Predigt: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will – Berufen zur Gemeinschaft 5 – Apostelgeschichte 15,1-6.23-29

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Gemeinschaft der Liebe (II)

„Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist aus Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe.“

(1. Joh 4,7)

„Da beschlossen die Apostel und Ältesten mit der ganzen Gemeinde, aus ihrer Mitte Männer auszuwählen und mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden.“

(Apg 15,22a)

In der letzten Predigt zum Thema Gemeinschaft haben wir vor zwei Wochen 1. Johannes 4,7-13 betrachtet. Darin hat Apostel Johannes uns Christen klar dazu aufgefordert, einander zu lieben: „Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben.“ Aber er hat nicht nur aufgefordert, sondern hat gleich auch an den Grund und die Quelle der Liebe erinnert, indem er schrieb: „Denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist aus Gott geboren und kennt Gott.“ Die Liebe ist von Gott. Gott ist die Liebe. Gottes Liebe zu uns ist dadurch erschienen, dass er seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben sollen. Gott hat seinen einzigen Sohn Jesus zur Versöhnung für unsere Sünden in die Welt geschickt und hat ihn am Kreuz dahingegeben, damit wir Vergebung für unsere Sünden empfangen, Gottes Kinder werden und mit ihm ewig leben können! Weil Gott uns so sehr geliebt hat, sollen wir auch einander lieb haben. Wenn wir Gottes Wunsch annehmen und einander wirklich lieben, hilft uns das auch selbst in Gottes Liebe zu bleiben, und Gott bleibt in uns. Wenn wir einander lieben, erfahren wir, dass Gottes Geist in uns wirkt, was wiederum unsere Zuversicht auf Gott stärkt.

Wir verstehen das alle, und eigentlich erscheint es ganz einfach. Aber in Wirklichkeit fällt es uns oft schwer, unsere Geschwister bedingungslos anzunehmen und zu lieben. Obwohl wir an Gottes Liebe glauben, ist unsere Liebe oft zu begrenzt und wir lassen uns leicht davon abhalten, die Geschwister aktiv zu lieben und liebevolle Beziehungen anzuknüpfen und zu pflegen. Dann bleiben unsere Beziehungen oberflächlich und können durch Missverständnisse oder Enttäuschungen leicht beschädigt werden, und einige können sich einsam fühlen. Was können wir tun? Wenn wir unseren Mangel an Liebe erkennen, sollen wir zu Gott kommen, ernsthaft Buße tun und seine Liebe zu uns neu annehmen. Dann wird er uns neu mit seiner Liebe erfüllen, und wir können seine Liebe an die Glaubensgeschwister weitergeben. Dass wir Gottes Liebe im Herzen behalten, ist das A und O für unser Glaubensleben und für liebevolle Beziehungen in der Gemeinde. Das ist das Wichtigste.

Das bedeutet aber nicht, dass sich die Liebe zu den anderen ganz von alleine entwickeln würde und wir gar nichts dafür könnten und bräuchten. Wir unterschätzen leicht, wie tiefe Spuren unsere Selbstliebe in unserem Denken und unserem Verhalten bzw. unserer Kommunikation mit anderen hinterlassen hat und wie sehr uns das beim Entwickeln von guten geistlichen Beziehungen behindern kann. Deshalb ist es gut, wenn wir unsere eigenen Denk- und Verhaltensschemata erkennen; und wenn wir Gott um Veränderung bitten und ein Denken und ein Verhalten gegenüber anderen üben, das der Liebe Gottes entspricht und uns ermöglicht, gesunde, bleibende Beziehungen aufzubauen. Heute wollen wir deshalb über unsere Kommunikation mit andern nachdenken. Wie soll sich die Liebe zu den Geschwistern in unserer Kommunikation zeigen? Was ist gute Kommunikation in einer Gemeinde, in der alle einander lieben? Wir wollen darüber anhand von Apostelgeschichte 15 nachdenken und einige Antworten darauf finden. Möge Gott uns dadurch helfen, weiter zu Menschen verändert zu werden, die andere wahrhaft lieben können!

Gute Kommunikation ist grundsätzlich in allen Bereichen unseres Lebens wichtig, sowohl in der Familie oder WG, in der Schule und Uni, am Arbeitsplatz und auch in der Gemeinde. Aber gute Kommunikation ist keineswegs selbstverständlich, eher ist sie vielerorts ein Problem. Das kann man alleine schon daran erkennen, dass zu diesem Thema unzählige Bücher, Kurse und oft teure Schulungen angeboten werden. Die Firma, in der ich arbeite, hat zum Beispiel letztes Jahr einen Vertrag mit einer Firma abgeschlossen, die speziell für Firmen online Weiterbildungskurse zu allen möglichen Themen anbietet und bei der jeder Mitarbeiter eine gewisse Anzahl von Kursen belegen kann. Letzte Woche war ich zufällig mal wieder auf der Homepage; und mir fiel auf, dass alle Kursangebote auf der ersten Seite mit dem Thema Kommunikation zu tun hatten. Das ist ein kleines, aber konkretes Beispiel dafür, wie wichtig gute Kommunikation ist, wie viele Menschen damit aber offenbar Probleme haben. Wir brauchen uns also nicht zu schämen, wenn wir erkennen, dass wir auch in der Gemeinde noch Verbesserungsbedarf in der Kommunikation haben. Um kein Missverständnis zu erzeugen: ich meine nicht, dass unsere Kommunikation in der Gemeinde besonders schlecht wäre; aber es ist auch nicht gerade eine unserer großen Stärken; wir haben da noch Luft nach oben. Natürlich werden wir durch die Verbesserung unserer Kommunikation nicht automatisch zu einer geistlichen Gemeinschaft werden, wie Jesus sie sich wünscht. Aber um eine Gemeinschaft zu werden, die von herzlicher Liebe geprägt ist, in der jeder offen über seine persönlichen Anliegen reden kann, ist eine gute Kommunikation einfach wichtig, und Fortschritte darin werden uns helfen, schneller zu so einer Gemeinschaft zu werden.

Wenn wir die Apostelgeschichte betrachten, erfahren wir bereits in Kap. 2 etwas über die Kommunikation der Christen in der ersten Gemeinde. Kap. 2,42 sagt: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.“ Die Verse 46 und 47 sagen weiter: „Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.“ Hier erfahren wir, dass die Christen in der ersten Gemeinde sich gern und häufig getroffen haben, und wir bekommen den Eindruck, dass sie ihr Leben miteinander geteilt haben, also wohl auch offen miteinander geredet haben.
Wir leben in einer Zeit, in der es ein wachsender Trend ist, sein Leben genau so zu gestalten, wie man es will, insbesondere auch, wann, wie viel und mit wem ich Gemeinschaft habe. Ein Grund dafür, dass in unserem Land immer mehr Wohnungen gebaut werden müssen, obwohl die gesamte Einwohnerzahl kaum wächst, ist, dass immer mehr Menschen alleine in einer eigenen Wohnung leben wollen. Damit sie sich nicht einsam fühlen, können sie online immer mehr Angebote zur Unterhaltung nutzen, unzählige Filme, Dokus, Beiträge auf Youtube oder Tiktok oder Apps, über die sie mit ihrem Handy kommunizieren können, oder Robotern, die nicht nur Fragen beantworten, sondern auch ausführen, was man ihnen sagt, und wenn es auch nur Staubsaugen oder das Mähen des Rasens ist. Aber all das kann echte Gemeinschaft mit Menschen, zu denen man eine persönliche Beziehung pflegt, nicht wirklich ersetzen. Sowieso ist sich zurückzuziehen und für sich allein zu leben, für uns Christen keine Option. Die Stelle in Apostelgeschichte 2 zeigt, dass wir als Christen dazu berufen sind, in Gemeinschaft mit Glaubensgeschwistern zu leben. Und dass diese Gemeinschaft von herzlicher Liebe und einer offenen Kommunikation gekennzeichnet sein sollte.

Was lehrt dann unsere Stelle in Apostelgeschichte 15 über die Kommunikation der ersten Christen? In diesem Kapitel wird von einem großen Streitfall in der christlichen Gemeinde berichtet und wie er gelöst wurde. In Antiochia war zum ersten Mal auch vielen Heiden das Evangelium gepredigt worden und viele kamen zum Glauben an Jesus. Als die Gemeinde wuchs, sandten sie Paulus und Barnabas zu einer Missionsreise nach Kleinasien aus, wo viele weitere Heiden (Nichtjuden) zum Glauben an Jesus kamen. Nach ihrer Rückkehr nach Antiochia kamen einige Männer aus Judäa und lehrten die Brüder, dass sie sich beschneiden lassen und nach der Ordnung des Mose leben müssten, da sie sonst nicht gerettet werden könnten. Ihre Lehre stellte die Gemeinde vor eine wichtige theologische Frage, nämlich ob der Glaube an Jesus genug ist, oder ob Menschen sich außerdem auch beschneiden lassen und das Gesetz von Mose halten müssen, um gerettet zu werden. Es ging um den Kern des Evangeliums.

Wie gingen Paulus und Barnabas damit um? Es heißt, dass sie einen nicht geringen Streit mit ihnen hatten. Das deutet darauf hin, dass sie mit ihnen heftig stritten und auch, als es keine Einigung gab, nicht nachgaben. Paulus schrieb später im Römerbrief, dass die Gläubigen nicht um Meinungen streiten sollten. Wir sollten grundsätzlich in der Gemeinde Streit vermeiden, wenn es um Meinungen geht, zum Beispiel darüber, ob wir an Feiertagen wie Ostern und Pfingsten einen besonderen Gottesdienst feiern wollen oder nicht, über die Musik oder Form im Gottesdienst oder wir den Gottesdienstraum in einer anderen Farbe streichen sollen. Wir sollten über solche Dinge nicht streiten, sondern vielmehr darauf bedacht sein, Frieden zu halten, um die Einigkeit im Geist zu bewahren. Aber wenn es um den Kern des Evangeliums geht, sollen wir wenn nötig streiten, weil es um Gottes Heilswerk und um das Leben der Menschen geht.

Was taten die Gläubigen in Antiochia, als es zu keiner Einigung dieser Frage kam? Sie ordneten an, dass Paulus und Barnabas und einige andere von ihnen nach Jerusalem zu den Aposteln und Ältesten reisen sollten, damit diese Frage durch sie geklärt würde. Wenn wir einen wichtige geistliche Frage nicht klären können, kann es eine Lösung sein, dass wir andere anerkannte geistliche Persönlichkeiten konsultieren, um durch ihre Hilfe zu erkennen, was Gottes Willen und Wahrheit entspricht. Als Paulus und Barnabas der Gemeinde in Jerusalem verkündeten, wie viel Gott durch sie unter den Heiden gewirkt hatte, traten einige von der Gruppe der Pharisäer auf, die gläubig geworden waren, und sagten: „Man muss sie beschneiden und ihnen gebieten, das Gesetz des Mose zu halten.“ Dann kamen die Apostel und die Ältesten zusammen, um über diese Sache zu beraten. Es war keine einfache Frage. Die gläubig gewordenen Pharisäer müssen mit vielen Stellen aus der Bibel argumentiert haben, warum es richtig und notwendig sei, dass die gläubig gewordenen Heiden auch das Gesetz halten. Vers 7 sagt, dass man lange gestritten hat. Paulus und Barnabas haben also auch in Jerusalem nicht nachgegeben, zu behaupten, dass der Glaube an Jesus allein genügt, um gerettet zu werden. Aber man konnte in der Gemeinde keine Einigung finden. Die Klärung kam erst, als Petrus aufstand und daran erinnerte, dass Gott durch ihn zuerst Heiden das Evangelium gepredigt hat und zwischen den Judenchristen und den Heiden keinen Unterschied gemacht hat, sondern den Heiden, die glaubten, genauso den Heiligen Geist gegeben und ihre Herzen durch den Glauben gereinigt hatte wie vorher schon vielen Juden. Aufgrund dieser Einsicht tadelte Petrus sogar die ganze Versammlung: „Warum versucht ihr denn nun Gott dadurch, dass ihr ein Joch auf den Nacken der Jünger legt, das weder unsre Väter noch wir haben tragen können?“ Er tadelte diejenigen, die von den gläubig gewordenen Heiden verlangten, sich beschneiden zu lassen und das Gesetz zu halten, weil es ein Joch war, das auch die Juden nicht hatten tragen können. Dann fuhr er fort: „Vielmehr glauben wir durch die Gnade des Herrn Jesus selig zu werden, auf gleiche Weise wie auch sie. Da schwieg die ganze Menge still und hörte Paulus und Barnabas zu, die erzählten, wie große Zeichen und Wunder Gott durch sie getan hatte unter den Heiden“ (Apg 15,10-12). Petrus‘ Worte hatten Gewicht, weil er konsequent davon ausging, wie Gott gewirkt hatte. Danach war die ganze Versammlung still und bereit, Paulus und Barnabas wirklich zuzuhören. Nun konnten sie wahrnehmen, wie Gott unter den Heiden gewirkt und sie allein aufgrund ihres Glaubens an Jesus als seine Kinder angenommen hat. Als sie alles gesagt hatten, was sie berichten wollten, redete Jakobus, der auch einer der Leiter der Urgemeinde war. Er bezeugte, dass das, was Petrus gesagt hatte, mit Gottes Prophezeiung im Buch Amos übereinstimmte. Daraus zog er die Schlussfolgerung, dass man die zum Glauben gekommenen Heiden nicht beschweren, sondern ihnen schreiben solle, dass sie sich von Unzucht und von Befleckung durch Götzen und vom Fleisch von erstickten Tieren und vom Blut enthalten sollten (13-21). Das Verbot von Unzucht sollte ihnen helfen, ihren eigenen Frauen treu zu sein. Die Einschränkungen beim Essen begründete Jakobus damit, dass die Bücher von Mose von alten Zeiten her in allen Städten gelesen und in den Synagogen gepredigt werden. Den Heidenchristen wurden diese Einschränkungen also auferlegt, damit die zum Glauben gekommenen Juden nicht an ihrem Essen Anstoß nehmen würden, sondern sie mit den Heidenchristen in den Gemeinden essen und Gemeinschaft haben konnten.

Vers 22 sagt: „Da beschlossen die Apostel und Ältesten mit der ganzen Gemeinde, aus ihrer Mitte Männer auszuwählen und mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden, nämlich Judas mit dem Beinamen Barsabbas und Silas, angesehene Männer unter den Brüdern.“ Die Verse 22-29 berichten, wie die ganze Versammlung einmütig einen offiziellen Beschluss fasste und zwei Mitarbeiter damit beauftragte, ihn in den Gemeinden bekannt zu machen. Die Christen in Jerusalem hatten also durch ihr langes Gespräch schließlich Gottes Willen erkannt und hatten Einigkeit darin erlangt. In ihrem Schreiben haben sie sich klar von den Behauptungen der Irrlehrer distanziert und den Heidenchristen Gottes Willen klar verkündigt: „Denn es gefällt dem Heiligen Geist und uns, euch weiter keine Last aufzu­erlegen als nur diese notwendigen Dinge: dass ihr euch enthaltet vom Götzenopfer­fleisch und vom Blut und vom Erstickten und von Unzucht. Wenn ihr euch davor bewahrt, tut ihr recht. Lebt wohl!“ (28.29)

Hier können wir lernen, wie wichtig auch in der christlichen Gemeinde gute Kommunikation ist. Das große Problem war nur dadurch entstanden, weil die Gläubigen es nicht geschafft hatten, allen gläubig gewordenen Juden das Evangelium so klar zu verkündigen, dass sie erkannt hätten, dass der Glaube an Jesus vor Gott wirklich genügt. Zum anderen können wir lernen, wie sie das Problem durch gute Kommunikation gelöst haben. Paulus und Barnabas haben mit den gesetzlichen Judenchristen lange in Antiochia und in Jerusalem lange gestritten, weil es um die Wahrheit des Evangeliums ging. Wenn es um die Wahrheit des Evangeliums geht, kann es sein, dass wir auch manchmal streiten müssen. Dabei ist es wichtig, dass wir nicht nur versuchen, Recht zu bekommen, und unsere Ansicht mit allen möglichen Versen zu verteidigen. Die Brüder in Jerusalem kamen aber erst dann zur Einsicht, als sie aufhörten, ihre eigene Position zu verteidigen, und still wurden und Petrus, Paulus, Barnabas und Jakobus wirklich zuhörten. Es ist auch für uns sehr wichtig, dass wir einander gut zuhören, insbesondere wenn wir verschiedene Meinungen haben. Dann sollen wir versuchen, die Meinung des anderen gut zu verstehen, bevor wir etwas dagegen sagen. Das ist möglich, wenn wir eine demütige Haltung aufbringen und uns bewusst machen, dass der andere auch ein geschätztes Kind Gottes ist, und uns nicht für klüger halten und im Recht sehen, nur weil unser Verstand und unser Herz davon überzeugt sind. Wenn wir untereinander diese Haltung aufbringen und ernsthaft vor Gott seinen Willen suchen, was sein Wille ist, werden auf alle Fragen eine richtige Antwort finden und eine Überzeugung erlangen.

Dass wir in der Gemeinde einander demütig begegnen und einander gut zuhören, ist nicht nur in Streitfragen wichtig, sondern es sollte immer unsere Haltung sein. Für gute Kommunikation mit anderen ist es eins der wichtigsten Dinge, dass wir lernen, einander wirklich zuzuhören. Das klingt trivial, ist es aber nicht. Gute Gespräche sind nur möglich, wenn wir den anderen höher achten als uns selbst und mit diesem Respekt, Interesse und Geduld ihm zuhören, bis er alles gesagt hat, was er sagen wollte. Wir merken nicht, wie oft wir voreilig unsere eigene Meinung oder Erfahrung dazu sagen oder antworten, wie er mit dem Problem umgehen soll, und so gute Kommunikation verhindern. Obwohl wir es gut meinen, verhindern wir dadurch ein tieferes, offeneres Gespräch. Stattdessen sollten wir alles dafür einsetzen, den anderen wirklich zu verstehen, indem wir nachfragen, ob wir ihn richtig verstanden haben, und ihn ermutigen, noch mehr von dem zu sagen, was er eigentlich sagen wollte. Wenn er alles gesagt hat, können wir vielleicht einen Rat geben, wenn er das will. Aber wenn nicht, und der andere sich „lediglich“ verstanden fühlt, haben wir trotzdem etwas Großartiges erreicht, nämlich wir, dass wir den Bruder oder die Schwester besser verstehen durften und mit mehr Respekt und mehr Verständnis für ihn beten können, und er, dass er sich öffnen konnte und Verständnis und Anteilnahme erleben durfte, was er sich vielleicht schon lange so sehr gewünscht hat. Wir selbst sollten auch wagen, anderen offen und ehrlich zu begegnen und nicht mehr unsere Schwächen und Probleme zu verbergen, um uns selbst zu schützen. Das erfordert zwar Mut und Vertrauen gegenüber dem Bruder, mit dem wir reden; es ermöglicht uns aber geistliche Gemeinschaft, in der wir ehrlich vor Gott stehen und in der Jesus sich als der Heiland verherrlichen und heilsam, befreiend und mächtig rettend wirken kann. Möge Gott uns helfen, einander zu lieben und gut miteinander zu kommunizieren!

 

 

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Predigt: Psalm 27,1-5 – Zum Schuljahresanfang 2021

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Der HERR ist dein Licht und dein Heil

„Der HERR ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen?”

Psalm 27,1

Ich glaube, dass die meisten von uns sich wünschen, etwas mutiger zu sein. Ich wünschte mir, dass ich frei von Angst und Sorgen leben könnte. Und genau darum geht es im heutigen Text und in der heutigen Predigt. Wir wollen als erstes darüber nachdenken, warum wir keine Furcht zu haben brauchen. Und als zweites wollen wir darüber reden, wie wir ein Leben ohne Furcht führen können.

Erstens, warum keine Furcht?
David, der Psalmist, macht eine erstaunliche Aussage: „vor wem sollte ich mich fürchten? … Vor wem sollte mir bangen?“ Keine Furcht, keine Angst. Und gleichzeitig sind die Situationen, die er erwähnt, ziemlich krass. In Vers 2 sagt er: „Dringen Böse auf mich ein, um mein Fleisch zu verschlingen, meine Bedränger und Feinde…“ Die Neuer Genfer Übersetzung sagt es so: „Wenn boshafte Menschen über mich herfallen, um mich mit Haut und Haaren zu verschlingen, meine Gegner und Feinde…“ Hier ist wirklich die Rede von Menschen, die wirklich gar nichts für David übrighaben. Sie wollten David nicht nur umbringen, sondern auch grillen und essen.
Und in Vers 3 sagt er: „Mag ein Heer mich belagern…“ In dem Film der Herr der Ringe, Die zwei Türme, ist eine der eindrücklichsten Szenen, wenn die Festung Helms Klamm belagert wird. Man sieht eine gewaltige feindliche Armee mit 10,000 starken, bis an die Zähne bewaffneten Soldaten die aus der Ferne anrückt. Die Armee trifft am Abend an. Für die Krieger der Festung ist das der furchterregendste Moment: es ist die Stille vor dem Sturm, der trügerische Friede vor der großen Schlacht, zu wissen, dass die Armee da draußen eigentlich zahlenmäßig weit größer ist als die eigene. Und trotzdem hat David überhaupt keine Angst: „Mein Herz wird nicht verzagen. Mag Krieg gegen mich toben: Ich bleibe dennoch voll Zuversicht.“ David schien jemand zu sein, dem gar nichts aus der Bahn werfen konnte. Keine Situation war zu groß, keine Bedrohung zu schrecklich, keine Gefahr zu imminent, als dass er anfangen würde, sich Sorgen zu machen. Und das ist wirklich erstaunlich.
Morgen ist es endlich so weit. Nach sechseinhalb viel zu langen und viel zu kurzen Wochen beginnt die Schule wieder. Ich glaube, dass sich die meisten schon ein wenig darauf freuen. Und falls ihr Schüler euch gar nicht freuen solltet, eure Eltern freuen sich bestimmt ein wenig. Neues Schuljahr bedeutet auch neue Herausforderungen. Für manche ist es das erste Jahr an der Schule oder das erste Jahr an einer neuen Schule. Für manche ist es das letzte Jahr an der Schule, weil ihr in diesem Schuljahr euren Abschluss macht. Vielleicht habt ihr Fragen wie: „wird das mit dem Schulabschluss alles klappen? Was kommt danach?“ Andere von euch fragen sich vielleicht: „Wie wird die neue Schule? Werde ich bald neue Freunde finden? Werden die Mitschüler nett sein?“
Ich hoffe, dass die meisten von euch mit ziemlich viel Zuversicht und guter Hoffnung ins neue Schuljahr starten. Aber vielleicht ergeht es manchen so ähnlich wie mir: ich fand die Schule nicht so toll. An manchen Tagen konnte ich die Schule nicht ausstehen. Während meiner Zeit am Gymnasium bin ich viele hunderte Male über die Neckarbrücke gegangen. Immer wieder kam es vor, dass morgens die Feuerwehr im Blaulicht an mir vorbei gerauscht ist. Und ich kann mich daran erinnern, dass ich mir immer wieder gewünscht hatte, dass es die Schule ist, die brennt. Das Feuer war immer an der Uni (wahrscheinlich am chemischen Institut) und niemals an der Schule. Während meiner Schulzeit war ich zwar kein richtiger Außenseiter. Aber gleichzeitig habe ich mich nie wirklich akzeptiert gefühlt. Ich hatte nie den Eindruck, dass ich einfach ich selbst sein kann. Vielleicht mag es manchen von euch ähnlich gehen. Falls nicht, gut für dich!
Wie dem auch sei, vielleicht haben manche von euch doch die ein oder andere Sorge, die euch in das neue Schuljahr begleitet. Viele Kinder haben Angst vor Ablehnung. Die Sorgen müssen natürlich nichts mit der Schule an sich zu tun haben. Viele haben Angst um ihre Eltern, dass ihnen etwas passiert oder dass sie sich scheiden lassen. Viele Kinder machen sich Sorgen um die Welt da draußen: Kriege und Terror, Armut, Klimawandel. Ganz egal was der Grund für deine Sorgenfalten ist, es gab und gibt Menschen, die alle deine Sorgen bereits durchgemacht haben. David war spricht hier von kannibalisch veranlagten Feinden, aufziehenden Armeen und tobenden Kriege. Frage ist dann natürlich: warum hatte David keine Angst? Woher kam seine völlige Freiheit von Furcht?
Wir finden die Antwort in Vers 1: „Der HERR ist mein Licht und mein Heil: vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: vor wem sollte mir bangen?“ Davids Antwort auf Furcht und Angst war der HERR: Gott selbst. Gott ist Licht, Heil (oder Rettung) und Schutz. Licht, Rettung und Schutz sind alles Begriffe, die so viel Bedeutung haben, dass man Bücher dazu schreiben könnte (das wurde auch schon gemacht). Wir wollen gar nicht so tief darauf eingehen heute. Ich möchte an dieser Stelle nur folgendes sagen: jeder Mensch sucht Licht, Rettung und Schutz, weil jeder Mensch auf Licht, Rettung und Schutz angewiesen ist. Wir können nicht ohne das Leben. Ihr alle wollt wissen, weshalb ihr in der Schule ackert, was der Sinn dahinter ist und was der Sinn von eurem Leben ist. Das ist Licht. Ihr alle wollt die Gewissheit haben, dass euer Leben am Ende des Tages gut ausgeht und dass Glück und Freude auf euch warten. Das ist Rettung. Und ihr alle wollt wissen, dass ihr trotz allen Gefahren und Bedrohungen sicher seid. Das ist Schutz. Ihr verwendet vielleicht nicht unbedingt diese Begriffe. Z.B. wenige Menschen heute, wenige Freunde von euch würden sagen: „Ich brauche Rettung!“ Gerettet von was überhaupt würden sie fragen? Und trotzdem ist jeder Mensch praktisch ohne Ausnahme unablässig auf der Suche danach.
Hier ist jetzt der zentrale Punkt: Gott war für David genau das: Licht, Rettung und Schutz. D.h., dass Gott für David absolut war. Oder anders gesagt, für David war Gott das Größte, das Höchste und das Wichtigste in seinem Leben. Angst haben wir immer dann, wenn etwas in Gefahr ist, was uns lieb und teuer ist. Wenn Gott die Person ist, die du am meisten liebst, dann brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Du brauchst dir keine Sorgen mehr zu machen, weil Gott ewig und allmächtig ist. Wenn alles in deinem Leben den Bach runter geht, aber du hast Gott, dann hast du immer noch ein Happyend. Wenn du alles, was du hast, verlierst, aber du hast Gott, dann hast du gar nichts verloren. Gott ist größer als alles, was dir das Leben geben kann; Gott ist größer als alles, was der Tod dir nehmen kann.
Die Frage ist, ob du diesen Gott hast oder nicht. Das ist das Geheimnis eines sorgenfreien Lebens.

Zweitens, wie können wir frei von Furcht und Sorgen leben?
Wir finden mindestens zwei Antworten auf diese Frage im Text. Die eine Antwort finden wir gleich in Vers 1. David sagte nicht einfach: „Der HERR ist Licht und Heil.“ Das hätte nicht ausgereicht, ihm die Angst und Furcht zu nehmen. Er sagte: „Der HERR ist mein Licht und mein Heil: vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: vor wem sollte mir bangen?“ Das Wort „mein“ ist hier wirklich entscheidend. Gott war nicht einfach nur Licht und Heil für den Richter Samuel oder für die Eltern von David. Gott war sein Gott.
Frage ist, wie sehr das auf euch zutrifft. Ist der HERR wirklich dein Gott? Nicht nur der Gott deiner Geschwister oder der Gott deiner Freunde, sondern dein Gott? Auch nicht nur der Gott deiner Eltern, sondern wirklich dein persönlicher Gott? Es reicht nicht aus, dass deine Eltern fromm sind und deine Eltern an Gott glauben. Die Frage ist, ob du fromm bist und an Gott glaubst. Es reicht nicht aus, dass deine Eltern leidenschaftliche Beter sind. Die Frage ist, ob du selbst ein leidenschaftlicher Beter bist. Uwe Schäfer hatte mal gesagt, dass Gott keine Enkelkinder hat. Gott hat nur Kinder. Besser kann man es kaum sagen. Bist du ein Kind Gottes?
Die zweite Antwort finden wir in Vers 4: „Eines habe ich vom HERRN erfragt, dieses erbitte ich: im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen und nachzusinnen in seinem Tempel.“ Für David gab es eine Priorität im Leben; eine einzige Ausrichtung; ein einziges klares Ziel vor Augen: im Haus des HERRN wohnen alle Tage seines Lebens. Und das ist vielleicht nicht ganz so klar zu erfassen. Ich möchte versuchen, es so gut es geht, zu erklären, was das bedeutet.
Es bedeutet zum einen, dass Gott in unserem Leben real wird. Vor einigen Jahren hat eins meiner vier Kinder beim Spielen eine Glühbirne kaputt gemacht. Nicht nur das, natürlich ist er dann in das zerbrochene Glas getreten. Der Kinderarzt hat versucht die Scherben aus dem Fuß zu entfernen. Aber Tage und Wochen später hatte unser Sohn immer noch Schmerzen. Als sein Fuß dann geröntgt wurde, wurde eine weitere Scherbe im Fuß gefunden. Er wurde dann schließlich unter Vollnarkose operiert, und die Chirurgin war in der Lage, die Scherbe zu empfehlen. Als unser Sohn aus der Narkose aufgewacht ist, hat er angefangen, sich über starke Schmerzen zu beklagen. Ich bat die Ärzte um Hilfe. Aber es dauerte eine Weile, bis sie kommen konnten. Schließlich habe ich das getan, was alle verzweifelten Eltern in dieser Situation getan hätten: ich habe dem Kleinen mein Tablet gegeben. Sobald er mein Tablet hatte, waren alle Schmerzen vergessen. Er war so vertieft in das Spiel, dass alles drumherum keine Rolle mehr spielte. Kurz danach kamen die Ärzte rein: „Wir wollten noch einmal vorbeischauen, wegen seinen Schmerzen…“ Sie sahen den Kleinen mit dem Tablet und meinten dann nur zu mir: „Ihm geht es gut.“
Was war passiert? Mein Sohn hat in seiner Begeisterung am Tablet völlig vergessen, dass er Schmerzen hatte. Seine Schmerzen waren nur kleine Unannehmlichkeiten im Vergleich mit dem Vergnügen, mit Papas Tablet zu spielen. Hier ist der Punkt: Gott will in deinem Leben so real werden; eigentlich noch viel realer als das. Er will so präsent in deinem Leben sein, dass alles andere, deine Familie, deiner Freunde, deine Schule zur Nebensache werden. Er will diesen Fokus, diese Art von Aufmerksamkeit und Hingabe von dir wie ein Kind sich einem Tablet zuwendet.
Und das bringt mich zum nächsten Punkt: Gott will von dir gesucht werden. Der christliche Philosoph Dallas Willard hat etwas gesagt, was mich sehr zum Nachdenken gebracht hat. Frage ist: ist Gott verborgen? Versteckt sich Gott vor uns? Seine Antwort war: ja. Hier ist sein Argument: Gott ist so überwältigend groß, dass wenn Er sich nicht vor uns verbergen würde, er einfach unausweichlich wäre. Die Frage ist dann natürlich: warum versteckt sich Gott vor uns? Wenn er sich einfach zeigen würde, würden alle Menschen wissen, dass es ihn gibt. Antwort lautet: Gott versteckt sich vor uns, weil Er will, dass du ihn suchst. Wenig später im Psalm heißt es deshalb auch: „Mein Herz denkt an dich: Suchet mein Angesicht! Dein Angesicht, HERR, will ich suchen.“
Vorhin habe ich gesagt, dass Gott das Beste ist, was uns passieren kann: Er ist unser Licht, unsere Rettung und unser Schutz. Er ist der größte Reichtum, den wir empfangen können. Aber Gott drängt sich niemanden auf. Gott zwingt dich nicht zu deinem Glück. Gott will, von dir gesucht werden, bevor er sich von dir finden lässt. Gott will, dass du seine Gemeinschaft und Hilfe willst. Gott will, dass du ihn in dein Leben einlädst, weil er dich bereits in sein Leben eingeladen hat. Gott will, dass du ihn willst.

Zum Schluss, liebe Schülerinnen und Schüler, wenn ihr euch auf diesen Gott einlässt und wenn ihr seine Gegenwart sucht, könnt ihr darauf vertrauen, dass Gott mit euch ist. Wenn euer Rucksack schwer auf euren Schultern liegt, Gott ist mit euch. Wenn euer Ranzen zu leicht ist, weil ihr die Hälfte der Schulsachen zu Hause vergessen habt, Gott ist mit euch. Wenn ihr in der Schule von besten Freunden umgeben seid, Gott ist mit euch. Wenn ihr euch in der Schule allein gelassen fühlt und denkt, dass niemand euch verstehen kann, Gott ist mit euch. Wenn es den einen Lehrer gibt, der euch tierisch auf den Zeiger geht, Gott ist mit euch. Wenn ihr in der Pause euer Brot esst, Gott ist mit euch. Wenn ihr eine schwere Arbeit zu schreiben habt, Gott ist mit euch. Wenn die Arbeit vor allem deshalb schwer ist, weil ihr zu wenig gelernt habt, Gott ist mit euch. Wenn ihr euch fürchtet, wie ihr die Note 4-5, die ihr geschrieben habt, zu Hause den Eltern beibringen wollt, Gott ist mit euch. Gott ist mit euch auf dem Hin- und auf dem Rückweg, in und außerhalb der Schule, vor und nach dem Unterricht. Gott ist vor euch und hinter euch, er steht euch links und rechts zur Seite, er geht euch voran und hält euch den Rücken frei, er umgibt euch von allen Seiten und hält seine Hand über euch. Er ist euer Licht, eure Rettung und euer Schutz.

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Predigt: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will – Berufen zur Gemeinschaft 4 – 1.Johannes 4,7-11

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Liebe und Gemeinschaft

Geliebte, lasst uns einander lieben! Denn die Liebe ist aus Gott; und jeder, der liebt, ist aus Gott geboren und erkennt Gott

1. Joh 4,7

Seit einigen Wochen beschäftigen wir uns mit dem Thema Gemeinschaft. Bemerkenswert am Thema „Gemeinschaft“ ist, dass die Bibel die Christen an keiner Stelle zur Gemeinschaft aufruft. Zumindest kenne ich keine Stelle, in der es etwa heißt: „Habt Gemeinschaft miteinander.“ Andererseits spricht die Bibel sehr wohl von Gemeinschaft. Gemeinschaft war zum Beispiel das Kennzeichen der ersten Gemeinde, die sehr vorbildlich war. Von Gemeinschaft ist auch im ersten Kapitel dieses Briefes die Rede. Gemeinschaft ist also auch nach der Bibel nicht unwichtig. Trotzdem werden die Christen dazu nicht explizit aufgerufen. Warum? Gemeinschaft, zumindest biblische Gemeinschaft entsteht nicht einfach so, sondern ist das Resultat verschiedener geistlicher Faktoren. Sie entsteht, wenn gewisse Voraussetzungen gegeben sind. In der Bibel werden wir eher zu den Voraussetzungen der Gemeinschaft als zur Gemeinschaft selbst aufgefordert. Zum Beispiel heißt es in 1. Joh. 1,7: „Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander…“ Das Wandeln im Licht ist eine dieser Voraussetzungen für brüderliche Gemeinschaft. Johannes ermahnt aber nicht zur Gemeinschaft selbst, sondern zum Wandeln im Licht. In dem heutigen Text aus 1. Joh. 4 geht es ebenfalls um eine wichtige Voraussetzung der brüderlichen Gemeinschaft. Es ist die Liebe bzw. das Gebot einander zu lieben. Ohne die Liebe ist die Gemeinschaft in der Gemeinde wie ein Getriebe ohne Öl, wie ein Braten ohne Soße, wie Müsli ohne Milch – mit anderen Worten: trocken, anstrengend und wenig wenn überhaupt erbaulich. Um mehr echte christliche Gemeinschaft zu haben, reicht es nicht einfach nur, sich mehr zu treffen, mehr zusammen zu sein, mehr miteinander irgendetwas zu unternehmen. Es bedarf der Liebe. Der heutige Text aus 1. Joh. 4 fordert uns an mehreren Stellen dazu auf, einander zu lieben. Gleich zu Beginn heißt es: „Geliebte, lasst uns einander lieben!“ Wir wollen uns mit dem Text anhand von drei Fragen näher auseinandersetzen:

1. Warum sollen wir lieben?
2. Wozu sollen wir lieben?
3. Wie können wir lieben?

1. Das Warum der Liebe
Direkt nach der Aufforderung im Vers 7, einander zu lieben, folgt das Wort: „Denn“. Johannes gibt also eine Begründung dafür, warum wir einander lieben sollen. Mit anderen Worten: Er klärt, warum das einander Lieben so wichtig ist, warum das einander Lieben im Leben eines echten Christen nicht ausbleiben kann. Was ist also die Begründung? Im Vers 7 heißt es: „Denn die Liebe ist von Gott“. Nach anderen Übersetzungen heißt es: „Denn die Liebe ist aus Gott“. Das ist ein großer Unterschied. Von Gott kommt alles Geschaffene. Aber aus Gott kommen nur der Sohn, der Heilige Geist, das Wort und eben auch die Agape-Liebe. Alles, was aus Gott kommt, ist Gott selbst. Daher heißt es am Ende von Vers 8: Denn Gott ist Liebe. Im Vers 16 steht es noch einmal. Gott selbst ist Liebe. Das was Gottes Wesen durch und durch ausmacht, ist gerade Liebe. In der Bibel erfahren wir zwar immer wieder, dass Gott gerecht ist, dass Gott heilig ist, dass Gott treu ist usw. Aber nirgendwo in der Bibel heißt es: „Gott ist Gerechtigkeit, Gott ist Heiligkeit, Gott ist Treue“ Doch über die Liebe heißt es: Gott ist Liebe. Gottes innerstes Wesen ist die Liebe. Wer Gottes Tun und Handeln tief verstehen möchte, sollte es immer aus der Perspektive der Liebe tun. Alles, was Gott tut, geschieht aus Liebe. Selbst wenn Gott richtet oder zornig ist, geschieht das aus Liebe. Von Gottes Liebe erfahren wir bereits im AT an vielen Stellen, aber dass Gott selbst Liebe ist, wird dort kein einziges Mal berichtet. Dass Gott selbst Liebe ist, musste erst einmal offenbart werden. Was Johannes diese Offenbarung gab, verrät uns Vers 9. Es war die Sendung des Sohnes in die Welt. Nirgendwo anders hat Gott seine Liebe so klar offenbart, als dadurch, dass er seinen Sohn in die Welt sandte, um für unser Leben zu sterben. Und jeder, der mit Glauben auf das Kreuz schaut, kann es nur bestätigen: „Gott muss die Liebe selbst sein!“
Betrachten wir noch einmal die Verse 7 und 8: Weil Gott selbst Liebe ist, liebt auch der, der aus Gott geboren ist. Die göttliche Liebe ist das Kennzeichen eines wiedergeborenen Christen. Viele Dinge, die wir kennen, haben ein bestimmtes Merkmal, was sie ausmacht: Was wäre bspw. ein Vogel ohne Flügel, was wäre ein Auto ohne Motor, was wäre ein Bleistift ohne Miene und genauso ist es mit dem Christen: Was ist ein Christ ohne Liebe? Die göttliche Liebe ist gerade das Merkmal, das einen wiedergeborenen Christen kennzeichnet. Nicht Bibelwissen, nicht die regelmäßige Stille Zeit, nicht der regelmäßige Gottesdienstbesuch, nicht Mission, nicht bestimmte Gaben usw. zeigen, ob jemand wiedergeboren ist, sondern die Liebe.
Weil Gott die Liebe ist, kennen nur diejenigen Gott wirklich, die selber lieben. Nur diejenigen, die selber lieben, haben wirklich verstanden, wie Gott ist. Das sind die, die Gott persönlich begegnet sind. Ob jemand Gott wirklich kennt, kann man nicht daran festmachen, ob er viel Bibelwissen hat, fromm redet oder die besten Antworten auf theologisch knifflige Fragen hat, sondern daran, dass er liebt (Beispiel: Lehrer). Viele denken, sie wissen schon, wie Gott ist, weil sie ein bestimmtes Wissen haben. Aber in Vers 8 heißt es ganz klar: „Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt“.
Das einander Lieben ist also keine Nebensächlichkeit im christlichen Leben. Wer nicht liebt, ist entweder nicht wiedergeboren und kennt Gott gar nicht. Oder zumindest seine Beziehung zu Gott ist nicht in Ordnung, aber nicht nur ein bisschen, sondern nach dem Wort aus V. 7 und 8 gar nicht in Ordnung. Praktisch ist man dann wie einer, der Gott gar nicht kennt, wie einer, der Gott nie begegnet ist. Vers 11 spricht sogar davon, dass wir es den Geschwistern schuldig sind, sie zu lieben. Warum? Johannes sagt: Weil uns Gott so geliebt hat. Wie Gott uns geliebt hat, beschreibt Johannes in den Versen 9 und 10. Betrachten wir die Verse 9 und 10. Gott sandte Seinen über alles geliebten Sohn in die Welt. Wenn die Bibel von „Welt“ spricht meint sie nicht den Planeten Erde. Mit „Welt“ meint sie die Mehrheit der Menschheit, die in Feindschaft gegen Gott lebt. Obwohl Gott wusste, was die Welt mit seinem über alles geliebten Sohn anstellen würde, sandte er ihn doch in die Welt. Wer würde schon sein Kind zu Feinden schicken? Aber Gott tat das mit seinem einzigen Sohn. Er sandte ihn quasi in eine Räuberhöhle. Und wozu tat Gott das? Um sich dadurch selbst zu bereichern? Um sich selber Vorteile zu verschaffen? Nein, am Ende von Vers 9 heißt es: damit wir durch ihn leben. Als Gott auf die Welt sah, erwiderte er der Feindschaft der Welt nicht mit Feindschaft, sondern mit Mitleid: Er sah, dass die Menschen kein echtes, wahres Leben haben, sondern tot sind. Gott nahm Seinen über alles geliebten Sohn in Kauf, um uns das Leben zu geben. Gott sandte seinen Sohn nicht, um sich zu bereichern, sondern um uns das Leben zu geben. In Titus 3,4-5 heißt es: „Als aber die Güte und die Menschenliebe unseres Retter-Gottes erschien, rettete er uns“. Vers 10 macht unmissverständlich deutlich: „Gottes Liebe wurde uns nicht erzeigt, weil wir ihn zuerst geliebt hätten. Mit anderen Worten: er liebte uns nicht, weil wir ihn liebten, sondern er liebte uns trotz unserer bitteren Feindschaft (MacDonald, W. 2009: 1391)1.“ Kehren wir zurück zu V. 11. Eben weil Gott uns so sehr geliebt hat, sind wir es schuldig, die Brüder zu lieben. In Röm. 13,8 heißt es: „Seid niemand irgendetwas schuldig, als nur einander zu lieben!“ Schuldig bedeutet nicht, dass wir Gottes Errettung zurückbezahlen, indem wir anderen etwas Gutes tun. Schuldig bedeutet, dass es in der Liebe zum Bruder keine Grenzen gibt. Man kann nicht sagen: „Ich habe dem schon so viel Gutes getan. Das ist jetzt aber genug.“ Oder: „Das ist aber jetzt zu viel verlangt.“ Weil Gott uns so eine unvorstellbar große Liebe erwiesen hat, wird man nie sagen können: „Dem habe ich schon genug Liebe erwiesen.“ Egal, wie viel Liebe wir bereits erwiesen haben – wir bleiben Schuldner der Liebe.
Der heutige Text spricht aber nicht nur darüber, warum wir lieben sollen, sondern auch darüber, was göttliche bzw. echte Liebe bei dem anderen bewirkt. Dies zu wissen, ist wichtig, damit man die Glaubensgeschwister in der rechten Art und Weise liebt. Wir wollen dies im zweiten Teil der Predigt betrachten.

2. Das Wozu der Liebe
Auf die Frage nach dem Wozu der göttlichen Liebe gibt es sicherlich mehrere Antworten. Aber welche Antwort gibt der heutige Text? Betrachten wir hierzu noch einmal Vers 9. Gott sandte Seinen Sohn, um uns das Leben zu geben. Göttliche, wahre Liebe hat zum Ziel, anderen das Leben zu geben. Liebe und Leben sind zwei Seiten ein- und derselben Medaille. Einige von uns haben das sicherlich auch schon durch die Gemeinschaft mit liebevollen Christen erfahren. Welchen Eindruck erwecken solche Menschen bei dir? Bei mir erwecken solche Menschen den Eindruck, dass sie lebendig sind, dass sie wirklich lebhaft sind. Sie ziehen Leute an sich. Man hat gerne Gemeinschaft mit ihnen. Man erlebt die Gemeinschaft mit ihnen als erfrischend. Und was ist das Resultat davon? Man wird selber lebendig, man wird ermutigt, Gott und anderen zu lieben. Liebe und Leben sind zwei Seiten ein- und derselben Medaille.
Da das einander Lieben darin besteht, Gottes Liebe weiterzugeben, hat auch das einander Lieben zum Ziel, anderen das Leben zu geben. Wenn wir den Bruder mit göttlicher Liebe lieben, dann hat das zur Folge, dass das geistliche Leben in ihm gefördert wird. Das geschieht nicht allein dadurch, dass wir mit anderen beten und Bibel lesen, sondern kann ggf. auch durch praktische Hilfe geschehen. Zum Beispiel haben uns vor Kurzem zwei aus der Gemeinde nachträglich eine sehr großzügige Geldsumme zur Hochzeit geschenkt. Ich glaube, dass sie das aus Glauben und Liebe zu Gott getan haben. Dieses Geschenk hat mich als geistliches Zeugnis der Liebe angesprochen, sodass ich zu mir sagte: „Du solltest auch zu anderen großzügiger sein.“ Oder hier ein anderes Beispiel aus der Bibel: Als Paulus die Korinther dazu ermutigte, der verarmten Gemeinde in Jerusalem zu spenden, schrieb er: 12 Denn der Dienst dieser Sammlung hilft nicht allein dem Mangel der Heiligen ab, sondern wirkt auch überschwänglich darin, dass viele Gott danken. 13 Denn für diesen treuen Dienst preisen sie Gott über eurem Gehorsam im Bekenntnis zum Evangelium Christi und über der Einfalt eurer Gemeinschaft mit ihnen und allen. 14 Und in ihrem Gebet für euch sehnen sie sich nach euch wegen der überschwänglichen Gnade Gottes bei euch. 15 Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe! (2. Kor. 9,12-15).
Hier ein negatives Beispiel: Einmal erzählte ein Bruder über die Freude eines Frischbekehrten. Er war über das neue Leben überaus erfreut. Aber dann kam einer aus der Gemeinde und sagte ihm: „Das Glaubensleben ist nicht einfach nur Friede, Freude und Eierkuchen. Man muss dies und jenes machen usw.“ Der Bruder, der mir diese Geschichte erzählte, beendete die Erzählung mit dem Satz: „Ja, der Teufel kann auch solche Leute gebrauchen.“ Und ich denke er hat Recht. Die Worte haben das geistliche Leben des Frischbekehrten nicht gefördert, sondern eher beeinträchtigt. In diesem Fall würde lieben wohl bedeuten, dass man sich mit diesem frischbekehrten Bruder mitfreut und mit ihm darüber spricht, welch ein Reichtum wir doch in Christus haben. Das wäre eine Liebe, die sein geistliches Leben fördern würde.
Man kann auch auf einer Art und Weise lieben, die nicht das Leben, sondern die Sünde des anderen fördert. Wenn man bspw. andere Menschen, die Gott einem anvertraut hat, so annimmt, wie sie sind, dann ist das eine gute Sache. Wenn man aber dabei stehen bleibt und sich der Verantwortung entzieht, ihnen darin zu helfen, sündhafte Verhaltensweisen zu korrigieren, dann ist das eine Liebe, die die Sünde des anderen fördert und gedeihen lässt.
Wie ist es mit deiner und meiner Liebe bestellt? Liebe ich die anderen? Wenn ja, wie liebe ich die anderen? So, dass es das Leben gibt und fördert? Oder so, dass es das geistliche Leben des anderen beeinträchtigt. Lieben wir die anderen so, wie es Gott tut, dann wird die Gemeinschaft in der Gemeinde mehr und mehr zu einer lebendigen und erfrischenden Gemeinschaft verändert werden.
Einander lieben – leichter gesagt als getan. Was soll man tun, wenn die Bruderliebe bei einem ausbleibt? Soll man sich dann einfach vornehmen, ab nun den anderen mehr zu lieben, zu den anderen nun freundlicher und lieber zu sein? Wir wollen dies im dritten Teil der Predigt betrachten.

3. Das Wie der Liebe
Um lieben zu können, muss man das Wesen der göttlichen Liebe verstehen. Vers 10 leitet mit den Worten ein: „Hierin ist die Liebe.“ Es spricht über das Wesen der Liebe. Das Wesen der Liebe besteht nicht darin, dass wir, sondern Gott zuerst liebt. Ähnlich heißt es auch in Vers 19: „Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.“  Die Liebe kommt nicht aus unserer Initiative, sondern aus der Initiative Gottes.
Erinnern wir uns an Vers 7. Dort heißt es ja: Die Liebe ist aus Gott. Die Liebe kommt aus Gott, nicht aus uns. Wir können von uns aus gar nicht lieben. Vers 7 geht sogar einen Schritt weiter: Um zu lieben, bedarf es der Wiedergeburt – mit anderen Worten: Um zu lieben, bedarf es einer neuen Existenzweise. Wer nicht wiedergeboren ist, ist nicht frei von seinem Ich. Daher ist seine Liebe zu anderen Menschen sehr begrenzt (Einwände – Email). Durch die Wiedergeburt erfährt der Mensch Gottes Liebe – sie macht ihn frei von seinem ichhaften Wesen und befähigt ihn, andere grenzenlos zu lieben. Um das Gebot: „Einander zu lieben“ erfüllen zu können, muss man erst einmal verstanden haben, dass man von sich aus nicht lieben kann, jedenfalls nicht in der Art und Weise, wie es Gott meint. Ein großes Hindernis zu lieben ist ja gerade die Meinung, man könne das irgendwie aus sich selbst heraus tun – nach dem Motto: „Ab heute nehme ich mir vor, freundlicher zu den anderen zu sein.“ Meine Liebe ist wie ein Boden mit wenig Erde. Schon nach den ersten Schippenschlägen, macht es „Kling“ – auf Stein gestoßen. Von sich aus andere zu lieben stößt schnell an seine Grenzen. Es reicht oft nicht einmal dafür aus, Macken des anderen zu ertragen. Wie der Mond nicht von sich aus leuchten kann, sondern das Licht der Sonne reflektiert, so können auch wir nur die Liebe Gottes, die er uns in Jesus erwiesen hat, zu anderen weiterleiten, sie aber nicht selbst erzeugen.
Wenn wir die Verse 7 und 11 miteinander vergleichen, fällt auf, dass Johannes die Christen zuerst mit „Geliebte“ anspricht, bevor er sie dazu ermahnt, andere zu lieben. Vers 16 spricht vom Erkennen und Glauben der Liebe, die Gott zu uns hat. Was zeigt das? Es zeigt, es gibt nur einen Weg, wie wir das Gebot vom „einander zu lieben“ erfüllen können. Dieser Weg ist: „Sich von Gott lieben zu lassen“. Immer und immer wieder aufs Neue, sich von Gott lieben zu lassen. „Das sich lieben lassen“ ist so einfach, dass es schwierig ist, darauf zu kommen, wie das funktioniert. Ich möchte hierzu zwei Beispiele aus dem Buch: „So ist Jesus“2 vorlesen. Das erste Beispiel ist aus dem Leben eines Evangelisten (S. 59):
In der Sakristei einer Kirche hielt der Evangelist seine Sprechstunde. Es ist eine gut ausgestatte Sakristei, in der es sogar fließendes Wasser gibt. Vor dem Evangelisten sitzen immer wieder Menschen mit der Klage: „Ich komme nicht weiter, in meinem Leben gibt es nur Niederlagen, wie soll es mit mir werden, wie komme ich heraus aus dem Elend?“ Da steht der Evangelist auf und geht zur Wasserleitung, dreht den Hahn auf und bittet seinen Besucher: „Schauen Sie einmal her! Sehen Sie das Leitungsrohr? Ist es aus Gold mit Brillanten besetzt? Ist es wenigstens aus Silber? Nein, es ist ein Bleirohr. Aber das schadet gar nichts und darauf kommt es nicht an. Wichtig ist allein, dass durch dieses Rohr das klare Wasser fließt! Das Rohr muss das Wasser nicht aus sich selbst herauspressen; das kann ein Bleirohr niemals. Das Wasser kommt ganz woanders her. Aber das Rohr darf das Wasser aufnehmen und durch sich strömen lassen zu allen, die es brauchen. So darfst du leben, denn so darfst du lieben: „Nur Gefäße, heilger Meister, doch gefüllt mit deiner Kraft, lass von dir und durch uns strömen Liebesmacht und Lebenssaft!“
Das zweite Beispiel ist aus dem Leben des China-Missionars Hudson Taylor gegriffen (S. 56-58):
Ich hatte die letzten sechs oder acht Monate große Bekümmernis, denn ich fühlte, wie sehr ich persönlich und die Mission als Ganzes mehr Heiligung, Leben und innere Kraft nötig hatten. Aber das Dringendste war mein eigener Mangel. Ich betete, ich quälte mich ab, ich fastete und mühte mich; ich fasste Vorsätze, las die Schrift fleißiger, suchte mehr Zeit zu meiner inneren Sammlung – aber alles vergebens! Täglich, fast stündlich drückte mich das Bewusstsein der Sünde zu Boden. Ich wusste, wenn ich nur in Christus bleiben könnte, würde alles gut sein, aber ich konnte es nicht. (…) In dieser ganzen Zeit hatte ich die feste Überzeugung, dass in Christus alles beschlossen war, dessen ich bedurfte; die Frage war nur, wie ich es bekommen könnte… Ich wusste, dass in der Wurzel und im Stamm reichlich Lebenssaft strömte; die Frage war nur, wie er in meinen armen kleinen Zweig gelangen könnte. – Als langsam das Licht empordämmerte, sah ich, dass der Glaube die Hand war, die seine Fülle erfassen und mir zu eigen machen könnte. Aber ich hatte diesen Glauben nicht. Ich strebte ihm nach… ich versuchte ihn zu üben, aber vergeblich… Als meine innere Qual ihren Höhepunkt erreicht hatte, benutzte der Herr einen Satz in einem Brief McCarthys, um es mir wie Schuppen von den Augen fallen zu lassen: McCarthy, der von dem gleichen Bewusstsein seiner Schwachheit bedrängt gewesen war, aber eher als ich das Licht sah, schrieb: Wie bekommen wir Stärkung unseres Glaubens? Nicht indem wir um Glauben ringen, sondern dadurch, dass wir ruhen in dem Getreuen! Während ich las, wurde mir alles klar! Glauben wir nicht, so bleibet er treu! Ich schaute auf Jesum und sah – und Freude überströmte mein Herz! – , dass Er gesagt hat: Ich will dich nicht verlasse. Da ist die Ruhe, dachte ich. Ich habe mich vergeblich abgemüht, in ihm zu ruhen. Ich will mich nicht mehr mühen. Denn – hat er nicht selbst versprochen, bei mir zu bleiben, mich nicht zu verlassen? Strahlendes Licht ergoss sich in mein Herz, als ich an den Weinstock und seine Reben dachte. Wie groß war mein Irrtum, als ich wünschte, den Lebenssaft aus ihm heraus, in mich hinein zu bekommen!

Ich musste den Abschnitt mehrfach lesen, bis ich verstanden hatte, was überhaupt die Erkenntnis von Taylor war. Taylor erkannte, dass das Ruhen in dem Werk Christi schon der Glaube ist, durch den er Jesu Liebe und Kraft empfangen kann. Er verstand, dass gerade dieses Ringen um den Glauben das Gegenteil vom Ruhen in dem Werk Christi ist. Er konnte ruhen, weil er erkannte, dass Jesu Liebe und Treue unabhängig von seinen Bemühungen und Treue sind.
Am Ende von Vers 17 heißt es: „denn gleichwie Er ist, so sind auch wir in dieser Welt.“ Wir sind dazu berufen und bestimmt, vom Wesen her wie Gott zu sein. Da die Liebe das ist, was das Wesen Gottes ausmacht, ist es geradezu unsere Bestimmung einander zu lieben. Unsere Hauptaufgabe auf dieser Welt ist zu lieben. Lasst uns daher unseren Fokus darauf setzen, dass Gottes Liebe durch uns zu anderen strömt. Dann wird auch die Gemeinschaft in der Gemeinde mehr und lebendiger. Lasst uns beten.
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1 MacDonald, W. (20095): Kommentar zum Neuen Testament. CLV, S. 1391.
2 De Boor, W. (o.J.): So ist Jesus. CMV, S. 56-59.

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Predigt: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will – Berufen zur Gemeinschaft 3 – Matthäus 9,9-13

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Jeder ist willkommen

„Geht aber hin und lernt, was das heißt: Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer.
Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.“

(Matthäus 9,13)

Zur dritten Lektion zum Thema „Eine Gemeinde, wie Jesus sie sich wünscht“, mit dem Aspekt Gemeinschaft, wollen wir heute Matthäus 9,9-13 betrachten. Unsere Frage ist: Wie können wir eine Gemeinde sein, in der sich jeder wirklich angenommen weiß, wie er oder sie ist, und in der sich jeder, der neu dazu kommt, wirklich willkommen fühlt? Im heutigen Text wird deutlich, dass Jesus eine Art hatte, durch die sich alle möglichen Leute willkommen gefühlt haben, selbst die, die sonst nirgends willkommen waren. Wir können heute lernen, was die Grundlage dieser Gemeinschaft war und was ihren Charakter prägt. Lasst uns heute den wichtigsten Punkt lernen, wie wir eine Gemeinde werden können, in der sich jeder wirklich angenommen fühlt!

In diesem Text berichtet Matthäus darüber, wie Jesus ihn berufen hat; es handelt sich also um ein kurzes Stück Autobiografie bzw. Lebenszeugnis. Jesus ging aus der Stadt Kapernaum und sah Matthäus an der Zollstation sitzen. Wie die meisten von uns wissen, trieben Zöllner für die römische Besatzungsmacht von ihren Landsleuten verschiedene Zölle ein, weshalb sie als Verräter galten. Sie standen unter dem Schutz der Römer, wurden von diesen aber nicht kontrolliert, solange sie die vereinbarte Zollsumme ablieferten. Das führte dazu, dass fast alle Zöllner ihren Landsleuten willkürlich mehr Geld abgeknöpft haben, als vorgeschrieben war, und sich dadurch bereicherten. Wegen ihres geldgierigen, selbstsüchtigen Verhalten wurden die Zöllner in der jüdischen Gesellschaft von allen verachtet und gemieden, weil sie die Gebote verachteten und ihr eigenes Volk ausbeuteten. „Zöllner“ war ein Inbegriff für Sünder.

Matthäus berichtet nicht darüber, wie er ein Zöllner geworden war. Aber niemand wurde dazu gezwungen, Zöllner zu werden. Man musste sich um diese Posten bewerben; und nur, wer die Römer überzeugte, bekam die Stelle. Matthäus hatte sich also um den Posten als Zöllner bemüht, auch wenn er wusste, dass er von seinen Mitmenschen verachtet würde. Er muss geglaubt haben, dass er nur glücklich werden kann, wenn er viel Geld besitzt und sich ein schönes Haus, schicke Kleider und teures Essen leisten konnte, auch wenn seine Beziehungen zu andern darunter leiden würden. Er wurde offenbar reich, hatte ein eigenes Haus und konnte ohne Probleme eine große Zahl von Leuten zum Essen einladen. Aber es gab kaum jemanden, der zu ihm kommen wollte, außer einigen Zöllnerkollegen und stadtbekannten Sündern. Als Zöllner wurde er von allen gemieden und als ein verachtenswerter Mensch stigmatisiert. Die Einsamkeit und Verachtung müssen an ihm genagt haben. Noch schlimmer war, dass Matthäus als Jude gewusst haben muss, dass seine egoistische, geldgierige Lebensweise nicht im Einklang mit Gottes Willen stand und er keine Hoffnung auf Gottes Güte in der Zukunft hegen konnte. Matthäus war ein richtiger Sünder. Und er war offensichtlich nicht glücklich.

Matthäus sagt das nicht im Einzelnen, er überließ es uns, das zu schlussfolgern. Aber er schreibt klar, dass Jesus ihn sah. Er hat wohl nie vergessen, wie Jesus ihn ansah. Jesus sah ihn nicht wie die anderen an, die nur sein Verhalten sahen und ihn verurteilten. Jesus sah ihn nicht mit strengem, richtendem Blick, sondern mit Liebe und Verständnis. Jesus sah nicht nur sein verkehrtes Verhalten, sondern sah, wie es dazu gekommen war. Mehr noch, Jesus sah, wie Gott ihn eigentlich gedacht hatte und zu was für ein Mensch er werden konnte, wenn er von der Sünde befreit würde. Jesus sah auch, dass er sich nicht selbst verändern konnte, weil er in seiner Sünde wie gefangen war. Jesus sah ihn also mit Liebe, Verständnis und Hoffnung an. Dann sprach er zu ihm: „Folge mir!“ Jesus lud ihn dazu ein, sein Leben mit ihm zu führen. Dadurch drückte Jesus aus, dass er ihn annahm, wie er war, und ihm seine Sünde vergab. Jesus lud ihn ein, ihn kennenzulernen und in der Gemeinschaft mit ihm ein anderes, neues Leben zu führen, das Gott ehrt. Jesus war also bereit, seine Selbstsucht und die daraus resultierenden schlechten Gewohnheiten zu ertragen und ihm zu helfen, bis er ganz verändert wäre. Jesu lud ihn ein, weil er glaubte, dass Matthäus dadurch ein Mann Gottes und ein authentischer und einflussreicher Zeuge des Evangeliums würde. Jesus wollte ihn sein Leben lang leiten und als seinen Zeugen gebrauchen und ihn schließlich in sein ewiges Reich führen.

Wie Matthäus auf Jesu Einladung reagiert hat, beschreibt er kurz und schlicht: „Und er stand auf und folgte ihm“ (9b). Jesu Aufforderung war eigentlich eine riesige Herausforderung. Er sollte seine alte Lebensweise und seinen Reichtum aufgeben und sein ganzes Vertrauen auf Jesus setzen. Aber die bedingungslose Liebe, mit der Jesus ihn einlud, muss ihn bewegt haben. Er verstand, dass Jesu Einladung eine Einladung vom Himmel war und dass dies seine Chance, sein Leben vor Gott in Ordnung zu bringen. Deshalb traf er ohne zu zögern die Entscheidung, die sein ganzes Leben verändern sollte, stand auf und folgte ihm.

Und unser Text beschreibt, wie sein neues Leben mit Jesus anfing. Aus Dankbarkeit und Freude über sein neues Leben lud Matthäus Jesus zum Essen ein. Jesus nahm diese Einladung wie selbstverständlich an und saß bei ihm zu Hause am Tisch. Viele Zöllner und Sünder kamen und aßen zusammen mit Jesus und seinen Jüngern. Warum der Verfasser das ausdrücklich erwähnt, verstehen wir erst, wenn wir bedenken, dass die Juden Gemeinschaft mit Menschen, die offensichtlich in Sünde lebten, streng vermieden. Wir erkennen das klar an der Kritik, die die Pharisäer übten, als sie diese Essensgemeinschaft sahen. Sie fragten seine Jünger: „Warum isst euer Meister mit den Zöllnern und Sündern?“ (11) Das war keine Wissensfrage, durch die sie Jesu Verhalten verstehen wollten, sondern eine offene Kritik an Jesus und seinem Verhalten.

Ihre vorwurfsvolle Frage verrät, dass sie die Zöllner und Sünder als verwerfliche Menschen betrachteten und längst als hoffnungslose Fälle abgeschrieben hatten. Mit solchen Leuten Gemeinschaft zu haben, war für sie völlig inakzeptabel, weil sie keine Hoffnung für sie hatten und meinten, sich durch die Gemeinschaft mit ihnen unrein zu machen. Dadurch, dass sie die Zöllner und stadtbekannten Sünder öffentlich stigmatisierten, wollten sie umso deutlicher zeigen, dass sie selbst gerecht waren. In ihrer Selbstgerechtigkeit verurteilten sie nicht nur die Menschen, die ihre Sünde nicht wie sie verbergen konnten, sondern verurteilten auch Jesus.

Wie reagierte Jesus auf ihre Kritik? Jesu Antwort besteht aus drei Teilen. Vers 12 sagt: „Als das Jesus hörte, sprach er: Nicht die Starken bedürfen des Arztes, sondern die Kranken.“ Jesus machte klar, dass sie ein völlig falsches Konzept von ihm und von sich selbst hatten. Sie hielten sich selbst für gerecht und verurteilten aus dieser Gesinnung heraus die anderen. Aber Jesus, der einzig Gerechte, verurteilt die Menschen nicht, weil er der wahre Arzt ist, der alle von ihrer Sündenkrankheit heilen will. So wie ein guter Arzt seine Patienten nicht beschuldigt, sondern sich ganz dafür einsetzt, ihre Krankheit richtig zu behandeln, so hat auch Jesus alles dafür getan, um uns Menschen von der Sünde zu heilen. Matthäus war an seinem verkorksten Leben nicht unschuldig, er hatte es selbst gewählt, ein Zöllner zu werden, und nachher unter den Folgen davon gelitten. Aber Jesus hat ihm keine Vorwürfe gemacht, sondern hat ihn freundlich eingeladen: „Folge mir!“, weil er ihn dadurch gesund und heil machen wollte. So nahm Jesus alle an, die zu ihm kamen und die bereit waren, seinen Ruf zu hören und ihre Sünde vor ihm zuzugeben und zu lassen. Weil es kein anderes Heilmittel gegen die Sünden gab, hat Jesus schließlich unsere Sünde auf sich genommen und hat sie ans Kreuz getragen und dort die Strafe dafür bezahlt. Der Apostel Petrus hat das so beschrieben: „Der unsere Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden“ (1. Petr. 2,24). Jesus ist der Arzt, zu dem jeder ohne Angst kommen kann und soll, weil er jeden, der zu ihm kommt, heil macht.

Als Nächstes lehrt Jesus, dass Gott Barmherzigkeit will. Er sagt: „Geht aber hin und lernt, was das heißt: Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer“ (13a). Jesus zitiert hier ein Wort aus Hosea 6,6 (dieses Wort hat er übrigens wenige Kapitel später nochmals zitiert). Das Wort für „Barmherzigkeit“ kann auch mit Liebe, Gnade oder Güte übersetzt werden. Die Pharisäer waren stolz auf ihre Bemühungen, das Gesetz zu halten und die vorgeschriebenen Opfer zu bringen, aber sie hatten keine Liebe zu ihren Mitmenschen. Aber Gott will Barmherzigkeit. Er will nicht, dass wir versuchen, uns durch Opfer vor ihm angenehm zu machen, sondern dass wir seine Liebe zu uns erkennen, sie annehmen und erwidern, indem wir ihn lieben und unseren Mitmenschen mit Liebe und Barmherzigkeit begegnen.

Schließlich geht Jesus noch einen Schritt weiter, indem er sagt: „Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder“ (13b). Jesus verkündigt hier, dass er für Gerechte gar nicht gekommen ist, sondern nur für Sünder. Dadurch fordert er die Pharisäer heraus, sich selbst als Sünder zu erkennen und zu ihm zu kommen – andernfalls können sie von ihm nichts erwarten; denn wer sich für einen Gerechten hält, dem kann er nicht helfen. Dass Jesus für Sünder gekommen ist, ist eine gute Nachricht für all, für alle, die bereit sind, anzuerkennen, dass sie vor Gott Sünder sind. Jesus ist für sie gekommen, er ruft sie und lädt sie freundlich ein, ihm zu folgen und im Vertrauen auf ihn zu leben. Alle, die auf ihn hören, nimmt er als seine Kinder an und heilt sie von ihrer Sünde und führt sie Schritt für Schritt in sein Reich. Sie können jeden Tag neu seine Liebe erfahren und in der Gemeinschaft mit ihm leben und auch in Gemeinschaft mit den anderen Gläubigen leben.

Wahrscheinlich haben sich manche von euch schon gefragt, was das mit unserem Thema zu tun hat: eine Gemeinde, wie Jesus sie sich wünscht, die zur Gemeinschaft berufen ist. Die Antwort ist: sehr viel! Unser heutiger Text lehrt uns die Grundlage und den Charakter von Jesu Gemeinschaft mit seinen Jüngern; und diese ist ein Vorbild für christliche Gemeinschaft bis heute. Die Gemeinschaft von Jesus mit seinen Jüngern und deren Gemeinschaft basiert auf der Grundlage, dass Jesus die Sünder annimmt. Wenn wir an die Jünger denken, denken wir leicht an die heiligen Apostel, die das Evangelium in der Welt verbreitet haben. Aber der heutige Text erinnert uns daran, dass die Jünger echte Sünder waren, die sehr verkehrt dachten und lebten, die Jesus aber bedingungslos angenommen und ihnen die Sünden vergeben hat. Durch diese einseitige Liebe Jesu konnten sie in der Gemeinschaft mit ihm leben. Dadurch wurden sie von ihren Sünden geheilt und dazu befähigt, ein Leben zu führen, das Gott verherrlicht und das bis heute unzählige Menschen auf Jesus hinweist und sie zu ihm einlädt. All das ist nur durch die einseitige Liebe Jesu möglich geworden, durch die er sie bedingungslos angenommen und getragen und verändert hat. Diese Liebe Jesu zu den Sündern war auch die Grundlage für die Gemeinschaft der Jünger in der ersten Gemeinde, und sie ist auch die Grundlage der Gemeinschaft von Christen bis heute.

Wie können wir also eine Gemeinschaft sein, in der sich jeder angenommen fühlt, wie er ist, und in der jeder, der neu kommt, sich wirklich willkommen fühlt? Das ist eine wichtige Frage, über die wir uns viele Gedanken machen sollten. Aber im heutigen Text finden wir eine grundlegende Antwort. Jesus hat gesagt: „Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder“ (13). Wir sollen uns dessen bewusst bleiben, dass Jesus nicht für Gerechte, sondern für Sünder gekommen ist, dass wir selber Sünder sind, die nur durch Jesu einseitige Liebe angenommen und Gottes Kinder geworden sind. Wir sollen in dieser Liebe Jesu bleiben, indem wir ihm jeden Tag dafür danken und unsere Sünden vor ihm bekennen und seine Vergebung annehmen. Wenn wir Gott jeden Tag für seine rettende Liebe zu uns danken und in Dankbarkeit dafür leben, dann können wir jeden in der Gemeinde annehmen und lieben, wie er ist, mit seinen Ecken und Kanten und Schwächen. Dann haben wir viel Raum und Interesse an den anderen und möchten sie gerne besser kennen und verstehen und uns offen mit ihnen austauschen, ohne dabei Erwartungen an sie zu haben. Wenn wir festhalten, dass Jesus für uns Sünder gekommen ist, können wir auch denen, die uns irgendwann durch ihre Worte oder ihr Verhalten verletzt haben, vergeben und einen neuen Anfang machen. Denn wir wollen die Liebe von Jesus gerne an die andern weitergeben. Weil Jesus für jeden von uns gekommen ist, können wir auch die von Herzen annehmen, die von ihrer Herkunft oder ihrem Charakter anders sind. So auch die, die bestimmte Dinge anders sehen, zum Beispiel bezüglich der Kindererziehung, der Politik oder wie man sich bezüglich Corona verhalten soll. Es gibt viele verschiedene Meinungen. Es gibt so viele Dinge, derentwegen wir uns von anderen distanzieren können. Aber wenn wir Jesu Liebe im Herzen haben, dann werden diese Dinge zweitrangig oder irrelevant, dann bleibt nichts, was uns trennt, wie es in dem berühmten Lied von Manfred Siebald (1973) heißt: „Ins Wasser fällt ein Stein, ganz heimlich, still und leise; und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise. … Wo Gottes große Liebe in einem Menschen brennt, da wird die Welt vom Licht erhellt; da bleibt nichts, was uns trennt.“

Wenn Gottes große Liebe zu Sündern in uns brennt, dann können wir auch jeden, der neu in die Gemeinde kommt, von Herzen annehmen. Wir können für ihn ein Freund werden, weil wir im Herzen den Wunsch haben, dass auch er oder sie die rettende Liebe Jesu erfährt. Das gilt unabhängig davon, ob er oder sie ein Schüler, Azubi, Student, Angestellter oder eine Hausfrau und Mutter ist oder kein davon; auch unabhängig davon, ob er oder sie freundlich und offen ist oder eher verschlossen und wir uns geduldig bemühen müssen, ihn oder sie zu verstehen. Und wenn wir das tun und erleben, dass auch verschiedenartigste Menschen sich angenommen fühlen und Jesu Liebe erfahren können, dann werden wir dankbar erkennen, dass Gott uns zu einer Gemeinde gemacht hat, in der sich jeder angenommen und geliebt fühlt; und das wird ihn ehren und freuen. Möge Gott uns helfen, dankbar im Bewusstsein zu behalten, dass Jesus für uns Sünder gekommen isst und uns als solche geliebt hat, und mit dieser Liebe die anderen bedingungslos anzunehmen! Möge Gott uns helfen, so eine Gemeinde zu werden, in der sich jeder angenommen und geliebt weiß!

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