Predigt: 2. Korinther 4,1 – 6 (Sonderlektion – Jahreswechsel 2014/15)

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Das Evangelium, Gottes Herrlichkeit im Angesicht Jesu Christi

„Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.“

(2.Kor 4,6)

Ein gesegnetes, frohes neues Jahr! Der Anfang eines neuen Jahres ist für viele ein Anlass, ihre Ziele zu überprüfen, ihren Standort zu bestimmen und sich fürs neue Jahr verschiedene Dinge vorzunehmen. Bei vielen betrifft dies berufliche Ziele oder ihre Lebensführung wie etwa mehr Sport zu machen oder sich gesünder zu ernähren. Manche dieser Entscheidungen geraten schon nach wenigen Tagen oder Wochen wieder in Vergessenheit. Was ist aber das eigentliche Ziel unseres Lebens? Welches Ziel ist wirklich wert, dass wir danach streben, nicht nur in diesem Jahr, sondern in unserem ganzen Leben? In 2. Korinther 4 spricht Apostel Paulus von dem hellen Licht des Evangeliums, das uns erhellt und uns und die Menschen um uns herum die Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi erkennen lässt. Jeder Mensch hat ein Verlangen nach Herrlichkeit in sich. Deshalb würden wir am liebsten herrlich aussehen (davon lebt die Modeindustrie und die Kosmetikindustrie), in einer herrlichen Umgebung leben (deshalb geben die Menschen so viel Geld aus für schöne Möbel, Häuser, Autos usw.), mit herrlichen Menschen zusammen sein und herrliche Dinge tun und erleben. Aber in dieser Welt gibt es keine wahre Herrlichkeit. Was in der Welt herrlich aussieht, ist nur äußerlich und nur kurzfristig, so wie die schönen Feuerwerke an Silvester, die nach kurzer Zeit wieder vorbei sind. Aber es gibt wahre Herrlichkeit, die ewig bleibt. Einer ist herrlich, Gott selbst. Die gute Nachricht ist, dass Gott diese seine Herrlichkeit in Jesus Christus gezeigt hat und dass er will, dass wir diese Herrlichkeit erkennen. Es ist entscheidend für unser Leben, dass wir diese wahre Herrlichkeit erkennen, sie erfahren. Wie können wir das tun, und welche Bedeutung hat das für uns selbst und die Menschen um uns herum? Lasst uns das durch diesen Text lernen!

Wie beginnt Apostel Paulus dieses Kapitel? Betrachten wir den Vers 1: „Darum, weil wir dieses Amt haben nach der Barmherzigkeit, die uns widerfahren ist, werden wir nicht müde.“ Hier beziehen sich die Wörter „Darum“ und „dieses Amt“ auf das vorangehende Kapitel. Darin unterscheidet Paulus zwischen dem Amt (oder Dienst) im Alten Bund und dem Amt (oder Dienst) im Evangelium. „Dieses Amt“ steht für „das Amt, das den Geist gibt” (3,8; “ministry of the Spirit”), für „das Amt, das zur Gerechtigkeit führt“ (3,9b), das Gott uns anvertraut hat. Im Gegensatz dazu heißt es von dem Dienst im Alten Bund „das Amt, das den Tod bringt“ (3,7) und, „das Amt, das zur Verdammnis führt“ (3,9). Diese Ausdrücke machen klar, dass der Dienst im Alten Bund wegen der Sünde des Menschen schließlich doch zu Tod und Verdammnis führte. Aber das Evangelium führt zur Gerechtigkeit und lässt uns den Heiligen Geist empfangen. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir im Glauben an das Evangelium leben und Gott bewusst auf dieser Basis dienen. Weil Paulus und seine Mitarbeiter sich in ihrem Dienst des Evangeliums als Grundlage bewusst waren, wurden sich nicht müde. Das griechische Wort für „müde“ kann auch „matt“, „entmutigt“, „ängstlich“ oder „nachlässig“ bedeuten. Wann werden wir müde oder nachlässig? Wir werden leicht müde oder nachlässig, wenn wir z.B. enttäuscht werden von Menschen, von mangelnder sichtbarer Frucht unserer Arbeit oder von unserer eigenen Schwäche, und zwar dann, wenn wir Gott auf einer anderen Basis als dem Evangelium dienen, zum Beispiel aus Gewohnheit, aus ichbezogenen Motiven oder aus einer gesetzlichen Gesinnung. Das Gesetz verdammt uns und andere, und wir werden schnell müde und ängstlich oder geben auf und werden nachlässig. Aber wenn wir Gott bewusst auf der Basis seiner Gnade dienen, die ständig erneuert wird, werden wir nicht müde oder mutlos, auch wenn wir dabei auf verschiedenste Schwierigkeiten stoßen. Wenn wir bewusst dem Werk der Gnade dienen und uns der Herrlichkeit, die dieses Amt hat, bewusst sind, haben wir immer neue Motivation und Kraft und können wie Paulus dem Werk Gottes unermüdlich dienen.

Wie diente Paulus Gott aufgrund des Evangeliums? Er sagt weiter in Vers 2: „sondern wir meiden schändliche Heimlichkeit und gehen nicht mit List um, fälschen auch nicht Gottes Wort, sondern durch Offenbarung der Wahrheit empfehlen wir uns dem Gewissen aller Menschen vor Gott.“ Paulus war aufgrund der Gnade nicht passiv, sondern er hat hingebungs­voll für Jesus und das Evangelium gewirkt. Dabei war er nicht von sich selbst, seinem eigenen Wirken oder von seinen Mitarbeitern abhängig, sondern von Gott, seiner Gnade und seinem eigenem Wirken. Deshalb hat Paulus nicht versucht, die Menschen mit menschlichen, verkehrten Mitteln zu gewinnen. Er hat ihnen nicht gepredigt, was sie gerne hören wollten oder leicht annehmen konnten, sondern sagte ihnen das Evangelium klar und offen und empfahl sich so ihrem Gewissen vor Gott.

Hier können wir lernen, wie wichtig es ist, dass wir uns der Gnade Jesu ständig bewusst sind und ihm aufgrund seiner Gnade dienen und daraus immer neu die Motivation und Kraft schöpfen. Wenn wir fest auf Jesu Gnade und auf sein Wirken vertrauen, können wir den Menschen die Wahrheit des Evangeliums mutig und klar sagen, statt ihnen bloß zu sagen, was sie leicht annehmen können.

Doch werden dann alle Menschen, die unsere Botschaft hören, das Evangelium annehmen? Als Paulus das Evangelium auf dieser Grundlage mutig und klar verkündigte, erlebte er trotzdem, dass viele Menschen es nicht annahmen. Aber Paulus verzweifelte nicht darüber, weil ihm der Grund dafür klar war. Er sagt in den Versen 3 und 4: „Ist nun aber unser Evangelium verdeckt, so ist’s denen verdeckt, die verloren werden, den Ungläubigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, dass sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes.“ Paulus wusste, dass nicht das Evangelium einen Fehler hatte oder seinen Verkündigung, sondern dass die Menschen es nicht annehmen konnten, weil der Gott dieser Welt, der Teufel, ihnen den Sinn verblendet hatte. Auch heute hindert der Zeitgeist viele Menschen daran, das Evangelium als relevant zu erkennen und Jesus Christus anzunehmen, weil er ihnen vormacht, dass sie aufgrund der Wissenschaft und Technik ohne Gott leben könnten und dass es Gott sogar gar nicht gäbe. Wenn Menschen die Relevanz des Evangeliums nicht sehen können, sollen wir weder sie beschimpfen noch verzweifeln. Stattdessen müssen wir beten, dass Gott ein Heilswerk an ihnen tut und sie von ihrer Verblendung heilt. Denn das helle Licht des Evangeliums leuchtet klar und stark und offenbart die Herrlichkeit Christi; doch wie ein Blinder die Sonne nicht sieht, kann diese Herrlichkeit von vielen nicht erkannt werden, weil sie verblendet sind. Wir müssen selbst darauf Acht haben, dass wir nicht von Dingen in der Welt verblendet werden. Und wir sollen beten, dass die Studenten und die Menschen um uns herum von Gott befähigt werden, das helle Licht des Evangeliums bzw. die Herrlichkeit Gottes in Jesus Christus sehen können. Denn Jesus Christus ist das Ebenbild Gottes und strahlt seine Herrlichkeit aus. Als Jesus auf die Erde kam und Mensch wurde, wurde an ihm Gottes Herrlichkeit für uns Menschen erkennbar. Wir wollen gleich noch näher darauf eingehen.

Diesen Jesus hat Paulus unermüdlich verkündigt. Er sagt in Vers 5: „Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist, wir aber eure Knechte um Jesu willen.“ Auch wenn Paulus gerade im 2. Korintherbrief vieles über sich selbst geschrieben hat, war der Hauptpunkt seiner Predigt sicherlich nicht er selbst, sondern Jesus Christus, der der Herr ist. Damit vollzog er eine klare Abgrenzung vom Götzendienst der Menschen in seiner Zeit. Damals beteten die Menschen alle möglichen Götzen an und verehrten dazu den römischen Kaiser wie einen Gott. Aber Jesus ist nicht einfach nur ein weiterer Gott unter vielen Göttern, sondern der Herr, Gott selbst, dem all unsere Liebe und Anbetung gebührt. Es ist wichtig für uns selbst und für die Menschen in unserer Zeit, dass wir festhalten und klar verkündigen, dass Jesus der Herr ist. In uns ist das Interesse an uns selbst, an unserem eigenen Wohlergehen und dem Wohl unserer Familie, der Lösung unserer Probleme usw. tief verwurzelt. Jesus ist gekommen, um uns von unserer Sünde zu erlösen und uns heil und glücklich zu machen. Jesu ist unser Heiland, unser Erlöser und unser bester Freund. Das ist wahr und für uns lebenswichtig. Aber das ist nicht alles. Jesus ist auch der Herr. Wir sollen ihn als den Herr unseres Lebens achten und ihm in allem folgen und gehorchen und sollen ihn einer Welt als den Herrn verkündigen, die alle möglichen Götzen anbeten, vor allem dem eigenen Wohl wie einem Götzen dient.

Wie konnte Paulus in der dunklen Welt angesichts vieler Verblendeter allezeit Jesus Christus als den Herrn verkündigen? Wie konnte Paulus Jesus trotz aller Probleme so unermüdlich dienen? Es war möglich, weil Paulus an die Schöpfungsmacht des Evangeliums glaubte und in Jesus Christus Gottes Herrlichkeit sah. Betrachten wir Vers 6. Lesen wir diesen Vers gemeinsam: „Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.“ Dieser Vers bezeugt, dass Gott der Schöpfer von allen Dingen ist. Am Anfang war die Erde wüst und leer und finster. Aber als Gott sprach: „Es werde Licht“, kam aus der Finsternis Licht hervor. Dieser Schöpfer-Gott hat auch an uns ein Schöpfungswerk getan, als er das Licht des Evangeliums in unseren dunklen Herzen leuchten ließ und uns erneuerte. So war auch Paulus erleuchtet worden und seine Mitarbeiter. Dieses Licht leuchtet in uns, das soll auch in andern leuchten, so kann und soll dieses Schöpfungswerk auch in den anderen Menschen passieren.

Wie wird die Herrlichkeit Gottes im Angesicht Christi offenbar? Eigentlich hat niemand Gott je gesehen, aber Gott hat seine Herrlichkeit in Christus gezeigt. Joh 1,14 sagt: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ Johannes sah Jesus als voller Gnade und Wahrheit. Wenn wir im Evangelium lesen und an Jesus denken, sehen wir seine Reinheit und Gerechtigkeit, seine Demut, seine Sanftmut und seine Barmherzigkeit mit Sündern; seine Unterordnung und seinen Gehorsam gegenüber dem Vater, sein ständiges Anliegen, den Vater zu verherrlichen; seine heilige Liebe und sein Verlangen , die Menschen in sein Reich zu führen, seine Weisheit und seine Wahrhaftigkeit, mit der er immer nach der Wahrheit redete und handelte. In Jesus wurde Gott ein Mensch, schwach und niedrig. In ihm wurde er ein Lamm, das für uns Menschen am Kreuz geschlachtet wurde und starb. Gerade am Kreuz zeigt sich Gottes Herrlichkeit, der sich selbst hingab, um uns Sünder von unserer Verkehrtheit und der Rebellion gegen ihn zu erlösen und uns in sein herrliches Reich zu erretten. Wie unfassbar groß und herrlich ist seine göttliche Liebe und seinen Macht, die sich vor allem bei seiner Auferstehung gezeigt hat! Wie wunderbar ist die Herrlichkeit Christi! In ihm können wir wirklich Gottes Herrlichkeit sehen.

Wie können wir diese Herrlichkeit so klar erkennen, dass wir davon erfüllt werden und sie von uns auf die anderen Menschen abstrahlt? Gott hat bereits seinen hellen Schein in unsere Herzen gegeben. Es ist die Frage, wie sehr wir dieses Licht in uns leuchten lassen. Wir sollen Jesus bewusst betrachten durch sein Wort und im Gebet, bis wir in ihm die Herrlichkeit Gottes immer mehr und immer klarer erkennen und davon erleuchtet werden. Wenn wir von Gottes Herrlichkeit in Jesus erleuchtet werden, werden durch uns auch die Menschen um uns her erleuchtet und können selbst die Herrlichkeit Gottes in Jesu Angesicht erkennen und zu ihm kommen. Darum wollen wir unser persönliches Glaubensleben und unser Leben in der Gemeinde so führen, dass wir die Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi sehen und sie Woche für Woche mehr erkennen. Wir sollen bei allem im Hinblick auf ihn leben, sodass seine Herrlichkeit von uns reflektiert wird und die Studenten an der Uni und die anderen Menschen in unserer Umgebung seine Herrlichkeit erkennen und zu ihm kommen können.

Wir haben heute das ermutigende Beispiel von Apostel Paulus gesehen, der sich unermüdlich für das Evangelium einsetzen und alle damit verbundenen Hindernisse und Leiden überwinden konnte, weil er in Jesus Christus Gottes Herrlichkeit sah. Darum wurde er nicht matt oder mutlos, sondern konnte vielmehr das helle Licht des Evangeliums ausstrahlen. Lasst uns im neuen Jahr ständig auf Jesus schauen und Gottes Herrlichkeit in ihm sehen, sodass sein Licht uns erfüllt und von uns auf die anderen in der Gemeinde und weit hinaus bis zu den Studenten strahlt! Lesen wir noch einmal das Leitwort, Vers 6: „Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.“

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Fragebogen: 2. Korinther 4,1 – 18 (Sonderlektion – Jahreswechsel 2014/15)

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Das Evangelium, Gottes Herrlichkeit im Angesicht Jesu Christi

„Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.“

2.Kor 4,6

1. Worauf bezieht sich „dieses Amt” und wie haben wir es empfangen (1; 3,7-11)? Was verursacht, dass Evangeliumsarbeiter müde werden, und wie hält uns „dieses Amt“ davon ab (1-2)? Wie sollten wir dieses Amt ausüben?

2. Warum nehmen manche Leute das Evangelium nicht an, obwohl es klar verkündigt wird (3-4)? Was erleuchtet das Licht des Evangeliums? Wie unterscheidet sich die Herrlichkeit Christi von der weltlichen Herrlichkeit, mit der der Satan Menschen verblendet? Was ist der Hauptpunkt bei der Predigt des Evangeliums?

3. Lies Vers 6. Wie erleuchtet Gott die Herzen derer, die glauben (1. Mose 1,3; Joh 3,19-21)? Wie wird die Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi sichtbar (Joh 1,14; 3,14-16; Hebr 2,17; Phil 2,6-11)?

4. Welches Bild gebrauchte Paulus, um die Beziehung zwischen dem Evangelium und den Evangeliumsarbeitern zu beschreiben (7)? Warum gab Gott diesen Schatz in irdene Gefäße? Wie leben Evangeliumsarbeiter diese Wahrheit aus (8-9)? Was bedeutet „Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe“ (10)? Was sind die Folgen davon (11-12)?

5. Mit welcher Zuversicht können Evangeliumsarbeiter das Evangelium verkündigen (13-14)? Was ist das ultimative Ziel der Verkündigung des Evangeliums (15)? Mit welcher Hoffnung können wir trotz vieler Leiden vermeiden, müde zu werden (16-18)?

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Predigt: 2. Korinther 12,11 – 13,13

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Erforscht euch selbst

„Erforscht euch selbst, ob ihr im Glauben steht; prüft euch selbst! Oder erkennt ihr euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist? Wenn nicht, dann wärt ihr ja untüchtig.“

(13,5)

Wir sind am Ende unseres Bibelstudiums angekommen und schließen den 2. Korintherbrief ab. Ich weiß nicht, wie es euch geht aber bei mir löst dieser Brief gemischte Gefühle aus. Er ist der vielleicht persönlichste Brief, der uns von Paulus überliefert ist. Und er ist so voller Schmerzen und Erniedrigungen. Aber zugleich strahlt er das herrliche Evangelium Jesu Christi aus.

Heute haben wir abschließend die Gelegenheit, zu erfahren, wie Paulus der Gemeinde in Korinth geholfen hat, sich selbst zu erkennen, um Buße zu tun und aus Glauben zu leben.

Erstens – Verteidigung (V11-13.16-19)

In den Versen 11 und 12 muss sich Paulus als Apostel verteidigen. Er war nicht weniger als die Überapostel. Er war ein richtiger, ein echter Apostel, keine Kopie, sondern ein Original! Und diese Tatsache war offensichtlich, er schreibt: „Denn es sind ja die Zeichen eines Apostels unter euch geschehen in aller Geduld, mit Zeichen und mit Wundern und mit Taten.“ Sie hatten es vor Ort, mit eigenen Augen gesehen! Trotzdem musste sich Paulus verteidigen und dabei zum Narren machen, um das Offensichtliche zu bezeugen.

Weswegen musste sich Paulus zusätzlich verteidigen? Betrachten wir Vers 13 und die Verse 16-19, so sehen wir, dass Paulus sich verteidigen musste, weil er bei seinem zweiten Besuch niemandem zur Last gefallen war! Es ist so absurd, wie es klingt! >Eine hinterhältige Taktik< warfen ihm seine Kontrahenten vor. Er verschont euch, um euch hinterlistig zu gewinnen, mögen die falschen Apostel der Gemeinde eingeredet haben. Paulus entschuldigte sich sarkastisch für das „Unrecht“, ihnen nicht zur Last gefallen zu sein.

Schließlich musste er sich wegen Titus und den anderen Bruder verteidigen, die er vorausgeschickt hatte. Doch auch hinter dieser Aktion steckte nichts Böswilliges!

Immer und immer wieder musste Paulus sich und seine Mitarbeiter verteidigen, wie ein Strafverteidiger vor Gericht. Paulus war sich dessen bewusst! Vers 19: „Schon lange werdet ihr denken, dass wir uns vor euch verteidigen.“ War das ok oder nicht ok? „Wir reden jedoch in Christus vor Gott!“ Es war ok so! Er und seine Mitarbeiter sagten die Wahrheit! Taten es aber nicht mit dem Ziel, besser dazustehen, sondern: „Aber das alles geschieht, meine Lieben, zu eurer Erbauung.“ Paulus verteidigte sich, um sie zu erbauen. Wie passt das zusammen? Nun, er war ein echter Apostel Christi, das gab es beim besten Willen nicht überall! Von ihm konnten sie das Evangelium Christi erfahren und durch dieses Evangelium erbaut werden, erfreut werden, lebendig werden! Das war keine Selbstverständlichkeit! Wir würden uns heute darum reißen, das Evangelium durch einen waschechten Apostel Christi verkündigt zu bekommen. Was wäre das für ein Segen! Durch Paulus‘ Unterstützung konnte Christus in ihrer Mittel lebendig sein. Sie sollten endlich erkennen, dass Paulus an ihrem geistlichen Wohl interessiert war.

Paulus wollte die Gemeinde nicht nur erbauen, indem er sich verteidigte; das wäre zu wenig. Was tat er noch? Wir kommen zum nächsten Teil.

Zweitens – Der dritte Besuch (14.15.20-21; 13,1-2a)

Vers 14: „Siehe, ich bin jetzt bereit, zum dritten Mal zu euch zu kommen und will euch nicht zur Last fallen; denn ich suche nicht das Eure, sondern euch. Denn es sollen nicht die Kinder den Eltern Schätze sammeln, sondern die Eltern den Kindern.“ Paulus, der sich selbst als ihr Vater identifizierte und sie als seine geliebten Kinder, wollte ein Segen sein für die Gemeinde. Dazu war ihm kein Aufwand zu groß! Er war bereit, sie ein drittes Mal zu besuchen.

Eine mehrwöchige Reise ist in unserer modernen und technologisch fortgeschrittenen Zeit anstrengend genug. Bahnhof, Flughafen, Flug, Flughafen, Taxi, Hotel. Und das ist erst die Hinreise. Die anstrengende Arbeit wartet und die Rückreise. Danach ist man platt! (Ein Kollege von mir hat eine Dienstreise nach Hong Kong unternommen und war danach eine Woche krank!) Wie anstrengend muss es erst recht für Paulus gewesen sein, nach Korinth zu reisen und dort seine Mission zu verrichten! Und Paulus wusste ganz genau, dass es keine angenehme Reise sein würde! Verse 20 und 21: „Denn ich fürchte, wenn ich komme, finde ich euch nicht, wie ich will und ihr findet mich auch nicht, wie ihr wollt, sondern es gibt Hader, Neid, Zorn, Zank, üble Nachrede, Verleumdung, Aufgeblasenheit, Unordnung. Ich fürchte, wenn ich abermals komme, wird mein Gott mich demütigen bei euch und ich muss Leid tragen über viele, die zuvor gesündigt und nicht Buße getan haben für die Unreinheit und Unzucht und Ausschweifung, die sie getrieben haben.“ Paulus würde auf Lieblosigkeit treffen, auf streitsüchtige Korinther, auf geistliche Unordnung in der Gemeinde, auf heftigen Ehebruch. Sein dritter Besuch würde ein Knochenjob sein! Viele hätten einen großen Bogen um diese Gemeinde gemacht. Aber Paulus nennt die Sünde der Gemeinde beim Namen! Und er war bereit, trotz der auf ihn wartenden Demütigung, dorthin zu reisen, um aufzuräumen und ein Segen zu sein. Er war bereit, bis ans Äußerste zu gehen. Lesen wir Vers 15: „Ich aber will gern hingeben und hingegeben werden für eure Seelen. Wenn ich euch mehr liebe, soll ich darum weniger geliebt werden?“ Paulus war gerne bereit hinzugeben und hingegeben zu werden, für ihre Seelen! Welchem großen Vorbild mag er wohl nachgeeifert haben, als unseren Herrn Jesus Christus, der von Gott hingegeben wurde und sich auch bereitwillig hingegeben hat, bis ans Kreuz. Wofür? Für unsere Seelen! Und dass es Paulus wirklich ernst meinte und bereit war, sein Leben hinzugeben und sogar mehr als das, bezeugen Textstellen wie Röm 9,1-5. Liebte man Paulus dafür? Nein. Dankte man ihm? Genauso wenig wie unserem Herrn, zur Zeit seiner Passion.

Wir gehen über zu Kapitel 13. Paulus hatte wirklich vor, ein drittes Mal zu ihnen kommen, auch wenn es laut Kapitel 1 angezweifelt wurde. Wie würde Paulus bei seinem dritten Besuch auftreten? Und wie sollten sich die Korinther vorbereiten? Wir kommen zum nächsten Teil.

Drittens – Prüft euch selbst (13,2a-10)

Paulus bezeugt in Vers 2b: „denen, die zuvor gesündigt haben und den andern allen: Wenn ich noch einmal komme, dann will ich nicht schonen.“ Das ist eine ordentliche Drohung! Vers 3: „Ihr verlangt ja einen Beweis dafür, dass Christus in mir redet, der euch gegenüber nicht schwach ist, sondern ist mächtig unter euch.“ Sie verlangten einen Beweis für die Kraft Christi in Paulus; schon bald würden sie ihn bekommen und erleben, wie mächtig Christus in Paulus reden konnte. Wer klug war tat schnell Buße. Sie hatten nämlich gedacht, Paulus wäre stark von Ferne aber schwach vor Ort. Wieso würde Paulus auch vor Ort stark sein? Lesen wir Vers 4: „Denn wenn er auch gekreuzigt worden ist in Schwachheit, so lebt er doch in der Kraft Gottes. Und wenn wir auch schwach sind in ihm, so werden wir uns doch mit ihm lebendig erweisen an euch in der Kraft Gottes.“

Christus starb in Schwachheit. Am Kreuz, verlassen von Menschen und verlassen von Gott, durchlebte er maximale Schwachheit. Doch am dritten Tag erfuhr er die lebendige Kraft Gottes. Paulus hatte das Wesen Jesu Christi verstanden. Jesus allein vereinbart in seiner Person die unvereinbaren Gegensätze: Schwachheit und Kraft, Lamm und Löwe, Tod und Auferstehung.

Paulus war schwach. Aber dieser Christus würde sich in Paulus als lebendig erweisen, in der Kraft Gottes. Mit dieser lebendigen Kraft Gottes würde Paulus mächtig unter den Korinthern wirken und niemanden schonen, der gesündigt hatte.

Übrigens ist in diesem Vers die gute Nachricht enthalten. Wir sind schwach in ihm, d.h. von Christus angenommen und nicht verstoßen, doch er erfüllt uns mit der lebendigen Kraft Gottes, so dass wir nicht aus eigener Kraft leben müssen, sondern aus Gottes Kraft, die eine lebendige Kraft ist.

Paulus bereitete die Korinther vor, umzukehren und Buße zu tun, indem er ihre Sünden aufzählte und mit seinem dritten Besuch drohte. Welche große Hilfe gab er ihnen vorab noch? Lesen wir den relevanten Appell, der nicht nur für die Korinther von Bedeutung ist, sondern für jeden Christen. Vers 5a: „Erforscht euch selbst, ob ihr im Glauben steht; prüft euch selbst!.“

In einer Kochshow hatte einer der berühmtesten Köche der Welt einen Gastauftritt (Thomas Bühner, ein 3 Sternekoch) und gab einem Durchschnittskoch eine Stunde lang hilfreiche Tipps und begleitete ihn beim Vorbereiten eines gehobenen Gerichtes. Was glaubt ihr, war sein wichtigster Tipp? Er sagte, das wichtigste beim Kochen ist das Probieren! Und zwar das ständige Probieren! Denn oft sieht das angerichtete Essen gut aus, schmeckt allerdings furchtbar, weil nicht abgeschmeckt wurde und das macht alles zunichte.

Die Korinther sollten nicht untätig warten, bis Paulus erscheinen würde. Sie sollten sich selbst erforschen und prüfen, um herauszufinden, ob ihr Leben immer noch auf dem Glauben gegründet war. Sie sollten erkennen, dass sie vom Kurs abgekommen waren. Sie waren Jünger Jesu, führten aber ein von Sünde geprägtes Leben, hatten aber kein Problembewusstsein. Anstatt den Balken in ihrem Auge such behandelt, suchten sie den Splitter im Auge von Apostel Paulus.

Wir sehen, wie notwendig es ist, dass auch wir uns regelmäßig selbst prüfen. Natürlich können wir uns am besten durch das Wort Gottes prüfen. Es genügt aber nicht, sich viel Wissen über das Evangelium anzueignen. Wir sollen das Wort Gottes zielstrebig und intensiv studieren und tiefe Erkenntnisse gewinnen. Doch während wir das tun, müssen wir das Erkannte immer wieder auf uns selbst anwenden. Sonst wächst unser Kopf (nicht wörtlich) aber unser Herz bleibt unberührt. Und gerade im Herzen entscheiden wir, wen oder was wir anbeten! Mir geht es z.B. oft so, dass ich unheimlich viel Zeit und Leidenschaft in das Bibelforschen stecken kann. Ich vergleiche Bibelübersetzungen und lese Kommentare etc. Ich tue es meistens mit Begeisterung. Wenn ich mich aber am Ende des Tages frage, was ich dadurch für mein persönliches Leben gelernt und umgesetzt habe, merke ich, dass es 2 unterschiedliche Paar Schuhe sind! Was ich mir im Kopf aneigne, steht auf einem Blatt Papier, was in meinem Herzen ankommt, steht auf einem ganz anderen Blatt. So lerne ich durch Paulus Worte im Vers 5, dass ich mich immer wieder selbst prüfen und erforschen muss, um herauszufinden, ob ich auch nach den großartigen Erkenntnissen lebe, die ich durch das Bibelstudium erkannt habe. Sonst ist die Gefahr zu groß, dass Sünde in mir regiert und nicht König Jesus. So sind auch wir angehalten, Paulus Worte sehr ernst zu nehmen und uns regelmäßig zu prüfen. Stehe ich im Glauben? Ist mein Leben immer noch gegründet auf den Glauben an Christus und sein Evangelium oder bin ich im Laufe der Zeit schleichend davon abgedriftet? Führe ich ein Leben, das Gott gefällt oder ein Leben, das mir gefällt?

Was denkt ihr, werden wir herausfinden, wenn wir uns selbst prüfen? Stoßen wir auf Erfreuliches oder auf Unerfreuliches? Auf einem Musikkonzert ging der Künstler offen auf seine langjährige Drogensucht ein. Er sagte, dass er sich jahrelang nicht im Spiegel betrachten konnte, aus Scham vor sich selbst! Dann stelle er seinem Publikum die Frage: Wie geht es euch, wenn ihr euch im Spiegel betrachtet? Scherzhaft nahm er die Antwort vorweg: Ihr denkt bestimmt, >Wow, was für ein Anblick!<

Was finden wir, wenn wir uns mit biblischem Maßstab prüfen und erforschen? Wenn wir ehrlich sind, sehen wir wenig Erfreuliches. Wir sehen Mangel an Glauben. Wir sehen selbstverherrlichende Neigungen, Lieblosigkeit. Wir sehen Sünde, Sünde, Sünde. Was würde Paulus zu uns sagen? Paulus würde dasselbe zu uns sagen, wie zu den Korinthern. Und es überrascht, was er sagt. Vers 5b: „Oder erkennt ihr euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist? Wenn nicht, dann wärt ihr ja untüchtig.“ Das Überraschende ist, liebe Geschwister, dass Christus trotzdem in uns ist. Sonst wären wir verloren! Fällt es Christus leicht, in uns zu bleiben? Fühlt er sich in uns wohl? Führen wir ein angemessenes Glaubensleben, an dem er sich erfreut, sind wir so gesinnt, wie es seiner Gemeinschaft entspricht? Wie oft trifft ein Nein zu? Zu oft! Trotzdem sind wir nicht verlassen. Das ist Gnade. Christus hat den Preis unserer Sünde bezahlt. Diese Gnade Christi verkündigt uns das Evangelium. Und diese Gnade, die uns die frohe Botschaft verkündigt, sollte unsere Herzen bewegen, Christus mehr zu lieben und Christus mehr zu verherrlichen, der sich über uns erbarmt; sie sollte uns dazu bewegen, Christus anzubeten, statt uns selbst anzubeten. Das ist Umkehr! Das ist der Weg der Buße. Lassen wir zu, dass Christus in uns lebendig ist und lebendig wirkt. Möge er in uns Selbsterkenntnis und Umkehr bewirken.

In den Versen 5-8 kommen mehrfach die Worte tüchtig/untüchtig und Variationen davon vor. Andere Bibelübersetzungen verwenden bewährt/nicht bewährt.

Was Paulus klar machen möchte ist, dass Christus in all denen ist, die bewährt sind. Und Paulus hofft natürlich, dass die Korinther endlich erkennen, dass Paulus und seine Mitarbeiter nicht unbewährt waren! Allerdings war es ihm laut Vers 7 viel wichtiger, dass die Korinther sich als Bewährte erwiesen. Er selbst war bereit, als Unbewährt zu gelten, Hauptsache sie mieden das Böse und entscheiden sich für das Gute. Vers 9: „Wir freuen uns ja, wenn wir schwach sind und ihr mächtig seid. Um dies beten wir auch, um eure Vollkommenheit.“

Wie schön wäre es, wenn die Korinther sich effektiv prüfen und Konsequenzen daraus ziehen könnten. Wenn sie das Böse meiden und das Gute suchen würden! Dann würde der dritte Besuch von Paulus auch viel angenehmer werden. Vers 10: „Deshalb schreibe ich auch dies aus der Ferne, damit ich nicht, wenn ich anwesend bin, Strenge gebrauchen muss nach der Vollmacht, die mir der Herr gegeben hat, zu erbauen, nicht zu zerstören.“

Das Wohl der Korinther lag Paulus am Herzen. Seine Liebe zu ihnen kommt auch durch seinen Abschiedsgruß zum Ausdruck. Verse 11-13: „Zuletzt, liebe Brüder, freut euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein. Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss. Es grüßen euch alle Heiligen. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“

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Fragebogen: 2. Korinther 12,14 – 13,13

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Erforscht euch selbst

„Erforscht euch selbst, ob ihr im Glauben steht; prüft euch selbst! Oder erkennt ihr euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist? Wenn nicht, dann wärt ihr ja untüchtig.“

(13,5)

1. Warum wollte Paulus den Korinthern nicht zur Last fallen, wenn er zu ihnen kommen würde (12,14)? Was besagt der Ausdruck „Ich suche nicht das Eure, sondern euch“? Beschreibe Paulus‘ Liebe zu den Korinthern (15).

2. Wie missverstanden sie Paulus‘ Liebe (16)? Wie verteidigte Paulus sich und seine Mitarbeiter (17.18)? Wozu sagte er das alles (19)?

3. Was fürchtete Paulus (20.21)? Welche Sünden nannte er? Was kündigte Paulus an (13,1.2)? Wie wollte er diese Probleme lösen (3.4)?

4. Was sollten die Korinther tun (5a)? Wie kann man sich selbst konkret erforschen (5b)? Warum ist es so wichtig, sich selbst zu erforschen (5c)? Worum sollen sich die Gläubigen am meisten bemühen?

5. Was sollten die Korinther erkennen, und wofür betete Paulus (6-8)? Welche Hoffnung hatte er als ihr Hirte für sie (9)? Wozu schrieb Paulus diesen Brief (10)?

6. Was war Paulus‘ letztes Grußwort (11.12)? Wie segnete Paulus sie (13)?

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