Fragebogen: 1. Mose 45,1 – 50,26

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Josefs Glaube

„Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk.“

(1. Mose 50,20)

  1. Wie reagierte Josef, nachdem er Judas Bitte für Benjamin gehört hatte? Wie reagierten die Brüder und wie beruhigte Josef sie? Wie betrachtete er die Tatsache, dass er Sklave in Ägypten geworden war (5-8)? Was können wir hier über Gott lernen? Und über Josefs Glauben?
  2. Wie wurde die Beziehung zwischen Josef und den Brüdern wiederhergestellt (9-15)? Wie reagierte Jakob auf die Nachricht (26.27)? Was zeigt es über Jakob, dass er doch Gott fragte (46,1)? Welchen Plan hatte Gott mit Jakobs Familie (46,2-4)?
  3. Wie betrachtete Josef seine Stellung in Ägypten (45,8)? Was sagt das über die Haltung, die er wohl gegenüber Menschen, Dingen und gegenüber Gott hatte? Wie lange dauerte die Hungersnot noch (45,11)? Denke über seine Weisheit nach, mit der er seiner Familie geistlich und praktisch half (46,31-47,12).
  4. Wie ging Josef mit den Menschen in Ägypten um, die wegen der Hungersnot am Verhungern waren (47,13-26)? Wie reagierten die Menschen auf diese Behandlung und warum (25)? Wie bewies Josef seine Loyalität gegenüber dem Pharao (47,20.23.24)? Was offenbart das über Josef?
  5. Wie segnete Jakob Josef und seine Söhne (48,8-22)? Welche Bedeutung hat das?
  6. Warum wurden Josefs Brüder nach Jakobs Tod ängstlich? Welche Bitte richteten sie an Josef (50,15-18)? Was lehrte Josef sie? Was können wir über Josefs Glauben lernen (50,19-21)? Welche Hoffnung pflanzte Josef seiner Familie ein (22-26)?
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Predigt: 1. Mose 42,6-28

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Wiederherstellung

„Da stockte ihnen das Herz, und sie sprachen erschrocken zueinander: Was hat Gott uns angetan?“

(1.Mose 42,28)

In den letzten Wochen haben wir gesehen, wie dysfunktional die Familie von Jakob ist. Nur zur Erinnerung: Jakob selbst hatte zwei Frauen plus zwei Nebenfrauen. Rahel war die Traumfrau seines Lebens. Aber sie war kurz nach der Geburt des zweiten Kindes verstorben. Josef, der erste Sohn von Rahel bekam alle seine Aufmerksamkeit. Josef wiederum genoss seine privilegierte Stellung in der Familie. D.h., Josef war nicht nur der verwöhnte Prinz der Familie, er benahm sich auch wie einer. Die Brüder fanden Josef nicht nur zutiefst unsympathisch. Sie hassten ihn regelrecht. Als der richtige Moment gekommen war, warfen sie ihn in eine Grube und verkauften ihn schließlich als Sklaven. Das taten sie auch nur deshalb, weil Juda sie davon überzeugen konnte, dass sie mehr davon hatten, wenn sie ihn als Sklaven verkaufen würden als ihn umzubringen. Das muss man sich auch erst einmal vorstellen!
Was noch? Jakobs einzige Tochter Dina wurde von den Bewohnern des Landes vergewaltigt. Simeon und Levi rächten diese Tat, indem sie auf hinterhältige Art und Weise ein ganzes Dorf mit dem Schwert umbrachten. Ruben schlief mit einer der Frauen von seinem Vater. Juda hatte zwei Söhne, die ziemlich daneben waren und frühzeitig als junge Männer ums Leben kamen. Als alter Mann schlief Juda mit seiner Schwiegertochter, weil er dachte, dass sie eine Prostituierte wäre. Dann gab er kaltherzig den Befehl, dass seine Schwiegertochter verbrannt werden sollte, als er erfuhr, dass sie unehelich schwanger geworden war.
Verstehen wir: jede einzelne dieser Episoden für sich genommen, wäre ausreichend, um eine ganze Generation von Kindern dieser Familie zum Therapeuten zu schicken. Vielleicht denkt ihr euch: „Und ich dachte, meine Familie hätte Probleme…“ Jakobs Familie war keine gute Familie. Jeder in dieser Familie hatte echte Probleme, angefangen mit dem Vater, seinen vier Frauen, jedes seiner 13 Kinder, und die Enkelkinder. Es war eine dysfunktionale, zerrüttete, kaputte Familie. Die Geschichte der Patriarchen handelt davon, wie Gott einen ziemlichen chaotischen Haufen von Leuten zu einer Gemeinschaft formt, aus der sein Volk entstehen soll.
Wir sehen mindestens zwei Dinge im Text. Erstens, das Problem; zweitens, die Behandlung.

Erstens, das Problem
Was zeichnete die Brüder aus? In den Versen 21 und 22 heißt es: „Sie sprachen aber untereinander: Das haben wir an unserem Bruder verschuldet! Denn wir sahen die Angst seiner Seele, als er uns anflehte, und wir wollten ihn nicht erhören; darum kommt nun diese Trübsal über uns. Ruben antwortete ihnen und sprach: Sagte ich’s euch nicht, als ich sprach: Versündigt euch nicht an dem Knaben, doch ihr wolltet nicht hören? Nun wird sein Blut gefordert.“ Hier ist das Interessante: die Brüder wussten nicht, dass der Regent, der sie gerade malträtierte, ihr Bruder war. Warum um alles in der Welt haben sie diese unangenehmen Erfahrungen mit ihm in Verbindung gebracht? Ganz offensichtlich waren seine Brüder von Schuld geplagt. Jedes Mal, wenn ihnen etwas Schlimmes geschah, interpretierten sie es als eine Art Strafe oder schlechtes Karma dafür. Und das ist es, was Schuld tut. Schuld lässt uns keine Ruhe. Schuld sucht uns auf solche Art und Weise heim, dass wir alles damit in Verbindung bringen.
Um ein Beispiel zu erzählen, was Schuld mit uns machen kann: Simon Wiesenthal war ein Holocaust-Überlebender. Als Junge musste er mit ansehen, wie seine Mutter von den Nazis festgenommen und mit vielen anderen jüdischen Frauen wegtransportiert und ermordet wurde. Er verlor mehr als 80 Verwandte, die im Holocaust von den Nazis ermordet wurden. Wiesenthal selbst kam ins KZ. Auf dem Weg zur Arbeit sieht er neidisch, dass auf frischen Soldatengräbern schöne Sonnenblumen blühen. Schmetterlinge flogen von Blume zu Blume. Er denkt sich folgendes: „plötzlich beneidete ich die toten Soldaten. Jeder hatte eine Sonnenblume, die ihn irgendwie noch mit der Welt verband, hatte Schmetterlinge, die sein Grab besuchten. Mich erwartete keine Sonnenblume. Ich würde in ein dürftig zugeschaufeltes Grab kommen, auf Leichen liegen, und über mir würden sich andere Leichen türmen. Keine Sonnenblume würde jemals Licht in dieses Dunkel bringen, und Schmetterlinge würden die Stelle meiden.“
Eines Tages wird Simon zu einem jungen, schwer verwundeten SS-Mann gerufen. Dieser junge Mann hatte viele Gräueltaten verübt. Er erzählt Simon, von den Verbrechen, die er an Juden verübt hatte. Seine lange Erzählung ist nichts anderes als eine detaillierte Beichte. Der SS-Mann liegt im Sterben. Und er ist geplagt von unerträglichen Gewissensbissen. Er fühlt die Last seiner Schuld. n seinen langen schlaflosen Nächten, in denen er auf den Tod gewartet hat, wünschte er sich nichts sehnlicher als mit einem Juden zu sprechen und ihn um Vergebung zu bitten. Und hier steht Simon Wiesenthal, der letzte Jude, den der SS-Mann in seinem Leben zu sehen bekam. Er bittet Simon, dass er ihm stellvertretend für die Juden vergeben möge. Simon antwortet ihm kein einziges Wort. Nach einer Zeit des Schweigens steht er auf und verlässt ohne ein einziges Wort zu sagen den Raum. Wie hätte Simon Wiesenthal ihm auch vergeben können? Er kannte die Menschen nicht einmal, die der SS-Mann umgebracht hatte. Und selbst wenn er sie gekannt hätte, wie könnte er stellvertretend für ein ganzes Volk die Schuld erlassen? Und das hat wiederum Simon in ein Dilemma gestürzt. Er schrieb das Buch „Die Sonnenblume“ gerade aus dieser Frage heraus: hatte er richtig gehandelt? Hätte er vergeben müssen?
Uns fällt als nächstes auf, dass Zeit nicht alle Wunden heilt. Wie viele Jahre war es her, dass Josef in die Grube geworfen hatten? Es müssen Jahrzehnte gewesen sein. Vielleicht hatten sie gedacht, dass ihre Tat irgendwann verjähren würde. Aber ihre Schuld hatte sie eingeholt. C.S. Lewis schrieb: „Wir haben die seltsame Illusion, dass bloße Zeit die Sünde aufhebt. Ich habe andere und mich selbst gehört, wie sie von Grausamkeiten und Unwahrheiten, die wir in der Kindheit begangen hatten, erzählten, als ob sie den Erzähler nichts mehr angingen, und sogar mit Lachen. Aber bloße Zeit ändert weder etwas an der Tatsache noch an der Schuld einer Sünde. Die Schuld wird nicht durch die Zeit, sondern durch Buße und das Blut Christi abgewaschen: wenn wir diese frühen Sünden bereut haben, sollten wir uns an den Preis unserer Vergebung erinnern und demütig sein.“
Wie ist es mit uns? Niemand von uns hat Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen wie der SS-Mann. Und niemand von uns hat jüngere Geschwister in eine Grube geworfen und sie anschließend als Sklaven verkauft. Die Leichen, die wir im Keller haben, haben nicht dieses Kaliber. Zum Glück nicht. Und doch hat jeder von uns Schuldgefühle gehabt. Die meisten von uns kennen vermutlich das Gefühl, wenn man ganz plötzlich von Ereignissen heimgesucht, die Jahre zurückliegen, aus unserer Kindheit oder Jugendzeit. Die meisten von uns kennen das Gefühl, plötzlich von Schuld und Scham heimgesucht zu werden, für Dinge, die wir lange verdrängt hatten.
Wie gehen wir mit unseren Schuldgefühlen um? Es gibt eine Reihe von Sprüchen, die wir in der Gesellschaft zu hören bekommen: „Hör auf, dir Selbstvorwürfe zu machen. Nimm dich selbst so an, wie du bist. Du musst lernen, dir selbst vergeben zu können; schließlich ist ja niemand perfekt. Akzeptiere, was passiert ist. Sei doch nicht so hart zu dir selbst.“ Bestimmt haben wir solche Sprüche schon öfters gehört. Hier ist das Problem damit: in vielen Fällen scheint es nicht wirklich zu funktionieren. Der Grund dafür ist, dass wir tief im Grunde unseres Herzens wissen, dass wir nicht so sind, wie wir sein sollten. Wir wissen, dass die Anklage nicht auf wackligen Beinen steht. Hinter den Anschuldigungen unseres Gewissens steht etwas, was wirklich real ist und was Substanz hat. Und das ist unsere Sünde, die wir mit uns herumschleppen.
Wir können uns nicht selbst begnadigen. Insofern unterscheiden wir uns nicht von dem SS-Mann. Am Ende des Tages werden wir genauso wenig in der Lage sein, wirkliche Ruhe für unsere Seelen zu finden, wenn wir auf uns selbst angewiesen sind. Uns selbst vergeben zu haben, bringt rein gar nichts. Wir sind auf eine moralische Instanz angewiesen, die außerhalb von uns liegt. Wir brauchen eine Entität, welche die Autorität und Vollmacht hat, uns freizusprechen. Das ist das Problem, das Josefs Brüder mit sich herumgeschleppt haben. Und das ist das Problem, das wir ebenfalls mit uns tragen, es sei denn wir finden Heilung.

Zweitens, die Behandlung
Josefs Brüder haben ein riesiges Schuldproblem. Wie geht Josef mit ihnen um? Josef erkannte seine Brüder, während seine Brüder ihn nicht erkannten. Er schlachtet das gnadenlos aus. Er ist absichtlich unfreundlich und harsch zu ihnen. Er macht ihnen haltlose Vorwürfe. Er wirft sie ins Gefängnis. Er scheint regelrecht willkürlich mit ihnen umzugehen. Viele haben das Verhalten von Josef als ein verspäteter Akt der Vergeltung angesehen: „Jetzt habe ich euch endlich in der Mangel. Jetzt kann ich euch endlich alles heimzahlen, was ihr mir angetan habt. Ihr sollt leiden!“
Aber ein rachsüchtiges Verhalten passt überhaupt nicht zu dem Rest der Narrative: Josef weint, mehrmals; um am Ende weint er so laut vor seinen Brüdern, dass es das ganze Haus des Pharaos hören kann. Und sein Verhalten passt so gar nicht zusammen mit den vielen Freundlichkeiten, die er ihnen erweist; dass er ihnen ihr Geld wieder mit nach Hause schickt, dass er ihnen ein großes Festessen beim zweiten Besuch macht. Was hat es mit Josefs Verhalten auf sich?
Derek Kidner’s Antwort scheint mir die beste und plausibelste zu sein. Er schreibt: „Auf den ersten Blick könnte die grobe Behandlung, welche jetzt die Szene bis zum Ende von Kapitel 44 dominiert, wie Rachsucht aussehen. Nichts wäre natürlicher, aber nichts wäre weiter von der Wahrheit entfernt. Hinter der harschen Haltung war warme Zuneigung und nach der Feuerprobe überwältigende Freundlichkeit. … seine rätselhaften Geschenke waren eine freundlichere und noch gründlichere Prüfung. Wie weise seine Strategien waren, lässt sich in dem Auswuchs ganz neuer Haltungen in den Brüdern ersehen, wie der Wechsel aus Sonne und Frost sie für Gott aufgebrochen hat.“ Der Wechsel aus Wärme und Kälte macht brüchig. Und Josef wendet das so konsequent an, bis die Kruste auf den Herzen der Brüder aufgebrochen ist.
In Johannes 21 sehen wir, wie Jesus etwas Ähnliches tut. Erinnern wir uns: Petrus hatte Jesus, seinen Herrn und Meistern die Treue geschworen bis in den Tod. Bei der nächsten Gelegenheit hat Petrus dann gleich dreimal verleugnet, dass er Jesus kennt. Nach der Auferstehung konfrontierte Jesus Petrus: mit einem Frühstück. Aber Jesus belässt es nicht bei Freundlichkeiten. Er fragt Petrus dreimal, ob er ihn liebhat. Wir lesen beim dritten Mal, dass Petrus traurig ist. Jesus streut bewusst Salz in die Wunde wissend wie schmerzhaft es ist, so lange bis Petrus geheilt ist.
Was bedeutet es dann für uns konkret? Wenn ihr unter schlechtem Gewissen und unter Schuld leidet, gibt es nur ein Mittel: hin zu Jesus. Wie C.S. Lewis gesagt hat: „Die Schuld wird nicht durch die Zeit, sondern durch Buße und das Blut Christi abgewaschen.“ Jesus ist der Arzt, der uns Heilung schenkt. Er ist derjenige, der uns wiederherstellt. Bei ihm werden wir alle unsere Schuld los. Das Problem ist nur: genauso wie viele Menschen sich davor drücken zum Arzt zu gehen (vor allen bei Zahnärzten kennt man das Problem), drücken wir uns davor, Jesus aufzusuchen. Und hier hilft es, einen Josef im Leben zu haben: eine Person, die uns auf liebevolle Art und Weise so lange auf die Nerven geht und quält, bis wir nicht anders können, als zu Jesus zu gehen.
Hier ist ein Beispiel, dass ich schon mehrfach erzählt habe. Weil wir dieses Jahr gleich zwei neue Ehepaare feiern dürfen, möchte ich es noch einmal erzählen, weil es wirklich relevant ist. Auf der Hochzeit von einem guten Freund von mir war ein ziemlich weiser Pastor. In seiner Predigt sagte er folgendes: „Ich wünsche euch nicht, dass ihr euch nicht streitet. Hier ist das, was ich euch wünsche. Wenn ein Ehepartner sich falsch verhalten hat, soll diese Person sich entschuldigen. Er oder sie soll sagen: „Das, was ich getan habe / das, was ich gesagt habe, war falsch von mir. Es tut mir leid. Kannst du mir vergeben?“ Die andere Person soll nicht sagen: „Ach, kein Problem. Schwamm drüber.“ Es ist einfach, so zu tun, als ob einem das nicht nahe gegangen ist. Es ist ungleich schwieriger, und man macht sich verletzlicher, wenn man bekennt, wie es einem wirklich ergangen ist: „Das, was du getan hast, hat mich wirklich verletzt. Aber so schwer es mir fällt: ich nehme deine Entschuldigung an und möchte dir vergeben.“ Der Pastor sagte dann: „Und danach werdet ihr zusammen weinen. Diese Art von Tränen wünsche ich euch ganz oft. Daraus entsteht ein fruchtbarer Herzensboden, auf dem etwas Großartiges wachsen kann.“
Wer sind die Josefs in deinem Leben? Die Menschen, die dich dazu führen, Jesus, den Heiland zu suchen und zu finden? Und von ihm wiederhergestellt zu werden?

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Fragebogen: 1. Mose 42,1 – 44,34

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Josefs Brüder tun Buße

„Darum lass deinen Knecht hierbleiben an des Knaben statt als Sklave meines Herrn und den Knaben mit seinen Brüdern hinaufziehen.“

(1.Mose 44,33)

  1. Warum sandte Jakob zehn seiner Söhne nach Ägypten und warum sandte er Benjamin nicht mit (42,1-5)? Beschreibe die erste Begegnung Josefs mit seinen Brüdern. Woran dachte Josef, als sie sich vor ihm verbeugten (9a)? Was zeigt das über seinen Glauben?
  2. Was bewirkte Josefs harte Behandlung bei seinen Brüdern (21-23)? Wie berührte ihn ihr Bekenntnis (24a)? Warum folgte er nicht seinem Gefühl?
  3. Warum ließ Josef ihnen ihr Geld in ihre Getreidesäcke legen? Wie war ihre Reaktion, als sie Geld in einem der Säcke fanden? Was berichteten sie ihrem Vater? Wie reagierten sie, als sie den Rest ihres Geldes entdeckten (29-35)? Was offenbart Jakobs Reaktion über ihn (36-38)?
  4. Warum weigerte sich Juda, wieder nach Ägypten zu gehen, als der Familie das Getreide ausging? Wann wurde Jakob schließlich überzeugt, Benjamin mitzuschicken (42,37-43,10)?
  5. Wie empfing Josef sie, als sie mit Benjamin in Ägypten ankamen (15.16)? Warum waren sie so ängstlich und besorgt (15-22)? Beschreibe Josefs Begegnung mit seinen Brüdern, besonders mit Benjamin (26-34). Worüber wunderten sich die Brüder beim feierlichen Essen in Josefs Haus?
  6. Welches ernsthafte Problem bereitete Josef seinen Brüdern, als sie Ägypten verließen, und warum tat er das (44,1-13)? Wie reagierten die Brüder in dieser Krise? Wie hatten sie sich verändert? Betrachte Judas Rede (18-34). Was war die Grundlage seiner Bitte an Josef, und was bedeutete das für ihn? Wie hatte er sich verändert?
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Predigt: 1. Mose 37,1 – 41,57

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Gottes Geschichte mit Josef

„Und der HERR war mit Josef, sodass er ein Mann wurde, dem alles glückte“

(1.Mose 39,2)

Nachdem wir mehrere Kapitel über Jakob betrachtet haben, kommt in dem heutigen Text eine andere Person in den Vordergrund: Josef. Josef wird zu einer entscheidenden Schlüsselfigur darin, wie Gott seine Geschichte mit den Erzvätern Abraham, Isaak und Jakob fortsetzte. Dies wollen wir heute mit Hilfe des Textes aus 1. Mose 37 – 41 betrachten, und zwar anhand von drei Fragen:
1. Wie begann Gott Seine Geschichte mit Josef?
2. Wie setzte Gott Seine Geschichte mit Josef fort?
3. Wie konnte Gott in seiner Geschichte mit Josef zum Ziel kommen?

1. Gott beginnt Seine Geschichte mit Josef (1. Mose 37)
Kapitel 37 zeigt uns, wie es dazu kam, dass Gott Seine Geschichte durch Josef fortgesetzt hatte. Der Autor berichtet schrittweise, wie es dazu kam, dass die Brüder Josef zunehmend hassten. In den Versen 3 – 4 erfahren wir den ersten Anlass für den Bruderhass. Er bestand darin, dass Jakob Josef mehr liebte als alle seine Brüder. Jakob hatte für Josef einen langen, bis zu den Knöcheln reichenden Ärmelrock machen lassen. „Die gewöhnlichen Leute trugen ein kurzes Hemd ohne Ärmel“ (BRÄUMER, S.251). Solch eine Kleidung wie die Josef bekam, war eine Kleidung, die normalerweise Leute trugen, die nicht zu arbeiten brauchten. Josef lief da also wie ein Prinz unter seinen Brüdern herum. Seine Kleidung hatte ständig eine Botschaft an die Brüder: „Mein Vater liebt mich mehr als euch alle. Ich bin was Besseres als ihr“. Die Brüder konnten Josef daher nicht mehr grüßen, nach anderer Übersetzung ihm kein friedliches oder freundliches Wort mehr sagen.
Vers 5 berichtet, dass der Hass der Brüder zunahm, nachdem Josef ihnen den ersten Traum erzählt hatte. Auch im Vers 8 wird erneut bekräftigt, dass die Brüder Josef wegen seiner Träume noch mehr hassten. Schließlich erfahren wir in Vers 11, dass die Brüder auf Josef eifersüchtig wurden, nachdem er ihnen auch den zweiten Traum erzählt hatte. In Sprüche 27,4 heißt es: „Zorn ist ein wütig Ding, und Grimm ist ungestüm; aber wer kann vor der Eifersucht bestehen?“ Nach diesem Wort ist Hass schon sehr schlimm, aber noch viel gefährlicher ist die Eifersucht. Eifersucht kann zu einer feindlich zerstörenden Leidenschaft werden (vgl. ebd., S.30). Nach dem zweiten Traum erreichte der Hass der Brüder also seinen Höhepunkt. Es war schon schlimm genug gewesen, dass die Brüder ständig durch die Kleidung von Josef damit konfrontiert waren, dass er etwas Besseres ist. Nun kamen auch noch die Träume, in denen es darum ging, dass Josef einst über seine Brüder ja sogar über seinen Vater regieren würde. Das Erzählen dieser Träume war wie Öl ins Feuer.
Und was geschah dann? Im Vers 18 erfahren wir, dass die Brüder einen Anschlag gegen Josef ersannen. Es hatte mit einem Nicht-Grüßen angefangen und endete in einem geplanten Mord. Die Brüder nahmen Josef, steckten ihn in eine Zisterne und hätten ihn umgebracht, wenn Juda nicht vorgeschlagen hätte, ihn an midianitische Händler zu verkaufen. Josef hatte geträumt, dass sich einst seine Brüder vor ihm verneigen werden, aber zuerst geschah genau das Gegenteil: die Brüder hatten ihn als Sklaven verkauft. Bei David war es ähnlich: Nachdem er durch Samuel zum König gesalbt worden war, geschah erst einmal genau das Gegenteil: Er wurde zum Staatsfeind Nr. 1. Doch gleichzeitig hatte Gott gerade den Hass der Brüder gebraucht, um seinen Plan zu erfüllen. Denn gerade dadurch, dass Josef an die Midianiter verkauft worden war, gelangte ja Josef nach Ägypten, wo dann Josefs Traum in Erfüllung ging. Aber warum bekam gerade Josef diese Träume? Warum nicht die anderen Brüder? Lag es daran, dass Josef besonders fromm gewesen war? Im Vers 3 erfahren wir, dass Jakob Josef mehr liebhatte als alle anderen seiner Brüder. Doch der Autor weiß keinen anderen Grund dafür zu nennen, als nur der, dass Josef der Sohn seines Alters war. Kein einziges Wörtchen darüber, dass es an dem Charakter von Josef gelegen hat.
Zudem erweckt der Bericht über Josefs Verhalten gegenüber seinen Brüdern einen zumindest fragwürdigen Eindruck. Normalerweise erzählt man solchen, die sowieso einen nicht leiden können, nicht einen Traum, wo es darum geht, dass man eines Tages über sie herrschen wird. Noch fragwürdiger wird Josefs Verhalten dadurch, dass er seinen Brüdern auch den zweiten Traum erzählte. Das brachte das Fass dann zum Überlaufen. Schon nach dem ersten Traum hatten die Brüder Josef unmissverständlich deutlich gemacht, dass es ihnen gar nicht gefiel, von dem Traum zu hören – sie sagten zu ihm: „Willst du unser König werden und über uns herrschen?“ (V. 8). Aber obwohl sie das nicht hören wollten, erzählte Josef auch den zweiten Traum.

Der Autor nennt die Gründe nicht, warum Josef seine Träume weitererzählt hatte. Jedenfalls, erweckt Josef in seinem Verhalten den Eindruck eines normalen Jugendlichen (Josef war ja zu dem Zeitpunkt 17 Jahre alt). Wie viele Jugendliche auch konnte Josef vielleicht Vieles nicht für sich behalten. Wie viele Jugendliche auch merkte Josef vielleicht nicht, wie er auf andere wirkt, war vielleicht leichtfertig und voreilig, unvorsichtig, was die Gefühle anderer angeht – eben so, wie wir es von vielen Jugendlichen her kennen. Der Text macht weder eine eindeutige Aussage darüber, dass Josef besonders gut noch besonders schlecht war. Dass Gott in das Leben von Josef eintrat, war also nicht Verdienst irgendeiner Frömmigkeit von Josef, sondern reine Gnade. Inmitten des Berichts heißt es: „Und Josef hatte einen Traum“ (V.5). Das war der Startpunkt, an dem Gott in das Leben von Josef eintrat. Ähnliches Prinzip finden wir auch in der Geschichte von Abraham. In Apg. 7,2 heißt es über ihn: „Der Gott der Herrlichkeit erschien unserm Vater Abraham, als er noch in Mesopotamien war“. In seiner souveränen Gnade tritt Gott in das Leben von Menschen ein und beginnt Seine Geschichte mit ihnen, die wiederum in eine größere Geschichte, die Heilsgeschichte, eingebettet ist.
Trotzdem die Frage, warum erwies sich ausgerechnet Josef als brauchbares Werkzeug? Josef war zwar nicht viel besser als seine Brüder, aber eine Sache war bei ihm anders. Was war diese Sache? Gott hatte ja Josef im Traum gezeigt, dass seine Brüder sich eines Tages vor ihm verneigen werden. Das war genau das Gegenteil, was Josef tagtäglich durch seine Brüder erlebt hatte. Sie hatten ihn nicht einmal gegrüßt. Dass sie sich vor ihm verneigen werden, konnte man sich zu der Zeit nicht vorstellen. Was würden die meisten Menschen tun, wenn Gott ihnen etwas zeigt, was sie sich nicht vorstellen können? Sara lachte, als Gott ihr sagte, dass sie noch ein Kind bekommen würde (1. Mo 18,10-12). Wie sollte sie denn als Oma noch ein Kind bekommen? Weil sie sich das nicht vorstellen konnte, fiel es ihr schwer, das zu glauben. Wenn Gott etwas zeigt, was man sich nicht so gut vorstellen kann, passiert es leicht, dass man das einfach nicht glaubt. Aber bei Josef war das anders. Josef glaubte Gott, obwohl das, was Gott ihm gezeigt hatte, zu dem Zeitpunkt unvorstellbar war. Er glaubte so sehr Gott, dass er das, was Gott ihm zeigte, nicht für sich behalten konnte. Der Glaube war also die eine Sache, die bei Josef anders war als bei seinen Brüdern. Weil Josef Gott glaubte, konnte Gott durch ihn Seine Geschichte fortsetzen.
Gott ist mit Seiner Erlösungsgeschichte noch nicht am Ende. Auch heute möchte Gott Seine Erlösungsgeschichte durch einen jeden von uns fortsetzen. Unser Leben soll ein Teil dieser Erlösungsgeschichte werden. Die Voraussetzung hierfür ist nicht, dass man erst einmal in irgendeiner Hinsicht besonders sein muss. In 1. Kor 1,26-28 heißt es:
26 Denn seht, eure Berufung, Brüder, dass es nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind; 27 sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit er die Weisen zuschanden macht; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er das Starke zuschanden macht. 28 Und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt, das, was nicht ist, damit er das, was ist, zunichtemache, 29 dass sich vor Gott kein Fleisch rühmen kann.

Zu glauben, dass Gott nur ganz besondere Menschen beruft, blockiert sich auf die Berufung einzulassen. So wie Gott Josef ohne charakterliche Voraussetzung berief, so dürfen auch die Jugendlichen unter uns wissen, dass Gott für sie eine Berufung bereithält. Mit dieser Berufung meint es Gott so ernst (Gott hatte Josef zwei Träume mit ähnlicher Bedeutung gegeben, um die Erfüllung des Traumes zu vergewissern – vgl. 1. Mo 41,32). Gott hat auch einen Plan für dein Leben und möchte dein Leben in Seinen Erlösungsplan integrieren. Entscheidend ist, ob du dem glaubst, dich darauf einlässt und dich wie Josef davon begeistern lässt.
Unser Glaube an die Berufung kann leicht dadurch erschüttert werden, wenn sich davon nichts sichtbar erfüllt. Aber so war es bei Josef ja auch. Äußerlich geschah erst einmal das Gegenteil, doch in Wirklichkeit war Gott schon dabei gewesen, seinen Plan zu erfüllen. Lasst uns glauben, dass Gott auch etwas mit uns vorhat, daran festhalten, auch wenn es nicht danach aussieht, und dadurch entsprechend unserer Berufung handeln.
Es gibt noch eine wichtige Sache, der wir unbedingt glauben müssen, damit wir von Gott gebraucht werden können. Was ist das?

2. Gott ist mit Josef (1. Mo 39)
Im Kapitel 39 wiederholt sich eine Aussage mehrfach. In Vers 2 heißt es: „ Der HERR aber war mit Josef, und er war ein Mann, dem alles gelang“; Vers 3: „Als nun sein Herr sah, dass der HERR mit ihm war und dass der HERR alles, was er tat, in seiner Hand gelingen ließ“; Vers 21: „Der HERR aber war mit Josef und wandte sich ihm ⟨in⟩ Treue zu und gab ihm Gunst in den Augen des Obersten des Gefängnisses“ und in Vers 23 heißt es: „weil der HERR mit ihm war; und was er tat, ließ der HERR gelingen“. Vier Mal erwähnt der Text, dass der HERR mit Josef war und er dadurch Erfolg hatte.
Josef brauchte es sehr, zu wissen, dass Gott mit ihm ist. Denn seine Situation sprach genau das Gegenteil. Noch als er in der Zisterne war, schrie er um Hilfe. Doch weder Mensch noch Gott schien ihn zu hören. Stattdessen wurde er als Sklave in ein fremdes Land verkauft. Nichts schien danach auszusehen, dass sich seine Träume in irgendeiner Weise erfüllen würden. Alles sah danach aus, dass Josef eher von Gott verlassen war. Aber in Wirklichkeit war Gott mit Josef inmitten der Leiden gewesen. Sie waren ja ein Teil von Gottes Plan für Josefs Leben. Gott ließ es Josef erfahren, dass er mit ihm ist, indem er seine Arbeit mit Erfolg segnete. Sein Erfolg an der Arbeit bewirkte einen Karriere-Aufstieg im Hause des Potifars. Im Vers 5 lesen wir: „ Und es geschah, seitdem er ihn über sein Haus bestellt hatte und über alles, was er besaß, da segnete der HERR das Haus des Ägypters um Josefs willen; und der Segen des HERRN war auf allem, was er hatte, im Haus und auf dem Feld“.
Dass Gott mit Josef war, hatte Einfluss auf Josefs Lebensweise. Dies sehen wir v.a. in der Geschichte mit der Frau von Potifar. Josefs Verhalten in dieser Anfechtung ist wirklich sehr vorbildlich. Die Bibel berichtet von mehreren Männern Gottes, die durch Frauen zu Fall kamen: Simson – ein Mann, der Löwen bezwingen konnte, aber durch ungläubige Frauen schließlich ums Leben kam; David – ein Mann nach dem Herzen Gottes, beging Ehebruch; Salomo – die Weisheit in Person, ließ sich von Frauen zum Götzendienst verleiten. Doch bei Josef war es anders. Im Vers 10 erfahren wir, dass die Frau ihn sogar täglich bedrängte, er sich aber weigerte.
Was war das Geheimnis seines Sieges? Sicherlich gibt es mehrere Antworten auf diese Frage. Eine Antwort hierauf erfahren wir in den Versen 8 und 9. Josef sagte: „Siehe, mein Herr kümmert sich um nichts bei mir im Haus; und alles, was er besitzt, hat er in meine Hand gegeben. 9 Er ⟨selbst⟩ ist in diesem Haus nicht größer als ich, und er hat mir gar nichts vorenthalten als nur dich, weil du seine Frau bist“ Josef spricht hier von der Güte seines Herrn ihm gegenüber, aber indirekt auch über die Gnade Gottes in seinem Leben. Schließlich sagt er: „Wie sollte ich denn nun ein solch großes Übel tun und gegen Gott sündigen?“ Angesichts der Gnade Gottes in seinem Leben sah es Josef als ein großes Unrecht gegenüber Gott an, sich auf die Sünde mit der Frau von Potifar einzulassen. Dass Josef so klar von der Gnade Gottes in seinem Leben sprechen kann, ist nicht selbstverständlich. In seiner Situation würden sich viele Menschen beklagen wegen ihres Schicksals als Sklaven und wären voll von Rachegedanken in ihrem Kopf. Gerade das würde sie blind gegenüber dem machen, was Gott in ihrem Leben tut. Den Erfolg würden viele nicht auf Gott zurückführen, sondern auf ihre Fähigkeiten bzw. auf sich selbst. Für Josef aber war es ganz klar: „Gott ist die ganze Zeit mit mir gewesen. Er ist es, der mir Erfolg gegeben hat.“ Obwohl er mit der Frau allein gewesen war, sagte er: „gegen Gott sündigen“. Josef wusste: „Gott ist da und sieht uns.“ Josef war sich der Gegenwart Gottes bewusst. Josef hatte die gnädige Gegenwart Gottes nicht nur erfahren, sondern er erkannte sie auch in seinem Leben und glaubte auch daran. Das hinderte ihn daran, zu sündigen.
Obwohl sich Josef in der Sache mit der Frau des Potifars sehr treu verhalten hatte, kam er über übelster Intrige doch ins Gefängnis. Dass Gott mit Josef war, bedeutete eben nicht nur Erfolg, sondern auch Leid. Im Vers 21 wird noch einmal ausdrücklich gesagt, dass Gott mit Josef war und ihm auch im Gefängnis alles gelingen ließ.
Was starken Einfluss auf unser geistliches Leben hat, ist der Glaube, dass Gott mit einem jeden Seiner Kinder ist und sowohl Leid als auch Erfolg zu unserem Besten gebraucht (Röm 8,28). In Christus ist Gott unser Immanuel. Am Kreuz zeigte er es uns ganz klar, dass Gott inmitten unseres größten Problems und Schicksals, nämlich der Sünde und des Todes, mit uns ist und mit uns gegangen ist, um wie viel mehr dann in allen unseren Lebenslagen. So wie das Haus des Potifars um Josef willen gesegnet war, so sind auch wir um Christi willen gesegnet. In Sprüche 3,6 heißt es: „erkenne Ihn auf allen deinen Wegen, so wird Er deine Pfade ebnen.“ Wir sollen nicht blind durch die Gegend laufen, sondern erkennen und festhalten, wie der Herr in unserem Leben wirkt. Dies nährt und stärkt den Glauben, dass Gott mit uns ist. Ohne den Glauben, dass Gott mit uns, fühlen wir uns auf uns selbst gestellt und sündigen sehr schnell. Wir bekommen zum Beispiel leicht wegen einer Sache Angst, und handeln daher sündig.
Eingangs habe ich davon gesprochen, dass Gott an Josef zwar keine charakterlichen Voraussetzungen stellte, um ihn zu berufen, aber er veränderte Joseph, sodass er in der Lage war, seiner Berufung gerecht zu werden. Lasst uns das im dritten Teil genauer betrachten.

3. Gott verändert Josef (1. Mo 40 + 41)
Die Zeit für Josef im Gefängnis war keine schöne Zeit gewesen. In Vers 14 sagte er zu dem Mundschenk: „14 Aber denke an mich bei dir, wenn es dir gut geht, und erweise doch Treue an mir, und erwähne mich beim Pharao, und bring mich aus diesem Haus heraus!“ Die Zeit im Gefängnis war für Josef kein Zuckerschlecken gewesen. Am liebsten wollte er da so schnell wie möglich raus. Die Gefängnisse von damals waren auch nicht wie die Gefängnisse heute. Das waren ja Kerker, besser gesagt Löcher (vgl. 1. Mo 41,14, nach Schlachter). Doch Gott gebrauchte diese Zeit, um Josef mehr und mehr zu verändern, sodass sich das erfüllen könnte, was Gott mit ihm vorhat, nämlich u.a. zum Segen für die Welt zu werden.
Obwohl Josef selbst im Leiden war, war er doch offen für die Probleme seiner Mithäftlinge. In Vers 7 sagte er zu ihnen: „Warum sind eure Gesichter heute so traurig?“ In den darauffolgenden Versen erfahren wir, dass Josef sich die Träume der beiden erzählen ließ und sie dann auch auslegte. Josef gebrauchte seine Gabe so, wie es in 1. Petrus 4,10 heißt: „Dient einander, jeder mit der Gnadengabe, die er empfangen hat, als gute Haushalter der mannigfaltigen Gnade Gottes“. Josef diente mit seiner Gabe. Josef hatte es gelernt zu dienen. Leute, die es gelernt haben zu dienen, sind solche, die nicht mit sich selbst beschäftigt sind, sondern darauf bedacht sind, wie sie anderen helfen können. Gott hatte Josef zu solch einem Menschen verändert. Solche Menschen, die wissen, dass Gott mit ihnen ist, sind in der Lage, sich mehr auf anderen als auf sich selbst zu fokussieren, weil sie wissen, dass Gott sich um sie kümmert und sie in besten Händen sind.
Auch in Kapitel 41 sehen wir eine gewisse Veränderung von Josef. Als Josef vor dem Pharao geführt wird, um seine Träume zu deuten, sagte Josef: „Da antwortete Josef dem Pharao: Das steht nicht bei mir; Gott wird antworten, was dem Pharao zum Heil ist“ (V.16). Im Vers 25 sagt Josef: „Was der Pharao geträumt hat, bedeutet dasselbe: Gott hat den Pharao wissen lassen, was er tun will.“ Was tut hier Josef also? Er gibt mit seiner Gabe Gott die Ehre. Josef war darin gewachsen, mit seinem Leben Gott die Ehre zu geben. Er diente anderen Menschen, nicht um an Anerkennung zu wachsen oder weil er ein sozialer Mensch sein wollte, sondern weil er Gott damit ehren bzw. verherrlichen wollte.
Wie wir wissen, setzte der Pharao Josef zum zweiten Mann nach ihm über Ägypten ein. Joseph wurde dabei zum Segen für die ganze Welt. In Vers 57 heißt es: „Und alle Welt kam nach Ägypten zu Josef, um Getreide zu kaufen; denn die Hungersnot war stark auf der ganzen Erde.“ Josefs Leben war ein Teil von Gottes Erlösungsgeschichte geworden.
Was bedeutet das für uns? Wie bereits erwähnt, beruft Gott uns zwar ohne charakterliche Voraussetzungen, aber er möchte uns auch verändern, sodass wir für diese Berufung brauchbar sind. Gott möchte uns zu solchen Menschen verändern, die sich nicht um sich selbst kreisen, sondern auf andere ausgerichtet sind und einfach danach schauen, wie sie anderen dienen können, und dass um des Motives willen, Gott zu verherrlichen. Dadurch können wir zum Segen für andere werden. Dadurch kann auch unser Leben ein Teil der Erlösungsgeschichte Gottes werden. Auch hierfür ist es wichtig, zu glauben, dass Gott mit uns ist. Das hilft uns zu wissen, dass wir uns nicht um uns selbst zu kümmern brauchen.
In Mk. 10,45 heißt es: „Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele“. Der rote Faden von Jesu Leben war, dass er anderen gedient hat. Jesus am Kreuz ist der Ausdruck völliger Selbstlosigkeit. Er möchte uns mit seiner Gnade bedienen, damit wir frei werden, anderen zu dienen.
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1 BRÄUMER, H. (2011): Das erste Buch Mose. Erklärt von Hansjörg Bräumer. In: Wuppertaler Studienbibel, S. 36-261.

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