zwischen den Stammbäumen in den Kapiteln 4 und 5 und dem Bericht ab Kap. 6,5 über die völlige Verdorbenheit und Bosheit der Menschen, die zu Gottes Entschluss zur Sintflut geführt haben. In den Versen 1-2 heißt es: „Als aber die Menschen sich zu mehren begannen auf Erden und ihnen Töchter geboren wurden, da sahen die Gottessöhne, wie schön die Töchter der Menschen waren, und nahmen sich zu Frauen, welche sie wollten.“ Diese Stelle ist nicht ganz einfach, weshalb es auch verschiedene Auslegungen dazu gibt. Das hebräische Wort für Gottessöhne heißt „nefilim“ und steht nicht nur für leibliche Söhne, sondern auch allgemeiner für ein Verhältnis der Unterordnung. Es wird auch im Buch Hiob Kap. 1 verwendet für Engelsfürsten, die zur Umgebung Gottes gehören wie zu einem König sein Gefolge. Manche Ausleger meinen, dass im Vers 2 mit „Gottessöhne“ tatsächlich Engel gemeint sind, die in Menschengestalt auf die Erde kamen und sich mit schönen Frauen körperlich verbunden haben. Gegen diese Auslegung spricht, dass Gott daraufhin im Vers 3 sagt, dass sein Geist nicht immerdar im Menschen bleiben soll, weil der Mensch Fleisch ist, und dass Gott als Reaktion auf diese Entwicklung die Lebenszeit der Menschen auf 120 Jahre reduziert hat. Gott redet hier nur von den Menschen, nicht den Engeln. Überhaupt: wenn wir diesen Abschnitt als eine Art Erklärung verstehen, wie es dazu kam, dass Gottes Gericht über die Menschheit unvermeidbar wurde, hätten wir ein Problem, die Gerechtigkeit Gottes zu erklären, wenn die Verursacher hauptsächlich Engel gewesen wären. Außerdem sagte Jesus im Markus­evangelium, dass wenn die Toten auferstehen, sie weder heiraten noch sich heiraten lassen, sondern „sie sind wie die Engel im Himmel“ (Mk 10,25). Damit deutet Jesus an, dass die Engel keine körperliche Verbindung miteinander eingehen, dann wohl auch erst recht nicht mit Menschen.

Die andere häufig vertretene Erklärung dieser Stelle ergibt sich aus dem direkten Kontext und ist viel plausibler. Denn vor diesen Versen werden in Kap. 5 die Nachkommen Sets beschrieben, bei denen wir mehrere Spuren von Frömmigkeit finden: nach der Geburt von Sets Sohn heißt es, dass man anfing, den Namen des Herrn anzurufen (4,26); später wird Henochs Wandel mit Gott beschrieben (5,22-24) und schließlich Lamechs Hoffnung auf einen Erlöser nach der Geburt von Noah (5,29). Daher nennt man diesen Stammbaum auch die „fromme Linie“. Davor werden in Kap. 4 ab Vers 17 die Nachkommen von Kain aufgeführt, bei denen gewisse Errungenschaften in Handwerk und Kultur erwähnt werden, aber nichts von Frömmigkeit. Daher ist es plausibel, dass sich die „Gottessöhne“ im Vers 2 auf die fromme Nachkommenschaft von Set beziehen, und die „Töchter der Menschen“ auf die ungläubige Nachkommenschaft von Kain. So verstanden besagen die Verse 1 und 2, dass das Verderben der ganzen Menschheit anfing, als die Männer aus der Nachkommenschaft Sets nicht mehr nach geistlichen Kriterien heirateten, sondern nur noch darauf sahen, wie schön die Frauen waren, und einfach schöne Frauen aus der Nachkommenschaft Kains heirateten, die ihnen gefielen. Das klingt aus heutiger Sicht erschreckend normal. Äußerlich war das Ergebnis auch beeindruckend, weil aus diesen Beziehungen besonders große Menschen hervorgingen, die als „Riesen“ und als Helden der Vorzeit bezeichnet werden. Aber geistlich gesehen war es ein Drama. Die so entstehenden Familien verloren ihre geistliche Grundlage und Inhalt. Ihre Kinder wurden nicht mehr zum Glauben herangeführt und hatten keine geistlichen Werte und Lebensweise mehr. Gott musste tief bekümmert feststellen, dass der Mensch nur noch „Fleisch“ ist. Das bedeutet, dass der Mensch nicht mehr nach Gottes Ehre und seinem heiligen Willen trachtete, sondern nur noch für die Erfüllung seiner menschlichen Wünsche und Bedürfnisse lebte. Als nach und nach alle Männer aus der frommen Linie Sets ungläubige Frauen heirateten, starb die Frömmigkeit aus. Dann war der geistliche und moralische Verfall der Gesellschaft nicht mehr aufzuhalten.

Verse 5 und 6 sagen: „Als aber der Herr sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar, da reute es den Herrn, das er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen“. Als es fast keine gläubigen Menschen mehr gab, wurden die Menschen nicht nur im Durchschnitt ein bisschen schlechter als früher, sondern durch und durch böse. Das war nicht nur ein Problem äußeren Verhaltens. Gott stellte fest, dass alles Denken und Streben in ihrem Herzen nur noch böse war, und zwar immer. Als ihr Innerstes verdorben war, waren natürlich auch ihre Taten böse. Die Verse 11 und 12 sagen: „Aber die Erde war verderbt vor Gott und voller Frevel. Da sah Gott auf die Erde, und siehe, sie war verderbt; denn alles Fleisch hatte seinen Weg verderbt auf Erden.“ Hier wiederholt sich das Wort „verderbt“ dreimal. Frevel sind absichtliche Verstöße gegen von Gott gegebene Ordnungen, insbesondere schwere Gewalttaten. In anderen Übersetzungen wird Frevel mit „Gewalttat“ (Elberfelder; KJV) übersetzt. Die Erde war voll von Gewalttaten. Jeder Vergleich erscheint hier unangemessen; aber vielleicht hilft es uns, uns diese Situation zur Zeit Noahs etwas besser vorzustellen, wenn wir an die Gräueltaten der Nationalsozialisten denken. Täglich gab es an allen Orten Gewaltverbrechen wie willkürliche Misshandlungen von Frauen und Kindern, Vergewaltigungen, Raub von Gütern und Menschen, Mord und Totschlag, oft wegen Lappalien. Als Gott das sah, war er in seinem Herzen tief bekümmert. Gott hatte selbst alles perfekt geplant und sehr gut gemacht, insbesondere hatte er den Menschen sehr gut gemacht. Als Gott nun mit ansehen musste, zu was für Wesen die Menschen verkommen waren, war Gott zutiefst bekümmert. Als die Menschen täglich nur noch frevelhafte Taten planten und ausführten, waren sie nur noch wie ein Schatten dessen, was sie hätten sein sollen, schlimmer als wilde Tiere. Als Gott Tag für Tag ihr verdorbenes Wesen und ihre abartigen Taten mit ansehen musste, war er immer tiefer zerknirscht. Schließlich passierte etwas, was eigentlich nicht passieren kann: es reute Gott, dass er die Menschen gemacht hatte (6). Es bekümmerte ihn so sehr, dass er sprach: „Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis hin zum Vieh und bis zu den Vögeln unter dem Himmel; denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe“ (7). Gottes Entscheidung, die Menschen, die er selbst geschaffen hatte, zu vertilgen, mitsamt den Tieren, die gar nichts dafür konnte, zeigt, wie tief Gott in seinem Herzen bekümmert war. Es zeigt, wie tief die Sünde der Menschen Gott in seinem Herzen frustriert. Jede Sünde ist eine Kränkung Gottes und Beleidigung seiner Heiligkeit. Als sich die Menschen so weit auf die Sünde eingelassen hatten, dass sie sich nicht mehr zu Gott bekehren konnten, beschloss Gott, die Menschen zu vertilgen. Als die Menschen durch ihre Sünde Gottes Schöpfungswerk zerstörten und Gottes Schöpfungsziel unwiederbringlich verfehlten, zog Gott die Konsequenz, diese Menschheit zu beenden. Das war der absolute und unfassbare Tiefpunkt der Geschichte.

Aber das war nicht alles! Genau an dieser Stelle kommt in der Bibel ein „Aber“, ein göttliches „Aber“! „Aber Noah fand Gnade vor dem Herrn“ (8). Gott wollte trotz seiner Enttäuschung sein Schöpfungswerk mit den Menschen nicht aufgeben, sondern einen neuen Anfang machen. Gott fand einen einzigen Mann, der dafür geeignet war – Noah.

2. Was für ein Mann war Noah und wieso konnte er errettet werden?

Lesen wir nochmal gemeinsam das Leitwort, Vers 9: „Dies ist die Geschichte von Noahs Geschlecht. Noah war ein frommer Mann und ohne Tadel zu seinen Zeiten. Er wandelte mit Gott.“ Dieser Vers sagt uns, dass Noah ein frommer Mann war, andere Übersetzungen sagen hier „ein gerechter Mann“, und dass er trotz der Verdorbenheit seiner Zeit ohne Tadel war. Dabei macht der Text klar, dass Noah die Rettung von dem Gericht nicht verdient hatte. Das Erste, was wir in Kap. 6 über ihn erfahren, ist, dass Noah „Gnade vor dem Herrn“ fand (8). Die Grundlage von Noahs Rettung war also auch Gottes Gnade. Trotzdem heißt es von Noah, dass er ein gerechter Mann und tadellos war.

Wie konnte Noah Gottes Willen überhaupt erkennen, obwohl er keine Bibel hatte? Wie konnte Noah so sehr nach Gottes Willen leben, obwohl alle um ihn herum hemmungslos nach ihrem sündigen Verlangen lebten? Der Text gibt uns darauf aber keine ausführliche Antwort. Die einzige Antwort, die wir in finden können, steht gegen Ende von Vers 9, wo es heißt: „Er wandelte mit Gott.“ Wandeln bedeutet „gehen“ und beschreibt, dass eine Person allein oder mit jemandem zusammen spazieren geht oder eine bestimmte Strecke geht – oder eben durchs Leben geht. Es ist das gleiche Wort, das in Kap. 5 verwendet wird, wo Henochs Wandel mit Gott beschrieben wird (5,22.24). Henochs Wandel mit Gott gefiel Gott offenbar so gut, dass Henoch eines Tages von Gott entrückt wurde. Noah lebte in einer Zeit, wo der Unglaube gesellschaftlicher Konsens war und jeder hemmungslos lebte, wie er wollte. Noah muss als ein Mensch auch sündige Neigungen gehabt haben und muss für Sünde auch versuchbar gewesen sein. Aber dadurch dass Noah täglich mit Gott wandelte, lebte er in einer persönlichen Beziehung zu Gott, die ihm ermöglichte, ganz anders zu leben. Durch seine tägliche Gemeinschaft mit Gott konnte er jeden Tag seine Beziehung zu Gott erneuern und neu erkennen, was Gott gefällt, und die nötige Motivation und Kraft bekommen, um sein Leben nach Gottes Willen zu führen. Sein Wandel mit Gott muss die anderen Menschen auf Gott hingewiesen und ihr frevelhaftes Leben angeprangert haben. Viele müssen Noah deswegen kritisiert, bedroht und gehasst haben. Noah musste täglich gegen den Strom schwimmen. Aber weil er täglich mit Gott wandelte, konnte er alle Schwierigkeiten und Versuchungen überwinden und sein Leben an Gottes Willen ausrichten. Weil Noah so mit Gott wandelte, konnte er schließlich Gnade vor Gott finden und selbst errettet und von Gott dazu gebraucht werden, die Menschheit und die Tierwelt zu erhalten.

Die Verse 13-21 berichten, wie Gott Noah in sein Vorhaben einweihte und ihn genau anwies, wie der die Arche bauen und sollte. Vers13 sagt: „Da sprach Gott zu Noah: Das Ende alles Fleisches ist bei mir beschlossen, denn die Erde ist voller Frevel von ihnen; und siehe, ich will sie verderben mit der Erde.“ Nur Gott wusste, wie das Gericht kommen würde, aber er offenbarte Noah dieses Geheimnis. Gott eröffnete ihm auch den Weg zur Rettung vor dem Gericht. Gott befahl Noah, einen riesigen Kasten zu bauen, und gab ihm die genaue Länge, Breite und Höhe vor. Die Arche sollte etwa 140 m lang sein und etwa 20.000 t Wasser verdrängen. Gott gab Noah auch Anweisungen über den sicheren Bau mit Pech und über die Ausgestaltung mit Kammern darin, einem Fenster und einer Tür mitten in seiner Seite, weil Gott Noah und seine Familie durch die Arche erretten wollte.

Im Vers 18 sagte Gott: „Aber mit dir will ich meinen Bund aufrichten, und du sollst in die Arche gehen mit deinen Söhnen, mit deiner Frau und mit den Frauen deiner Söhne“ (18). Gott schloss von sich aus einen Bund mit Noah und verkündigte dadurch, dass Noahs Errettung sicher war, weil Gott seinen Bund nie brechen würde. Gott sagte Noah, dass er die Versorgung seiner Familie und der Tiere vorbereiten sollte. Gott wollte durch die Arche Noah und seinen Familie und die gesamte Tierwelt retten.
Wie reagierte Noah auf Gottes Bund? Vers 22 sagt: „Und Noah tat alles, was ihm Gott gebot.“ In Kap. 7,5 lesen wir nochmal: „Und Noah tat alles, was ihm der Herr gebot.“ Der Bau der riesigen Arche muss mindestens Jahrzehnte gedauert haben. Noah musste seine ganze Zeit, Kraft und Geld dafür einsetzten und seine drei Söhne Jahrzehntelang zur Mitarbeit gewinnen. Aber Noah tat alles, was ihm Gott gebot. Noahs Gehorsam war der praktische Ausdruck seines Glaubens, durch den er alle Schwierigkeiten überwand. Noahs Tat des Glaubens ist in die Geschichte Gottes eingegangen. In Hebr 11,7 lesen wir: „Durch den Glauben hat Noah Gott geehrt und die Arche gebaut zur Rettung seines Hauses, als er ein göttliches Wort empfing über das, was man noch nicht sah; durch den Glauben sprach er der Welt das Urteil und hat ererbt die Gerechtigkeit, die durch den Glauben kommt.“.
Während Noah die Arche baute, müssen die Menschen weiter hemmungslos gesündigt haben. Noahs Archebau war wie eine ständige Predigt für sie. Vielleicht wurden manche von Noahs Leben angesprochen und überlegten, ihr Leben zu ändern. Aber die Zeit ging vorbei, sodass schließlich niemand darauf reagierte. Kap. 7,1-6 beschreibt, wie Gott Noah anwies, in die Arche zu gehen mit seiner ganzen Familie und den Tieren. Dann sagte Gott: „Denn von heute an in sieben Tagen will ich regnen lassen auf Erden vierzig Tage und vierzig Nächte und vertilgen von dem Erdboden alles Lebendige, das ich gemacht habe“ (4). An dieser Stelle heißt es zum zweiten Mal: „Und Noah tat alles, was ihm der Herr gebot“ (5).
Die Sintflut kam am siebzehnten Tag des zweiten Monats. An diesem Tag brachen alle Brunnen der großen Tiefe auf und taten sich die Fenster des Himmels auf. Als Noah und die Tiere in die Arche gegangen waren, schloss Gott persönlich hinter ihnen zu. Vers 17 sagt über die Dauer der Sintflut: „Und die Sintflut war vierzig Tage auf Erden, und die Wasser wuchsen und hoben die Arche auf und trugen sie empor über die Erde.“ In den Versen 18-23 wird betont, dass durch die Sintflut alles, was lebte, vernichtet wurde. Denn die Wasser wuchsen über die höchsten Berge und die Flut dauerte 150 Tage. Es war ein beispielloses Gericht, dem niemand entrinnen konnte. Nur Noah und seine Familie wurden gerettet. „Allein Noah blieb übrig und was mit ihm in die Arche war.“ (23)

3. Was bedeutet dieser Text für uns heute?

Zum einen können wir hier Wichtiges über Gott lernen. Gott liebt die Menschen, sodass er sie trotz ihrer Sünde lange erduldet und auf ihre Umkehr zu ihm wartet. Aber das bedeutet nicht, dass Gott an sich Sünde akzeptieren oder zulassen kann. Gott ist wirklich auch heilig und gerecht. Gott konnte die Sünde von Kains Nachkommen erdulden, solange es fromme Menschen in der Nachkommenschaft Sets gab, die zu Gott beteten und einen guten Einfluss ausübten und Hoffnung für die Welt bedeuteten. Aber als sich auch Sets Nachkommen von Gott abwandten und einfach nach ihren eigenen Kriterien heirateten, verloren die Familien ihre geistliche Substanz, die Gottesfurcht starb aus und der geistliche und moralische Verfall der Gesellschaft schritt in erschreckendem Maße voran.

Das zeigt uns zum einen, welche wichtige Rolle wir Gläubigen in der Welt spielen. Vor Gott sind wir das Salz der Erde und das Licht in der Welt und sollen sein Licht leuchten lassen. Gott hat Hoffnung für eine verkehrte Welt, solange es Gläubige gibt, die ernsthaft nach Ihm fragen und zu Ihm beten. Es zeigt auch, wie wichtig es ist, dass unsere jungen Leute und unsere Kinder im Vertrauen auf Gott nach geistlichen Kriterien heiraten, damit ihre Familien einen geistlichen Halt haben und ihre Kinder zum Glauben finden können.

Zum anderen lernen wir, dass wenn Menschen sich konsequent absichtlich nicht mit ihrer Sünde zu Gott wenden, sie irgendwann an einen Punkt kommen, an dem sie nicht mehr von ihrer Sünde umkehren können. Die meisten Menschen heute halten Sünde bewusst oder unbewusst für harmlos, solange sie nur wenig unter ihren Folgen leiden müssen. Viele denken, dass sie zumindest in gewissem Maße oder sogar hemmungslos sündigen könnten, weil sie sich einreden, dass es Gott gar nicht gäbe oder dass „der liebe Gott“ wie ein alter seniler Mann wäre, der seinen Kindern alles nachsieht und ihnen am Ende sowieso seinen Besitz vererbt. Aber das Ereignis der Sintflut zeigt, dass Gottes Gericht nicht nur ein leeres Wort in der Bibel ist, sondern eine Realität, an der kein Mensch vorbeigehen kann. Nächste Woche werden wir in Kap. 8 lesen, dass Gott nach der verheerenden Sintflut den Menschen versprochen hat, die Erde nie wieder durch eine Flut zu richten. Aber die Bibel spricht im Alten und Neuen Testament von einem universalen Gericht am Ende der Zeit.

Aufgrund des weit verbreiteten Fortschrittsglaubens denken viele, dass die Menschen im Laufe der Jahrtausende besser geworden wären. Dieser Gedanke ist zwar für uns schmeichelhaft, aber er ist ein großer Irrtum. Direkt nach der Sintflut, als Noah mit seiner Familie gerade aus der Arche ausgestiegen war, stellte Gott fest, dass das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens von Jugend auf böse ist (8,21). Jesus hat im Markusevangelium klargestellt, dass aus dem Herzen der Menschen lauter sündige Gedanken und Wünsche kommen (Mk 7,20-23). Wenn wir unvoreinge­nommen einen Blick in die Geschichte oder in die aktuellen Nachrichten werfen, können wir das leicht bestätigen (ganz aktuell zum Beispiel, wie der Diktator von Weißrussland Tausende von friedlichen Demonstranten in seinem eigenen Land verhaften und viele von ihnen nieder­knüppeln und auch noch im Gefängnis misshandeln lässt, damit sie aufhören, seine Wiederwahl in Frage zu stellen). Das Schlimme dabei ist, dass wir, obwohl wir das unmöglich finden, im Grunde keine besseren Menschen sind. In Deutschland haben wir bewiesen, dass wir zu sehr viel schlimmeren Ver­brechen in der Lage waren, als wir einen schlimmeren Diktator hatten.
Jesus selbst nahm im Lukasevangelium auf die Tage Noahs Bezug und sagte: „Und wie es geschah in den Tagen Noahs, so wird’s auch sein in den Tagen des Menschensohns: Sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie ließen sich heiraten bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und brachte sie alle um“ (Lk 17,26.27). Mit den Tagen des Menschensohns meint Jesus die Zeit, in der er wiederkommt, um diejenigen zu sich zu holen, die im Vertrauen auf ihn für ihn gelebt haben, und über die, die Gottes Heilsangebot konsequent abgelehnt haben, Gericht zu halten. Jesus sagt an dieser Stelle warnend voraus, dass dann die meisten nicht auf sein Kommen vorbereitet sein werden, so wie auch die Menschen in den Tagen Noahs nicht auf die Sintflut vorbereitet waren Das Problem war nicht, dass sie nichts vom Kommen der Flut wussten. Noah wird von Apostel Petrus im 2. Petrusbrief ein „Prediger der Gerechtigkeit“ genannt. Er hatte den Menschen das Kommen der Sintflut jahrzehntelang gepredigt, vermutlich auch mit dem Mund, aber ganz sicher durch sein Leben und seinen jahrzehntelangen Archebau. In der ganzen Welt muss sich herumgesprochen haben, dass dort ein Mann mitten im trockenen Land ein riesiges Schiff baute, und die Frage aufgeworfen haben, warum er das tat. Es war auch nicht so, dass es für sie keinen Rettungsweg gegeben hätte. Sicher hätten noch weitere Menschen in der Arche Platz finden können. Aber das Problem war, dass sie nicht bereit waren, die Botschaft Gottes zu hören und ernst zu nehmen, sondern lieber in ihrer eigenen Vorstellung bleiben und sich nur mit Dingen in dieser Welt wie essen, trinken und heiraten beschäftigen wollten. Jesus warnt, dass es bei seinem Kommen auch so sein wird.

Aber Jesus hat noch viel mehr als über Gottes Gericht zu sprechen, übere Gottes Liebe zu uns Sündern und über sein ewiges Reich gesprochen. Tatsächlich hat er in vielen Gleichnissen den Tag seiner Wiederkunft beschrieben und die Trennung der Menschen zum Gericht oder zum Himmelreich. Jesus hat klar gemacht, dass niemand sich selbst retten kann. Jesus hat uns aus seiner Gnade erwählt und ezum Glauben an ihn geführt und in seine Nachfolge berufen. Er selbst ist unsere Arche, durch die wir gerettet werden. So wie Noah im Vertrauen auf Gottes Wort sein ganzes Leben dafür einsetzte, die Arche zu bauen, sollen wir uns ganz dafür einsetzen, ganz in Jesus zu bleiben und ihm nachzufolgen. Dabei sollen wir uns klar machen, dass Gott uns viel mehr gegeben hat als Noah. Gott hat Noah eine ausführliche Anweisung und eine Verheißung der Rettung gegeben. Aber in Jesus hat Gott uns sich selbst gegeben. Jesus hat uns Gottes Liebe und Wahrheit vorgelebt und sie sichtbar und erfahrbar gemacht. Er hat in himmlischen Worten die geistliche Realität dieser Welt und der zukünftigen Welt erklärt. Schließlich ist er ans Kreuz gegangen, um für unsere ganze Verderbtheit und Sünde die Strafe mit seinem eigenen Blut zu bezahlen damit wir durch sein Blut das ewige Leben haben. Aus diesem Glauben dürfen und sollen wir täglich leben. DAs entspricht dem Archebau. Das ist auch bei uns nicht nur eine Sache des Herzens. Unser verändertes Leben und unser Mund soll all die Menschen um uns herum auf das kommende Gericht und noch mehr auf Jesu Liebe hinweisen, durch die er das Gericht schon auf sich genommen hat, sodass sie auch zu ihm zu kommen und von ihm gerettet werden und am ewigen Leben mit ihm teilhaben. Wir wissen das und wollen das, aber in der Praxis fehlt uns oft wegen der Alltagsprobleme oder wegen Enttäuschungen und dem Druck der Welt die geistliche Kraft dazu und unser Leben hat kaum Anziehungskraft. Möge Gott uns helfen, wie Noah täglich mit Gott tiefe Gemeinschaft zu haben und mit ihm zu wandeln, sodass wir aus seiner Kraft ein entschiedenes, kräftiges und anziehendes Leben mit ihm führen können. Amen! Lesen wir noch einmal das Leitwort, Vers 9: „Dies ist die Geschichte von Noahs Geschlecht. Noah war ein frommer Mann und ohne Tadel zu seinen Zeiten. Er wandelte mit Gott.“

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