Predigt: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will – Gesendet zur Mission 3 – Apostelgeschichte 19,8-20

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Biblische Mission

So wuchs das Wort des Herrn mit Macht und erwies sich kräftig

(Apostelgeschichte 19,8-20)

Wie in vergangener Woche, geht es auch heute um einen Text aus der Apostelgeschichte. In der kommenden Woche werden wir ebenfalls einen Text aus der Apostelgeschichte betrachten – und zurecht: Wenn es um das Thema „Mission“ geht, ist die Apostelgeschichte dazu geradezu prädestiniert. Wo wird über Mission mehr berichtet als im Buch Apostelgeschichte? Gleichzeitig ist die Apostelgeschichte ein Buch, das mit Vorsicht zu genießen ist. Beim Lesen der Apostelgeschichte müssen wir immer im Hinterkopf behalten, dass die Hauptabsicht der Apostelgeschichte darin besteht, zu berichten. Sie ist kein Brief, der uns Anweisungen zum christlichen Leben gibt. Die Apostelgeschichte will in erster Linie darüber berichten, wie Gott sein Werk nach Jesu Tod und Auferstehung fortgesetzt hat, wie der Heilige Geist auf die Erde kam, die Gemeinde entstand usw.
Vor diesem Hintergrund müssen wir auch den heutigen Text aus Apg. 19 mit Vorsicht genießen. Apg. 19 endet mit den Worten: „So wuchs das Wort des Herrn mit Macht und erwies sich kräftig“. Diese Worte machen deutlich, worum es in dem heutigen Text geht. Er berichtet darüber, wie es zu einer mächtigen Ausbreitung des christlichen Glaubens in Ephesus und der Provinz Asia kam. Kurz, er berichtet über eine erfolgreiche Mission. Wir können daraus keine allgemeingültige Anleitung für eine erfolgreiche Mission ableiten, aber zumindest einiges darüber lernen, wie wir Mission betreiben sollen und wie nicht. Gerade weil die Mission so erfolgreich war, lassen sich daraus sicherlich einige Prinzipien einer biblischen Mission ableiten. Hier habe ich den Bericht über die Mission in Ephesus anhand von zwei einfachen Fragen betrachtet:

1. Was tat Paulus in Ephesus?
2. Wie wirkte Gott in Ephesus?

1. Paulus Vorgehensweise in Ephesus

Eines dieser Prinzipien, die wir von Paulus lernen können, finden wir bereits in Vers 8. Dort heißt es, dass Paulus in die Synagoge ging. Dies machte Paulus nicht nur in Ephesus so, sondern an jedem Ort, wo er missionierte, ging er zur Synagoge bzw. zu den Juden. Bemerkenswert ist, was Paulus in Philippi machte, wo es keine Synagoge gab. In Apg. 16,13 heißt es: „Und am Tag des Sabbats gingen wir hinaus vor das Tor an einen Fluss, wo wir eine Gebetsstätte vermuteten…“ Hier ist von einer Gebetsstätte die Rede. An den Orten, wo es keine Synagoge gab, trafen sich die Juden an sogenannten Gebetsstätten. Wahrscheinlich befand sich die Gebetsstätte wegen der Reinigungsgebote am Fluss. Also selbst in Philippi, wo es keine Synagoge gab, suchte Paulus zunächst die Juden auf. Warum tat dies Paulus so konsequent? Im Römerbrief 1,16 heißt es: „Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht; denn es ist Gottes Kraft zur Errettung für jeden, der glaubt, zuerst für den Juden, dann auch für den Griechen.“ Nach dem Ratschluss Gottes kam ja Jesus zuerst zur Errettung der Juden. Als sie aber diese Gnade verwarfen, kam das Heil auch zu den Heiden. Eben genauso ging Paulus in seiner Mission vor. Was zeigt das über Paulus? Paulus ließ sich in seiner Mission ganz vom Ratschluss Gottes, ganz von dem Willen Gottes leiten.
Paulus Herz brannte für die Errettung der Juden so sehr, dass er bereit wäre, für sie stellvertretend verdammt zu werden. Aber obwohl ihm die Juden so ein Anliegen waren, akzeptierte er doch Gottes Ratschluss, zu den Heiden zu gehen, als die Juden ihm nicht glaubten. Bei der Mission geht es also immer um die Frage: „Zu wen und wohin hat Gott mich gesendet“, nicht darum: „Wen und wo möchte ich gerne missionieren“.
Einen weiteren wichtigen Punkt, den wir aus der Mission von Paulus lernen können, finden wir in Vers 9. Paulus erfuhr nicht nur Annahme des Evangeliums, sondern auch Widerstand. Warum? Wenn Menschen von der Wahrheit getroffen werden, gibt es nur zwei Möglichkeiten, entweder sie beugen sich dieser Wahrheit oder sie lehnen sie ab. Dies sehen wir auch an anderen Stellen:
Apg. 7,37: Als sie aber das hörten, drang es ihnen durchs Herz und sie sprachen zu Petrus und den Aposteln: Was sollen wir tun, ihr Brüder?
Apg. 7,54: Als sie aber dies hörten, wurden ihre Herzen durchbohrt und sie knirschten mit den Zähnen gegen ihn.

In beiden Stellen heißt es, dass es den Zuhörern durchs Herz ging, aber die Reaktion war sehr gegensätzlich – hierzu ein Bild: Wenn Sonne auf Schokolade scheint, schmilzt sie und wird weich. Wenn die Sonne auf Matsch trifft, wird er hart und trocken. Es geschieht also genau das Gegenteil. Genauso reagierten die Menschen bei Paulus auf die ein- und dieselbe Botschaft des Evangeliums: Die einen nahmen sie an, die anderen verhärteten ihr Herz und lehnten sie ab. Was tut man, wenn man weiß, etwas ist eigentlich wahr, aber man will es nicht wahrhaben? Man fängt an sich zu rechtfertigen, um sein Gewissen zu umzugehen. Eben das machten einige Zuhörer in Ephesus. Sie rechtfertigten ihren Unglauben dadurch, dass sie den christlichen Glauben, der hier als der Weg bezeichnet wird, schlecht redeten. Wir können hieraus lernen, dass Ablehnung und Widerstand in der Mission nicht zwangsläufig bedeuten, dass man etwas falsch gemacht hat. Es kann sein, muss aber nicht sein. Im Falle von Widerstand, muss man sich natürlich kritisch hinterfragen, sollte sich aber andererseits auch nicht verunsichern lassen, wenn man biblisch gehandelt hat. Eine vollmächtige Mission erfährt auch immer wieder Widerstand. Widerstand kann gerade ein Ausdruck davon sein, dass Menschen vom Wort Gottes getroffen wurden. Anstelle sich vom Widerstand irritieren zu lassen, sonderte Paulus die Gläubigen ab, um sie vor dem schlechten Einfluss zu bewahren. Trotz Widerstand lehrte Paulus zwei Jahre lang. Von ihm können wir auch lernen, Mission konsequent und treu zu betreiben.
Insgesamt blieb Paulus zwei Jahre und drei Monate in Ephesus. Die Apostelgeschichte berichtet nicht immer, wie lange Paulus an den Orten jeweils blieb. Jedenfalls ist keine der Zeitangaben länger als 2 Jahre. In Korinth blieb Paulus z.B. nur 1 ½ Jahre. Paulus blieb also relativ lange in Ephesus. Warum? Ephesus war die Hauptstadt der Provinz Asia. Wegen der Größe und Bedeutung der Stadt Ephesus hatte Ephesus eine gewisse politische Selbstständigkeit. D.h. Ephesus hat einen eigenen Senat und eine eigene Volksversammlung. Deshalb griff beim Aufruhr des Demetrius nicht ein römischer Statthalter, sondern ein städtischer Kanzler ein. Ephesus besaß damals einen Hafen. Handelsstraßen liefen von der Stadt in die Gegenden der Provinz Asia und darüber hinaus weit in den Orient hinein (vgl. DE BOOR: 3411). In Ephesus kamen und gingen Menschen aus den verschiedensten Ecken der Provinz Asia. Ephesus war also ein geeigneter Ort, um von dort aus die Provinz Asia mit dem Evangelium zu erreichen. Dass Paulus lange Zeit in Ephesus blieb, hatte also einen strategischen Grund. Im Vers 10 erfahren wir, dass Paulus Strategie aufgegangen war: Mit der Zeit hatten alle, die in der Provinz Asia wohnten, das Wort des Herrn gehört.
Missionare können von Paulus lernen, dass sie in der Mission strategische Überlegungen miteinbeziehen dürfen. Sie sollten zwar nicht ihr Vertrauen darauf setzen, aber sie dürfen und sollen solche Überlegungen durchaus anstellen, wie zum Beispiel die Frage: „Wie kann ich dafür sorgen, dass möglichst viele Menschen in meinem Missionsgebiet das Wort Gottes hören? Wie kann ich in meinem Missionsgebiet einen Anknüpfungspunkt zur Verbreitung des Evangeliums finden?“ Meine persönliche Orientierung ist es, dass ich mit den Menschen, mit denen ich im Alltag sowieso in Kontakt komme, über den Glauben spreche oder zumindest einen Flyer weitergebe. Vor einigen Monaten kam zu uns ein Klempner, um unsere Waschmaschine zu reparieren. Er war sehr gesprächig und so kamen wir auch ins Gespräch über den christlichen Glauben. Früher sprach ich auch immer mit dem Friseur über den christlichen Glauben. Der Vorteil ist, dass er nicht weggehen kann. Oder was spricht dagegen, mit dem Bäcker, zu dem man jeden Morgen geht, über den christlichen Glauben zu sprechen oder zumindest einen christlichen Flyer zu geben – dasselbe kann man tun, wenn man auch etwas einkauft.
Betrachten wir erneut Vers 10. Das, was die Leute von Paulus zu hören bekamen, war nichts anderes als das Wort Gottes. In Römer 10,17 heißt es: „Demnach kommt der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort.“ Paulus wusste, dass der Glaube durch das Hören von Gottes Wort kommt. Paulus vertraute auf die Kraft und Wirksamkeit von Gottes Wort. Warum war das gerade für die Mission in Ephesus so bedeutsam? Ephesus war alles andere als einfach zu missionieren. Wie wir aus den Versen 19 und 20 entnehmen können, hatten sich viele Menschen in Ephesus der Zauberei, also dem Okkultismus hingegeben. Die verbrannten Bücher hatten zusammen einen Wert von 50.000 Silberdrachmen. Der übliche Tageslohn betrug damals 1 Silberdrachme. Mit 50.000 Silberdrachmen könnte man demnach 137 Jahre lang versorgt werden, also viel mehr als ein ganzes Leben lang. Dieser Wert zeigt, wie weit verbreitet der Okkultismus in Ephesus war. Dort herrschte nicht allein Okkultismus, sondern auch Götzendienst. Im nächsten Abschnitt vom Kapitel 19 erfahren wir, dass die ganze Stadt im Aufruhr war, um ihre Göttin Artemis zu verteidigen. Zwei Stunden lang schrien sie: „Groß ist die Artemis der Epheser!“ (V. 34). Der Stadtschreiber bezeichnete Ephesus sogar als die „Tempelhüterin der großen Artemis“ (V. 35). Und das nicht mit Unrecht: In Ephesus stand der weltberühmte Tempel der „Artemis“, das „Artemision“. Nachdem der Tempel einmal abgebrannt war, wurde er größer und prächtiger wiederaufgebaut. Er hatte 128 Säulen, jeweils 19 m hoch und war mit künstlerischen Bildern ausgeschmückt. Der Tempel der Artemis gilt als eines der sieben Weltwunder des Altertums. In einer Nische stand das Bild der Göttin Artemis. Es war aus schwarzem Holz. Die Epheser glaubten, dass es vom Himmel gefallen sei. Wer nach Ephesus kam, nahm sich gern als „Reiseandenken“ ein kleines Abbild des Tempels mit. (vgl. DE BOOR: 3571). Apostelgeschichte 19,24 berichtet, dass sie aus Silber in großer Zahl hergestellt wurden. Wir müssen verstehen, dass die Artemis für die Epheser nicht einfach nur eine Göttin unter vielen war. Der Tempel war sozusagen das Wahrzeichen der Stadt Ephesus. Heidelberg wäre nicht mehr Heidelberg, wenn es nicht mehr das Schloss und die Altstadt hätte. Ebenso wäre Ephesus nicht mehr Ephesus, wenn der Tempel der Artemis nicht mehr da wäre. Der Götzenkult um die Göttin Artemis machte die Identität der Stadt Ephesus aus. Es bildete sicherlich auch eine Art Tradition. Viele Menschen lieben Traditionen. Sie sind mit bestimmten Erinnerungen verbunden. Bekanntlich war ja früher immer alles besser. Traditionen geben das Gefühl, dass man sich immer noch in der heilen Welt befindet, in der man aufgewachsen ist. Traditionen machen die Kultur eines Ortes aus. Für viele Menschen fällt es daher schwer, Traditionen aufzugeben. Für die Epheser war es bestimmt nicht anders.
Gerade an Orten, die nicht so einfach zu missionieren sind, kann man versucht sein, den christlichen Glauben in irgendeiner Weise zu „verkaufen“, aber Paulus vertraute allein auf die Kraft und Wirksamkeit von Gottes Wort, wie fest die okkulten und religiösen Überzeugungen der Epheser auch waren. Im Korintherbrief schrieb Paulus: „denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig für Gott zur Zerstörung von Festungen; so zerstören wir ⟨überspitzte⟩ Gedankengebäude und jede Höhe, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und nehmen jeden Gedanken gefangen unter den Gehorsam Christi“ (2.Kor 10,4-6). Im Römerbrief 1,16 bezeichnet Paulus das Evangelium als eine Kraft Gottes. Paulus glaubte an die Wirksamkeit von Gottes Wort.
Dabei lehrte Paulus nicht irgendwie Gottes Wort. In den Versen 18 und 19 des heutigen Textes erfahren wir, dass viele Menschen ihre Sünden bekannten und ihre teuren Zauberbücher verbrannten. Die Menschen hatten also echte Buße getan. Sie brachten Früchte der Buße. Paulus lehrte ungläubigen Menschen das Wort Gottes nicht irgendwie, sondern mit dem Ziel, dass sie ihre Sünde erkennen, echte Buße tun und die Errettung in Christus ergreifen.
Paulus Art und Weise zu missionieren, war in jeglicher Hinsicht vorbildlich. Gleichzeitig berichtet der Text aber auch von Gottes Wirksamkeit. Wir wollen uns diese im folgenden zweiten Teil anschauen.

Teil 2: Gottes Wirksamkeit in Ephesus

Wie hatte Gott Paulus Wirken in Ephesus bestätigt? Betrachten wir hierzu die Verse 11 und 12. Gott bestätigte Paulus dadurch, dass er Wunder durch ihn geschehen ließ. Kranke wurden gesund und Besessene von bösen Geistern befreit. Wegen des vielen Okkultismus und Götzendienstes standen die Menschen in Ephesus unter der Herrschaft von finsteren Mächten.
Aber Paulus lehrte die Alternative: das Reich Gottes (V. 8). Im 1. Korintherbrief 4,20 heißt es: „Denn das Reich Gottes ⟨besteht⟩ nicht im Wort, sondern in Kraft.“ Dass die Menschen merken, dass das Reich Gottes nicht nur Theorie ist, sondern real und kraftvoll ist, ließ Gott durch Paulus böse Geister austreiben. Wenn ein böser Geist sieben Männer verklopfen kann, zeigt es umso mehr, wie groß die Kraft Gottes war, die durch Paulus die bösen Geister austrieb. Ebenso war auch die Heilung von den Krankheiten eine Bekräftigung des Reiches Gottes. Da wo sich Menschen unter die Herrschaft Gottes stellen, wird ihr innerer und ggf. auch ihr äußerer Mensch gesund. Im Römerbrief 14,17 heißt es: „Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist.“
Gottes Wirksamkeit zeigt sich auch in der Begebenheit der jüdischen Beschwörer, von denen wir in den Versen 13-17 lesen. Gott schenkte den jüdischen Beschwörern kein Gelingen. Warum nicht? Sie sagten zu dem bösen Geist: „Ich beschwöre euch bei dem Jesus, den Paulus predigt!“ Indem sie sagten: „bei dem Jesus, den Paulus predigt“ verrieten sie, dass sie selbst gar keine persönliche Beziehung zu Jesus hatten. Sie selber wollten mit Jesus als ihren Herrn und Heiland nichts zu tun haben, aber gleichzeitig seinen Namen für eigene Zwecke benutzen. Sie glaubten, dass der böse Geist ausgetrieben werden könne, wenn sie die Worte sagen: „Ich beschwöre euch bei dem Jesus, den Paulus predigt!“. Dahinter steckt der Glaube, dass man mit Jesu Namen wie mit einer Zauberformel umgehen kann. In der Zauberei geht es ja gerade darum, bestimmte Formeln genau auszusprechen. Das, was diese sieben Beschwörer taten, war vom Wesen her Aberglaube. Die sieben Beschwörer meinten, es spiele keine Rolle, wer sie sind, Hauptsache sie sprechen den Namen Jesus aus. Aber der böse Geist fragte sie: „Wer seid ihr“. Die Frage machte deutlich, dass ihre Person durchaus eine Rolle spielt. Hatten sie mit Jesus nichts zu tun, dann hatten sie auch keine Vollmacht. Und dass dies so ist, ließ der böse Geist die sieben Männer deutlich spüren. Nackt und verwundet, also in Schande, rannten die sieben Männer aus dem Haus.
Wie gebrauchte Gott dieses Ereignis? In Vers 17 erfahren wir, dass Furcht auf die Epheser fiel und der Name Jesu gepriesen wurde. Das Ereignis führte zu mehr Furcht bzw. zu Hochachtung, sowie zur Anbetung gegenüber dem Namen Jesus. Man verstand, dass Jesu Name eben nicht einfach eine Art Zauberformel, ein Mittel zum Zweck ist. Jesus ist der Herr, den man nicht einfach benutzen und demgegenüber man nicht einfach neutral bleiben kann, sondern durch Glauben und Buße in Beziehung treten muss. In Lystra hatten die Menschen Paulus angebetet, nachdem er einen Lahmen geheilt hätte. So etwas hätte auch in Ephesus geschehen können. Paulus hätte von allen bewundert werden können, weil er etwas konnte, was die sieben Beschwörer nicht konnten. Man hätte Paulus als den überlegenen Magier preisen können. Das wäre eine natürliche Reaktion auf das Ereignis gewesen. Aber erstaunlicherweise erhoben die Epheser nicht Paulus Namen, sondern Jesu Namen. Diese Reaktion war nicht natürlich. Sie beweist viel mehr, dass Gott am Wirken war.
Im Vers 18 erfahren wir, dass es zu einer Bußbewegung in Ephesus kam. Durch Paulus hatten viele Menschen in Asia das Wort Gottes gehört, aber dass es in ihrem Herzen aufgeht und Frucht bringt, kam von Gott. Paulus hatte ausgesät, Gott aber gab das Gedeihen. Wie vorbildlich auch Paulus Mission war, ohne die Wirksamkeit Gottes wäre kein einziger zum Glauben gekommen.
Was lernen wir daraus? Wir sind, was den Erfolg der Mission angeht, von Gottes Wirksamkeit abhängig. Es ist daher wichtig, in der Mission sein Vertrauen auf Gott, anstelle auf etwas anderes zu setzen. Wir haben bestimmte Methoden, wie wir Menschen erreichen. Das ist auch an sich nicht schlecht (sofern sie biblisch sind). Aber wenn man meint, Mission gehe nur so, zeigt das, dass man sein Vertrauen weniger auf Gottes Wirksamkeit als auf die eigenen Methoden setzt. Dasselbe gilt auch für den Eifer. Es ist gut, für die Mission allen Eifer einzusetzen. Aber wer meint, der Erfolg der Mission steht und fällt mit dem eigenen Eifer, drückt indirekt damit aus, dass er sein Vertrauen mehr auf sich als auf die Wirksamkeit Gottes setzt. Wie groß der Eifer auch sein mag, wie gut auch die Methoden sein mögen, wir sind und bleiben von Gottes Wirksamkeit abhängig. Wir drücken diese Abhängigkeit durchs Gebet aus. Mission sollte daher auch immer von viel Gebet für nicht errettete Menschen begleitet werden.

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1 DE BOOR, W. (1973): Die Dritte Missionsreise. 3. Das Wirken des Paulus in Ephesus. In:
Wuppertaler Studienbibel, S. 344 – 353. SCMR. Brockhaus.

 

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Fragebogen: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will – Gesendet zur Mission 3 – Apostelgeschichte 19,8-20

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Spirituell relevante Mission 1

Der Text heute ist Apostelgeschichte 19,8-20. Wie beim vorigen Bibelstudium (und den kommenden Bibelstudien zu Apostelgeschichte) wird es hilfreich sein, ein gutes Bibellexikon zu benutzen, um die Kultur und Umstände der damaligen Zeit besser zu verstehen. Unser Augenmerk liegt wieder darauf, was Paulus in seiner Mission tat und was es darüber verrät, wie präzise Paulus seine Umgebung verstanden hat.

Was für eine Stadt war Ephesus?

Wenn wir den Text aus der Vogelperspektive betrachten und mit Paulus‘ Mission in den Städten Athen, Philippi, Korinth vergleichen, welche Unterschiede fallen uns dabei auf? Was denkst du ist der Grund für die Unterschiede und inwiefern passt das, was der Heilige Geist durch Paulus in Ephesus tat, zur Stadt?

Weil der Fokus heute und nächste Woche auf „spirituell“ relevanter Mission liegt: Welche spirituellen Strömungen siehst du in unserer Zeit?
Welche Hinweise gibt dieser Text, wie man diese Menschen erreichen könnte? Was braucht es dazu?

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Predigt: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will – Gesendet zur Mission 2 – Apostelgeschichte 17,16-34

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Intellektuell relevante Mission

„Gott, der über die Zeiten der Unwissenheit hinweggesehen hat, gebietet jetzt den Menschen, dass überall alle umkehren sollen.“

Apostelgeschichte 17,30

Frage: Wer von euch hatte etwas mit guten Intentionen gemacht, und es ging völlig nach hinten los? Ihr wolltet zum Beispiel eurem Ehepartner nur helfen. Und anstatt dass der Ehepartner sich geholfen fühlt, ist er einfach nur genervt. Wem von euch so etwas schon mal passiert? Im Englischen gibt es ein Sprichwort: „Impact trumps intent.“ Und es bedeutet so viel wie: Die Auswirkung von deinen Taten wiegt schwerer als deine Absichten. Anders gesagt, du kannst die besten Absichten gehabt haben. Wenn es trotzdem unpassend ist oder falsch ankommt, hast du es trotzdem vermasselt. Das Schlimme ist, dass uns das nicht nur in unseren persönlichen Beziehungen passieren kann, sondern auch in unserem Zeugnis für Jesus.

Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen möchte, ist eine Gemeinde, die im tief im Evangelium verwurzelt ist, berufen zur Gemeinschaft ist und zur Mission gesendet ist. Letzte Woche haben wir mit dem letzten Thema angefangen: Wir werden von Jesus in die Welt gesendet zur Mission. Beim Bibelstudium hatten wir eine etwas kontroverse Diskussion darüber, ob und wie sich die Gesellschaft verändert hat, im Bezug auf ihre Offenheit gegenüber dem Christentum. Meine These war, dass die Methode, fremde Menschen anzusprechen, heute noch unfruchtbarer ist, als es vor 30 oder 40 Jahren der Fall gewesen ist. Die meisten, mit denen ich gesprochen habe, waren damit nicht einverstanden. Sie sehen das Problem hauptsächlich darin, dass der Eifer zur Mission abgenommen hat. Die Argumentation lautet: wenn wir heute den gleichen Geist und den gleichen Einsatz zeigen würden, dann würden wir heute die Menschen praktisch genauso gut erreichen wie damals in den 80-er Jahren. Ich bin damit einverstanden, dass es grundsätzlich immer gut ist, Herz und Eifer zu haben.

Gleichzeitig denke ich aber, dass sich unsere Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten wirklich gewandelt hat. Und ich denke, dass es heute grundsätzlich wesentlich herausfordernder ist, Menschen für Jesus zu erreichen. Hier sind ein paar Fakten zu meinem zugegebenermaßen sehr subjektivem Gefühl. Vor vier Jahren schrieb der Tagesspiegel: „Schleichend, aber schnell hat im 20. Jahrhundert in der christlichen Welt ein dramatischer Wandel stattgefunden, der sich mit einem epochalen Ereignis wie der Reformation durchaus vergleichen lässt. Zum ersten Mal in seiner Geschichte ist das Christentum eine universale, sehr rasch wachsende Religion geworden. Dieser Christianisierungsschub umfasst sowohl die evangelische als auch die katholische Glaubensrichtung. Es dominiert der globale Süden, die abendländische europäische Kernregion verliert stetig an Einfluss und Bedeutung.“

Um das Ganze mit Zahlen zu untermauern: vor hundert Jahren lebten mehr als 80 Prozent aller Christen in Europa und Nordamerika, heute wohnen von 2,2 Milliarden Christen weltweit zwei Drittel in Asien, Afrika und Lateinamerika. Laut Statistik der „World Christian Encyclopedia“ wird das Christentum im globalen Süden im Jahr 2025 auf 1,7 Milliarden Menschen anwachsen, während es in Nordamerika bei rund 270 Millionen stagniert und in Europa auf 514 Millionen schrumpft.

Wie schaut es in Deutschland aus? Wie macht es sich hier bemerkbar? Auf Statista hatte ich mir die Anzahl der Mitglieder in der evangelischen Landeskirche angeschaut. Von 2003 bis 2020 ist die Zahl der Mitglieder von 25,8 auf 20 Millionen gesunken. Das ist ein Schwund von mehr als 20 % in weniger als 20 Jahren. Das ist enorm. Meine Familie wohnt im selben Straßenblock, in dem sich die Lutherkirche befindet. Die Lutherkirche ist so zusammengeschrumpft, dass sie 2019 mit der Markus- und der Christus-Gemeinde zusammengelegt werden musste. Das ist eine der traurigen Konsequenzen einer Kirche auf dem absteigenden Ast.

Hier ist noch eine subjektive Beobachtung, die ich gerne teilen möchte im Bezug auf unseren eigenen Gemeindeverbund. Praktisch alle UBF Gemeinden, die in den 70er und Anfang der 80er Jahren in Deutschland gegründet wurden, konnten kritische Masse aufbauen, sowohl in Köln, Bonn, Stuttgart, Bochum, Stuttgart und Heidelberg. In praktisch allen Städten, die später z. B. in den 90er Jahren missioniert wurden, war das nicht mehr möglich. Die meisten von diesen Gemeinden haben nach Jahrzehnten der Mission immer noch Hausgemeinde-Status. Das lässt sich nicht nur in Deutschland, sondern auch im europäischen Ausland beobachten (ganz grob vereinfacht gesprochen). Ich denke nicht, dass mangelnder Eifer die Erklärung dafür ist.

Woran liegt das? Ich weiß es nicht genau. Aber die Gesellschaft ist auf jeden Fall dramatisch im Wandel. Und die jungen Menschen vor 30 oder 40 Jahren waren anders als die Menschen heute. Tim Keller hatte im Bezug auf Mission Markus 9: wir haben es mit einem Dämon zu tun, den wir nicht mit Schema F austreiben können. Ich denke, dass unsere 08/15 Methoden nicht mehr so funktionieren wie es vor Jahrzehnten der Fall war. Die alten Mittel haben nicht mehr die gleiche Wirkung.

Vielleicht denkt ihr an dieser Stelle: „Wenn du so schlau bist, dann mach es doch besser, du Klugschwätzer.“ Ich fühle mich definitiv unqualifiziert, um über das Thema zu sprechen. Aber ich möchte gerne einen Vorschlag machen. Tim Keller, der vielleicht mehr Ahnung als jeder andere Mensch davon hat, wie man auch heute im Westen erfolgreich missionieren kann, meinte, dass das Geheimnis in der Urgemeinde zu finden ist. Entgegen allen Wahrscheinlichkeiten hat die frühe Gemeinde die ganze damals bekannte Welt für das Christentum gewonnen. Heute und in den nächsten Wochen wollen wir uns mit der frühen Gemeinde beschäftigen. Genauer gesagt, wollen wir uns darüber Gedanken machen, wie genau Paulus die Menschen damals evangelisiert hat. Wir wollen uns nicht nur anschauen, was er gesagt und gemacht hat, sondern auch, was er in Athen anders gemacht hat als in anderen Städten; was er in Ephesus anders gemacht hat etc. Ich glaube, dass es eine sehr lohnende Erfahrung sein kann.

Im heutigen Text sehen wir Apostel Paulus in der Stadt Athen. Paulus evangelisiert eine Stadt, die damals das intellektuelle Zentrum der Antike war. Das ist, wie wenn Paulus heute vor der versammelten Fakultät von Harvard und Yale stehen würde. Vers 17 sagt, dass Paulus mit den Menschen auf dem Markt diskutierte. Das griechische Wort, das für Diskutieren verwendet wird, ist dielegeto. Es ist mit unserem Wort „Dialog“ verwandt. D. h. Paulus hielt ihnen keinen Monolog. Es war eine Konversation, die auf gegenseitigem Zuhören beruhte.

Wir sehen im heutigen Text, dass es noch etwas anderes gab, was Paulus nicht tat. Er kritisierte ihre Weltanschauung nicht aus der Sicht des Christentums. Die Sicht der anderen zu kritisieren, ist nicht schwer. Wir haben die Tendenz, schnell andere Ansichten zu kritisieren. Aber Paulus tat das nicht. Er tat etwas ganz anderes. In Vers 22 sehen wir, dass wie Paulus die Athener anredet: „Männer von Athen, nach allem, was ich sehe, seid ihr sehr fromm.“ Und Paulus erzählt von einem Altar, der einem unbekannten Gott gewidmet war. Wer immer diesen Altar errichtet hatte, hatte mit ganz großer Sicherheit damit nicht den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs gemeint; er hatte mit Sicherheit nicht den dreieinigen Gott der Bibel gemeint. Trotzdem verwendet Paulus das Ganze als Sprungbrett, um ihnen vom wahren Gott zu erzählen.

Im weiteren Verlauf vom Diskurs sehen wir, wie Paulus gewisse Ansichten von ihnen bejaht. Verse 28 und 29: „Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir; wie auch einige von euren Dichtern gesagt haben: Wir sind von seinem Geschlecht. Da wir also von Gottes Geschlecht sind…“ Paulus zitiert sogar ihre eigenen Dichter. Was tut er hier also? Paulus dringt in ihre eigene Weltanschauung ein. Stellen wir uns vor, wir wollen einen Felsen in die Luft jagen. Es bringt nicht viel, wenn wir den Sprengstoff vor den Felsen anlegen. Eigentlich würde das rein gar nichts bringen. Um den Felsen zu sprengen, müssen wir in den Felsen hinein. Es muss ein Loch gebohrt werden. Wenn wir das Dynamit dann tief in den Felsen hineinbringen, dann haben wir eine Chance, den Felsen zu zerstören. Und genau das tut Paulus. Er zeigt ihnen, dass unter der Annahme ihrer eigenen Prämissen, ihre eigene Weltanschauung widersprüchlich ist und nicht funktioniert. Das zu tun erfordert mehr als Bibelwissen.

Paulus hatte mehr als „nur“ Bibelwissen. Er war ein Mann jüdischer Abstammung, der gleichzeitig ein römischer Bürger war und in einer griechischen Stadt aufgewachsen war. Er war außerdem ein exzellent ausgebildeter Mensch. Er wurde nicht nur zum größten Apostel, sondern zu einem der intellektuellsten Menschen aller Zeiten. Man muss nicht Absolvent einer Elite-Uni sein, um von Gott gebraucht werden zu können. Beileibe nicht. Aber ich glaube, dass Gott es gebrauchen kann, wenn wir neben Herz und Liebe auch intellektuelle Neugier mitbringen.

Um noch ein wenig mehr darauf einzugehen: Michael Luo schrieb für den New Yorker einen ziemlich kritischen Artikel über die evangelikalen Christen in den USA. Als am 6. Januar diesen Jahres Trump-Anhänger das US-Kapitol gestürmt hatten, waren unter ihnen auch selbsterklärte Christen. Nachdem sie gewaltsam in das Kapitol eingedrungen waren, hatten sie im Kapitel eine Gebetsversammlung abgehalten. Hier ist das, was Michael Luo schreibt: „Die Daten deuten darauf hin, dass sich innerhalb der Republikanischen Partei eine glaubensbasierte Realitätskluft herausbildet: Fast drei Viertel der weißen evangelikalen Republikaner glauben, dass bei den Wahlen 2020 ein weit verbreiteter Wählerbetrug stattgefunden hat, verglichen mit vierundfünfzig Prozent der nicht-evangelikalen Republikaner; sechzig Prozent der weißen evangelikalen Republikaner glauben, dass die Antifa, die antifaschistische Gruppe, hauptsächlich für die Gewalt bei den Unruhen im Kapitol verantwortlich war, verglichen mit zweiundvierzig Prozent der nicht-evangelikalen Republikaner. Andere Umfragen haben ergeben, dass weiße Evangelikale dem Covid-19-Impfstoff sehr viel skeptischer gegenüberstehen und sich seltener als andere Amerikaner impfen lassen, was die Erholung des Landes von der Pandemie in Frage stellen könnte.“ Das was Michael Luo kritisiert, ist eine christliche Strömung im Land, die faktenresistent, realitätsfern und anti-intellektuell ist. Das ist jetzt in den USA. Das hat natürlich nur bedingt etwas mit uns zu tun. Aber ich glaube, dass wir Christen in Deutschland besser daran täten, diese Kritik trotzdem ernst zu nehmen.

Auf der Arbeit habe ich es hauptsächlich mit hochgebildeten, promovierten Wissenschaftlern zu tun. Viele von ihnen wurden weltweit in den besten akademischen Institutionen ausgebildet. Ich brauche keine Umfrage unter ihnen durchzuführen, um zu wissen, dass sie vermutlich durch wenige Dinge so sehr abgeschreckt werden, wie von Christen, die an eine 6-Tage-Schöpfung vor 6000 Jahren glauben. Wenn ich damit bei ihnen aufkreuzen würde, hätte ich sofort jede Glaubwürdigkeit verloren. Und völlig zurecht. Viele von uns beten dafür, dass wir Studenten missionieren können. Inwiefern ist uns bewusst, dass wir es mit der angehenden, intellektuellen Schicht unserer Gesellschaft zu tun haben? Einige von ihnen sind die zukünftigen Athener. Sie zu erreichen wird beides brauchen: Liebe zu ihnen und ein Verständnis davon, wie relevant Gott für ihr Leben ist, auch wenn er nicht mit ihrer Anschauung kompatibel zu sein scheint.

Um zusammenzufassen, ich glaube, dass wir mit dem Rückgang des Christentums in der westlichen Welt ein Phänomen von historischem Ausmaß haben. Das Ganze spielt sich direkt vor unseren Augen ab zu unseren Lebzeiten. Gleichzeitig sehen wir ein Christentum, das nicht wirklich gewappnet zu sein scheint, sich den neuen Herausforderungen zu stellen. Eine dieser Herausforderungen könnte sein, die gängigen Weltanschauungen der heutigen Zeit wirklich zu verstehen und zu erfassen; und so gut zu erfassen, dass wir wie Paulus diese Weltanschauungen durchdringen können und innerhalb der eigenen Prämissen zeigen können, dass sie inkonsistent sind. Ich persönlich sehe eine große Not und ein Bedarf an christlichen Denkern, die exzellent ausgebildet sind, mitten in der Gesellschaft stehen und die Menschen geistlich und geistig ansprechen können.

Frage ist, sind wir für diese Herausforderung gerüstet? Und falls nicht, was können wir dann tun?

Zum Text an sich: die Mehrheit der Menschen in Deutschland glaubt immer noch daran, dass es einen Gott gibt … oder irgendein höheres Wesen. Aber im Bezug auf diesen Glauben gibt es mindestens drei Probleme. Paulus macht uns in seiner Predigt darauf aufmerksam. Die Probleme sind, dass dieser Gott meistens viel zu klein ist, um auf die Probleme unserer Zeit eine Antwort zu haben; dass dieser Gott zu weit weg ist, als dass er etwas mit uns zu tun haben könnte; und dass dieser Gott zu irrelevant ist. Paulus zeigt den Zuhörern: erstens, Gott ist größer als zu denkst; zweitens, Gott ist näher als zu denkst; drittens, Gott ist relevanter als du denkst.

Erstens, Gott ist größer

Verse 24 und 25: „Der Gott, der die Welt erschaffen hat und alles in ihr, er, der Herr über Himmel und Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand gemacht sind. Er lässt sich auch nicht von Menschenhänden dienen, als ob er etwas brauche, er, der allen das Leben, den Atem und alles gibt.“ Paulus sagt, dass der wahre Gott der Schöpfer von allen Dingen ist. Er regiert über Himmel und Erde. Daher braucht er keine Tempel (wir können uns vorstellen, wie Paulus mit seinem Arm auf die Tempel zeigt), und er braucht keinen Dienst von Menschen (und dabei zeigte er vielleicht auf die vielen Altäre). Gott ist größer.

Wenn wir Menschen irgendetwas konstruieren oder bauen, dann tun wir es meistens deshalb, weil wir das Geschaffene brauchen, damit es für uns etwas tut: ein Werkzeug, eine Maschine, ein Computer-Programm, das uns einen Nutzen bringen soll. Aber wenn Gott etwas erschafft, dann besteht ein kategorischer Unterschied: Er erschafft nicht, um daraus einen Nutzen für sich zu haben oder weil er etwas brauchen würde. Gott braucht uns nicht. Er hat diese Welt aus seinem überfließenden Reichtum erschaffen, um seinen Reichtum mit uns zu teilen. Gott ist größer.

Vielleicht hatten wir schon mal Gedanken gehabt wie: „Gott kann ja nicht zufrieden mit mir sein. Ich diene ihm nicht genug. Gott kann mich nicht segnen, weil ich ihm nicht genug gehorche. Ich kann nicht glauben, dass Gott sich über mich freuen kann, weil ich zu wenig für ihn tue.“ Und das ist eigentlich nie das Problem. Er braucht dich nicht. Er braucht uns nicht. Das Problem ist, dass dein Gott zu klein ist. Das Problem ist, dass wir nicht verstanden haben, dass er derjenige ist, der uns alles gibt. Die Größe deines Gottes hängt direkt proportional damit zusammen, wie radikal die Gnade Gottes ist, aus der du lebest; wie sehr wir anerkennen können, dass alles Gottes einseitiges Geschenk ist; dass jeder Gehorsam und jedes Opfer unsererseits nichts als eine kleine Reflexion seiner unerschöpflichen Hingabe an uns ist. Gott ist größer.

Zweitens, Gott ist näher

Vers 27 sagt Paulus: „Sie sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden könnten; denn keinem von uns ist er fern.“ Hier ist ein weiteres Problem. Wir beten im Vater Unser: „Unser Vater im Himmel…“ Und unbewusst stellen wir uns den Himmel unerreichbar weit weg vor: geografisch weit weg in der Ferne und zeitlich weit weg in der Zukunft. Und diese Vorstellung ist so daneben. In den Chroniken von Narnia gibt es einen alten Kleiderschrank, der in eine ganz andere Welt führt. Und so müssen wir uns den Himmel vorstellen. Der Himmel ist so nah wie die Tür zu unserem Kleiderschrank. Gott ist näher als du denkst. Viel näher!

Drittens, Gott ist relevanter

In Vers 31 sagt Paulus schließlich: „Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis in Gerechtigkeit richten wird, durch einen Mann, den er dazu bestimmt und vor allen Menschen dadurch ausgewiesen hat, dass er ihn von den Toten auferweckte.“ Paulus verkündet einen Gott, der nicht nur der Schöpfer ist, der sich nicht nur von uns finden lassen kann. Er verkündet einen Gott, der am Ende Gericht halten wird. Und der Richter ist ein Mann, der von den Toten auferstanden ist.

Pfarrer Wilhelm Busch erzählte davon, wie er als junger Pfarrer in Essen einen Bergarbeiterstreik miterlebt hatte. Einer der Bergarbeiter sprach von hungrigen Kindern, Ausbeuterlöhnen und Arbeitslosigkeit. Er sieht dann Wilhelm Busch und brüllt dann: „Ha, da ist ja der Pfaffe! Komm mal her!“. Buch meinte: „Nun, einer freundlichen Einladung folge ich meistens.“ Und so steht er beim Redner vor hundert Bergleuten. Kein theologisches Seminar bereitet jemanden auf solche Situationen vor. Der Redner schreit dann: „Wenn’s einen Gott gibt, […] dann will ich, wenn ich gestorben bin […] zu ihm sagen: Warum hast du zugelassen, dass Menschen auf Schlachtfeldern zerfetzt wurden?! Warum hast du zugelassen, dass Kinder verhungert sind und andere das Essen wegschütten, weil sie zu viel hatten?! Warum hast du zugelassen, dass Menschen an Krebs elend dahingesiecht sind?! Warum? Warum? Du, Gott, tritt ab! Weg mit dir! Hau ab!“

Zu seiner großen Überraschung, fängt Pfarrer Busch ebenfalls an zu schreien: „Ganz richtig! Weg mit diesem Gott! Weg mit diesem Gott!“ Auf einmal ist alles still. Der Redner ist völlig verdutzt und sagt: „Moment mal! Sie sind doch Pfarrer! Da dürfen Sie doch nicht schreien: Weg mit diesem Gott!“ Busch erklärt: „Hör mal zu! Den Gott, vor den du so trittst, vor dem du deinen Mund aufreißen kannst, der sich so zur Rechenschaft ziehen lässt, dass du als Richter vor ihm stehst und er dein Angeklagter ist – den gibt es nur in deiner Einbildung. Zu dem kann ich auch nur sagen: Hinweg mit diesem Gott! […] Aber ich will dir was sagen: Es gibt einen anderen wirklichen Gott. […] es gibt einen heiligen, lebendigen, wirklichen Gott, der zu uns einmal sagen könnte: Hinweg mit dir!“

Wer ist dieser Gott? Es ist der Gott, der Jesus von den Toten auferweckt hat. Es gab eine legendäre Debatte zwischen dem christlichen Mathematik-Professor John Lennox und dem notorischen Atheisten Richard Dawkins. Im Schluss-Plädoyer sagte Lennox dann folgendes: „Und die Auferstehung Jesu Christi, ein Wunder, etwas Übernatürliches, ist für mich der zentrale Beweis, auf den ich meinen Glauben stütze, nicht nur, dass der Atheismus eine Täuschung ist, sondern dass die Gerechtigkeit real ist und unser Sinn für Moral uns nicht verhöhnt, denn wenn es keine Auferstehung gibt, wenn es nichts nach dem Tod gibt, dann haben die Terroristen und Fanatiker am Ende gewonnen.“

Richard Dawkins machte sich in seiner Antwort darüber lustig, in dem er sagte: „Und dann sind wir plötzlich bei der Auferstehung Jesu angelangt. Es ist so unbedeutend, es ist so trivial, es ist so regional, es ist so erdgebunden, es ist so unwürdig für das Universum.“ In gewisser Hinsicht hat Dawkins recht. Es ist regional und erdgebunden. Und gleichzeitig irrt er so gewaltig. Auf welche Art sonst hätte Gott sich uns Menschen offenbaren können? Auf welche andere Weise hätte Gott zeigen können, dass er uns liebt? Dass er kein entfernter Gott der Deisten ist? Es ist genau aus dem Grund, dass die Auferstehung Jesu einmal in Raum und Zeit geschehen ist, dass es Relevanz für uns alle hat; dass Jesu Tod und seine Auferstehung uns etwas angehen; dass sie mit unserem Leben zu tun haben.

Und das sind die drei Punkte: Gott ist größer, näher und relevanter. Und wenn du willst, kann er dein Gott werden und du sein Kind.

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Fragebogen: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will – Gesendet zur Mission 2 – Apostelgeschichte 17,16-34

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Intellektuell relevante Mission

Der Text heute ist Apostelgeschichte 17,16-34. Zur Vorwarnung: das wird kein einfaches Bibelstudium. Es wird erfordern, dass wir zumindest ein wenig versuchen, uns in die Zeit damals hineinzudenken. Falls du ein Bibellexikon oder sogar einen guten Kommentar (mit sorgfältiger Exegese) zur Hand hast, ist das jetzt der richtige Augenblick, diese zu konsultieren.
Ein solides Verständnis der damaligen Zeit ist dringend erforderlich, weil wir erst dann verstehen und schätzen lernen können, wie Paulus die Menschen seiner Zeit adressiert hat.

Verse 22 und 23 sind die Einleitung von Paulus‘ Rede. Wie versucht er ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen?
Verse 24–31 fassen die Predigt von Paulus zusammen. Wie würdest du die Predigt in kurzen zusammenfassen?

Wie nimmt Paulus immer wieder Bezug auf das Wissen und die kulturelle Prägung seiner Zuhörer?
Wie kommt Paulus schließlich zum Evangelium?
Was ist das Resultat von Paulus‘ Predigt?
(Anmerkung: manche sind der Auffassung, dass Paulus‘ Mission in Athen nicht erfolgreich war. Aber ich denke, dass eine solche Interpretation fehlgeleitet ist. Denn in der Tat kommen Menschen zum Glauben).

Welche Prinzipien können wir von Paulus lernen, wie wir die intellektuellen Menschen unserer Zeit erreichen können?
Welche von diesen Prinzipien wären einfach umzusetzen und welche davon schwierig? Kennst du Prediger im deutschsprachigen Raum, von denen zu denkst, dass sie intellektuelle Menschen gut erreichen könnten?

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