Predigt: 2. Korinther 8,1 – 9 (Weihnachten 2020)

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Für uns: reich durch Jesus

„Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich würdet.“

(2.Korinther 8,9)

Reiner hat, wie ich finde, für diesen Gottesdienst einen wunderbaren Text und für diese Weihnachten ein wunderbares Thema ausgesucht. Das Thema lautet „für uns“. Und deshalb lautet der Titel der Predigt „für uns: reich durch Jesus“. Und der Text heute aus 2. Korinther 8,1-9 ist kein traditioneller Weihnachtstext. Ich denke, dass es ein Novum ist, dass wir diesen Text in der Weihnachtszeit lesen. Gleichzeitig könnte ich mir keinen besseren und passenderen Text vorstellen.
In 2. Korinther 8 und 9 macht Paulus einen Spendenaufruf. Wenn wir diese zwei Kapitel sorgfältig lesen, dann stellen wir fest, dass es ein Spendenaufruf wie kein anderer ist. Für viele Menschen unserer Zeit ist Spenden eine lästige Sache. Man weiß, dass es theoretisch eine gute Sache ist. Man kann es sich ja auch leisten. Und an Weihnachten macht man das auch mal, allein um das Gewissen zu beruhigen und weil man dann weiß, dass man seine gute Tat vollbracht hat.
Aber das ist überhaupt nicht das, was Paulus im Sinn hat. Das Schlüsselwort hier ist „Gnade“. Gnade bedeutet ein unverdientes Geschenk zu bekommen. Paulus argumentiert, dass wir Christen ein unverdientes Geschenk bekommen habe, das von solch einem Ausmaß und solcher einer Dimension ist, dass es die Gesamtsituation der Empfänger radikal verändert. Im Bezug auf die Gnade macht der Text uns auf drei Punkte aufmerksam: erstens, der Reichtum, den wir in Jesus haben; zweitens, was der Reichtum in uns bewirken sollte; drittens, was der Reichtum durch uns bewirken sollte.

Erstens, der Reichtum, den wir in Jesus haben

In Vers 9 schreibt Paulus: „Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich würdet.“ Dieser Vers ist ziemlich zentral in Paulus Argumentation. Und er fasst praktisch die ganze Weihnachtsgeschichte zusammen.
Hier sind ein paar Gedanken zu diesem Vers. Erster Gedanke: Jesus ist reich. Das wissen wir alle. Aber wir haben das oft nicht so auf dem Schirm. Ich möchte versuchen, das anhand eines kleinen und einfachen Beispiels zu verdeutlichen. Seit dem Beginn der Corona-Pandemie kann ich an zwei Händen abzählen, wie oft ich auf der Arbeit war. Ich mache derzeit fast ausschließlich Home-Office. Weil ich etwas Bewegung brauche, gehe ich abends oft an die frische Luft zum Spazieren: manchmal mit den Kindern oder alleine. Heidelberg ist eine reiche Stadt. Und öfters gehe ich an richtig schönen Häusern vorbei und schaue ein wenig in die Fenster rein. Was ist ein 1-Familien-Haus in Handschuhsheim oder Neuenheim wert? Manche dieser Häuser sind sicherlich eine Million Euro wert. Wer ein solches Haus besitzt, der ist reich.
Aber das ist nichts im Vergleich dazu, wenn man den gleichen Spaziergang durch die Innenstadt von New York macht. Ein Quadratmeter Wohnung kostet dort mehr als 16.000 Dollar, Tendenz steigend. Wer dort eine Wohnung oder gar ein Haus besitzt, ist wirklich reich. Das sind die Kategorien, in denen wir uns Reichtum vorstellen: jemand der Immobilien in einer schönen, angesagten Gegend besitzt. Aber stellen wir uns vor, dass jemand nicht nur das Haus in Manhattan gehört, sondern die ganze Straße mit allen Häusern links und rechts; und nicht nur die ganze Straße, sondern die ganze Stadt, das ganze Land, die ganze Welt? Und was ist dieser winzige, blaue Planet im Vergleich zur Gesamtheit des ganzen Universums mit Milliarden von Galaxien und unzählbar vielen Sternen? Und was ist das im Vergleich zum Himmel? Versteht ihr, Jesus ist der Eigentümer von allem was existiert. Ihm gehört alles im Himmel und alles auf Erden. Es ist eine Kategorie von reich für die uns eigentlich die Worte fehlen.
Das nächste, was Paulus uns sagt, ist, dass Jesus arm wurde. Im Jahr 2010 haben Warren Buffet, Bill und Melinda Gates eine Initiative gegründet, die „The Giving Pledge“ heißt. Diese Initiative richtet sich an die reichsten Menschen der Welt. Die Unterzeichner verpflichten sich, dass sie mindestens die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke spenden. So löblich diese Abmachung ist, sie ist wiederum nichts im Vergleich zum Opfer, das Jesus gebracht hat.
Es ist nichts im Vergleich, weil Jesu Reichtum sich in einer ganz anderen Dimension bewegt wie alle Milliardäre dieser Welt zusammengenommen. Und es nichts im Vergleich zum Opfer der Milliardäre, weil niemand von ihnen wirklich arm wird. Jesus gab nicht nur die Hälfte von einem Besitz. Er gab alles. Und er gab alles auf. Er hielt nichts zurück. Jesus ist Gott, der Mensch wurde mit all seinen unvorstellbaren Implikationen: der Ewige wurde zeitlich; der Höchste kam in Niedrigkeit; der Stärkste wurde schwach; der Allmächtige wurde hilflos; der Größte wurde ganz klein; der Mythos wurde Teil der Geschichte; das Ideale wurde real; das Wort wurde Fleisch; der Reichste wurde ganz arm.
Jesus wurde nicht nur in einer der ärmsten Familien in einer obskuren Ecke des römischen Reiches geboren. Er lebte als ein armer Wanderprediger. Er hatte weder Geld noch Macht. Und am Ende starb er den Tod eines Sklaven, in der Hand von Heiden. Das letzte, was er besaß, war seine Kleidung, die er trug, als er festgenommen wurde. Als Jesus ans Kreuz gehängt wurde, hat man ihm auch das noch genommen. Schlimmer, elendiger und erniedrigender kann man es sich nicht vorstellen. Jesus gab alles: seine Stellung beim Vater, sein Besitz, sein Leben bis hin zum letzten Atemzug. Alles, was Jesus hätte geben können, gab er.
Sehen wir uns noch einmal Vers 9 an: „Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich würdet.“ Noch ein Gedanke, Jesus war nicht nur reich, und er wurde nicht nur arm. Paulus schreibt: „um euretwillen“ und „auf dass ihr“. Er tat es, damit wir reich werden. Und das ist der entscheidende Gedanke hier. Es ist der Unterschied zwischen dem Evangelium und Religion. Wenn wir diesen Punkt nicht verstehen, dann haben wir die Essenz des Evangeliums nicht verstanden.
Jesus ist das ultimative Vorbild dafür, was Großzügigkeit angibt. Es gibt kein größeres und kein extremeres Beispiel. Paulus hätte daher an dieser Stelle schreiben können: „und deshalb, folgt dem Beispiel Jesu. Macht das, was Jesus getan hat. Nehmt euch Jesus als Vorbild.“ Aber das tut er nicht. Er sagt etwas ganz anderes. Er sagt: „Jesus wurde arm für euch. Jesu Opfer ist für euch. Ihr seid durch ihn reich. Es ist Gottes Geschenk für euch, und ihr habt nichts getan und nichts vorzuweisen, um das zu verdienen.“ Jesus ist für uns! Er wurde von Gott gegeben, für dich und für mich. Sein Reichtum ist für uns. Wir haben noch nicht einmal angefangen zu verstehen, was es bedeutet, dass der ganze Reichtum Christi uns gehört. Wir sind Erben Christi; wir sind Bürger des Himmels; seine Auferstehung gehört uns und wir werden mit ihm ewig leben; wir sind seine Kinder, und wir sind seine Braut; er hat uns eine Wohnung gebaut; wir werden eines Tages Engel richten; wir werden mit Christus regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Hier ist der Punkt. Natürlich ist Jesus unser Vorbild und unser Beispiel in praktisch allen Bereichen unseres Lebens. Aber Jesus ist so viel mehr als das. Er ist das Geschenk Gottes für uns; er ist unser Erretter und Befreier; er ist unser Erlöser, der selbst das Lösegeld bezahlt hat; er ist unser guter Hirte, der sein Leben für seine Herde gab; er ist das Lamm, das an unserer Stelle geschlachtet wurde; er ist das vollkommene Opfer, das allen anderen Opfern ein Ende setzt. Jesus ist nicht nur unser Vorbild. Er ist derjenige, der uns vergibt, für die unzähligen Male, in dem wir ihm nicht nachfolgen konnten.
Wenn wir verstanden haben, und nur dann, wenn wir verstanden haben, dass Jesus für uns nicht nur Vorbild sondern vor allem und zuerst Erretter ist, fangen wir an, aus seinem Reichtum zu schöpfen. Dann ist das Evangelium für uns nicht einfach guter Ratschlag sondern gute Nachricht.
Jesus wurde arm, um uns einen Reichtum zu schenken, den nichts und niemand uns wieder wegnehmen kann. Jesus kam, um uns zu Multi-Milliardären zu machen. Das ist der erste Punkt.

Zweitens, was der Reichtum Christi in uns tun sollte

Paulus erwähnt eine Gemeinde in Mazedonien, die sehr besonders war. In praktisch jeder Gemeinde, muss die Gemeindeleitung die Gemeinde immer wieder daran erinnern, großzügig zu geben, mehr zu spenden und mehr zu opfern. Die Gemeinde in Mazedonien war außergewöhnlich. Sie mussten eher dazu angehalten werden, nicht zu viel zu geben. Vers 3 sagt: „Ich bezeuge, dass sie nach Kräften und sogar über ihre Kräfte spendeten, ganz von sich aus.“ Sie gaben mehr, als es für sie gut war. Nicht nur das, sie bettelten bei Paulus, dass sie sich an der Spendenaktion beteiligen durften. Paulus war tief beeindruckt, keine Frage. Aber was genau beeindruckte Paulus? Paulus lobte die Mazedonier nicht einfach über den grünen Klee.
In Vers 1 schreibt er: „Wir möchten euch nun, liebe Geschwister, von der besonderen Gnade berichten, die Gott den Gemeinden in Mazedonien geschenkt hat.“ Das, was Paulus an der mazedonischen Gemeinde erstaunte, war das, was die Gnade in ihnen hervorgebracht hatte. Es war nicht die Summe, die sie gespendet hatten, die Zahl auf dem Scheck. Das, was Paulus erstaunte, war ihr Herz. Mit anderen Worten, der Reichtum in Christus, hatte in ihrem Herzensinneren etwas bewirkt. Und das sehen wir in Vers 2. „Während sie durch große Not geprüft wurden, verwandelten sich ihre übergroße Freude und ihre tiefe Armut in den Reichtum ihrer selbstlosen Güte.“ Der Kommentator David Garland hat das als mathematische Formel zusammengefasst (Slide 2). Ich vereinfache das etwas: „übergroße Freude + tiefe Armut = wahrer Reichtum“
Hier ist die Antwort auf die Frage, was der Reichtum in uns tun sollte. Der Reichtum, den wir in Christus haben, sollte in uns eine tiefe Freude auslösen. Die meisten von uns sind sich einig, dass wir auf Gemeinde-Ebene ein Problem damit haben. Wenn wir den Ergebnissen der Umfrage trauen können, dann denkt die Mehrheit der Gemeinde, dass wir nicht wirklich lebendig sind (Slide 3). Wir sind definitiv keine mazedonische Gemeinde, deren Freude geradezu ungebremst und ungehemmt ist. Berechtigte Frage ist sicherlich, woran das liegt. Mein persönlicher Wunsch ist, dass jeder von uns persönlich und wir als Gemeinde zusammen daran arbeiten können.
Zwei Gedanken möchte ich hierzu noch mitgeben. Viele von uns haben kennen den Slogan, der von Campus Crusade verbreitet wurde: Facts, Faith, Feelings (Slide 4). Auf deutsch: Fakten, Glauben und Gefühle. Wenn man die Fakten mit Gottes Wort ersetzt, beginnen alle mit einem „G“, so dass man sich das gut merken kann. Dazu sieht man dann einen Zug. Vorne ist die Lokomotive mit Gottes Wort. Dann folgt der Kohlewagen mit Glauben. Als letztes kommt dann der Wagon mit den Gefühlen. Die Botschaft lautet: Der Zug fährt auch ohne den Wagon. So lange du Gottes Wort und Glaube hast, ist alles gut. Auf der anderen Seite wird dein Zug nicht fahren können, wenn du nur Gefühle hast. Auf diesem Bild sind Gefühle also drittrangig.
Inspiriert von zwei sehr gegensätzlichen Pastoren (John Piper und Peter Scazzero), die sich dazu geäußert haben, möchte ich ein anderes Bild vorstellen. Gottes Wort und Fakten sind das, was wir in die Lokomotive einwerfen (Slide 5). Unser Herz ist der Motor. Gottes Wort ist das, was das Feuer am Brennen hält und den Motor am Laufen lässt. Das Resultat von diesem Prozess sind unser Glaube und unsere Gefühle. Beides lässt sich nicht trennen. Unsere Emotionen sind das, was unseren Zug antreibt. Dieses Modell finde ich viel näher an unserem heutigen Text: die mazedonischen Christen hatten Freude. Aus dieser Freude heraus kam ihr unbändiger Wunsch, großzügig zu geben. Und es ist genau diese Frucht des Heiligen Geistes, die Paulus sehen wollte.
Mit anderen Worten: unsere Gefühle sind nicht optional! Unsere Gefühle gehören essentiell zum Glaubensleben dazu. Liebe, Freude, Friede sind die ersten Auswüchse der Frucht des Heiligen Geistes. Wir können keine reifen Christen sein, wenn unsere Gefühlswelt nicht in Ordnung ist. D.h., wenn du ein Leben führst, in dem Freude Mangelware ist, wenn in deinem Leben andere Gefühle dominieren, wie Furcht oder Ärger oder Zorn oder Ungeduld oder sogar Hass, dann haben nicht einfach ein kleines Problem. Uns fehlt dann nicht einfach nur die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Wir haben dann ein Problem, was mit der Essenz unseres Glaubenslebens zu tun hat. Die Freude Gottes ist Pflicht, und ich würde sagen, noch wichtiger, als andere zu missionieren.
Gestern zum Beispiel war ich einkaufen. Die Einkaufswaren auf das Band zu legen, ist zu Coronazeiten eine etwas nervige Angelegenheit geworden, vor allem wenn man den Abstand zum Vordermann einhalten muss. Ich hatte mich kurz vorgelehnt, um auf dem Band noch ein paar Dinge unterzubringen. Sofort wurde ich von der Frau vor mir angesprochen: „Können Sie vielleicht den Sicherheitsabstand einhalten?“ Ich war unglaublich genervt, weil die Dame zu ihrer Vorderperson nicht nur 1.5m sondern 3m Abstand gehalten hatte. Und habe sie darauf hingewiesen. Hinterher musste ich darüber nachdenken. Es war so eine Nichtigkeit. Warum hat mich das so sauer gemacht? Und es hat mir ins Bewusstsein gerückt, wie wenig Freude ich auf meinem eigenen Herzenskonto habe. Wirklich traurig! Das ist ein beschämendes Beispiel aus meinem Leben. Ich bin mir sicher, dass ihr es viel besser macht. Der erste Gedanke, den ich hier erwähnen wollte, ist, dass unsere Freude nicht optional ist. Sie ist essentiell in unserem Glaubensleben.
Der zweite Gedanke ist folgender: die Art von Gefühlen, die Paulus sich wünscht, sind nicht oberflächlich. Wenn wir uns noch einmal Vers 2 anschauen: „Während sie durch große Not geprüft wurden, verwandelten sich ihre übergroße Freude und ihre tiefe Armut in den Reichtum ihrer selbstlosen Güte.“ Die mazedonischen Christen wurden durch große Not geprüft. Und Paulus spricht von tiefer Armut. Wir wissen nicht genau, welche Probleme sie genau hatten. Aber wenn Paulus, der Misshandlung, Verfolgung, Gefängnis, Krankheit und Schiffbruch aus eigener Erfahrung kannte, von großer Not und tiefer Armut spricht, dann muss es wirklich schlimm gewesen sein. Es war sicherlich schlimmer noch, als heute inmitten einer Wirtschaftskrise arbeitslos zu werden; oder wenn man jeden Monat feststellen muss, dass das Gehalt kaum ausreicht, um die Miete und Lebenshaltungskosten zu decken. Ihre Freude war davon unberührt. Sie waren fröhliche Christen inmitten von Bedrängnissen und Problemen.
Vielleicht ist ein Problem bei uns, dass unsere Freude zu oberflächlich ist. Wir freuen uns, wenn wir in Mathe eine 2+ geschrieben haben; wir freuen uns, wenn der Arbeitgeber uns eine Gehaltserhöhung gibt; wir freuen uns auf den Feierabend, wenn die Kinder im Bett sind und wir dann endlich anfangen können, in Ruhe Netflix zu schauen. Alles das ist an sich nicht schlimm. Aber die Freude, die die Christen damals hatten, war von einer völlig anderen Qualität und Tiefe.
Wie schaut es mit deiner Freude aus? Falls ihr für das neue Jahr noch keine Vorsätze habt und falls ihr noch offen seid für Vorschläge, wie wäre es damit (Slide 6): mit allem was wir haben und mit allem was wir sind, zu lernen, den Reichtum, den wir in Christus haben, zu genießen und uns von Gott mit einer Freude erfüllen zu lassen, die die Welt nicht kennt und die durch keine Not und keine Probleme zunichte gemacht werden kann. Ein solches Leben ist biblisch, es verherrlicht Gott und es segnet die Mitmenschen.

Drittens, wie wir aufgrund des Reichtums leben sollten

Paulus schreibt in Vers 7: „Wie ihr aber in allen Stücken reich seid, im Glauben und im Wort und in der Erkenntnis und in allem Eifer und in der Liebe, die wir in euch erweckt haben, so gebt auch reichlich bei dieser Wohltat.“ Der Reichtum in Christus inspiriert zu einem Leben, das gekennzeichnet ist von Großzügigkeit. Es ist ein Leben, das im Gegensatz zu allem steht, was in dieser Welt üblich ist.
Die Welt sagt, dass wir reich sind, wenn wir viel haben. Das Evangelium sagt, dass wir viel haben, wenn wir viel geben. Die Welt sagt, dass wir glücklich sind, wenn wir gesegnet sind. Das Evangelium sagt, dass wir glücklich sind, wenn wir andere segnen. Die Welt sagt, dass wir auf unseren eigenen Vorteil bedacht sein sollten. Das Evangelium sagt, dass wir Gottes Reich und seiner Gerechtigkeit die Priorität geben dürfen. Die Welt sagt, dass mit dem Tod alles aus ist. Das Evangelium sagt, dass diejenigen, die in Christus sind, leben werden, auch dann, wenn sie sterben. Und alles das führt zu einem gebenden und hingebenden Leben. Paulus schreibt in Vers 5 über die Mazedonier: „Und noch in anderer Hinsicht übertrafen sie unsere Erwartungen, denn vor allem anderen stellten sie sich selbst – in Übereinstimmung mit Gottes Willen – zunächst dem Herrn und dann auch uns zur Verfügung.“ Hingabe and Gott und Hingabe an Menschen war das Resultat.
Vor etwas mehr als 100 Jahren gab es in New York eine deutsche Frau namens Lilian, durch die zwei junge schwarze Frauen zum Glauben an Jesus gekommen waren. Diese Frauen wollten Mitglieder in derselben Gemeinde werden, wo Lilian war. Aber aufgrund ihrer Hautfarbe waren sie in der Gemeinde nicht willkommen. Lilian hatte ein Herz für sie und machte ihnen das Angebot, dass sie nach Harlem kommen konnte, um dort mit ihnen in der Bibel zu lesen. Und wenn weitere Freunde von ihnen kommen würden, könnten sie in Harlem ihre eigene Gemeinde gründen. Dieser Plan von Lilian wurde in ihrer Gemeinde mit viel Argwohn und Ablehnung entgegengenommen. Der Verlobte von Lilian stellte sie vor der Wahl: entweder sie würde ihren Plan aufgeben, mit den schwarzen Frauen in Harlem in der Bibel zu lesen oder er würde die Verlobung auflösen.
Lilian hatte eine schwierige Entscheidung zu treffen. Auf der einen Seite war es ihr Traum zu heiraten. Auf der anderen Seite las sie in der Bibel einen Vers aus Jesaja 54,1: „Freue dich, du Unfruchtbare, die nie gebar, du, die nie in Wehen lag, brich in Jubel aus und jauchze! Denn die Einsame hat jetzt viel mehr Kinder als die Vermählte, spricht der HERR.“ (Unsere Schwester Birgit Steller wurde ebenfalls sehr durch diesen Vers angesprochen). Sie wurde durch dieses Wort bewegt, und danach war der Sachverhalt für sie klar. Die Verlobung wurde abgesagt, und sie ging nach Harlem, lehrte die Bibel. Ein Jahr später wurde dort eine Gemeinde gegründet, die heute etwa 1200 Mitglieder hat und die für viele Tausende von Menschen auf der ganzen Welt ein Segen wurde. Lilian hatte ihre Heirat geopfert. Und sie hat in der Tat viel mehr Kinder als sie durch eine Ehe hätte haben können.
Wisst ihr was das ist? Das ist die Logik des Evangeliums. Jesus wurde für uns arm, damit wir durch ihn reich werden. Diese Frau hatte den Reichtum Jesu. Weil sie diesen Reichtum hatte, konnte sie viele andere Menschen reich machen.

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Fragebogen: 2. Korinther 8,1 – 9 (Weihnachten 2020)

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Er wurde arm um euretwillen

„Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich würdet.“

2.Korinther 8,9

  1. An wen schrieb Apostel Paulus diesen Brief und warum? Wie hatte sich Gottes Gnade im Evangelium in den Gemeinden in Mazedonien ausgewirkt (8,1-5)?
  2. Inwiefern waren die Christen in der Korinther Gemeinde geistlich reich (7a)? Wie sollten sie sich aufgrund dessen verhalten (7b.8)?
  3. Wie beschreibt der Verfasser die Gnade unseres Herrn Jesus Christus (9)? Denke darüber nach, wie reich Jesus eigentlich ist. Wie arm wurde er aber (Lk 2,7; 9,58; 23,33.34)? Warum wurde er so arm, und was bedeutet das?
  4. Wie sollte Jesu Gnade sich im Leben der Korinther Christen ausdrücken (7.8)?
  5. Wie bewusst ist dir die Tatsache, dass Jesus um deinetwillen so arm wurde? Wie drückt sich das in deinem Leben aus?
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Predigt: Jesaja 9,1 – 6 (Weihnachten 2020)

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Denn uns ist ein Kind geboren

„Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat,
Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst.“

Jesaja 9,5

In diesem Jahr feiern wir unseren Weihnachtsgottesdienst anders als sonst. Wegen der Korona-Pandemie konnten wir uns nicht wie sonst alle versammeln, sondern die meisten sitzen zu Hause vor dem Bildschirm. Während früher die Medien in dieser Zeit berichtet haben, ob es an Weihnachten vielleicht Schnee gibt, erfahren wir zurzeit täglich von steigenden Infektionszahlen. Aber wir haben trotzdem Grund, Weihnachten zu feiern, weil es Grund gibt zu großer Freude. Denn bei Weihnachten geht es um ein Ereignis, durch das unser grundlegendes Problem gelöst und unser tiefstes Bedürfnis im Leben gestillt wird. Der Prophet Jesaja sah durch Gottes Geist etwa 700 Jahre vor Jesu Geburt auf dieses Ereignis voraus. Im Kapitel 9 verkündigt er in den Versen 1-4 Jesu Kommen als das große Licht. In den Versen 5 und 6 werden durch vier Doppel-Namen die Charaktereigenschaften Jesu und seiner Herrschaft erklärt. Möge Gott jedem helfen, die Bedeutung von Jesu Kommen neu zu erfassen und dadurch wahre Weihnachtsfreude zu haben!

Betrachten wir den Vers 1: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.“ Dieser Vers spricht davon, dass die Menschen in Israel damals in der Finsternis lebten. Sie hatten bis zur Berufung Jesajas nochmal eine wirtschaftliche Blüte erlebt. Aber wie der Prophet in den ersten Kapiteln beschreibt, hatten die meisten sich bereits im Herzen von Gott abgewandt und lebten geistlich gesehen in der Finsternis. Obwohl Gott ihre Väter aus der Sklaverei in Ägypten befreit und in ein gutes Land geführt hatte und ihnen jahrhundertelang mit seinem Schutz und Segen geholfen hatte, lebten sie nicht mehr nach seinen Geboten, sondern folgten dem inneren Drang, nach ihren eigenen Vorstellungen zu leben. Als sie nicht mehr Gott, sondern ihr eigenes Glück zum Ziel machten, wandten sie sich immer mehr von Gott ab und nahmen die Dinge, von denen sie sich Glück versprachen, wichtiger als Gott. Als Folge davon gerieten sie in geistliche Finsternis. Sie erkannten nicht mehr, wer Gott eigentlich ist, und konnten sein Wirken und seinen guten Willen nicht mehr sehen. Sie merkten auch nicht, wie absurd es war, dass sie verschiedenen Götzen dienten, von denen sie sich Freude und Glück und Sicherheit versprachen. In Kap. 3 klagt Jesaja über die Frauen, die sich nur noch für Mode und ihr attraktives Aussehen interessierten (3,16.18-23). In Kap. 5 klagt er über die Männer, die sich wie Helden vorkamen, wenn sie viel Alkohol tranken und ihre innere Leere durch Rauschmittel betäubten (5,22). Im letzten Abschnitt von Kap. 8, direkt vor dem heutigen Text, wird beschrieben, wie sich die Menschen wegen ihrer Ungewissheit und Angst vor der Zukunft immer mehr für okkulte Praktiken öffneten. Der Prophet warnte: „Wenn sie aber zu euch sagen: Ihr müsst die Totengeister und Beschwörer befragen, die da flüstern und murmeln, so sprecht: Soll nicht ein Volk seinen Gott befragen? Oder soll man für Lebendige die Toten befragen? Hin zur Weisung und hin zur Offenbarung! Werden sie das nicht sagen, so wird ihnen kein Morgenrot scheinen, sondern sie werden im Lande umhergehen, hart geschlagen und hungrig. Und wenn sie Hunger leiden, werden sie zürnen und fluchen ihrem König und ihrem Gott, und sie werden über sich blicken und unter sich die Erde ansehen und nichts finden als Trübsal und Finsternis; denn sie sind im Dunkel der Angst und gehen irre im Finstern“ (8,19-22).

Diese Worte beschreiben eindrücklich, wo die Menschen hingeraten, wenn sie sich von Gott abwenden. Und die Beschreibung der Menschen damals hat erschreckende Ähnlichkeiten mit unserer Zeit heute. Die meisten Menschen haben den Glauben an Gott aufgegeben. Sie versuchen, ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen und Wünschen zu gestalten, wobei sie sich an ihrem Verstand und Bedürfnissen orientieren mit dem Grundsatz, dass alles erlaubt ist, was nicht anderen schadet. Die meisten bemühen sich um materielle Sicherheit durch eine gut bezahlte Stelle und um optimale Gestaltung ihrer Freizeit und ihrer Beziehungen, um glücklich und zufrieden zu werden. Aber unabhängig davon, wie erfolgreich sie dabei sind, leiden viele unter dem Gefühl der Sinnlosigkeit ihres Lebens, und immer mehr Menschen leiden unter Depressionen. Nach der Statistik sind in Deutschland im Laufe eines Jahres 8,2% bzw. 5,3 Millionen Erwachsene zwischen 18-79 Jahren an einer Depression erkrankt; diese Zahl ist noch höher, wenn man die Kinder und Jugendlichen und die Menschen über 79, die an einer Depression erkranken, mitrechnet. Wer kann ihnen helfen? Obwohl viele Experten aus Politik, Wirt­schaft, Medizin, Psychologie und Pädagogik ständig daran arbeiten, die Lage der Men­schen zu ver­bessern, wächst die Zahl derer, die psychisch krank werden oder/und in Drogen oder Alkohol fliehen, von Jahr zu Jahr. Denn das zugrunde liegende Problem ist kein wirtschaftliches, soziales oder psychologisches, sondern ein geistliches – die geistliche Finsternis, in der die Menschen leben, ohne das wahrzunehmen (das ist symptomatisch); und aus dieser Finsternis kommen die Menschen aus eigener Anstrengung nicht heraus, ebenso wie die Menschen im Volk Israel damals.

Doch welche Wende verkündigt der Prophet im Vers 1? „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.“ Hier wird das Kommen eines großen Lichts als die entscheidende Wende verkündigt. Das einzige, was Menschen in der Finsternis wirklich hilft, ist Licht. Licht vertreibt schlagartig die Finsternis und ermöglicht uns, die Wirklichkeit zu sehen, die Wirklichkeit über uns Menschen und die Realität über Gott, wer er ist und was er tut. Das Licht vertreibt in uns alle Elemente der Finsternis wie Sorgen, Ängste, Neid, Hass und Schuld. Wir brauchen das Licht, um wahre Orientierung und Hoffnung für unser Leben sehen zu können.

Aber wer ist dieses große Licht? Jesus Christus ist das große Licht, das die Finsternis vertreibt. Lukas 1,78.79 bezeichnet Jesus als das aufgehende Licht aus der Höhe, das den Menschen im Finstern und Schatten des Todes erscheint. Jesus sagt über sich selbst: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben“ (Joh 8,12). Jesus ist das Licht, das die ganze Welt erhellt. Weil Jesus als das wahre Licht gekommen ist, braucht niemand mehr orientierungslos in Unwissenheit über Gottes Willen zu bleiben; niemand braucht mehr in Traurigkeit oder Hilflosigkeit zu leben. Denn wer Jesus nachfolgt, wird nicht mehr in der Finsternis wandeln, sondern im Licht leben.

Was bewirkt das große Licht in unserem Leben? Betrachten wir Vers 2: „Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt.“ In diesem einen Satz wird fünf Mal die große Freude ausgedrückt, die das Licht bei uns Menschen bewirkt. Wieso bewirkt das Kommen Jesu so eine große Freude? Jesus schenkt uns so große, überschwängliche Freude, weil Jesus uns den Sieg über unsere Feinde gibt.

Dies wird im Vers 3 anhand eines Beispiels aus der Geschichte erklärt, wo vom „Tag Midians“ die Rede ist. Als die Israeliten von Gott abfielen, ließ Gott es zu, dass sie von den Midianitern bedrängt wurden. Jedes Jahr fielen die Midianiter zur Zeit der Ernte so zahlreich wie Heuschrecken ins Land und zerstörten ihre Ernte. Gegen ihre Übermacht konnten die Israeliten nichts ausrichten. Sie waren so hoffnungslos und verzweifelt, dass sie sich in den Bergen und Schluchten Höhlen machten, damit sie sich beim nächsten Angriff dort verstecken konnten. Aber Gott erweckte für sie einen Mann namens Gideon und wendete durch ihn ihre Lage schlagartig. Gott selbst bewirkte, dass sie einen großen Sieg erlangten, der die Unterdrückung durch die Midianiter ein für alle Mal beendete. Gott zerbrach das drückende Joch auf ihren Schultern und den Stecken, mit dem ihre Feinde sie immer wieder gegängelt und vor sich her trieben hatten.

Was hat die Befreiung von den Midianitern mit dem Kommen Jesu zu tun? Die Midianiter, die die Israeliten unterdrückt und immer wieder beraubt haben, stehen anschaulich für die Macht der Sünde, die uns Menschen immer wieder angreift und uns den Frieden und die Freude raubt und unsere Lebensgrundlage zerstört. Mit ihrem Stachel treibt sie uns immer wieder an, zu sündigen in Gedanken, Worten und Taten. Die Schuld, die wir dadurch auf uns laden, ist wie ein schweres Joch, das wir nicht abwerfen können. Wir können uns von dieser Last und den Angriffen nicht befreien, so wie die Israeliten sich von der Herrschaft der Midianiter nicht befreien konnten. Aber so, wie Gott den Israeliten an einem Tag den Sieg über die Midianiter gegeben und sie für immer von ihrer Herrschaft befreit hat, hat er uns seinen Sohn Jesus Christus gesandt, der für uns den Sieg gegen die Sünde, den Satan und den Tod errungen hat. Jesus tat dies, indem er unsere Sünde selbst auf sich nahm und am Kreuz dafür starb. Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat Jesus das Joch der Sünde und den Stecken des Teufels zerbrochen. Die Befreiung von der Herrschaft der Sünde, die Jesus uns schenkt, ist wirklich Grund zu lautem Jubel und zu großer Freude! Unter seiner guten Herrschaft können wir von ihrer Macht frei leben und gute geistliche Frucht im Leben bringen und sie genießen. Preiset Gott dafür!

Bis hierhin hat der Prophet Jesus nur als das große Licht in der Finsternis und als Grund zu großer Freude beschrieben. Aber wer ist der, durch den diese große Veränderung kommt? Im Vers 5a heißt es: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter.“ Die große Errettung beginnt mit der Geburt eines Kindes. Aber dieses Kind ist kein gewöhnliches Kind. Von ihm wird gesagt, dass es uns geboren ist und uns gegeben ist. Er ist ein König, der für das ganze Volk geboren ist. Obwohl Jesus als ein kleines Kind auf die Welt kam, ruhte von Anfang die göttliche Herrschaft auf ihm.

Welches Wesen hat er? Im Vers 5b werden seine Charaktereigenschaften durch vier Namen beschrieben. Betrachten wir Vers 5b: „Und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst“. Die Menschen damals hatten einen Namen und einen Namenszusatz, meistens „Sohn des sowieso“ oder die Stadt, aus der sie kamen, um sie zu identifizieren. Aber Jesus, der für die Welt die Wende bringt, kann auch nicht annähernd durch einen oder zwei Namen beschrieben werden. Hier finden wir acht Bezeichnungen , von denen jeder eine große Bedeutung hat. Luther hat diese acht Bezeichnungen zu vier Doppel-Namen zusammengefasst, die Jesu einzigartige Person beschreiben. Lasst uns Jesus durch seine Namen besser kennen lernen!

Der erste Name ist „Wunder-Rat“. Die alte Elberfelder Übersetzung sagt hier getrennt übersetzt „Wunderbarer, Ratgeber“, die NIV „wonderful Counselor“, also „wunderbarer Ratgeber“. Es gibt viele Arten von Rat, den wir auf der Welt bekommen können, zum Beispiel wie man sein Studium gut schaffen oder wo man eine günstige Wohnung finden oder eine gute Arbeitsstelle bekommen kann. Menschen können uns aufgrund ihrer Erfahrung oder Wissens gute Tipps oder Ratschläge geben, aber keinen wunderbaren Rat. Aber Jesus ist der, der uns wunderbaren Rat gibt. Denn sein Rat kommt von Gott. Jesus gibt uns nicht nur Rat, wie wir leben können, sondern offenbart uns durch sein Wort die Antwort auf die wichtigsten Fragen, wie die Frage, wer Gott ist und wie wir zu ihm kommen können. Kein Mensch kann diese Frage zuverlässig beantworten. Aber Jesus sagt: „Wer mich sieht, der sieht den Vater“ (Joh 14,9). Und: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich“ (Joh 14,6). Wir haben die wichtige Frage: Gibt es ein Leben nach dem Tod? Die Menschen haben darüber unendlich spekuliert und philosophiert und Tausende von Ansichten dazu hervorgebracht. Aber Jesus sagt klar: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben“ (Joh 11,25.26). Wenn wir ernsthaft fragen, wie wir leben sollen, damit unser Leben hier gelingt und wir das wahre, ewige Leben erlangen, sagt Jesus uns: „Folge mir nach!“ (Mk 2,14). Wenn wir versuchen, Jesus nachzufolgen, stoßen wir auf viel Schwierigkeiten und in uns entsteht eine neue Frage: Wie kann ich Jesus wirklich folgen? Jesus sagt in seiner göttlichen Weisheit und Wahrhaftigkeit: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Mk 8,34). Wenn wir uns auf unsere Gedanken oder auf andere Menschen verlassen, sind wir bald am Ende. Aber Jesus ist voll von göttlicher Weisheit und Wahrheit; er gibt uns in allen Dingen wunderbaren Rat.

Der zweite Name Jesu ist „Gott Held”. Die englische NIV Übersetzung sagt an dieser Stelle „Mighty God“. Dieser Name bedeutet, dass Jesus der starke Gott ist. Jesus konnte unzählige Kranke heilen, Blinde sehend und Lahme gehen machen und sogar Tote auferwecken, weil er nicht nur ein Mensch, sondern Gott ist. Jesus gebrauchte seine Macht dafür, um gegen unsere schlimmsten Feinde, die Sünde, den Tod und den Teufel zu kämpfen. Jesus besiegte sie für uns, indem er am Kreuz starb und von den Toten auferstand, und erwies sich so als unser wahrer Held. Jesus ist unser Held, auf den wir uns in der größten Not im Leben und im Tod verlassen können.

Jesu dritter Name heißt „Ewig-Vater“. Ein Vater versorgt und schützt seine Kinder und erzieht sie. Ein guter Vater liebt seine Kinder und versteht sie; er hilft ihnen, sich selbst zu erkennen, ihre Stärken zu entwickeln und gegen ihre Schwächen zu kämpfen. Ein guter Vater ermutigt und hilft seinen Kindern durch sein eigenes Vorbild, was wohl das wichtigste Erbe ist, das er hinterlassen kann. Unsere irdischen Väter können uns nur begrenzt lieben, verstehen und helfen und uns nur ein ganz begrenztes Erbe hinterlassen. Aber der Ewig-Vater Jesus liebt, versteht, schützt und erzieht uns in vollkommener Weise. Er sieht uns nicht einfach nur mit menschlichen Augen, sondern versteht auch unsere Probleme und Wünsche im tiefsten Herzen. Er hilft uns nicht nur, bestimmte Einstellungen und Verhaltensweisen zu erlernen, sondern er reinigt, heilt und erneuert unser Herz und hilft uns so, zu dem Menschen zu werden, den Gott sich eigentlich gedacht hat. Während unsere Väter nur eine Zeitlang für uns da sind, hilft Jesus uns unser Leben lang in vollkommener Weise und liebt uns auch in Ewigkeit. Vor allem gibt Jesus uns als ewiger Vater als Erbe das ewige Leben in seinem herrlichen Reich.

Jesu vierter Name ist „Friede-Fürst“. Alle Menschen wünschen sich Frieden. Ein wichtiger Grund, warum Weihnachten bis heute so viele Menschen anzieht, ist ihre Sehnsucht nach wahrem Frieden mit anderen und tiefem Frieden in ihrem Inneren. Diesen Frieden können sie aber nirgends in der Welt finden. Jesus ist der Friede-Fürst, der durch sein reines Leben und seinen Tod am Kreuz den Sieg über die Sünde und den Teufel errungen hat und uns Frieden mit Gott schenkt. Solange wir noch unser eigener Herr sein wollen, haben wir keinen Frieden. Aber wenn wir wirklich unter Jesu Herrschaft leben, haben wir wahren Frieden hier und in Ewigkeit.

Der Vers 6 besagt, wie Jesus sein Friedensreich weiter aufbaut: „… auf das seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit.“ Jesu Werk, die Menschen zu erlösen, fing ganz klein an, als er in in einem Dorf in Israel als ein Kind geboren wurde. Jesus predigten den Menschen in Galiläa das Evangelium von Gottes Reich und lud einzelne Fischer und Zöllner dazu ein, ihm zu folgen und unter seiner Herrschaft zu leben. Als Jesus am Kreuz starb, um für alle Menschen in der Welt den Weg in Gottes Reich zu öffnen, standen nur einige Frauen und ein Jünger unter seinem Kreuz. Aber das Reich, das Jesus aufrichtet, wächst unaufhörlich. Heute ist das Christentum zahlenmäßig die größte Weltreligion, und der Glaube an Jesus wächst weiter. Immer noch haben längst nicht alle Menschen seine Herrschaft angenommen. Viele leben noch unter der Macht der Sünde in Orientierungslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Schuld und Angst. Jesus will sein Reich ausweiten, in dem Recht und Gerechtigkeit herrschen. Er will, dass wir ganz unter seiner Herrschaft leben und von seinem Frieden erfüllt werden. Er will uns dazu gebrauchen, viele andere zum Leben unter seiner guten Herrschaft einzuladen.

In diesen Versen haben wir den wahren Grund zur Freude an Weihnachten erfahren. Jesus ist für uns als ein schwaches Kind in die Welt gekommen und hat sich für uns ganz gegeben, um aus der Finsternis in der Sünde herauszuholen und uns ein neues Leben im Frieden mit Gott und wahrer Freude zu schenken, das hier beginnt und in seinem Reich in Vollkommenheit ewig fortgesetzt wird. Jesus ist also gekommen, um eine völlige Wende in unserem Leben zu bewirken. Wenn wir ihn neu in unser Herz einlassen und unsere ganzes Leben unter seine Herrschaft stellen, will er uns mit seinem Licht ganz erleuchten und hell und rein machen kann. Diese wahre Wende und Befreiung ist nicht nur für bestimmte Menschen, sondern für alle Menschen in der Welt. Jesus will auch die Studenten und jungen Leute in unserer Stadt sowie alle Menschen in unserem Land und in der Welt mit seinem Licht erleuchten. Jesus ist als ein Kind geboren, damit jeder sich vor ihm beugen und ihn annehmen und neues ewiges Leben in seinem Reich erlangen kann. Das ist die wirklich gute Nachricht von Weihnachten!

Wie ist aber dieses großartige Werk möglich? Wie können wir sicher sein, dass dieses Werk an uns selbst und an anderen in unserer Gemeinde und in der ganzen Welt weitergeht und bis zum Ende der Geschichte vollzogen wird? Die Antwort auf diese Fragen finden wir in Vers 6b. Dort heißt es: „Solches wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth.“ Der Grund ist Gottes Eifer. Gott hat die Welt nach seinem guten Plan geschaffen und hat alles sehr gut gemacht, auch uns Menschen, die er als Krone der Schöpfung gemacht hat. Gott hat einen großen brennenden Eifer darum, die Ordnung und das Leben in seiner Schöpfung, die durch die Sünde der Menschen zerstört wurde, wiederherzustellen. Gottes Eifer hat ihn dazu getrieben, Jesaja in einer dunklen Zeit die Geburt eines Kindes vorauszusagen, das für sein Volk in der Finsternis ein großes Licht sein und sie von ihren Feinden befreien würde. Gottes Eifer hat bewirkt, dass etwa 700 Jahre später Gottes Sohn tatsächlich als ein Kind in die Welt kam. Jesus hat sein ganzes Leben dafür eingesetzt, um uns Menschen den Weg in sein herrliches Reich zu zeigen. Wegen Gottes Eifer um unser Erlösung hat er schließlich sein Leben gegeben und ist am Kreuz gestorben, damit wir Gottes Kinder werden und unter seiner guten Herrschaft leben können. Gottes Eifer hat dafür gesorgt, dass das Licht dieser Botschaft seit über 2000 Jahren nicht von der Finsternis der Welt erstickt wurde, sondern zahllose Menschen Jesus als ihren Herrn erkennen und neues Leben als Gottes Kinder erlangen konnten. Gottes Eifer hat auch uns zu ihm geführt und treibt ihn dazu an, sich weiter um uns zu kümmern und sein Werk der Reinigung und Heiligung in seinem Licht fortzusetzen, bis wir gereinigt und geheiligt in sein ewiges Reich einziehen können. Möge Gott jedem von uns helfen, Jesus in diesen Tagen als wunderbaren Ratgeber, starken Gott, ewigen Vater und Friede-Fürst zu erfahren und wahre Weih­nachts­freude zu erleben! Lesen wir zum Schluss noch einmal das Leitwort: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst.“

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Fragebogen: Jesaja 9,1 – 6 (Weihnachten 2020)

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Uns ist ein Kind geboren

„Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat,
Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst.“

Jesaja 9,5

  1. Beachte den Kontrast, den Vers 1 beschreibt. In welcher Lage befindet sich Gottes Volk und wie wird ihre Lage komplett anders? Worauf bezieht sich das und inwiefern gilt das auch für uns (vgl. 1,3.4; 3,16; 5,20-22)?
  2. Wie wird die große Freude beschrieben, die er hervorruft (2)? Was hat er dafür getan (3; vgl. Richter 7,14.15.22)? Was bedeutet Vers 4?
  3. Was ist passiert, was diese ganze Wende hervorbringt (5a)? Was bedeutet hier das wiederholte Wort „uns“? Welche Herrschaft ist auf seiner Schulter?
  4. Beachte die einzelnen Namen, die das Kind trägt (5b). Was sagen die Namen „Wunder-Rat“, „Gott-Held“, „Ewig-Vater“ und „Friede-Fürst“ über Jesus? Was bedeuten diese Eigenschaften Jesu für dich?
  5. Was sagt Vers 6 weiter über seine Herrschaft? Wodurch wird dies alles bewirkt (6b)? Was lehrt dieser Text über die Bedeutung von Jesu Geburt? Wie wirkt sich das in deinem Glaubensleben aus?
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