Predigt: Lukas 7,1-10

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Solchen Glauben …

„Da Jesus das hörte, wunderte er sich über ihn und wandte sich um und sprach zu dem Volk, das ihm nachfolgte: Ich sage euch: Solchen Glauben habe ich auch in Israel nicht gefunden.“

(Lukasevangelium 7,9)

In den letzten beiden Wochen haben wir Jesu Predigt auf dem Feld betrachtet, die eine Art Einsetzungspredigt für die zwölf Apostel war. Jesus lehrte darin die neuen Grundsätze des Himmelreichs und dass seine Jünger anderen geben und vergeben und sogar ihre Feinde lieben sollen, und dass wir seine Worte nicht nur hören, sondern auch tun sollen. Wir erfahren nicht, wie die Jünger und die vielen hundert Zuhörer auf Jesu Predigt reagiert haben. Stattdessen berichtet der Verfasser im heutigen Text über einen römischen Hauptmann in Kapernaum, wo Jesus anschließend hinging. Das war in verschiedener Hinsicht bemerkenswert. Denn alle bisher erwähnten Personen waren Juden: der Aussätzige, der Gelähmte, und auch der Zöllner Levi und alle anderen Apostel waren Juden. Aus der Sicht der Juden damals sollte ein römischer Hauptmann als Heide überhaupt nicht erwähnt werden. Aber in Lukas‘ Bericht wird er nicht nur ausführlich erwähnt, sondern wir erfahren, dass Jesus sich über ihn gewundert und ihn für seinen Glauben gelobt hat. Lasst uns heute den Glauben lernen, über den Jesus sich so gewundert und gefreut hat!

Betrachten wir den Text. Nachdem Jesus seine Predigt auf dem Feld für das Volk und die Jünger beendet hatte, ging er nach Kapernaum am See Genezareth. Dort kam es zu der bemerkenswerten Begegnung. Vers 2 sagt: „Ein Hauptmann aber hatte einen Knecht, der ihm lieb und wert war; der lag todkrank.“ Hauptmänner waren römische Offiziere, die sich normalerweise im Krieg bewährt und ihre Tapferkeit bewiesen haben mussten, hartgesottene Männer. Dieser Hauptmann war in der Kleinstadt Kapernaum vermutlich der Stadtkommandant. Als solcher musste er mit seinen Soldaten in der Stadt für Ruhe und Ordnung sorgen und war eine Respektsperson. Aber der Text beschreibt eine andere Seite von ihm. Es heißt von ihm, dass er einen Knecht hatte, der ihm lieb und wert war, anders übersetzt, den er wertschätzte (die NIV sagt hier: „whom his master valued highly“). Wie wir wissen, wurden Sklaven damals nicht als vollwertige Menschen angesehen, sondern als Menschen dritter Klasse, die ihre Aufgaben zu erfüllen hatten und ansonsten nicht beachtet wurden. Was wir hier über den Hauptmann erfahren, war also sehr ungewöhnlich. Er hat seinen Knecht offenbar nicht auf seine Arbeitskraft reduziert, sondern hat ihn wirklich als vollwertigen Menschen angesehen und als solchen schätzen gelernt. Er hatte Interesse an seinem Wohlergehen und sorgte sich um ihn, als er eines Tages krank wurde. Aber der Knecht wurde so krank, dass es für ihn kaum noch Hoffnung gab.

Die Wende kam, als der Hauptmann von Jesus erfuhr. Der Vers 3 sagt: „Da er aber von Jesus hörte, sandte er Älteste der Juden zu ihm und bat ihn, zu kommen und seinen Knecht gesund zu machen.“ Als der Hauptmann von Jesus hörte, der alle Menschen annahm und von ihren Krankheiten heilte, glaubte er an das Gehörte und bezog es auf seinen kranken Knecht. Er muss gedacht haben: „Wenn Jesus alle Arten von Krankheiten heilen kann, dann kann er auch meinen kranken Knecht heilen.“ Wir wollen auf seinen Glauben nachher noch näher eingehen.

Im Vers 3 finden wir noch einen anderen bemerkenswerten Punkt: Der Hauptmann ging nicht selbst zu Jesus, sondern sandte einige Älteste der Juden zu ihm. Offenbar wusste er, dass fromme Juden keinen Kontakt mit Heiden haben durften. Die Tatsache, dass diese jüdischen Ältesten bereit waren, für den Hauptmann zu Jesus zu gehen, zeigt, dass der Hauptmann eine gute Beziehung zu ihnen entwickelt hatte. Das wird noch deutlicher in dem, was sie zu Jesus sagten. Die Verse 4 und 5 sagen: „Als sie aber zu Jesus kamen, baten sie ihn inständig und sprachen: Er ist es wert, dass du ihm dies erfüllst; denn er hat unser Volk lieb, und die Synagoge hat er uns erbaut.“

Wie wir wissen, waren die Juden im Allgemeinen auf die Römer sehr schlecht zu sprechen, weil sie ihr Land besetzten und ihnen hohe Steuersummen abverlangten, um den Luxus des Kaisers in Rom zu finanzieren. Immer wieder gab es Aufstände von Juden gegen die Römer. Aber die Ältesten waren bereit, für den römischen Hauptmann zu Jesus zu gehen und seine Bitte auszurichten; und nicht nur das, sondern sie setzten sich bei Jesus richtig für ihn ein. Ihre Worte zeigen uns, dass der Hauptmann in Kapernaum nicht nur seinen Job gemacht und mit seinen Soldaten irgendwie für Ruhe und Ordnung gesorgt hatte. Er hatte das Volk lieb. Er interessierte sich für die Menschen, für ihre Kultur und für ihre Religion. Sein Interesse an ihnen ging so weit, dass er für sie tatsächlich eine Synagoge bauen ließ, in der sie ihre Gottesdienste abhalten konnten. Er war ein Mann, der Interesse und im Herzen Raum für andere hatte.

Die meisten Menschen interessieren sich am meisten für sich selbst und die Erfüllung ihrer eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Sie betrachten die anderen unter dem Aspekt, ob sie für sie nützlich sind oder nicht, und lassen ihr Verhalten davon bestimmen. Ein kleines Beispiel: In unserer Firma gehen die Kollegen in der Regel freundlich miteinander um. Das ist zwar angenehm, aber auch nicht immer ehrlich und uneigennützig. Im letzten Jahr war ich wegen der Coronaregeln nur selten in der Firma; unabhängig davon gab es manchmal Änderungen in den Zuständigkeiten. Als ich mal einmal wieder in der Firma war, kam eine Kollegin zu mir und sagte: „Hey, schön dich mal wieder zu sehen!“ Nach ein paar weiteren freundlichen Sätzen hielt sie kurz inne und fragte leicht grinsend: „Haben wir eigentlich noch gemeinsame Kunden? Ich muss ja wissen, ob ich zu dir weiter besonders freundlich sein muss oder nicht.“ Das ist nur ein kleines, harmloses Beispiel. Unsere Sicht auf andere Menschen ist oft von eigenen Interessen beeinflusst oder geleitet.
Der Hauptmann war nicht einfach von seinen Aufgaben und seinen Interessen getrieben, sondern er war ein Mensch, der im Herzen viel Raum für andere hatte. Deshalb konnte er seinen Knecht als Mensch kennen und wertschätzen lernen. Deshalb konnte er auch die Ältesten der Juden verstehen und sie unterstützen und so eine gute Beziehung zu ihnen entwickeln, sodass sie sich ihrerseits auch gerne für ihn einsetzten. Die Beziehungen des Hauptmanns zu anderen entstanden, weil er demütig war und andere wertschätzte. Er war vom Beruf her ein Hauptmann, aber als Mensch war er ein Mann der Beziehung.
Gehen wir nochmal näher auf seinen Glauben ein, den wir vorhin schon kurz angesprochen haben. Als er die Zeugnisse über Jesu Heilungen hörte, nahm er sie demütig an und bezog sie auf seinen Knecht. Er glaubte, dass Jesus, der alle möglichen Krankheiten heilen konnte, auch seinen Knecht gesund machen konnte. Sein Glaube basierte auf den Zeugnissen über Jesus, anders gesagt auf den Tatsachen. Sein Glaube kam dadurch zum Ausdruck, dass er Jesus darum bat, zu kommen und seinen Knecht gesundzumachen.

Wie reagierte Jesus auf seine schlichte Bitte? Vers 6 sagt: „Da ging Jesus mit ihnen.“ Jesus nahm seine Bitte an und ging mit den Ältesten mit. Oft denken wir, dass wir einen großen Glauben bräuchten oder lange beten müssten, damit Jesus unsere Bitte erhört. Der Gedanke, dass es lange dauern könnte, bis Jesus uns erhört, reduziert dann unsere Motivation zu beten oder hindert uns sogar daran. Aber Jesus folgte der Bitte des Hauptmanns sofort, als er sie zum ersten Mal gehört hat, und ging mit den Ältesten mit, um seinen Knecht zu heilen. Jesus tat das nicht deshalb, weil der Hauptmann anderen gegenüber so freundlich war und den Juden eine Synagoge erbaut hatte, sondern weil er wirklich glaubte, dass Jesus seinen Knecht gesund machen würde. Echter Glaube bewegt Jesu Herz, selbst wenn man wie der Hauptmann gerade erst Glauben gefasst und auch noch nie etwas für Jesus getan hat. Jesus hörte auf die Bitte des Hauptmanns, weil Jesus so barmherzig ist und ernst gemeinte Bitten aus Glauben gerne erfüllt. Was für eine schöne Geschichte!

Was würdet ihr erwarten, wie diese Geschichte weitergeht, wenn ihr sie zum ersten Mal hören würdet? Normalerweise würden wir das erwarten, dass Jesus nun ins Haus des Hauptmanns geht und seinen todkranken Knecht heilt oder? Aber die Geschichte nahm nochmal eine Wende. In den Versen 6 und 7 heißt es: „Als er aber nicht mehr fern von dem Haus war, sandte der Hauptmann Freunde zu Jesus und ließ ihm sagen: Ach, Herr, bemühe dich nicht; ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst; darum habe ich auch mich selbst nicht für würdig geachtet, zu dir zu kommen; sondern sprich ein Wort, so wird mein Knecht gesund.“ Diese zweite Bitte des Hauptmanns an Jesus ist überraschend. Zuerst hatte er Jesus gebeten, dass er kommen und seinen Knecht gesund machen sollte; aber nun sagt er Jesus, dass er nicht kommen zu kommen bräuchte. Wie kam es dazu, dass er seine Bitte an Jesus änderte? Seine Worte weisen darauf hin, dass er nach seinem ersten Gebet weiter an Jesus dachte. Viele Menschen denken, nachdem sie gebetet haben, wieder an das Problem, wegen dem sie gebetet haben. Wenn wir das tun, werden wir manchmal von dem Problem neu beeindruckt und werden in unserem Glauben geschwächt. Aber der Hauptmann dachte nach seinem ersten Gebet nicht wieder an den todkranken Knecht, sondern er an Jesus, zu dem er gebetet hatte. Er stellte sich vor, dass Jesus jetzt auf dem Weg zu seinem Haus war. Der Gedanke, dass Jesus in sein Haus kommt, machte ihn ehrfürchtig. Je mehr er über Jesus nachdachte, desto mehr wuchs in ihm die Ehrfurcht. Als er an Jesus dachte, wie mächtig er ist, dass er alle Arten von Krankheiten heilen kann, wuchs auch sein Vertrauen auf ihn. Wenn Jesus Kranke allein mit seinem Wort gesund machen konnte, brauchte er auch nicht ans Bett seines Knechts zu treten, sondern konnte sein machtvolles Wort auch aus der Ferne sprechen! Das wurde ihm so klar, dass er Freunde zu Jesus schickte und ihm sagen ließ: „Ach, Herr, bemühe dich nicht; ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst; darum habe ich auch mich selbst nicht für würdig geachtet, zu dir zu kommen; sondern sprich ein Wort, so wird mein Knecht gesund.“

Anschließend sagte er auch, was ihm dabei half, die Macht von Jesu Worten zu begreifen: „Denn auch ich bin ein Mensch, der einer Obrigkeit untersteht, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er hin; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er’s“ (8). Er hatte die Autorität von Worten selbst viel erlebt. Im Militär unterstand er seinen Vorgesetzten und hatte gelernt, ihnen zu gehorchen. Wenn der Kaiser einen Befehl gab, setzten sich ganze Heere in Bewegung. Wenn sein Vorgesetzter ihm einen Befehl gab, gehorchte er ihm auf der Stelle. Wenn er seinen Soldaten oder seinem Knecht Befehle gab, handelten sie auch danach. Diese Erfahrung half ihm, die Macht zu begreifen, die Jesus innehat. Wenn Jesu Worte Blinde sehen und Gelähmte gehen lassen und alle Arten von Krankheiten aus den Menschen vertreiben, dann ist Jesus der Herr und höchste Kommandeur mit der größten Macht in der ganzen Welt! Er redete Jesus hier auch mit „Herr“ an. Diesem Herrn zu begegnen, war er wirklich nicht würdig. Für diesen mächtigen Herrn war es aber auch nicht nötig, in sein Haus zu kommen; denn ein Befehl aus seinem Mund genügte, um seinen Knecht wieder gesundzumachen – ein einziges Wort! Das war die Erkenntnis und der Glaube des Hauptmanns, den er gefasst hat.

Wie reagierte Jesus darauf? Lesen wir einmal gemeinsam den Vers 9: „Da Jesus das hörte, wunderte er sich über ihn und wandte sich um und sprach zu dem Volk, das ihm nachfolgte: Ich sage euch: Solchen Glauben habe ich auch in Israel nicht gefunden.“ Jesus kannte alle Menschen, sodass er sich eigentlich über nichts wunderte. Aber als er die Worte des Hauptmanns hörte, die seinen klaren Glauben ausdrückten, wunderte er sich über ihn. Jesus war über ihn so froh, dass er sich umdrehte und zu der Menge, die ihm folgte, sagte: „Ich sage euch: Solchen Glauben habe ich auch in Israel nicht gefunden.“
Lasst uns über die Bedeutung dieser Worte Jesu nachdenken. Was meinte Jesus mit „Solchen Glauben“? Der Glaube des Hauptmanns kam nicht aus seinen menschlichen Wünschen oder Vorstellungen, sondern gründete auf dem, was Jesus gesagt und getan hat. Es war also kein eigenwilliger, selbstbestimmter Glaube, sondern ein Glaube aufgrund der Wahrheit von Jesu Offenbarung. Der Hauptmann nahm die Zeugnisse über Jesu Werke, die er hörte, demütig an und glaubte dem entsprechend klar an Jesus und seine Macht. Wegen seiner demütigen Haltung war es ein klarer und fester Glaube. Insbesondere glaubte er klar an die Autorität von Jesu Wort. Dieser klare Glaube kommt am deutlichsten am Ende seines Gebets zum Ausdruck: „Sprich ein Wort, so wird mein Knecht gesund.“

Als Jesus sich umdreht und zum Volk sagte: „Solchen Glauben habe ich auch in Israel nicht gefunden“, brachte er seine freudige Verwunderung über diesen Glauben des Hauptmanns zum Ausdruck. Jesus zeigte dadurch, wie sehr er sich solchen Glauben von uns Menschen wünscht und dass er solchen Glauben bei uns sucht. Insbesondere hatte Jesus solchen Glauben bei den Menschen aus Israel gesucht. Sie hatten mit Abstand die besten Voraussetzungen dafür, Jesus zu erkennen und an ihn wirklich zu glauben, weil sie das Alte Testament mit Mose und den Propheten hatten, die Jesu Kommen und seine Werke voraussagen. Aber die meisten von ihnen waren aufgrund ihrer oberflächlichen Kenntnisse über die Schrift voreingenommen und auf ihr vermeintlich frommes Leben stolz und dadurch unfähig, Jesus als Gottes Sohn Jesus und vor ihm sich selbst zu erkennen. Sie hielten sich für gläubig, aber die meisten waren in einer oberflächlichen Ausübung von Geboten und Traditionen erstarrt, ohne echten Glauben zu haben.

Was bedeutet das für uns? Auch heute haben die meisten Menschen bewusst oder unbewusst die Vorstellung, dass Gott von ihnen vor allem bestimmte Werke will, dass wir also bestimmte Werke tun sollen und dass wir andere Dinge lassen sollen. Auch viele Christen tragen diese Vorstellung unbewusst irgendwo tief in sich. Das ist zwar einerseits nicht verkehrt, aber es ist nicht das, was er vor allem bei uns sucht. Mehr noch als unser äußeres Tun interessiert Gott unser Herz. Das bloße Tun von Werken mit unserer eigenen Kraft ist die Eigenschaften der Religionen dieser Welt (zum Beispiel die so genannten fünf Säulen des Islam). Jesus lobte den Hauptmann nicht dafür, dass er den Juden in seiner Stadt eine Synagoge baute, was ein beachtliches Opfer und Hingabe für ihn bedeutete. Aber als Jesus den klaren Glauben des Hauptmanns sah, wunderte er sich über ihn und sagte mit freudiger Verwunderung: „Solchen Glaube habe ich in Israel nicht gefunden.“ Das war nach den Berichten der Evangelien das größte Lob, das Jesus einem Menschen gesagt hat. Damit machte Jesus deutlich, was er in Israel die ganze Zeit gesucht hatte, nämlich klarer, herzlicher Glaube. Damit sagte Jesus auch, was er bei uns vor allem sucht. Was Jesus sich am meisten von uns wünscht, ist, dass wir ihn von Herzen erkennen und ihm fest vertrauen. Was Jesus anders gesagt am meisten interessiert, ist, dass wir klaren, festen Glauben an ihn haben. Und das ist gerade auch die Voraussetzung und der Weg dazu, dass wir wirklich nach seinem Willen leben können. Deshalb wünscht sich Jesus von uns vor allem, dass wir an ihn und sein Wort klar und fest glauben, wie der Hauptmann es tat. Damit können wir ihn wirklich erfreuen; damit können wir ihn sogar zum Staunen bringen.

Jesus will auch bei uns solchen Glauben finden und sich darüber freuen! Haben wir so einen klaren, festen Glauben an Jesus, wie der Hauptmann ihn hatte? Beten wir für unsere Mitmenschen wie er? Wir studieren zurzeit das Lukasevangelium, das aus lauter Zeugnissen über Jesus besteht. Dadurch haben wir eine goldene Gelegenheit, Jesus besser kennenzulernen und im Glauben an ihn zu wachsen oder zum ersten Mal klaren Glauben an ihn zu ergreifen. Möge Gott jedem von uns helfen, die Zeugnissen über Jesus neu zu hören und demütig anzunehmen und ihm klar und fest zu vertrauen, sodass Jesus sich auch über uns wundern kann!

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Fragebogen: Lukas 7,1-17

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Jüngling, ich sage dir, steh auf!

„Und trat hinzu und berührte den Sarg, und die Träger blieben stehen.  Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf!“

(Lukasevangelium 7,14)

  1. Warum sandte der Hauptmann einige jüdische Älteste zu Jesus (1-3)? Warum sagten die Ältesten, dass es angemessen sei, die Bitte des Hauptmanns zu erfüllen (4.5)?
  2. Worum bat der Hauptmann, als Jesus sich seinem Haus näherte (6.7)? Beschreibe seine Demut und seinen Glauben an die Kraft der Worte Jesu. Wie konnte er diese Art von Glauben haben (8)?
  3. Wie lobte Jesus ihn (9)? Was war das für ein Glaube? Wie manifestierte sich die Kraft der Worte Jesu (10)?
  4. Welchen Menschen begegnete Jesus, als er in die Stadt Nain ging (11.12)? Wie groß war wohl die Trauer der Witwe, die ihren Sohn verloren hatte? Wie tröstete Jesus die Witwe, als er sie sah (13)?
  5. Warum berührte Jesus den Sarg (14a)? Wie erweckte Jesus den toten jungen Mann auf (14b.15)? Wer ist Jesus, der die Toten zum Leben erweckt hat, und welche Art von Leben werden diejenigen haben, die an diesen Jesus glauben (16.17; vgl. Johannes 11,25.26; 1. Korinther 15,20-22)?
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Predigt: Lukas 6,17-49 – Teil B)

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Warum sagt Jesus: Liebt eure Feinde?

„Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen.“

(Lukasevangelium 6,27)

Der heutige Abschnitt handelt von der Predigt Jesu, die auf dem Felde gehalten wurde. Der Adressat seiner Predigt waren jedoch nicht die Menschen aus dem Volk, sondern seine Jünger. Darin forderte er sie auf, ihre Feinde zu lieben. Die Jünger Jesu mussten Ablehnung, Hass und Verachtung ertragen. Nur, weil sie Jesus nachfolgten. Und gerade zu denen rief er nun: Selig seid ihr! Wir wissen nicht, wie sie auf diese Heilszusage reagiert haben. Den Jüngern dürfte es jedoch schwergefallen sein, die Seligpreisung sofort zu akzeptieren. Jesus ermutigte sie daher mit der Verheißung: Euer Lohn ist groß im Himmel. Diese Verheißung befähigte die Jünger dazu, sich trotz widriger Umstände zu freuen und vor Freude in die Luft zu springen, wenn sie gerade wegen ihres Glaubens gehasst oder ausgestoßen wurden.
Denn die auf die Überwindung des Hasses oder der Verachtung folgt ein großer Lohn. Am letzten Sonntag predigte Henoch anhand von Hebräer 12,2, dass Jesus um der vor ihm liegenden Freude willen, das Kreuz erduldete. Jesus tat das alles in freudiger Erwartung auf seinen Lohn. Er wusste, womit sein Kreuzestod belohnt wird. Jeder einzelne von uns ist sein Lohn. Wir sind der Grund seiner Freude.
Wenn Jesus seine Jünger auffordert: „Liebt eure Feinde!“, verheißt er auch: „So wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Höchsten sein.“
Heute möchte ich mit euch die Aufforderung Jesu, nämlich die Feindesliebe genauer beleuchten. Aber nicht mit der Frage „WIE?“, sondern mehr mit der Frage „WARUM?“.
Es mag sein, dass die Frage nach dem „WIE“ konkreter und sehr praxisnah erscheint. Doch diese Frage ist oftmals nur eine Sackgasse, die dahin führt, dass wir nur auf erneute Weise daran erinnert werden, dass es nahezu unmöglich ist, die Feinde zu lieben. Und man könnte sogar zu dem Schluss kommen, dass die Feindesliebe unrealistisch ist oder gar eine Zumutung für den Auszuübenden.
Aus diesem Grund werden wir uns mit dem „WARUM“ beschäftigen. Also WARUM sprach Jesus zu seinen Jüngern: „Liebt eure Feinde!“
Die Bezeichnung „Feind“ deutet auf eine zwischenmenschliche Beziehung hin. In der Beziehung von Menschen kann so etwas wie Feindschaft entstehen. Und es ist eigentlich ganz einfach sich Feinde zu machen oder zu bekommen. All jene, die einen hassen, verfluchen oder beleidigen, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit zu seinen Feinden. Auch all jene, die einen schlagen, sein Eigentum wegnehmen oder etwas gegen einen mit böser Absicht tun, gehören bald zu der Kategorie Feind.
Jesus fordert nun von seinen Jüngern: Liebt eure Feinde! Die Feindesliebe heißt, den Feinden Gutes zu tun, sie zu segnen, für sie zu bitten, auf ihre Gewalt nicht wie ein Spiegel zu reagieren und mit Gewalt zu antworten, sondern ihnen zu geben, was sie verlangen. Darüber hinaus sollen die Jünger nicht zurückfordern, was die anderen einem weggenommen haben. Die Forderung gipfelt schlussendlich in die goldene Regel: „Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!“
Wenn wir die Punkte der praktischen Liebe gegenüber den Feinden aufgezählt bekommen, kann es passieren, dass wir uns dabei unwohl fühlen. Darum kommen wir wieder auf die Frage zurück: Warum Jesus die Forderung: Liebt eure Feinde! – aufstellte. Was war der Zweck seiner Forderung? Eine Antwort findet sich in Vers 35. Jesus wollte, dass seine Jünger zu Kindern Gottes werden. Die Kinder Gottes besitzen die Eigenschaft Gottes. Wie der Vater barmherzig ist, können die Kinder barmherzig sein. Gottes Barmherzigkeit offenbart sich darin, dass er auch den Undankbaren und den Bösen seine Güte zeigt. Oftmals bleibt eine Gegenleistung aus. Feindesliebe nämlich kann erfolglos bleiben. Und dennoch sollen die Kinder Gottes ohne eine Gegenleistung Gutes tun. Diese Form von Selbstaufgabe und Liebe versteht Jesus unter der Feindesliebe.
Bei der Nachfolge Jesu haben die Jünger oft erfahren, wie Jesus von den Pharisäern verleumdet wurde. Sie gebrauchten Gottes Gesetz, um die anderen Menschen zu richten oder zu verdammen. Aber die Jünger Jesu sollen in dieser Sache anders mit den Sündern umgehen. Die Jünger Jesu können das Gericht Gott überlassen. Das Richten ist nicht ihre Aufgabe, sondern Gott allein hat das Recht, zu richten. Ob ein Mensch gerecht oder verdammt wird, weiß Gott allein. Darum sollen die Kinder Gottes nicht seine Position einnehmen. Denn selbst die Kinder Gottes sind nicht unfehlbar und können ein falsches Urteil sprechen. Es ist daher ratsam, die Gleichnisse Jesu zu beherzigen. Ein Blinder kann einen Blinden nicht führen. Alle beide können in die Grube fallen. Bevor man den Splitter aus dem Auge des anderen zieht, muss man selbst einen Balken aus seinem Auge entfernen. Jünger Jesu sollen die Gefahr stets ernst nehmen, dass sie punktuell blind sein können.
Jesus möchte, dass seine Jünger stets das Ziel vor Augen haben – nämlich den Einzug in den Himmel. Doch sie können, wie gerade eben angesprochen, in die Grube fallen. Man kann nämlich, statt die Feinde zu lieben, von Hass und Bitterkeit verblendet sein. In so einem Fall wäre man geistlich blind. Und ähnlich wie in dem Jesuswort vom Splitter im Auge des Bruders, kann es passieren, dass man jede Kleinigkeit der anderen scharf und kritisch beäugt, während man die eigene große Sünde komplett übersieht. So wird man zu einem Heuchler. Und davor warnt Jesus seine Jünger.

Jesus schließt seine Predigt auf dem Felde mit zwei Gleichnissen.
Im ersten Gleichnis spricht Jesus von zwei Bäumen, von einem guten Baum und einem faulen Baum. Ein guter Baum trägt gute Frucht, während ein fauler Baum bloß faule Frucht trägt. An seiner eigenen Frucht wird jeder Baum erkannt.
Auch ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus seinem Herzen. Ein böser Mensch hingegen erschafft aus Bösem nur Böses. Wovon das Herz erfüllt ist, das spricht der Mund aus. Bevor der Tag kommt, an dem sichtbar wird, ob jemand Gottes Kind ist oder nicht, lässt sich das schon an der jetzt sichtbaren Frucht erkennen. Nämlich die Frucht der Feindesliebe: Sie können den anderen vergeben und die Feinde lieben. Anstatt die anderen zu richten oder zu verdammen, halten sie Fürbitte für ihre Feinde. Genau wie Jesus einst für seine Feinde bat: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“.
Gottes Kinder sind in der Lage, den anderen zu vergeben. Trotzdem fordert Jesus seine Jünger im zweiten Gleichnis auf, zu den Menschen zu werden, die sein Wort nicht nur hören, sondern auch tun.
Es gibt zwei Menschen, die auf unterschiedliche Weise ihr Haus bauen. Einer baut sein Haus auf dem Fels. Ein anderer baut es auf Erde. Das Haus, welches auf dem Felsen gebaut wurde, kann weder erschüttert noch zum Einsturz gebracht werden. Wer Jesu Wort hört und tut, gleicht einem Menschen, der sein Haus auf dem Felsen baut. Wer aber sein Wort hört und nicht tut, gleicht einem Menschen, der sein Haus auf die Erde baut. Ein Haus muss ein tiefes und festes Fundament vorweisen können, um den Wasserfluten standhalten zu können.
Durch dieses Gleichnis lehrt Jesus, dass die Zeit der Probe wie eine Wasserflut kommen wird. Diese Zeit kann heute schon eintreffen oder aber auch morgen. Jeder wünscht sich, gesund, ohne Unfall, ein sicheres Leben zu führen. Aber das Leben verläuft nicht immer in geraden Bahnen, bestimmte Situationen oder Probleme können uns wie eine Flut die Lebensgrundlage wegspülen. Die Zeit kann kommen, in der wir von Feinden gehasst, verleumdet und geschlagen werden. Lasst uns daher Gottes Wort nicht nur hören, sondern auch leben. Lasst uns unser Fundament auf dem Felsen legen.

Niemand ist dazu fähig, die Feindesliebe zu praktizieren.
Corrie ten Boom, die Autorin des Buches „Die Zuflucht“, setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg für die Versöhnung zwischen Opfer und Tätern ein. Sie selbst war im Konzentrationslager. Als sie dann nach dem Ende des Krieges wieder auf den Aufseher aus dem Konzentrationslager stieß, wurde sie direkt mit der Schwierigkeit der Feindesliebe konfrontiert. Sie konnte ihm einfach nicht vergeben. Darum bat sie Gott um seine Vergebung: Vater, vergib mir, dass ich ihm nicht vergeben kann.

Warum, sagte Jesus: Liebt eure Feinde!
Als Jesus anfing, das Evangelium zu predigen, verkündigte er folgendes: Gott hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen. Er will die, die gefangen sind, befreien. Die Tat der Feinde kann die Kinder Gottes komplett in Hass und Bitterkeit gefangen nehmen. Jesus will seine Jünger vor dieser Gefahr schützen. Es ist schmerzhaft, von den Feinden angegriffen zu werden. Aber die Bitterkeit und die Verletzungen sollen die Kinder Gottes nicht vom eigentlichen Ziel abbringen. Das Ziel ist die Freiheit. Das Ziel ist ein Leben in Fülle. Ein Leben mit Gott. Das neue Jerusalem, das vom Himmel herabkommt, ist das Ziel aller Kinder Gottes. Bis jeder dieses Ziel erreicht hat, können viele Dinge auf dem Wege passieren. Vor allem wird die Prüfung Gottes wie eine Wasserflut kommen.
Darum ermutigt Jesus alle, die ihm zuhören und ihm nachfolgen wollen, sein Wort zu hören und danach zu tun. Es mag sein, dass unsere Natur nicht dazu fähig ist, die Feindesliebe zu praktizieren. Aber Jesus verheißt, dass eine große Belohnung auf uns wartet. Somit ermutigt er uns, nicht nur sein Wort zu hören, sondern auch zu tun. Er selbst trug sein Kreuz mit Freuden, weil wir der Grund seiner Freude sind. Wir können auch mit Freude unsere Feinde lieben, weil sie durch unsere Feindesliebe gerettet werden können. Wir können das Ziel vor Augen halten, nämlich eine Belohnung im Himmel.
Auch wenn wir noch auf Erden weilen, ist unser Blick auf das Ziel im Himmel gerichtet. Unser Herr will uns dahin führen, auch wenn wir ständig auf Hindernisse stoßen. Darum ermutigt er uns, auch das stärkste Hindernis zu überwinden. Nämlich unsere Feinde zu lieben. Mit der Seligpreisung „Liebt eure Feinde!“ feuert Jesus gewissermaßen uns alle an, die das Ziel im Himmel vor Augen haben. Das ist die Weisheit des Herrn. Er befreit uns aus dem Gefängnis der Bitterkeit.
Die Zeit der Revolution hat begonnen. Neuen Wein soll man in neue Schläuche füllen.

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Fragebogen: Lukas 6,17-49 – Teil B)

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Liebt eure Feinde

„Vielmehr liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, ohne etwas dafür zu erhoffen. So wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Höchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.“

(Lukasevangelium 6,35)

Teil A)  Verse 17–26

  1. Wo spricht Jesus zu wem (17-19)? Von welchen Menschen sagt Jesus, dass sie selig sind (20-23)? Warum sagt er aber „Wehe euch“ zu denen, die jetzt reich und satt sind, die jetzt lachen und über die jeder gut redet (24-26)?

Teil B) Verse 27–49

  1. Wie sollen wir die Menschen behandeln, die wie Feinde sind (27-31)? Warum sollen wir sogar unsere Feinde lieben und ihnen Gutes tun (32-35; vgl. Epheser 4,32-5,2)? Was für Menschen sollen wir nach Jesu Wunsch werden (36)?
  2. Warum sollten wir andere nicht kritisieren oder verurteilen (37a)? Was empfangen wir, wenn wir vergeben und geben (37b.38a)? Was bedeutet „denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch zumessen“ (38b)?
  3. Was soll ich tun, bevor ich den Splitter aus dem Auge meines Bruders ziehe (39-42)? Welche Beziehung besteht zwischen dem Baum und seiner Frucht (43.44)? Wie kann man gute Menschen von bösen Menschen unterscheiden (45)?
  4. Womit vergleicht Jesus diejenigen, die seine Rede hören und tun (46-48)? Wie sind diejenigen, die sein Wort hören und nicht danach handeln (49)? Denk darüber nach, wie wichtig es ist, auf Jesu Worte zu hören und danach zu handeln.
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