Predigt: 3. Johannes 1, 1 – 14

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Wahrheit und Freundschaft

„Der Älteste an den lieben Gaius, den ich lieb habe in der Wahrheit.“ (1)

Heute betrachten wir den letzten der drei Johannesbriefe. Während der erste Brief wohl für mehrere Gemeinden gedacht war und daher eher allgemein ist, ist der 2. Johannesbrief schon persönlicher, da er an eine Herrin und ihre Kinder geschrieben ist, womit wohl eine bestimmte Gemeinde gemeint war. In beiden Briefen ermahnt und ermutigt Johannes die Empfänger wiederholt dazu, die Brüder zu lieben bzw. einander lieb zu haben. Den 3. Brief hat Johannes an einen Freund namens Gaius geschrieben, den er in der Wahrheit liebte und dessen praktische Bruderliebe er lobte. So zeigt sich in diesem Brief Johannes‘ Botschaft noch persönlicher und gibt uns ein anschauliches Beispiel für christliches Leben und Bruderliebe. Möge Gott jeden durch diese Botschaft segnen!

Johannes beginnt mit den Worten: „Der Älteste an den lieben Gaius, den ich lieb habe in der Wahrheit“ (1). Er stellte sich auch in diesem Brief schlicht als „der Älteste“ vor. Es gab damals viele Älteste, da in allen Gemeinden Älteste eingesetzt wurden. Johannes hätte sich als der Apostel Jesu Christi vorstellen können. Dass er sich aber nur als „der Älteste“ vorstellte, drückt seine Demut aus und passt zu dem sehr persönlichen Ton in diesem Brief.

Er schreibt „an den lieben Gaius“. Wir wissen nicht genau, wer Gaius war. Vermutlich war er ein leitender Mitarbeiter in einer der Gemeinden in Kleinasien. Wir erfahren aber doch viel über Gaius‘ Glauben, durch die Wertschätzung, die Johannes in diesem Brief für ihn zum Ausdruck bringt. Im Vers 1 nennt er ihn „den lieben Gaius, den ich lieb habe in der Wahrheit.“ Im Vers 2 schreibt er: „Mein Lieber, ich wünsche, dass es dir in allen Stücken gut gehe und du gesund seist, so wie es deiner Seele gut geht.“ Johannes interessierte sich nicht nur für sein geistliches Wohl, sondern wünschte ihm, dass er auch gesund wäre und dass es ihm in allen Bereichen gut gehe. In jedem Vers bringt Johannes seine geistliche Liebe und Wertschätzung für ihn zum Ausdruck. Es war ein Brief an einen Freund, den er in der Wahrheit liebte und dem er wünschte, dass es ihm in allen Stücken gut gehe, so wie es seiner Seele gut ging.

Woher wusste er, dass es Gaius seelisch und geistlich gut ging? Er schreibt: „Denn ich habe mich sehr gefreut, als Brüder kamen und Zeugnis gaben von deiner Wahrheit, wie du wandelst in der Wahrheit. Ich habe keine größere Freude als die, zu hören, dass meine Kinder in der Wahrheit wandeln“ (3.4). Johannes wusste, dass es Gaius‘ Seele gut ging, weil er von Brüdern gehört hatte, wie Gaius in der Wahrheit wandelte. Letzte Woche ging es in der Predigt u.a. darüber, was die Wahrheit ist. Einfach gesagt ist die Wahrheit, von der Johannes schreibt, Jesus Christus und sein Evangelium. Jesus ist der Schöpfer und die Quelle des Lebens. Er ist die Quelle aller wahren Erkenntnis und Gottes letztgültige Antwort auf unsere Fragen. Gaius kannte die Wahrheit nicht nur, sondern hatte sie bis dahin angenommen, dass er darin wandelte. Der Ausdruck in der Wahrheit zu „wandeln“, zeigt, dass die Wahrheit sein ganzes Leben prägte. Anders gesagt hatte er Jesus, sein Werk und seinen Willen so tief verinnerlicht, dass Jesus sein Denken, Reden und praktisches Leben bestimmte. Die Wahrheit prägte Gaius so sehr, dass Johannes von „deiner Wahrheit“ spricht.

Viele Menschen hören und wissen von der Wahrheit, aber sie nehmen sie nicht wirklich an. Viele nehmen die Wahrheit grundsätzlich an, aber nicht bis dahin, dass sie danach wandeln. Das ist ein sehr ernstes Problem. Jesus tadelte in seiner Bergpredigt die Menschen, die sein Wort nicht umsetzen: „Was nennt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage?“ (Lk 6,46) Johannes hatte so große Freude über Gaius, weil er nach der Wahrheit lebte. Wie sehr sein Leben mit Jesu Lehre und Willen übereinstimmte, zeigte sich konkret in seiner Gastfreundschaft, die er den Brüdern erwies, die für das Evangelium umher reisten. Diese Unterstützung für war sehr wichtig, da damals Christen bei den meisten Heiden nicht beliebt waren, insbesondere wenn sie umherzogen, um das Evangelium zu predigen. Aber Gaius nahm sie auf und geleitete sie weiter und gab ihnen dabei wohl auch Proviant und Ausrüstung mit, und drückt so seine Liebe zu den Brüdern aus. Dadurch drückte er praktisch seine Liebe zu Jesus und zur Verbreitung von Gottes Reich aus. Johannes freute sich so, dass Gaius in der Wahrheit wandelte, weil wahrer Glaube sich im praktischen Leben ausdrücken und damit übereinstimmen soll. – Wie stark ist euer Leben von der Wahrheit geprägt? Lasst uns danach streben, Männer und Frauen zu werden, die in der Wahrheit wandeln! Lasst uns beten, dass Gott uns hilft, die Wahrheit bis dahin zu begreifen, dass wir praktisch danach leben!

Betrachten wir noch einmal den ersten Abschnitt. Die ersten vier Verse bringen alle zum Ausdruck, wie sehr Johannes Gaius in der Wahrheit liebte. Sie zeigen ihre schöne geistliche Freundschaft, die sie pflegten und die auf der Wahrheit gründete. Jesus selbst war die Grundlage ihrer Freundschaft und derjenige, die sie miteinander verband.

Welche Bedeutung hat so eine geistliche Freundschaft für die Gläubigen? In der Bibel finden wir verschiedene Beispiele, die uns zeigen, wie schön und wertvoll geistliche Freundschaften sein können. Die Hauptperson vom ersten Buch der Bibel ist Abraham. Abraham wird in der Bibel „Gottes Freund“ genannt. Gott sagte in 1. Mose 18, dass er Abraham nicht verbergen könne, was er vorhat, da er doch ein großes und mächtiges Volk werden sollte. Der ewige Gott achtete Abraham als seinen Freund, dem er seine Absichten und Pläne vorab mitteilen will. Abraham konnte Gottes Freund werden, weil er Gott glaubte und sein Wort höher achtete als seine Gedanken, und seinem Wort gehorchte. Kurz gesagt, konnte Abraham Gottes Freund werden, weil Gott ihn so sehr liebte und weil Abraham Gottes Liebe vertraute und ihn mehr liebte als sich selbst.

Ein anderes Beispiel für geistliche Freundschaft finden wir in David und Jonatan. Obwohl Jonatan der Sohn des Königs war und David wegen seiner Beliebtheit im Volk als einen potentiellen Konkurrenten ansehen konnte, liebte er David mehr als sein eigenes Leben. Er setzte sich für ihn vor seinem Vater ein und riskierte dafür, von seinem Vater verstoßen oder gar getötet zu werden. Trotz dieses Risikos schlossen Jonatan und David miteinander einen Bund und schworen einander vor Gott die Treue bis zum Tod. Diese Freundschaft muss David in der schwierigen Zeit der Verfolgung durch Saul ungemein getröstet haben. Wie wertvoll diese Freundschaft für ihn war, kam zum Ausdruck, als Jonatan schließlich im Kampf starb und David um ihn trauerte und dabei bekannte, dass ihm Jonatans Liebe wundersamer war als Frauenliebe. Es gibt etliche weitere Beispiele für geistliche Freundschaften in der Bibel, zum Beispiel die von Daniel und seinen Freunden am Königshof.

Die wundersamste Freundschaft ist aber die von Jesus mit seinen Jüngern. Jesus nahm sie an und lebte täglich mit ihnen zusammen. Er liebte sie und lehrte sie die Wahrheit, vor allem die Liebe des Vaters und den Weg in sein Reich. Er sagte zu ihnen: „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete. Ich nenne euch hinfort nicht Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich Freunde genannt; denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, habe ich euch kundgetan“ (Joh 15,13-15). Jesus hat seine Jünger bis dahin geliebt, dass er für sie und uns am Kreuz sein Leben gab. Es ist das größtes Privileg und die wichtigste Sache, dass wir in der Freundschaft zu Jesus leben und in seiner Liebe bleiben. Aus der Liebesbeziehung Jesus kommt alles. Sie ermöglicht es uns auch, geistliche Freundschaften mit anderen Gläubigen zu haben. Wenn wir in Jesu Liebe bleiben und die Geschwister lieben, entstehen geistliche Freundschaften fast automatisch.

Johannes bezeichnete sich in seinem Evangelium oft als den Jünger, den Jesus lieb hatte. Er hatte die Liebe Jesu zu sich so tief angenommen, dass er das Gefühl hatte, als ob Jesus ihn allein auf der Welt geliebt hätte. Aber er nahm Jesu Liebe nicht nur für sich selbst an, sondern verstand, dass wir uns aufgrund dessen auch untereinander lieben sollen. So hat er in seinem ersten Brief die Christen immer wieder dazu ermutigt, sich untereinander zu lieben. Auch im zweiten Brief bat er die auserwählte Herrin und ihre Kinder darum, „dass wir uns untereinander lieben“ (2. Joh 1,5). Als er den dritten Brief schrieb, muss Johannes schon alt gewesen sein, vermutlich 70 oder 80 oder sogar 90 Jahre. Er muss in der Gemeinde in Ephesus, in der er wohl schon seit Jahrzehnten gewirkt hatte, viele geistliche Freunde gehabt haben. Aber dieser Brief zeigt, wie wichtig ihm die geistliche Freundschaft mit Gaius war, der in einer anderen Stadt lebte, wie sehr er sich bemühte, diese Beziehung zu pflegen. Er schrieb ihm, ermutigte ihn, warnte ihn und gab zu, wie sehr er selbst durch ihn erfreut und ermutigt wurde.

Geistliche Freundschaften sind so wichtig! Einen geistlichen Freund (bzw. geistliche Freundin) zu haben, ist unbeschreiblich wertvoll – jemanden, mit dem wir uns austauschen können, der uns annimmt, wie wir sind, und uns versteht, mit dem wir auch über unsere innersten Sorgen und Probleme reden können und sie gemeinsam vor Gott bringen können im Gebet. Das gilt, wenn bei uns alles gut läuft oder scheinbar gut läuft, und erst recht, wenn einer Schwierigkeiten hat oder in eine Krise gerät. Allgemein ist es wertvoll, Freunde zu haben. Aber Freundschaften in der Wahrheit haben eine andere Dimension– weil Jesus in der Mitte ist, weil er die Grundlage ist, weil seine Wahrheit in allem Orientierung gibt, weil seine Liebe Kraft gibt, den anderen treu geistlich zu lieben, und weil es in ihm in allen Situationen Hoffnung gibt. Geistliche Freundschaften haben eine andere Dimension, weil es letztlich um Jesus geht, darum, IHN mehr zu erkennen, ihm ähnlicher zu werden und ihn zu ehren, gerade auch durch das gemeinsame Reden und Beten, das einander Ermutigen und Begleiten in allen Lagen des Lebens.

Es ist ein großer Segen, dass wir miteinander solche Freundschaften haben dürfen. Wenn wir solche Freundschaften in Jesus haben, sollen wir Gott dafür danken; und sollten uns auch Zeit und Mühe geben, sie zu pflegen. Das entspricht dem Willen Gottes.

Wenn unsere Beziehung zu den Glaubensgeschwistern eher oberflächlich sind, wenn wir das Gefühl haben, keine geistlichen Freunde zu haben, sollten wir uns fragen, woran das liegt. Wir sollten uns fragen, inwieweit wir selbst in der Wahrheit leben; wie tief wir die Liebe Jesu selbst angenommen haben und inwieweit sein Gebot, dass wir uns untereinander lieben sollen, oder ob es uns an Liebe mangelt; ob wir die anderen in der Wahrheit sehen, aus der Sicht Jesu, mit seiner Liebe und Gnade, oder vielleicht mit Neid oder Kritik, was geistliche Freundschaften verhindert. Ob wir denn bereit sind, uns auf andere so, wie sie sind, einzulassen, und ob wir bereit sind, uns auch gegenüber anderen zu öffnen. Vielleicht sollten wir uns auch fragen, ob wir verstanden haben, wie wertvoll geistliche Freundschaften sind, und ob wir wirklich dafür offen sind.

Johannes‘ Freundschaft mit Gaius in der Wahrheit zeigt uns heute, dass geistliche Freundschaften ein wertvoller Teil des geistlichen Lebens sind, und ermutigt uns, uns danach geistlich auszustrecken. Möge Gott viele geistliche Freundschaften unter uns stiften und segnen!

Betrachten wir die Verse 9-11. In der Gemeinde gab es einen Mann namens Diotrephes. Der wollte unter ihnen der Erste sein, d.h. er hatte das Amt des Gemeindeleiters inne oder er strebte danach. Aber er wies Johannes und seine Mitarbeiter ab. Er wies auch die Brüder ab, die als Evangelisten von Ort zu Ort zogen und Unterkunft brauchten. Er ging sogar so weit, dass er über Johannes schlecht redete und die Gemeindeglieder, die andere Gläubige aufnehmen wollten, aus der Gemeinde ausstieß. Ihm fehlte es in drastischer Weise an Liebe. Es ging ihm viel mehr um sich und seine Stellung in der Gemeinde als um Jesus und um die Brüder. Johannes wollte kommen und ihm seine Werke vorhalten und ihn so zur Buße führen.

Gaius sollte sich von ihm gar nicht beeinflussen lassen. Johannes schrieb: „Mein Lieber, nimm nicht das Böse zum Vorbild, sondern das Gute. Wer Gutes tut, der ist von Gott; wer Böses tut, der hat Gott nicht gesehen“ (11). Gaius sollte nicht solche Leute zum Vorbild nehmen, sondern das Gute. Ein ermutigendes Beispiel dafür war Demetrius, der ein gutes Zeugnis von jedermann hatte, sogar von der Wahrheit selbst, was wohl heißt, dass Gott durch seinen Geist sein Leben irgendwie bestätigte. Auch Johannes bezeugte Demetrius Glaubensleben als ein gutes Beispiel. Es ist wichtig, dass wir geistliche Vorbilder haben und dass wir diejenigen, die geistlich vorbildlich leben, anerkennen.

Johannes schloss den Brief mit dem herzlichen Wunsch, seinen geliebten Freund bald persönlich zu sehen und mit ihm über alles andere zu reden. Er wünschte ihm Frieden und richtete ihm Grüße der Freunde aus. – Möge Gott uns helfen, die Wahrheit bis dahin zu verinnerlichen, dass wir danach wandeln! Möge Gott viele geistliche Freundschaften unter uns stiften und stärken und sie für seine Ehre gebrauchen! Amen.

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Predigt: 1. Johannes 4,11 – 21

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Liebt euch untereinander

„Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Denn die Furcht rechnet mit Strafe; wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.“ (4,18)

Im ersten Abschnitt von Kapitel 4 hat Johannes die Gläubigen gewarnt, dass sie nicht jedem Geist glauben sollten, weil in den Gemeinden nicht nur der Heilige Geist am Wirken war, sondern durch die Irrlehrer auch der Geist des Antichrist. Er ermutigte sie, dass sie keinen Angst zu haben brauchten, weil der Heilige Geist in ihnen stärker war als die bösen Geister. Dann ermutigte er sie ab Vers 7 erneut dazu, sich untereinander zu lieben, weil die Liebe von Gott ist. Dabei verkündigte er neu die Liebe Gottes, indem er schrieb: „Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden“ (10). Gott hat uns so sehr geliebt; und seine Liebe anzunehmen und mit Gott versöhnt zu werden, ist für jeden Menschen das All-entscheidende. Aber es ist nicht das Ende. Im heutigen Text ermutigt Johannes die Empfänger und uns dazu, wegen Gottes Liebe auch uns untereinander zu lieben. Dabei wiederholt er nicht einfach nur diese Ermahnung, sondern sagt uns, welche wichtigen Auswirkungen das für uns und unser Leben hat. Möge Gott uns heute helfen zu erkennen, warum es so wichtig ist, dass wir uns uns untereinander lieben.

Betrachten wir den Vers 11: „Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben.“ Weil Gott uns so geliebt hat, sollen wir uns auch untereinander lieben. Wir sollen die Liebe, die wir von Gott empfangen haben, nicht nur für uns behalten, sondern seine Liebe an andere weitergeben. „Uns untereinander“ heißt, dass wir zuerst die Glaubensgeschwister lieben sollen, aber nicht sie allein. Das ist nicht ein Option für uns Christen, sondern es ist ein sollen, Gottes Wille für uns. Gott ist wie ein Vater, der seinem Sohn ein großes Geschenk gemacht hat, das er sich schon lange gewünscht hat. Der Vater freut sich, wenn der Sohn aus Freude und Dankbarkeit mit seinen Geschwistern liebevoll umgeht. Wenn der Sohn dagegen das Geschenk annimmt, aber mit seinen Geschwistern lieblos, gleichgültig oder gehässig umgeht, ist der Vater traurig. Weil Gott uns so sehr geliebt hat, dass er uns seinen einzigen Sohn gab, sollen wir unsere Geschwister im Glauben lieben. Das ist eigentlich selbstverständlich, und es macht Gott froh. Außerdem hat es auch wichtige Auswirkungen für uns selbst.

Welche Auswirkungen sind das? Vers 12 sagt: „Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen.“ Gott ist für uns eigentlich unsichtbar. Manchmal kann es für uns schwer sein, dem unsichtbaren Gott zu vertrauen und mit seiner Gegenwart ständig zu rechnen. Aber wenn wir Gottes Liebe nicht nur annehmen, sondern uns auch untereinander lieben, bleibt Gott in uns, sodass wir seine Gegenwart täglich spürbar erfahren können.

Der Vers nennt noch eine weitere Folge, wenn wir uns untereinander lieben, nämlich dass seine Liebe in uns vollkommen ist. Was heißt das? Wir sind völlig bedürftig nach Gottes Liebe und dürfen sie einfach annehmen, ohne Vorbedingung oder Gegenleistung. Aber wenn wir Gottes Liebe nur für uns selbst genießen wollen, können wir seinen Liebe nie vollkommen erfahren. Wir können die Größe seiner Liebe und ihre tiefe Bedeutung erst dann vollkommen begreifen, wenn wir mit seiner Liebe die Geschwister lieben und auch durch eine liebevolle Beziehung zu ihnen seine Liebe erfahren. Wir können Gottes Liebe erst dann vollkommen erfahren, wenn wir seine Liebe bis dahin annehmen, dass sie von uns zu den anderen strömen kann. Wenn wir die Liebe, die wir von Gott empfangen, zu den anderen fließen lassen, kann seine Liebe immer neu in uns hineinströmen, und unsere Liebesbeziehung zu ihm bleibt frisch und lebendig. Wenn wir so in der Liebesbeziehung zu Gott und zu den Geschwistern leben, wird außerdem seine Liebe in uns auch in dem Sinn vollkommen, dass sie uns uns zu liebevollen Menschen nach Jesu Bild macht.

Woran können wir erkennen, dass Gott dann wirklich in uns ist, und wir uns das nicht etwa nur einbilden? Dass wir wirklich in Gott bleiben und er in uns, können wir daran erkennen, dass Gott mit seinem Heiligen Geist in uns wirkt. Vers 13 sagt: „Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat.“ Wenn wir Gottes Liebe annehmen und darin bleiben und die anderen lieben, bleibt Gottes Geist bleibt in uns und wirkt in uns. Dabei geht es nicht einfach um Gefühle. Der Heilige Geist ist eine Person, die gezielt und mit sanfter, aber starker Kraft in uns wirkt, und zwar auf vielerlei Weise. Der Heilige Geist führt und begleitet uns, und er tröstet uns wie ein sehr guter Freund. Wenn er in uns bleibt, schützt er uns in allen Gefahren. Er erinnert uns dazu täglich an Jesu Worte, oft genau im richtigen Moment, und hilft uns, sie zu verstehen. Wenn wir betend auf ihn hören, hilft er uns, durch das Wort die geistliche Wirklichkeit immer mehr zu erkennen, und leitet uns in alle Wahrheit. Dabei öffnet er uns auch die Augen für unsere Sünde und hilft uns, die Gerechtigkeit, die allein durch Jesu Blut am Kreuz kommt, neu und tiefer anzunehmen. So führt er uns und verändert uns immer mehr zum Bild Jesu. Daran dass der Heilige Geist in uns wirkt, erkennen wir, dass wir tatsächlich in Gott bleiben und er in uns. Und er bleibt in uns, wenn wir die anderen lieben.

An dieser Stelle fügt Johannes nochmal sein eigenes, persönliches Zeugnis an: „Und wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt“ (14). Mit „wir“ meint Johannes hier sich und die anderen Jüngern, die Jesus über drei Jahre lang gesehen und erlebt hatten. Johannes hatte Jesus vom Beginn seiner Wirksamkeit bis hin zum Kreuz und weitere vierzig Tage nach seiner Auferstehung gesehen. Aufgrund all dessen, was er gesehen hatte, bezeugte er, dass Gott in Jesus seinen Sohn in die Welt gesandt hat als Heiland der Welt.

Er ermutigt die Empfänger dazu, auch Jesus zu bekennen: „Wer nun bekennt, dass Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott und er in Gott.“ Wenn wir Jesus erkannt haben, sollen wir ihn als Gottes Sohn bekennen, im Gebet, aber auch vor anderen Menschen. Wenn wir Jesus bekennen, freut sich Gott über uns, und er bleibt in uns und wir in ihm. Vorhin haben wir gelernt, dass wir in Gott bleiben, wenn wir uns untereinander lieben und so in der Liebe bleiben. Hier erfahren wir, dass Gott in uns bleibt, wenn wir Jesus bekennen und dadurch in der Wahrheit bleiben. Gott bleibt also in uns und wir in ihm, wenn wir in der Wahrheit und in seiner Liebe bleiben.

Und Gott selbst ist die Liebe. Vers 16 sagt: „Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat: Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ Gottes Liebe, aus der er uns seinen einzigen Sohn gab und ihn am Kreuz dahingab, ist unermesslich groß. Wir können nur erahnen, wie groß und tief und wie glühend Gottes Liebe zu uns ist! Liebe ist nicht nur irgendeine von vielen Eigenschaften Gottes, sondern Gott ist Liebe. Wir sollen wirklich seine Liebe annehmen und uns davon erfüllen lassen, bis sie zu den anderen strömt. Dann bleibt Gott in uns und wir in ihm.

Welche weitere Bedeutung hat das? Der Vers 17 sagt: „Darin ist die Liebe bei uns vollendet, auf dass wir die Freiheit haben, zu reden am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt.“ Gott will, dass wir seine Liebe nicht nur irgendwie annehmen und andere irgendwie lieben. Sein Ziel ist, dass die Liebe bei uns vollendet wird. Gott will, dass wir in unserem Glaubensleben die Größe und Tiefe seiner Liebe begreifen und daraus leben und sie an andere weitergeben lernen, sodass wir am Tag des Gerichts die Freiheit haben, vor ihm zu reden im Vertrauen auf seine Liebe. Wir sollen im Hinblick auf diesen Tag danach streben, seine Liebe mehr zu erkennen und in der Liebe zu ihm und zu den Geschwistern zu wachsen. Dann, an jenem Tag, wird offenbar werden, wie bedeutsam und kostbar die Liebesbeziehung zu Jesus und zu den Geschwistern war.

Die Liebe hat noch eine weitere Eigenschaft. Betrachten wir den Vers 18: „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Denn die Furcht rechnet mit Strafe; wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.“ Wenn wir in der Liebesbeziehung zu Jesus vollkommen werden, treibt die Liebe alle Furcht aus uns aus. Wir Menschen haben im Leben in dieser vergänglichen und verkehrten Welt vor so vielen Dingen Furcht und Angst. Es gibt so viele Arten von Ängsten und Phobien; Furcht vor dem Verlust von geliebte Menschen und Freunden oder vor dem Verlust ihrer Anerkennung und Liebe; Furcht davor, zu versagen, Furcht, die materielle Lebensgrundlage zu verlieren, Furcht vor Armut, Krankheit, Unfällen; Furcht vor der Zukunft, Furcht vor dem Tod. Es gibt so viele Bücher darüber, wie man mit Ängsten fertig werden kann. So viele Menschen benötigen psychologische Hilfe, dabei ist eines der häufigen Probleme Furcht und Angst. Auch als Christen sind wir nicht frei von Furcht. Im Gegenteil: weil wir von Gottes Heiligkeit wissen und unsere Sündhaftigkeit kennen, können wir uns vor Gott fürchten, ob er uns nicht doch bestrafen würde. Aber wenn wir die Liebe Gottes vollkommen annehmen und sie auch an unsere Nächsten weitergeben, treibt die Liebe alle Arten von Furcht aus. Auch wenn wir wissen, dass wir von uns aus vor Gott gar nicht bestehen können, vertreibt die Liebe Gottes in unseren Herzen und Seelen alle Furcht davor, ihm zu begegnen, wenn die Liebe in uns vollkommen ist. Das sollen wir jeder erleben. Bis dahin dürfen wir Gottes Liebe weiter annehmen und sie an andere weitergeben.

Deshalb sagt Johannes direkt weiter: „Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.“ Johannes wird nicht müde, uns zur Liebe zu den Geschwistern zu ermutigen, die die beste und einzige richtige Antwort auf Gottes Liebe zu uns ist. Einander zu lieben, ist das Leben der Christen. Wenn dagegen jemand seinen Bruder nicht liebt und sich darauf beruft, dass er ja immerhin Gott liebe und dass das ja am wichtigsten sei, lügt er und betrügt sich selbst. „Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht. Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.“ Zum Schluss erinnert uns Johannes noch daran, dass die Liebe Jesu Gebot ist. Dass wir einander lieben, ist Gott so wichtig, dass er es uns im Alten wie im Neuen Testament geboten hat. Wir sollen es entsprechend wichtig nehmen, dass wir egal, in welcher Situation wir uns befinden, unsere Brüder und Schwestern im Glauben lieben, und nicht zulassen, dass wir es aus Trägheit oder weil wir sehr mit unseren Alltagsdingen oder mit Problemen beschäftigt sind, versäumen. Das brauchen wir nicht aus unserer eigenen Kraft tun oder uns künstlich motivieren. Den Grund dafür hat Gott selbst geschaffen, indem er uns so sehr geliebt hat. Deshalb können wir immer unsere Geschwister lieben und für sie beten, sie verstehen, mit ihnen Gemeinschaft haben und ihnen dienen, wenn wir daran denken, dass Gott uns zuerst geliebt hat. Möge Gott uns dadurch reichlich segnen, dass wir uns untereinander lieben.

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Predigt: Johannes 21,1 – 17 (Sonderlektion – Ostern 2018)

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Der gegrillte Fisch

„Da sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr, als mich diese lieb haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer!“

Joh 21,15

Heute geht es nicht um eine Kochrezeptvorstellung. Es geht die Offenbarung des auferstandenen Jesus. Dennoch möchte ich mit einer Essensgeschichte beginnen. Einige wissen schon, dass ich Spiegelei mag. Davon kann ich Unmengen essen. Ein Essen wird zu einem Lieblingsessen einfach dadurch, weil es so gut schmeckt. In meinem Fall hat es aber nicht allein mit dem Geschmack zu tun, sondern es hat noch einen anderen Hintergrund. Ich habe 5 Schwestern. In der Schulzeit mussten 4-5 Kinder zur Schule zum Essen etwas mitnehmen. Manche nicht nur zum Mittagessen, sondern auch zum Abendessen. Frühmorgens stapelte sich ein hoher Turm von Essensdosen in der Küche. Wegen der großen Menge an Essensdosen hatte Mama keine Zeit, noch extra Beilagen vorzubereiten. Daher gab es als Beilage meistens nur Kimchi, das schon vor Monaten eingelegt worden war. Schüler müssen sich auskennen, wie es um ihr Pausenbrot geht. Es ist nicht nur eine Mahlzeit, sondern es geht um ihr Ansehen. Mindestens war es so in meiner Schulzeit. Wer etwas Besonderes zum Essen mitbrachte und andere davon kosten ließ, bestimmte oft einiges in der Pausenstunde. Ich hatte meistens schlechte Karten, weil Mama dafür keine Zeit hatte. Stellt euch vor. Einmal habe ich in den frühen Morgenstunden gesehen, dass Mama die schöne Eierrollen als Mittagsbeilage eingepackt hat. Der Schulweg war so kurz wie meine Geduld und bis zur Pause wurde mir das Warten lang. Gleichzeitig mit dem Gong der Mittagspause präsentierte ich mein Mittagessen stolz auf dem Schultisch. Als meine Mitschüler vorbei schauten, bestimmte ich mit meiner Stimme, wer etwas davon probieren durfte. Bis heute schmecken mir deshalb Eier so gut und Spiegelei bleibt mein Lieblingsessen. Bestimmt habt ihr solches Lieblingsessen mit einem bestimmten Hintergrund, oder?

Heute bekam Petrus die besondere Mahlzeit seines Lebens. Für ihn als Fischer war ein Fischgericht nicht besonderes, aber den gegrillten Fisch am See Tiberias konnte er nie mehr vergessen, weil er ihn von dem auferstandenen Jesus liebevoll serviert bekam. Vor allem nahm er bei diesem Frühstück die Liebe Jesu von Herzen fest an und gab ihm sein Liebesbekenntnis.

„Kommt und haltet das Mahl!“ (1-14)
Betrachten wir den Text. Der auferstandene Jesus offenbarte sich den Jüngern am See Tiberias. Jesus offenbarte sich bereits zum zweiten Mal. Bei der ersten Offenbarung zeigte er den Jüngern seine Hände und seine Seite und half ihnen von der Furcht vor den Juden frei zu werden. Sie waren froh, dass sie den Herrn wiedersahen. Bei der zweiten Offenbarung half er vor allem Thomas, der beim ersten Mal nicht dabei gewesen war. Jesus erwies sich als der Auferstandene mit dem Wort: „Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ Thomas konnte daraufhin sein Glaubensbekenntnis ablegen. Der Text in Vers 1 sagt, dass Jesus sich offenbarte, und zwar so! Und der Verfasser erzählte nun eine ganz besondere Geschichte. Im Vers 14 wird betont, dass es dritte Mal war, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte. Hatte er ein besonderes Ziel durch seine Offenbarung? Was wollte er hier über sich offenbaren?

Eine Gruppe der Jünger befand sich am See Tiberias, das ist ein anderer Name für den See Genezareth. Sie waren also von Jerusalem zum See Genezareth gekommen, wo sie aufgewachsen waren. „Ich gehe fischen“ Die Aussage von Petrus im Vers 3 klang nicht gerade so, als ob er sich mit der Tatsache der Auferstehung Jesu voll beschäftigt hätte. Seine Worte verraten eher, dass er in seinem Herzen immer noch mit der Abwesenheit Jesu und sogar mit seinem Tod konfrontiert war. Mit dem Fischen hatte er seit dem Beginn seiner Nachfolge längst aufgehört. Petrus war eine aktive Person und daher war er am Abend meistens müde. Im Text konnte er aber einfach nicht schlafen. War er irgendwie bekümmert? Oder? Nicht nur er, sondern die andern wollten noch nicht schlafen. Wir wissen nicht, mit wessen Boot und mit welchem Netz sie in dieser Nacht versucht haben, zu fischen. Zwar war die Nacht lang, aber beim Fischen waren sie ohne Erfolg! Hatten sie verlernt zu fischen oder waren sie unkonzentriert! Man kann hier nur vermuten. Jedenfalls waren sie einfach fertig! Geist und Körper waren fix und fertig. Lustlos und verzagt ruderten sie mit dem Boot zurück ans Ufer. Der Tag oder die Nacht waren für sie so schlimm, dass sie von der harten Realität überwältigt wurden. Warum blieben sie noch in der Niederlage? Wegen des schlechten Fangerfolgs?

Betrachten wir, wie Jesus ihnen half? Lesen wir den Text 4-6. „Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.“ Jesus half ihnen beim Fischfang erfolgreich zu werden. Sicherlich spielte es keine Rolle für Jesus, ob die Jünger 10 Fische fangen oder 100. Es ging nicht um Erfolg oder Misserfolg. Wenn man Jesu Wort hier betrachtet, ähnelt es sehr einem Wort, das Petrus an diesem See schon einmal gehört hatte. Im Lukas 5 sprach Jesus zu Petrus: „Fahre hinaus, wo es tief ist und werft eure Netze zum Fang aus!“ Die Antwort von Petrus war „Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen“ Als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische. Jesus versucht hier mit seinem Wort, sein Dasein bei den Jüngern zu demonstrieren. Hier geht es um das Prinzip, dass sie sein Wort hören, es in die Tat umsetzen und dabei das Wunderwerk erleben. Sie wußten nicht einmal, wer am Ufer stehend zu ihnen gesprochen hatte. Aber als sie nach dem getan haben, wie sie hörten, konnten sie Fische fangen. Petrus hatte hier beim Fischfang ein Déjà-vu mit der Begegnung Jesu.

Johannes erkannte im Vers 7 zuerst, dass es Jesus war. Er rief: „Es ist der Herr“ Petrus reagierte noch dynamischer: Er sprang ins Wasser, um zu Jesus zu kommen. Die andern ruderten mit dem Boot gleich hinterher. Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot. Im Evangelium steht selten, dass Jesus das Essen zubereitet hat. Der auferstandene Jesus machte hier Feuer mit Holz, knetete Teig aus Mehl und machte Fische sauber. Er backte Brot und grillte Fische, wie eine Mutter schon das Frühstück bereitet, bis Kinder von Schlaf erwachen. Jesus rief „Kommt und haltet das Mahl!“ Wann braucht man seine Mutter am dringlichsten? Wenn man krank ist und wenn Magen knurrt, oder? Die Nacht war kalt und dunkel. Dagegen aber gibt es bei Jesus die Wärme des Feuers, die Sättigung durch Fisch und Brot. In seine Nähe fühlten sie sie wohl, wie in der Familie. Der gegrillte Fisch war zwar nicht speziell gewürzt, aber er hatte einen besonderen Geschmack. Wenn es gut schmeckt, sagt man nicht auf gut Deutsch: „Es schmeckt wie zu Hause!“ Ja, es schmeckte den Jüngern wie zu Hause. Sie fühlten sich angenehm und wohl! Der Geschmack, die Atmosphäre alles waren wie früher, als Jesus sie begleitete. Daher fühlten sie gleich, dass es der Herr ist. Es war die dritte Offenbarung Jesu nach seiner Auferstehung.

Hier können wir zwei Dinge lernen. Erstens, die Liebe Jesu war ganz gleich wie vor dem Tod Jesu und nach seiner Auferstehung. Viele preisen Jesus dafür, dass die Liebe Jesu unveränderlich und ewiglich ist. Die Liebe ist aber keine objektive Sache, die durch Analyse verstanden wird. Man soll sie erst schmecken. Petrus war davon überzeugt, dass Jesus ihn liebte. Diese Zuversicht zerstückelte er selber, weil er ihn dreimal verleugnete. Der Tod Jesu war bitter, aber es schmerzte mehr, dass er Jesus nicht treu gewesen war. Nicht nur er allein, sondern auch die anderen 6 Jünger. Sie flohen alle, als Jesus fest genommen wurde. An diesem Tag stellten sie fest, dass Jesus nicht nur von den Toten auferstanden ist, sondern auch dass seine Liebe gleich geblieben ist. Sie begegneten Jesus neu und seine Liebe baute sie auf und machte ihr Vertrauen noch stabiler.

Warum ist es so wichtig, zu lernen, dass Gottes Liebe treu ist? Weil keiner solche Liebe besitzt. Niemand ist in dieser Sache treu. Ist jemand sicher, sein Verhältnis gegenüber jemanden nicht schwanken zu lassen. Jesu Liebe hier ist anders als die Liebe von Menschen, die von der Situation abhängig ist. Es ist die Liebe Gottes. Johannes hat die göttliche Liebe in Kapitel 3,16 beschrieben. „Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Es ist die Liebe Gottes, die rettende Liebe, die Leben gebende Liebe, die opfernde Liebe. Diese göttliche Liebe inspiriert viele Menschen. Paulus sagte im Röm 8,32 „Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben- wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“ Er wußte wohl, dass Gott die Liebe ist. Die Tatsache, dass er seine Liebe durch die Opferung Jesu erwiesen hat, brachte ihm die folgende Konsequenz, nämlich er wird nichts schonen, ihm weiteres zu schenken. Die Juden kannten die Gebote Gottes in 5. Mose 6,5 gut. „Und du sollst den Herrn, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ Aber wie kann ein Mensch von ganzem Herzen Gott lieben, geschweige, dass man seine eigene Frau bis zum Tod liebt. Gott, der göttliche Liebe hat, kann solche Liebe verlangen. Der auferstandene Jesus erteilte seinen Jüngern eine Lektion der göttlichen Liebe. Sie wuchsen während der Jüngerschaft in der Beziehung zu Jesus und im Geist. Nun haben sie den weiteren Schritt getan, im geistlichen Wachstum und bei der Lebensgemeinschaft mit dem auferstandenen Jesu.

Meine Erfahrung mit meiner Mutter ist begrenzt. Mir schmeckte einfach das Ei besonders gut. Als ein Erwachsener weiß ich nun, dass es mir gut schmeckte, nicht nur durch den guten Geschmack allein, sondern auch , dass es mir besonders schmeckte durch ihre dafür gegebene Zeit und Mühe, durch ihre Liebe.

Vor einigen Wochen haben wir aus MK 10,45 gehört: „Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.“ Dieses ist eines von meinen Lebensleitworten. Was für ein Gefühl ist es, dass man weiß, ich habe jemanden, der bereit ist, mir zu dienen und für mich sein Leben hinzugeben. Schon der Gedanke daran allein reicht aus, dass ich mich dadurch ganz wohl, sicher und behütet fühle. Es erfüllt mein Leben und es berührt meine Seele sanft. Es knüpft die Beziehung zu ihm noch fester. Der heutige Text hat mir sehr geholfen, zu erkennen, dass die Qualität der Liebe Jesu ganz anders ist, als die von Menschen. Während ich wegen meines Fehlverhaltens Tadel oder Mahnung fürchtete, kam mein Bibellehrer mit diesem Wort, und sagte mir, dass ich beim Schreiben der Predigt über Jesu Liebe nachdenken sollte. Ich schöpfte dabei aus der unveränderlichen Liebe Jesu. Ich bin überzeugt, dass ich die Person bin, die von Gott am meistens gesegnet ist. Es ist Gottes Segen, nicht, dass ich viel besitze oder viel erreicht habe, sondern dass ich die göttliche Liebe kennengelernt habe. Kinder, die mit viel Liebe und Fürsorge der Eltern aufwachsen, verhalten sich anders, als die, die unter Familienkonflikten leben müssen. Wie segensreich ist es, unter der reichlichen göttlichen Liebe zu leben? Obwohl man selbst sich inmitten von Problemen befindet, fürchtet man sich nicht. In Psalm 23 singt der Psalmist: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ Er vertraute auf den Herrn als seinen guten Hirten. Paulus, der sich dieser Liebe ganz sicher war, schrie im Röm 8,35.37: „Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?“ „Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat“ Die Liebe Christi machte ihn ganz stark.

In meinem Leben habe ich bis jetzt einiges mitgemacht. Und ich weiß, dass noch vieles auf mich wartet, das mich zur Schwankung bringen kann. Schwach gewordene Glieder beschweren mich öfters. Dennoch bin ich überzeugt, dass die überschwengliche Liebe Gottes von meinem Herzen quillt. Die göttliche Liebe Jesu ist die Quelle, die nie austrocknet. Es ist der größte Segen Gottes, dass ich seine Liebe kennengelernt habe und davon noch weiter lernen darf.

Zweitens, das Wort von den auferstandenen Jesus hat seine Auswirkung, wie die vor seiner Kreuzigung. Der auferstandene Jesus besuchte sie so zweimal zuvor. Jesus hat den Jüngern mit seinem Wort Trost und Orientierung gegeben. Obwohl sie das größte Wunder Gottes erlebt haben, war ihre Reaktion mäßig und hatte keine Ausdauer. Man kann meinen, man bräuchte mindestens 3 Male eine Gelegenheit, etwas zu begreifen, so wie im heutigen Text. Es mag sein. Im Text finden wir wieder die gewohnte Verhaltensweise der Jünger, dass sie von Jesus hörten, ihm gehorchten und dadurch Gottes Wirken erlebten. Diese Lebensweise hat Jesus den Jüngern beigebracht. Durch den plötzlichen Weggang Jesu waren sie irritiert und haben dieses Prinzip kurzzeitig verlernt. Sie hörten plötzlich wieder auf das, was ihnen ihr Gefühl diktierte. Die Folge war kalt und leer wie dieser nächtliche Fischfang. Lukas 24,32 berichtet über die Emmaus jünger, die unterwegs dem auferstandenen Jesus begegneten. Sie sagten, „Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?“ Die Stimme Jesu machte ihr Herz warm und sein Wort machte sie zuversichtlich. Die Stimme Jesu fand wieder ihr Gehör. Und das Hören auf das Wort Jesu brachte ein Wunder. Da sprach Johannes. „Es ist der Herr!“

Das Leben der Jünger war gekennzeichnet durch die Nachfolge Jesu. Sie folgten Jesus nach. Sein Wort war sowohl Lebensorientierung als auch Lebenskraft. Sie erlebten durch ihren einfachen Gehorsam die Wunderwerke, die sie selber nie zu träumen gewagt hätten. Vor kurzem noch waren sie überrascht gewesen, als sie ein Füllen nach dem Befehl Jesu abgeholt haben. „Der Herr bedarf seiner!“ Sie begriffen, dass Jesus der König ist, indem sie seinem Wort gehorchten. Sein Wort war keine einfache Anweisung, sondern es ist das Wort des Herrn. Sie genossen die Freude und den Frieden im Reich Gottes durch das Wort Jesu. Hier am See Tiberias erlebten nun sie wieder die lebengebende Kraft des Wortes Jesu. Durch den Tod Jesu am Kreuz verschwand die Wirkung seines Wortes nicht. Die Siegesfreude und die Hoffnung, die sie bei der Jüngerschaft in ihren Herzen hatten, waren mit dem Tod Jesu nicht zu Ende. Ihre freudige Nachfolge konnte weiter gehen, solange sie mit dem einfachen Gehorsam gegenüber dem Befehl Jesu lebten. Sie erlebten noch größere Wunder Jesu, als sie ihre Herzen gegenüber dem Wort Jesu öffneten und aus Gehorsam seinem Wort gegenüber lebten.

Die dritte Offenbarung Jesu nach seiner Auferstehung sollte dazu dienen, dass seine Jünger ihr Glaubensleben wie zuvor führten. Sie konnten in der Beziehung zu Jesus und im Glauben ein Stück heranwachsen. Sie wurden geistlich noch stabiler und überzeugter.

Sie saßen am Grillfeuer und schauten, wie die Fische goldbraun und gar wurden. Im Kopf von manchem Jünger kreiste die Zahl 153 noch. An diesem Frühstück hatten die Jünger die Gewissheit, dass ihr Herr nicht nur von den Toten auferstanden ist, sondern dass er mit Wort und Macht anwesend war.

Hast du mich lieb? (15-17)

Nach dem Frühstück machten sie einen kleinen Spaziergang. Besonders daran war, dass Jesus und Petrus voran gingen und die restlichen Jünger hinterher folgten. Hier stellte ihm Jesus eine seltsame Frage: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr, als mich diese lieb haben?“ Solch eine Frage hatte er noch nie gestellt . Eher fragte er, „Ihr aber, wer sagt ihr, daß ich sei?“ (Mk8,38a) Es war die Frage: „Glaubst du an mich?“ Daraufhin gab Petrus sein Wort: „Du bist mein König.“ Hier aber stellte er die Frage. „Liebst du mich?“ Jesus stellte dieselbe Frage sogar dreimal. Was bedeutet es, dass er Petrus die selbe Frage so beharrlich stellte? Meine Antwort ist, dass Jesus Petrus nicht als einen von einigen Jüngern ansah, sondern er wollte unbedingt die persönliche Liebesbeziehung mit ihm festmachen.

Schon bei der Berufung von Petrus gab Jesus ihm sein Wort. „Folge mir nach. Ich will euch Menschenfischer machen.“ (MK1,17) Er zeigte sein besonderes Interesse an ihm, als er die 12 auserwählte. Auf sein Bekenntnis hin segnete er ihn: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen.“ (Mt 16,18a) Obwohl Johannes über sich selbst im Vers 7 sagte, dass Jesus ihn lieb hatte, war seine Zuneigung an ihm in der Jüngerschaft nicht übersehen. Obwohl Petrus schuldig war, weil er ihn drei Mal verleugnet hat, zeigte Jesus seine Liebe zu ihm unveränderlich. Sein Kommen heute schien irgendwie auszudrücken, dass er extra für Petrus das Frühstück bereitet hatte. An diesem Morgen stand nichts im Wege, was Petrus an seiner Liebe zweifeln oder gar einen Konflikt oder eine Distanz hätte verursachen können. Jesus liebte Petrus bedingungslos. Eben darum stellte er ihm eine besondere Frage „Hast du mich lieb?“ An dieser dritten Offenbarung seiner Auferstehung wollte er ganz klar machen, dass er ihn, Petrus, vor allem liebte. Jesus war gekommen, um ganz persönlich mit Petrus zu sprechen. Er ist erschienen, um seine Liebe in ihm ganz wiederherzustellen.

Seine Antwort lautete: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Auf seine dreimaligen Fragen mußte er drei Mal die gleiche Antwort geben. Die wiederholte Antwort ließ ihn noch tiefer und ernsthafter nachdenken. Petrus Freundschaft mit Jesus begann, weil Jesus ihn zuerst geliebt hatte. Sein Leben-gebendes Wort ließ ihn seine herzliche Liebe verstehen. Durch die innige Jüngerschaft, nicht nur die gemeinsamen Mahlzeiten, sondern auch das gemeinsame Leben, sah Petrus Jesus, und erkannte, dass er Gottes Sohn ist. Sein guter Wille und sein Demut ließen ihn auch willig und demütig sein. Jesus ist der willige Helfer, der gute Hirte, der ratvolle Vater, der wunderbare Arzt, der kluge Verwalter, nicht zuletzt der Spitzenkoch, usw. Es war auch eine Tatsache, dass Jesus ihm all seine Sünden vergeben hatte, so dass er ihm seine Liebe bekennen durfte. Er liebte Jesus, nicht, weil Petrus ein guter Kerl war, sondern weil er Gott und seine Liebe durch Jesus kennengelernt hatte. Die bedingungslose Liebe Jesu machte ihn fähig, seine Herzenstür zu öffnen und seine Liebe von ganzem Herzen anzunehmen. Er durfte von Angesicht zu Angesicht bekennen: „Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb habe.“

Was bedeutet aber sein Bekenntnis, dass er Jesus liebt? Es heißt, dass er die Liebe Jesu und Gottes Liebe angenommen hat. Durch sein Ja-Wort entstand hier die Liebesbeziehung, bzw. eine Wiederherstellung davon. Die Schwankung dieser Beziehung beeinträchtigte sein Leben zwischen dem als ein Individuum und als ein Partner. Er pendelte zwischen seinem eigenen Lebensziel und dem Gemeinsamen hin und her. Sein Leben sollte nun nicht allein von dem eigenen Willen bestimmt werden, sondern er sollte darüber nachdenken, was er will. Man könnte meinen, dass es ein sehr unbequemes Leben werden könnte. Es mag sein. Es hängt davon ab, mit wem man ein gemeinsames Leben führt. Der Christus, Gottes Sohn, der Herr ist sein Lebenspartner. Im Gegensatz dazu ist das Leben allein oft als ein von dem eigenen und sündigen Trieb bestimmtes Leben zu bezeichnen. Jeder hat oftmals einen harten Kampf mit dem Ego, oder? Ein gemeinsames Leben mit dem Herrn soll aufgezeichnet sein, als ein ewiges Leben und das Leben im Reich Gottes. Es ist ein unabhängiges Leben von den menschlichen Bedingungen, wie es in den Seligpreisungen beschrieben ist.

„Selig sind, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihr.

Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.

Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.

Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.“

Mt 5,3-6

Nach seinem Liebesbekenntnis befahl Jesus Petrus: „Weide meine Schafe!“ Jesus sagte dies auch dreimal. Es war sein inständiger Wunsch. Diese Aufgabe wollte er dem geben, der Jesus wahrhaftig lieb hat. Derjenige, der Jesus liebt, kann seine Schafe wie seine eigenen halten und sich gut um sie kümmern. Es ist keine Aufgabe, die mit eigener Verantwortung getragen wird, sondern es ist die Frucht, die in der engen Liebesbeziehung mit Jesus heran reift. Jesus, der Sohn Gottes, hat nach dem Willen seines Vaters so getan. Nun zeigte Jesus Petrus seinen und den göttlichen Willen für ihn auf.

Schlussfolgernd: Der auferstandene Jesus möchte die Liebesbeziehung zu jedem von uns wieder aufbauen, indem jeder seine Vergebung und Liebe annimmt. Ist jeder unter uns bereit, seine Liebe zu Jesus persönlich zu bekennen? Hast du mich lieb? „Ja, Herr, ich liebe dich!“

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