Fragebogen: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will – Berufen zur Gemeinschaft 3 – Matthäus 9,9-13 & Lukas 8,1-3

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Jeder ist willkommen

Heute lesen wir Matthäus 9,9-13 und Lukas 8,1-3.

Denke kurz darüber nach, welche Stellung Zöllner, Sünder und Frauen in der damaligen Gesellschaft hatten.
Soziologen sprechen davon, dass praktisch alle Menschen einen kategorischen Unterschied zwischen „wir“ und „die anderen“ machen. Wie mag das auf die Menschen damals zugetroffen haben und was bedeutete das für sie und die anderen?
Inwiefern trifft das auf uns zu? Wenn du über dein Leben nachdenkst, fallen dir Beispiele ein, wie du in den Kategorien „wir“ und „die anderen“ gedacht hast?

Im Reich Gottes sind plötzlich alle Menschen willkommen. Wie mögen sich die Zöllner, Sünder und Frauen in Jesu Gegenwart gefühlt haben?
Wie behandelte Jesus diese Menschen?

Was könnte unternommen werden, damit unsere Gemeinde zu einem Ort wird, an welchem sich jeder willkommen fühlt? Was kannst du tun, um andere Menschen willkommen zu heißen?

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Predigt: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will – Verwurzelt im Evangelium 4 – Lukas 15,11-32

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Zwei verlorene Söhne

„Holt das Mastkalb und schlachtet es; wir wollen ein Fest feiern und fröhlich sein.”

Lukas 15,23

Während der Vorbereitung der Predigt, habe ich von mindestens drei Personen wichtige Gedankenimpulse bekommen. Alles, was in dieser Predigt schlau und nach tiefen Einsichten klingt, ist wie so oft von Tim Keller. Gestern habe ich einen sehr guten Anstoß von Markus erhalten. Vorgestern hatte ich dann noch ein interessantes Gespräch mit Papa. Und er hatte eine Illustration verwendet, die ich sofort sehr hilfreich fand. Wie wir alle wissen, ist die Farbe der Kommunisten rot. Und jemand meinte einmal, dass es bei den Kommunisten zwei verschiedene Arten von Genossen gibt. Die einen sind rot wie Tomaten; die anderen sind rot wie Äpfel. Was bedeutet das? Eine Tomate ist durch und durch rot. Die Haut der Tomate ist ja im Prinzip durchsichtig und durch die Schale hindurch sieht man das rote Fleisch. Ein Apfel hingegen ist genau das Gegenteil. Die Schale kann richtig schön rot sein, von mir aus knallig rot. Aber wenn man den Apfel aufschneidet, ist das Fruchtfleisch weiß, oder gelb, aber nicht rot.
Ich finde, dass sich das wunderbar auf den christlichen Glauben anwenden lässt. Äußerlich gesehen haben wir vielleicht die richtige „Farbe“. Aber die Frage ist: ist das nur eine Fassade oder eine Maske? Oder reicht unser Glaube bis ganz tief in das Innerste? Auf Facebook hatte ein Freund von mir einige etwas sarkastisch gemeinte Ratschläge veröffentlicht, wie man im neuen Jahr NICHT im Glauben wachsen kann. Eine der Ratschläge lautete: „Erwecke den Anschein, ein frommes Leben zu führen, ohne es zu tun.“ Die meisten von uns können das gut verstehen. Viele Christen sind richtige Meister darin, einen frommen Schein zu wahren. Vielleicht sind wir irgendwann so gut darin, dass wir nicht nur anderen etwas vorspielen, sondern auch uns selbst.
Wenn dem so ist, wie können wir zu einem besseren Verständnis kommen, wie es mit unserem Innenleben aussieht? Das Gleichnis von den verlorenen Söhnen kann uns da eine Hilfe sein. In diesem Gleichnis zeigt Jesus, dass er besser Geschichten erzählen kann als Tolkien und Rowling. In nur wenigen Sätzen zeichnet Jesus Charaktere, die so fassbar sind wie das Leben selbst. Und ich denke, dass Jesus wollte, dass wir uns in dieser Geschichte wiederfinden, und uns mit den Charakteren identifizieren können. Drei Charaktere hat das Gleichnis: der jüngere Sohn, der ältere Sohn und der Vater. Die drei Teile der Predigt sind: erstens, die offensichtliche Verlorenheit des jüngeren Sohnes; zweitens, die nicht so offensichtliche aber nicht weniger reale Verlorenheit des älteren Sohnes; drittens, die Liebe des Vaters und das Evangelium.

Erstens, die offensichtliche Verlorenheit des jüngeren Sohnes
Wir brauchen hier nicht zu viele Worte zu verlieren, weil – wie bereits gesagt – die Fehler und Missetaten des jüngeren Sohnes ziemlich offensichtlich sind, auch heute noch, 2.000 Jahre nachdem diese Geschichte das erste Mal erzählt wurde. Der jüngere Sohn spricht zu seinem Vater: „Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht.“ Obwohl wir heute in einer ganz anderen Zeit leben als damals, hat sich ein Aspekt nicht verändert: normalerweise wird nach dem Tod der Eltern geerbt, nicht vorher. Und selbst heute wäre es ein ziemlicher Affront, wenn ein Kind zu seinen Eltern geht uns sagt: ich will mein Erbe jetzt sofort haben. Die indirekte Botschaft, die dahinter steht, ist nämlich: „Mir ist es eigentlich relativ egal, ob du am Leben bist oder nicht. Du bist mir als Mensch egal. Das einzige, was mich interessiert, ist dein Geld. Und jetzt her damit.“
Hier ist ein weiterer Grund, weshalb die Forderung des jüngeren Sohnes so skandalös war. Das Erbteil war nicht einfach der goldene Pokal, den der Vater beim Tennis gewonnen hatte oder die antike Münzsammlung. In Vers 13 lesen wir, dass der jüngere Sohn alles zusammenpackte. Die Neue Genfer Übersetzung ist etwas freier aber meiner Meinung nach sehr passend. Sie schreibt: „Wenige Tage später hatte der jüngere Sohn seinen ganzen Anteil verkauft…“ Das Erbteil war Land. Das Land hatte nicht nur einen immensen materiellen Wert. Es hatte auch einen riesigen ideellen Wert. Es war das Land der Vorfahren, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Es war das Land, mit dem sich die Familie identifizieren konnte. Das Herz des Vaters hing an diesem Land, und eines Tages würde er auf diesem Land beerdigt werden wollen. Und ein Drittel von diesem Land war es nun, was der jüngere Sohn verlangte.
Die Worte des Sohnes waren so unvorstellbar dreist, so bodenlos unverschämt, dass die einzige, die wirklich einzige akzeptable Antwort des Vaters an dieser Stelle gewesen wäre, ihn mit Schimpf und Schande sofort zu verjagen. Der Vater hätte ihn auf der Stelle enterben müssen begleitet von physischer Gewalt und Schlägen. Aber nicht so der Vater im Gleichnis. Er gibt ihm das Erbteil ohne Widerrede. Für die ersten Zuhörer muss das ein Schock gewesen sein.
Wiederum erstaunlich, in wie wenigen Worten Jesus ein lebhaftes Bild von der Verlorenheit des jüngeren Sohnes zeichnet: er verkauft das Land, geht in ein fernes Land und feiert eine einzige, nicht endenwollende Party bis alles Geld versoffen und verfeiert ist. Die äußeren Umstände taten ihr Übriges: es gab eine Hungersnot die dazu führte, dass er richtig Not leiden musste. Seine Situation wurde so schlimm, dass er Schweine hüten musste. Als er eines Tages merkt, dass er neidisch auf das Futter der Schweine ist, weiß er, dass er den Tiefpunkt erreicht hat. Schlimmer geht es nicht mehr. Er beschließt zu seinem Vater umzukehren: nicht aus noblen, ehrenhaften Gründen. Er geht zurück, weil er Hunger hat. Der einzige Grund ist, weil er weiß, dass die niedrigsten Knechte immer noch ein besseres Leben haben im Vergleich zu dem, was er jetzt hat.

Zweitens, die nicht so offensichtliche aber nicht weniger reale Verlorenheit des älteren Sohnes
Beim Bibelstudium der Kreisleiter wurde die Verlorenheit des älteren Sohnes ein wenig in Frage gestellt. In Vers 31 sagt der Vater zum älteren Sohn: „Mein Kind, du bist immer bei mir und alles, was mein ist, ist auch dein.“ Wenn wir Sünde in ihrer Essenz als ein Getrenntsein von Gott bezeichnen, dann macht es irgendwo Sinn zu sagen: der ältere Sohn war ja niemals weg; er war niemals von seinem Vater getrennt. Und deshalb natürlich die berechtigte Frage: inwiefern war er verloren?
Jesu Gleichnis hatte mit einem Affront begonnen: der jüngere Sohn verlangte sein Erbteil. Das Gleichnis endet mit einem anderen Affront. Der ältere Sohn weigerte sich zum Fest zu erscheinen. Stellen wir uns eine Familie vor, die Weihnachten feiert, und eines der Kinder weigert sich, zum Fest zu kommen, obwohl es eigentlich da ist. Das kann ganz schön belastend für die Familie sein. Aber es ist kein Vergleich, zu der Art und Weise, wie der ältere Sohn seinen Vater bloßstellte. Der Vater feiert nicht einfach irgendein Fest. Er feierte das größte Fest seines Lebens. Und der ältere Sohn brüskierte seinen Vater, indem er fernblieb. Der Vater musste das Fest verlassen, um mit seinem widerspenstigen Sohn zu reden. Das Fest zu schwänzen mag vielleicht nicht ganz so schlimm gewesen sein, wie das Erbteil zu verlangen. Aber es war eine solche Beleidigung für den Vater, dass das allein auch schon ausreichte, um ein Kind zu enterben.
Und da ist noch mehr. Dreimal wird im Text erwähnt, dass das gemästete Kalb geschlachtet wurde. Jesus scheint es uns unter die Nase zu reiben. Der ältere Sohn fängt an, sich richtig zu ärgern, als er vom gemästeten Kalb hört. In den Versen 29 und 30 schreit er seinen Vater an: „mir hast du nie einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet.“ Warum wird das arme Kalb dreimal erwähnt? Vermutlich lag es daran, dass die Menschen damals viel seltener Fleisch gegessen haben. Fleisch war eine teure Angelegenheit. Und wenn ein Tier geschlachtet wurde, dann musste man es relativ bald komplett verwerten, weil es wenig Möglichkeiten gab, das Fleisch zu konservieren. Fleisch gab es nur zu besonderen Anlässen. Aber unter den Fleischgerichten war das gemästete Kalb die absolute Luxus-Delikatesse. Es war quasi das Kobe-Steak, der Riesenhummer mit der Kaviar-Garnitur der damaligen Zeit.
Was sehen wir hier also? Er sagte praktisch: „Wie konntest du nur? Wie konntest du nur so verschwenderisch und so unverantwortlich mit unserem Besitz umgehen?“ Der ältere Bruder weinte dem aus dem Fenster herausgeworfenen Geld hinterher. Und das zeigt, dass er im Prinzip genauso materiell gesinnt ist wie der jüngere Bruder. Genau wie sein jüngerer Bruder ging es ihm mehr um den Reichtum als um den Vater. Genau wie der jüngere Bruder war ihm das wichtiger, was er von seinem Vater bekommen konnte als der Vater selbst. Genau wie der jüngere Bruder wollte er den Vater in gewisser Weise kontrollieren, um das zu bekommen was er wirklich liebte; und das, was er liebte, war nicht sein Vater.
Ein weiterer Punkt: der ältere Sohn war zwar allezeit beim Vater. Aber tief im Innersten wollte er nicht wirklich beim Vater sein. Das ist ein Punkt, den ich von Markus gelernt habe. Der jüngere Sohn kam zur Einsicht, dass selbst die niedrigsten Knechte es beim Vater besser hatten als er außerhalb von zu Hause. Für den älteren Sohn war zuhause zu sein eine lästige aber notwendige Pflicht. Zuhause zu sein war keine Befreiung für ihn; er empfand es eher als einen Zwang: den ganzen Tag arbeiten, arbeiten, arbeiten; gehorchen, gehorchen, gehorchen.
Noch ein Aspekt, in der sich die Verlorenheit des älteren Bruders zeigt: sein Herz war so unähnlich und ganz weit weg vom Herz des Vaters. Wenn wir uns noch einmal den jüngeren Bruder ansehen, und versuchen würden, ihn zu diagnostizieren, dann würden wir sagen: „Der jüngere Bruder ist ein Egoist. Er denkt nur an sich selbst. Er ist fürchterlich selbstzentriert und selbstsüchtig.“ Aber wie verhält es sich mit dem älteren Bruder? Die Art und Weise wie er über seinen Bruder spricht, ist aufschlussreich. Er sagt: „der hier, dein Sohn…“ Für seinen Bruder hat er nichts als Verachtung übrig. Für ihn ist er einfach ein Nichtsnutz, ein Versager, eine Schande für die Familie. Er war unbarmherzig und selbstgerecht. Er sah auf andere Menschen herab, die nicht so gut und nicht so diszipliniert waren wie er. Der Text deutet außerdem an, dass er jähzornig ist. Er hat ein Wut-Problem. Er hat eine ziemlich kurze Lunte, bevor er explodiert. Wie ich finde sind das alles Eigenschaften, die ihn zutiefst unsympathisch machen. Frage an uns: wer von uns würde sich solch einen älteren Bruder wünschen? Es gibt ja den Spruch: wer solche Freunde hat, der braucht keine Feinde mehr.
Bevor wir fortfahren, müssen wir noch einen Punkt verstehen und verinnerlichen, der wirklich wichtig ist. Der ältere Sohn war eigentlich tadellos. In Vers 29 sagt er: „Siehe, so viele Jahre schon diene ich dir und nie habe ich dein Gebot übertreten.“ Der Vater hätte sagen können: „Das stimmt nicht ganz; gestern um 16:47 Uhr hatte ich dich gebeten, die Blumen zu gießen, und du hast das nicht gemacht.“ Aber der Vater widerspricht seinem Sohn nicht. Indirekt erkennt er an, dass das, was der ältere Sohn sagte, stimmte. Er hatte dem Vater treu gedient. Er hatte sich nie etwas zu Schulden kommen lassen. Er hatte sich an alle Gebote gehalten.
Hier ist jetzt das Radikale: der jüngere Sohn war verloren, durch seine bösen und schlimmen Taten; der ältere Sohn war verloren durch seine guten Taten. Der ältere Sohn war nicht nur trotz seiner guten Taten verloren; er war wegen seiner guten Taten verloren. Dieser Punkt geht uns ziemlich gegen den Strich. Und deshalb will ich das noch etwas besser erklären. Der ältere Sohn war wegen seiner guten Taten verloren, weil er die guten Werke zur Basis seiner Beziehung zu seinem Vater gemacht hatte. Er war wegen seiner guten Taten verloren, weil sie sein Verdienst waren; weil er stolz auf diese guten Taten war. Sein Argument in Vers 29 ist: „Ich war dir so gehorsam! Ich verdiene daher eine bessere Behandlung von dir! Ich habe so viel für dich gearbeitet. Das Einzige, was ich von dir will, ist ein wenig Respekt!“ Das Bittere ist: der ältere Sohn brauchte ebenfalls Rettung. Er brauchte ebenfalls Gnade. Flannery O’Connor, eine amerikanische Autorin, schrieb: „Die Art Jesus zu meiden, ist es die Sünde zu meiden.“ Mit anderen Worten: wenn wir uns so sehr angestrengt haben, ein tadelloses Leben zu führen, wozu brauchen wir dann Gnade? Wozu brauchen wir dann Rettung? Rettung wovon überhaupt?
D.h., es gibt zwei Arten, verloren zu gehen: die eine Art ist durch offene Rebellion gegen den Vater wie der jüngere Sohn; die andere Art ist durch tadellosen Gehorsam. Es gibt zwei Arten, wie wir versuchen, den Vater zu kontrollieren und zu managen: vor dem Vater wegzulaufen und zu versuchen, uns seinem Einfluss zu entziehen; oder beim Vater zu bleiben und daher zu meinen, dass er uns etwas schuldet. Es gibt zwei Art und Weisen unser eigener Herr und Meister zu sein: Sex, Drugs and Rock’n Roll; oder durch ein vorbildliches, religiöses Leben. Es gibt zwei Art und Weisen, unser eigener Retter zu sein: in dem wir uns den „Zwängen“ und „Beschränkungen“ des Vaters entledigen; oder indem wir uns freiwillig unter die Zwänge begeben, und uns selbst rechtfertigen und selbstgerecht werden. Die beiden Söhne sind eine unglaublich anschauliche Illustration wie wir Menschen versuchen, uns der Herrschaft Gottes zu entziehen.
Die Verlorenheit des jüngeren Sohnes ist ziemlich offensichtlich. Wer nach einer durchgefeierten Nacht auf der Straße aufwacht mit einem fürchterlichen Kater und einer sexuell übertragbaren Krankheit, der mag zur Einsicht kommen, dass er ein Problem hat. Die Verlorenheit des älteren Sohnes ist nicht ganz so offensichtlich. Aber sie ist daher nicht weniger real. Er war außen „hui“ aber innen „pfui“.
Wie ich vorhin erwähnt habe, sind Christen sehr häufig sehr gut darin, eine Fassade aufzubauen: „Bei mir ist alles in Ordnung. Ich tue alles, was von einem guten Christen erwartet wird. Probleme haben die anderen, aber ich doch nicht.“ Aber was ist in deinem Inneren? Wieviel Liebe und Verständnis hast du für Geschwister, die ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen? Wie geduldig bist du mit den Kleinen? Was ist die Basis für deine guten Werke? Ist es Freude und Dankbarkeit? Was ist in deinem Tank? Was treibt dein Leben wirklich an?
Und hier ist noch eine andere Frage: mit welchen von den beiden Söhnen können wir uns besser identifizieren? Jüngere Söhne sind die Zöllner, die Prostituierten, die LGBTQ Leute, die Frauen, die abgetrieben haben. Die älteren Söhne sind die Pharisäer, die Religiösen, die Kirchgänger und vielleicht auch: der Worship-Leader, der Kreisleiter, der Missionar. Welche Hoffnung gibt es dann für uns?

Drittens, die Liebe des Vaters und das Evangelium
Der Vater ist in diesem Gleichnis die große Kontrastperson. Er ist der Vater, den wir uns alle wünschen. In Vers 20 sehen wir, wie er jeden Tag Ausschau nach seinem Sohn hielt. Eines Tages sieht er ihn von weitem kommen. Vers 20 sagt: „Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.“ Dieses Verhalten ist für deinen Patriarchen im Nahen Osten absolut unwürdig. Väter zur Zeit von Jesus rannten nicht. Kinder rannten natürlich aber nicht ihre Väter. Um zu rennen, musste man sein Gewand oder seinen Rock hochheben und seine Beine entblößen. Und das war so unangebracht. Aber der Vater im Gleichnis rannte. Und sein generelles Verhalten ist so voller Barmherzigkeit, voller Mitgefühl, Fürsorge und natürlich leidenschaftlicher Liebe. Manche Kommentatoren hatten deshalb angemerkt, dass dieser Vater viel mehr Ähnlichkeiten mit einer Mutter hatte, als mit einem typischen Vater.
Der Vater liebt nicht nur den jüngeren verlorenen Sohn. Auch die Art und Weise wie er mit seinem älteren verlorenen Sohn spricht, ist nicht weniger liebevoll. Der ältere Sohn hatte seinen Vater öffentlich gedemütigt, in dem er dem Fest fernblieb. Der Vater ging zu seinem Sohn hinaus und redete ihm zu. Nachdem der Vater von seinem Sohn blamiert wurde, demütigt er sich nochmals. Das ist nicht alles. Nachdem der ältere Sohn über seinen Bruder und seinen Vater geschimpft hatte, sagt der Vater in Vers 31: „Mein Kind, du bist immer bei mir und alles, was mein ist, ist auch dein.“ Der griechische Text verwendet das Wort teknon für „mein Kind“. Es ist eine sehr zärtliche und liebevolle Art mit seinem Sohn zu sprechen. Wie sind die Worte „alles, was mein ist, ist auch dein“ zu verstehen? Es entsprach sprichwörtlich der Wahrheit. Der jüngere Bruder hatte seinen Anteil versoffen. Alles, was der Vater hatte, gehörte jetzt dem älteren Bruder.
Wir dürfen nicht vergessen, dass Jesus uns drei Gleichnisse erzählt hat. Die ersten beiden Gleichnisse sind kurz, und das dritte ist viel ausführlicher. Aber es gibt noch einen wesentlichen Unterschied. Im Gleichnis vom verlorenen Schaf und der verlorenen Münze, gibt es einen Hirten oder es gibt eine Frau, die sich auf die Suche machen, bis das Verlorene gefunden ist. Aber im Gleichnis von den verlorenen Söhnen fehlt dieses Element. Der jüngere Sohn ist verloren, aber niemand macht sich auf den Weg, um ihn zu finden. Wessen Aufgabe wäre es gewesen? Und die Antwortet ist ziemlich eindeutig: der ältere Bruder hätte das tun müssen.
Vergangenes Jahr gab es auf Netflix eine Serie mit dem Titel „The Last Dance“. Sie handelt davon, wie Michael Jordan und die Chicago Bulls ihren letzten Titel gemeinsam gewonnen hatten. Im Team der Bulls gab es einen Spieler namens Dennis Rodman; er war immer für eine Provokation und einen Skandal gut. Wenn es einen Prototyp für den verlorenen Sohn gibt, dann ist er es. Eine NBA-Basketballsaison ist ziemlich intensiv und anstrengend. Und inmitten der Saison hatte Dennis Rodman einfach keinen Bock mehr. Er bat um Urlaub. Das ist ziemlich unerhört. Aber der Trainer Phil Jackson ist ein wenig wie der Vater im Gleichnis und gab Dennis 48 Stunden Sonderurlaub. Rodman flog sofort nach Las Vegas und feierte die ganze Zeit durch. Die zwei Tage waren schnell vorbei. Und natürlich kam er nicht zurück zum Training. Er kam auch am dritten Tag nicht zurück. Am vierten Tag war es Michael Jordan, der Super-Star und der Anführer des Teams, der sich auf den Weg machte. Er ging nach Las Vegas. Er suchte das Hotel auf, in dem Rodman untergebracht war. Er klopfte an der Tür und holte den verlorenen Sohn heim. Dennis Rodman erschien im Schlafanzug beim Training. Aber er war so davon angetan, dass er fortan alles für sein Team tat, um den Titel zu gewinnen. Michael Jordan war sprichwörtlich wie ein älterer Bruder für ihn. Ein guter älterer Bruder.
Unsere Beziehung zu Gott kann nur auf Kosten des älteren Bruders wiederhergestellt werden. Wir haben einen älteren Bruder. Jesus ist der ältere Bruder, der sich aufgemacht hat, das Verlorene zu suchen. Jesus ist der ältere Bruder, der seinen Reichtum, seinen Platz beim Vater aufgegeben hat, um uns wiederherzustellen. Aber es hat ihn nicht nur seinen Reichtum gekostet. Es hat Jesus alles gekostet, sein ganzes Leben. Jesus hat das Verlorene gefunden, indem er selbst verloren gegangen ist. Jesus ist der Hirte, der das verlorene Schaf heimgebracht hat, indem er selbst das Lamm geworden ist. Jesus ist der Sohn, der die verlorenen Kinder gerettet hat, indem er als Sohn verstoßen und verschmäht wurde.

Das Evangelium ist die frohe Botschaft, dass Jesus Christus durch seinen Tod und seine Auferstehung als König eingesetzt ist. Uwe Schäfer sagte einmal: „Unser Gott ist kein Despot, der die Unterwerfung der Menschen einfordert. Der Triumphzug des Gekreuzigten ist ein Siegeszug gewonnener und veränderter Herzen.“ Das Reich, das Jesus regiert, ist das Reich der Gnade. Die Herrschaft Jesu ist die Herrschaft der Gnade. Unser Text heute ist daher eine Einladung, im Land der radikalen Gnade zu leben. Die Gnade Jesu stellt alles auf den Kopf.
Ich möchte mit einem Zitat von James Danaher enden. Er schrieb: „In dieser Geschichte ist der ältere Bruder in der Tat gut, aber das stellt sich als nicht gut heraus. Der jüngere Bruder hingegen ist in der Tat böse, aber das stellt sich als gut heraus. Die Geschichte endet damit, dass der ältere Bruder sich weigert, an der Party teilzunehmen, die der Vater für den jüngeren Bruder, der nicht gut war, vorbereitet hat. Der ältere Bruder nimmt nicht teil, weil es ihm nicht gefällt, dass Böses so behandelt wird, als ob es gut wäre, und dass Gutes nicht so belohnt wird, wie es sein sollte. Der ältere Bruder denkt, dass der Vater nur Partys für gute Söhne geben sollte, und wir denken größtenteils genauso. … Menschen, die sich selbst als rechtschaffen sehen, hassen die Vorstellung eines Gottes, der den Sünder gegenüber dem Gerechten bevorzugt.“
Es ist so unglaublich schwer, im Land der Gnade zu leben. Alle unsere Titel, Orden, Auszeichnungen, Verdienste müssen draußen bleiben. Aber die Bürger dieses Landes sind nicht nur äußerlich Christen; sie sind es auch innerlich. Es gibt nichts Besseres und nichts Schöneres.

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Fragebogen: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will – Verwurzelt im Evangelium 4 – Lukas 15,11-32

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Zwei verlorene Söhne

Heute lesen wir Lukas 15,11-32

Das dritte Gleichnis, das Jesus in Lukas 15 erzählt, unterscheidet sich von den vorigen in mehrfacher Hinsicht. Was sind einige der wesentlichen Unterschiede?

Das dritte Gleichnis ist bekannt unter dem Namen „Das Gleichnis vom verlorenen Sohn“. Bei genauerer Betrachtung stellen wir aber fest, dass es Jesus um zwei verlorene Söhne ging, die er miteinander vergleicht und kontrastiert.
Inwiefern war der jüngere Sohn verloren?
Inwiefern war der ältere Sohn verloren?
Wer von den beiden findet Rettung?
Mit welchen von den beiden Söhnen können wir uns besser identifizieren?

Die Verlorenheit des älteren Sohnes ist weit weniger offensichtlich. Was sind die Implikationen dessen?
Was bedeutet das für uns und unsere Gemeinde?
Welche Hoffnung finden wir?

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Fragebogen: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will – Verwurzelt im Evangelium 3 – Lukas 15,1-10

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Sünder willkommen!

Heute lesen wir Lukas 15,1-10

Wie kontrastiert Lukas die beiden Gruppen von Menschen, die mit Jesus in den ersten beiden Versen zu tun haben? Ganz offensichtlich richten sich die beiden Gleichnisse an die Pharisäer und Schriftgelehrten und Jesus spricht hier viel von Freude. Warum Freude?

Vers 1 sagt, dass alle Zöllner und Sünder kamen, um Jesus zu hören. Wer sind die „Zöllner“ und „Sünder“ heute?
Warum scheinen so wenige von ihnen Interesse am christlichen Glauben zu haben?

Noch eine Frage zum Hirten, der das Verlorene Schaf sucht: was bedeutet Hirte im Zusammenhang mit dem Evangelium? Bitte unbedingt entsprechende Stellen aus dem AT hinzuziehen.
(Zur Erinnerung: das Evangelium ist die frohe Botschaft, dass Jesus durch seinen Tod und seine Auferstehung als der rechtmäßige König einsetzt ist).

 

 

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