Predigt: Lukas 24,1 – 53

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Begegnung mit dem auferstandenen Herrn

„Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“

Lukas 24,5b.6a

Während meiner Schulzeit am Gymnasium hatte ich evangelischen Religionsunterricht. Fünf Jahre lang wurde ich dabei von einem Lehrer unterrichtet, der auch Pfarrer der evangelischen Landeskirche war. Er war einer der nettesten Menschen in der Schule. Aber obwohl er Pfarrer war, glaubte er nicht an die Auferstehung Jesu. Die letzten zwei Jahre wurde ich von einem anderen Religionslehrer unterrichtet. So weit ich mich erinnere, glaubte er auch nicht auf die Auferstehung. Ich meine da ein gewisses Muster zu erkennen. Woran liegt das?

Gerd Lüdemann, ein umstrittener Theologie-Professor, hatte während seinem Studium die Beobachtung gemacht, dass manche Professoren zwar die Auferstehung Jesu predigten. Aber dann im Seminar, unter Zuhilfenahme von historisch-kritischen Methoden, kamen sie zum Schluss, dass Jesus nicht auferstanden ist. Er schrieb folgendes: „Beim Ostergottesdienst hieß es aus professoralem Mund, Jesus wurde von den Toten erweckt und zum Herrn über den Kosmos gemacht, indes lernten wir im Seminar über die Auferstehung Jesu: Jesus ist, historisch gesehen, gar nicht auferstanden; die Jünger haben ihn vielmehr in einer Vision gesehen. Das Grab Jesu war gar nicht leer, sondern voll. Mich bedrückte dieser scharfe Gegensatz zwischen Glauben und Wissenschaft sehr.“ Lüdemann war konsequent genug, den Glauben an Jesus ganz aufzugeben.

Und Gerd Lüdemann steht in der evangelischen Theologie damit nicht alleine da. Er steht in der Tradition von Theologen David Friedrich Strauss und Rudolf Bultmann. Bultmann glaubte auch nicht an die Auferstehung Jesu von den Toten. Für ihn ist Jesus lediglich in der Verkündigung oder in der Predigt auferstanden. Oder anders gesagt, Auferstehung ist nichts anderes als ein Symbol. Es ist die Botschaft, dass die Welt nicht untergeht; dass nach dem Gewitter wieder die Sonne scheint; dass nach dem Winter der Frühling kommt; dass auf die Nacht der Tag folgt. Oder Dominican Crossan, ein anderer bekannter Bibelkritiker sagte folgendes: „Emmaus ist niemals passiert. Emmaus passiert jeden Tag.“

Genau das ist es, was unser Text überhaupt nicht sagt. In Lukasevangelium wird Jesu Auferstehung nicht als Symbol sondern als historische Tatsache verkündigt. Und die Fragen, mit denen wir uns heute beschäftigen wollen, lauten: was ist dran an diesen Geschichten? Sind die Berichte glaubwürdig? Und falls ja, was bedeutet es für mich?

Unser Text ist ziemlich lang. Anstatt Vers für Vers und Abschnitt für Abschnitt durch den Text zu gehen, würde ich gerne vier Lehren aus dem Text ziehen. Die vier Punkte sind: erstens, die Auferstehung Jesus ist eine historische Tatsache; zweitens, die Auferstehung Jesu ist unser Schlüssel zum richtigen Verständnis der Schrift; drittens, die Auferstehung Jesu ist Teil von Gottes neuer Schöpfung; viertens, die Auferstehung Jesu verändert unsere Traurigkeit in unaussprechliche Freude.

Erstens, die Auferstehung Jesu ist eine historische Tatsache

Lukas präsentiert uns zwei Indizien, die stark dafür sprechen, dass die Auferstehung Jesu keine Legende, Fiktion oder Symbolik ist, sondern eine historische Tatsache. Das erste Indiz, das dafür spricht, ist das leere Grab.

Vers 1: es war der erste Tag der Woche. Die Jünger und die Frauen hatten gerade den schlimmsten Sabbat ihres Lebens gehabt. Die Frauen kamen zum Grab, um Jesus die letzte Ehre zu erweisen. Sie kamen mit wohlriechenden Ölen, um Jesus zu salben. Diese Öle hatten die Aufgabe, den schlimmen Verwesungsgeruch zu überdecken. Vielleicht fragen sich manche, warum das notwendig war. Es gab damals bei den Juden verschiedene Bräuche, wie Tote beerdigt wurden. In Jesu Fall wurde er in einer Höhle bestattet. Und diese Höhlen wurden nicht nur für einen Toten verwendet. Nach und nach würde man in solchen Höhlen weitere Familienmitglieder beerdigen. Und da es durchaus vorkommen konnte, dass die nächste Person beerdigt werden musste, bevor die vorigen Leichen verwest waren, wurden solche Salben und Öle verwendet.

Der erste Schock für die Frauen war, dass der Stein weggerollt war. Und schlimmer noch, als sie die Grabhöhle betraten, fanden sie Jesu Leichnam nicht. Und noch schlimmer, es erschienen Männer, von denen Matthäus sagt, dass es Engel waren, deren Gestalt wie der Blitz und deren Gewänder weiß wie Schnee waren. Und dann hörten sie die erste Osterbotschaft, die jemals gepredigt wurde: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“ Diese Worte haben seit dem Ostermorgen die ganze Welt verändert.

In allen vier Evangelien erfahren wir, dass Jesu Grab am Ostermorgen leer war. Das leere Grab ist eine Begebenheit, die von vielen Historikern, auch von denen, die nicht an Jesu Auferstehung glauben, angenommen wird. Der Grund dafür ist, dass es in der Stadt Jerusalem bekannt war, wo Jesus beerdigt wurde. Jerusalem wiederum war die Stadt, in der die christliche Bewegung ihren Anfang nahm und wo ziemlich bald viele tausende von Menschen anfingen, an Jesus als Auferstandenen zu glauben. Das hätte niemals passieren können, wenn Jesus noch im Grab gelegen hätte. Die religiösen Leiter hätten in diesem Fall einfach auf das Grab zeigen können und diese Bewegung unterbinden können. Aber sie konnten das nicht tun, weil das Grab leer war.

Das zweite Indiz, das für die Auferstehung als historische Tatsache spricht, sind die vielen Augenzeugen vom Auferstandenen. In allen Evangelien sind Frauen die ersten Menschen, die Jesu Auferstehung verkündigen. Maria von Magdala war die erste Frau, die den Auferstandenen sah und erlebte. Und das war ziemlich problematisch. In der damaligen Gesellschaft waren Frauen weder vor einem jüdischen noch vor einem römischen Gericht als Zeugen zugelassen. Ihr Zeugnis galt als nicht vertrauenswürdig. Die Erwähnung von Frauen als erste Zeugen machte die Geschichte der Auferstehung nicht stärker sondern schwächer. Um ein Beispiel dafür zu nennen: ungefähr 100 Jahre nachdem die Evangelien geschrieben wurden, gab es einen Philosophen namens Celsus, der das Christentum angriff. Celsus nannte Maria von Magdala eine hysterische Frau. Und er schrieb, dass ihre Erwähnung die Auferstehungsgeschichte unglaubwürdiger machte. Warum erwähnen die Evangelisten diese Frauen? Der einzige plausible Grund, weshalb die Evangelisten die Frauen erwähnten und damit in Kauf nahmen, dass sie ihre eigene Glaubwürdigkeit schwächten, war der, dass Frauen die ersten Zeugen waren!

Die anderen Augenzeugen, die Lukas erwähnt, sind die beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Und schließlich erwähnt Lukas, wie Jesus den 11 Jüngern begegnete. Das was diese Berichte so glaubwürdig macht, ist die Tatsache, dass die engsten Jünger, die Säulen und Pfeiler der christlichen Gemeinde, die Väter der christlichen Kirche, nicht an die Auferstehung glauben konnten, obwohl sie Jesus sahen. Die Jünger auf dem Weg nach Emmaus erkannten Jesus erst als er vor ihren Augen das Brot brach. Die 11 Jünger sahen Jesus mitten unter ihnen und erschraken und dachten, dass sie einen Geist sehen würden. Jesus antwortete darauf in Vers 38: „Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Seht meine Hände und meine Füße, ich bin’s selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe.“

Und danach konnten sie es immer noch nicht glauben. Und Jesus fragte sie, ob sie etwas zu essen hätten. Verse 42 und 43: „Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. Und er nahm’s und aß vor ihnen.“ Habt ihr euch jemals gefragt, warum der Text erwähnt, dass der Fisch gebraten war? Vermutlich kommt es uns deshalb nicht so seltsam vor, weil die meisten von uns moderne Romane gelesen haben. In Romanen ist es völlig normal, ständig viele Details zu lesen, die für die Geschichte an sich nicht wichtig sind, aber die dazu beitragen, dass die Geschichte lebendiger wirkt. In der Antike gab es keine Romane. Es gab Legenden und Mythen. Aber Legenden und Mythen erwähnten niemals unwichtige Details. Der Grund weshalb Lukas erwähnt, dass der Fisch gebraten war, ist folgender: Lukas verwendet Berichte von Augenzeugen, die vor Ort waren, als Jesus den Fisch vor ihren Augen aß. Sie wussten, dass der Fisch gebraten war, weil sie ihn selbst in die Pfanne geschmissen hatten.

Hier ist noch ein weiteres Anzeichen dafür, dass wir es mit Augenzeugen von Jesu Auferstehung zu tun haben. Viele Menschen haben sich die Köpfe darüber zerbrochen, warum die Evangelisten manche Personen beim Namen nennen und andere nicht. Warum erwähnt Markus, dass Simon von Kyrene, der Jesus das Kreuz trug, der Vater von Alexander und Rufus ist? Warum erwähnt Lukas akribisch die Namen der Frauen am Grab Maria von Magdala und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter und lässt andere Namen aus und schreibt nur „und die anderen mit ihnen“? Warum erwähnt Lukas den Namen von einem der Emmaus-Jünger und den anderen Jünger lässt er unerwähnt? Richard Bauckham hat ein herausragendes Buch mit dem Titel geschrieben: „Jesus und die Augenzeugen“. Und in diesem Buch argumentiert er, dass die Erwähnung dieser Namen wie Fußnoten sind. Lukas hatte sein Evangelium basierend auf Augenzeugenberichten geschrieben. Die namentlich erwähnten Menschen waren höchstwahrscheinlich Zeugen, die zum Zeitpunkt, als die Evangelien geschrieben wurden, noch am Leben waren. Die Leser wären in der Lage, diese Zeugen zu befragen. Es waren allesamt Zeugen, die bereit waren, für ihr Zeugnis zu sterben.

Der Stein vor dem Grab war weggerollt. Nicht, damit Jesus aus dem Grab herauskommen konnte. Sondern damit wir in das Grab hineingehen können und sehen können, dass das Grab leer ist. Jesu Auferstehung ist historische Tatsache.

Zweitens, die Auferstehung Jesu ist unser Schlüssel zum Verständnis der Schrift

Ein Aspekt, der mir erst dieses Mal aufgefallen ist, ist die Tatsache, wie oft Lukas in Kapitel 24 auf das Wort hinweist. Nachdem der Engel den Frauen verkündigt hat, dass Jesus auferstanden ist, sagt er: „Gedenkt daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war: Der Menschensohn muss überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen.“ Und wir lesen die Reaktion in Vers 8: „Und sie gedachten an seine Worte.“ Und ganz plötzlich müssen alle Worte Jesu in einem völlig neuen Licht erschienen sein. Plötzlich müssen sie erkannt und verstanden haben, worum es Jesus wirklich ging. Plötzlich wurden alte Wahrheiten für sie völlig neu und relevant.

Noch viel deutlicher wird das natürlich auf dem Weg nach Emmaus. Während die zwei Jünger an die schöne alte Zeit dachten, als Jesus noch unter ihnen war, trat Jesus zu ihnen. Und Jesus tat so, als ob er nicht wüsste, was sie besprachen: „Das klingt nach einer sehr interessanten Diskussion, die ihr gerade habt. Worüber genau redet ihr eigentlich?“ Kleopas Antwort folgt in Vers 18: „Lebst du eigentlich hinter dem Mond? Weißt du nicht, was passiert ist?“ Jesus fragt völlig unschuldig: „Was denn?“ Die Antwort: „Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Taten und Worten vor Gott und allem Volk; wie ihn unsere Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben. Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde.“ Und in diesem Satz sind die beiden so nahe an der Wahrheit und doch so fern. N.T. Wright schrieb in seinem Kommentar an dieser Stelle: „Kleopas verwirrte Aussage brauchte nur eine kleine Wendung, um es zu einer freudigen Aussage der frühen Christenheit zu machen. Aus ‚sie haben ihn gekreuzigt, aber wir hofften er würde Israel erlösen’ wurde bald: ‚sie haben ihn gekreuzigt und auf diese Weise erlöste er Israel.’ Und natürlich war es die Auferstehung, die den Unterschied ausmachte.“

Und dann erzählte Kleopas davon, dass das Grab leer war; dass Engel verkündigten, dass Jesus auferstanden war, und wie einige zum Grab gingen und sahen, dass es leer war und Jesus nicht sahen. Jesu liebevolle Antwort darauf: „Warum seid ihr so schwer von Begriff?“ Vers 27: „Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war.“ Die beiden Jünger hatten ein Verständnisproblem und ein Glaubensproblem. Und Jesu Antwort darauf war es, mit ihnen in der Bibel zu lesen. Aber es war nicht einfach nur irgendein Bibelstudium. Es war ein Bibelstudium, mit dem Ziel zu zeigen, dass Jesus die Erfüllung von allem ist, was in der Bibel geschrieben steht. Diese Stelle ist immer noch nicht alles.

Wir finden einen weiteren Verweis auf das von Jesus gesprochene und im AT geschriebene Wort in Vers 44 und folgenden. Jesus hatte den Jüngern gezeigt, dass er wirklich auferstanden ist. Er hatte vor ihren Augen gegessen. Danach sagte er dann: „Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, sodass sie die Schrift verstanden.“ Jesus und seine Auferstehung sind der Schlüssel, den wir brauchen, um die Schrift zu verstehen.

Erst dann macht die Geschichte von Abraham Sinn, der Isaak opfern sollte und dann doch nicht opfern sollte. Erst dann macht die Geschichte von Mose Sinn, der Israel ins verheißene Land führen sollte, und der diese Mission nicht erfüllen konnte. Erst dann macht das Opfersystem Sinn, mit dem Blut von Tieren, das für die Sünden der Israeliten sühnen sollte und das doch keine wahre Sündenvergebung bringt. Erst dann macht die Geschichte von Israel Sinn, die einen König haben wollten aber nicht sollten, obwohl es trotzdem im Gesetz vorgesehen war, und deren Könige sie später in die Fremdherrschaft führten. Erst dann macht die Geschichte von David’s Nachkommen Sinn, die verworfen wurden und doch nicht ganz verworfen wurden. Erst dann machen die Geschichten der Propheten Sinn, die ihr Volk zur Buße rufen sollten, was sie taten und doch scheiterten. Sie alle sind Hinweise, Zeiger und laute Rufe nach Jesus. Lukas 24 lehrt uns, dass die ganze Bibel eigentlich von Jesus handelt.

Ich bin mir nicht sicher, ob es sich hier in unserer Gemeinde herumgesprochen hat. Aber ich persönlich habe ein riesiges Herzensanliegen dafür, dass wir jeden Text in der Bibel mit Jesus im Zentrum lesen. Ich wünsche mir, dass in jeder Predigt und in jedem Bibelstudium, der Text auf solche Art und Weise beleuchtet wird, dass Jesus verkündigt wird. Ich wünsche mir, dass jeden Sonntag die frohe Botschaft von Jesus Christus gepredigt wird: sein Tod und seine Auferstehung, in der Kraft des Heiligen Geistes, mit dem Verständnis, das nur Gott uns schenken kann. Jesus hat die Bibel christozentrisch gelesen. Wir sollten die Bibel deshalb auch christozentrisch lesen.

Um nur ein einziges konkretes Beispiel erwähnen: wenn wir die Geschichte von David und Goliath lesen, gibt es ganz grob gesprochen zwei grundlegend verschiedene Art und Weisen wie wir das verstehen können. In der einen Art und Weise die Geschichte zu lesen, stellen wir folgende Fragen: wie können wir so sein, wie David? Wie können wir unseren Goliath herausfordern? Wie können wir so an Gott glauben und Gott so gehorchen wie David es uns vorgemacht hat? Es geht dann primär um uns. In der anderen Art und Weise, diese Geschichte zu lesen, stellen wir folgende Fragen: wie weist die Geschichte auf Jesus hin? Inwiefern ist David ein Typus für Christus? Was lehrt uns Davids Sieg über den wahren Sieg, den der wahre David über unsere wahren Feinde Sünde und Tod für uns errungen hat? Was ist die frohe Botschaft von Jesus Christus? Es geht dann primär um Jesus.

Ich möchte den ersten Ansatz nicht unbedingt schlechtreden. Er kann inspirierend sein. Man kann durch große Vorbilder in der Bibel viel lernen. Aber der zweite Ansatz ist der, wie Menschen wirklich verändert werden. Der zweite Ansatz ist der, wie Menschen wirklich geheilt und wirklich geheiligt werden. Der zweite Ansatz zeigt uns die unendlich große Barmherzigkeit und Liebe Gottes. Der zweite Ansatz ist der, den Jesus gebrauchte auf dem Weg nach Emmaus und bei den Aposteln.

Drittens, die Auferstehung Jesu ist Teil von Gottes neuer Schöpfung

In den Evangelien sehen wir einen weiteren interessanten Aspekt bezüglich der leiblichen Auferstehung von Jesus. Wir lesen mehrere Male, dass Jesus seinen Anhängern erschien, aber zunächst nicht erkannt wird. Die Emmaus Jünger erkannten ihn nicht. Vers 16 sagt, dass ihre Augen gehalten wurden, so dass sie Jesus nicht erkennen konnten. Die Jünger erkannten ihn nicht und dachten sie sähen einen Geist. In Johannesevangelium lesen wir, dass Maria von Magdala dachte, dass Jesus der Gärtner ist. Woran lag das? Die andere interessante Beobachtung ist die Art und Weise, wie Jesus plötzlich auftauchte. Verschlossene Türen waren kein Problem für Jesus. Er trat mitten unter den Jüngern auf. Und er verschwand direkt vor ihren Augen. Das sind Dinge, die er vor seiner Auferstehung nicht tat.

Aufgrund dessen haben viele Ausleger argumentiert, dass Jesu Leib nach seiner Auferstehung anders war. Oder anders gesagt, die Auferstehung von Jesus war keine Wiederbelebung des alten Körpers. Jesus hatte einen völlig neuen Körper mit neuen Eigenschaften. Paulus sagt dasselbe in 1. Korinther 15: „So auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft. Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib.“ Wenn Paulus von einem geistlichen Leib spricht, bedeutet es nicht, dass wir materielose Geister sein werden. Die vorigen Verse machen ganz deutlich, dass das nicht der Fall ist. Jesus hatte einen Körper, den man anfassen konnte. Jesus aß mit seinen Jüngern Fisch. Wir werden einen richtigen Körper haben. Unser jetziger Körper ist Teil der alten Schöpfung. Der neue Körper wird Teil der neuen Schöpfung sein. Jesu Auferstehung ist daher Teil der neuen Schöpfung Gottes. Oder wie Paulus sagte: der Erstling.

Wenn wir das NT lesen, dann sehen wir, dass die Hoffnung der ersten Christen nicht darin bestand, in den Himmel zu gehen. Ihre Hoffnung war die Auferstehung, wenn Gott Himmel und Erde einschließlich unserer Körper völlig neu macht. Ihre Hoffnung war eine neue Schöpfung. Diese Hoffnung ist dieselbe Hoffnung, die mit dem Gebet verbunden ist: „Dein Reich komme!“ Das Geheimnisvolle an der Auferstehung ist, dass sie völlig neu ist und auch eine Fortsetzung vom Alten. Jesus hatte einen völlig neuen Leib. Und doch konnte man seine Nägelmale sehen. Und so wird es auch bei uns sein, völlig neu und doch erkennbar wir. Wir werden einen herrlichen Köprer haben: den Körper, den wir immer haben wollten und nicht haben konnten; einen Leib, der nicht müde wird, der nicht alt wird, der nicht krank wird, der nicht kaputt geht und der vor allem nicht dick wird.

Weil wir diese Hoffnung haben, ist es nicht egal wie wir unser Leben führen. Weil die neue Schöpfung in irgendeiner Form eine Fortsetzung dieser Welt sein wird, ist es nicht egal, was aus dieser Welt wird. N.T. Wright schrieb folgendes: „Was du im Herrn tust, ist nicht vergeblich. Du bist nicht dabei, die Räder einer Maschine zu ölen, die von der Klippe rollt. Du bist nicht dabei ein großartiges Bild zu restaurieren, das bald ins Feuer geworfen wird. Du bist nicht dabei, Rosen in einem Garten zu pflanzen, die für eine Baustelle ausgehoben werden. Du bist gerade dabei … etwas zu vollbringen, was zu seiner Zeit ein Teil von Gottes neuer Welt werden wird. Jede Handlung aus Liebe und Dankbarkeit und Freundlichkeit; jedes Kunstwerk oder Musik, die von der Liebe Gottes und aus Freude an der Schönheit seiner Schöpfung inspiriert sind; jede Minute, die wir damit verbringen einem schwer behinderten Kind Lesen und Laufen beizubringen; jeder Akt der Fürsorge und Pflege, des Trostes und der Unterstützung; … und natürlich jedes Gebet, jedes Lehren, das vom Geist erfüllt ist, jede Tat, welche die frohe Botschaft verbreitet, die Gemeinde erbaut, … [und] den Namen Jesu in dieser Welt ehrt – alles das wird durch die Auferstehungskraft Gottes Eintritt finden in der neuen Schöpfung, die Gott eines Tages erschaffen wird.“

Viertens, die Auferstehung Jesu verwandelt unsere Traurigkeit in unaussprechliche Freude

Einen weiteren Punkt, den wir in Lukas 24 sehen, ist die innere Verwandlung der Menschen. Bevor die Charaktere dem Auferstandenen begegneten, waren sie niedergeschmettert, deprimiert, zutiefst traurig. Alle werden in diesem Kapitel verändert, so dass sie nicht mehr wiederzuerkennen sind. Die Frauen kamen früh am Morgen zum Grab. Wahrscheinlich hatten sie aus Trauer ohnehin nicht viel geschlafen. Und sie wurden die ersten Zeugen, auch wenn sie die Jünger nicht überzeugen konnten. Die Emmaus Jünger waren tief traurig. Wir lesen in Vers 17: „Da blieben sie traurig stehen.“ Aber nach ihrer Begegnung machten sie sich sofort auf nach Jerusalem, obwohl sich der Tag geneigt hatte, obwohl es draußen dunkel war, obwohl es gefährlich war in der Nacht zu reisen, obwohl der Weg weit war. Als die Jünger Jesus trafen, wurde ihre Traurigkeit zu Furcht und ihre Furcht zur Freude und aus ihrer Freude tiefes Vertrauen.

Die größte Veränderung sehen wir in den letzten Versen. Als sie sahen, wie Jesus aufstieg in den Himmel, fingen sie an Jesus anzubeten. Es ist das erste Mal im Lukas Evangelium, dass erwähnt wird, dass die Jünger Jesu ihn anbeteten. Alle Jünger Jesu waren Juden. Juden sind bis auf den heutigen Tag die letzten Menschen auf Erden, die auf die Idee kommen würden, einen anderen Menschen anzubeten. Aber die Jünger beteten Jesus an. Vers 53 sagt: „und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.“ Lukas Evangelium begann mit einem alten Priester im Tempel. Lukas Evangelium endet mit der ersten Gemeinde, die allezeit im Tempel Gottesdienst feiert und Gott lobt und anbetet. Wir sehen im ganzen Kapitel überfließende Freude und Begeisterung und Anbetung.

Das Erstaunliche aber war, dass sich außer der Auferstehung eigentlich nichts geändert hatte. Die Römer waren immer noch im Land. Pilatus war immer noch der skrupellose Statthalter von Judäa. Die religiöse Elite des Landes hasste Jesus immer noch. Die Menschen, die vor wenigen Tagen Jesu Blut gefordert hatten, waren immer noch da. Äußerlich hatte sich nichts verändert. Und gleichzeitig hatte sich mit der Auferstehung alles geändert. Gleiches gilt für unser Leben. Vielleicht ist es immer noch so, dass wir einen schlechten Job oder keinen Job haben; vielleicht haben wir immer noch gesundheitliche Probleme; vielleicht haben wir immer noch Beziehungsprobleme. Und vielleicht haben wir immer noch Sorgen weil das Geschäft nicht läuft, weil wir kein Geld haben, weil wir keinen Partner fürs Leben finden, weil unsere Kinder Probleme haben, weil das verlorene Kind immer noch verloren ist, weil Großbritannien aus der EU ausgetreten ist, weil sich die politische Lage in Europa immer mehr destabilisiert. Die Botschaft von Ostern ist, dass alles das zweitrangig und drittrangig ist. Die Botschaft von Ostern ist, dass am Ende des Tages alles gut werden wird. Das Grab ist leer. Jesus ist auferstanden. Das ist die Wahrheit, die der ganzen Welt eine neue Hoffnung gegeben hat.

John Ortberg sagte: „Freitag war der Tag, an dem Jesus starb. Freitag war der finsterste Tag der Geschichte. Und Sonntag ist der größte Tag der Geschichte. Am Sonntag wurde ein Stein weggerollt. Niemand hatte es kommen sehen…“ „Am Sonntag, beim allerersten Ostern wurde das Grab bezwungen; die Hölle wurde besiegt; die Finsternis wurde überwunden; der Teufel wurde degradiert. Hoffnung wurde rehabilitiert; die Propheten wurden bestätigt; die Soldaten wurden verärgert; die Jünger wurden belebt. Sünde verlor, Scham starb, [Furcht verging,] Freude stieg empor, und Liebe triumphierte.“

Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel? Das Grab ist leer. Jesus ist auferstanden. Lasst uns feiern und anbeten.

 

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Fragebogen: Lukas 24,1 – 53

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Jesu Auferstehung

„Musste nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“

(26)

1. Worüber waren die Frauen bekümmert, als sie zum Grab kamen (1-4a)? Wer trat zu ihnen und was verkündeten sie (4b-6a)? Woran erinnerten sie die Frauen (6b.7)? Wie konnten sie an die Auferstehung Jesu glauben, und wem gaben sie diese Nachricht weiter (8-10)? Wie reagierten die Jünger darauf (11.12)?

2. Wovon redeten die zwei Emmausjünger und wer ging mit ihnen (13-15)? Warum erkannten sie Jesus, der sie begleitete, nicht (16)? Was berichteten sie über Jesus (17-24)? Warum gingen sie heim, obwohl ihnen einige Frauen die Auferstehung verkündigt hatten?

3. Weshalb tadelte Jesus sie (25)? Wie hat die Schrift den Tod und die Auferstehung Jesu vorausgesagt (26.27; vgl. Ps 16,8-11)? Welche Bedeutung hat Jesu Leiden für uns (Jes 53,4-6)?

4. Wann wurden ihre Augen geöffnet, sodass sie Jesus erkennen konnten (28-31)? Jesus legte ihnen die Schrift aus. Wie wirkte dies in ihren Herzen (32)? Was taten sie danach (33-35)? Wie half Jesus ihnen dabei, den Auferstehungsglauben zu erlernen?

5. Wie bestätigte Jesus seinen Jüngern die Auferstehung (36-43)? Was ließ er sie dann erkennen (44-47)? Warum soll die Buße zur Sündenvergebung unter allen Völkern gepredigt werden? Welchen Sinn hat es, dass dies gerade in Jerusalem seinen Anfang nahm?

6. Wer soll diese Aufgabe tragen (48)? Wie konnten sie dies tun (49)? Was tat Jesus danach (50.51)? Wie wurden die Jünger Jesu verändert (52.53)?

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Predigt: Lukas 23,1 – 56

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Vater, vergib ihnen!

„Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“

(Lukas 23,34a)

Heute erreichen wir den Höhepunkt im Lukasevangelium, den Bericht über Jesu Tod am Kreuz. Jesu Tod am Kreuz ist ohne Zweifel die größte Offenbarung Gottes und das bedeutungsvollste Ereignis für die Menschheit in der Geschichte. Am Kreuz offenbaren sich Gottes Heiligkeit und Zorn über die Sünde und Verkehrtheit der Menschen und zugleich seine bedingungslos vergebende Liebe. Der Bericht von Lukas über Jesu Kreuzigung ist sachlich und nüchtern geschrieben, er verzichtet auf die Ausmalung von Details und, anders als Markus und Matthäus, sogar auf das Zitat von Prophezeiungen aus dem Alten Testament, die dabei in Erfüllung gingen. Lukas berichtet uns schlicht die Tatsachen, damit die Tatsachen für sich sprechen und uns helfen mögen, zu erkennen, was am Kreuz passiert ist. Möge Gott jeden von uns segnen, Jesu Tod am Kreuz neu wahrzunehmen und seine Bedeutung neu zu verstehen!

I. Jesus Verurteilung zum Tod (1-31)

Erinnern wir uns kurz an die Situation. Jesus war nach seinem Gebet in Gethsemane gefangen genommen und vor den Hohen Rat geführt worden. Als Jesus dort bekannte, dass er Gottes Sohn ist, wurde er wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tod verurteilt. Danach brachte die ganze Versammlung Jesus zu dem römischen Statthalter Pilatus, da nur dieser befugt war, Todesurteile zu vollstrecken. Die Vorwürfe, die man dort gegen ihn vorbrachte, waren ganz anderer Natur. Vers 2 sagt: „und fingen an, ihn zu verklagen, und sprachen: Wir haben gefunden, dass dieser unser Volk aufhetzt und verbietet, dem Kaiser Steuern zu geben, und spricht, er sei Christus, ein König.“ Die Juden warfen Jesus politische Vergehen vor, die nach dem Recht der Römer strafbar waren. Ihre Vorwürfe waren allesamt erlogen, außer, dass Jesus gesagt hatte, dass er der Christus sei. Pilatus ging interessanterweise nur auf diesen Vorwurf ein und fragte Jesus: „Bist du der Juden König?“ Jesus wusste, dass nur Pilatus ihn zum Tod verurteilen konnte. Er hätte ihm ausweichend antworten und so versuchen können, sein Leben zu retten. Aber Jesus antwortete auf Pilatus‘ Frage klar: „Du sagst es“ (3b). Aber Pilatus erkannte, dass Jesu Königtum nicht politischer Natur ist; vom Johannesevangelium her wissen wir, dass Jesus ihm erklärt hat, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist. Daher sagte Pilatus zu den Hohenpriestern und zum Volk: „Ich finde keine Schuld an diesem Menschen“ (4). Aber die Juden wurden noch ungestümer und sprachen: „Er wiegelt das Volk auf damit, dass er lehrt hier und dort in ganz Judäa, angefangen von Galiläa bis hierher“ (5).

Als Pilatus hörte, dass Jesus aus Galiläa war, sandte er ihn zu dem Landesfürsten Herodes, der sich gerade in Jerusalem aufhielt. Offenbar wollte er gern die Entscheidung über Jesus vermeiden und hoffte, dass Herodes sie ihm zumindest leichter machen würde. Aber Herodes interessierte sich nicht für die Wahrheit, sondern nur dafür, von Jesus ein Wunderzeichen zu sehen, doch Jesus antwortete ihm nichts auf seinen vielen Fragen. Pilatus rief nochmals die Hohenpriester, die Ältesten und das Volk zusammen und fasste das Ergebnis seiner Untersuchungen wie folgt zusammen: „Ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht als einen, der das Volk aufwiegelt; und siehe, ich habe ihn vor euch verhört und habe an diesem Menschen keine Schuld gefunden, derentwegen ihr ihn anklagt. Herodes auch nicht, denn er hat ihn uns zurück­gesandt. Und siehe, er hat nichts getan, was den Tod verdient. Darum will ich ihn schlagen lassen und losgeben“ (14-16). In Vers 22 sagte Pilatus zum dritten Mal zu ihnen: „Was hat denn dieser Böses getan? Ich habe nichts an ihm gefunden, was den Tod verdient; darum will ich ihn schlagen lassen und losgeben.“ Hier sehen wir Pilatus große Bemühungen, Jesus freizulassen. Als der oberste Richter in Judäa hätte Pilatus Jesus eigentlich ohne weiteres freisprechen können. Aber er scheute sich offenbar vor Problemen mit den Juden, mit denen er für seine weitere Regierung zusammenarbeiten musste. Er wollte Jesus nicht gerne verurteilen, aber er wollte auch seine weitere Karriere nicht gefährden. Daher stellte er sich nicht klar auf die Seite der Wahrheit, sondern suchte einen Kompromiss, der keine Nachteile für ihn beinhalten würde. Das zeigt sich besonders darn, dass er Jesus „schlagen lassen und losgeben“ wollte, obwohl er Jesu Unschuld erkannt hatte. Dadurch dass er Jesus zuerst geißeln ließ, wollte er den Hass der Juden auf Jesus mildern und ihr Mitleid erreichen, damit sie seiner Freilassung zustimmen würden. Wegen seiner unklaren Haltung konnte Pilatus dem Druck der Juden nicht auf Dauer standhalten. Die Verse 23-25 berichten: „Aber sie setzten ihm zu mit großem Geschrei und forderten, dass er gekreuzigt würde. Und ihr Geschrei nahm überhand. Und Pilatus urteilte, dass ihre Bitte erfüllt werde, und ließ den los, der wegen Aufruhr und Mord ins Gefängnis geworfen war, um welchen sie baten; aber Jesus übergab er ihrem Willen.“ Schließlich verurteilte Pilatus Jesus zum Tod. Er wurde der Mann, von dem Hunderte Millionen von Christen jeden Sonntag bekennen „gelitten unter Pontius Pilatus“ und so seine Schuld bekennen. Jesus wurde unschuldig zum Tod verurteilt.

Was geschah dann? Betrachten wir die Verse 26-31. Jesus wurde abgeführt und musste sein Kreuz zur Hinrichtungsstätte tragen. Vers 26 sagt: „Und als sie ihn abführten, ergriffen sie einen Mann, Simon von Kyrene, der vom Feld kam, und legten das Kreuz auf ihn, dass er’s Jesus nachtrüge.“ Dass die rauen römischen Soldaten einen Passanten zwangen, Jesus das Kreuz nachzutragen, zeigt, dass Jesus offensichtlich nicht mehr in der Lage war, das Kreuz zu tragen. Jesus war die ganze Nacht durch bis zum Morgen verhört, geschlagen und gegeißelt worden und dadurch körperlich extrem geschwächt. Er muss unter der schweren Kreuzes mehrmals zusammengebrochen sein, bis die Soldaten einsehen mussten, dass es so kein Weiterkommen mehr gab. Dann zwangen sie Simon, einen Mann aus Kyrene, Jesus das Kreuz nachzutragen. Simon wurde dadurch unmittelbar ein Zeuge des Leidens und der Kreuzigung Jesu. Nach Angaben im Markusevangelium und im Römerbrief kamen er und seine ganze Familie zum Glauben an Jesus.

Welches Gespräch gab es auf dem Weg nach Golgatha? Betrachten wir die Verse 27-31: „Es folgte ihm aber eine große Volksmenge und Frauen, die klagten und beweinten ihn. Jesus aber wandte sich um zu ihnen und sprach: Ihr Töchter von Jerusalem, weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über eure Kinder. Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in der man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht genährt haben! Dann werden sie anfangen zu sagen zu den Bergen: Fallt über uns!, und zu den Hügeln: Bedeckt uns! Denn wenn man das tut am grünen Holz, was wird am dürren werden?“ Hier sehen wir, dass Jesus selbst auf dem Weg zu seiner Hinrichtungsstätte nicht an sich selbst, sondern an die anderen Menschen dachte. Obwohl Jesus große Schmerzen hatten und ihm das Schlimmste noch bevorstand, hatte er große Schmerzen im Herzen wegen der Lage seines Volks. Die Frauen bemitleideten ihn als einen jungen Mann, der viel zu früh sterben musste. Vielleicht erkannten sie auch, dass er ohne Schuld starb. Aber sie erkannten ihre eigene Lage vor Gott nicht! Sie sahen nicht ein, dass sie wegen in ihrer Sünde verloren waren und dass ihnen Gottes Gericht bevorstand. Jesus wusste, dass bald die ganze Stadt Jerusalem zerstört würde und die Menschen lieber keine Kinder haben würden als auch ihre Kinder leiden sehen zu müssen. Jesus wollte ihnen zu helfen, sich selbst und das Gericht, das ihnen bevorstand, zu erkennen, damit sie Buße tun und gerettet werden könnten. In seinem warnenden Wort am Schluss steht das „grüne Holz“ für Jesus selbst, das „dürre“ für die Menschen in Jerusalem. Wenn Jesus, der unschuldig war, so leiden musste, wie schlimm würde das Leiden derjenigen sein, die das Gericht verdient hatten. So setzte sich Jesus bis zu den letzten Momenten seines Lebens dafür ein, Menschen zu helfen, ihre Lage vor Gott zu erkennen, damit sie umkehren und gerettet werden könnten. Jesu Worte an die Frauen zeigt auch, wie verkehrt und wie uneinsichtig wir Menschen sind und warum Jesus für uns sterben musste.

II. Jesus am Kreuz (32-49)

Betrachten wir die Verse 32 und 33. „Es wurden aber auch andere hingeführt, zwei Übeltäter, dass sie mit ihm hingerichtet würden. Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken.“ Der ganze Zug kam bis zu der Hinrichtungsstätte, die den unheimlichen Namen „Schädelstätte“ trug. Lukas berichtet schlicht, dass als sie ankamen, sie Jesus kreuzigten. Wie wir wissen, war die Kreuzigung die qualvollste und schändlichste Hinrichtungsart damals. Dabei wurde der Verurteilte ausgezogen und auf das Kreuz gelegt, und lange Nägel wurden durch seine Hände und durch seine über­einandergelegte Füße getrieben. Dann wurde das Kreuz aufgerichtet. Jesus hing mit seinem ganzen Körpergewicht an den drei Nägeln. Jeder Atemzug war unerträglich und jeder Moment eine Qual. Über seine Qual am Kreuz heißt es schon im Psalm 22,15-16: „Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, alle meine Knochen haben sich voneinander gelöst; mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs. Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt mir am Gaumen, und du legst mich in des Todes Staub.“

Man kreuzigte Jesus zwischen zwei Schwerverbrechern, um ihn als einen schlimmen Verbrecher darzustellen. Jesus litt unvorstellbar, als er sechs Stunden lang am Kreuz hing. Dabei litt Jesus auch seelisch und geistlich unvorstellbar, weil er am Kreuz von Gott verlassen wurde. Markus berichtet über Jesu Schrei am Kreuz: „Und zu der neunten Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mk 15,34). Jesu schlimmsten Qualen am Kreuz waren wohl seine seelischen und geistlichen Qualen, weil er von Gott verlassen wurde. Kein Mensch auf der Erde hat je erfahren müssen, von Gott völlig verlassen zu sein. Paulus bezeugte, dass keinem von uns Gott fern ist. Er liebt jeden Menschen, der über diese Erde geht, und lässt seine Sonne über Gerechte und Ungerechte aufgehen. Aber als Jesus am Kreuz die Sünde der Welt auf sich nahm und trug, musste Gott sich von ihm abwenden. Jesus, der mit dem Vater immer in engster Verbindung gelebt hatte und mit ihm eins war, wurde am Kreuz von Gott völlig verlassen.

Wofür betete Jesus am Kreuz? Vers 34a berichtet: „Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Jesus betete am Kreuz, aber nicht für sich selbst. Jesus bat den Vater um Vergebung für die, die ihn ohne Schuld umbrachte, ohne zu wissen, was sie damit taten. Jesus war nicht voll Zorn, Hass oder Rache, sondern voller Liebe und Barmherzigkeit. Wir wollen über sein Gebet näher nachdenken.

Dieses Gebet ist das erste der sieben Worte, die Jesus am Kreuz sprach, und es ist das, von dem nur Lukas uns berichtet. Hier bat Jesus zum Vater für die Vergebung der Menschen, die nicht wussten, was sie tun. Jesus betete also für die Soldaten, die ihn ans Kreuz genagelt hatten, ohne zu wissen, dass sie hier den Sohn Gottes töteten. Es war auch ein Gebet für das Volk, das trotz vieler Zeichen für Jesu Identität blind war und seinen Tod lauthals gefordert hat. Aber Jesus betete nicht nur für die Menschen, die ihn unmittelbar ans Kreuz brachten. Jesu Bitte war ein Gebet für die Vergebung aller Menschen, die sündigen und dabei nicht wissen, was sie tun. Jesus betete hier als der wahre Hohepriester, der die Vergebung und die Versöhnung aller Menschen mit Gott erwirkte. Der Zusatz „denn sie wissen nicht, was sie tun“, kann uns wie eine Einschränkung erscheinen. Aber Jesu Bitte gilt weitergehend, als wir vielleicht meinen. Natürlich dürfen wir nicht mutwillig sündigen, d.h. wissentlich Böses tun und dabei auf Jesu Gnade spekulieren. Aber wenn wir zum Beispiel jemandem eine Halb- oder Unwahrheit gesagt haben, um Probleme für uns zu vermeiden, oder jemanden lieblos behandelt haben oder eine andere Sünde begehen, dann mögen wir wissen, dass wir gesündigt haben, weil unser Gewissen es uns bezeugt. Aber auch dann gilt Jesu Gebet für uns, denn wir wissen nicht, was wir Gott damit in Wirklichkeit mit unserer Sünde antun.

Woher können wir wissen, dass Jesu Gebet vom Vater erhört wurde? Jesu Bitte um Vergebung hatte großes Gewicht, weil er der Sohn Gottes ist, der selbst Gott ist und mit dem Vater eins ist. Jesu Bitte traf genau Gottes Vaterherz, der den Menschen gern vergeben will. Vor allem konnte Jesu Gebet von dem heiligen und gerechten Gott erhört werden, weil Jesus während seinem Gebet am Kreuz hing und erfüllte, was der Prophet Jesaja gesagt hat: „Fürwahr, er trug unsre Sünden und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Sünden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn“ (Jes 53,4-7). Jesu Gebet für unsere Vergebung wurde und wird erhört, weil Jesus am Kreuz unsere Sünde auf sich selbst genommen und die Strafe dafür bezahlt hat. Jesu Gebet und sein Tod am Kreuz brachten so die Wende unseres Schicksals. Bis dahin stand jeder unter der Verdammnis wegen seiner Sünde. Niemand kann seine Sünde ungeschehen oder wiedergutmachen. Sünde hat jeden Menschen schuldig gemacht, und mit der Schuld wuchs auch das Ausmaß an Sünde im Leben. Aber durch Jesu Gebet, das er sterbend am Kreuz sprach: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“, wurde alles anders. Auf Jesu Gebet hin strömt die Sündenvergebung zu allen, die seine Gnade annehmen. Gleich wie groß unsere Sünde auch sein mag, wird sie von Gott vergeben, wenn wir sie vor ihm bekennen, weil Jesus am Kreuz für unsere Vergebung gebetet und die Strafe selbst getragen hat. Wegen seinem Gebet und seinem Opfer am Kreuz kann jeder all seine Sünden vergeben bekommen und Gottes eigenes Kind und Erbe seines Reiches werden. Welche Liebe hat Jesus uns am Kreuz erwiesen; und welcher Segen geht davon aus! Dadurch haben wir eine feste unerschütterliche Grundlage für unsere Beziehung zu Gott und unser ewiges Leben mit ihm. Wenn wir diese Gnade angenommen haben, dürfen wir wirklich immer fröhlich sein und Gott unter allen Umständen danken. Wenn du diese Gnade noch nicht angenommen hast, dann höre die Stimme Jesu, der am Kreuz auch für dich gebetet hat: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Wo gibt es größere Liebe? Hier ist seine bedingungslose Liebe und seine Rettung zum ewigen Leben greifbar. Lass Jesu Gebet für dich nicht vergeblich gewesen sein, sondern nimm seine Liebe an!

Wie reagierten die Menschen, als Jesus am Kreuz hing? Betrachten wir die Verse 34-37: „Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum. Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes. Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber!“ Die Soldaten reagierten kalt und herzlos. Sie interessierten sich nur für den kleinen materiellen Gewinn, den sie haben könnten, und losten um Jesu Kleider, während Jesus über ihnen am Kreuz hing und mit dem Tod rang. Die Oberen der Juden freuten sich, dass sie ihren vermeintlichen Feind sterben sahen, und verspotteten ihn zynisch, sodurch ihre Ignoranz und Bosheit zum Ausdruck kam. Sogar die römischen Soldaten verspotteten Jesus.

Betrachten wir auch Vers 38. Über Jesus am Kreuz war auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König.“ Die Aufschrift war damals eine Schuldschrift, die da Verbrechen des Gekreuzigten zeigen sollte. Das Schild über Jesus zeigte, dass Jesus ohne Schuld starb. Es verkündete öffentlich die Wahrheit, dass Jesus der König der Juden ist, der Messias.

Jesus starb am Kreuz nicht wegen eigener Schuld, sondern weil er der Messias ist, der kam und starb, um uns Menschen zu retten.

Betrachten wir die Verse 39-43. Einer der Verbrecher, die neben Jesus am Kreuz hingen, lästerte ihn und sagte: „Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!“ Seine Worte zeigen keine Einsicht in seine Sünden noch Reue. Er konnte auch keine ernsthafte Bitte an Jesus richten, weil er nicht wirklich glaubte, dass Jesus sich selbst geschweige denn ihm helfen könnte. Angesichts seines Todes war er voller Sarkasmus.

Was sagte daraufhin der andere Verbrecher neben Jesus? Es heißt: „Da wies ihn der andere zurecht und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan“ (40.41). Dieser Mann versuchte nicht, sich zu rechtfertigen noch klagte er die anderen an, sondern er erkannte an, dass er die Todesstrafe verdient hatte. Auch er hatte Jesus neben sich beobachtet und gesehen, wie er seine Leiden ertrug, ohne zu klagen oder zu verfluchen, er hatte gehört, wie Jesus für die Vergebung der anderen gebetet hatte. Er erkannte, dass Jesus anders war und dass er nichts Unrechtes getan hat. Schließlich sagte er: „Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ (42) Er bat Jesus darum, sich an ihn zu erinnern, wenn er in sein Reich kommt. Er glaubte, dass Jesus nach seinem Tod nicht einfach in der Erde verwesen würde, sondern begriff, dass er der wahre König ist, den Gott verheißen hatte, der nicht wegen eigener Schuld starb und der nach seinem Tod in sein ewiges Reich einziehen würde. Und er glaubte nicht nur allgemein, sondern fasste den Mut, Jesus persönlich um seine Gnade und Rettung für sich zu bitten. Mit dieser Bitte legte er sein ganzes Schicksal in Jesu Hand.

Wie reagierte Jesus auf seine Bitte? Betrachten wir Vers 43: „Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Jesus nahm seine Bitte voll an. Ohne zu zögern und ohne irgendeine Bedingung versprach Jesus ihm, dass er mit ihm heute im Paradies sein würde. Wegen seines schlichten Glaubens wurde der Mann der Erste, der durch das Schauen auf Jesus am Kreuz gerettet wurde.

Was zeigt Jesu Gespräch mit diesem Mann – warum wird es von Lukas so ausführlich berichtet? Als Jesus am Kreuz hing und starb, sah es so aus, als ob die Bosheit der Menschen über das Gute gesiegt hätte. Die Menschen brachten in ihrer Blindheit tatsächlich den einzig Gerechten und Heiligen um und töteten den Sohn Gottes, der zu ihrer Erlösung gesandt war, am Kreuz. Und all der Spott und die Lästerung, die sie Jesus am Kreuz entgegenbrachten, zeigt etwas von dem Maß der Ignoranz und abgrundtiefen Verkehrtheit und Bosheit. Als Jesus am Kreuz hing und starb, schien die Finsternis endgültig über das Licht gesiegt zu haben und Gottes Erlösungswerk gescheitert zu sein. Aber Jesu Gebet am Kreuz und seine Worte an den Verbrecher werfen ein helles Licht auf die Wirklichkeit, die dahinter steht. In Wirklichkeit geschah gerade, als Jesus am Kreuz hing und starb, Gottes Wille und Werk zur Erlösung der Menschheit. Als die ganze Bosheit und Sünde der Menschen ihren Gipfel erreichte, nahm Jesus die ganze Sünde auf sich und bezahlte selbst die Strafe dafür am Kreuz. Der Freispruch des Verbrechers am Kreuz zeigt, dass nun alle Menschen gerettet werden, die ihre Sünde zugeben und an Jesus persönlich glauben. Durch Jesu Tod am Kreuz ist Errettung für alle Menschen möglich. Das Kreuz, das wie die größte Niederlage Jesu aussah, bedeutet also in Wirklichkeit den entscheidenden Sieg über die Sünde und die unausweichliche Strafe für uns Menschen. Das Kreuz, das den Tiefpunkt der Menschheit darzustellen scheint, wurde der Wendepunkt für das Schicksal aller Menschen. Und bereits am Kreuz wird durch die Reaktionen der beiden Mitgekreuzigten deutlich, dass es darauf ankommt, wie die Menschen auf Jesu Kreuz reagieren: ob uneinsichtig, ohne Bereitschaft, die eigene Schuld und Sünde zuzugeben, ohne Glauben an Jesus; oder mit Einsicht in die eigene Schuld und Vertrauen auf Jesus und sein Sterben am Kreuz für uns. Am Kreuz wird Gottes Liebe und sein Heilswerk klar offenbart. Am Kreuz ist auch unsere Entscheidung gefragt. Lasst uns Jesu Opfer nicht ignorieren oder verachten, der aus Liebe zu uns gelitten und den Tod auf sich genommen hat, um uns zu erlösen. Lasst uns Jesu Opfer annehmen und mit ihm auf ewig im Paradies sein! Lasst uns aus dieser Gnade jeden Tag neu dankbar und fröhlich für ihn leben.

Welche Ereignisse geschahen, während Jesus starb? Betrachten wir die Verse 44 und 45: „Und es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei.“ Als Jesus sterbend am Kreuz hing, wurde es mitten am Tag drei Stunden lang dunkel. Gott verhüllte den Schein der Sonne. Die Finsternis drückt etwas von der geistlichen Finsternis dieser Stunden aus. Sie gibt uns auch eine Ahnung von Gottes Trauer und Schmerz, als sein geliebter Sohn starb.

Als Jesus am Kreuz starb, riss auch der Vorhang im Tempel mitten entzwei. Der Vorhang trennte das Allerheiligste vom Heiligtum ab und symbolisierte die Trennung zwischen dem heiligen Gott und den sündhaften Menschen. Wie wir wissen, durfte nur der Hohepriester einmal im Jahr hinter der Vorhang gehen und dort Gott um Vergebung für die verborgenen Sünden des Volkes bitten, nachdem er für seine eigenen Sünden Opfer gebracht hatte. Dass dieser Vorhang nun zerriss, zeigt, dass durch Jesu Tod am Kreuz die Trennung zwischen dem heiligen Gott und uns Menschen aufgehoben ist. Hebräer 10,19.20 sagt: „Weil wir denn nun, liebe Brüder, durch das Blut Jesu die Freiheit haben zum Eingang in das Heiligtum, den er uns aufgetan hat als neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, das ist: durch das Opfer seines Leibes“. Weil Jesus sich selbst für uns am Kreuz hingab, haben wir nun Freiheit, zu Gott zu kommen, wie wir sind. Durch Jesus dürfen wir seine Gnade der Vergebung und Reinigung jederzeit und in vollem Maß empfangen und können so in wahrer Gemeinschaft mit ihm leben.

Wie starb Jesus schließlich? Vers 46 berichtet: „Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er.“ Jesus befahl seinen Geist in Gottes Hände und verschied. Jesus starb nicht verzweifelt oder hilflos, sondern er vertraute trotz aller Schmerzen und Not bis zum Ende auf Gott. Weil er bis zum Ende glaubte, wurde sein Tod zu einem geistlichen Sieg.

Was bekannte der Hauptmann, der Kreuzigung Jesu beaufsichtigte? Vers 47 sagt: „Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch gewesen!“ Der Hauptmann hatte die Kreuzigung von Dienst wegen beobachtet. Er muss ein erfahrener, bewährter Soldat gewesen sein, der schon viele Menschen sterben gesehen hatte. Aber als er sah, wie Jesus am Kreuz litt und starb, ohne zu klagen und zu fluchen, als er hörte, dass Jesus für die anderen betete, sah er etwas von Jesu Heiligkeit. Als er auf das Kreuz schaute, erkannte er, dass Jesus ein frommer Mensch gewesen ist. Nach dem Bericht im Markusevangelium erkannte er, dass Jesus Gottes Sohn gewesen ist. Er wurde der zweite Mensch, der durch das Schauen auf das Kreuz zum Glauben an Jesus kam.

Wie reagierten die anderen Menschen, die Jesu Kreuzigung beiwohnten? Es heißt weiter: „Und als alles Volk, das dabei war und zuschaute, sah, was da geschah, schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten wieder um. Es standen aber alle seine Bekannten von ferne, auch die Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen das alles“ (48.49). Das Volk schlug sich an die Brust, als sie nach Hause gingen, was als ein Ausdruck der Betroffenheit und Traurigkeit war. Trotz ihrer unklaren Haltung gegenüber Jesus waren sie von seinem Tod ergriffen. Jesu Bekannten standen von ferne und beobachteten auch, wie Jesus am Kreuz starb. Sie wurden kostbare Augenzeugen, die Jesu Tod bezeugen konnten.

III. Jesu Begräbnis (50-56)

Wie wurde Jesus begraben? Betrachten wir die Verse 50-56: „Und siehe, da war ein Mann mit Namen Josef, ein Ratsherr, der war ein guter, frommer Mann und hatte ihren Rat und ihr Handeln nicht gebilligt. Er war aus Arimathäa, einer Stadt der Juden, und wartete auf das Reich Gottes. Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu und nahm ihn ab, wickelte ihn in ein Leinentuch und legte ihn in ein Felsengrab, in dem noch nie jemand gelegen hatte. Und es war Rüsttag und der Sabbat brach an. Es folgten aber die Frauen nach, die mit ihm gekommen waren aus Galiläa, und beschauten das Grab und wie sein Leib hineingelegt wurde. Sie kehrten aber um und bereiteten wohlriechende Öle und Salben. Und den Sabbat über ruhten sie nach dem Gesetz.“ Josef von Arimathäa war ein Mitglied des Hohen Rats, der aber persönlichen Glauben hatte. Er wurde durch Jesu Tod so ermutigt, dass er es wagte, Pilatus um den Leib Jesu zu bitten und sich so als ein Jünger Jesu zu outen. Er wickelte Jesu Leichnam in ein Leinentuch und legte ihn ein Felsengrab und sorgte so für ein anständiges Begräbnis für ihn. Lukas erwähnt nochmals die Frauen, die Jesus treu bis zur Grabstätte nachfolgten. Sie wurden so die Augenzeugen seines Begräbnisses und konnten wenig später auch die Zeugen seiner Auferstehung werden.

Heute haben wir betrachtet, wie Jesus ohne Schuld gekreuzigt wurde und für uns gebetet hat: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Lasst uns seine Gnade annehmen und aufgrund dessen für immer mit ihm leben!

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Fragebogen: Lukas 23,1 – 56

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Vater, vergib ihnen!

„Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“

(34a)

1. Mit welchen Anschuldigungen haben sie Jesus verklagt (1-5)? Was sagte Pilatus wiederholt (4.14.15.22)? Was tat er schließlich und was zeigt das über ihn (16.22-25)?

2. Wer musste das Kreuz Jesu nachtragen und warum (26)? Wer folgte Jesus und was taten sie? Was sagte Jesus zu ihnen und was bedeutet das (28-31)?

3. Warum kreuzigten sie Jesus zwischen zwei Übeltätern (32.33)? Wie litt Jesus körperlich und seelisch am Kreuz (Mk 15,34; Ps 22,15.16)? Was war Jesu Gebet am Kreuz (34a)? Wie reagierten die Umstehenden (34b-37)? Auf welcher Grundlage konnte er für sie beten (Jes 53,4-6)? Was bedeutete die Aufschrift „Dies ist der Juden König“ (38)?

4. Welche unterschiedliche Betrachtungsweise hatten zwei Übeltäter ihren Taten und Jesus gegenüber (39-42)? Worum bat der eine der Übeltäter Jesus und was zeigt das über ihn (42)? Wie nahm Jesus seine Bitte an (43)?

5. Welche Ereignisse geschahen, während Jesus starb (44-45)? Was bedeutet es, dass der Vorhang des Tempels mitten entzweiriss (45; Hebr 10,19.20)? Was rief Jesus zuletzt und was bedeutet das (46)?

6. Was bekannte der Hauptmann (47)? Wer sah außerdem, wie Jesus starb (48.49)? Was für eine Bedeutung hat der Tod Jesu für uns? Wer war Josef und was tat er für Jesus (50-54)? Was bereiteten die Frauen vor (55.56)?

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