Predigt: Johannes 21,1 – 17 (Sonderlektion – Ostern 2018)

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Der gegrillte Fisch

„Da sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr, als mich diese lieb haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer!“

Joh 21,15

Heute geht es nicht um eine Kochrezeptvorstellung. Es geht die Offenbarung des auferstandenen Jesus. Dennoch möchte ich mit einer Essensgeschichte beginnen. Einige wissen schon, dass ich Spiegelei mag. Davon kann ich Unmengen essen. Ein Essen wird zu einem Lieblingsessen einfach dadurch, weil es so gut schmeckt. In meinem Fall hat es aber nicht allein mit dem Geschmack zu tun, sondern es hat noch einen anderen Hintergrund. Ich habe 5 Schwestern. In der Schulzeit mussten 4-5 Kinder zur Schule zum Essen etwas mitnehmen. Manche nicht nur zum Mittagessen, sondern auch zum Abendessen. Frühmorgens stapelte sich ein hoher Turm von Essensdosen in der Küche. Wegen der großen Menge an Essensdosen hatte Mama keine Zeit, noch extra Beilagen vorzubereiten. Daher gab es als Beilage meistens nur Kimchi, das schon vor Monaten eingelegt worden war. Schüler müssen sich auskennen, wie es um ihr Pausenbrot geht. Es ist nicht nur eine Mahlzeit, sondern es geht um ihr Ansehen. Mindestens war es so in meiner Schulzeit. Wer etwas Besonderes zum Essen mitbrachte und andere davon kosten ließ, bestimmte oft einiges in der Pausenstunde. Ich hatte meistens schlechte Karten, weil Mama dafür keine Zeit hatte. Stellt euch vor. Einmal habe ich in den frühen Morgenstunden gesehen, dass Mama die schöne Eierrollen als Mittagsbeilage eingepackt hat. Der Schulweg war so kurz wie meine Geduld und bis zur Pause wurde mir das Warten lang. Gleichzeitig mit dem Gong der Mittagspause präsentierte ich mein Mittagessen stolz auf dem Schultisch. Als meine Mitschüler vorbei schauten, bestimmte ich mit meiner Stimme, wer etwas davon probieren durfte. Bis heute schmecken mir deshalb Eier so gut und Spiegelei bleibt mein Lieblingsessen. Bestimmt habt ihr solches Lieblingsessen mit einem bestimmten Hintergrund, oder?

Heute bekam Petrus die besondere Mahlzeit seines Lebens. Für ihn als Fischer war ein Fischgericht nicht besonderes, aber den gegrillten Fisch am See Tiberias konnte er nie mehr vergessen, weil er ihn von dem auferstandenen Jesus liebevoll serviert bekam. Vor allem nahm er bei diesem Frühstück die Liebe Jesu von Herzen fest an und gab ihm sein Liebesbekenntnis.

„Kommt und haltet das Mahl!“ (1-14)
Betrachten wir den Text. Der auferstandene Jesus offenbarte sich den Jüngern am See Tiberias. Jesus offenbarte sich bereits zum zweiten Mal. Bei der ersten Offenbarung zeigte er den Jüngern seine Hände und seine Seite und half ihnen von der Furcht vor den Juden frei zu werden. Sie waren froh, dass sie den Herrn wiedersahen. Bei der zweiten Offenbarung half er vor allem Thomas, der beim ersten Mal nicht dabei gewesen war. Jesus erwies sich als der Auferstandene mit dem Wort: „Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ Thomas konnte daraufhin sein Glaubensbekenntnis ablegen. Der Text in Vers 1 sagt, dass Jesus sich offenbarte, und zwar so! Und der Verfasser erzählte nun eine ganz besondere Geschichte. Im Vers 14 wird betont, dass es dritte Mal war, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte. Hatte er ein besonderes Ziel durch seine Offenbarung? Was wollte er hier über sich offenbaren?

Eine Gruppe der Jünger befand sich am See Tiberias, das ist ein anderer Name für den See Genezareth. Sie waren also von Jerusalem zum See Genezareth gekommen, wo sie aufgewachsen waren. „Ich gehe fischen“ Die Aussage von Petrus im Vers 3 klang nicht gerade so, als ob er sich mit der Tatsache der Auferstehung Jesu voll beschäftigt hätte. Seine Worte verraten eher, dass er in seinem Herzen immer noch mit der Abwesenheit Jesu und sogar mit seinem Tod konfrontiert war. Mit dem Fischen hatte er seit dem Beginn seiner Nachfolge längst aufgehört. Petrus war eine aktive Person und daher war er am Abend meistens müde. Im Text konnte er aber einfach nicht schlafen. War er irgendwie bekümmert? Oder? Nicht nur er, sondern die andern wollten noch nicht schlafen. Wir wissen nicht, mit wessen Boot und mit welchem Netz sie in dieser Nacht versucht haben, zu fischen. Zwar war die Nacht lang, aber beim Fischen waren sie ohne Erfolg! Hatten sie verlernt zu fischen oder waren sie unkonzentriert! Man kann hier nur vermuten. Jedenfalls waren sie einfach fertig! Geist und Körper waren fix und fertig. Lustlos und verzagt ruderten sie mit dem Boot zurück ans Ufer. Der Tag oder die Nacht waren für sie so schlimm, dass sie von der harten Realität überwältigt wurden. Warum blieben sie noch in der Niederlage? Wegen des schlechten Fangerfolgs?

Betrachten wir, wie Jesus ihnen half? Lesen wir den Text 4-6. „Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.“ Jesus half ihnen beim Fischfang erfolgreich zu werden. Sicherlich spielte es keine Rolle für Jesus, ob die Jünger 10 Fische fangen oder 100. Es ging nicht um Erfolg oder Misserfolg. Wenn man Jesu Wort hier betrachtet, ähnelt es sehr einem Wort, das Petrus an diesem See schon einmal gehört hatte. Im Lukas 5 sprach Jesus zu Petrus: „Fahre hinaus, wo es tief ist und werft eure Netze zum Fang aus!“ Die Antwort von Petrus war „Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen“ Als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische. Jesus versucht hier mit seinem Wort, sein Dasein bei den Jüngern zu demonstrieren. Hier geht es um das Prinzip, dass sie sein Wort hören, es in die Tat umsetzen und dabei das Wunderwerk erleben. Sie wußten nicht einmal, wer am Ufer stehend zu ihnen gesprochen hatte. Aber als sie nach dem getan haben, wie sie hörten, konnten sie Fische fangen. Petrus hatte hier beim Fischfang ein Déjà-vu mit der Begegnung Jesu.

Johannes erkannte im Vers 7 zuerst, dass es Jesus war. Er rief: „Es ist der Herr“ Petrus reagierte noch dynamischer: Er sprang ins Wasser, um zu Jesus zu kommen. Die andern ruderten mit dem Boot gleich hinterher. Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot. Im Evangelium steht selten, dass Jesus das Essen zubereitet hat. Der auferstandene Jesus machte hier Feuer mit Holz, knetete Teig aus Mehl und machte Fische sauber. Er backte Brot und grillte Fische, wie eine Mutter schon das Frühstück bereitet, bis Kinder von Schlaf erwachen. Jesus rief „Kommt und haltet das Mahl!“ Wann braucht man seine Mutter am dringlichsten? Wenn man krank ist und wenn Magen knurrt, oder? Die Nacht war kalt und dunkel. Dagegen aber gibt es bei Jesus die Wärme des Feuers, die Sättigung durch Fisch und Brot. In seine Nähe fühlten sie sie wohl, wie in der Familie. Der gegrillte Fisch war zwar nicht speziell gewürzt, aber er hatte einen besonderen Geschmack. Wenn es gut schmeckt, sagt man nicht auf gut Deutsch: „Es schmeckt wie zu Hause!“ Ja, es schmeckte den Jüngern wie zu Hause. Sie fühlten sich angenehm und wohl! Der Geschmack, die Atmosphäre alles waren wie früher, als Jesus sie begleitete. Daher fühlten sie gleich, dass es der Herr ist. Es war die dritte Offenbarung Jesu nach seiner Auferstehung.

Hier können wir zwei Dinge lernen. Erstens, die Liebe Jesu war ganz gleich wie vor dem Tod Jesu und nach seiner Auferstehung. Viele preisen Jesus dafür, dass die Liebe Jesu unveränderlich und ewiglich ist. Die Liebe ist aber keine objektive Sache, die durch Analyse verstanden wird. Man soll sie erst schmecken. Petrus war davon überzeugt, dass Jesus ihn liebte. Diese Zuversicht zerstückelte er selber, weil er ihn dreimal verleugnete. Der Tod Jesu war bitter, aber es schmerzte mehr, dass er Jesus nicht treu gewesen war. Nicht nur er allein, sondern auch die anderen 6 Jünger. Sie flohen alle, als Jesus fest genommen wurde. An diesem Tag stellten sie fest, dass Jesus nicht nur von den Toten auferstanden ist, sondern auch dass seine Liebe gleich geblieben ist. Sie begegneten Jesus neu und seine Liebe baute sie auf und machte ihr Vertrauen noch stabiler.

Warum ist es so wichtig, zu lernen, dass Gottes Liebe treu ist? Weil keiner solche Liebe besitzt. Niemand ist in dieser Sache treu. Ist jemand sicher, sein Verhältnis gegenüber jemanden nicht schwanken zu lassen. Jesu Liebe hier ist anders als die Liebe von Menschen, die von der Situation abhängig ist. Es ist die Liebe Gottes. Johannes hat die göttliche Liebe in Kapitel 3,16 beschrieben. „Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Es ist die Liebe Gottes, die rettende Liebe, die Leben gebende Liebe, die opfernde Liebe. Diese göttliche Liebe inspiriert viele Menschen. Paulus sagte im Röm 8,32 „Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben- wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“ Er wußte wohl, dass Gott die Liebe ist. Die Tatsache, dass er seine Liebe durch die Opferung Jesu erwiesen hat, brachte ihm die folgende Konsequenz, nämlich er wird nichts schonen, ihm weiteres zu schenken. Die Juden kannten die Gebote Gottes in 5. Mose 6,5 gut. „Und du sollst den Herrn, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ Aber wie kann ein Mensch von ganzem Herzen Gott lieben, geschweige, dass man seine eigene Frau bis zum Tod liebt. Gott, der göttliche Liebe hat, kann solche Liebe verlangen. Der auferstandene Jesus erteilte seinen Jüngern eine Lektion der göttlichen Liebe. Sie wuchsen während der Jüngerschaft in der Beziehung zu Jesus und im Geist. Nun haben sie den weiteren Schritt getan, im geistlichen Wachstum und bei der Lebensgemeinschaft mit dem auferstandenen Jesu.

Meine Erfahrung mit meiner Mutter ist begrenzt. Mir schmeckte einfach das Ei besonders gut. Als ein Erwachsener weiß ich nun, dass es mir gut schmeckte, nicht nur durch den guten Geschmack allein, sondern auch , dass es mir besonders schmeckte durch ihre dafür gegebene Zeit und Mühe, durch ihre Liebe.

Vor einigen Wochen haben wir aus MK 10,45 gehört: „Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.“ Dieses ist eines von meinen Lebensleitworten. Was für ein Gefühl ist es, dass man weiß, ich habe jemanden, der bereit ist, mir zu dienen und für mich sein Leben hinzugeben. Schon der Gedanke daran allein reicht aus, dass ich mich dadurch ganz wohl, sicher und behütet fühle. Es erfüllt mein Leben und es berührt meine Seele sanft. Es knüpft die Beziehung zu ihm noch fester. Der heutige Text hat mir sehr geholfen, zu erkennen, dass die Qualität der Liebe Jesu ganz anders ist, als die von Menschen. Während ich wegen meines Fehlverhaltens Tadel oder Mahnung fürchtete, kam mein Bibellehrer mit diesem Wort, und sagte mir, dass ich beim Schreiben der Predigt über Jesu Liebe nachdenken sollte. Ich schöpfte dabei aus der unveränderlichen Liebe Jesu. Ich bin überzeugt, dass ich die Person bin, die von Gott am meistens gesegnet ist. Es ist Gottes Segen, nicht, dass ich viel besitze oder viel erreicht habe, sondern dass ich die göttliche Liebe kennengelernt habe. Kinder, die mit viel Liebe und Fürsorge der Eltern aufwachsen, verhalten sich anders, als die, die unter Familienkonflikten leben müssen. Wie segensreich ist es, unter der reichlichen göttlichen Liebe zu leben? Obwohl man selbst sich inmitten von Problemen befindet, fürchtet man sich nicht. In Psalm 23 singt der Psalmist: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ Er vertraute auf den Herrn als seinen guten Hirten. Paulus, der sich dieser Liebe ganz sicher war, schrie im Röm 8,35.37: „Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?“ „Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat“ Die Liebe Christi machte ihn ganz stark.

In meinem Leben habe ich bis jetzt einiges mitgemacht. Und ich weiß, dass noch vieles auf mich wartet, das mich zur Schwankung bringen kann. Schwach gewordene Glieder beschweren mich öfters. Dennoch bin ich überzeugt, dass die überschwengliche Liebe Gottes von meinem Herzen quillt. Die göttliche Liebe Jesu ist die Quelle, die nie austrocknet. Es ist der größte Segen Gottes, dass ich seine Liebe kennengelernt habe und davon noch weiter lernen darf.

Zweitens, das Wort von den auferstandenen Jesus hat seine Auswirkung, wie die vor seiner Kreuzigung. Der auferstandene Jesus besuchte sie so zweimal zuvor. Jesus hat den Jüngern mit seinem Wort Trost und Orientierung gegeben. Obwohl sie das größte Wunder Gottes erlebt haben, war ihre Reaktion mäßig und hatte keine Ausdauer. Man kann meinen, man bräuchte mindestens 3 Male eine Gelegenheit, etwas zu begreifen, so wie im heutigen Text. Es mag sein. Im Text finden wir wieder die gewohnte Verhaltensweise der Jünger, dass sie von Jesus hörten, ihm gehorchten und dadurch Gottes Wirken erlebten. Diese Lebensweise hat Jesus den Jüngern beigebracht. Durch den plötzlichen Weggang Jesu waren sie irritiert und haben dieses Prinzip kurzzeitig verlernt. Sie hörten plötzlich wieder auf das, was ihnen ihr Gefühl diktierte. Die Folge war kalt und leer wie dieser nächtliche Fischfang. Lukas 24,32 berichtet über die Emmaus jünger, die unterwegs dem auferstandenen Jesus begegneten. Sie sagten, „Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?“ Die Stimme Jesu machte ihr Herz warm und sein Wort machte sie zuversichtlich. Die Stimme Jesu fand wieder ihr Gehör. Und das Hören auf das Wort Jesu brachte ein Wunder. Da sprach Johannes. „Es ist der Herr!“

Das Leben der Jünger war gekennzeichnet durch die Nachfolge Jesu. Sie folgten Jesus nach. Sein Wort war sowohl Lebensorientierung als auch Lebenskraft. Sie erlebten durch ihren einfachen Gehorsam die Wunderwerke, die sie selber nie zu träumen gewagt hätten. Vor kurzem noch waren sie überrascht gewesen, als sie ein Füllen nach dem Befehl Jesu abgeholt haben. „Der Herr bedarf seiner!“ Sie begriffen, dass Jesus der König ist, indem sie seinem Wort gehorchten. Sein Wort war keine einfache Anweisung, sondern es ist das Wort des Herrn. Sie genossen die Freude und den Frieden im Reich Gottes durch das Wort Jesu. Hier am See Tiberias erlebten nun sie wieder die lebengebende Kraft des Wortes Jesu. Durch den Tod Jesu am Kreuz verschwand die Wirkung seines Wortes nicht. Die Siegesfreude und die Hoffnung, die sie bei der Jüngerschaft in ihren Herzen hatten, waren mit dem Tod Jesu nicht zu Ende. Ihre freudige Nachfolge konnte weiter gehen, solange sie mit dem einfachen Gehorsam gegenüber dem Befehl Jesu lebten. Sie erlebten noch größere Wunder Jesu, als sie ihre Herzen gegenüber dem Wort Jesu öffneten und aus Gehorsam seinem Wort gegenüber lebten.

Die dritte Offenbarung Jesu nach seiner Auferstehung sollte dazu dienen, dass seine Jünger ihr Glaubensleben wie zuvor führten. Sie konnten in der Beziehung zu Jesus und im Glauben ein Stück heranwachsen. Sie wurden geistlich noch stabiler und überzeugter.

Sie saßen am Grillfeuer und schauten, wie die Fische goldbraun und gar wurden. Im Kopf von manchem Jünger kreiste die Zahl 153 noch. An diesem Frühstück hatten die Jünger die Gewissheit, dass ihr Herr nicht nur von den Toten auferstanden ist, sondern dass er mit Wort und Macht anwesend war.

Hast du mich lieb? (15-17)

Nach dem Frühstück machten sie einen kleinen Spaziergang. Besonders daran war, dass Jesus und Petrus voran gingen und die restlichen Jünger hinterher folgten. Hier stellte ihm Jesus eine seltsame Frage: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr, als mich diese lieb haben?“ Solch eine Frage hatte er noch nie gestellt . Eher fragte er, „Ihr aber, wer sagt ihr, daß ich sei?“ (Mk8,38a) Es war die Frage: „Glaubst du an mich?“ Daraufhin gab Petrus sein Wort: „Du bist mein König.“ Hier aber stellte er die Frage. „Liebst du mich?“ Jesus stellte dieselbe Frage sogar dreimal. Was bedeutet es, dass er Petrus die selbe Frage so beharrlich stellte? Meine Antwort ist, dass Jesus Petrus nicht als einen von einigen Jüngern ansah, sondern er wollte unbedingt die persönliche Liebesbeziehung mit ihm festmachen.

Schon bei der Berufung von Petrus gab Jesus ihm sein Wort. „Folge mir nach. Ich will euch Menschenfischer machen.“ (MK1,17) Er zeigte sein besonderes Interesse an ihm, als er die 12 auserwählte. Auf sein Bekenntnis hin segnete er ihn: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen.“ (Mt 16,18a) Obwohl Johannes über sich selbst im Vers 7 sagte, dass Jesus ihn lieb hatte, war seine Zuneigung an ihm in der Jüngerschaft nicht übersehen. Obwohl Petrus schuldig war, weil er ihn drei Mal verleugnet hat, zeigte Jesus seine Liebe zu ihm unveränderlich. Sein Kommen heute schien irgendwie auszudrücken, dass er extra für Petrus das Frühstück bereitet hatte. An diesem Morgen stand nichts im Wege, was Petrus an seiner Liebe zweifeln oder gar einen Konflikt oder eine Distanz hätte verursachen können. Jesus liebte Petrus bedingungslos. Eben darum stellte er ihm eine besondere Frage „Hast du mich lieb?“ An dieser dritten Offenbarung seiner Auferstehung wollte er ganz klar machen, dass er ihn, Petrus, vor allem liebte. Jesus war gekommen, um ganz persönlich mit Petrus zu sprechen. Er ist erschienen, um seine Liebe in ihm ganz wiederherzustellen.

Seine Antwort lautete: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Auf seine dreimaligen Fragen mußte er drei Mal die gleiche Antwort geben. Die wiederholte Antwort ließ ihn noch tiefer und ernsthafter nachdenken. Petrus Freundschaft mit Jesus begann, weil Jesus ihn zuerst geliebt hatte. Sein Leben-gebendes Wort ließ ihn seine herzliche Liebe verstehen. Durch die innige Jüngerschaft, nicht nur die gemeinsamen Mahlzeiten, sondern auch das gemeinsame Leben, sah Petrus Jesus, und erkannte, dass er Gottes Sohn ist. Sein guter Wille und sein Demut ließen ihn auch willig und demütig sein. Jesus ist der willige Helfer, der gute Hirte, der ratvolle Vater, der wunderbare Arzt, der kluge Verwalter, nicht zuletzt der Spitzenkoch, usw. Es war auch eine Tatsache, dass Jesus ihm all seine Sünden vergeben hatte, so dass er ihm seine Liebe bekennen durfte. Er liebte Jesus, nicht, weil Petrus ein guter Kerl war, sondern weil er Gott und seine Liebe durch Jesus kennengelernt hatte. Die bedingungslose Liebe Jesu machte ihn fähig, seine Herzenstür zu öffnen und seine Liebe von ganzem Herzen anzunehmen. Er durfte von Angesicht zu Angesicht bekennen: „Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb habe.“

Was bedeutet aber sein Bekenntnis, dass er Jesus liebt? Es heißt, dass er die Liebe Jesu und Gottes Liebe angenommen hat. Durch sein Ja-Wort entstand hier die Liebesbeziehung, bzw. eine Wiederherstellung davon. Die Schwankung dieser Beziehung beeinträchtigte sein Leben zwischen dem als ein Individuum und als ein Partner. Er pendelte zwischen seinem eigenen Lebensziel und dem Gemeinsamen hin und her. Sein Leben sollte nun nicht allein von dem eigenen Willen bestimmt werden, sondern er sollte darüber nachdenken, was er will. Man könnte meinen, dass es ein sehr unbequemes Leben werden könnte. Es mag sein. Es hängt davon ab, mit wem man ein gemeinsames Leben führt. Der Christus, Gottes Sohn, der Herr ist sein Lebenspartner. Im Gegensatz dazu ist das Leben allein oft als ein von dem eigenen und sündigen Trieb bestimmtes Leben zu bezeichnen. Jeder hat oftmals einen harten Kampf mit dem Ego, oder? Ein gemeinsames Leben mit dem Herrn soll aufgezeichnet sein, als ein ewiges Leben und das Leben im Reich Gottes. Es ist ein unabhängiges Leben von den menschlichen Bedingungen, wie es in den Seligpreisungen beschrieben ist.

„Selig sind, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihr.

Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.

Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.

Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.“

Mt 5,3-6

Nach seinem Liebesbekenntnis befahl Jesus Petrus: „Weide meine Schafe!“ Jesus sagte dies auch dreimal. Es war sein inständiger Wunsch. Diese Aufgabe wollte er dem geben, der Jesus wahrhaftig lieb hat. Derjenige, der Jesus liebt, kann seine Schafe wie seine eigenen halten und sich gut um sie kümmern. Es ist keine Aufgabe, die mit eigener Verantwortung getragen wird, sondern es ist die Frucht, die in der engen Liebesbeziehung mit Jesus heran reift. Jesus, der Sohn Gottes, hat nach dem Willen seines Vaters so getan. Nun zeigte Jesus Petrus seinen und den göttlichen Willen für ihn auf.

Schlussfolgernd: Der auferstandene Jesus möchte die Liebesbeziehung zu jedem von uns wieder aufbauen, indem jeder seine Vergebung und Liebe annimmt. Ist jeder unter uns bereit, seine Liebe zu Jesus persönlich zu bekennen? Hast du mich lieb? „Ja, Herr, ich liebe dich!“

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Fragebogen: Johannes 21,1 – 25 (Sonderlektion – Ostern 2018)

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Kommt und haltet das Mahl

„Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl!“

(Joh 21,12a)

1. Betrachte die bisherigen Erscheinungen des auferstandenen Jesus (20,1-31). Denke darüber nach, warum Petrus sich wohl entschied, fischen zu gehen. Wie müssen er und die anderen Jünger sich gefühlt haben, als sie nichts fingen?

2. Wie sprach der auferstandene Jesus die Jünger vom Ufer aus an (4-5)? Was erlebten sie, als sie ihm gehorchten (6)? Warum?

3. Wie reagierten die Jünger, als sie erkannten, dass es Jesus war (7-8)? Wie lud Jesus sie zum Frühstück ein? Versuche dir, ihre Gemeinschaft vorzustellen (9-14).

4. Warum fragte Jesus Simon Petrus nach dem Essen drei Mal nach seiner Liebe? Was zeigt Petrus‘ Antwort? Was sagte Jesus ihm daraufhin und warum (15-17)?

5. Was kündigte Jesus dem Petrus an und wozu forderte er ihn auf (18-19)? Welche Frage stellte Petrus und warum ließ Jesus das nicht gelten (20-23)? Welche Erfahrungen hast du mit Jesus gemacht, wenn du versagt hast? Denke darüber nach, wie du deine Liebe zu Jesus ausdrücken kannst.

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Predigt: Johannes 17,1 – 26 (Sonderlektion)

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Wiedergeburt und der Geist Gottes

„Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.“

Johannes 3,8

Letzte Woche Sonntag war Muttertag. Normalerweise gehöre ich zu den schlimmen Menschen, die diesen Tag unbeachtet vorübergehen lassen. Aber letzte Woche hatte Lydia uns an Muttertag erinnert. Wir waren am Bahnhof und haben ein paar Blumen gekauft. Ich gehe davon aus, dass die Blumenläden in Deutschland bestimmt auf den Muttertag-Ansturm vorbereitet waren. Aber als wir am späten Nachmittag dort waren, war dort immer noch eine große Schlange und der Laden war fast leergekauft. Am nächsten Tag habe ich auf Facebook gesehen, wie einige meiner Freunde in den USA Muttertag gefeiert haben. In den USA scheint Muttertag eine noch größere und wichtigere Rolle zu spielen als in Deutschland. Viele haben Bilder von ihren Müttern gepostet mit Danksagung und netten Worten. Und das ist eine sehr schöne Sache. Mütter verdienen das auf jeden Fall. Es ist eine gute Sache, dass es einen besonderen Tag gibt, an dem man sich daran erinnert. Aber gleichzeitig sollten wir natürlich nicht nur an Muttertag dankbar und freundlich gegenüber unseren Müttern sein.

Wir feiern heute Pfingstsonntag. Wir feiern die Tatsache, dass Jesus seine Verheißung wahrgemacht hat, alle Tage mit uns zu sein bis diese Welt zu Ende geht. Wir feiern die Tatsache, dass Jesus uns den Fürsprecher (parakletos) gesandt hat, unser Tröster, unser Helfer, unser Anwalt. Wir feiern das Kommen des Heiligen Geistes. Letztes Jahr haben wir deshalb einen entsprechenden Text aus der Apostelgeschichte zusammen betrachtet. Ich weiß nicht, wie es euch ergeht. Aber mein Eindruck war, dass es so einfach geschieht, dass man den Heiligen Geist nur auf diesen einen Pfingstsonntag reduziert, so ähnlich wie man Muttertag auf einen Tag reduziert. Unsere Mütter sind das ganze Jahr für uns da. Noch viel mehr ist der Heilige Geist das ganze Jahr mit uns und in uns. Aber es geschieht sehr schnell, dass man sich dessen überhaupt nicht so bewusst ist.

An diesem Pfingstsonntag hatte ich daher zwei Anliegen im Bezug auf den Heiligen Geist. Zum einen wollen wir den Tag als eine besondere Gelegenheit wahrnehmen, die Gegenwart des Heiligen Geistes zu schätzen und Gott dafür zu danken. Zum anderen betrachten wir heute einen Text, der uns verdeutlicht, dass jeder Tag „Heiliger Geist Tag“ ist. Jesus lehrt hier wie der Heilige Geist in Gottes Kindern wirkt. Ohne den Heiligen Geist gibt es kein christliches Leben.

Über drei Fragen wollen wir heute nachdenken: erstens, was ist Wiedergeburt? Zweitens, wie wirkt der Heilige Geist in den Wiedergeborenen? Drittens, wie wirkt der Heilige Geist in uns?

Erstens, was ist Wiedergeburt?

Die meisten von uns sind mit dem Text sehr vertraut. Nikodemus war ein Zeitgenosse Jesu, der es in seinem Leben zu etwas gebracht hatte. Er war immens erfolgreich, diszipliniert, angesehen. Er war ein Mitglied des Sanhedrin, die höchste jüdische religiöse und politische Instanz und gleichzeitig auch noch das oberste Gericht. Wer es in diesen elitären Kreis von 70 Männern geschafft hatte, der hatte wirklich etwas erreicht.

Nikodemus kam bei Nacht zu Jesus. Vermutlich haben wir uns alle die Frage gestellt, weshalb er bei Nacht zu Jesus kam. Viele haben spekuliert, dass er nachts zu Jesus kam, weil er nicht wollte, dass andere Menschen mitbekamen, wie ein anerkannter, ranghoher Leiter einen dahergelaufenen Rabbi aus der Provinz aufsucht. Das klingt plausibel, und es kann so gewesen sein. Aber die richtige Antwort auf die Frage lautet: wir wissen nicht warum Nikodemus bei Nacht zu Jesus kam, weil der Text es uns nicht sagt. Die wichtigere Frage in diesem Kontext lautet: warum erwähnt Johannes explizit, dass Nikodemus in der Nacht zu Jesus kam? Das hat mindestens zwei Gründe. Der eine Grund war, dass es Nacht war, als Nikodemus Jesus aufsuchte. Das ist ebenso klar wie banal.

Der andere Grund hat etwas damit zu tun, wie Johannes in seinem Evangelium mit den Bildern Licht/Finsternis und Tag/Nacht umgeht. Vom ersten Kapitel an sehen wir wie Johannes Licht der Finsternis gegenüberstellt, wie z.B. in Vers 5: „das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen.“ Jesus selbst gebrauchte in seinen Reden immer wieder den Kontrast. In Johannes 11,9.10 sagte er beispielsweise: „Hat nicht der Tag 12 Stunden? Wer bei Tag umhergeht, der stößt sich nicht; denn er sieht das Licht der Welt. Wer aber bei Nacht umhergeht, der stößt sich; denn es ist kein Licht in ihm.“ Um nur ein weiteres Beispiel zu nennen, kurz bevor Judas Jesus verriet, lesen wir folgende krasse Verse: „Und als der den Bissen nahm, fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald! … Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.“ Und allerspätestens an dieser Stelle sollten wir Leser verstanden haben, was mit Nacht gemeint ist. Es war Nacht, als Judas hinausging. Aber es gab eine noch tiefere und schwärzere Nacht, und zwar die in seinem Herzen. Es war Nacht, als Nikodemus zu Jesus kam. Aber noch schwärzer und dunkler war die Lage seines Herzens, sein Unverständnis, seines Sünde.

Nikodemus erkannte Jesus zwar als einen besonderen Lehrer von Gott an. Vers 2: „Meister (Rabbi), wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.“ Jesus antwortete ihm dann folgendermaßen: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ Warum knallt Jesus ihm diesen Satz an den Kopf? Früher hatte ich gedacht, dass Jesus Nikodemus einfach unterbricht. Er lässt ihn erst gar nicht seine Frage stellen, sondern schneidet ihm das Wort schon vor der Frage ab. Aber es gibt einen Zusammenhang zwischen dem, was Nikodemus in Vers 2 sagte und dem, was Jesus in Vers 3 antwortet. Nikodemus sagte im Prinzip, dass er sehen konnte, dass Jesus ein besonderer Mensch war, weil er die Zeichen sehen konnte. Jesus sagte ihm: „Mein lieber Nikodemus, du denkst, dass du siehst. Aber in Wirklichkeit siehst du das Reich Gottes überhaupt nicht. Um wirklich sehen zu können, was du meinst zu sehen, musst du von Neuem geboren werden.“ Nikodemus reagiert verdutzt. Auf seine Frage: „Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?“ antwortet Jesus ihm: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“

Was bedeutet es, aus Wasser und Geist geboren zu sein? Wieder gibt es hier verschiedene Möglichkeiten das zu interpretieren. Viele Leute, die diesen Vers gelesen haben, sehen im Wasser ein Bild für die Taufe, wobei die Taufe dann wiederum ein mögliches Symbol dafür ist, dass wir Buße tun müssen. Persönlich fand ich, dass D.A. Carson die beste Erklärung für diesen Vers gegeben hat. Vorab macht Carson darauf aufmerksam, dass Vers 3 und Vers 5 ein und dasselbe meinen: von neuem geboren werden ist dasselbe wie aus Wasser und Geist geboren zu werden. Als nächstes müssen wir verstehen, dass mit Wasser und Geist nicht unbedingt zwei getrennte Dinge zu verstehen sind. Die kleine Präposition „aus“ bezieht sich auf Wasser und Geist. Es geht also um eine Geburt aus Wasser-Geist. Noch einen Hinweis finden wir in der Tatsache, dass Jesus Nikodemus dafür tadelte, dass er Israels Lehrer war aber gleichzeitig nicht in der Lage war, das zu verstehen. Der Grund weshalb Nikodemus das besser hätte verstehen müssen, ist der, dass das, was Jesus lehrte nicht brandneu war, sondern auf dem aufbaut, was das AT lehrt.

Und jetzt kommt uns D.A. Carson’s enorme Kenntnisse in biblischer Theologie zugute. Carson erwähnt mehr als 10 Stellen aus dem AT, in welchen von Wasser und Geist die Rede ist. Und das Wasser bezieht sich in diesen Stellen fast immer auf Erneuerung und Reinigung. Die wichtigste Textstelle ist vermutlich Hesekiel 36,25-27: „und ich will reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet; von all eurer Unreinheit und von allen euren Götzen will ich euch reinigen. Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.“ Was bedeutet dann also die neue Geburt, die Geburt aus Wasser und Geist? Es bedeutet, dass Gott uns radikal erneuert, uns von unserem alten Leben völlig reinigt und uns ein neues Herz und eine neue Gesinnung schenkt. Gott ändert nicht einfach die Umstände um uns herum, obwohl er auch das tut. Er ändert unser Innerstes. Gott ändert nicht einfach nur die Politik und die Machtverhältnisse, obwohl er das auch tut. Er verändert die Bürger. Gott ändert nicht einfach nur den Lauf der Geschichte, obwohl er das auch tut. Er verändert die Akteure.

George Whitefield, der große Erweckungsprediger des 18. Jahrhunderts in England und Amerika, predigte immer und immer wieder die Wiedergeburt. Man schätzt, dass er ungefähr 3.000 Mal über dieses Thema predigte. Whitefield wurde gefragt, weshalb er immer und immer wieder predigt, dass Menschen von neuem geboren werden. Whitefield antwortete darauf: „Der Grund ist, weil du von neuem geboren werden musst.“ Das Wort „Neugeburt“ klingt so radikal. Es ist radikal. Es steht im völligen Gegensatz zu dem, wie wir unser Leben verändern wollen.

Die meisten Menschen sind mit sich zu unzufrieden. Die allermeisten Menschen würden gerne etwas an sich ändern. Ich gehe davon aus, dass wir alle uns gerne irgendwie ändern würden. Jeder von uns will würde gerne schlauer sein oder besser aussehen oder größer sein. Da kann man nur begrenzt was dafür tun. Aber wir wollen alle gebildeter sein, sportlicher sein, ausgeglichener sein, fleißiger sein, weniger emotional sein, selbstbewusster sein, freundlicher und großzügiger werden. Jeder Mensch möchte nicht einfach nur anders sein. Wir wollen bessere Mensch sein. Wenn wir in Buchhandlungen gehen, finden wir so viele Selbsthilfe-Bücher, die uns Tips geben, wie wir unser Leben wieder auf die Reihe kriegen. Diese Bücher heißen z.B.: „So gewinnen Sie mehr Selbstvertrauen: Sich annehmen, Freundschaft mit sich schließen, den inneren Kritiker besiegen.“

Aber das Reich Gottes funktioniert nicht wie Selbsthilfe. Jesus bringt hier zum Ausdruck, dass jedes sich Zusammenreißen, jedes Wachsen in Disziplin, jede Form von Veränderung unseres Lebens, die wir selbst anstoßen und kontrollieren und durchführen, nicht ausreichen. Um das Reich zu sehen, um Bürger von Gottes Königreich zu werden, um unter der Herrschaft des wahren Königs leben zu können, müssen wir von neuem geboren werden. Wir müssen aus Wasser und Geist geboren werden. Wir brauchen eine gänzlich neue Natur, ein völlig neues Wesen, ein völlig neues Leben. Und nur der Schöpfer des Lebens kann uns ein solches Leben schenken. Die Art und Weise wie Gott das vollbringt, ist durch seinen Heiligen Geist. Das bringt uns zum nächsten Punkt.

Zweitens, was tut der Heilige Geist in den Wiedergeborenen?

Betrachten wir Vers 8: „Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sauen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.“ Mit diesem einen Vers und mit diesem einfachen Bild vom Wind bringt Jesus so viele Dinge auf den Punkt, was den Heiligen Geist in uns angeht.

Wir sehen hier zum einen, dass die Wirksamkeit des Heiligen Geistes geheimnisvoll ist. Vielleicht wehte gerade ein frischer Wind, als Jesus diese Worte sagte. Nikodemus konnte den Wind hören; er konnte sehen, wie sich wegen dem Wind die Äste eines Baumes hin- und her bewegten. Aber Jesus sagte gleichzeitig: „du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt.“ Jesus sagte diese Worte lange Zeit bevor es moderne Meteorologie gab. Die Menschen damals wussten nicht, dass Wind hauptsächlich dadurch entsteht, dass die Sonne Luftmassen unterschiedlich schnell erwärmt, warme Luft nach oben aufsteigt und das Vakuum durch eine andere Luftmasse wieder geschlossen werden muss. Dieses Wissen gab es damals noch nicht. NIkodemus konnte den Wind nicht erklären. Noch unerklärlicher ist die neue Natur in den Menschen, die wiedergeboren sind. Die Gegenwart des Heiligen Geistes in den Menschen ist geheimnisvoll.

A.W. Tozer war ein langjähriger Pastor in Chicago im 20 Jahrhundert. Er schrieb folgendes über die Gegenwart des Heiligen Geistes: „Das Zeugnis des Geistes ist eine heilige Angelegenheit, die nicht erklärt werden kann. Es ist persönlich und kann nicht auf andere Menschen übertragen werden. Das äußere Ohr kann nicht hören, was er sagt. Noch viel weniger kann ein weltlicher Betrachter erkennen, was geschieht. Der Geist flüstert seine Gegenwart dem Herzen zu, und das Herz weiß, ohne zu wissen, wie es weiß. Genau wie wir wissen, dass wir am Leben sind durch ein nicht übertragenes Wissen und ohne einen weiteren Beweis zu brauchen, so wissen wir auch, dass wir im Heiligen Geist leben.“ Tozer sagt hier, dass die Gegenwart des Heiligen Geistes kein intellektuelles Phänomen ist sondern unerklärlich.

Wir sehen, dass diejenigen, die wiedergeboren sind, den Heiligen Geist spüren und erfahren. Jesus sagte in Vers 8: „Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl.“ Was Jesus hier sagte ist, dass auch wenn wir den Wind nicht sehen und verstehen können, wir wissen, dass er da ist. Ich weiß nicht, wie es euch in diesem Punkt ergeht. Grace und ich hatten uns vorgestern darüber unterhalten, wie unterschiedlich die Art und Weise sein kann, wie Menschen den Heiligen Geist erfahren. Manche Christen erfahren den Heiligen Geist als ein sanftes Wehen. Andere Christen erfahren den Heiligen Geist als einen stürmischen Wind. Um ganz ehrlich zu sein, manchmal denk ich, dass ich so wenig vom Heiligen Geist erfahren habe, dass bei mir Zweifel entstehen, ob ich wirklich wiedergeboren bin. So etwas kann eine ziemlich große Versuchung sein. Wie macht der Heilige Geist seine Gegenwart bemerkbar? Wie teilt uns der Heilige Geist mit, dass er in uns lebt? In Römer 8,14 und folgende lesen wir dazu: „Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! Der Geist selbst gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind.“ Der Heilige Geist ist derjenige, der unsere Zweifel beseitigt, dass wir Gottes Kinder sind. Er tut das, in dem er uns zeigt und versichert, wie sehr Gott uns liebt und wie sehr Gott sich über uns, seine Kinder, freut.

Woher können wir noch wissen, dass der Heilige Geist in uns wirkt? Das ist für alle diejenigen, die Zweifel haben, genauso wie ich: wenn immer wir einen geistlichen Hunger und Durst nach Gottes Gegenwart haben, wenn immer wir eine Sehnsucht spüren, nach mehr von Gott in unserem Leben, in unserer Gemeinde, in unserer Stadt, wenn immer wir getrieben sind zu beten nicht deshalb, um etwas von Gott zu bekommen, sondern um Gott selbst zu haben, wenn immer wir vor einer Entscheidung standen und wir haben bewusst aus Gehorsam und mit Freude die Gott-gefällige, Gott-zentrierte, Gott-verherrlichende Option gewählt, wenn immer wir einen Drang nach Heiligkeit und moralischer Reinheit haben, wenn immer unser Herz sich darüber freut, dass Gott König ist, wenn immer wir in unserem Herzen eine Liebe zu Gott spüren um seiner selbst willen, wenn immer wir inmitten von Problemen und Schwierigkeiten einen Frieden haben, den uns niemand wegnehmen kann und den die Welt nicht kennt, dann ist das die Wirksamkeit des Heiligen Geistes. Wir sind nicht so gepolt, Gott zu wollen. Das Bedürfnis und der Hunger nach Gott sind Sehnsüchte, die uns durch den Heiligen Geist gegeben werden. Wenn wir das nicht haben, dann sollten wir Gott um seinen Geist bitten. Und wenn wir das tagtäglich erfahren, sollten wir Gott darum bitten, mehr davon zu erfahren.

Wir sehen hier, dass der Heilige Geist unser neues Leben bestimmt und nicht umgekehrt. Jesus sagte: „Der Wind bläst, wo er will…“ Ein weiterer Aspekt von Wind ist, dass wir den Wind nicht erfassen können. Wir können den Wind nicht kontrollieren. Der Heilige Geist ist der souveräne Gott. Und als souveräner Gott hat er seinen eigenen Willen, seine Pläne, seine guten Absichten. Wir sehen das zum Beispiel in Apostelgeschichte 16. Paulus und sein Missionsteam wollten eigentlich in Asien zu evangelisieren. Sie hatten ihre Pläne und ihre Strategien. Und natürlich hatten sie die besten Intentionen. Aber dann lesen wir in den Versen 6 und 7: „Sie zogen aber durch Phrygien und das Land Galatien, da ihnen vom Heiligen Geist verwehrt wurde, das Wort zu predigen in der Provinz Asien. Als sie aber bis nach Mysien gekommen waren, versuchten sie, nach Bithynien zu reisen; doch der Geist Jesu ließ es ihnen nicht zu.“

Vielleicht haben manche von uns erfahren, wie wir eigentlich gute und fromme Pläne und Absichten hatten, aber dann erfahren, dass der Geist es nicht zulässt. Wenn wir das nicht erfahren haben, dann könnte das daran liegen, dass wir nicht offen sind für die Führung des Heiligen Geistes. Oder schlimmer noch, es könnte daran liegen, dass wir nicht bereit sind, ihm zu gehorchen. Warum sollte der Heilige Geist zu uns sprechen, wenn wir nicht offen und bereit sind, auf seine Stimme zu hören? Um ein persönliches Beispiel zu erzählen: ich habe die Freude bei ConnAction mit einigen christlichen Studenten zusammen zu arbeiten. Eine wirklich wichtige Lektion, die ich von ihnen gelernt habe, ist, Gott in allen wichtigen Situationen zu fragen. Immer und immer wieder kommen wir vor Entscheidungen im Gebet zusammen. Wir bitten Gott darum, dass er uns zeigt, was Er tun möchte. Wir beten dafür, dass er uns seinen Willen offenbart. Persönlich denke ich, dass das eine hervorragende Praxis ist, und dass wir das auch bei uns mehr praktizieren sollten.

Als letzten Punkt, der Heilige Geist will, dass wir Jesus immer ähnlicher werden. Warum sendet uns Gott seinen Heiligen Geist? Was ist die finale Absicht des Heiligen Geistes? Wir finden die Antwort darauf verteilt im ganzen Text. Unter anderem in Vers 6: „Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist.“ Diejenigen, die aus dem Geist geboren sind, die sind Gottes Kinder. Die Absicht des Heiligen Geistes ist es, uns als Kinder Gottes zu heiligen. Er will, dass wir so werden wie unser Vater. Die Absicht des Geistes ist es, dass wir Jesus immer ähnlicher werden. Er will in uns seine Frucht hervorbringen.

In Galater 5,22 lesen wir: „Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit.“ Wir alle kennen und lieben diesen Vers. Was uns bewusst sein sollte, ist die Tatsache, dass alle diese Eigenschaften die Charaktereigenschaften von Jesus sind. In Jesus sehen wir alle diese Eigenschaften in absoluter Vollkommenheit: niemand liebt wie Jesus, niemand freut sich wie Jesus, niemand hat größeren Frieden als Jesus, niemand ist so geduldiger wie Jesus, niemand ist freundlicher als Jesus, niemand erweist uns größere Güte als Jesus, niemand ist so treu, niemand ist so sanftmütig und niemand hatte sich besser unter Kontrolle als Jesus. Wenn wir aus dem Geist geboren sind, wenn wir Kinder Gottes sind, dann entspricht es dem Willen des Heiligen Geistes, dass wir Jesus in allen diesen Eigenschaften immer ähnlicher werden. Überfließende Liebe, Freude, Friede zu haben sollte das neue „normal“ sein. Vielleicht kennen wir vereinzelt Menschen, bei denen das der Fall ist. Vielleicht haben wir bereits Menschen getroffen, die so durch den Heiligen Geist verändert wurden, dass es erfrischend und ermutigend ist, mit ihnen Gemeinschaft zu haben. Es sind Menschen, die nach Jesus riechen.

Drittens, was tut der Heilige Geist in uns?

Ich möchte die Predigt mit zwei Anwendungen und mit einem praktischen Beispiel abschließen.

Zum einen, wir wollen diesen Pfingstsonntag zum Anlass nehmen, Gott für seinen Heiligen Geist zu danken. Im weiteren Verlauf des Textes macht Jesus deutlich, dass die Wiedergeburt absolute Gnade ist. Die neue Geburt, die Jesus uns anbietet, ist kostenlos für uns. Aber die Gnade ist alles anderes als kostenlos für den Geber. In Vers 14 und 15 heißt es: „Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ D.A. Carson macht darauf aufmerksam, wie Johannes dieses Motiv des „erhöht werden“ im Evangelium entwickelt. In Johannes 12 lesen wir wie Jesus von sich selbst sagte: „Und ich, wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ Wir alle wissen, dass mit dieser Erhöhung eigentlich eine absolute Erniedrigung und Demütigung gemeint ist. Jesus wurde am Kreuz erhöht, als er für uns starb. Den Heiligen Geist haben zu dürfen ist ein unendlich großes Privileg. Er ist ein Geschenk für den Jesus mit nichts weniger als mit seinem eigenen Leben bezahlt hat. An diesem Pfingstsonntag wollen wir Jesus dafür danken: „Danke, dass du am Kreuz für mich gestorben bist. Danke, dass dein Geist in mir wohnen darf, weil du für mich bezahlt hast.“

Als nächstes, wir wollen uns an diesem Pfingstsonntag die Tatsache bewusst machen, dass der Heilige Geist uns das ganze Jahr hindurch begleitet. Wir wollen dem Heiligen Geist nicht einfach Blumen kaufen und dann des Rest des Jahres so leben als ob es ihn nicht geben würde. Stattdessen sollte unser Gebet heute sein, dass wir diesen Geist mehr erfahren. Wir sollten dafür beten, dass er einen Sturmwind in unserem Leben entfacht; dass er alle unsere Pläne und Absichten durcheinander wirbelt; dass er seine guten Absichten in unserem Leben erfüllt; dass er seine Frucht in unserem Leben vollbringt. Vor allem sollten wir dafür beten, dass wir ihn mehr erfahren können, dass wir ihn mehr und besser hören können, dass wir mehr von seiner Wirksamkeit sehen können.

Ich möchte zum Schluss mit einem praktischen Beispiel abschließen, wie der Heilige Geist Menschenleben radikal verändern kann. Greg Boyd hatte einen nicht gläubigen Vater, der zeit seines Lebens ein großer Skeptiker und Intellektueller war. Aber am Ende seines Lebens kam er doch zum Glauben. Greg Boyd schrieb dann folgendes über seinen Vater: „Obwohl ich von Freude überwältigt war, als mein Vater die Entscheidung traf, Jesus anzunehmen, war ich nicht besonders optimistisch, wie viel Veränderung es in seinem Leben nach der Bekehrung noch geben würde. Im Alter von 73 Jahren war er viel älter als die meisten Menschen, die zu Jesus kommen, und er war ziemlich stur. Mein Pessimismus hätte nicht unangebrachter sein können. In der Tat ist es schwierig, die Tiefgründigkeit zu übertreiben, mit welcher der Heilige Geist meinen Vater die letzten 11 Jahre seines Lebens veränderte.

Eine dramatische Veränderung war die emotionale Zärtlichkeit in meinem Vater. Der ungläubige Ed Boyd drückte seine Gefühle fast nie aus und ganz bestimmt nicht in der Öffentlichkeit. Aber der christliche Ed Boyd war ein Mann, der sein Herz auf der Zunge hatte. Mein Vater weinte jedes Mal vor Freude, wenn er davon hörte, wie Menschen durch [sein Buch] unseren Briefaustausch zum Glauben kamen – während der 11 Jahre kam es hunderte Male vor. Der Glaube von meinem Vater hatte noch eine dramatische Veränderung. Es war klar, dass ihm das Glauben nicht einfach fiel. Obwohl er von der Wahrheit des Evangeliums gründlich überzeugt war, erwartete ich dass ich diesem unverbesserlichen Rationalisten helfen musste, stabil im Glauben zu bleiben. Das war nicht der Fall. Sofort nach seiner Bekehrung schien mein Vater auf einem tiefen und schönen kindlichen Glauben zu ruhen. Als ich meinen Vater nach seinem dritten Schlaganfall, der ihn fast lähmte, besuchte, sagte ich ihm, dass ich ihn gerne für die wichtigste Aufgabe einstellen wollte, die ich jemals jemanden geben kann. Weil er während seiner Erholungszeit sehr viel Zeit haben würde, fragte ich ihn, ob er mein Vollzeit Gebetskämpfer sein könnte. Ich erklärte ihm, dass er jeden Tag für mich, meine Familie und die Gemeinde beten sollte. Zu meiner Überraschung zögerte mein Papa einen Moment lang mit einem besorgten Blick auf seinem Gesicht. Dann sagte er unter Anstrengung wegen des Schlaganfalls: „Funktionieren Gebete auch dann, wenn ich sie nicht ausspreche? Es ist sehr anstrengend in diesen Tagen irgendetwas zu sagen.“

Ich musste schlucken als ich sah wie dieser einst arrogante, intellektuelle Gigant solch einfache Fragen über Gott stellte. Ich versicherte ihm, dass Gott alle seine Gedanken kennt, ohne dass er sie laut aussprechen musste. Er gab mir ein schiefes Lächeln und sagte dann: „Alles klar, Junge. Werde ich machen.“

Die tiefgründigste Veränderung in meinem Vater nach seiner Bekehrung war seine grundlegende Gemütsverfassung. Der nicht gläubig Ed Boyd war normalerweise streitsüchtig und schlecht gelaunt. So oft ärgerte er sich über etwas und drückte seinen Ärger verbal aus. Bald nachdem er sich Christus hingegeben hatte, hatte er einen tiefen Frieden, eine durchdringende Freundlichkeit und – am verwunderlichsten – eine wunderbare Dankbarkeit, die ich vor seiner Bekehrung nie gesehen hatte.

Was diese Veränderung umso erstaunlicher machte, war die Tatsache, dass kurz nachdem er Jesus sein Leben gegeben hatte, er mehr Gründe bekam, sich zu beschweren, als er sich jemals erträumt hätte. Ein Jahr nach seiner Bekehrung erlitt er den ersten von mehreren lähmenden Schlaganfällen. In den nächsten Jahren verlor er die meisten physischen und sprachlichen Fähigkeiten. Schließlich war dieser früher kämpferisch unabhängige Mann unfähig, für sich selbst zu sorgen und an einen Rollstuhl gefesselt. Im Alter von 80 Jahren war er fast vollständig blind und taub. Der vorchristliche Ed Boyd hätte einfach nur gejammert, aber der christliche Ed Boyd beklagte sich fast nie.

Obwohl das seltsam klingt wurde mein Vater umso dankbarer, je schlechter es ihm ging. Vor seinem letzten Schlaganfall, der ihn ins Koma brachte, war ich mit meinem Vater, als er plötzlich ohne ersichtlichen Grund anfing zu weinen. Ich schrie in sein Hörgerät, dass er mir erklären sollte, warum er weinte. Seine Antwort warf mich um. Während er in Windeln auf dem Rollstuhl saß, unfähig die elementarsten Dinge selbst zu erledigen, fast vollständig blind und taub, sagte dieser einstige Querulant mit seiner vom Schlaganfall beeinträchtigten Sprache: „Weil ich mich so von Gott gesegnet fühle, einfach nur hier sein zu dürfen.“ Ich umarmte ihn, während wir beide weinten.

Als ein Zeuge der unergründlichen Liebe und Macht Gottes, kann ich sagen, dass dieser Mann definitiv nicht der gleiche Vater war, mit dem sich aufgewachsen war.“

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Fragebogen: Johannes 17,1 – 26 (Sonderlektion)

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Damit sie alle eins seien

„… damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.“

(17,21)

1. Worauf bezieht sich im Vers 1 „die Stunde“ (Joh 1,29)? Wofür betete Jesus angesichts dieser Stunde und was bedeutete das für ihn?

2. Welche Macht ist Jesus gegeben und wie gebraucht er diese (2; Mt 11,27; Mt 28,18)? Was sagt Vers 3 über das ewige Leben? Wie hatte Jesus Gott verherrlicht, während er auf der Erde war? Wofür betet er nun im Vers 5?

3. Lies die Verse 6-8. Wie fasste Jesus sein Werk auf Erden zusammen? Wie hatte Jesus seinen Jüngern Gott offenbart und was hatten sie dadurch erkannt?

4. Lies die Verse 9-12. Was bedeutet es, dass die Jünger Gott gehören? Wie wurde Jesus in ihnen verherrlicht? Wie betete Jesus für sie (11b.12)?

5. Mit welchem Anliegen betete Jesus im Vers 13 für seine Jünger? Wie war ihr Verhältnis zur Welt (14-16)? Wie sollten sie geheiligt werden (17.19)? Welchen Auftrag hatte Jesus für sie (18; Mt 28,19.20)?

6. Lies die Verse 20-23. Für wen betete Jesus nun? Mit welchem Anliegen betet er für sie? Was sagt Jesus hier über die Grundlage und über das Maß an Einheit, das er sich wünscht? Warum ist Jesus Einheit der Gläubigen so wichtig, und wie kann sie erreicht werden (23; Joh 13,34.35; Eph 4,1-6.15; Kol 3,12-14)? Welche Bedeutung hat dieses Anliegen für dich und wie kannst du dafür beten und beitragen? Was sagt Jesus in den Versen 24-26 weiter über sich und seinen Wunsch für die Jünger?

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