Fragebogen: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will – Gesendet zur Mission 2 – Apostelgeschichte 17,16-34

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Intellektuell relevante Mission

Der Text heute ist Apostelgeschichte 17,16-34. Zur Vorwarnung: das wird kein einfaches Bibelstudium. Es wird erfordern, dass wir zumindest ein wenig versuchen, uns in die Zeit damals hineinzudenken. Falls du ein Bibellexikon oder sogar einen guten Kommentar (mit sorgfältiger Exegese) zur Hand hast, ist das jetzt der richtige Augenblick, diese zu konsultieren.
Ein solides Verständnis der damaligen Zeit ist dringend erforderlich, weil wir erst dann verstehen und schätzen lernen können, wie Paulus die Menschen seiner Zeit adressiert hat.

Verse 22 und 23 sind die Einleitung von Paulus‘ Rede. Wie versucht er ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen?
Verse 24–31 fassen die Predigt von Paulus zusammen. Wie würdest du die Predigt in kurzen zusammenfassen?

Wie nimmt Paulus immer wieder Bezug auf das Wissen und die kulturelle Prägung seiner Zuhörer?
Wie kommt Paulus schließlich zum Evangelium?
Was ist das Resultat von Paulus‘ Predigt?
(Anmerkung: manche sind der Auffassung, dass Paulus‘ Mission in Athen nicht erfolgreich war. Aber ich denke, dass eine solche Interpretation fehlgeleitet ist. Denn in der Tat kommen Menschen zum Glauben).

Welche Prinzipien können wir von Paulus lernen, wie wir die intellektuellen Menschen unserer Zeit erreichen können?
Welche von diesen Prinzipien wären einfach umzusetzen und welche davon schwierig? Kennst du Prediger im deutschsprachigen Raum, von denen zu denkst, dass sie intellektuelle Menschen gut erreichen könnten?

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Predigt: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will – Berufen zur Gemeinschaft 5 – Apostelgeschichte 15,1-6.23-29

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Gemeinschaft der Liebe (II)

„Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist aus Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe.“

(1. Joh 4,7)

„Da beschlossen die Apostel und Ältesten mit der ganzen Gemeinde, aus ihrer Mitte Männer auszuwählen und mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden.“

(Apg 15,22a)

In der letzten Predigt zum Thema Gemeinschaft haben wir vor zwei Wochen 1. Johannes 4,7-13 betrachtet. Darin hat Apostel Johannes uns Christen klar dazu aufgefordert, einander zu lieben: „Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben.“ Aber er hat nicht nur aufgefordert, sondern hat gleich auch an den Grund und die Quelle der Liebe erinnert, indem er schrieb: „Denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist aus Gott geboren und kennt Gott.“ Die Liebe ist von Gott. Gott ist die Liebe. Gottes Liebe zu uns ist dadurch erschienen, dass er seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben sollen. Gott hat seinen einzigen Sohn Jesus zur Versöhnung für unsere Sünden in die Welt geschickt und hat ihn am Kreuz dahingegeben, damit wir Vergebung für unsere Sünden empfangen, Gottes Kinder werden und mit ihm ewig leben können! Weil Gott uns so sehr geliebt hat, sollen wir auch einander lieb haben. Wenn wir Gottes Wunsch annehmen und einander wirklich lieben, hilft uns das auch selbst in Gottes Liebe zu bleiben, und Gott bleibt in uns. Wenn wir einander lieben, erfahren wir, dass Gottes Geist in uns wirkt, was wiederum unsere Zuversicht auf Gott stärkt.

Wir verstehen das alle, und eigentlich erscheint es ganz einfach. Aber in Wirklichkeit fällt es uns oft schwer, unsere Geschwister bedingungslos anzunehmen und zu lieben. Obwohl wir an Gottes Liebe glauben, ist unsere Liebe oft zu begrenzt und wir lassen uns leicht davon abhalten, die Geschwister aktiv zu lieben und liebevolle Beziehungen anzuknüpfen und zu pflegen. Dann bleiben unsere Beziehungen oberflächlich und können durch Missverständnisse oder Enttäuschungen leicht beschädigt werden, und einige können sich einsam fühlen. Was können wir tun? Wenn wir unseren Mangel an Liebe erkennen, sollen wir zu Gott kommen, ernsthaft Buße tun und seine Liebe zu uns neu annehmen. Dann wird er uns neu mit seiner Liebe erfüllen, und wir können seine Liebe an die Glaubensgeschwister weitergeben. Dass wir Gottes Liebe im Herzen behalten, ist das A und O für unser Glaubensleben und für liebevolle Beziehungen in der Gemeinde. Das ist das Wichtigste.

Das bedeutet aber nicht, dass sich die Liebe zu den anderen ganz von alleine entwickeln würde und wir gar nichts dafür könnten und bräuchten. Wir unterschätzen leicht, wie tiefe Spuren unsere Selbstliebe in unserem Denken und unserem Verhalten bzw. unserer Kommunikation mit anderen hinterlassen hat und wie sehr uns das beim Entwickeln von guten geistlichen Beziehungen behindern kann. Deshalb ist es gut, wenn wir unsere eigenen Denk- und Verhaltensschemata erkennen; und wenn wir Gott um Veränderung bitten und ein Denken und ein Verhalten gegenüber anderen üben, das der Liebe Gottes entspricht und uns ermöglicht, gesunde, bleibende Beziehungen aufzubauen. Heute wollen wir deshalb über unsere Kommunikation mit andern nachdenken. Wie soll sich die Liebe zu den Geschwistern in unserer Kommunikation zeigen? Was ist gute Kommunikation in einer Gemeinde, in der alle einander lieben? Wir wollen darüber anhand von Apostelgeschichte 15 nachdenken und einige Antworten darauf finden. Möge Gott uns dadurch helfen, weiter zu Menschen verändert zu werden, die andere wahrhaft lieben können!

Gute Kommunikation ist grundsätzlich in allen Bereichen unseres Lebens wichtig, sowohl in der Familie oder WG, in der Schule und Uni, am Arbeitsplatz und auch in der Gemeinde. Aber gute Kommunikation ist keineswegs selbstverständlich, eher ist sie vielerorts ein Problem. Das kann man alleine schon daran erkennen, dass zu diesem Thema unzählige Bücher, Kurse und oft teure Schulungen angeboten werden. Die Firma, in der ich arbeite, hat zum Beispiel letztes Jahr einen Vertrag mit einer Firma abgeschlossen, die speziell für Firmen online Weiterbildungskurse zu allen möglichen Themen anbietet und bei der jeder Mitarbeiter eine gewisse Anzahl von Kursen belegen kann. Letzte Woche war ich zufällig mal wieder auf der Homepage; und mir fiel auf, dass alle Kursangebote auf der ersten Seite mit dem Thema Kommunikation zu tun hatten. Das ist ein kleines, aber konkretes Beispiel dafür, wie wichtig gute Kommunikation ist, wie viele Menschen damit aber offenbar Probleme haben. Wir brauchen uns also nicht zu schämen, wenn wir erkennen, dass wir auch in der Gemeinde noch Verbesserungsbedarf in der Kommunikation haben. Um kein Missverständnis zu erzeugen: ich meine nicht, dass unsere Kommunikation in der Gemeinde besonders schlecht wäre; aber es ist auch nicht gerade eine unserer großen Stärken; wir haben da noch Luft nach oben. Natürlich werden wir durch die Verbesserung unserer Kommunikation nicht automatisch zu einer geistlichen Gemeinschaft werden, wie Jesus sie sich wünscht. Aber um eine Gemeinschaft zu werden, die von herzlicher Liebe geprägt ist, in der jeder offen über seine persönlichen Anliegen reden kann, ist eine gute Kommunikation einfach wichtig, und Fortschritte darin werden uns helfen, schneller zu so einer Gemeinschaft zu werden.

Wenn wir die Apostelgeschichte betrachten, erfahren wir bereits in Kap. 2 etwas über die Kommunikation der Christen in der ersten Gemeinde. Kap. 2,42 sagt: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.“ Die Verse 46 und 47 sagen weiter: „Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.“ Hier erfahren wir, dass die Christen in der ersten Gemeinde sich gern und häufig getroffen haben, und wir bekommen den Eindruck, dass sie ihr Leben miteinander geteilt haben, also wohl auch offen miteinander geredet haben.
Wir leben in einer Zeit, in der es ein wachsender Trend ist, sein Leben genau so zu gestalten, wie man es will, insbesondere auch, wann, wie viel und mit wem ich Gemeinschaft habe. Ein Grund dafür, dass in unserem Land immer mehr Wohnungen gebaut werden müssen, obwohl die gesamte Einwohnerzahl kaum wächst, ist, dass immer mehr Menschen alleine in einer eigenen Wohnung leben wollen. Damit sie sich nicht einsam fühlen, können sie online immer mehr Angebote zur Unterhaltung nutzen, unzählige Filme, Dokus, Beiträge auf Youtube oder Tiktok oder Apps, über die sie mit ihrem Handy kommunizieren können, oder Robotern, die nicht nur Fragen beantworten, sondern auch ausführen, was man ihnen sagt, und wenn es auch nur Staubsaugen oder das Mähen des Rasens ist. Aber all das kann echte Gemeinschaft mit Menschen, zu denen man eine persönliche Beziehung pflegt, nicht wirklich ersetzen. Sowieso ist sich zurückzuziehen und für sich allein zu leben, für uns Christen keine Option. Die Stelle in Apostelgeschichte 2 zeigt, dass wir als Christen dazu berufen sind, in Gemeinschaft mit Glaubensgeschwistern zu leben. Und dass diese Gemeinschaft von herzlicher Liebe und einer offenen Kommunikation gekennzeichnet sein sollte.

Was lehrt dann unsere Stelle in Apostelgeschichte 15 über die Kommunikation der ersten Christen? In diesem Kapitel wird von einem großen Streitfall in der christlichen Gemeinde berichtet und wie er gelöst wurde. In Antiochia war zum ersten Mal auch vielen Heiden das Evangelium gepredigt worden und viele kamen zum Glauben an Jesus. Als die Gemeinde wuchs, sandten sie Paulus und Barnabas zu einer Missionsreise nach Kleinasien aus, wo viele weitere Heiden (Nichtjuden) zum Glauben an Jesus kamen. Nach ihrer Rückkehr nach Antiochia kamen einige Männer aus Judäa und lehrten die Brüder, dass sie sich beschneiden lassen und nach der Ordnung des Mose leben müssten, da sie sonst nicht gerettet werden könnten. Ihre Lehre stellte die Gemeinde vor eine wichtige theologische Frage, nämlich ob der Glaube an Jesus genug ist, oder ob Menschen sich außerdem auch beschneiden lassen und das Gesetz von Mose halten müssen, um gerettet zu werden. Es ging um den Kern des Evangeliums.

Wie gingen Paulus und Barnabas damit um? Es heißt, dass sie einen nicht geringen Streit mit ihnen hatten. Das deutet darauf hin, dass sie mit ihnen heftig stritten und auch, als es keine Einigung gab, nicht nachgaben. Paulus schrieb später im Römerbrief, dass die Gläubigen nicht um Meinungen streiten sollten. Wir sollten grundsätzlich in der Gemeinde Streit vermeiden, wenn es um Meinungen geht, zum Beispiel darüber, ob wir an Feiertagen wie Ostern und Pfingsten einen besonderen Gottesdienst feiern wollen oder nicht, über die Musik oder Form im Gottesdienst oder wir den Gottesdienstraum in einer anderen Farbe streichen sollen. Wir sollten über solche Dinge nicht streiten, sondern vielmehr darauf bedacht sein, Frieden zu halten, um die Einigkeit im Geist zu bewahren. Aber wenn es um den Kern des Evangeliums geht, sollen wir wenn nötig streiten, weil es um Gottes Heilswerk und um das Leben der Menschen geht.

Was taten die Gläubigen in Antiochia, als es zu keiner Einigung dieser Frage kam? Sie ordneten an, dass Paulus und Barnabas und einige andere von ihnen nach Jerusalem zu den Aposteln und Ältesten reisen sollten, damit diese Frage durch sie geklärt würde. Wenn wir einen wichtige geistliche Frage nicht klären können, kann es eine Lösung sein, dass wir andere anerkannte geistliche Persönlichkeiten konsultieren, um durch ihre Hilfe zu erkennen, was Gottes Willen und Wahrheit entspricht. Als Paulus und Barnabas der Gemeinde in Jerusalem verkündeten, wie viel Gott durch sie unter den Heiden gewirkt hatte, traten einige von der Gruppe der Pharisäer auf, die gläubig geworden waren, und sagten: „Man muss sie beschneiden und ihnen gebieten, das Gesetz des Mose zu halten.“ Dann kamen die Apostel und die Ältesten zusammen, um über diese Sache zu beraten. Es war keine einfache Frage. Die gläubig gewordenen Pharisäer müssen mit vielen Stellen aus der Bibel argumentiert haben, warum es richtig und notwendig sei, dass die gläubig gewordenen Heiden auch das Gesetz halten. Vers 7 sagt, dass man lange gestritten hat. Paulus und Barnabas haben also auch in Jerusalem nicht nachgegeben, zu behaupten, dass der Glaube an Jesus allein genügt, um gerettet zu werden. Aber man konnte in der Gemeinde keine Einigung finden. Die Klärung kam erst, als Petrus aufstand und daran erinnerte, dass Gott durch ihn zuerst Heiden das Evangelium gepredigt hat und zwischen den Judenchristen und den Heiden keinen Unterschied gemacht hat, sondern den Heiden, die glaubten, genauso den Heiligen Geist gegeben und ihre Herzen durch den Glauben gereinigt hatte wie vorher schon vielen Juden. Aufgrund dieser Einsicht tadelte Petrus sogar die ganze Versammlung: „Warum versucht ihr denn nun Gott dadurch, dass ihr ein Joch auf den Nacken der Jünger legt, das weder unsre Väter noch wir haben tragen können?“ Er tadelte diejenigen, die von den gläubig gewordenen Heiden verlangten, sich beschneiden zu lassen und das Gesetz zu halten, weil es ein Joch war, das auch die Juden nicht hatten tragen können. Dann fuhr er fort: „Vielmehr glauben wir durch die Gnade des Herrn Jesus selig zu werden, auf gleiche Weise wie auch sie. Da schwieg die ganze Menge still und hörte Paulus und Barnabas zu, die erzählten, wie große Zeichen und Wunder Gott durch sie getan hatte unter den Heiden“ (Apg 15,10-12). Petrus‘ Worte hatten Gewicht, weil er konsequent davon ausging, wie Gott gewirkt hatte. Danach war die ganze Versammlung still und bereit, Paulus und Barnabas wirklich zuzuhören. Nun konnten sie wahrnehmen, wie Gott unter den Heiden gewirkt und sie allein aufgrund ihres Glaubens an Jesus als seine Kinder angenommen hat. Als sie alles gesagt hatten, was sie berichten wollten, redete Jakobus, der auch einer der Leiter der Urgemeinde war. Er bezeugte, dass das, was Petrus gesagt hatte, mit Gottes Prophezeiung im Buch Amos übereinstimmte. Daraus zog er die Schlussfolgerung, dass man die zum Glauben gekommenen Heiden nicht beschweren, sondern ihnen schreiben solle, dass sie sich von Unzucht und von Befleckung durch Götzen und vom Fleisch von erstickten Tieren und vom Blut enthalten sollten (13-21). Das Verbot von Unzucht sollte ihnen helfen, ihren eigenen Frauen treu zu sein. Die Einschränkungen beim Essen begründete Jakobus damit, dass die Bücher von Mose von alten Zeiten her in allen Städten gelesen und in den Synagogen gepredigt werden. Den Heidenchristen wurden diese Einschränkungen also auferlegt, damit die zum Glauben gekommenen Juden nicht an ihrem Essen Anstoß nehmen würden, sondern sie mit den Heidenchristen in den Gemeinden essen und Gemeinschaft haben konnten.

Vers 22 sagt: „Da beschlossen die Apostel und Ältesten mit der ganzen Gemeinde, aus ihrer Mitte Männer auszuwählen und mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden, nämlich Judas mit dem Beinamen Barsabbas und Silas, angesehene Männer unter den Brüdern.“ Die Verse 22-29 berichten, wie die ganze Versammlung einmütig einen offiziellen Beschluss fasste und zwei Mitarbeiter damit beauftragte, ihn in den Gemeinden bekannt zu machen. Die Christen in Jerusalem hatten also durch ihr langes Gespräch schließlich Gottes Willen erkannt und hatten Einigkeit darin erlangt. In ihrem Schreiben haben sie sich klar von den Behauptungen der Irrlehrer distanziert und den Heidenchristen Gottes Willen klar verkündigt: „Denn es gefällt dem Heiligen Geist und uns, euch weiter keine Last aufzu­erlegen als nur diese notwendigen Dinge: dass ihr euch enthaltet vom Götzenopfer­fleisch und vom Blut und vom Erstickten und von Unzucht. Wenn ihr euch davor bewahrt, tut ihr recht. Lebt wohl!“ (28.29)

Hier können wir lernen, wie wichtig auch in der christlichen Gemeinde gute Kommunikation ist. Das große Problem war nur dadurch entstanden, weil die Gläubigen es nicht geschafft hatten, allen gläubig gewordenen Juden das Evangelium so klar zu verkündigen, dass sie erkannt hätten, dass der Glaube an Jesus vor Gott wirklich genügt. Zum anderen können wir lernen, wie sie das Problem durch gute Kommunikation gelöst haben. Paulus und Barnabas haben mit den gesetzlichen Judenchristen lange in Antiochia und in Jerusalem lange gestritten, weil es um die Wahrheit des Evangeliums ging. Wenn es um die Wahrheit des Evangeliums geht, kann es sein, dass wir auch manchmal streiten müssen. Dabei ist es wichtig, dass wir nicht nur versuchen, Recht zu bekommen, und unsere Ansicht mit allen möglichen Versen zu verteidigen. Die Brüder in Jerusalem kamen aber erst dann zur Einsicht, als sie aufhörten, ihre eigene Position zu verteidigen, und still wurden und Petrus, Paulus, Barnabas und Jakobus wirklich zuhörten. Es ist auch für uns sehr wichtig, dass wir einander gut zuhören, insbesondere wenn wir verschiedene Meinungen haben. Dann sollen wir versuchen, die Meinung des anderen gut zu verstehen, bevor wir etwas dagegen sagen. Das ist möglich, wenn wir eine demütige Haltung aufbringen und uns bewusst machen, dass der andere auch ein geschätztes Kind Gottes ist, und uns nicht für klüger halten und im Recht sehen, nur weil unser Verstand und unser Herz davon überzeugt sind. Wenn wir untereinander diese Haltung aufbringen und ernsthaft vor Gott seinen Willen suchen, was sein Wille ist, werden auf alle Fragen eine richtige Antwort finden und eine Überzeugung erlangen.

Dass wir in der Gemeinde einander demütig begegnen und einander gut zuhören, ist nicht nur in Streitfragen wichtig, sondern es sollte immer unsere Haltung sein. Für gute Kommunikation mit anderen ist es eins der wichtigsten Dinge, dass wir lernen, einander wirklich zuzuhören. Das klingt trivial, ist es aber nicht. Gute Gespräche sind nur möglich, wenn wir den anderen höher achten als uns selbst und mit diesem Respekt, Interesse und Geduld ihm zuhören, bis er alles gesagt hat, was er sagen wollte. Wir merken nicht, wie oft wir voreilig unsere eigene Meinung oder Erfahrung dazu sagen oder antworten, wie er mit dem Problem umgehen soll, und so gute Kommunikation verhindern. Obwohl wir es gut meinen, verhindern wir dadurch ein tieferes, offeneres Gespräch. Stattdessen sollten wir alles dafür einsetzen, den anderen wirklich zu verstehen, indem wir nachfragen, ob wir ihn richtig verstanden haben, und ihn ermutigen, noch mehr von dem zu sagen, was er eigentlich sagen wollte. Wenn er alles gesagt hat, können wir vielleicht einen Rat geben, wenn er das will. Aber wenn nicht, und der andere sich „lediglich“ verstanden fühlt, haben wir trotzdem etwas Großartiges erreicht, nämlich wir, dass wir den Bruder oder die Schwester besser verstehen durften und mit mehr Respekt und mehr Verständnis für ihn beten können, und er, dass er sich öffnen konnte und Verständnis und Anteilnahme erleben durfte, was er sich vielleicht schon lange so sehr gewünscht hat. Wir selbst sollten auch wagen, anderen offen und ehrlich zu begegnen und nicht mehr unsere Schwächen und Probleme zu verbergen, um uns selbst zu schützen. Das erfordert zwar Mut und Vertrauen gegenüber dem Bruder, mit dem wir reden; es ermöglicht uns aber geistliche Gemeinschaft, in der wir ehrlich vor Gott stehen und in der Jesus sich als der Heiland verherrlichen und heilsam, befreiend und mächtig rettend wirken kann. Möge Gott uns helfen, einander zu lieben und gut miteinander zu kommunizieren!

 

 

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Fragebogen: Die Gemeinde, die Jesus unter uns bauen will – Berufen zur Gemeinschaft 5 – Apostelgeschichte 15,1-6.23-29

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Gemeinschaft der Liebe

Heute lesen wir noch einmal 1. Johannes 4,7-13. Zusätzlich lesen wir Apostelgeschichte 15,1-6 und die Verse 23-29.
Wir haben beim letzten Mal bereits gesehen, dass es in der Praxis gar nicht einfach ist, den Nächsten zu lieben; auch dann nicht, wenn wir es eigentlich wollen und es immer wieder versuchen. Wir wollen über praktische Anwendungen nachdenken, die uns helfen sollen, zu Menschen verändert zu werden, die besser lieben können. Zwei Aspekte wollen wir im Besonderen betrachten.

Erstens, Kommunikation. Im Text aus Apostelgeschichte geht es zwar vor allem um eine extrem wichtige theologische Angelegenheit. Aber es ging hier auch um Kommunikation. Inwiefern?
Kannst du dich an Situationen erinnern, in denen unnötige Spannungen und vielleicht auch hässliche Momente entstanden sind, weil schlecht kommuniziert wurde?
Wie sieht deiner Meinung nach gute Kommunikation aus?

Zweitens, Erwartungen. Im Text in der Apostelgeschichte geht es auch um Erwartungen. Inwiefern?

Betrachte folgende Situationen (Peter Scazzero):
• Natürlich kommst du zum Familien-Event. Wir sind dir doch wichtig, oder nicht?
• Ich wusste nicht, dass alle diese Aufgaben zur Stelle dazu gehören. Das hattest du mir nicht gesagt.
• Mein erwachsener Sohn sollte wissen, dass ich ihn brauche, um das zu reparieren. Das ist etwas, worum ich ihn nicht bitten sollte.
• Wenn ich ihr nicht egal wäre, dann würde sie mich mal anrufen.
• In einer guten Gemeinde sollten alle unterstützend und verständnisvoll sein, wenn man verletzt ist.
Was steckt dahinter?

Hast du schon einmal die Erfahrung gemacht, dass andere etwas von dir erwartet haben und das zu Problemen geführt hat? Welche Erwartungen hast du an andere? Was wären deiner Meinung nach gerechtfertigte Erwartungen?

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Predigt: Apostelgeschichte 2,1 – 21 (Pfingsten 2021)

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Das Kommen des Heiligen Geistes

„Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“

(Apostelgeschichte 2,4)

Pünktlich zu Pfingsten schreibt der Spiegel Online folgendes: „Kein Pfingstwunder, nirgends. Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. Was es mit dem auf sich hat, ist so leicht nicht zu verstehen. Dies aber ist theologische Absicht. Hier geht es ja um überirdische Mächte, die aus sich heraus geheimnisvoll sein sollen. Grob zusammengefasst lässt sich sagen, dass dieser Geist, wenn er denn über einen kommt, neue Kraft bewirkt. Der Besuch des Heiligen Geistes gilt als Pfingstwunder.“ So weit der Spiegel. Der skeptische Unterton ist halt Spiegel. Der negative Unterton liegt daran, dass es um die Kirche nicht so gut bestellt ist. Die Spiegel Titelgeschichte diese Woche handelt davon, dass in Deutschland scharenweise Christen aus der katholischen Kirche austreten. Die Menschen sind desillusioniert und enttäuscht von der Kirche. Was die Kirche braucht, und das, was wir alle brauchen, ist eine Erfüllung mit dem Heiligen Geist.
Apostelgeschichte 2 handelt vom Kommen des Heiligen Geistes. Eine ganz kurze Erklärung, was dieser Text nicht ist: dieser Text ist keine Anleitung, wie man den Heiligen Geist empfängt. Wir finden hier keinen 5-Punkteplan, der, wenn man ihn befolgt, zum Erfolg führt. Dieser Text ist auch kein Musterbeispiel dafür, wie Erfüllung mit dem Heiligen Geist aussehen muss, im Sinne von: genau so muss das Kommen des Geistes aussehen und nicht anders. Wir können hier keine Prinzipien ableiten, welche Zeichen und Manifestationen mit dem Heiligen Geist einhergehen müssen. Wenn der Text also keine Punkt-für-Punkt Anleitung und auch nicht das Beispiel schlechthin ist, wie sollten wir den Text lesen? Wie sollten wir den Text verstehen? Apostelgeschichte ist in erster Linie eben genau das: eine Geschichte. Es ist ein Bericht. Und genau so wollen wir das heute lesen. Wir lesen Apostelgeschichte 2 als einen Tatsachenbericht von einem einzigartigen Ereignis: das Pfingstwunder.
Der Text zeigt uns, wie der Heilige Geist kam. Wir erfahren hier erstens, die Umstände, zweitens, die Erscheinung und drittens die Auswirkung des Kommens vom Heiligen Geist.

Erstens, die Umstände
Der Heilige Geist kam nicht irgendwann. Er kam nicht an einem willkürlichen, zufälligen Tag in der Geschichte. Vers 1 sagt: „Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort.“ Er kam zum Pfingstfest. Wie die meisten von euch wissen, war Pfingsten auch vorher schon ein wichtiger Feiertag. Pfingsten war zunächst eine Art Erntedankfest. Das Volk Israel brachte zu diesem Fest die ersten Früchte der Ernte dar. Es war sowohl ein Dankfest; und vermutlich war es auch ein Gebet, dass der Rest der Ernte gut ausfallen möge.
Aber Pfingsten war noch mehr als das. Das wichtige Jahresfest vor Pfingsten war das Passafest. Beim Passa wurde der Exodus gefeiert: das Auszug des Volkes Israel aus Ägypten, aus dem Land ihrer Knechtschaft und Sklaverei. Pfingsten fand 50 Tage nach dem Passafest statt. Das Volk Israel befand sich zu diesem Zeitpunkt am Berg Sinai. An diesem Berg erscheint die Herrlichkeit Gottes. Gott schließt mit seinem Volk einen Bund. Israel empfängt das Gesetz. Und was bedeutet das Empfangen von Gottes Geboten? Die Gebote (und das ist wichtig, dass wir das verstehen) wurden im Kontext eines Bundes gegeben, den Gott mit den Israeliten am Berg getroffen hatte. Das Gesetz ist in erster Linie für sie. Für uns hat es erst einmal keine moralisch bindende Relevanz, weil wir nicht Teil dieses Bundes sind. Israel bekommt das Gesetz als Ausdruck ihres neuen Lebens. Das Gesetz bestimmt fortan, wie sie ihr Leben führen sollen.
Die Ereignisse bei der Erscheinung des Heiligen Geistes reflektieren diese Feste des AT. Und gleichzeitig bekommen die Feste des AT eine völlig neue Bedeutung. Sieben Wochen vorher hatte Jesus mit seinen Jüngern Passa gefeiert. Es war ein Passafest wie so viele hunderte Passafeste vorher. Und doch war alles ganz anders. Jesus wird das wahre Passalamm: er wurde für uns geschlachtet; er ist für uns gestorben. Und das wiederum führte zu einem ganz anderen Exodus. Jesus führt uns aus der wahren Knechtschaft und Sklaverei heraus. Er macht uns frei von unseren wahren Feinden: nicht von Menschen, sondern von Sünde und Tod. Genau wie Mose die Israeliten zum Berg geführt hat, führt Jesus uns zu einem Berg. Es ist nicht mehr der Berg Sinai, der mit Feuer brennt und wo alle Menschen, die sich unrechtmäßig diesem Berg nahen, sterben. Hebräer 12,22 sagt: „Ihr seid vielmehr zum Berg Zion hinzugetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, zu Tausenden von Engeln, zu einer festlichen Versammlung.“ Das ist unser Berg.
Was bedeutet das? Das NT löst das AT ab. Der alte Bund wird vom neuen Bund überholt. Im alten Bund ging es um das, was wir tun; es ging um unseren Gehorsam und um unser Tun. Im neuen Bund geht es in erster Linie um Jesu Gehorsam und um das, was Jesus für uns getan hat. Im alten Bund ging es vor allem um äußere Performance und sichtbare Leistungen. Im neuen Bund geht es erst einmal um unsere Innerlichkeit, um das, was unsichtbar in unseren Herzen ist. Der Heilige Geist kommt im Kontext des neuen Bundes. Er zeigt uns, wer Jesus ist, was er für uns getan hat. Er schreibt Jesu Liebe und Jesu Gebote in unsere Herzen. Er verändert unser Inneres. Genauso wie das Gesetz Moses den Israeliten einen neuen Lebensstil auferlegt, steht das Kommen des Geistes für das neue Leben, das wir mit Jesus führen dürfen.
Wir sehen noch einen weiteren wichtigen Umstand. Es ist ein Aspekt, der mir erst vor wenigen Jahren aufgefallen ist. Das Kommen des Heiligen Geistes steht im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Reich Gottes. Vielleicht ist das eines der wichtigsten Aspekte, um Apostelgeschichte richtig zu lesen. Am Anfang des Buches lesen wir, dass Jesus in den letzten Tagen, in denen er physisch mit seinen Jüngern zusammen war, zwei Dinge tat: er zeigte ihnen, dass er wirklich auferstanden ist und lebt; und er redete mit ihnen vom Reich Gottes. Vierzig Tage lang redet Jesus mit ihnen von Gottes Königreich. In Vers 6 fragen die Jünger: „Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel?“ Früher dachte ich, dass die Jünger Jesus missverstanden hatten. Aber es geht Jesus um das Reich für Israel. Am Ende von Apostelgeschichte schließt sich der Kreis. Paulus sagt: „Denn um der Hoffnung Israels willen trage ich diese Fesseln.“ Und das Buch endet mit den Worten: Paulus „verkündete das Reich Gottes und lehrte über Jesus Christus, den Herrn – mit allem Freimut, ungehindert.“ Als Petrus am Pfingsttag die Predigt hält, ist die Schlussfolgerung seiner Rede: „Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.“ Die Botschaft von Petrus lautete: Jesus ist König und Herr; Jesus regiert. Durch König Jesus ist Gottes Herrschaft hier auf Erden angebrochen. Das Kommen des Heiligen Geistes ist die Manifestation dessen. Es geht um das Reich Gottes.
Zwei Gründe, warum das wirklich wichtig für uns ist. Viele vor allem evangelikale Christen haben eine etwas zu einfache Vorstellung, worum es im christlichen Glauben geht. Manche denken, dass es einfach nur darauf ankommt, gerettet zu werden, damit man nicht in die Hölle kommt, und in den Himmel gehen kann, wenn man stirbt. Viele evangelikale Christen denken, dass die frohe Botschaft die minimalen Voraussetzungen sind, die man glauben oder erfüllen muss, um es gerade so in den Himmel zu schaffen. Aber das ist nicht das Evangelium, das Jesus verkündigt hat. Ich habe schon öfters erwähnt, dass die Hoffnung der ersten Christen nicht darin bestand, in den Himmel zu gehen, wenn sie sterben. Ihre Hoffnung war die Auferstehung von den Toten. Ihre Hoffnung war das Reich Gottes: nicht als ein Ort zu dem man hingeht, wenn man stirbt; sondern als der Bereich der Herrschaft Gottes, der im Hier und Jetzt zu erfahren ist. Das Evangelium ist die frohe Botschaft, dass Jesus der König ist. Im Vater Unser hat Jesus uns gelehrt, dass wir dafür beten sollen, dass sein Reich komme. Gottes Willen soll auf Erden geschehen, so wie er im Himmel geschieht. Mit anderen Worten, Christen beten und leben dafür, dass der Himmel herabkommt im Hier und Jetzt.
Zum anderen, eine Königreichperspektive hilft uns, eine ausgewogene Theologie zu haben, was Rettung angeht. Um eine ganz stark vereinfachte Zusammenfassung vom Problem zu geben: auf der einen Seite haben wir die eher liberalen Christen, die quasi aufgehört haben, Sünde und Vergebung zu predigen und nur noch wohltätige Projekte machen. Und das sage nicht nur ich; selbst die Zeit schrieb: „Die evangelische Kirche scheut das klare Wort, vor allem wenn es um Glaubensinhalte geht. Doch wer niemanden erschrecken will, hat es auch schwer zu überzeugen.“ Auf der anderen Seite sind die eher konservativen Freikirchen, die als Gegenbewegung dazu vor allem Umkehr von den Sünden predigen. Aber wohltätige Aktivitäten, soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz haben eine geringe Priorität. Kurze Frage an uns: wo befinden wir uns auf dieser Skala? Es gibt leider nicht so viele christliche Gemeinden, die beides tun.
Die ersten Christen sind aber weder links noch rechts vom Pferd gefallen. Für sie gab es kein Entweder Oder. Sie waren beidem hingegeben: sie hatten sowohl ein Herz für Sünder als auch ein Herz für die Armen; sie haben sowohl Menschen zu Jesus bekehrt als auch die Armen versorgt; sie haben sowohl Gemeinde gebaut als auch soziale Gerechtigkeit gefördert. Sie haben sowohl evangelisiert und missioniert, als auch ihre Stadt zu einem besseren Ort für alle gemacht. Warum? Weil es das ist, was im Reich Gottes geschieht. Es ist das, was König Jesus tut. Jesus predigte das Reich Gottes und heilte Menschen und trieb böse Geister aus und gab ihnen zu essen. Und das ist es, was der Heilige Geist tut. Er ist der Geist Christi. Er selbst ist die Gegenwart von König Jesus unter uns.

Zweitens, die Erscheinung
Das Kommen des Heiligen Geistes ist ein übernatürliches Wunder. Wir lesen in Vers 2: „Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.“ In Vers 3 ist die Rede von Zungen wie von Feuer. Auf der einen Seite verwendet Lukas zwei Bilder, die den Juden im ersten Jahrhundert sehr geläufig sein mussten: Wind und Feuer. Es gibt im AT mehrere Erscheinungen Gottes, die mit Wind und Feuer verbunden sind. Das heißt Wind und Feuer machen durchaus Sinn. Das Problem ist hier aber, dass der Text das nicht sagt. Es gab ein Brausen. Aber der Text sagt „wie ein heftiger Sturm“. Vermutlich war es kein Sturm. Und die Zungen, die sich niederlassen waren wie Feuer. Aber es war kein Feuer. Mit anderen Worten, eigentlich wissen wir gar nicht, was da passiert ist. Das einzige, was wir auf jeden Fall festhalten können, ist, dass es kraftvoll und herrlich und übernatürlich war. Es fehlen uns die Worte, es richtig zu beschreiben.
Wir sehen als nächstes, dass das Kommen des Heiligen Geistes ein individuelles Ereignis war. Wir sehen das in den Versen 3 und 4: „Und er erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt.“ Der Heilige Geist erfüllt jetzt nicht nur einige von ihnen, wie z.B. nur die 12 Apostel. Der Heilige Geist kam nicht nur auf die Männer herab. Der Text sagt, dass alle erfüllt wurden. Jeder der anwesenden Geschwister machten diese Erfahrung. Jeder erfuhr subjektiv, wie es ist, mit dem Heiligen Geist erfüllt zu werden. Jeder für sich genommen erfuhr die Kraft Gottes. Für jeden von ihnen war es eine persönliche Begegnung zwischen Gott und ihnen.
C.S. Lewis erlebte die Gegenwart des Heiligen Geistes, als er ein Student in Oxford war. Er sagte folgendes: „Christus begegnet Männern und Frauen auf unterschiedliche Weise. Wenn ich versuche, die damalige Erfahrung zu beschreiben, verwende ich die Bildersprache der Grals-Vision. So kam es mir vor. Es gab aber keine wahrnehmbare Vision. Da war nur der Raum mit seinen schäbigen Möbeln und dem Feuer, das im Rost brannte, und der rot schattierten Lampe auf dem Tisch. Aber der Raum war erfüllt von einer Gegenwart, die auf seltsame Weise sowohl um mich herum als auch in mir war wie ein Licht oder eine Wärme. Ich war überwältigend besessen von jemandem, der nicht ich selbst war. Und doch fühlte ich mich mehr ich selbst als je zuvor. Ich war erfüllt von intensivem Glück und fast unerträglicher Freude, wie ich sie noch nie zuvor oder seither gekannt hatte. Und insgesamt war da ein tiefes Gefühl von Frieden und Sicherheit und Gewissheit.“ Das war Pfingsten für C.S. Lewis. Erfüllung mit dem Heiligen Geist ist also eine sehr persönliche, individuelle Angelegenheit.
Auf der anderen Seite, war das erste Pfingsten definitiv eine gemeinschaftliche Erfahrung. Der Heilige Geist kam, als alle zusammen waren. Wer war zusammen? Wir sehen in Kapitel 1, dass es vor Pfingsten eine Gemeinschaft von Christen gab, die 120 Menschen umfasste. Viele sagen ja, dass Pfingsten der Geburtstag der Gemeinde war. Das mag in gewisser Weise auch stimmen. Aber ganz korrekt ist das nicht. Das griechische Wort für Gemeinde ist ja ekklesia; die aus der Welt Herausgerufenen. Die 120 Männer und Frauen waren die aus der Welt Herausgerufenen. Sie waren die Gemeinde Jesu. Sie wurden jetzt alle gemeinsam vom Geist erfüllt. D.h., der Geist Gottes erfüllte ein Gefäß, das bereits vorhanden war, die Gemeinschaft der ersten Christen.
Wir fassen zusammen: der Heilige Geist kam mit einer übernatürlichen, geheimnisvollen Kraft; die Erfüllung mit dem Heiligen Geist war persönlich; und gleichzeitig war sein Kommen eine gemeinschaftliche Erfahrung.

Drittens, die Auswirkung
Wir sehen die Auswirkungen in den Versen 6 und folgende: „Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.“ Wir wissen nicht genau, wo sich die Jünger Jesu befanden, als der Heilige Geist kam. Wo immer sie auch waren, verlassen die geisterfüllten Jünger das Haus. Eine große Menschenmenge versammelt sich um sie herum. Und jeder ist verwundert, weil jeder sie in seiner Sprache reden hört. Das Kommen des Heiligen Geistes bedeutet, dass das Evangelium nicht mehr nur für ein einziges Volk ist. Die frohe Botschaft ist für alle Menschen in allen Nationen in allen Kulturen in allen Gesellschaften zu allen Zeiten. Und diese frohe Botschaft sollte in allen Sprachen dieser Welt gepredigt werden.
Was sind die Konsequenzen dessen? Was bedeutet das? Mini-Exkurs: vor einigen Jahren hatte ich mit meinem ehemaligen Chef ein Gespräch über den Glauben. Er sagte etwas flapsig: „Die Religionen sind doch alle gleich.“ Nein, das sind sie natürlich nicht. (Ich hatte daraufhin erklärt, dass im Christentum eine Person im Zentrum steht, der für seine Feinde am Kreuz stirbt und beim Sterben dafür betet, dass Gott den Menschen, die ihm das angetan haben, vergeben möge. So etwas gibt es in keiner anderen Religion). Ein wesentlicher Unterschied ist die Tatsache, dass das Christentum keine originale Sprache und Kultur hat. Zum Beispiel, ein ehemaliger Muslim hat das Christentum mit dem Islam verglichen. Und er kommt zu dem Schluss, dass Allah ein arabischer Gott ist. Er spricht arabisch. Der Koran ist arabisch, und nur der arabische Koran ist der originale Koran. Ihrer Tradition nach wurde der Koran durch den Engel Gabriel dem Propheten Mohammed Wort für Wort diktiert. Arabisch ist die Originalsprache. Alle Übersetzungen sind vielleicht nützliche Erklärungen und Hilfestellungen. Aber die Übersetzungen sind nicht das Wort Allahs.
Im Christentum hingegen gibt es das nicht. Die Autoren der Bibel hatten noch nicht einmal eine einheitliche Originalsprache. Das NT wurde in Alt-Griechisch geschrieben. Der größte Teil des AT wurde auf Hebräisch geschrieben. Daniel und Esra wurden auch noch in aramäisch geschrieben. D.h., es gibt nicht das „originale Wort Gottes“. Die Bibel hat schon immer in Übersetzungen zu den Menschen gesprochen. Wir alle lesen Übersetzungen der Bibel, und können in den meisten Fällen recht gut verstehen, was damit gemeint ist. Warum ist das so?
Hier ist eine andere Beobachtung. Es gibt keine Religion auf der Welt, die kulturell so vielfältig und vielseitig ist, wie das Christentum. Beispiel: wenn ich die Predigt vorbereite, haben meine Predigten meistens drei Teile. Davon abgesehen, mache ich mir über drei Dinge Gedanken: Was sagt der Text? Was bedeutet das, was der Text sagt? Und was bedeutet es für uns? Und für die Bedeutung des Textes und die Bedeutung für uns mache ich mir Gedanken, was es für unsere Zeit und für unsere Gesellschaft bedeutet. Ich versuche das in Dialog zu setzen, mit dem, was wichtige Denker und Autoren schreiben. Ich versuche das in Zusammenhang zu bringen, mit dem was aktuell in den Medien ist. Ich versuche einen minimalen intellektuellen Anspruch zu erfüllen. Der Grund weshalb ich das tue, ist nicht, weil ich euch quälen möchte, sondern weil ich persönlich der Ansicht bin, dass es das ist, was hoffentlich junge Menschen und vielleicht auch Studenten ansprechen könnte, hier in Deutschland.
Ganz wichtig: wenn wir in manchen Teilen von Afrika oder Asien oder Südamerika wären, dann wäre das vermutlich ein völlig verkehrter Ansatz. Oder wir brauchen noch nicht einmal so weit zu gehen: wenn man für Kinder predigt, müsste man das ganz anders aufziehen. In vermutlich keiner anderen Religion in der gesamten Geschichte der Menschheit hat es einen Glauben gegeben, der so vielfältig und so multikulturell gepredigt, gelehrt und gelebt wird wie das Christentum.

Hier sind ein paar Anwendungen für uns. Das Kommen des Heiligen Geistes lehrt uns Demut und Sensitivität im Bezug auf unsere eigene Kultur. Kurze Frage an euch: wer von euch hatte schon mal Gedanken wie: „unsere Gemeinde ist bibeltreuer als andere; in unserer Gemeinde wird mehr Wert auf Jüngerschaft gelegt als in anderen Gemeinden; wir haben besser verstanden, was die Bibel sagt, als andere?“ Wer von uns hatte jemals solche Gedanken? Ich hatte solche Gedanken. Ständig. Und ich muss extrem aufpassen, dass ich nicht zurückrutschen in solche Vorstellungen. Oder Musik: vielleicht gibt es manche unter uns, die sagen: wie kann man nur diese alten verstaubten Lieder aus dem 19. Jahrhundert gut finden? Die haben keinen Beat, sie reißen nicht mit, sie haben keine eingängigen Texte, sie sind leblos und langweilig. Auf der anderen Seite mag es Leute geben, die sagen: diese modernen Worship-Lieder sind so primitiv und oberflächlich und laut; und dann sind sie ja auch noch alle auf Englisch, das spricht doch keiner hier in Deutschland. Die meisten von diesen Gedanken sind unterbewusst. Wir merken das noch nicht einmal, weil wir uns keine Gedanken darüber machen, weshalb wir so fühlen und denken. Aber der Grund weshalb wir so fühlen und denken ist, dass jeder von uns gewisse kulturelle Vorprägungen und Präferenzen hat. Und das Problem dabei ist, dass man die eigenen kulturellen Vorstellungen und seine kulturellen Werte auf das Christentum überstülpt. Es ist eine Form von Überheblichkeit. Und der Heilige Geist tut das nicht.
Es gibt noch so viele Anwendungen, über die wir reden könnten. Eine Letzte zum Abschluss: der Text ermutigt uns dazu, Kommunikation zu einem Herzensanliegen zu machen. Ein älterer Freund von mir hatte mir erzählt, wie seine Frau einmal geweint hatte und zu ihm gesagt hatte: „Du versteht mich nicht.“ Und er sagte dann zu ihr: „Ich glaube, ich weiß was du meinst. Ich glaube ich verstehe ein wenig wie du dich fühlst!“ Und sie sagte dann: „NEIN!!!“ Und er sagte dann: „Und weißt du, sie hatte recht. Ich hatte sie gar nicht verstanden.“ Oder Tim Keller erzählte einmal, wie seine Frau zu ihm sagte: „Wir haben ein Kommunikationsproblem.“ Er antwortete daraufhin: „Das sehe ich nicht so.“ Und sie sagte dann: „Wenn ich sage, dass wir ein Kommunikationsproblem haben, dann haben wir ein Kommunikationsproblem, okay?“ Und Tim Keller sagte: sie hatte recht. Wenn eine von zwei Parteien sich nicht gehört und nicht verstanden fühlt, dann gibt es Kommunikationsproblem ganz egal, was die andere Person denkt. Wir könnten eine ganze Predigt nur darüber halten. Kommunikation ist unglaublich schwierig. Selbst zwischen zwei Personen, die sich nahestehen, ist Kommunikation unglaublich hart und herausfordernd. Wir sprechen alle eine unterschiedliche Sprache.
Das Wunder von Pfingsten war es, dass jeder Mensch die frohe Botschaft in seiner Sprache hören konnte. Das war das Wirken des Heiligen Geistes. Und mindestens genauso war es das Wirken des Heiligen Geistes, als Luther in mehr als 12 Jahren Arbeit die Bibel ins Deutsche übersetzte. Genauso war es das Wirken des Heiligen Geistes, dass die vollständige Bibel heute in 694 Sprachen gelesen werden kann; das NT kann in mehr als 1500 zusätzlichen Sprachen gelesen werden. Es gibt das Wunder des Geistes, der in einer Sekunde alle Sprachbarrieren beseitigt. Und es gibt das Wunder des Geistes, das in jahrelanger, geduldiger, strapaziöser, stiller Arbeit Ausdruck findet, um zu übersetzen, zuzuhören, sich zu verständigen. Beides ist das Tun des Geistes.
Der Text sagt, dass alle, die beisammen waren, mit dem Geist erfüllt wurden. Unser Gebet heute sollte sein, dass das einmal mehr bei uns der Fall sein wird.

 

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