Predigt: 1. Korinther 15,35 – 58 (Sonderlektion)

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Was Gott mit seinen Kindern vor hat

Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft.

(1. Korinther 15,43)

Ein ungeborenes Zwillingspärchen unterhält sich im Bauch der Mutter.
„Sag mal, glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?“ fragt der eine Zwilling.
„Ja, auf jeden Fall! Hier drinnen wachsen wir und werden groß und stark für das was draußen an der frischen Luft kommen wird.“ antwortet der andere Zwilling.
„Ich glaube, das hast du eben erfunden!“ sagt der erste. „Es kann kein Leben nach der Geburt geben – und wie soll den ‚frische Luft‘ bitte schön aussehen?“
„So ganz genau weiß ich das auch nicht. Aber es wird sicher viel heller sein als hier. Und vielleicht werden wir mit den Beinen herumlaufen können und mit dem Mund tolle Sachen essen?“
„So einen Schwachsinn habe ich ja noch nie gehört! Mit dem Mund essen, was für eine verrückte Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns nährt. Und wie willst du herumlaufen? Dafür ist doch die Nabelschnur viel zu kurz.“
„Doch, das geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders sein.“
„Du träumst wohl! Es ist doch noch nie einer zurückgekommen von ’nach der Geburt‘. Mit der Geburt ist das Leben einfach zu Ende! Punktum!“
„Ich gebe ja zu, dass keiner genau weiß, wie das Leben ’nach der Geburt‘ aussehen wird. Aber ich weiß, dass wir dann unsere Mutter sehen werden und sie wird sicher für uns sorgen.“
„Mutter??? Du glaubst doch wohl nicht an eine Mutter? Wo soll denn die nun sein, bitteschön?“
„Na hier – überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein!“
„So ein Blödsinn! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht! Schluss damit!“
„Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie leise singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt ganz sanft und liebevoll streichelt …“

Wie wir an dieser Geschichte sehen können, hält es der eine Zwilling für eine Dummheit, an einem Leben nach der Geburt zu glauben. Damit beschreibt diese Geschichte genau ein Problem, was einige Korinther mit dem Glauben an die Auferstehung hatten. Im Vers 35 von Kapitel 15 erfahren wir, dass einige fragten: „Wie werden die Toten auferwecken? Und mit was für einem Leib werden sie kommen?“ Bevor Paulus auf diese Frage eingeht, sagte er zu diesen: Tor!, was soviel bedeutet, wie „Dummkopf“. Und es ist sehr verwunderlich, dass Paulus so antwortet. Wir kennen ja den Spruch: „Es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten!“ Sah das etwa Paulus anders? Dass Paulus so antwortete, hat einen ganz bestimmten Grund. Hinter diesen Fragen erkennt Paulus ein kritisches Hinterfragen der Auferstehung, wohl ungefähr so: „Wie sollen denn die Toten auferstehen, ihre Leiche ist doch schon verwest? Wird denn etwa ihre Leiche wiederhergestellt werden? Das glaubst du doch selbst nicht! Wir können uns nicht vorstellen, wie die Auferstehung von den Toten geschieht, also gibt es sie auch nicht!“ Also, ganz ähnlich wie der eine Zwilling. Die Korinther waren ja Griechen. Und die Griechen waren ja bekanntlich weise, gebildete Menschen. Als gebildete Menschen hatten diese Korinther ein intellektuelles Problem mit der Auferstehung. Sie waren einfach zu intelligent, um an die Auferstehung zu glauben. Sie waren zu schlau dafür. Wie der Zwilling hielten sie es für eine Dummheit, an die Auferstehung zu glauben. Nun verstehen wir, warum Paulus zu ihnen sagte: „Tor!“ Dieses Wort sollte ihnen helfen, es nicht für intelligent zu halten, die Auferstehung zu hinterfragen, sondern es als Dummheit erkennen.
Dass aber Paulus in Wirklichkeit kein ungeduldiger, sondern ein sehr liebevoller Lehrer war, können wir daran sehen, dass er ein langes Kapitel der Auferstehung gewidmet hat. Man könnte ja meinen, dass Paulus diesen Gebildeten ihre Fragen auf einem ganz hohen Niveau beantworten müsste. Aber die Ironie ist, dass Paulus ganz simple Bilder aus der Natur verwendet, um diesen Weisen die Auferstehung zu veranschaulichen. Gerade die Einfachheit dieser Bilder sollte ihnen helfen, die Dummheit hinter ihren kritischen Fragen zu erkennen.
Auch wir, von denen die meisten einen akademischen Bildungshintergrund haben, können der Gefahr laufen, ein intellektuelles Problem mit der Auferstehung zu haben. Und ebenso ist auch Heidelberg voll von intellektuellen Menschen, die nicht an die Auferstehung glauben. Auf dieses Problem geht der heutige Text aus Korinther 15,35-58 ein. Wir werden uns mit dem Text anhand von drei Fragen auseinandersetzen:
1. Welche Bilder gibt Paulus als Hilfen zum Glauben an die Auferstehung?
2. Wie wird die Auferstehung geschehen?
3. Welches Leben folgt aus der Tatsache der Auferstehung?

Teil 1: Bilder zur Auferstehung (V.35-49)
Betrachten wir Vers 36: Das erste Bild, das Paulus verwendet, ist ein Bild aus der Landwirtschaft, das Bild des Samenkorns. Es ist ein Bild, das den Korinthern aus dem Alltag sehr vertraut gewesen sein muss. Das wusste einfach jeder: Bevor eine Pflanze entsteht, muss der Same zuerst aufgehen, sich sozusagen auflösen. Ansonsten kann keine Pflanze entstehen. Das Sterben des Samenkorns ist also die Voraussetzung dafür, dass überhaupt eine Pflanze entstehen kann. Und ebenso ist es auch mit der Auferstehung. Unser Sterben ist nicht ein Beweis gegen die Auferstehung, sondern die Voraussetzung für die Auferstehung. Konkret die Voraussetzung dafür, einen neuen Leib zu bekommen. Unsere Erfahrungen mit dem Tod, Alterungsprozess, Leid und Krankheit sollten uns nicht daran hindern, an die Auferstehung zu glauben, sondern sollen in ihnen vielmehr Schritte zur Auferstehung sehen.
Wie setzt Paulus das Bild des Samenkorns fort? Betrachten wir Vers 37. Man sät ja nicht die künftige Pflanze aus. Wenn man zum Beispiel einen Kirschbaum in seinem Garten haben möchte, dann nimmt man ja nicht einen alten Kirschbaum und buddelt ihn in die Erde ein, damit ein neuer daraus wird. Man sät ja nur dessen Samen aus. Und was geschieht dann? Dann geschieht das Wunder. Aus dem Kirschkern entsteht etwas völlig Neues. Was hat ein Kirschbaum noch gemeinsam mit einem Kirschkern? Die Farbe ist anders, die Größe ist anders, die Form ist anders, der Duft ist anders, beide fühlen sich ganz anders an. Die Existenzweise des Kirschkerns ist völlig anders als die Existenzweise des Kirschbaums.
Wie kann das sein? Im Vers 38 sagt Paulus: Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will, einem jeden Samen seinen eigenen Leib. Gott erschafft dem Samen einen Leib. Man könnte auch sagen eine neue Existenzweise. Wie diese neue Existenzweise gestaltet ist, hängt einzig und allein davon ab, wie Gott es will. In 1. Mose 1,11 gab Gott den Befehl: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe, und fruchtbare Bäume, die ein jeder nach seiner Art Früchte tragen, in denen ihr Same ist auf der Erde. Dieser Schöpfungsbefehl Gottes wird bis heute immer und immer wieder aufs Neue ausgeführt. Jedes Mal wenn aus einem Kirschkern ein Kirschbaum wird, ist das ein Schöpfungsakt Gottes. Der erschaffende Gott ist hier am Werk.
Und was möchte Paulus damit sagen? Was hat das Ganze nun mit der Auferstehung zu tun? Wie am Anfang schon gesagt, gab es in der Korinthergemeinde einige Leute, die es sich offenbar nicht vorstellen konnten, wie man auferstehen kann, wenn doch die Leiche schon verwest ist. Das Bild vom Samenkorn macht aber deutlich, dass es für Gott überhaupt kein Problem ist, einen neuen Leib zu erschaffen. Derselbe Gott, der aus einem Samenkorn etwas völlig Neues erschaffen kann, kann auch aus unserem alten Körper einen völlig anderen und schöneren Körper machen. Wer Schwierigkeiten damit hat, sich das vorzustellen. Oder wer Schwierigkeiten damit hat, an die Schöpfungsmacht Gottes zu glauben, der schaue einfach in die Natur. Dort geschieht es immer wieder aufs Neue, dass Gott aus alte völlig andere Existenzweisen erschafft.
In den Versen 39-41 stellt Paulus weitere Vergleiche zur Natur her: Unter den Lebewesen gibt es eine unglaublich große Vielfalt. Das Aussehen der Menschen ist ganz anders als das Aussehen der Herdentiere und das Aussehen der Herdentiere ist nochmal anders als das der Vögel und das Aussehen der Vögel ist noch mal ganz anders als das Aussehen der Fische. Und selbst innerhalb dieser Arten von Lebewesen gibt es ja große Unterschiede. Es gibt zum Beispiel so viele verschiedene Menschen: Kurz, klein, dick, dünn, schwarz, weiß, blonde Haare, schwarze Haare, braune Haare, rote Haare, grüne Augen, blaue Augen, braune Augen, schwarze Augen usw. Aber das ist noch nicht alles. Bisher hat Paulus von irdischen Lebewesen gesprochen. Es gibt ja auch noch die himmlische Welt. Dort sind die Körper der Geschöpfe noch mal ganz anders. Im Gegensatz zu unseren Körpern haben sie Lichtglanz. Aber auch der Blick ins Firmament zeigt uns eine große Vielfalt: Der Lichtglanz der Sonne ist anders als der des Mondes und der Lichtglanz des Mondes nochmal anders als der der Sterne. Und man braucht nur einen Blick in den Sternenhimmel zu werfen, um zu sehen, dass auch die Sterne untereinander sehr unterschiedlich sind. Alle diese Beispiele zeigen, was für einen Reichtum und was für eine Vielfalt die Schöpfung hat. Die Korinther, die an der Auferstehung zweifelten, zweifelten letztendlich an der Schöpfungsmacht Gottes. An dem Reichtum und Vielfalt der Schöpfung sollten sie aber erkennen, wie gewaltig Gottes Schöpfungsmacht ist. Für Gott, der die Welt so kreativ und vielfältig erschaffen kann, ist es gar kein Problem einen Auferstehungsleib zu erschaffen. Wie Gott aus einem leblosen Samenkorn etwas völlig neues und Lebendiges erschaffen kann, so kann auch Gott aus dem alten Körper einen völlig neuen und besseren Körper machen.
Dieser Körper ist in jeglicher Hinsicht besser als der alte Körper.
In den Versen 42 bis 44 nennt Paulus vier Punkte: Erstens ist der neue Körper unvergänglich. Unsere jetzigen Leiber sind vergänglich. Im Laufe unseres Lebens altern wir, Falten machen sich breit, die grauen Haare werden immer mehr oder fallen vorher aus, die Kraft lässt nach, dann der Tod und schließlich die Würmer, und aus ist es dann mit unserem irdischen Leib. Doch ganz anders verhält es sich mit dem himmlischen Leib. Er ist unvergänglich. Er unterliegt keinem Zerfallsprozess. Dort gilt „Schönheit vergeht“ nicht mehr. Wir sind dann von einer Ewigkeit in die andere schön. Im Gegensatz zu den irdischen Leibern werden unsere himmlischen Leiber herrlich sein. Unsere Leiber werden voller Lichtglanz sein. Sie werden hell leuchten. Dabei ist sicherlich mit dem Wort „Herrlichkeit” noch mehr gemeint als dass wir leuchten werden. Der dritte Unterschied ist, dass der neue Leib im Vergleich zu unserem jetzigen Leib kraftvoll sein wird. Unsere irdischen Leiber sind schwach. Wie schwach wir sind, merken wir jeden Tag: Kaum haben wir uns angestrengt, sind wir ermüdet und brauchen eine Pause. Und einen nicht unerheblichen Teil des Tages verwenden wir für den Schlaf. Kaum haben wir eine Mahlzeit hinter uns, haben wir schon nach ein paar Stunden wieder Hunger und haben es nötig, dass wir wieder Energie zu uns führen. Weil sich vieles so anstrengend für uns fühlt, haben Menschen Maschinen erfunden, die ihnen das Leben erleichtern. Vieles würde unser Körper ohne Maschinen gar nicht leisten kann, weil er eben zu schwach ist. Der himmlische Körper aber wird anders sein. Vielleicht wird er nicht einmal Schwächephasen kennen. Wahrscheinlich wird man sich jeden Tag wie neugeboren fühlen und so, als ob man Bäume ausreißen könnte. Wir werden uns so richtig topfit fühlen. Wie lange ist es her, dass du dich so richtig topfit gefühlt hast? Im Vers 44 nennt Paulus den vierten Unterschied: Unser jetziger Körper ist ein natürlicher Körper. Er steht im Einklang mit unseren natürlichen Bedürfnissen, essen, trinken, schlafen usw. Aber er steht nicht im Einklang mit den Bedürfnissen des Geistes, der uns durch die Wiedergeburt geschenkt geworden ist. Vielmehr erfahren wir, dass unser Körper den geistlichen Bedürfnissen im Wege steht. Ein schönes Beispiel hierfür sehen wir im Garten Gethsemane. Die Jünger wollten mit Jesus wachen, schliefen aber ein. Jesus sagte hierzu: Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach. Was Jesus hier sagt, kennen sicherlich die meisten von uns. Sobald wir uns vornehmen, geistlich zu leben, merken wir bald, dass unser Körper nicht mitmachen will. Unser Körper fängt an zu streiken. Zum Beispiel abends, wenn wir noch vor dem Schlafengehen beten wollen. Im Kapitel 9 dieses Briefes sprach Paulus sogar davon, dass er seinen Leib bezwingen und schinden muss, um nicht verwerflich zu leben. Auch das zeigt, wie sehr unser Leib einem geistlichen Leben im Wege steht. Wir empfinden ihn als regelrecht störend. Bitte nicht falsch verstehen. Es ist nicht so, dass unser Körper an sich gottfeindlich ist. Aber unser sündhaftes, ichhaftes Wesen gebraucht die Schwachheiten und Bedürfnisse unseres Körpers gegen unsere geistlichen Wünsche. Die Bibel nennt das Fleisch. Nach Galater 5 streitet das Fleisch gegen den Geist. Wir merken das, sobald wir im Geist leben wollen. Beide, Fleisch und Geist streiten gegeneinander. Wenn wir aber einen himmlischen Leib bekommen werden, wird dieser Kampf aufhören. Weil der himmlische Leib selber geistlich ist, wird er in völliger Harmonie mit dem Geist Gottes in uns stehen. Ist das nicht wunderbar? Wenn ich diese Verse lese, kommt mir nur ein Gedanke: Wow, Gott hat mit uns echt was Großartiges vor!
Bisher hatte Paulus den Korinthern mit Hilfe verschiedener Bilder geholfen, an einen neuen Auferstehungsleib zu glauben. In den nächsten Versen 44 bis 49 gebraucht Paulus nicht Bilder, sondern zwei logische Argumente für einen Auferstehungsleib. Das erste logische Argument finden wir am Ende von Vers 44: Wenn es einen natürlichen Leib gibt, dann muss es auch einen geistlichen Leib geben. Warum aber muss das so sein? Als Gott Adam erschuf, wurde Adam zu einer lebendigen Seele. Gott gab ihm einen Leib, der zur Seele passt und den seelischen Bedürfnissen entspricht. Aber seitdem Menschen wiedergeboren werden können und den Geist Gottes in sich haben, haben sie einen Leib, der nicht zu ihrer geistlichen Natur passt. Paulus argumentiert also so: Wenn Gott damals einen Leib gab, der zu unserer Seele passt, warum sollte er uns dann nicht einen Leib geben, der zu unserer geistlichen Natur passt?
Das zweite logische Argument finden wir in Vers 49: Wenn wir das Bild des Irdischen getragen haben, dann werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen. Warum ist das aber so? Wie die vorherigen Verse zeigen, meint Paulus mit dem Irdischen Adam und mit dem Himmlischen Christus. Christus wird auch als letzter Adam bezeichnet. Es gibt sozusagen zwei Adams. Jeder dieser beiden Adams hat eine Menschheit hervorgebracht – Adam durch die Fortpflanzung und Christus durch die Wiedergeburt. Zwischen dem jeweiligen Adam und der Menschheit, die aus dem Adam hervorgegangen ist, besteht eine Gesetzmäßigkeit: Sie haben dasselbe Wesen. So wie wir dasselbe Wesen wie Adam haben, so werden wir auch in der Ewigkeit voll und ganz das Bild Christi tragen. Gerade wegen dieser Gesetzmäßigkeit können die Gläubigen sicher sein, dass sie in der Ewigkeit einen neuen Leib bekommen werden. In Phillipper 3, 21 heißt es: der unsern geringen Leib verwandeln wird, dass er gleich werde seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann.
Einige Korinther hatten die Frage gestellt: mit was für einem Leib kommen sie? Paulus ist auf diese Frage 15 Verse lang eingegangen. Er hat viele Bilder und logische Argumente hierzu gegeben. Aber es gab noch eine andere Frage, die die Korinther gestellt hatten: wie werden die Toten auferweckt? Diese Frage spielt auf das Wie der Auferstehung ab. Wie geschieht die Auferstehung? Auf das Geschehen der Auferstehung geht Paulus in den nachfolgenden Versen ein. Wir wollen das im zweiten Teil der Predigt betrachten.

Teil 2: Das Geschehen der Auferstehung (V. 50 – 58)
Betrachten wir Vers 50. Paulus greift hier ein Missverständnis über die Auferstehung auf, das wohl einige Korinther hatten. Einige gingen wohl davon aus, dass bei der Auferstehung die Leiche des Gläubigen wiederhergestellt wird. Paulus aber sagt ihnen: Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben. Denn Vergängliches kann nicht Unvergängliches erben. Eigentlich hatte ja Paulus dieses Missverständnis schon mit dem Bild des Samenkorns widerlegt gehabt. In Vers 37 hatte Paulus erklärt, dass man nicht eine alte Pflanze aussäht, um eine neue Pflanze zu bekommen. Dass also eine neue Pflanze entsteht hat rein gar nichts damit zu tun, dass eine tote Pflanze wiederhergestellt wird. Und genauso ist es auch mit der Auferstehung: Die Auferstehung hat nichts mit der Wiederherstellung der Leiche zu tun. Dass aber Paulus dieses Missverständnis noch einmal aufgreift, macht deutlich, wie wichtig es ist ihm ist, dieses Missverständnis aus dem Weg zu räumen. Paulus beginnt mit den Worten: Das sage ich aber, liebe Brüder – Diese Worte lassen anklingen, dass Paulus hier etwas mit Nachdruck vermitteln wollte. Warum war es Paulus so wichtig, nicht solch ein Missverständnis über die Auferstehung zu haben? Mit Fleisch und Blut meint Paulus nicht nur unsere Körperlichkeit, sondern unser ganzes jetziges Wesen. Wenn Fleisch und Blut das Reich Gottes erben könnten, würde das bedeuten, dass man nicht verändert werden muss. Es würde bedeuten, dass man sein sündhaftes, ichhaftes Wesen mit in das Reich Gottes nehmen könnte. Gerade für die Korinther, von denen viele fleischlich lebten, wäre solch ein Missverständnis verhängnisvoll.
Wir müssen verstehen, die Auferstehung ist nicht dasselbe wie ein Weiterleben nach dem Tod. Der Glaube an einem Weiterleben nach dem Tod gibt es in anderen Religionen. Zum Beispiel im Alten Ägypten. Man hat die Leichen von Verstorbenen mumifiziert, um den Körper des Verstorbenen für das Leben nach dem Tod zu erhalten. Aber nicht nur das. Man hat den Verstorbenen auch bestimmte Gegenstände ins Grab gelegt, die sie für das Leben nach dem Tod brauchen würden. Man hat wirklich versucht, sein altes Leben mit in das Jenseits zu bringen. Und was sagt Paulus dazu? Im Grund genommen zwei Worte: „Vergiss es!“ oder: „Mache dir keine falsche Hoffnung!“ Denn: „Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben.“ Da wo Gott regiert, hat unser ichhaftes Wesen einfach kein Platz. Wer kein Problem damit hat, so zu sein, wie er ist und gar nicht den Wunsch hat, verändert zu werden, kann sich auch gar nicht wirklich auf die Auferstehung freuen. Er will ja gerne das Alte noch an sich behalten. Diejenigen hingegen, die Leid über ihr verdorbenes Wesen tragen, empfinden die Auferstehung als Erlösung.
Wenn Fleisch und Blut nicht das Reich Gottes erben werden, wie geschieht denn dann die Auferstehung? Betrachten wir Vers 51. Das Schlüsselwort ist hier „Verwandlung“. Nicht alle werden sterben, in der Endzeit werden viele Gläubige auch entrückt werden. Aber ob gestorben oder entrückt, alle werden verwandelt werden. Wie können wir uns diese Verwandlung vorstellen? Es gibt in der Natur ein schönes Beispiel. Es ist das Beispiel des Schmetterlings. Wenn wir die Metamorphose im Unterricht behandeln, lasse ich die Kinder die Gestalt der Raupe mit der Gestalt des Schmetterlings vergleichen. Beim Tagpfauenauge ist die Raupe schwarz und haarig, mit weißen Punkten. Eigentlich überhaupt nicht schön. Aber der Schmetterling ist dagegen wunderschön. Schöne kräftige rote Farben mit blauen, schwarzen und weißen Flecken. Was bei der Metamorphose geschieht ist also folgendes: Gott verwandelt einen Körper von geringer Herrlichkeit in einen Körper von großer Herrlichkeit. Und genau dasselbe geschieht bei der Auferstehung. Also, wenn du eine bessere Vorstellung davon haben möchtest, wie die Auferstehung geschieht, dann besorge dir ein Glas, tue ein Brennnesselblatt mit der Raupe oder einem Raupenei hinein, dann beobachte und siehe, was für ein Wunder Gott tut.
Doch in einer Sache hinkt der Vergleich mit der Metamorphose. Solch eine Metamorphose dauert zwei bis drei Wochen. Wie lange aber dauert die Verwandlung in der Auferstehung? Im Vers 52 sagt Paulus: in einem Nu, in einem Augenblick. Und wann wird dieser Augenblick sein? Im Vers 52 heißt es weiter: bei der letzten Posaune; denn posaunen wird es, und die Toten werden auferweckt werden, unvergänglich sein, und wir werden verwandelt werden. Die Gläubigen entschlafen, wobei ihnen Gott verspricht, sie zu Seiner Zeit aufzuerwecken. Und dann, wenn es Zeit ist, klingelt der große Wecker, die letzte Posaune. Wie ergeht es euch, wenn ihr diese Zeilen liest? Es ist so, wie wenn Eltern ihre Kinder schlafen legen und ihnen versprechen aufzuwecken, wenn das besondere Ereignis kommt, zum Beispiel Silvester. Für die Kinder sind das Momente voller Vorfreude. Und für uns sollten diese Verse auch Vorfreude erwecken.
Was wird als Nächstes geschehen? Lesen wir die Verse 54 – 55 gemeinsam: 54 Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht (Jesaja 25,8; Hosea 13,14): „Der Tod ist verschlungen vom Sieg. 55 Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ Mit der Verwandlung der Gläubigen wird auch der Tod besiegt sein. Im Grunde genommen wurde der Tod schon besiegt, als Jesus am Kreuz für unsere Sünden starb. Am Kreuz hat Jesus den entscheidenden Schlag gegen den Tod vollbracht. Seitdem ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann der Tod endgültig entfernt wird. Aber noch stellt der Tod eine bittere Realität in unserem Alltag dar. Immer wieder erfahren wir davon, dass Menschen gestorben sind, sei es aus Alter, Unfall, Krankheit usw. Gerade in dieser Zeit, wo der Corona-Virus herum geht, ist immer wieder von Todeszahlen die Rede. Aber wenn die Auferstehung geschieht, wird der Tod voll und ganz besiegt sein, endgültig der Vergangenheit angehören. Triumphierend werden wir sagen: „Der Tod ist verschlungen vom Sieg. Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“
Wie schließt Paulus das Thema der Auferstehung ab? Lasst uns das im dritten Teil der Predigt betrachten.

Teil III: Praktische Konsequenzen aus der Auferstehung (V. 58)
Im Grunde genommen hatte Paulus mit V. 57 alles gesagt, was er über die Auferstehung sagen wollte. Er hätte an dieser Stelle schließen können. Aber Paulus bleibt an dieser Stelle nicht stehen. Eine Frage musste unbedingt noch geklärt werden. „Was bedeutet das Ganze nun für das Leben im Hier und Jetzt?“, „Was bedeutet das Ganze nun in Bezug auf die Praxis?“ Auferstehung und alltägliche Praxis waren für Paulus unzertrennbar miteinander verbunden. Für Paulus war es selbstverständlich, dass beide zusammengehören. Das sehen wir bspw. im Vers 32: Habe ich nur im Blick auf dieses Leben in Ephesus mit wilden Tieren gekämpft, was hilft’s mir? Wenn die Toten nicht auferstehen, dann »lasst uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot!
Man kann eben nicht genug über die Auferstehung gesprochen haben, ohne auch den Praxisbezug hergestellt zu haben. So kommt Paulus am Ende darauf konkret zu sprechen. Also, was sind die praktischen Konsequenzen aus dem Glauben an die Auferstehung? Lesen wir gemeinsam V. 58: Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unerschütterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn. Fest und unerschütterlich sein; zunehmen in dem Werk des Herrn und sich nicht frustrieren lassen – das sind die Konsequenzen aus der Auferstehung.
Wenn in uns der Glaube an die Auferstehung lebendig ist, dann können wir fest und unerschütterlich sein. Fest und unerschütterlich sein in der Lehre, nicht abweichen vom reinen Evangelium (weder von der gesetzlichen Seite noch von der liberalen Seiten her). Fest und unerschütterlich sein bedeutet aber auch, unabhängig von den Umständen und Situationen dem Herrn zu folgen. Die Corona-Situation hat bei manchen von uns das Leben erschwert. Aber durch einen lebendigen Glauben an die Auferstehung kann ich sagen: „Selbst wenn uns die Umstände so hart treffen, dass wir sterben, können wir doch getrost sein, weil wir auferstehen werden.“
Wenn der Glaube an die Auferstehung in uns lebendig ist, können und wollen wir in dem Werk des Herrn zunehmen. Von der Auferstehung her bekommen wir einen ganz anderen Blick auf unser Leben und verstehen, dass das, was in diesem Leben wirklich zählt, das Kommen des Reiches Gottes ist. Wir werden dann nicht weniger, sondern mehr machen für Gott. Nicht zurückschrauben, sondern aktiv dem Herrn dienen, Gott mit Eifer und Leidenschaft dienen. Und hier ist nicht blinder Aktionismus gemeint. Paulus sagt: in dem Werk des Herrn – also nicht im eigenem Werk, sondern in dem Werk des Herrn. Das tun, was Gott für einen im Rahmen Seines Werkes vorgesehen hat. Wenn es bei mir in dem Dienst für den Herrn ständig heißt: „ich habe keine Zeit“, oder „das ist gerade zu viel für mich“ usw., dann muss ich mich fragen, wie lebendig mein Glaube an die Auferstehung ist. Wie schon erwähnt, sind bei Paulus Auferstehung und das alltägliche Leben unzertrennbar miteinander verbunden. Wie lebendig der Glaube an die Auferstehung in uns ist, zeigt sich darin, wie wir leben.
Wenn der Glaube an die Auferstehung in uns lebendig ist, können wir die Gewissheit haben, dass unsere Arbeit nicht vergeblich ist. Mit anderen Worten: Kraft der Auferstehung lassen wir uns nicht so leicht frustrieren. Im Glaubensleben haben wir extrem viel mit Frustration zu kämpfen. Ich glaube, dass Frustration zu eine der größten Herausforderungen unseres Glaubenslebens gehört. Eines Abends kam ich in die Gemeinde. Dort war zufällig noch jemand aus der Gemeinde. Er sah ziemlich frustriert aus. Er erzählte mir davon, dass sein Bibelschüler trotz mehrerer Jahre Bibellesens unverändert sei. Was ist das? Es ist sehr frustrierend. Aber weil es eine Auferstehung gibt, wird das, was wir für den Herrn getan haben, nicht vergeblich sein. Es wird in der Ewigkeit belohnt werden. Hiervon spricht 1. Kor 3,13f: Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Die Belohnung ist unabhängig davon, ob wir hier schon die Früchte unserer Arbeit sehen oder nicht. Weil es die Auferstehung gibt, gibt es immer einen Grund zu hoffen.
Lasst uns an dieser Stelle fragen: Wie ist es uns bei der Betrachtung von Kapitel 15 ergangen? Haben wir dieses Kapitel mit dem Kopf oder auch mit dem Herzen aufgenommen? Wenn nur Ersteres der Fall ist, dann studiere dieses Kapitel noch einmal. Es ist wichtig zu verstehen, dass dieses Kapitel uns für die Auferstehung begeistern will. Es will in uns Vorfreude erwecken. Es will in uns Gedanken erwecken wie: „Wow, Gott hat einen gewaltigen Plan. Gott hat mit uns was Großes vor! Ich freue mich schon drauf!“

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Fragebogen: 1. Korinther 15,35 – 58 (Sonderlektion)

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Gott gibt uns den Sieg

„Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!“

(1. Korinther 15,37)

  1. Welche zwei Fragen greift Paulus in Vers 35 auf? Warum nennt Paulus die Menschen, die solche Fragen stellen, Narren (36)? Wie hilft er uns mit dem Bild vom Samenkorn und der ausgewachsenen Pflanze, die Auferstehung zu verstehen (37.38)?
  2. Was lehren die Verse 39-41 über die Auferstehung? Wie wird sich der Auferstehungsleib von unserem jetzigen Leib unterscheiden (42-44)? Welche Hoffnung gibt uns das?
  3. Betrachte die Gegenüberstellung von Adam und Christus (45-48). Wie hat uns Adam geprägt und wie wird uns Jesus aber prägen (49)?
  4. Warum können Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben (50; Joh 3,3b.6; Röm 7,14-24)? Was beinhaltet das Geheimnis (51)? Was wird zur Zeit der letzten Posaune passieren (52; 1.Thess 4,15-17; Offb 11,15-18)? Was muss nämlich passieren (53)?
  5. Was wird dadurch erfüllt (54)? Denke über den Sieg nach, den Paulus verkündigt (55.56). Welche Hoffnung und Orientierung gibt uns der kommende letzte Sieg über den Tod für unser alltägliches Leben? Mit welcher Haltung dürfen wir Gläubigen leben (57; Joh 11,25.26; Joh 5,24)?
  6. Welche praktischen Konsequenzen soll die Auferstehung in unserem Leben haben (58)? Welche Arbeit ist nicht vergeblich?

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Predigt: 1. Korinther 15,12 – 34 (Sonderlektion)

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Der Triumph der Auferstehung

„Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.“

(1. Korinther 15,21.22)

Wie gefährlich ist die Coronavirus-Pandemie, in der wir uns jetzt seit Monaten befinden? Wissenschaftler hoffen, dass man durch die sogenannte Übersterblichkeit etwas besser verstehen kann, wie tödlich das Virus ist. Man schaut sich dabei an, ob es im Vergleich zum Durchschnitt mehr Todesfälle gibt, als man erwarten würde. In Deutschland konnte ein geringer Anstieg der Übersterblichkeit festgestellt werden. In anderen, stärker betroffenen Regionen sieht es anders aus. Die Washington Post hatte zusammen mit der Yale Universität Zahlen ausgewertet und kamen auf 15.400 mehr Todesfälle als erwartet im Zeitraum März bis Anfang April. Der Economist hat Ähnliche Zahlen veröffentlicht für Gebiete, die besonders von der Infektion betroffen waren, wie NYC, Spanien und Italien. Auf ganz Europa gerechnet, schätzt man, dass von Mitte März bis Mitte April ca. 100.000 mehr Menschen als normal gestorben sind. In der Altersklasse der über 65-jährigen lag die Übersterblichkeit bei ungefähr 95.000 Fällen.
Aus diesem Anlass hatte sich Reiner gewünscht, dass wir uns in diesen Wochen mit dem 1. Korintherbrief 15 beschäftigen. Wie die meisten von uns wissen, handelt es sich dabei um die ausführlichste Behandlung der Auferstehung in der ganzen Bibel. Was bedeutet die Auferstehung Jesu in einer Welt, die gepiesackt ist von Krankheiten, Seuchen und von Ungerechtigkeiten wie grassierender Rassismus? Was bedeutet die Auferstehung für uns, die wir in dieser Welt leben?
Für den heutigen Text würde ich vorschlagen, dass wir uns mit drei Punkten beschäftigen. Wir sehen erstens, die Finsternis (was wäre, wenn es keine Auferstehung gibt), zweitens, den Erstling (die Bedeutung von Jesu Auferstehung), und drittens, den Triumph (die Konsequenz von Jesu Auferstehung).

Erstens, die Finsternis
Vers 12: „Wenn aber Christus gepredigt wird, dass er von den Toten auferweckt ist, wie sagen dann einige unter euch: Es gibt keine Auferstehung der Toten?“ In der Korinther Gemeinde gab es einige, die behauptet hatten, dass es keine Auferstehung gibt. An Paulus Frage und den Argumenten kann man folgern, dass manche die leibliche Auferstehung kategorisch ausgeschlossen hatten: Auferstehung der Seele ist in Ordnung, aber kein physischer Körper. Was könnte dem zugrunde liegen? Bei den Griechen war eine vorherrschende Meinung, dass der Geist gut ist und der Körper schlecht. D.h., Ziel des Menschen war es, vom Köper erlöst zu werden. Eine Auferstehung war für solche Menschen nicht nur unerklärlich, sondern auch unerwünscht. Was immer die Hintergründe waren, war die Verleugnung der Auferstehung für Paulus absolut inakzeptabel. Er wendet in den Versen 12-19 rigorose Logik an, um zu zeigen, was die Konsequenzen dessen wären, wenn es keine Auferstehung gibt und wenn Jesus daher ebenfalls nicht von den Toten auferstanden wäre.
Hier wären die Folgen: in Vers 14 sagt Paulus, dass sowohl die Predigt als auch der Glaube sinnlos und leer wären; in Vers 15, dass alle Christen falsche Zeugen Gottes wären; in Verse 17, dass der Glaube nichtig wäre und alle Menschen noch unter ihrer Sünde wären; in Vers 18 dass die verstorbenen Christen verloren wären; und Vers 19 alle Christen wären die elendesten unter allen Menschen. Und das wäre natürlich eine Bankrotterklärung. Warum sollte man Christ sein wollen, wenn Jesus nicht auferstanden ist? Warum sollte man an Jesus glauben, wenn die Predigt des Evangeliums, der Glaube daran, keinen Sinn ergeben; wenn man im Namen Gottes Lügen verbreitet; wenn man immer noch in Schuld und Sünde steht; wenn es keine Erlösung vom Tod gibt und wenn man zu den am meisten zu bemitleidenden Personen des Planeten gehört?
Wenn wir auf unsere Zeit schauen, sehen wir, dass das Thema der Auferstehung nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. Jedes Jahr zu Ostern setzen sich die Zeitungen in Deutschland mit dem Thema auseinander. Der Spiegel hat meistens pünktlich zu Ostern eine große Titelserie dazu. Jedes Jahr aufs Neue versucht der Spiegel dann zu argumentieren, warum Jesus nicht auferstanden sein kann. Der Grund weshalb dieses Thema jedes Jahr neu verargumentiert werden muss, ist, weil die Faszination und Brisanz dieses Themas ungebrochen bleibt.
Viele Christen tun sich mit dem Thema schwer. Während meiner Zeit am Gymnasium (was auch schon einige Jahre zurückliegt), hatte ich 4 verschiedene evangelische Religionslehrer. Ich bin mir relativ sicher, dass niemand von diesen Lehrern an eine leibliche Auferstehung glaubte, auch diejenigen nicht, die von ihnen als Pfarrer arbeiteten. Bischof Gerhard Ulrich hatte einmal folgendes gepredigt: „Mit Ostern beginnt die Österliche Freudenzeit. Sieben Wochen lang reicht sie bis Pfingsten. Mit dieser Zeit feiern wir, was hier auf dem Bild beginnt: Auferstehung. Jesu Jünger und Begleiterinnen kommen nach dem Karfreitags-Schock vorsichtig aus ihren Verstecken und Löchern. Sie tauchen allmählich aus ihrer Isolation und Depression auf und begreifen: Jesus, der Gottesmann und Meister, ist tot. Sein Leib wird vergehen wie jeder Menschenleib. Aber das, was in ihm göttlich war, seine Sache, seine Haltung, seine Leidenschaft und sein Einsatz für das wahre Leben, das ist mitnichten tot. Es lebt – wenn sie, die Nachfolger es wollen. Durch sie und mit ihnen wird es leben. Einzeln wird ihnen das nicht gelingen, nur gemeinsam. Das hatten sie ja mit Jesus erlebt und begriffen!“
Das, was sich in diesem Zitat äußert, ist das, was viele an Ostern verkündigen: die Auferstehung ist ein schönes Symbol; sie ist ein Metapher dafür, dass das Leben weitergeht; dass christliche Nächstenliebe und ethisches Verhalten nicht aufhören müssen, nur weil Jesus im Grab liegt; dass nach dem Winter der Frühling kommt. Ich will an dieser Stelle Bischof Ulrich kein Unrecht tun. An anderer Stelle bekennt er sich zur Auferstehung Jesu. Aber dieses Bild, das er in diesem Zitat verwendet ist, gelinde gesagt, extrem unglücklich und nicht wirklich hilfreich. Es erweckt den starken Eindruck erweckt, dass es ein Christentum ohne die Auferstehung geben kann.
Welchen Wert hat die Botschaft von Jesu Nächstenliebe und vom Reich Gottes, wenn er nicht auferstanden ist? Diejenigen unter uns, die Nachrichten lesen, haben von der immensen Protestwelle gehört, welche nicht nur die gesamte USA erfasst haben, sondern viele andere westliche Länder. Der Afroamerikaner George Floyd wurde von einem weißen Polizisten mitten auf der Straße umgebracht. Dieser kaltblütige Mord von einem Polizisten, der eigentlich die Aufgabe hätte die Gesellschaft zu schützen und zu erhalten, hat zu landesweiten Protesten geführt, die immer noch anhalten. Und George Floyd steht in einer langen Liste von afroamerikanischen Opfern: Michael Brown, Eric Garner, Tamir Rice, Ahmaud Arbery… und das sind nur die bekanntesten Namen, von Menschen, die es in die Schlagzeilen geschafft haben. Die Angehörigen der Opfer werden selbst Opfer der Justiz: sie kämpfen für Gerechtigkeit und müssen mitansehen, wie die Mörder mit minimalen Strafen davonkommen. Der Mörder von Treyvon Martin wurde freigesprochen. Der Mörder von Eric Garner hat lediglich seine Arbeit verloren. Die Frage, die sich jeder Mensch an dieser Stelle fragen muss, ist, ob es jemals Gerechtigkeit geben wird.
Wenn Jesu nicht auferstanden ist, dann gibt es keine echte Gerechtigkeit. Wenn die Auferstehung nichts anderes als ein Symbol ist, welchen Trost und welche Hoffnung würden wir Menschen bieten wollen? Der Glaube ist nichtig, die Sünde hat gewonnen, die Menschen, die in Christus gestorben sind, haben verloren, und diejenigen Menschen die an Jesus glauben, die Nächstenliebe ausüben, die für Gerechtigkeit arbeiten, wären die großen Verlierer der Welt.
Für Paulus und die anderen Apostel war die leibliche Auferstehung Jesu keine Lehre, die verhandelbar war. Sie war absolut essentiell und zentral. N.T. Wright schreibt: „Paulus besteht darauf, dass durch die Auferstehung Jesu sich eine neue Welt eröffnet hat, in welche sich die alles-umfassende Macht der Sünde und des Todes nicht länger durchsetzen können. Die Welt, wie wir sie kennen, die Welt deren Lieblichkeit, Majestät, Duft und strotzendes Leben durch Tod, Verfall, Verderben und reiner Unordnung verspottet wurden, hat die Nachricht gehört, dass es doch einen Ausweg gibt; ein Weg in ein Leben, das noch größer, schöner und mächtiger ist als dieses Leben. … Diejenigen, welche die Auferstehung verleugnen, spielen nicht einfach mit einem verhandelbaren Bestandteil des christlichen Glaubens herum. Sie sägen den Ast ab, auf welchem das Evangelium und alle, die es angenommen haben, sitzen.“
Eine Welt, in welcher es keine echte Hoffnung auf Besserung gibt, in welcher es keine echte Gerechtigkeit gibt, in welcher alle Leiden und Schmerzen am Ende des Tages sinnlos sind, in welcher mit dem Tod alles vorbei ist: das ist die Finsternis von der Paulus spricht. Es ist die Finsternis eines Lebens ohne die Auferstehung Jesu.

Zweitens, der Erstling
Vers 20 ist der Wendepunkt: „Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.“ Ein Kommentator hatte angemerkt, dass wenn Paulus den Ausdruck „nun aber“ verwendet, eine profunde Aussage über das Evangelium folgt. So auch hier. Der Kontrast könnte nicht größer sein. Christus ist auferstanden. Paulus verkündigt das ohne Wenn und Aber, ohne irgendwelche Zweifel, als eine historische Tatsache.
Vers 20 erwähnt, dass Jesus der Erstling ist. Was bedeutet das? Die Erstlinge waren die ersten Opfergaben der Israeliten. Diese Opfergaben wurden während der zwei Hauptjahresfeste dargebracht. Beim Passafest wurde die erste Gerste dargebracht. Sieben Wochen später wurden an Pfingsten der Weizen dargebracht. Und natürlich war die Bedeutung vom Erstling, dass die ganze große Ernte noch folgen würde. Passa und Erntedank waren aber gleichzeitig die Feste, an denen sich die Juden an den Exodus erinnerten und an den Bund am Berg Sinai.
Und das ist es, was Paulus auf Jesus anwendet. Jesus ist der Erstling, der Erste, der von den Toten auferstanden ist. Er ist derjenige, der den wahren Exodus vollbracht hat, sein Volk aus der Sklaverei herauszuführen; nicht die Knechtschaft unter Politikern wie der Pharao, sondern die Befreiung von Sünde und Tod. Jesus ist diesen Weg vorangegangen. Und es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann alle, die Jesus angehören, ihm folgen würden. Zwei weitere Besonderheiten sollten wir hier festhalten.
Zum einen, das Bild vom Erstling ist ziemlich erstaunlich und unerwartet. Niemand hätte damit rechnen können. Die Juden hatten zwar kein grundsätzliches Problem mit der Auferstehung der Toten. Aber ihre Erwartung war, dass es eine Auferstehung am Ende der Geschichte geben würde. Dabei würden alle Menschen auferstehen oder zumindest alle diejenigen, die ein frommes Leben geführt hatten. Aber Jesu Auferstehung war etwas, was völlig gegen ihren Strich ging. Dass ein Mensch mitten in der laufenden Geschichte auferstehen würde, war völlig unerhört. Eine Auferstehung mitten in der Geschichte war eine Intervention Gottes. Dafür hatten sie kein Konzept. Damit konnten die Menschen erst einmal nichts anfangen.
Hier ist noch ein weiterer Gedanke. Verse 21 und 22 sagen: „Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.“ Hier ist von zwei Adams die Rede. Durch den ersten Adam kam der Tod als Resultat der Sünde. Es war die Sünde, dass sich der Mensch selbst an die Stelle Gottes setzen wollte; die Sünde, dass der Mensch meinte, ohne Gott glücklich sein zu können. Es ist durch die resultierende Trennung von Gott, dass der Tod in die Welt kam. Wir alle sind Adams Nachkommen. Ob wir wollen oder nicht, teilen wir seine DNA, sein Leben, seine Rebellion und sein Schicksal. Bzw., das war der Fall bis Rettung von außerhalb in diese Welt kam.
Das Erstaunliche an Gottes Rettung ist, dass Gott keinen anderen Weg sah, uns zu retten, als selbst so zu werden wie wir. Gott hat keine andere Möglichkeit gesehen, uns zu befreien und zu erneuern, als selbst Mensch zu werden. Jesus ist dieser Mensch. Er ist der Mensch, wie der erste Adam hätte sein sollen. Jesus hat das Leben gelebt, das wir hätten leben sollen und ist den Tod gestorben, den wir verdient hätten. Und er ist von den Toten auferstanden. Und weil Jesus vollkommen Mensch wurde, konnte Jesus zum zweiten Adam werden. Jesus ist unser Stellvertreter.
Und weil dem so ist, werden in Christus alle lebendig gemacht. Und die große Frage, die sich uns dann stellt ist, ob wir noch in Adam sind oder schon in Christus?

Drittens, der Triumph
In Vers 24 und den folgenden spricht Paulus von einer weiteren direkten Konsequenz der Auferstehung. Jesus wird herrschen: „danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er vernichtet hat alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt. Denn er muss herrschen, bis Gott alle Feinde unter seine Füße gelegt hat.“ Wenn wir an die Konsequenz der Auferstehung denken, denken wir vielleicht vor allem an das Leben nach dem Tod. Wir denken an das ewige Leben und dass wir eines Tages in ewiger Gemeinschaft mit Gott leben werden. Und das ist alles richtig so. Aber interessanterweise war das nicht die erste Schlussfolgerung, die die ersten Christen getroffen haben. Die logische Konsequenz für die ersten Christen war, dass Jesus der Messias ist. Als Jesus am Kreuz starb, wurde er als der König der Juden verspottet. Als Jesus von den Toten auferstand, bedeutete es für die Anhänger, dass Jesus der König der Juden ist. Die Schlussfolgerung von Petrus Pfingstpredigt war daher: „So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat.“ Jesu Auferstehung war die Bestätigung, dass Jesus der Herr ist, der wahre Kyrios. Jesu Tod und seine Auferstehung waren nichts anderes als seine Einsetzung als König.
Und als König und als Herr regiert Jesus und wird alles unterwerfen. Vers 28: „Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, auf dass Gott sei alles in allem.“ Was tut Jesus hier? Er übergibt dem Vater die Herrschaft. Jesus ordnet sich seinem Vater unter. Nicht deshalb, weil Gott der Vater noch größer ist, sondern weil es die Ordnung ist, der sich Jesus freiwillig und in Liebe fügt. Mit anderen Worten, Jesus stellt die Ordnung wieder her, die es am Anfang der Schöpfung gab.
Warum ist das gute Nachricht für uns? Die meisten von uns wollen in einer Gesellschaft leben, in der Recht und Ordnung herrscht. Diejenigen, die den Ausdruck „Recht und Ordnung“ nicht mögen, tun es vermutlich deshalb nicht, weil diese Worte zu häufig missbraucht werden. Z.B. spricht Trump mehr als jeder andere von „Recht und Ordnung“, aber fördert durch seinen Rassismus und durch seine Handlungen die Polizeigewalt. Aber was wäre wenn Recht und Ordnung nicht Gewalt und Unterdrückung bedeuten? Wenn Recht und Ordnung echte Gerechtigkeit bedeuten, die Arme, Ausländer, Andersaussehende und Andersdenkende schützt, dann ist das etwas, was wir uns alle wünschen. Wir wollen Recht und Ordnung in unserer Gesellschaft. Und wir alle wollen auch Recht und Ordnung in unserem eigenen Leben. Wir fühlen wie Sünde und Tod unser Leben am Ende des Tages ins Chaos rücken. Wir kennen das Gefühl wie es ist, wenn unser Leben auseinanderfällt. Aber wie können Recht und Ordnung in unser Leben zurückkommen, ohne dass es uns völlig zerstört?
Wir haben vorhin gesehen, dass durch den ersten Adam der Tod in diese Welt gekommen ist. Der erste Adam war im Paradies. Er hatte nur ein einziges Gebot: anzuerkennen, dass Gott sein Schöpfer ist und er sein Geschöpf. Er sollte gehorchen und leben. Der zweite Adam war nicht im Paradies. Jesus kam in eine gefallene Welt. Jesus wurde ebenfalls vor die Wahl gestellt, zu gehorchen oder zu rebellieren. Und Jesus war gehorsam. Aber dieser Gehorsam bedeutete für Jesus, dass er zermalmt und zerbrochen würde. Jesu Gehorsam kostete ihn nichts weniger als sein Leben. Das ist es, was Jesus tat, um die Ordnung wiederherzustellen. Und das ist es, was Jesus tat, um uns in die Ordnung wieder einzufügen. In ihm finden wir unser Recht und unsere Ordnung. In ihm finden wir unseren Frieden. In ihm finden wir unser Heil.
Was bedeutet die Auferstehung Jesu für dich? Damals, als ich noch einen Kreis geleitet hatte, hatten wir an Ostern einmal folgendes gemacht. Wir alle haben uns etwas Zeit genommen, um über folgende Frage nachzudenken: „weil Jesus von den Toten auferstanden ist, …“ Was ist das Ende von diesem Satz? Und jeder einzelne von uns sollte darauf eine Antwort finden.
Hier ist eine Antwort, die ich gefunden habe. Weil Jesus von den Toten auferstanden ist, gibt es für mich immer einen Grund zu hoffen. Fakt ist, dass wir – sofern wir es jetzt nicht bereits tun – immer mit Problemen konfrontiert werden, die zu groß für uns eine Nummer zu groß sind. Früher oder später geraten wir in Situationen, mit denen wir nicht fertig werden. Es können unsere Kinder sein, die ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen, weshalb wir unser Leben nicht auf die Reihe kriegen. Es mögen kranke Menschen sein, die uns nahestehen und für die wir seit Monaten und Jahren beten, und keine Besserung sehen. Es können Gemeindeprobleme sein, die schier unlösbar erscheinen. Es können finanzielle Probleme sein. Es können gesellschaftliche Probleme sein. Es gibt viele Nöte, die von uns verlangen, dass wir einen extrem langen Atem haben. Es gibt so viele chronisch anstrengende, entmutigende Umstände, die von uns mehr Geduld und Durchhaltevermögen verlangen, als wir es aufbringen können. Es gibt so viele Situationen, die unsere Frustrationstoleranz überfordern.
Und oft, viel zu oft sind wir mit der Frage konfrontiert: „Lohnt es sich noch zu hoffen? Lohnt es sich überhaupt, zu beten? Lohnt es sich, aufzustehen und für etwas einzustehen? Lohnt es sich auf die Straße zu gehen? Lohnt es sich, zu lieben?“ Und die Antwort auf diese Frage ist ein lautes, durchdringendes, überwindendes „Ja!“ Natürlich lohnt es sich. Es lohnt sich, weil Jesus auferstanden ist. Weil der Auferstandene der König aller Könige und der Herr aller Herren ist. Weil Jesus diese Welt überwunden hat. Weil Jesus sein Banner und seine Flagge unter uns aufgerichtet hat. Weil Jesu Reich vollständig anbrechen wird. Weil Jesus wiederkommen wird, diese Welt geradezubiegen, einen neuen Himmel und eine neue Erde und eine Schöpfung unter uns zu schaffen, in der sein Friede, seine Gerechtigkeit, seine Güte und seine Liebe regieren werden, für immer und ewig.

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Fragebogen: 1. Korinther 15,12 – 34 (Sonderlektion)

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Nun aber ist Christus auferweckt

„Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.“

(1. Korinther 15,20)

  1. Warum behaupteten einige in der Gemeinde, dass es keine Auferstehung der Toten gäbe? Betrachte die Argumentation, mit der Paulus dieser Behauptung widerspricht. Warum ist es unvernünftig, die Auferstehung der Toten in Zweifel zu ziehen (13-19)?
  2. Wie beendet Paulus schließlich die gedankliche Debatte über die Auferstehung (20)? Was bedeutet es, dass Christus als Erstling von den Toten auferstanden ist?
  3. Was zeigt Paulus durch die Gegenüberstellung von Adam und Christus (21.22)? Was sagt er über die Reihenfolge bei der Auferstehung der Menschen und über die Bedeutung der Auferstehung in der Geschichte (23-28)?
  4. Was sagt die Praxis in der Korinther Gemeinde, dass sich einige für die Toten taufen ließen (29)? In welcher Hinsicht ist auch das Leben von Paulus ein klare Zeugnis für die Tatsache der Auferstehung (30-32)? Wie sollen die Christen, die an die Auferstehung glauben, leben (33.34)?

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