Predigt: 1. Korinther 12,1 – 31 (Sonderlektion)

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Die Gaben des Geistes

„Über die Gaben des Geistes aber will ich euch, liebe Brüder, nicht in Unwissenheit lassen.“

(1. Korinther 12,1)

„Mehr Wissen bringt mehr Vorteile“, sagt man. Wenn wir ein von IKEA gekauftes Möbelstück selbst aufbauen wollen, helfen uns sicher die Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Materialien werden in den Anleitungen aufgelistet und es gibt Skizzen, wie die Einzelteile zusammengefügt werden können. Einerseits ist es mühsam bzw. umständlich, die Anleitung zu verstehen. Aber anderseits können wir ein Möbelstück effektiv und korrekt aufbauen, wenn wir uns an die Anleitung halten. Das Wissen bringt uns sicher Vorteile.
Aber ich habe auch ein Zitat von Mark Twain im Internet gefunden: „Was uns in Schwierigkeiten bringt, ist nicht das, was wir nicht wissen. Es ist das, was wir mit Sicherheit wissen, was jedoch in Wahrheit falsch ist!“ Vor kurzem geschah folgendes: Mehr als 700 Iraner sind nach der Einnahme von Methanol als angebliches Heilmittel gegen das neue Coronavirus gestorben. Sie folgten ihrem Wissen, aber ihr Wissen über Methanol als Heilmittel führte zur Vergiftung mit fatalen Folgen.
Apostel Paulus wollte die Brüder und Schwester in Korinth nicht in Unwissenheit über die Gaben des Geistes lassen. Wenn sie noch genaueres Wissen über die Gaben des Geistes haben, werden sie viele Vorteile haben. Wenn sie aber weiter in Unwissenheit bleiben, haben sie keinen Nutzen von den Gaben des Geistes. Außerdem können sie die Gaben des Geistes zum Eigennutz gebrauchen. Deshalb wollte Paulus die Korinther Genaueres über die Gaben des Geistes wissen lassen.
Als erstes erinnerte Paulus die Korinther daran, dass sie früher als Götzendiener von satanischen Geistern verführt wurden. Aber durch das Wirken des Heiligen Geistes erlebten sie einen Wechsel. Sie bekannten: Jesus ist der Herr.
Im Vers 4 spricht Paulus über verschiedene Gaben, die von einem Geist nämlich vom Heiligen Geist gegeben sind. Danach spricht er über verschiedene Ämter, die ein Herr zum Dienst vorgesehen hat. Wer also die Gaben des Heiligen Geistes empfangen hat, der kann damit in den Dienst des Herrn treten. Es gibt verschiedene Kräfte bzw. Wirkungen des Geistes Gottes, aber Gott ist es selbst, der alles in allen wirkt. Gott ist die Quelle aller Kraft und aller Wirkungen.
In Lukas 24,47-49 sagte Jesus seinen Jüngern, dass sie in Jerusalem bleiben sollten, bevor sie hinausgehen würden: „Von Jerusalem an seid ihr dafür Zeugen. Und siehe, ich sende auf euch, was mein Vater verheißen hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe.“ Um Zeugen Jesu zu sein, sollten sie zuerst mit Kraft aus der Höhe ausgerüstet werden. Hierdurch können wir die Beziehung zwischen der Kraft Gottes und der Aufgabe herausfinden. Für die Ämter gibt Gott den Gläubigen die Gaben des Geistes, damit sie ihre Aufgaben durch seine Kraft erfüllen können.
Im Vers 7 erklärt Paulus, dass Gottes Geist sich durch einen jeden zum Nutzen aller offenbart. Die Gaben sind Offenbarungen des Geistes Gottes. Hier ist wichtig, wozu dem Menschen die Gaben des Geistes gegeben sind, und zwar zum Nutzen aller. In der Übersetzung Hoffnung für alle steht: Also sollen die Gaben der ganzen Gemeinde nützen.
In den Versen 8-10 sind die Gaben des Geistes aufgelistet. Dem einen wird durch den Geist ein Wort der Weisheit gegeben; dem andern ein Wort der Erkenntnis durch denselben Geist; einem andern Glaube, in demselben Geist; einem andern die Gabe, gesund zu machen, in dem einen Geist; einem andern die Kraft, Wunder zu tun; einem andern prophetische Rede; einem andern die Gabe, die Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Zungenrede; einem andern die Gabe, sie auszulegen.
Die Gabe „ein Wort der Weisheit“ ist die Fähigkeit, Gottes Willen zu erkennen und daraus Rat und Hilfe zu geben. 1.Korinther 2,12-13 sagt: „Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, damit wir wissen, was uns von Gott geschenkt ist. Und davon reden wir auch nicht mit Worten, welche menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen.“ Mit der empfangenen Weisheit Gottes schrieb Paulus seine Briefe an die Gemeinden.
Das Wort der Erkenntnis ist die Gabe, die Bedeutung der Bibel zu verstehen. Epheser 1,18 sagt: „Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist.“ Gott gibt seinen Kindern die Gabe erleuchteter Augen, sein Wort zu verstehen, wenn sie in der Bibel forschen.
Die Gabe Glaube ist ein ganz besonderes Maß des Gottvertrauens. Als Paulus im Schiff mit nahezu 300 Leuten unterzugehen drohte, zeigte sich dieser besondere Glaube. Apostelgeschichte 27,22-25 sagt: „Doch nun ermahne ich euch: Seid unverzagt; denn keiner von euch wird umkommen, nur das Schiff wird untergehen. Denn diese Nacht trat zu mir der Engel des Gottes, dem ich gehöre und dem ich diene, und sprach: Fürchte dich nicht, Paulus, du musst vor den Kaiser gestellt werden; und siehe, Gott hat dir geschenkt alle, die mit dir fahren. Darum, ihr Männer, seid unverzagt; denn ich glaube Gott, es wird so geschehen, wie mir gesagt ist.“ Er glaubte fest, dass alle gerettet würden, was dann auch so geschah, und gab damit der Besatzung Sicherheit und Hoffnung.
Die Gabe der Heilung zeigt sich, wenn das Gebet in besonderer Weise Erhörung erfährt. Petrus und Johannes sprachen zu einem Gelähmten: „Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth steh auf und geh umher!“ Über die Gabe der Wunderkräfte ist in der Apostelgeschichte zu lesen, und zwar über Totenerweckungen oder Dämonenaustreibungen usw.
Prophetische Rede ist eine freie Wiedergabe dessen, was der Heilige Geist für die Gemeinde bzw. zur Erbauung der anderen sagt. 1. Korinther 14,3 sagt: „Wer prophetisch redet, der redet den Menschen zur Erbauung und zur Ermahnung und zur Tröstung.“ Gott möchte seinen Kindern in ihren verschiedenen Lebenssituationen und Krisen seelsorgerlich helfen.
Die Gabe der Geisterunterscheidung ist sehr nützlich, um das Wirken des Heiligen Geistes von dem der bösen Geister zu unterscheiden. In 1.Johannes 4,1 steht: „Ihr Lieben, glaubt nicht einem jeden Geist, sondern prüft die Geister, ob sie von Gott sind; denn viele falsche Propheten sind hinausgegangen in die Welt.“
Die Gabe der Zungenrede ist eine Gabe, die die Gemeinschaft mit Gott stärkt. Es kann sein, dass man die Fähigkeit bekommt, tatsächlich in einer Fremdsprache zu sprechen, die man selbst gar nicht erlernt hat. Manchmal sind wir auch so voller Freude, dass uns die passenden Worte fehlen, unseren Herrn richtig zu loben. Da hilft uns diese Gabe, Gott unaussprechlich zu preisen.
Weiter gibt es dann aber auch die Gabe der Auslegung der Zungenrede. Wenn die Zungenrede im Gottesdienst geschehen soll, dann muss sie ausgelegt werden, damit die Gemeinde erbaut werden kann.
Hier erwähnte Paulus neun Gaben des Heiligen Geistes. Der Geist Gottes gibt jedem eine Gabe bzw. Gaben, damit er die Werkzeuge zum Dienst hat. Wie Der Geist will, gibt er einem jeden das Seine. Die Gaben des Geistes sind sehr nützlich für uns alle, wenn wir der Gemeinde Christi dienen wollen. Darum befahl der Herr seinen Jüngern, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern auf die Verheißung des Vaters zu warten. „Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.“ „Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird.“
In den Versen 12-27 erklärt Paulus weiter, dass viele Christen durch den Heiligen Geist zum Leib Christi gebildet werden. Ein Leib besteht aus vielen Gliedern. Die Verse 13-14 sagen: „Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt. Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele.“ Die Menschen sind sehr verschieden, etwa durch ihren Beruf, Herkunft, Bildung usw. Es ist sehr schwer, diese Unterschiede zu überwinden. Die Geschichte beweist, dass es ohne Unterlass Blutvergießen gegeben hat, weil die Menschen mit Gewalt diese Unterschiede zu überwinden versucht haben. Trotzdem wurden die Probleme der Unterschiedlichkeit nicht gelöst.
Aber durch den Heiligen Geist können alle zu einem Leib gebildet werden, dem Leib Christi. Die Mauern zwischen den Menschen können im Blut Jesu abgerissen werden. Jeder, der als ein Glied zum Leib Christi gehört, kann eine eigene Funktion haben. Die Glieder sind voneinander abhängig und stehen in enger Beziehung zueinander. Vers 18 sagt: „Nun aber hat Gott die Glieder eingesetzt, ein jedes von ihnen im Leib, so wie er gewollt hat.“ Es ist Gottes Wille, dass jeder im Leib seine Funktion hat. Darum hat jedes Glied im Leib seinen Stellenwert.
Ein Glied darf nicht zu einem anderen Glied sagen: Ich brauche dich nicht. „Das Auge kann nicht sagen zu der Hand: Ich brauche dich nicht; oder wiederum das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht.“ (21) Wenn die Glieder untereinander sagen: „Ich brauche dich nicht“, dann entsteht eine Spaltung, und die Glieder können nicht einträchtig füreinander sorgen.
Vielmehr gehören die Glieder zu einem Leib Christi. Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit. Das ist eine Gemeinschaft, die durch die Wirkung des Heiligen Geistes ermöglicht wird. Wie im Vaterunser steht: „Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.“ Gottes Gegenwart wird sichtbar, wo alle Glieder mitleiden und sich mitfreuen. Das ist normal, weil sie alle in einem Leib sind.
Die Gemeinde Christi ist der Leib Christi und jeder Einzelne ein Glied. Gott baut den Leib Christi durch verschiedene Ämter. In den Versen 28-30 listet Paulus die Ämter auf, die vom Heiligen Geist eingesetzt werden. Gott befähigt die Christen mit seinen Gaben, ihre Ämter auszuüben. Nämlich Apostel, Propheten, Lehrer, dann gab er die Kraft, Wunder zu tun, dann Gaben, gesund zu machen, zu helfen, zu leiten und mancherlei Zungenrede.
Die Gaben des Geistes sind dafür da, den Leib Christi aufzubauen. Nicht alle haben die gleiche Gabe, sondern verschiedene Gaben. Darum stellt Paulus die Fragen: „Sind sie denn alle Apostel? Sind sie alle Propheten? Sind sie alle Lehrer? Haben sie alle die Kraft, Wunder zu tun, haben sie alle Gaben, gesund zu machen? Reden sie alle in Zungen? Können sie alle auslegen?“ Zwar haben die Christen Gaben des Geistes empfangen, aber es sind unterschiedliche Gaben. Diese Gaben des Geistes befähigen die Christen dazu, ihre Aufgabe zum Nutzen der ganzen Gemeinde zu erfüllen.Paulus endet das Kapitel 12 mit der Aufforderung: „Strebt aber nach den größeren Gaben! Und ich will euch einen noch besseren Weg zeigen.“ (31)
Heute haben wir erfahren, dass die Gaben Gottes zum Nutzen der ganzen Gemeinde gegeben wurden. Sie sind die Werkzeuge zum Bau des Hauses Gottes. Die Gaben des Geistes sind Begabungen bzw. Fähigkeiten. Wer fähig ist, der kann beliebt und einflussreicher werden. Daher können die fähigen Menschen beneidet werden. Die fähigen Menschen könnten Ehre und Macht besitzen. Dies kann viele Christen in die Irre führen. Aber die Gaben des Geistes sind zum Dienen der Gemeinde gegeben. Der Heilige Geist hat das Ziel, den Leib Christi aufzubauen. Jesus ist der Herr.
Wer bin ich? Ich bin ein Glied vom Leib Christi. Gott gab mir eine Gabe zu dienen. Dafür danke ich Gott von ganzem Herzen.

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Predigt: 1. Könige 8,1 – 53 (Sonderlektion)

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Salomos Tempelgebet und unser Coronagebet

„so wollest du hören im Himmel und vergeben die Sünde deiner Knechte und deines Volkes Israel, dass du ihnen den guten Weg weist, auf dem sie wandeln sollen, und regnen lässt auf das Land, das du deinem Volk zum Erbe gegeben hast.“

(1. Könige 8,36)

Wir befinden uns seit vielen Wochen in einer weltweiten Pandemie. Und obwohl in Deutschland davon die Rede ist, ob und wie wir zu einem halbwegs normalen Leben zurückkommen können, wissen wir alle, dass ein Ende noch lange nicht in Sicht ist. Im Gegenteil. Die Gesundheitskrise geht mit einer riesigen Wirtschaftskrise einher. Schon jetzt haben viele Menschen ihren Arbeitsplatz verloren, oder befinden sich in Kurzarbeit. Dabei befinden wir uns erst am Anfang. Die Experten gehen davon aus, dass die Aussichten düster sind. In einem Interview mit dem Spiegel wurde die Virologin Melanie Brinkmann gefragt: „Ab wann dürfen wir wieder darüber nachdenken, mit einer Gruppe von Freunden gemeinsam in den Party-Urlaub zu fahren?“ Ihre Antwort war: „Wenn es einen Impfstoff gibt.“ Nach jetzigem Wissensstand ist das nicht vor Ende nächsten Jahres.
Was können wir Christen in dieser Situation tun? Es gibt verschiedene Dinge, die wir tun können und tun sollen. Als vorbildliche Bürger der Bundesrepublik Deutschlands sollten wir besonders darauf achten, Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu befolgen. Letzte Woche hat Reiner angesprochen, dass es eine Spendenaktion geben wird, um Mitarbeiter finanziell zu unterstützen, die durch die Krise ihre Arbeit verloren haben. Das hatte mich an die ersten Christen erinnert, die während einer Hungersnot für bedürftige Christen vor allem in Jerusalem Geld gesammelt hatten. Es ist eine wunderbare Idee, das zu geben, was wir in dieser Situation geben können: übrigens nicht nur unseren Brüdern und Schwestern in der Gemeinde, sondern auch außerhalb: Ärzte ohne Grenzen, das Deutsche Rote Kreuz, die Tafel oder auch Spenden für Musiker und Künstler. Wir können Nachbarn unterstützen, die Hilfe mit dem Einkauf brauchen. Alles das dürfen und sollen wir tun.
Zusätzlich dazu gibt es eine weitere wichtige Pflicht und Aufgabe, die wir Christen in dieser Situation haben. Wir sind dazu angehalten zu beten. Der deutsche Evangelist Wilhelm Pahls sagte: „Wenn wir beten, dann arbeitet Gott.“ Anlässlich der Krise betrachten wir heute einen Ausschnitt von Salomos sehr langem Gebet bei der Einweihung des Tempels. Ich denke, dass wir einiges an Inspiration für unser Gebet während der Krise finden. Aber dazu müssen wir erst einige Dinge über Salomos Gebet verstehen. Über folgende drei Dinge wollen wir daher nachdenken: erstens, der Anlass von Salomos Gebet; zweitens, der Inhalt von seinem Gebet; und drittens, die Inspiration, die wir durch sein Gebet bekommen.

Erstens, der Anlass von Salomos Gebet
Der Anlass von Salomos Gebet ist die Einweihung des Tempels. Der Bau des Tempels hatte sieben Jahre gedauert. Für die Einweihung hatte Salomo alles, was Rang und Namen hatte versammelt. Im Zentrum der Feierlichkeiten war der Umzug der Lade Gottes in den Tempel. Verse 3 und 4: „Und als alle Ältesten Israels kamen, hoben die Priester die Lade des HERRN auf und brachten sie hinauf, dazu die Stiftshütte und alles Gerät des Heiligtums, das in der Stiftshütte war. Das taten die Priester und Leviten.“ Und Vers 6 sagt: „So brachten die Priester die Lade des Bundes des HERRN an ihren Platz in den innersten Raum des Hauses, in das Allerheiligste, unter die Flügel der Cherubim.“ Nachdem die Bundeslade im Tempel war, geschah etwas Gewaltiges: die Wolke Gottes erfüllte den Tempel. Die Priester mussten aus dem Tempel herausgehen, weil sie nicht länger ihren Dienst tun konnten.
Was wir verstehen müssen, ist, dass das historisch gesehen ein einzigartiger Moment in der Geschichte Israels war. Die Bundeslade hatte bis zu diesem Zeitpunkt in Zelten gewohnt. Das geht zurück bis in die Zeit als Israel gerade aus Ägypten ausgezogen war. In der Wüste war die Bundeslade mit den Israeliten von Ort zu Ort gezogen. Aber jetzt war die Zeit der Wanderschaft endgültig vorbei. Aus einer mobilen Stiftshütte war ein solider, eindrucksvoller Tempel geworden. Aus den Sippschaften Israels war ein Königreich geworden. Aus einer Gruppe von Stämmen, die vorher mehr oder weniger unabhängig vor sich hingelebt hatten, war ein Volk geworden. David hatte es als König geschafft, sie alle zu einen und ein großes Reich aufzurichten. Viele Kämpfe und viel Blutvergießen hatte es gekostet. Aber jetzt war es eine Zeit des Friedens.
Und Gott bekannte sich zu dieser neuen Epoche, in dem Er selbst in der Wolke einzieht. Paul House schreibt in seinem Kommentar: „Es war die Wolke der Herrlichkeit Gottes, die Israel durch die Wüste geführt hatte, die Wolke, welche die Stiftshütte erfüllt hatte, als Mose das vorherige Anbetungszentrum eingeweiht hatte. … die Wolke der Herrlichkeit ist ein Anzeichen für die Gegenwart Gottes. Diese Gegenwart bewahrte und leitete Israel in den Exodus Geschichten. Hier demonstriert die Herrlichkeit die göttliche Zustimmung für Salomos Tempel. Genauso wie Gott mit Mose war, war Gott nun mit der neuen Generation der Israeliten. Diese Kontinuität bestätigt neu Gottes unveränderlichen Charakter, sein Verlangen mit Menschen Gemeinschaft zu haben und sein anhaltendes Bekenntnis zu seinem auserwählten Volk.“
Frage ist dann also: was für eine Zeit war es, in der Salomo sein Gebet gesprochen hatte? Es ist auf dem Höhepunkt der ganzen Geschichte Israels. Salomo selbst bekannte, dass Gott seine Verheißungen an seinen Vater David erfüllt hatte; und diese Verheißungen wiederum blicken zurück auf die ganze Geschichte von Israel. Das Volk Israel hatte materiellen Wohlstand, eine florierende Wirtschaft, politisches Ansehen bei allen Ländern um sie herum und Frieden. Es war Israel noch nie so gut ergangen wie bis zu diesem Zeitpunkt. Und leider muss man auch sagen, dass es Israel im Anschluss nie wieder so gut werden würde wie jetzt. Alles, was in den Büchern Könige danach beschrieben wurde, war ein stetiger, unaufhaltsamer Abstieg in die völlige Katastrophe. Aber hier haben wir wirklich die beste Zeit Israels.
Kurze Anwendung für uns: vielleicht denken wir, dass sich unsere Situation ziemlich von der von Salomo unterscheidet. Vielleicht haben wir den Eindruck, dass wir jetzt im Moment nicht die beste Zeit unseres Lebens haben. Aber der Eindruck mag täuschen. Den allermeisten von uns geht es wirklich sehr gut. Im Vergleich mit den meisten anderen Ländern der Welt und vor allem im historischen Vergleich haben wir ein sehr gut funktionierendes Gesundheitssystem; wir haben politische Stabilität; wir haben eine gute Sozialversorgung. Wir sollten uns daher nicht täuschen lassen: die Situation von Salomos Gebet hat Relevanz für uns. Uns geht es immer noch sehr, sehr gut; und wir haben sehr viel Grund, Gott dankbar zu sein.

Zweitens, der Inhalt von Salomos Gebet
Wofür betete Salomo dann? Ab Vers 31 fangen die konkreten Bitten von Salomo an. Insgesamt sind es sieben konkrete Anliegen, die er vorbringt. Fast jede dieser Bitten wird eingeleitet mit den Worten „wenn…“
Was uns hier auffällt, ist, dass viele dieser Anliegen eine Vorausschau auf echte Bedrängnisse und Nöte sind. Hier sind ein paar Beispiele: im zweiten Anliegen (Vers 33) ist die Ausgangssituation, dass das Volk von ihren Feinden besiegt werden; im dritten Anliegen (Vers 35) geht es darum, dass der Himmel verschlossen ist, was bedeutet, dass es nicht mehr regnet; im vierten Anliegen (Vers 37) werden verschiedene Nöte genannt, wie zum Beispiel Hungersnot, Pest, Dürre, Getreidebrand (gemeint damit ist nicht der Kornschnaps, sondern wenn die Getreidepflanzen von schädlichen Pilzen befallen sind), Plagen durch Heuschrecken oder Raupen. Im siebten (wie auch im zweiten) Anliegen ist davon die Rede, dass das Volk gefangen weggeführt wurde.
Was uns auch auffällt, ist, dass diese Nöte in direktem Zusammenhang gebracht werden mit der Sünde des Volkes. Von Feinden geschlagen zu werden, hat etwas damit zu tun, dass das Volk gesündigt hat, genauso wie der ausbleibende Regen. Am explizitesten wird Salomo im letzten Gebetsanliegen: „wenn sie an dir sündigen werden – denn es gibt keinen Menschen, der nicht sündigt – und du zürnst ihnen und gibst sie dahin vor ihren Feinden, dass sie sie gefangen führen in das Land der Feinde, fern oder nahe…“ Das heißt, weil Sünde ist fast allen Anliegen direkt oder indirekt zugrunde liegt, ist Salomos Bitte vor allen Dingen, dass Gott dem Volk vergeben möge. Es gibt dabei eine Formel, die sich ständig wiederholt: „so wollest du hören im Himmel und die Sünde deines Volkes Israel vergeben.“ Plagen, Bekenntnis der Sünde und Bitte um Vergebung. Das ist eine grobe Zusammenfassung von Salomos langem Gebet.
Bevor wir fortfahren, sollten wir über mindestens zwei Punkte etwas länger nachdenken. Der eine Punkt hat etwas mit der Frage zu tun, weshalb Menschen leiden. Für Salomo hatten die Leiden und Probleme eine konkrete Ursache: die Sünde des Volkes Israel, die zur Folge hatte, dass Gott seine schützende Hand vom Volk entfernte. Mit anderen Worten, die Nöte der Israeliten wie militärische Niederlagen, Missernten oder Seuchen waren eine Antwort Gottes auf die Missetaten des Volkes. Gott bestrafte sein Volk. Salomo konnte so beten, weil in Levitikus 26 und vor allen Dingen in 5. Mose 28 klar dargelegt, was dem Volk widerfahren würde, wenn sie Gott gehorchen und wenn sie Gott nicht gehorchen würden. Wenn die Israeliten, Gott gehorchen würde, dann würde Gott sie segnen materiellem Segen mit Sieg über die Feinde und mit Gesundheit. Auf der anderen Seite, wenn sie Gott nicht gehorchen würden, würde Gott sie mit den schlimmsten Plagen und Tragödien bestrafen, die man sich vorstellen kann. Die detaillierte Beschreibung von Gottes Fluch in 5. Mose 28 gehört mit zum Schlimmsten, was man im AT lesen kann.
Gilt das auch für uns? Kathryn Butler ist eine Chirurgin, die eine Teenager begleitet hatte, deren Gesundheitszustand sich täglich verschlechterte. Die Mutter von dem Mädchen war Tag und Nacht mit ihr und kümmerte sich aufopferungsvoll um sie. Butler schrieb: „An dem Tag, als meine Patientin starb, legte sich die Mutter ins Krankenbett mit ihr. Sie legte die Arme um sie und drückte sie an sich, und umfasste ihre Tochter mit der gleichen Wärme, die sie als Kleinkind gekannt haben musste. Unter Tränen griff sie nach ihr, betete sie, und sprach ihr Versprechen ins Ohr. Als wir Zeuge dieses gebrochenen Herzens wurden, gaben wir jedes Vorspielen von Professionalität auf. Jeder von uns, die Krankenschwestern, die Ärzte und die Medizinstudenten, weinte mit ihr.“
Fast schlimmer noch, beschreibt Butler den Zustand der Mutter einen Tag, bevor ihre Tochter starb. Die Mutter ahnte, dass ihre Tochter bald sterben würde. Sie war dabei, ihre ganze Hoffnung zu verlieren. Als die Ärztin die Mutter in den Arm nahm, stammelte sie folgendes: „Ich bettle Gott an, dass er mein Herz herausnimmt; dass er es davor bewahrt, gebrochen zu werden. Aber ich weiß nicht, ob er mir überhaupt noch zuhört. Meine Familie sagt, dass das passiert ist, weil ich aufgehört habe, in die Kirche zu gehen. Sie sagen, dass Gott mich bestraft.“ Und dann blickte sie auf und stellte folgende Frage: „Was ist, wenn das alles meine Schuld ist?“ Vielleicht haben manche von uns ähnliche Erfahrungen gemacht: wir leiden und denken, dass das daran liegt, dass Gott uns für unsere Sünden bestraft. Oder umgekehrt, wir wissen, dass wir uns falsch verhalten haben, und wir warten darauf, dass uns etwas Schlimmes passiert.
Wenn wir uns Menschen unter die Lupe nehmen, die an Gott glauben, können wir grundsätzlich zwei Arten von Menschen unterscheiden: diejenigen, die aus Gnade leben und diejenigen, die aus dem Gesetz leben. Oberflächlich betrachtet könnte man meinen, dass es viele Ähnlichkeiten gibt: beide versuchen ein frommes Leben zu führen, beide versuchen Gottes Gebote zu halten, beide versuchen gehorsam zu sein und geistlich diszipliniert zu sein. Aber unter der Oberfläche sehen wir fundamentale Unterschiede. Menschen unter der Gnade gehorchen, weil sie gerettet wurden; Menschen unter dem Gesetz gehorchen, um gerettet zu werden. D.h., die Motivation, weshalb gläubige Menschen Gutes tun, kann sich radikal voneinander unterscheiden. Menschen unter der Gnade tun Gutes, weil sie dankbar sind; Menschen unter dem Gesetz tun Gutes, aus Furcht vor negativen Konsequenzen und aus Furcht bestraft zu werden. Menschen unter der Gnade halten sich an Gottes Gebote, weil es ihnen primär um Gott selbst geht, den sie lieben; Menschen unter dem Gesetz halten sich an die Gebote, weil es ihnen um etwas anderes als Gott geht, wie z.B. von ihm gesegnet zu werden. Weil dem so ist, ist der Gehorsam von Menschen unter dem Gesetz immer konditional: „ich gehorche Gott, so lange es mir etwas bringt, so lange er mich segnet, so lange es mir keine zu großen Umstände macht, so lange der Kosten-Nutzen-Faktor stimmt.“ Bei den Menschen unter der Gnade ist der Gehorsam bedingungslos, weil sie folgendermaßen argumentieren: „Gott hat sich mir völlig und ganz geschenkt; Jesus ist in meinem Leben einfach, weil er mich liebt, und es ist ein unverdientes Geschenk, dass er es tut. Wie könnte ich ihm daher nicht mein ein und alles geben? Wie könnte ich ihm irgendetwas vorenthalten?“
Der Default-Mode, die Standardeinstellung unseres Herzens ist es, unter dem Gesetz zu leben: „ich muss etwas tun, um mich zu retten.“ Und in Krisenzeiten, wenn wir mit Nöten und Leiden konfrontiert sind, zeigt sich, aus welcher Geisteshaltung wir wirklich leben. Wenn wir denken: „ich habe das getan, was Gott von mir will, also ist er mir etwas schuldig; ich habe Gott gehorcht, also muss er mich segnen“, und wir bekommen plötzlich Nöte und Probleme, wie reagieren wir dann? Wir werden sehr schnell bitter und zynisch. Wer unter der Gnade lebt, der hat hingegen ganz andere Kapazitäten mit Leiden umzugehen, weil wir wissen, dass wir das Gute, das wir im Leben haben, nicht verdient haben, weil unser ganzes Leben unverdiente Gnade Gottes ist.
Hier ist der Punkt, auf den ich eigentlich hinauswill. Salomo hatte die kommenden Leiden und Nöte des Volkes in direktem Zusammenhang gebracht mit ihrem Ungehorsam. Das ist etwas, was wir nicht tun dürfen. Wir sind nicht mehr unter dem alten Bund. Und wir sind nicht mehr unter dem Gesetz. Durch Jesus haben wir einen neuen Bund: den Bund der Gnade. Wenn wir in der Gnade stehen, weil wir angenommen haben, dass Jesus für uns gestorben ist, dann dürfen wir wissen, dass Gott uns für unsere Sünde nicht bestraft. Nie und nimmer. Jesaja sagte, dass unsere Strafe auf Jesus liegt. Unsere Leiden mögen verschiedene Gründe und Ursachen haben. Aber ein Grund ist absolut ausgeschlossen: dass Gott uns wegen unserer Vergehen richtet.
Das zweite, was wir verstehen müssen, ist, wie durch Jesu Kommen die Rolle des Tempels völlig neu definiert wurde. Salomos Einweihung des Tempels war ein einzigartiges Ereignis. Wir haben vorhin gesehen, dass die Stiftshütte durch ein massives Gebäude ersetzt wurde. Das mobile Zelt war durch ein neues Anbetungszentrum im Herzen der Stadt Gottes ersetzt worden. Das Volk schien zur Ruhe gekommen zu sein. Gott hatte sich zum Tempel bekannt. Aber Jahrhunderte später führte es dazu, dass das Volk Israel sich in falscher Sicherheit wog: weil sie den Tempel hatten und weil die Bundeslade im Tempel war, dachten sie, dass Gott jetzt ihnen gehörte. Es passierte das absolut Undenkbare: der Tempel wurde schließlich von den Babyloniern zerstört. Nach dem Exil wurde der Tempel wieder aufgebaut, aber viel weniger glorreich und prunkvoll. Wir kommen dann ins NT. Jesus machte völlig erstaunliche Aussagen über den Tempel. Jesus hatte im Tempel gerade die Händler vertrieben und die Tische der Geldwechsler umgestoßen. Als er gefragt wurde, wer ihm das Recht gab, so etwas zu tun, war seine Antwort: „Brecht diesen Tempel ab und drei Tagen will ich ihn aufrichten.“ Der Evangelist Johannes erklärte, dass Jesus vom Tempel seines Leibes redete. Das absolut Revolutionäre war, dass der Tempel Gottes kein Gebäude war, sondern eine Person. Jesus ist der wahre Tempel.
Aber das ist immer noch nicht alles. In 1. Korinther sagt Paulus noch etwas über den Tempel: „Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört?“ Paulus sagte, dass alle Christen den Heiligen Geist empfangen haben. Weil der Heilige Geist in uns ist, ist jedes Kind Gottes ein kleiner Tempel Gottes. Wir alle sind Mini-Jesusse und wandelnde Orte, in denen Gott dem Menschen begegnet.
Was heißt das dann also? Salomo betete immer wieder: „so wollest du hören im Himmel und vergeben die Sünde…“ Salomo wusste, dass nicht der irdische Tempel der Ort war, von welchem aus Gott hörte. Gott ist im Himmel. Das ist sicherlich auch jetzt noch so. Und gleichzeitig ist es nicht ganz richtig. Wenn wir an den Himmel denken, dann denken wir an einen Ort, das schrecklich weit weg ist. Wir denken an einen Ort, der für uns erst einmal unerreichbar ist. Aber Jesu erste öffentlich Predigt war, dass das Himmelreich ganz nahe herbeigekommen ist. Eigentlich ist der Himmel ganz nah. Eigentlich ist Gott mitten unter uns. Eigentlich ist Gott in einem jedem von uns. Eigentlich sollten wir als seine Gemeinde der Himmel auf Erden sein. Dallas Willard hat daher den Anfang vom Vater Unser folgendermaßen umschrieben. „Unser Vater im Himmel…“ wird zu: „Lieber Vater, der du uns immer ganz nah bist…“ Gott ist uns näher, als wir denken.
Wir sind nicht unter dem alten Bund. Der neue Bund ist ein Bund der Gnade Gottes. Und durch diesen Bund ist Jesus unser Tempel, und wir sind selbst Gottes Tempel. Und weil dem so ist, haben wir eine völlig andere Grundlage zu beten, als Salomo es hatte.

Drittens, die Inspiration, die wir durch sein Gebet bekommen
Aufgrund vom heutigen Text können wir folgendes mitnehmen: Nöte und Leiden sind ein guter Anlass dafür, für geistliche Erneuerung zu beten. C.S. Lewis sagte über Leiden folgendes: „Vergnügen ist etwas, was wir sogar ignorieren können. Aber Schmerzen wollen unbedingt behandelt werden. Gott flüstert zu uns in unseren Vergnügen, spricht in unsere Gewissen, aber er ruft zu uns in unsere Schmerzen: sie sind sein Megaphon, eine taube Welt zu erwecken.“ Nöte und Leiden sind an und für sich genommen nicht gut. Die Coronavirus-Krise ist schlimm. Aber Krisen können ein guter Anlass werden, wenn wir die Situation nutzen, um für Erweckung zu beten.

Wir wollen daher während der Coronakrise für vier Dinge beten:

  1. Für Vergebung der Sünden (Vers 36: „so wollest du hören im Himmel und vergeben die Sünde deiner Knechte und deines Volkes…“)
  2. Für Demut, weil Krisenzeiten eine Erinnerung daran sind, wie klein und vergänglich wir eigentlich sind (Vers 35: „…weil du sie demütigst…“)
  3. Für Erkenntnis Gottes (Vers 43: „…auf dass alle Völker auf Erden deinen Namen erkennen…“)
  4. Dass Gott die Zeit der Not endet

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Predigt: Johannes 21,1 – 25

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Weide meine Lämmer

„Da sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr, als mich diese lieb haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer!“

(Johannes 21,15)

Heute betrachten wir das letzte Kapitel des Johannesevangeliums. Es beginnt mit den Worten: „Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so:“ Nachdem Jesus den Jüngern zweimal in Jerusalem erschienen war, erschien er ein weiteres Mal sieben von ihnen am See Tiberias (See Genezareth) in Galiläa. Das Kapitel hat eine persönliche Note, da es von der Begegnung des Auferstandenen mit nur sieben seiner Jünger und ganz speziell vom persönlichen Gespräch zwischen Jesus und Petrus handelt. Wie offenbarte sich Jesus dabei? Was können wir dadurch über den auferstandenen Jesus erkennen und was bedeutet seine Offenbarung für uns? Möge Gott jeden von euch durch das letzte Kapitel des Johannesevangeliums segnen!

I. Jesus offenbarte sich sieben Jüngern am See Tiberias (1-14)

Betrachten wir den Text. Der Vers 2 zählt die sieben Jünger auf, die in Galiläa dem auferstandenen Jesus begegneten: Simon Petrus, Thomas, Nathanael, die Söhne des Zebedäus (Johannes und Jakobus) und zwei Jünger, die nicht namentlich genannt werden. Vom Matthäusevangelium wissen wir, dass Jesus seinen Jüngern schon vor seiner Kreuzigung angekündigt hatte, dass sie ihn in Galiläa sehen sollten, und dass er sie nach seiner Auferstehung durch die Frauen nochmals dorthin bestellt hatte (Mt 26,32; 28,7). Als die sieben Jünger Jesus in Galiläa aber nicht trafen, wussten sie nicht, was sie machen sollten. Außerdem waren sie offenbar hungrig. Simon Petrus sagte zu den anderen: „Ich gehe fischen.“ Die anderen sagten zu ihm: „Wir kommen mit dir.“ Sie gingen hinaus an den See und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts. Der Vers 4 sagt uns, dass sie die Nacht hindurch gearbeitet und trotzdem keinen einzigen Fisch gefangen haben. Die Jünger müssen sehr frustriert gewesen sein, dass sie, nachdem sie in der Nachfolge Jesu gescheitert waren, als sie alle Jesus verlassen hatten, jetzt auch noch beim Fischen eine Niederlage erlebten.

Aber der auferstandene Jesus war in ihrer Nähe und sah sie, ohne dass sie es wussten. Die Verse 4 und 5 sagen: „Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen?“ Jesus sprach sie liebevoll mit „Kinder“ an. Die Jünger erkannten ihn nicht, wohl deswegen weil Jesus ca. 90 Meter von ihnen entfernt war und es in der Morgendämmerung war. Es lag aber wohl auch daran, dass die Jünger nicht mit Jesus rechneten, obwohl sie eigentlich nach Galiläa gekommen waren, um ihm zu begegnen. Als sie auf Jesu Frage mit einem kurzen „Nein“ antworteten, gab Jesus ihnen eine klare Anweisung: „Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden.“ Als die Jünger dieser Anweisung gehorchten und das Netz auswarfen, konnten sie es kurz darauf wegen der großen Menge an Fischen nicht mehr ziehen. Sie müssen über ihren großen Fang froh gewesen sein. Jesus ließ sie einen Erfolg erleben und machte dadurch ihr Versagen wieder gut.

Nach ihrer ersten Begeisterung über den großen Fang muss Johannes darüber nachgedacht haben, wie so ein großer Fang auf einmal möglich geworden war. Vielleicht kam ihm auch die Erinnerung an das Ereignis von vor drei Jahren, wo Jesus ihnen auf ganz ähnliche Weise einen großen Fang beschert hatte (Lk 5,1-10). Plötzlich schoss es aus ihm heraus: „Es ist der Herr!“ Als Simon Petrus diese Worte hörte, reagierte er sofort und gürtete sich das Obergewand um, und warf sich in den See (7). Dass Petrus gleich ins Wasser sprang und zum Ufer schwamm, zeigt, wie sehr er Jesus liebte und sich nach einer Wiederherstellung seiner Beziehung zu ihm sehnte.

Die anderen Jünger kamen langsam mit dem Boot und dem Netz hinterher. „Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot.“ Der auferstandene Jesus hatte für die Jünger ein warmes Frühstück vorbereitet und dazu eigenhändig Fisch und Brot gegrillt. Aber Jesus wollte die hungrigen Jünger nicht nur körperlich stärken, sondern ihnen weiter helfen, dass sie aus ihrer tiefen Frustration herauskommen. Deshalb sagte er ihnen: „Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt!“ Sie sollten auch von den selbst gefangenen Fischen essen und so die Früchte ihrer Arbeit genießen. Petrus war ganz aktiv geworden und zog mit ganzer Kraft das schwere Netz ans Ufer. Offenbar zählten sie auch die Fische, denn wir erfahren, dass es 153 waren. Es scheint, dass die Jünger sich nicht so recht trauten, zu Jesus zu kommen. Jesus musste kommen und sie extra einladen: „Kommt und haltet das Mahl!“ Niemand unter den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. Die Jünger waren wegen ihrem schlechten Gewissen so befangen, dass niemand sich traute, etwas von dem Essen zu nehmen. Jesus kam ihnen noch einen Schritt entgegen. Vers 13 sagt: „Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch den Fisch.“ Jesus gab jedem von ihnen freundlich einen frischen Fischburger in die Hand. Der Vers 14 schließt diesen Abschnitt mit einer kurzen Zusammenfassung ab: „Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesu den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.“

Was war an dieser Offenbarung Jesu besonders? Während Jesus bei den ersten beiden Offenbarungen in Jerusalem die Jünger und Thomas von der Tatsache seiner Auferstehung überzeugte und ihnen Glauben daran einpflanzte, zeigte Jesus am See Tiberias sein tiefes Verständnis für die Jünger. Er hätte sie eigentlich tadeln können, weil sie ihn alle im Stich gelassen hatten und geflohen waren. Aber Jesus machte ihnen gar keine Vorwürfe! Jesus war voller Liebe und Verständnis. Er verstand ihre tiefe Frustration und half ihnen, einen praktischen Erfolg zu erleben und gab ihnen ein leckeres Essen, als hungrig und frustriert waren. Als sie sich nicht trauten zu kommen, lud er sie ein und drückte jedem einen Fisch-Burger in die Hand. Durch dieses Frühstück am Ufer drückte Jesus wortlos seine Liebe zu ihnen aus und zeigte ihnen praktisch, dass er ihnen ihr Versagen längst vergeben hatte. Mit jedem neuen Burger, den die Jüngern aus seiner Hand empfingen, verschwanden in ihnen die Zweifel und ihre dunklen Gefühle von Schuld und Versagen. Mit jedem Bissen, den sie aßen, wuchs in ihnen die Gewissheit, dass Jesus sie liebt und ihnen alles, alles vergeben hat. Es war eine unvergessliche Gemeinschaft, bei der Jesu göttliche Liebe in ihre Herzen strömte und sie neu mit Glauben füllte und sie wieder hell und froh machte. Auf diese besondere Weise offenbarte Jesus ihnen seine unveränderliche göttliche Liebe, ohnen viele Worte zu machen. Niemand kann so lieben und so helfen wie Jesus.

II. Jesus half Simon Petrus (15-25)

Nachdem sich alle satt gegessen hatten, wandte sich Jesus ganz Simon Petrus zu. Vers 15a sagt: „Da sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr, als mich diese lieb haben?“ Simon Petrus hatte etwa drei Jahre zuvor bei einem wundersamen Fischfang Jesus erkannt und seine Berufung empfangen: „Von nun an wirst du Menschen fangen!“ Er hatte Jesu Berufung angenommen und sich bemüht, ihm als sein bester Jünger nachzufolgen. Noch kurz vor Jesu Gefangennahme hatte Petrus Jesus versprochen, dass er ihn nie verlassen würde und sogar bereit wäre, für ihn zu sterben. Aber als im Palast des Hohenpriesters eine Magd und danach auch zwei Männer ihn als einen Jünger Jesu erkannten, verleugnete Petrus jedes Mal seine Zugehörigkeit zu Jesus und leugnete sogar, Jesus ihn überhaupt zu kennen. Dadurch hatte er die Beziehung zu Jesus verraten und war in seiner Nachfolge komplett gescheitert. Als er das erkannte, fing er an, bitterlich zu weinen. Durch sein Versagen erkannte Petrus, wie schwach er war und unfähig, Jesus aus seiner eigenen Kraft heraus zu folgen. Anders gesagt erkannte er, was für ein Sünder er war. Seitdem waren mindestens anderthalb Wochen vergangen, in denen er über sich und über Jesus viel nachgedacht haben muss. Inzwischen war Jesus den Jüngern schon zweimal erschienen und hatte ihnen bewiesen, dass er lebt. Aber Petrus war durch die Tatsache, dass er total versagt und seine Beziehung zu Jesus zerbrochen hatte, innerlich immer noch zerstört. Die Erfahrung des Fischfangs und Jesu spürbare Liebe beim Frühstück müssen seine Schuldgefühle und dunkle Verzweiflung zum Teil vertrieben haben. Aber Petrus war immer noch belastet von dem starken Eindruck, dass seine Beziehung zu Jesus durch seine schwere Sünde kaputt und nicht wirklich wiederhergestellt war.

Wie half Jesus ihm? Betrachten wir nochmals den Vers 15. Zuerst sehen wir, dass Jesus von sich aus die Initiative ergriff und den hilflosen Petrus von sich aus ansprach. Dabei verwendete Jesus seinen ursprünglichen Namen „Simon“ und nicht den Namen „Petrus“, Fels, den Jesus ihm als Ausdruck seiner Vision und Hoffnung selbst gegeben hatte. Aber Jesus tadelte ihn mit keinem Ton wegen seines Versagens, sondern fragte ihn nur, ob er ihn liebte. Damit machte Jesus deutlich, dass er seine ganze Sünde vergeben hatte. Er stellte auch keinerlei Bedinungen oder Forderungen, was Petrus tun sollte, um Jesu Gunst etwa etwa zu behalten. Jesus wollte nur wissen, ob Petrus ihn nun liebte.

Dabei fragte Jesus ihn, ob er ihn mehr liebte, als die anderen Jünger es taten. Damit spielte Jesus darauf an, dass Petrus eigentlich den ersten Platz unter den Jüngern gehabt hatte und dass er auch den Anspruch an sich gehabt hatte, Jesus in vorbildlicher Weise nachzufolgen. Diese Fragestellung muss für Petrus etwas unangenehm gewesen sein, weil sie ihn daran erinnerte, dass er gescheitert war, als er aus seiner Kraft heraus versucht hatte, Jesus zu folgen. Aber Jesus fragrte ihn dies nicht, um ihm neu Schmerzen zuzufügen und ihn so doch noch ein wenig dafür zu bestrafen. Nein, die Strafe für Petrus‘ Versagen hatte Jesus am Kreuz vollständig bezahlt! Aber es war für Petrus wichtig, dass er sich ganz klar darüber wurde, dass er in sich keine ausreichende Grundlage hatte, um Jesus treu zu lieben und zu folgen. Diese Erkenntnis war nötig, damit Petrus bereit würde, ganz auf Jesus und seine Gnade zu bauen.

Aber es gab noch einen anderen Grund für seine Frage. Durch seine Frage: „Liebst du mich mehr, als mich diese lieb haben?“, brachte Jesus auch zum Ausdruck, dass er seine besondere Hoffnung für Petrus nicht aufgegeben hatte. Jesus glaubte und hoffte noch immer, dass Petrus ein Jünger würde, der Jesus treu folgen und ihn mehr lieben würde als die anderen Jünger, nicht weil er so einen guten Charakter oder so einen starken Willen hatte, sondern wegen der unveränderlichen Liebe Jesu, die Petrus nun mehr erfuhr als die anderen. Jesu unveränderte Liebe und Hoffnung für Petrus müssen wie Lichtstrahlen in sein dunkles Herz geleuchtet haben und darin neues Leben und eine neue brennende Liebe zu Jesus entfacht haben.

Wie reagierte Petrus auf Jesu Frage? „Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Petrus muss so froh über Jesu Frage gewesen sein und antwortete aus tiefem Herzen: „Ja, Herr.“ Petrus liebte Jesus, der ihn trotz seines Versagens immer noch liebte. Aber er konnte nicht sagen: „Ja, Herr, ich liebe dich, mehr als die andern!“ weil er nach seinem Scheitern nicht mehr auf sich selbst und seine eigene Liebe vertrauen konnte. Vielmehr hat er Jesus in seine Antwort mit eingebunden. Er sagte praktisch: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe; du weißt aber auch, wie sehr ich deine Hilfe brauche, damit ich dich treu lieben und dir wirklich folgen kann.“ Petrus bekannte Jesus seine Liebe, nicht auf der Basis seines Gefühls oder Selbstvertrauens, sondern auf der Grundlage von Jesu Liebe.

Wie reagierte Jesus auf Petrus‘ Antwort? Betrachten wir nochmals Vers 15. „Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer!“ Jesus nahm Petrus‘ Liebesbekenntnis an und sagte ihm umgehend, wie er seine Liebe zu ihm ausdrücken sollte. Wie können wir das verstehen? Wahre Liebe ist nicht nur eine Sache von Gefühlen im Herzen und Bekenntnissen mit dem Mund. Jesus hat schon in Kap. 14 gesagt: „Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten“ (14,15). Wer Jesus wirklich liebt, wird seine Gebote halten. Als Petrus Jesus seine Liebe bekannte, gab Jesus ihm ein klares Gebot: „Weide meine Lämmer!“

Was meinte Jesus damit? Jesus meint mit seinen Schafen all die Menschen, die zu seiner Herde gehören. Im engeren Sinne sind das die Menschen, die bereits an Jesus glauben. Jesus betrachtet aber auch diejenigen als seine Schafe, die noch nicht gefunden und zur Herde geführt worden sind. Jesus sagt in Kap. 10,16, dass er noch andere Schafe hat, die nicht aus diesem Stall sind. Er sagt: „Auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.“ Jesus bezeichnete hier Menschen als seine Schafe, die zu dem Zeitpunkt noch nicht von ihm gehört hatten und noch nicht bekehrt waren. Dass Petrus Jesu Schafe weiden sollte, bedeutete also zunächst, dass er Jesu Schafe unter den Menschen suchen sollte. Er sollte ihre Lage verstehen und ihnen helfen, bis sie Jesus erkennen und an ihn glauben können. Dann sollte er ihnen mit Jesu Liebe und mit seinem Wort weiter helfen, bis sie im Glauben an ihn fest werden und ihr ganzes Leben nach seinem Wort führen (Mt 28,20a). Einfach gesagt sollte Petrus die Liebe, die er von Jesus empfing, an Jesu Schafe weitergeben, damit sie Ihm folgen können.

Warum gab Jesus Petrus gerade diesen Auftrag? Jesus hätte auch etwas anderes von Petrus verlangen können, wie er seine Liebe zu ihm ausdrücken soll. Wenn wir gründlich darüber nachdenken, kommen wir zu der Antwort, dass Jesus ihm befahl, seine Schafe zu weiden, weil Ihm seine Schafe so wichtig sind. Obwohl der Vergleich stark hinkt, können wir das vielleicht ein bisschen besser verstehen, wenn wir uns vorstellen, dass ein Mann seiner Frau bekennt, dass er sie wirklich liebt, vielleicht nachdem seine Liebe zu ihr zwischenzeitlich erkaltet und ihre Beziehung fast zerbrochen war. Wenn seine Frau erkennt, dass sein Liebesbekenntnis ehrlich ist, wird sie ihm bei dieser Gelegenheit sagen, was sie sich von ihm wirklich wünscht (z.B. dass er jeden Abend die Zeit mit ihr verbringt oder die Weltreise macht, die er ihr früher versprochen hat). Als Petrus Jesus seine Liebe ehrlich bezeugt, sagt Jesus ihm, was er sich wirklich von ihm wünscht, weil es Ihm wirklich am Herzen liegt: „Weide meine Lämmer!“ Jesus sagt das, weil ihm das Wohl und das Schicksal seiner Lämmer wirklich am Herzen liegt. Im Urtext verwendet Jesus an dieser Stelle drei verschiedene Ausdrücke, die hier mit „meine Lämmer“ und „meine Schafe“ übersetzt sind. Durch „meine Lämmer“ und „meine Schafe“ bringt Jesus zum Ausdruck, wie kostbar seine Schafe für ihn sind, und wie sehr er sich um sie sorgt, weil er sie liebt.

Lämmer und Schafe sind anmutige und gleichzeitig sehr hilfs- und schutzbedürftige Tiere. Sie brauchen einen Hirten, der sie jeden Tag zur Weide und zum frischen Wasser leitet. Sie brauchen einen Hirten, der sie vor Feinden und vor anderen Gefahren schützt und sie sorgfältig versorgt, wenn sie verletzt oder krank sind. Die Menschen brauchen in vieler Hinsicht jemanden, der sich wie ein Hirte um sie kümmert und ihnen hilft, den richtigen Weg zu gehen – nicht nur, solange sie Kinder sind. Das tun zunächst die Eltern, aber das können die meisten Eltern allein nicht leisten. Vor allem brauchen die Menschen jemanden, der sie zu Jesus führt, damit sie von ihm Vergebung, Heilung und das Leben in Fülle bekommen. Jeder Mensch meint aber instinktiv, dass er den richtigen Weg für sein Leben alleine finden und gehen kann. Die Bibel sagt, dass wir alle in die Irre gehen wie Schafe – d.h. wir gleichen Schafen, die sich von der Herde entfernen und dadurch in Lebensgefahr geraten, ohne es zu merken. Jesus hat sich selbst als der gute Hirte offenbart, der seine Schafe persönlich kennt und sie beim Namen ruft und vor ihnen hergeht. In einem anderen Gleichnis hat Jesus ausgedrückt, dass ihm seine Schafe so sehr am Herzen liegen, dass er kein Risiko scheut, um selbst ein verloren gegangenes Schaf wieder zu finden. Schließlich hat Jesus tatsächlich sein eigenes kostbares Leben für seine Schafe gelassen, um sie zu retten! Jesus starb für uns, um uns von der Herrschaft der Sünde und des Teufels und vom ewigen Tod zu retten. Als Jesus Petrus sagte: „Weide meine Schafe!“, vertraute er ihm seine geliebten Schafe an und bat ihn, sich um sie zu kümmern. Er sollte ihnen bis dahin helfen, dass sie selbst Jesus folgen und in ihm das Leben finden. Natürlich wusste Jesus, dass Petrus das nicht alleine tun kann. Als Jesus ihm den Auftrag gab, seine Schafe zu weiden, wollte Jesus das durch Petrus‘ Gehorsam selbst tun. Jesus will selber seine Schafe weiden, wenn wir sie weiden.

Es gibt noch einen zweiten Grund. Dadurch, dass Jesus Petrus den Auftrag gab, seine Schafe zu weiden, half er Petrus, selbst dauerhaft in Jesu Liebe zu bleiben und sie immer tiefer zu verstehen. Wenn wir die Bibel weiterlesen, erfahren wir, dass Petrus Jesus nach Pfingsten freimütig als den Herrn und Christus verkündigte, wodurch immer mehr Menschen zur Gemeinde kamen. Petrus wurde von den jüdischen Leitern dafür gehasst und wurde vor dem Hohen Rat angeklagt. Aber Petrus bekam den Mut, selbst dort Jesus zu bezeugen, und lernte dadurch, Jesus in allen Lagen zu vertrauen und, als er geschlagen wurde, auch Leiden für Jesus mit Freude zu tragen. Später konnte er viele verfolgte Christen ermutigen, ihre Leiden für Jesus geduldig zu ertragen und sich darüber zu freuen, indem er schrieb: „…freut euch, dass ihr mit Christus leidet, damit ihr auch durch die Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben mögt“ (1.Petr 4,13). Früher hatte Petrus weitgehend aus seiner eigenen Kraft gelebt und kaum gebetet. Aber wenn wir die Apostelgeschichte und seine Briefe lesen, fällt auf, wie oft Petrus betete und die Gläubigen zum Gebet ermutigte (1.Petr 4,7; 5,7). Als er Jesus Schafe weidete, wurde er ein Mann des Gebets. Dass Petrus Jesu Schafe weidete, half ihm auch dabei, seine traditionelle jüdische Denkweise und sein enges Herz zu überwinden und Jesu Liebe zu den Heiden anzunehmen. So wuchs er in der Liebe Jesu immer weiter und wurde ein Hirte für die unterschiedlichsten Menschen und Jesus immer ähnlicher.

Wenn wir unseren Text betrachten, fällt auf, dass Jesus Petrus die Frage, ob er ihn liebt, drei Mal stellt. Dadurch gab er Petrus, der ihn drei Mal verleugnet hatte, die Gelegenheit, drei Mal Jesus seine Liebe zu bekennen. Als Petrus beim zweiten Mal antwortete: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe“, sagte Jesus zu ihm: „Weide meine Schafe!“ Als Jesus zum dritten Mal zu ihm sagt: „Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb?“, wird Petrus darüber traurig und sagt zu ihm: „Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Jesus sagt wieder zu ihm: „Weide meine Schafe!“ (16.17) Auf diese Weise erneuert Jesus die Liebesbeziehung zwischen ihm und Petrus und pflanzt ihm den Auftrag, seine Schafe zu weiden, fest ein.

Danach hilft Jesus ihm, sich auf sein zukünftiges Leben als Hirte einzustellen. Jesus sagt ihm: „Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wo du hinwolltest; wenn du aber alt bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hinwillst“ (18). Jesus sagte ihm das, um anzukündigen, mit welchem Tod er Gott preisen würde (19). Das war keine leichte Botschaft für Petrus. Aber Jesus kündigte Petrus hier nicht nur an, dass er einst als Märtyrer sterben würde, sondern gab ihm dadurch auch eine Orientierung, wie er nun als ein Hirte leben sollte. Petrus sollte nicht länger leben, wie er wollte, sondern sollte konsequent Gottes Führung folgen, bis dahin, dass sein alter Mensch stirbt. Als Jesus das gesagt hatte, spricht er zu ihm: „Folge mir nach!“ (19b) Eigentlich hatte Jesus Petrus schon vor Jahren zur Nachfolge berufen, und Petrus war Jesus nachgefolgt. Aber nach all dem, was inzwischen passiert war, auf der einen Seite Petrus‘ totales Scheitern in der Nachfolge, und auf der anderen Seite, dass Jesus aus Liebe für ihn am Kreuz gestorben und wieder auferstanden war, wollte Jesus ihm helfen, eine neue Entscheidung für die Nachfolge zu treffen. Diese Entscheidung sollte er aufgrund von Jesu Liebe zu ihm treffen und sollte die Nachfolge nicht mehr mit einem Leben nach seinem eigenen Willen verquicken, sondern wirklich ganz für ihn leben.

Wie reagierte Petrus? Verse 20 und 21 berichten: „Petrus aber wandte sich um und sah den Jünger folgen, den Jesus liebt hatte, der auch beim Abendessen an seiner Brust gelegen und gesagt hatte: Herr, wer ist’s, der dich verrät? Als Petrus diesen sah, spricht zu Jesus: Herr, was wird aber mit diesem?“ Petrus wollte Jesus nachfolgen. Aber er wollte es offensichtlich nicht alleine tun. Er sah sich nach Johannes um und fragte Jesus, was denn mit diesem sei. Er sagte damit praktisch, dass er Jesus schon nachfolgen wollte, aber nur, wenn Johannes mitgeht. Petrus Wunsch erscheint uns irgendwie verständlich. Aber Jesus sagte ihm: „Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach!“ Jesus lehrte ihn, dass er seine eigene Entscheidung vor Gott treffen und sie nicht von anderen Menschen abhängig machen sollte. Die Entscheidung zur Nachfolge soll unsere ganz persönliche Antwort auf Jesus Liebe und Hingabe für uns am Kreuz sein, und gerade deswegen ist es verkehrt, wenn wir sie von anderen Menschen oder irgendeiner Bedingung abhängig machen. – Jesu drastische Antwort an Petrus hatte unter den ersten Christen offenbar zu dem Gerücht geführt, dass Johannes nicht sterben würde, bis Jesus wiederkommt. Aber Johannes stellte klar, dass Jesus das nicht gesagt hatte, sondern lediglich quasi im Konjunktiv gesagt hatte: „Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an?“ (23)

An dieser Stelle leitet Johannes zu den abschließenden Worten seines Buches über: „Dies ist der Jünger, der das bezeugt und aufgeschrieben hat , und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist“ (24). Hier finden wir so etwas wie Johannes’ Unterschrift unter seinem Bericht. Mit der Ergänzung „Wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist“, weist er darauf hin, dass sein Bericht auch von anderen Augenzeugen bestätigt wurde. Johannes bezeugt, dass Jesus noch viele andere nennenswerte Dinge getan hat. Dass er von allem aber nur eine Auswahl berichtet, erklärt er abschließend so: „Wenn aber eins nach dem andern aufgeschrieben werden sollte, so würde, meine ich, die Welt die Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären“ (25).

Heute haben wir erfahren, wie der auferstandene Jesus die Jünger am See Tiberias besucht und ihnen praktisch gezeigt hat, dass er sie unveränderlich liebt. Danach hat Jesus Petrus geholfen, seine Liebesbeziehung zu ihm zu erneuern und sich gründlich neu dafür zu entscheiden, Jesus nachzufolgen und aus Liebe zu ihm seine Schafe zu weiden.

Was kann das für uns bedeuten? Ich denke, dass die meisten von uns sich mit Petrus identifizieren können. Wer kann sagen, dass er in seiner Nachfolge noch nicht gescheitert ist? Wenn wir vor Gott ganz ehrlich sind, müssen wir dann nicht zugeben, dass wir täglich darin scheitern? Für alle, die jetzt innerlich nicken oder „Stimmt“ sagen, ist der heutige Text eine gute Botschaft. Denn der Text sagt, dass Jesus uns sieht und uns trotz unseres Versagens unveränderlich liebt, und dass er selber kommen und uns helfen will, unsere Beziehung zu ihm wiederherzustellen und dazu uns nur eine Frage stellt: „Hast du mich lieb?“ Und wenn wir auf diese Frage ehrlich „Ja, Herr“ sagen können, weil uns unsere Sünde wirklich leid tut, nimmt er unser Bekenntnis an und will uns auch einen Auftrag geben, der uns hilft, in seiner Liebe zu bleiben und unser Leben hier für ihn zu führen.

Dann stellt sich schließlich die Frage: gilt Jesu Auftrag „Weide meine Lämmer“ für jeden oder war er speziell für Petrus? Ich glaube, dass Beides gewissermaßen stimmt. Sicher war dieses Wort zunächst Jesu Auftrag an Petrus, den dieser in seinem Leben ausführen sollte und den er als einer der zwölf Apostel auch in ganz besonderer Weise ausgeführt hat. Gott hat für jeden seine eigene Berufung, die sowohl seinen oder ihren Gaben und zugleich Gottes Willen und Plan entsprechen. Jeder von uns soll deshalb aufrichtig zu Jesus kommen, seine Frage „Hast du mich lieb?“ hören und beantworten und das Wort annehmen, den Jesus uns dann geben wird.

Aber wir konnten im heutigen Text auch sehen, dass Jesu Herz ganz besonders für seine Schafe schlägt. Jesus hat von sich selbst bezeugt, dass er gekommen ist, um die Verlorenen zu suchen und selig zu machen und dass er gekommen ist, um uns zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele zu geben. Jesus hat sich als der gute Hirte offenbart, der sein Leben für seine Schafe gelassen hat. Jeder, der diese Liebe selbst erkannt und angenommen hat und ihm folgt, kann gegenüber seiner Liebe zu seinen Schafen nicht gleichgültig sein, sondern wird daran Anteil nehmen. Wir haben wohl nicht alle genau die gleiche Berufung (sondern manche als Prediger des Evangeliums, manche als Bibellehrer, manche eher als Seelsorger, manche mehr für Studenten, manche mehr für Ältere, manche für Jugendliche oder Kinder, manche als Beter, manche als Diener in der Musik oder einem anderen, praktischen Bereich). Auch wenn wir nicht alle die gleiche Berufung haben, hat jede Berufung von Jesus doch mit seinem Herzensanliegen zu tun, seine Schafe so zu weiden, dass sie ihn erkennen und ihm nachfolgen und das Leben in Fülle haben und so Gott verherrlichen; daher werden wir auch alle dazu etwas beitragen, wenn auch in unterschiedlicher Form.

Möge Gott jedem von uns helfen, dem auferstandenen Jesus persönlich neu zu begegnen, seine Frage zu hören und unsere Liebesbeziehung zu ihm zu erneuern! Möge der Herr Jesus jedem von uns helfen, seine Berufung neu oder zum ersten Mal wahrzunehmen und ihm treu zu folgen und der Berufung entsprechend dazu beizutragen, dass Jesu Schafe geweidet werden und bei ihm das Leben haben!

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Predigt: Johannes 20,19 – 31

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Der Friede Gottes kraft der Auferstehung Jesu

„Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! “

(Johannes 20,19)

Ostern liegt mittlerweile schon eine Woche hinter uns. Dies gilt zumindest für die meisten Christen. Orthodoxe Christen wie z.B. meine Familie feiern erst heute Ostern. Wie auch immer, Ostern ist so bedeutsam, dass es von Christen aus den verschiedensten Konfessionen und von Christen aus aller Welt gefeiert wird. Es gibt ja viele Feiertage, die je nach Konfession eine unterschiedliche Bedeutung haben. Zum Beispiel spielt der Feiertag Maria Himmelfahrt in der Katholischen Kirche eine Rolle, für uns aber nicht im Geringsten. Ostern aber gehört zu den Feiertagen, die von allen christlichen Konfessionen gefeiert werden (bis auf einige Ausnahmen vielleicht). Und der Grund hierfür ist ganz einfach. Es liegt daran, dass an Ostern die Auferstehung Christi gefeiert wird. Ob solche Ereignisse wie die Himmelfahrt Maria bedeutsam sind oder nicht, darüber sind sich Christen uneinig. Dass aber die Auferstehung Christi ein bedeutsames Ereignis ist, das gefeiert werden muss, gilt unter allen Christen nahezu als unumstritten. Und zurecht. In der Tat gehört die Auferstehung Christi zu den bedeutendsten Ereignissen der Weltgeschichte. Und dies liegt nicht nur daran, dass es einfach krass ist, dass es jemand geschafft hat, von den Toten aufzuerstehen. Die Auferstehung Jesu Christi ist vielmehr als nur ein krasses Ereignis. Obwohl dieses Ereignis schon mehr als 2000 Jahren her ist, hat die Auferstehung Christi eine weitreichende Bedeutung für unsere Ewigkeit aber auch für unser Leben im Hier und Jetzt. Wer an die Auferstehung Jesu Christi glaubt, darf erfahren, wie dieses Ereignisses sein Leben positiv verändert und mit Bedeutung füllt. Welche positiven Auswirkungen der Glaube an die Auferstehung Jesu konkret auf das Leben des Gläubigen haben kann, macht der heutige Text sehr deutlich.

Durch den heutigen Text bekommen wir Antworten auf zwei wesentliche Fragen bezüglich der Auferstehung: 1. Welche Bedeutung hat die Auferstehung Jesu für das Leben im Hier und Jetzt?; Diese Frage setzt voraus, dass man an die Auferstehung Jesu glaubt. Weil diese Voraussetzung aber oft nicht gegeben ist, ist noch eine zweite Frage sehr relevant. Also, 2. wie kann denen, die Zweifel an der Auferstehung haben, geholfen werden, an die Auferstehung Jesu zu glauben. Analog zu den beiden Fragen, ist die Predigt in zwei Teile unterteilt. Beginnen wir mit dem ersten Teil.

Teil I: Jesus bringt frohe Botschaft aufgrund seiner Auferstehung (V. 19 – 23)

Bereits die ersten Verse des heutigen Textes zeigen uns, dass der Glaube an die Auferstehung Jesu unmittelbare Auswirkungen auf das Leben der Jünger hatte. Um dies gut zu verstehen, müssen wir zunächst einmal die Lage beleuchten, in der sich die Jünger befanden. Im Vers 19 erfahren wir, dass die Jünger aus Angst vor den Juden hinter verschlossenen Türen versammelt waren. Als Anhänger von Jesus, der erst vor Kurzem ermordet wurde, standen nun auch die Jünger in der Gefahr ihr Leben zu verlieren. Die Jünger hatten Todesangst gehabt. Das erste Mal, dass Menschen Todesangst haben, war direkt nach dem Sündenfall. Nachdem Adam und Eva von der verbotenen Frucht aßen, versteckten sie sich ja vor Gott. Warum? Sie fürchteten sich. Was fürchteten sie? Gott hatte es ja ihnen angedroht: Sie würden sterben, wenn sie von der verbotenen Frucht essen. Adam und Eva fürchteten sich, dass sie sterben müssen. Sie hatten also Todesangst. Die Angst vor dem Tod hat also ihren Ursprung in der Sünde bzw. in der Trennung von Gott, der ja die Quelle des Lebens ist. Auch die Angst der Jünger hatte diesen Ursprung. Man könnte natürlich einwenden: „Ne es lag einfach daran, dass die Jünger von den Juden bedroht wurden.“ Dann stellt sich natürlich die Frage: Warum hatten die Jünger später diese Angst nicht mehr, obwohl sie von den Juden noch viel mehr bedroht worden waren. Spätestens hier müsste uns einleuchten, dass die Todesangst der Jünger einen tieferen Grund hat. Die Jünger hatten Jesus verlassen, der eine ihn sogar verleugnet. Zudem waren sie sicherlich von Jesus enttäuscht gewesen. Der, auf den sie ihre ganze Hoffnung gesetzt hatten, war nun gestorben. Die Beziehung der Jünger zu Jesus und damit auch zu Gott war in jeglicher Hinsicht gestört. Was übrig blieb, war die Bedrohung der Juden. Die Jünger, die keinen Frieden mit Gott hatten, hatten keine Sicherheit in Gott und somit blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich um ihr Leben zu fürchten.

In ihrer Lage brauchten die Jünger Hilfe. Wie Jesus ihnen half sehen wir in den Versen 19 und 20. Der auferstandene Jesus begegnet seinen Jüngern. Die verschlossenen Türen sind für ihn kein Hindernis. Er geht durch sie einfach hindurch und begrüßt die Jünger mit den Worten: „Friede sei mit euch“. Diese Worte sind zunächst einmal nichts Ungewöhnliches. So hat man sich üblicherweise in Israel begrüßt. Shalom bedeutet ja „Friede“. Aber Jesus sagte nie etwas aus reiner Floskel heraus. Wenn Jesus etwas sagte, dann war das immer mit Bedeutung gefüllt. So auch in dieser Situation. Der Verfasser hält diese Worte Jesu für so erwähnenswert, dass er sie jedes Mal erneut berichtet, wenn Jesus sie sagt. Drei Mal wird davon berichtet, dass Jesus sagte: „Friede sei mit euch.“ Jesus sprach seinen Jüngern also ganz bewusst den Frieden zu. Und wenn Jesus von Frieden spricht, dann spricht er in erster Linie von einem Frieden mit Gott, der aus der Versöhnung mit Gott kommt. Indem Jesus also seinen Jüngern den Frieden zusagte, sprach er ihnen gleichzeitig auch die Vergebung für ihr geistliches Versagen zu. Kein Wort des Vorwurfs erklang. Stattdessen nur: „Friede sei mit euch“. Das bedeutete in dieser Situation so viel wie: „Nichts steht zwischen mir und euch. Alles ist vergeben und ausgelöscht.“ Jesus, der von den Jüngern Verlassene, und von Petrus Verleugnete, hat bei seiner ersten Wiederbegegnung mit den Jüngern nichts als Frieden zu bringen. Wie konnte der heilige Jesus, der keine einzige Sünde kleinredet, so gütig mit den Jüngern umgehen? Vor Kurzem hatte Jesus am Kreuz die Grundlage dafür geschaffen. Genau daran erinnerten Seine durchbohrten Hände und Seite, die Jesus den Jüngern zeigte. Mit seiner Auferstehung war bewiesen, dass Gott Jesu Opfer zur Versöhnung und Vergebung angenommen hatte. Kraft seines Todes und Auferstehung konnte Jesus also seinen Jüngern ohne Vorbehalte den Frieden bringen.

Nun lass uns mal beide Dinge zusammenführen: Auf der einen Seite die Todesangst der Jünger, die ihre Wurzeln in der gestörten Beziehung mit Jesus hatte. Auf der anderen Seite der Frieden Jesu, der seinen Ursprung in der Versöhnung mit Gott hat kraft der Auferstehung. Die beste Antwort auf die Todesangst der Jünger war also die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus. Diese Begegnung bedeutete Versöhnung und Vergebung für die Jünger. Dies wiederum bedeutete Frieden für die Jünger. Das Schöne an dem Frieden ist auch, dass verschlossene Türen kein Hindernis für ihn sind. Die Angst machte die Jünger verschlossen und isoliert. Aber die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus kann inmitten dieser Verschlossenheit den Frieden geben. Kraft der Auferstehung Jesu ist die größte unüberwindbare Kluft, die Trennung von Gott überwunden. Wenn schon der Friede über diese Kluft steht, dann kann er auch andere Hindernisse durchbrechen.

Die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus änderte die Lage der Jünger total. Zuerst waren die Jünger verängstigt und verschlossen. Doch am Ende von Vers 20 heißt es: Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.

Friede, Versöhnung, Vergebung und Freude – das alles bewirkte der auferstandene Jesu im Leben der Jünger. Das war aber nicht alles. Die Auferstehung Jesu hatte noch andere Auswirkungen auf das Leben der Jünger. Diese erfahren wir in den Versen 21 bis 23. In diesen Versen erfahren wir, dass die Jünger durch den Heiligen Geist eine Bevollmächtigung bekamen. Der Kern dieser Bevollmächtigung bestand darin, anderen die Sünden zu erlassen oder zu erhalten. Weil Jesus nur zu etwas bevollmächtigt, was man auch tun soll, war diese Bevollmächtigung auch gleichzeitig ein Auftrag. Man könnte also auch sagen, dass die Jünger den Auftrag bekamen, anderen die Sünden zu erlassen oder zu erhalten. Aber was bedeutet das eigentlich? Dass die Jünger anderen die Sünden erlassen konnten, bedeutet, dass sie anderen die Sündenvergebung aufgrund des Werkes Christi zusprechen konnten, wenn diese Buße getan haben und dem Evangelium glauben. Hierzu müssen die Jünger natürlich die Gewissheit haben, dass sie mit dem Wort der Vergebung nicht bloß ein frommes Wort sagen, sondern einen Tatbestand schaffen, der auch vor Gott volle Wirklichkeit ist.

Sünden zu erhalten bedeutet, denen, die die Botschaft des Evangeliums nicht annehmen, auszusprechen, dass ihnen die Sünden nicht vergeben sind. Dabei ist das Erhalten der Sünde genauso wichtig wie das Erlassen der Sünde. Denn wenn die Jünger nur noch mit Selbstverständlichkeit über das Erlassen der Sünde sprechen würden, ohne auch ein „Behalten der Sünde“ auszusprechen, dann würde die Sündenvergebung unernst und unwirklich werden. Wenn aber die Jünger auch Sünden erhalten, weiß ein unbußfertiger Sünder, dass er immer noch in Konflikt mit Gott steht und daher noch der Sündenvergebung bedarf. Wenn wir das verstanden haben, verstehen wir, dass auch das Sündenbehalten indirekt auch der Sündenvergebung dient.

Wenn wir wiederum das verstanden haben, verstehen wir auch, was der eigentliche Auftrag der Jünger war: Sie, die die Vergebung ihrer unendlichen Schuld erlassen bekommen haben, sollen nun hinausgehen und diese Gabe weiterreichen. Sie, die den Frieden Gottes bekommen haben, sollen ihn nicht für sich behalten, sondern andern weitergeben. Ebenso wie Gott Jesus in die Welt gesandt hat, um den Menschen Vergebung der Sünden und Frieden mit Gott zu bringen. Ebenso sandte nun Jesus seine Jünger aus, den Menschen den Frieden mit Gott aufgrund der Sündenvergebung zu bringen. Jesus sagt daher: Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

Was bedeutet nun der Abschnitt, den wir bisher betrachtet haben, für uns? Nicht nur die Jünger, sondern jeder von uns kennt es, Angst zu haben. Die Wurzel unserer Ängste ist die Angst vor dem Tod. Für uns alle gibt es einen Zustand, wo wir sagen würden: „Wenn das und das in meinem Leben passieren würde, dann ist mein Leben ruiniert. Wenn das und das in meinem Leben passiert, dann kann ich nicht mehr weiterleben, dann ist das mein Tod.“ Für manche ist es der Tod, wenn sie in eine finanzielle Krise kommen. Für andere ist es der Tod, wenn sie ihr Gesicht vor den Leuten verlieren, wenn sie vor anderen bloßgestellt werden, z.B. in der Gemeinde. Für manche ist es der Tod, wenn sie in einer Sache versagen. Viele Aktionen unseres Alltags sind davon bestimmt, diesem persönlichen Tod zu entkommen. Und wenn Situationen auftauchen, die uns auch nur ein bisschen in die Nähe dieses Todes rücken, kommt in uns Angst auf. Daher habe ich eben gesagt, dass alle unsere Ängste letztendlich ihre Wurzel in der Todesangst haben. Aber was machen diese Ängste mit uns? Sie machen uns verschlossen. Sie bewirken, dass wir nur noch auf uns bedacht sind. Sie bewirken, dass wir nicht für andere da sein können. Bei all dem stellt sich natürlich die Frage: „Was ist die Hilfe gegen unsere Todesangst?“ Gottes Antwort auf unsere Todesangst ist die Auferstehung Jesu Christi. Weil die Auferstehung Jesu den Tod überwunden hat, ist der Glaube an die Auferstehung Jesu die beste Antwort auf unsere Todesangst. Durch den Glauben an die Auferstehung Jesu Christi brauchen wir unseren Tod nicht mehr zu fürchten. Wenn ich wirklich verstanden habe, dass Jesus den Tod überwunden hat, dann brauche ich auch nicht mehr Angst vor meinen persönlichen Tod zu haben. Selbst wenn der worst case eintreten sollte, darf der Gläubige wissen, dass er sicher in Jesu Armen ist. Denn kraft der Auferstehung Jesu hat er ja Frieden mit Gott. Deswegen darf er sich in jedem Fall sicher in Jesu Armen wissen. So können wir durch den Glauben an die Auferstehung Christi ein Leben in Frieden und Freude führen, anstelle uns von unseren Ängsten treiben zu lassen. Das ist das wahre Leben, das uns der Glaube an die Auferstehung Christi bringt. Ganz in diesem Sinne heißt es am Ende von Vers 31: damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.

Aber das ist nicht alles, was uns der Glaube an die Auferstehung Jesu gibt. Todesangst bewirkt, dass wir uns vor anderen Menschen verschließen und zurückziehen. Der Frieden aber, den wir mit Gott durch die Auferstehung Jesu haben dürfen, bewirkt genau das Gegenteil. Er treibt uns nicht in die Isolation, sondern hinaus zu den Menschen. Nachdem Jesus den Jüngern den Frieden noch einmal zugesprochen hatte, sandte er sie hinaus zu der Welt. Und eben genau das sollte auch unsere Reaktion auf den Frieden Gottes sein.

Dies ist gerade in dieser Zeit besonders wichtig! Wegen der Situation durch Corona haben viele Menschen Existenzängste. Mit anderen Worten sie haben Todesangst. Sie fürchten die wirtschaftlichen Folgen von Corona. Viele andere Menschen haben vor der Ansteckung mit Corona selbst Angst. In einem Zeitungsartikel stand, dass viele sich nicht einmal mehr zum Arzt trauen, obwohl sie teilweise sehr ernsthafte Beschwerden haben. Aus Angst verbarrikadieren sie sich in ihren eigenen vier Wänden. Verstehen wir? Diesen Menschen ergeht es genauso wie die Jünger, die sich aus Angst hinter verschlossenen Türen zurückgezogen hatten. Es gibt in der Welt viele Hilfen für diese Menschen. Sie milden ihre Situation, können aber ihr wahres Problem nicht lösen. Das was all diese Mensch, die unter Existenzängsten leiden, brauchen, ist der Friede Gottes. Jesus sagt: Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Gerade weil die Welt diesen Frieden nicht geben kann, muss dieser Friede Gottes von uns Gläubigen kommen. Die Menschen müssen verstehen, was die tiefe Ursache ihrer Existenzängste ist, nämlich die Sünde und die Trennung von Gott, aber dass es kraft der Auferstehung Jesu eine Lösung für dieses Problem gibt. Lasst uns daher dafür beten, wie Gott uns persönlich aber auch als Gemeinde gerade in dieser Zeit gebrauchen möchte.

Die ersten Verse, also die Verse 19 bis 23, haben uns gezeigt, was wir alles durch die Auferstehung Jesu Christi haben können – Frieden, Vergebung der Sünden, Freude, Freiheit von Todesängsten, das Privileg, für andere ein Friedensbote zu sein – alles in allem das Leben. An diese geistlichen Privilegien kann man nur Anteil haben, wenn man selber an die Auferstehung Christi glaubt. Was aber, wenn einfach der Glaube an die Auferstehung Christi fehlt? Vielleicht gibt es auch unter uns einige die keine Gewissheit an der Auferstehung Christi haben – also, die daran Zweifel haben? Für solche Zweifler ist der heutige Text genau die richtige Hilfe. Lasst uns das im zweiten Teil der Predigt betrachten.

Teil II: Jesus verhilft seinen Jüngern zum Glauben an die Auferstehung (V.19 – 31)

Die Begebenheit aus dem heutigen Text schließt direkt an die Geschichte an, in der der auferstandene Jesus Maria Magdalena begegnet war. Am Ende dieser Geschichte erfahren wir, dass Maria zu den Jüngern gegangen war und ihnen davon erzählt hatte, dass sie Jesus gesehen habe. Das war natürlich eine ziemlich krasse Botschaft, die sie den Jüngern übermittelt hatte. Wie kam diese Botschaft aber bei den Jüngern an? Wie wurde sie aufgenommen? Wenn wir Vers 19 betrachten, bekommen wir den Eindruck, dass die Nachricht von Maria überhaupt nicht bei den Jüngern angekommen war. Kein Wort darüber, dass sich die Jünger gefreut haben. Es wird nicht einmal davon berichtet, dass sie Fragen hierüber gestellt hatten. Offenbar war es so, dass sie Maria nicht geglaubt hatten. Zumindest war in ihnen noch kein klarer und kraftvoller Glaube entstanden. Das Zeugnis einer Frau hatte im damaligen Israel einfach keinen Wert. Frauen durften nicht einmal als Zeugin vor Gericht auftreten. So war es für die Jünger wohl „nur“ eine Frau gewesen, die von der Auferstehung Jesu erzählt hatte. Aber nicht nur das Zeugnis von Maria hatte die Jünger nicht überzeugt, sondern auch das leere und aufgeräumte Grab nicht. Zwar heißt es über Johannes, dass er glaubte, als er das leere Grab sah, aber für die anderen Jünger war dies noch lange kein Grund dafür, dass Jesus auferstanden sein muss. Wahrscheinlich haben sie so gedacht, wie Maria Magdalena zuvor: Man habe Jesus weggebracht. Weder das Zeugnis von Maria noch das leere Grab hatte die Jünger – zumindest die meisten Jünger nicht überzeugt, dass Jesus auferstanden war.

Selbst als Jesus durch die verschlossenen Türen hindurchgegangen war, mitten unter den Jüngern trat und zu ihnen sprach, wird nicht davon berichtet, dass die Jünger glaubten – zumindest nicht so, dass sie es wirklich verinnerlicht hatten. Erst als Jesus ihnen seine durchbohrten Hände und Seite zeigte, kam der Glauben bei ihnen zum Durchbruch. Erst dann heißt es:  Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. Das alles musste also geschehen, damit die Jünger wirklich glaubten, dass Jesus auferstanden war. Nicht ohne Weiteres hatten die Jünger also an die Auferstehung Jesu geglaubt. Die Augenzeugen der Auferstehung Jesu waren keine leichtgläubigen Menschen gewesen. Es waren Menschen gewesen, die selbst zunächst skeptisch gewesen waren, aber dann doch überzeugt wurden. Aber eben gerade das macht ihr Zeugnis, dass Jesus auferstanden ist, umso glaubwürdiger.

Dass die Jünger nicht ohne Weiteres an die Auferstehung Jesu geglaubt hatten, zeigt sich am deutlichsten am Jünger Thomas. Thomas war ja nicht dabei gewesen, als Jesus den Jüngern zum ersten Mal erschienen war. Obgleich Thomas von allen anderen Jüngern gehört hatte, dass Jesus ihnen begegnet und die Löcher in seinem Körper gezeigt hatte, überzeugte ihn das nicht. Wenn ein Jünger behauptet, er habe Jesus gesehen, ist es noch einmal was anderes, als wenn 10 Jünger das behaupten. Sie alle können sich das ja nicht eingebildet haben. Nichtsdestotrotz war das für Thomas kein überzeugendes Argument. Nicht einmal, dass Jesus ihn persönlich erscheinen würde, würde er als ein überzeugendes Argument akzeptieren. Er ging sogar einen Schritt weiter: Selbst wenn Jesus ihm die Löcher in den Händen und an der Seite zeigen würde, wäre dies kein überzeugendes Argument. Erst dann, wenn er seinen Finger in die Nägelmale und seine Hand in Jesu Seite legen könne, erst dann würde er glauben. Thomas war also alles andere als leichtgläubig oder naiv. Er war ein ziemlich großer Skeptiker gewesen. Dass aber selbst Thomas schließlich sagen kann: „Mein Herr und mein Gott“ – gerade das ist ein mächtiges Zeugnis für die Auferstehung Jesu. Wenn selbst solch ein Skeptiker wie Thomas nun bezeugen kann, dass Jesus auferstanden ist, dann muss doch an diesem Zeugnis wirklich was dran sein. Nicht ohne Grund erwähnt Johannes den Spitznamen von Thomas, „Zwilling“. Die Leser sollten genau wissen, welchen Thomas er meint. Früher gab es ja keine Nachnamen (Beispiel Schule). Jeder der diesen Bericht liest, sollte wissen: „Der Thomas, der heute so überzeugt den auferstandenen Jesus verkündigt, war selbst einmal ein großer Skeptiker gewesen. Er muss dem auferstandenen Christus wirklich begegnet sein.“

Der Leser sollte durch diesen Bericht im Glauben an die Auferstehung Jesu gestärkt werden oder erst gar zum Glauben kommen. Das war ja gerade die Absicht von Johannes, wie wir es in Vers 31 sehen können. Dort heißt es ja: Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen. Johannes ist der einzige der über die Geschichte von Thomas berichtet. Johannes hielt diese Geschichte für erwähnenswert, gerade weil er glaubte, dass es Menschen in dem Glauben an die Auferstehung stärken kann. Wenn du also Zweifel an der Auferstehung hast, lese und studiere die Thomas-Geschichte.

Vielleicht gibt es aber einige unter uns, die denken, für mich ist das aber immer noch kein überzeugendes Argument. Mir geben diese Berichte immer noch keine Gewissheit, dass Jesus wirklich auferstanden ist. Die sollen wissen, dass die Thomas-Geschichte noch in anderer Hinsicht zum Glauben an die Auferstehung ermutigt. In dieser Geschichte fällt es auf, wie sehr Jesus Thomas entgegenkam. Jesus war bereit, alles zu tun, was Thomas Zweifel beseitigt. Er war nicht nur bereit dazu, sondern auch in der Lage gewesen, die Zweifeln von Thomas mit tiefer Gewissheit zu ersetzen. Thomas, der zweifelte, wurde verändert zu einem Thomas, der Jesus mit den Worten: „Mein Herr und mein Gott“ anbetete. Hinter dieser Anbetung steckt der Glaube an die Gottheit Christi. In seinem ganzen Evangelium bemüht sich Johannes immer wieder die Gottheit Jesu aufzuzeigen. Jesus als Gott zu erkennen, ist genau der Glaube, den Johannes bei seinen Leser erreichen möchte. Jesus war also in der Lage, Thomas von seinen Zweifeln zu einem vorbildlichen Glauben zu bringen.

Diese Geschichte ist also eine große Einladung für alle, die Zweifel an der Auferstehung haben, mit ihren Zweifeln zu Jesus zu kommen. Wenn selbst Thomas durch Jesus geholfen werden könnte, dann besteht für jeden aufrichtigen Zweifler Hoffnung. Wer seine Zweifel zu Jesus bringt, muss sich dabei aber über einige Punkte im Klaren sein:

Erstens: Thomas gehörte nicht zu den Zweiflern, die eine Entschuldigung suchen, nicht an die Auferstehung zu glauben. Er war kein Zweifler aus Wohlgefallen an Kritik und Besserwissen. Er war Zweifler aus innerer Not und aus dem heißen Verlangen, Gewissheit in der Auferstehung Jesu zu haben. In Wirklichkeit war Thomas sehr gerne bereit gewesen zu glauben. Dies können wir v.a. daran sehen, dass Thomas auf die Begegnung mit Jesus mit einem klaren Glauben reagiert, indem er Jesus als seinen Herrn und Gott bezeichnet. Übrigens tut er dies schon, ohne seine Finger in Jesu Nägelmale zu legen. Er brauchte dies doch nicht. Indem Thomas sagt: Mein Herr und mein Gott, war Thomas sogar bereit, die Auferstehung Jesu mit Konsequenz auf sein Leben zu akzeptieren. Für Thomas war es eine wunderbare Sache, dass Jesus auferstanden ist. Aber gerade weil es so eine wunderbare Sache war, wollte Thomas darin ganz sicher sein. Er wollte absolute Gewissheit darin haben (Beispiel: Lotto). Wer an der Auferstehung zweifelt, nur weil er eine Entschuldigung für seinen Unglauben sucht, oder wer in Wirklichkeit gar nicht bereit ist, die Auferstehung Jesu mit Konsequenz auf sein Leben zu akzeptieren, braucht auch nicht zu erwarten, dass ihm jemals diese Zweifeln genommen werden. Einem aufrichtigen Zweifler hingegen kann Jesus sehr helfen;

Der zweite Punkt, über den sich ein Zweifler im Klaren sein sollte, ist der: Dass Jesus Thomas erschien, um ihm Gewissheit zu geben, heißt nicht, dass Jesus es immer so macht. Ein Grund, warum Jesus den Jüngern und Thomas erschienen war, war sicherlich auch der, dass die 12 Aposteln Augenzeugen der Auferstehung sein sollten. Diese Tatsache machen sich Johannes und Petrus später in ihren Briefen zu nutze. Dort berufen sie sich darauf, dass sie Augenzeugen sind, um ihre Glaubwürdigkeit zu bekräftigen.

Wenn wir V.19 betrachten wird deutlich, dass Jesus es nicht vorgesehen hat, seine Auferstehung jedem immer mit einer Erscheinung zu beweisen. Im Gegenteil, Jesus preist gerade diejenigen für selig, die nicht sehen und doch an seine Auferstehung glauben. Das sind ja alle diejenigen, die durch das Hören des Wortes zum Glauben an die Auferstehung gekommen sind. Indirekt sagte Jesus hier bereits eine Zeit voraus, in der Menschen an seine Auferstehung glauben werden, ohne Jesus jemals gesehen zu haben. In der Geschichte der Gemeinde hat sich das zu allen Zeiten hindurch bewahrheitet. Wer also mit seinen Zweifeln zu Jesus kommt, sollte dafür offen sein, dass der Herr Jesus sein Wort hierfür gebrauchen wird (was nicht heißt… in der Regel aber…). Man sollte nicht Jesus an die Erwartung festmachen, dass er ihm erscheinen müsse.

Es ist ein Irrtum zu meinen, dass eine Erscheinung ein besserer Beweis sei als Jesu Wort. In 1.Petr 1,8 heißt es: Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht. In dieser Stelle ist eben von Gläubigen die Rede, die durch das Hören des Wortes zum Glauben an Jesus gekommen sind, ohne ihn jemals gesehen zu haben. Petrus behauptete, dass sie Jesus lieb haben. Er machte ihre Liebe daran fest, dass sie für Jesus viel erlitten hatten. Gottes Wort selbst kann also so einen klaren Glauben an die Auferstehung Jesu bewirken, dass Menschen für Jesus alles mit Freuden aufgeben, ohne Jesus jemals gesehen zu haben.

Der dritte Punkt, über den sich ein Zweifler im Klaren sein sollte, ist, dass man bereit sein soll zu warten. Jesus erschien Thomas erst nach acht Tagen. Solange war er in seinen Zweifeln geblieben. Wer Zweifel hat, sollte Jesus in seinem Wort solange suchen, bis Jesus ihm die volle Gewissheit gegeben hat.

Wer also in seinen Zweifeln von Jesus geholfen werden möchte, sollte diese drei Punkte in Betracht ziehen. Jesus kann jedem helfen, der aufrichtig zu ihm kommt. Nachdem Jesus Thomas alle nötigen Hilfen zum Glauben geliefert hatte, sagte er zu Thomas: sei nicht ungläubig, sondern gläubig. Eine treffendere Übersetzung von diesem Satz lautet: werde nicht ungläubig, sondern gläubig. Jesus spricht hier nicht nur einen Befehl an Thomas aus. Jesus spricht hier auch ein Machtwort der geistlichen Heilung aus. Gerade so wie Jesus einem Aussätzigen sagte: Sei gesund, sagte er zu Thomas: werde gläubig. Und siehe da, Thomas, der große Zweifler, wurde gläubig. Derselbe Jesus kann auch heute noch über jeden Zweifler das Machtwort aussprechen: werde nicht ungläubig, sondern gläubig. Lasst uns beten.

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