Predigt: 1.Mose 27,1 – 46

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Der Kampf und den Segen und das Geschenk

„Da entsetzte sich Isaak über die Maßen sehr und sprach: Wer? Wo ist denn der Jäger, der mir gebracht hat, und ich habe von allem gegessen, ehe du kamst, und habe ihn gesegnet? Er wird auch gesegnet bleiben.“

1.Mose 27,33

Wir haben heute wieder eine faszinierende Geschichte, die auf faszinierende Art und Weise erzählt wird. Der Hebräisch-Experte, der mich durch Genesis begleitet ist Robert Alter. Und Alter zeigt, dass der heutige Text eigentlich aus sieben Dialogen besteht: Isaak spricht mit seinem Lieblingssohn Esau; Rebekka spricht mit ihrem Lieblingssohn Jakob; dann Isaak und Jakob; dann wieder Isaak mit Esau, Rebekka mit Jakob, Rebekka mit Isaak und Isaak mit Jakob. Bei diesen sieben Dialogen ist sehr interessant, wer mit wem redet; und es ist aber auch sehr interessant zu sehen, wer nicht miteinander redet: Jakob redet nicht mit Esau, Rebekka redet nicht mit Esau. Isaak redet nur deshalb mit Jakob, weil er dachte, dass Jakob Esau ist. Und danach redete er weiter mit Jakob, weil Jakob ihn bereits erfolgreich übers Ohr gehauen hatte und deshalb irgendwie alles zu spät war.
Warum geht es dann in der Geschichte? Aber wir haben nicht nur sieben Dialoge. Das Wort Segen wird sieben Mal im Text erwähnt. Und das ist bestimmt kein Zufall. Es geht um den Segen. Wir wollen über drei Fragen zum Segen nachdenken. Zum einen, was sich hinter dem Segen verbirgt; als zweites, welche Kosten wir auf uns nehmen, um den Segen zu erlangen; drittens, wie wir den Segen bekommen können.

Erstens, was sich hinter dem Segen verbirgt
Isaak war blind geworden und dachte, dass er bald sterben würde. In Wirklichkeit hatte er noch einige Jahrzehnte Lebenszeit vor sich. Er gab seinem Sohn Esau den Auftrag, ein Tier zu jagen: „Bereite mir dann ein leckeres Mahl, wie ich es gern mag, und bring es mir! Dann will ich essen, damit meine Lebenskraft dich segne, bevor ich sterbe.“ Die meisten von uns haben eine ungefähre Ahnung, was Segen ist. Was immer der Segen ist, wir wissen, dass es etwas Positives und etwas Schönes ist. Segen ist etwas Gutes; es ist mit Reichtum verbunden. Wir wissen, dass es etwas ist, für das man durchaus die ein oder andere Anstrengung in Kauf nehmen kann.
Der heutige Text zeigt uns aber noch etwas konkreter, was dieser Segen ist. In den Versen 27-28 sehen wir, dass der Segen einen materiellen Bonus hatte (Einheitsübersetzung): „Isaak roch den Duft seiner Gewänder, er segnete ihn und sagte: Siehe, mein Sohn duftet wie das Feld, das der HERR gesegnet hat. Gott gebe dir vom Tau des Himmels, vom Fett der Erde, viel Korn und Most.“ Aber das war nicht alles. Es hatte einen geschichtlichen Aspekt für die Zukunft. Vers 29 sagt: „Völker sollen dir dienen, Nationen sich vor dir niederwerfen. Sei Herr über deine Brüder. Die Söhne deiner Mutter sollen dir huldigen. Verflicht, wer dich verflucht. Gesegnet, wer dich segnet.“
Und noch etwas fällt uns an dem Segen auf. Esau kommt wenig später und will den Segen seines Vaters. Wir als westliche Leser könnten an dieser Stelle denken, dass es doch ganz einfach sein müsste. Isaak könnte hier sagen: „Ich wurde auf schamvolle Weise betrogen. Hiermit nehme ich den fälschlich erteilten Segen zurück.“ Aber genau das ist es, was hier nicht geschieht. Isaak ist entsetzt, als er merkt, wen er versehentlich gesegnet hat. Wenn es jemand geben würde, der mit sofortiger Wirkung seine Taten und Worte rückgängig gemacht hätte sofern dies möglich gewesen wäre, Isaak wäre vermutlich dieser Mann gewesen. Aber er tut es nicht, weil er es nicht kann. Stattdessen sagt er: „Wer? Wo ist denn der Jäger, der mir gebracht hat, und ich habe von allem gegessen, ehe du kamst, und hab ihn gesegnet? Er wird auch gesegnet bleiben.“ D.h., der Segen, den Jakob sich hier unter den Nagel gerissen hat, hat etwas Unwiderrufliches an sich. Er ist fortan der Gesegnete. Niemand, noch nicht einmal sein Vater, kann ihm das wieder streitig machen.
Noch ein Punkt, auf den uns unser Text aufmerksam macht: in Vers 36 sagt Esau: „Er hat mich jetzt schon zweimal betrogen: Mein Erstgeburtsrecht hat er mir genommen, jetzt nimmt er mir auch noch den Segen.“ Für Esau waren der Segen und das Recht des Erstgeborenen zwei Paar Schuhe. Der Autor vom Hebräerbrief schrieb folgendes: „dass keiner unzüchtig ist oder gottlos wie Esau, der für eine einzige Mahlzeit sein Erstgeburtsrecht verkaufte! Ihr wisst auch, dass er verworfen wurde, als er später den Segen erben wollte; denn er fand keinen Raum zur Umkehr, obgleich er unter Tränen danach suchte.“ Für den Schreiber von Hebräerbrief waren das Erstgeburtsrecht und der Segen ein und dasselbe; oder anders gesagt, beide gehörten untrennbar zusammen. Das Eine ging nicht ohne das andere. Bruce Waltke fasst in seinem Kommentar zusammen: „Beide beziehen sich auf die Erbrechte des Erstgeborenen – das Geburtsrecht, auf Eigentum; der Segen, auf göttliche Macht, Wohlstand und Herrschaft. Zusammen machen sie den Erben zum primären Träger des Familienerbes, sowohl wirtschaftlich, sozial und religiös.“ Das ist es was Jakob wollte und was Esau verachtet hatte. Der Segen bietet Sicherheit, Bedeutung, Identität und ist unwiderruflich.
Bevor wir fortfahren, möchte ich gerne an dieser Stelle festhalten, dass wir alle, jeder einzelne von uns, auf der Suche nach Segen sind. Vielleicht verwenden wir nicht dieses Wort. Aber es ist genau das, wonach wir suchen. Der Segen verleiht eine Sicherheit in unsicheren Zeiten. In Zeiten einer globalen Pandemie und den damit verbundenen Wirtschaftskrisen ist das etwas, was wir uns mehr denn je wünschen. Der Segen verleiht Bedeutung: Jakob ist als Träger des Segens in die Geschichte eingegangen; er ist einer der drei Patriarchen, der in einem Atemzug mit seinen großen Vätern Abraham und Isaak genannt wird. Wir werden zwar nicht die Berühmtheit erlangen wie Jakob es tat. Und doch wollen wir Bedeutung. Wir wollen, dass unser Leben einen Sinn hat; dass es einen Unterschied macht. Wir alle wollen besonders sein. Der Segen verleiht Identität. Für Jakob bedeutete es, der rechtmäßige Erbe zu sein. Wir alle sehnen uns nach wahrer Identität. Wir sind besessen danach, eine adäquate Antwort auf die Frage zu finden: „wer bin ich eigentlich?“ Und die damit verbundenen Fragen: „Was ist mein einzigartiger Platz in der Familie, in der Gesellschaft in der Geschichte? Was ist es, was mich ausmacht?“ Wir alle wollen jemand sein.
Wir alle sind auf der Suche nach etwas, was unwiderruflich ist. Hier ist ein Beispiel: der erfolgreichste deutsche Basketballer aller Zeiten ist ohne Zweifel Dirk Nowitzki. Er spielte mehr als 20 Jahre in den USA in der besten Basketball-Liga der Welt. Er hatte viele individuelle Erfolge. Aber lange Zeit war er nicht in der Lage, eine Meisterschaft zu gewinnen. Die Meisterschaft ist der ultimative Beweis, dass man im Sport alles erreicht hat. Daran war er immer wieder gescheitert. Viele dachten, dass er ein Unvollendeter bleiben wird: ein guter Basketballer, dem aber der letzte Biss fehlt, um zu den Größten des Sports zu gehören. Aber dann kam das Jahr 2011. Nowitzki spielte mit einem Team von Underdogs und Oldtimern gegen die jungen, talentierten und favorisierten Miami Heat, die drei Superstars in ihren Reihen hatten. Im Finale spielte Nowitzki mit einer gerissenen Sehne im linken Mittelfinger und mit einem Infekt. Als er endlich den ersten und einzigen Meistertitel gewinnt, sagt er selbst: „Das kann mir niemand mehr wegnehmen. Das ist wirklich das Beste daran.“ Das waren seine Worte.
Der Segen tut noch etwas. Es ist eine Validierung für uns selbst. Stellen wir uns einen Studenten vor, der gut in Chemie ist. Alle Kommilitonen können das bestätigen. Das fühlt sich sicherlich gut an. Aber es macht einen riesigen Unterschied, ob das ein paar Mitstudenten von hunderten von Studenten im Jahrgang sagen, oder ob das der große, landesweit bekannte Professor sagt, nach einer mündlichen Prüfung. (Es gab ein Prüfungsprotokoll von einer Chemieprüfung. Der Professor hatte eine spezielle und besonders schwierige Frage, mit der er die Studenten auseinandergenommen hatte. Ein Student hatte sich auf diese Frage besonders gut vorbereitet. Die Prüfung kam, und auf dem Höhepunkt der Prüfung fragte er Professor seine Frage. Der Student gab seine gut vorbereitete Antwort. Der Professor war erstaunt. Er drehte sich zum Beisitzer und sagte: „er wusste es tatsächlich…“ Der Student berichtete im Protokoll: „von diesem Moment an konnte ich in der Prüfung sagen, was ich wollte. Die Prüfung war praktisch schon gelaufen. Die Note stand bereits fest.“)
Natürlich lieben wir es Komplimente zu bekommen. Wir lieben es gelobt zu werden. Aber es gibt Lob, das wir viel mehr schätzen als das Lob von anderen: es ist das Lob von den Menschen, die wir anhimmeln und zu denen wir heraufschauen. Es ist das Lob von Menschen, die wir als echte Autoritäten und Experten auf einem Gebiet schätzen. Wir schätzen das Lob von den Menschen, die wir selbst loben. Wer sind diese Leute? Es können unsere Lehrer und Professoren sein. Sehr oft sind es Menschen vom anderen Geschlecht, zu denen wir uns hingezogen fühlen. Und sehr, sehr oft sind es unsere Eltern. Wir wollen, dass unsere Eltern stolz auf uns sind.
Für Jakob war es definitiv sein Vater. Jakob hatte definitiv „Daddy Issues“, einen Vaterkomplex. Zeit seines Lebens stand er im Schatten seines älteren Bruders. Esau war körperlich stärker, ein richtiger Mann, ein Athlet. Esau war der mit dem Waschbrettbauch und dem V-Rücken, er hatte im Schwimmen das Goldabzeichen, bevor er Bezirksmeister im Fußball wurde und im Sport-Abitur seine 15 Punkte holte. Isaak war stolz auf seinen starken, durchtrainierten Sohn, dessen Schrank voller Pokale war. Jakob war abgehängt. Seine einzige Bronzemedaille konnte seinem Vater nicht einmal ein müdes Lächeln abgewinnen. Als Jakob aber den Segen einheimste, da stand er ganz im Zentrum der Aufmerksamkeit seines Vaters. In diesem kurzen Moment war er es, der das ganze Wohlwollen, die ganze Akzeptanz und Annahme und den Respekt seines Vaters bekam. Es war die Validierung, die er sich immer gewünscht hätte.
Und das ist es, was wir wollen. Wir wollen validiert werden. Wir wollen, dass die Menschen, zu denen wir aufblicken, uns Anerkennung geben und uns sagen: „Du bist angenommen. Du bist geliebt. Du bist etwas ganz Besonderes.“ Wir alle wollen den Segen. Keine Frage.

Zweitens, welche Kosten wir auf uns nehmen, um den Segen zu erlangen
Was taten Rebekka und Jakob genau? Sie mussten schneller sein als Esau. Also wurden schnell zwei Tiere aus der Herde geschlachtet und gekocht. Rebekka sagte: „Bring es deinem Vater! Dann wird er essen, damit er dich vor seinem Tod segnet.“ Jakobs Einwand ist, dass er und Esau sehr verschieden sind, angefangen mit ihrer Körperbehaarung. D.h., als Rebekka Jakob vorschlägt, wie sie zusammen den blinden Isaak hinters Licht führen und betrügen können, ist Jakobs Reaktion: „Ich habe keine Probleme damit, Papa anzulügen. Aber was ist, wenn er mich dabei erwischt?“ Jakob hatte keine Skrupel und Hemmungen zu betrügen. Er hatte nur etwas Furcht vor den Konsequenzen, wenn der Schwindel auffliegen würde.
Jakob bekommt die Felle von den Ziegen umgebunden. Er lügt seinen Vater mehrmals an: „Ich bin Esau, dein erstgeborener Sohn; ich habe getan, wie du mir gesagt hast.“ „Der HERR, dein Gott, bescherte mir’s.“ Auf die Frage von Isaak „Bist du mein Sohn Esau?“ die Lüge: „Ja, ich bin’s.“ Und auf dem Höhepunkt der Begegnung will Isaak ein Kuss von seinem Sohn. Es ist für Isaak die letzte Gelegenheit, zu prüfen, ob er wirklich mit Esau spricht. Er riecht die Kleider. Sie riechen nach Feld und Natur.
Wie kam Jakob also an seinen Segen? Er erschlich sich den Segen, indem er sich als seinen Bruder ausgab: er hatte sich verkleidet, er musste versuchen so zu tun, so zu sprechen und so zu riechen wie sein älterer Bruder. Er war also nicht er selbst. Er verstellte sich.
Tim Keller sagte, dass das auch die Art und Weise ist, wie wir versuchen, an den Segen zu kommen: wir verstellen uns ebenfalls. Als ich im Gymnasium war, war ich auf einigen Partys. Ich trank wie die anderen, ich tanzte wie die anderen, oder zumindest versuchte ich es. Und wisst ihr was? Ich hatte es gehasst wie die Pest. Ich hasste die Musik, ich fand dadurch keine neuen oder besseren Freunde, ich hatte einfach nur eine hundsmiserable Zeit. Ich hatte mich verstellt, um zu versuchen, dazu zu gehören. Frage an euch: wie authentisch seid ihr? Wer von euch hat sich schon mal verstellt, einfach nur, um von den anderen akzeptiert zu werden?
Und vielleicht verstellen sich manche von uns auf religiöse Art und Weise. Wir tun so, als ob in unserem Glaubensleben alles in Ordnung ist, obwohl wir wissen, dass es eigentlich nicht wirklich in Ordnung ist. Wir tun so, als ob es in unseren Familien rund läuft, obwohl unsere Familien dysfunktional sind. Wir tun so, als ob wir nur kleine Problemchen hier und da haben, obwohl wir eigentlich wissen, wie wenig wir unsere wahren Probleme unter Kontrolle haben. Oder wer von euch hatte schon einmal solche Gedanken wie: „ich weiß, dass ich ein paar Schwächen und Macken habe. Aber sooo schlimm bin ich ja auch wieder nicht. Im Vergleich mit den anderen bin ich doch ganz okay.“ Und das ist auch eine Art, sich zu verkleiden, so zu tun als ob. Und wir betrügen uns dabei selbst.
Was ist die Konsequenz dessen, wenn wir uns etwas Segen erhaschen, indem wir uns verstellen? Was war die Konsequenz bei Jakob? Die Folgen waren viel Leid und viel Schmerz. Jakob hinterließ ein Trümmerfeld. Seine Beziehung mit Esau war endgültig zerbrochen, so dass er umziehen musste. Wir können uns nur vorstellen, wie die Beziehung zu seinem Vater ausgesehen haben musste. Und Jakob verließ seine Mutter: den Elternteil, mit dem er sich am besten verstanden hatte. Beide würden sich nicht mehr wiedersehen können. Jakob erfuhr das, was C.S. Lewis im Buch Perelandra beschrieben hatte: „Aber nehmen wir an, du kämpfst dich zum Guten durch und stellst fest, dass auch das schrecklich ist? Was wäre, wenn sich das Essen selbst als gerade das herausstellt, was man nicht essen kann, und das Zuhause als der Ort, an dem man nicht leben kann, und dein Trost die Person, die dir Unbehagen bereitet? Dann ist in der Tat keine Rettung mehr möglich: die letzte Karte ist ausgespielt worden.“
Jakob hatte den Segen irgendwie. Und doch konnte er nicht wirklich glücklich sein. Es musste für ihn zutiefst unbefriedigend sein. Und vielleicht ist das auch unsere Erfahrung? Was ist dann die Lösung?

Drittens, wie wir den Segen doch bekommen können
Im heutigen Text sind vier Personen beteiligt. Keiner von den vier Personen hinterlässt eine gute Figur. Derek Kidner schreibt in seinem wunderbaren Kommentar: „Esau hatte sein Anrecht auf den Segen des Erstgeborenen weggehandelt. … Isaak, ob er von dem Verkauf wusste oder nicht, kannte doch die Prophezeiung Gottes bei der Geburt; trotzdem war Isaak entschlossen, Gottes Macht zu nutzen, um das zu vereiteln. Das ist die Perspektive der Zauberei und nicht der Religion. Esau brach seinen Eid, indem er mit diesem Plan übereinstimmte. Rebekka und Jakob hatten das rechte Anliegen, aber gingen weder auf Gott noch auf Menschen zu, machten keine Gesten des Glaubens oder der Liebe und ernteten die entsprechende Frucht des Hasses.“
Ein Punkt, den wir wirklich verstehen und verinnerlichen müssen: wir lesen diese Geschichten nicht, um moralische Schlüsse für unser Leben zu ziehen, wie z.B. „sei ein Mann des Glaubens wie Jakob.“ Nein! Das, was wir aus der Geschichte mitnehmen sollen, ist die gnädige Wirksamkeit Gottes trotz widrigster Umstände. Gott hat Jakob gesegnet, nicht weil Jakob ein Betrüger war, sondern trotz der Tatsache. Wir sehen, dass Gott die Familie von Isaak gebraucht hat, obwohl die Familie ein einziges Desaster war. Wir sehen, dass Gott sich von seinen guten Plänen nicht abbringen ließ, obwohl alle vier Protagonisten alles taten, um sich gegenseitig zu sabotieren. Und diese Geschichte weist auf etwas hin. Sie weist uns auf die Schlüsselperson hin, durch welche am Ende des Tages alle Menschen gesegnet werden können, wenn sie es wollen.
Jesus ist der einzige Sohn Gottes, der geliebte Sohn, der wahre Erstgeborene. Wir haben versucht, unseren Segen dadurch einzuheimsen, indem wir uns als jemand anderes ausgegeben haben. Das Wunder ist, dass Jesus sich ebenfalls verkleidet. Jesus wurde so wie wir. Jesus gab sich als uns aus: schwach und arm und krank, in der Gestalt eines Sklaven. Nicht nur das, Jesus gab seinen Platz beim Vater auf: sein Privileg, sein Ansehen beim Vater, das Wohlwollen, die Gunst des Vaters und seinen Segen. Er gab es alles auf, um so zu werden wie wir. Der Höhepunkt der Ablehnung, der Gipfel des Hasses ist der Tod des geliebten Sohnes am Kreuz. Jesus wurde vom Vater verschmäht, damit wir, die wir beim Vater angenommen sind: wir, die wir unwürdig, sündig, lieblos, unbeholfen und gefallen sind. Mit anderen Worten: der Segen, den wir immer haben wollten, er gehört uns. Gott schenkt uns den Segen in Jesus Christus durch das, was Jesus für uns vollbracht hat. Der Segen Gottes ist seine Gnade. Der Segen ist sein Geschenk, um das wir uns nicht verdient gemacht haben.
Was ist die Anwendung dann? Wir sind eine Gemeinde, in der es an Einheit fehlt, was unsere gemeinsame Identität ist und unsere Vision und Mission. Was ich mir wünsche ist, dass wir im kommenden Jahr einiges an Aufbauarbeit gemeinsam bewerkstelligen können; dass wir wieder anfangen können, ein Bewusstsein dafür zu haben, dass wir eine unglaublich starke Identität haben. Das, was uns miteinander verbindet ist viel größer und stärker als das, was uns voneinander unterscheidet und trennt. Uns verbindet, dass wir den Segen Gottes haben; uns verbindet, dass wir allesamt von Gott geliebt sind; uns verbindet, dass Gott seinen Sohn verstoßen hat, damit wir die Rolle seines geliebten Sohnes einnehmen können.
Und verbindet, dass wir gemeinsam berufen sind, den Kampf des Glaubens zu führen. Aber hier ist absolut Entscheidende: wir kämpfen nicht wie Jakob und Esau. Wir kämpfen nicht, um den Segen zu erlangen. Wir kämpfen nicht, um Gott gefällig zu werden, damit er uns segnet. Diesen Kampf hat Jesus für uns gekämpft. Jesus hat bereits für uns gewonnen, als er unsere Sünde ins Grab genommen hat und am dritten Tage auferstand. Unser Kampf ist ein anderer. Unser Ringen besteht darin: mit all unseren intellektuellen Fähigkeiten zu verstehen, mit all unseren Sinnen zu erkennen, mit unserem ganzen Leben zu erfahren, wie sehr wir geliebt sind und wie sehr wir gesegnet sind. Wir kämpfen, uns neu von der Liebe Gottes überwältigen zu lassen, aufs Neue zu hören, wie Gott zu uns spricht: „Du bist mein geliebter Sohn; du bist meine geliebte Tochter. Ich liebe dich über alles. Der Himmel steht dir offen. Du bist unendlich reich gesegnet.“
Mein Wunsch ist, dass wir das als Individuen und als Gemeinschaft neu erfahren. Wir werden kein Segen für die anderen sein können ohne das.

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Fragebogen: 1.Mose 27,1 – 28,22

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Gott begegnet Jakob

„Und Jakob tat ein Gelübde und sprach: Wird Gott mit mir sein und mich behüten auf dem Wege, den ich reise, und mir Brot zu essen geben
und Kleider anzuziehen und mich mit Frieden wieder heim zu meinem Vater bringen, so soll der HERR mein Gott sein.“

1.Mose 28,20.21

 

  1. Was beabsichtigte Isaak zu tun und warum (1-4)? Was war Rebekkas Gegenplan (5-10)? Wie reagierte Jakob (11-17)?
  2. Welchen Segen gab Isaak Jakob (27-29)? Was sagte Isaak zu Esau, als der hereinkam (32.33)? Welchen Segen gab Isaak ihm, als er seinen Vater bat? Was beschloss Esau zu tun (41)?
  3. Warum entschied sich Rebekka, Jakob wegzuschicken? Wie musste sie wegen dem, was sie getan hatte, leiden? Wie gebrauchte Gott aber ihr Handeln, um seinen Willen zu erfüllen?
  4. Welche Anweisung und welchen Segen gab Isaak Jakob (28,1-5)? Was zeigt das über Isaak? Was tat Esau daraufhin (6-9)?
  5. Wie mag Jakob sich in der ersten Nacht, in der er von Zuhause weg war, gefühlt haben (10.11)? Beschreibe, was er in seinem Traum sah (12-15). Wie stellte Gott sich ihm vor und was verhieß er Jakob? Welcher Teil der Verheißung kam von Abrahams Bund und welcher Teil war speziell für Jakob?
  6. Wie reagierte Jakob, als er aufwachte (16-19)? Betrachte Jakobs Gelübde in den Versen 20-22. Warum war dieses Gelübde in seinem Leben wichtig?

 

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Predigt: 1. Mose 12,1 -3 (Sonderlektion am 22.11.2020 – Online Konferenz)

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Gottes Vision für Abraham

„Und der Herr sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“

(1.Mose 12,1-3)

Danken wir Gott, der uns durch das Evangelium zu seinen Kindern gemacht und uns zu einer Gemeinde zusammengefügt hat. Ich danke Gott für die Neuanfangskonferenz, dass wir trotz der Coronabeschränkungen miteinander reden und uns über unsere Erfahrungen, Probleme und Verbesserungsvorschläge austauschen konnten. Dieses Wochenende ist sicher nur ein Anfang, und es gilt nun, dass wir weiter im Gespräch bleiben, Wege zur Verbesserung suchen und vor allem weiter Gott im Gebet um Erneuerung bitten. Ein wichtiger Punkt ist, dass wir alle Klarheit über Gottes Vision für die Gemeinde bekommen; Gott will, dass wir seine Vision für uns selbst und für die Gemeinde ergreifen und mit seiner Vision im Herzen leben. Da wir in den letzten Wochen den Anfang von Gottes Heilswerk mit Abraham betrachtet haben und Abraham im Neuen Testament der Vater aller Gläubigen genannt wird, wollen wir Gottes Vision für Abraham gezielt betrachten und dadurch Gottes Vision für uns neu ergreifen. Gott helfe uns dabei!

Abraham war ein normaler Mensch ohne besondere Fähigkeiten und mit eingeschränkten Möglichkeiten, um noch etwas Besonderes in seinem Leben zu erfahren oder zu erreichen. Denn Abraham war schon ziemlich alt und er war kinderlos, weil seine Frau unfruchtbar war. In seiner Lage konnte Abraham keine Vision für sein Leben haben. Aber Gott hatte für ihn eine großartige Vision, die Gott eines Tages enthüllte, als er ihn berief. Gott sprach zu ihm: „Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ Gott wollte diesen kinderlosen älteren Mann zu einem großen Volk machen, das in einer Bundesbeziehung mit Gott leben und ihn ehren sollte. Gott wollte ihn segnen und seinen Namen weltweit bekannt machen. Gott wollte ihn vor allem zu einem Segen für unzählige andere Menschen machen. Alle Geschlechter der Erde sollten durch Abraham und seine Nachkommen gesegnet werden. Das war Gottes eigener Wille und Plan, den Gott Abraham durch seine Verheißung vermittelte.

Gott wollte und will alle Geschlechter auf Erden segnen. Gott will, dass alle Welt ihn erkennt und ihn als Gott anerkennt und seine Liebe und seinen Segen erfahren kann. Gott will alle Völker wahrhaft segnen durch den einen Nachkommen Jesus Christus, seinen Sohn, der als Nachkommen Abrahams in die Welt kam, um uns von unserer Sünde zu retten und uns neues Leben als Gottes Kinder zu geben. Wahrer Segen kommt durch Jesus Christus. Wir können nicht für andere ein Segen sein – womit? Wir sind selbst normale Menschen und sind Sünder.

Es ist wirklich sehr bemerkenswert, dass Gott für sein großes weltweites Heilswerk einen einzelnen Menschen berief und sich konzentriert um ihn kümmerte. Warum tat Gott das? Welche Rolle sollte Abraham in Gottes großem Heilswerk spielen? Um auf diese Frage die richtige Antwort zu finden, sollen wir darauf achten, was Gott von Abraham wollte. In Kap. 12 befahl Gott Abraham, sein Vaterland und seine Verwandtschaft zu verlassen und in ein unbekanntes Land zu ziehen, und gab ihm dabei eine großartige Verheißung seines Segens. Gott wollte, dass Abraham an Gottes Verheißung glaubt und im Vertrauen darauf ein neues Leben anfängt. Im ganzen weiteren Bericht über Abrahams Leben in den Kap. 12-25 sehen wir, dass Gott sich vor allem um einen Punkt bemüht hat: Abraham zu helfen, an Gottes Verheißung wirklich und unter allen Umständen zu glauben. Deshalb erinnerte Gott ihn geduldig immer wieder an seine Verheißung, die Gott immer wieder anders formulierte, damit Abraham sie tief und fest in seinem Herzen annimmt. Mal sagte Gott, dass seine Nachkommen so zahlreich wie die Sterne am Himmel sein sollten, ein anderes Mal, dass sie wie der Sand am Ufer des Meeres sein würden. Abraham sollte nicht nur irgendwie vage, gefühlsmäßig oder theoretisch daran glauben, sondern von ganzem Herzen fest glauben, sodass er aus dem Glauben an Gottes Verheißung leben würde. Der erste praktische Schritt zur Erfüllung von Gottes Verheißung war, dass Abraham einen Sohn bekommen sollte. Aber Gott wartete damit geduldig und erfüllte diese erste Stufe seiner Verheißung erst, als er wirklich fest daran glaubte. Obwohl das 25 Jahre lang dauerte, wartete Gott und half ihm mit Geduld, den Glauben in seinem Herzen fest zu ergreifen und zu verankern. Erst als Abraham Gottes Verheißung, dass er ein Vater vieler Völker sein und von Sara einen leiblichen Sohn bekommen würde, wirklich glaubte und diesen Glauben in Leib und Seele gravierte, erfüllte Gott seine Verheißung und gab ihm Isaak. (Davor half Gott noch Sara, auch an Gottes Wort zu glauben – Gott wollte, dass beide glauben.)

Was bedeutet das? Gottes Vision war und ist, dass alle Geschlechter von Menschen auf der Erde wirklich gesegnet werden. Gottes Vision ist, dass alle Völker durch seinen Sohn Jesus Christus seinen wahren Segen bekommen, nämlich die Befreiung von ihrer Sünde und ein neues geheiligtes Leben als Gottes Kinder in der Beziehung zu ihm führen und das ewige Leben erlangen. Das ist Gottes Vision, die er viele Propheten sehen ließ. Das war auch die Vision, mit der Jesus Christus auf der Erde gebetet und gewirkt hat. Diese Vision hat er durch viele Gleichnisse vom Himmelreich gepredigt und in die Herzen vieler Menschen gepflanzt. Für diese Vision, dass so unzählige Menschen in Gottes Reich kommen werden, hat er sein Leben am Kreuz hingegeben hat und ist von Gott von den Toten auferweckt worden. In Jesus ist das Heil für alle Völker und es strömt bis heute überall dort in das Herz und Leben der Menschen, die davon hören und daran glauben. Dieses großartige weltweite Segenswerk wollte Gott damit beginnen, dass zuerst ein Mensch an Gottes Segenswerk wirklich glaubt. Darum war es Gott so wichtig, dass Abraham an Gottes Segensverheißung wirklich glaubt. Gottes große Vision für Abraham war, dass er in diesem großen Erlösungswerk gebraucht werden und darin eine wichtige Rolle spielen sollte. Aber Abrahams Rolle war nicht, dass er bestimmte großartige Dinge tun sollte. Er sollte auch nicht mittelgroße oder kleine Werke vollbringen. Abraham konnte das nicht. Gott wollte sein Werk tun. Was Gott von Abraham aber erwartete, war, dass er an Gottes Verheißung fest glauben und aus diesem Glauben heraus sein ganzes Leben führen sollte. Dadurch sollte Abraham der erste sein, der an Gottes Verheißung fest glaubt und durch diesen Glauben in der Gemeinschaft mit Gott lebt. Dadurch sollte er ein Beispiel und Vorbild für seine Kinder und für unzählige Nachkommen werden. Was Gott von Abraham verlangte, war also nicht viel, sondern echter Glaube an Gottes Verheißung des Segens und dass er aus diesem Glauben sein Leben mit Gott führt. Dabei hatte Gott die Vision, dass Abraham ein geistliches Vorbild und Stammvater für aller Gläubigen würde. Gott hatte die Vision, dass Abraham ein Vater vieler Völker und sogar der Vorfahr Jesu Christi werden sollte, der den wahren Segen der Rettung von der Sünde und des ewiges Leben als Gottes Kinder für alle Geschlechter der Erde bringt. In Jesus Christus sollte Abraham wirklich ein Segen für alle Geschlechter der Erde werden. Diese Vision hat Gott inzwischen buchstäblich erfüllt (nur dass es noch eine kleine Zahl von Volksstämmen gibt, die mit dem Evangelium Jesu noch nicht erreicht worden sind).

Wir Menschen können Gott eigentlich nichts bringen. Wir Menschen haben ein Wissen um Gott und ein Bewusstsein dafür, dass wir Gott in unserem Leben ehren sollen. Dabei haben wir tief in uns die Vorstellung, dass wir Gott dadurch ehren sollen, dass wir bestimmte Dinge für ihn tun und so leben, dass es Gott ihm gefällt und wir dadurch seine Anerkennung finden. Aber wir sind in unserem Wesen so sündig, dass wir in Wirklichkeit nichts tun können, durch das wir Gott beeindrucken oder seine Anerkennung erlangen können. Als Gott Abraham berief, hat er von ihm kein Werke verlangt. Gott gab eine große Verheißung und befahl ihm, ihm in ein anderes Land zu folgen, wo er ein neues Leben aus Glauben an Gottes Verheißung anfangen sollte. Gott wollte, dass Abraham Gottes Verheißung tief annimmt und unabhängig von seinen Umständen fest glaubt. Erst dann gab er ihm den verheißenen Sohn. Jahre später prüfte Gott Abrahams Glauben an seine Verheißung nochmal, indem er ihm befahl, Isaak im Gebirge Morija Gott zu opfern. Gott wollte also, dass Abraham so fest an seine Verheißung glaubt, dass er bereit wäre, Isaak zu opfern, der für die Erfüllung der Verheißung eigentlich eine Schlüsselrolle spielte. Gott wollte sein Werk nicht auf Menschen oder auf menschliche Bemühungen bauen. Gott wollte sein Werk selber tun. Gott wollte aber, dass mindestens ein Mensch auf der Erde an Gott und an seine Verheißung des Segens glaubt. Als Abraham an Gottes Verheißung wirklich fest glaubte, machte Gott ihn zu einem Beispiel und Stammvater des Glaubens und zu einer Quelle des Segens für alle Geschlechter der Erde.

Wir sollen begreifen, wie wichtig Gott der Glaube ist, und entsprechend ernsthaft dafür beten und uns bemühen, an seine Verheißungsworte wirklich zu glauben. Alles fängt mit dem Glauben an. Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen. Wenn aber ein Mensch da ist, der Gottes Wort wirklich glaubt, ist Gott sehr froh und will auf seinen Glauben hin ihn oder sie segnen und durch sie andere segnen. Gott wünscht sich von uns daher vor allem, dass wir an seine Verheißungen in der Bibel wirklich glauben. Gott will, dass wir nicht nur gefühlsmäßig oder irgendwie vage glauben, sondern so fest an sein Wort glauben, dass wir unser ganzes Leben aus dem Glauben daran führen. Gott hat uns seinen Sohn Jesus gegeben und die Verheißung, dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Gott hat uns in Jesus die Vergebung all unserer Sünden und ein neues, ewiges Leben als seine Kinder verheißen. In Jesus gilt seine Segensverheißung, die Gott Abraham gegeben hat, auch für uns. In Jesus will er uns wahrhaftig segnen und in ihm will er uns auch zum Segen für andere Menschen machen. Daher dürfen wir Gottes Verheißung in Gen 12,2 auch für uns annehmen und daran fest glauben, jeder persönlich und auch als Gemeinde. Durch unseren Glauben an Gottes Verheißung sollen wir Gott als den treuen, wahrhaftigen und zuverlässigen Gott ehren. Wenn wir heute neu an Gottes Segensverheißung glauben, ungeachtet dessen, was für gute oder schlechte Erfahrungen wir früher gemacht haben, und ungeachtet unserer momentanen Situation, wird Gott uns selbst neu und noch mehr als bisher segnen und uns auch zum Segen für andere Menschen machen. Wenn wir an Gottes Verheißung wirklich glauben, wird Gott uns gebrauchen, um in der Familie, in der Gemeinde, an der Schule, an der Uni oder am Arbeitsplatz viele zu Jesus einzuladen und ihnen zu helfen, durch Glauben seinen umfassenden und ewigen Segen zu empfangen.

Wir haben bis jetzt betrachtet, wie wichtig für die Erfüllung von Gottes Vision der Glaube Abrahams war. Nun könnte jemand fragen: Ist also nur der Glaube wichtig? Ist es denn egal, wie wir leben? Der Glaube ist am wichtigsten, aber es ist natürlich nicht egal, wie wir leben. An Abrahams Beispiel können wir gut sehen, wie der Glaube sich im Leben ausdrückt und es prägt. Wenn wir Abrahams Leben betrachten, finden wir drei Dinge, wie sich sein Glaube an Gottes Verheißung ausgedrückt hat.

1. Gebet: Von Kap. 12 bis Kap. 25 finden wir viele Stellen, die erwähnen, dass Abraham zu Gott betete. Immer wieder heißt es, dass er einen Altar baute und den Namen des Herrn anrief (12,7; 13,4; 21,33). Abrahams Glaube drückte sich vor allem dadurch aus, dass er Gott immer wieder dankte, ihn lobte und als Gott anbetete. Durch sein betendes Leben lernte er, Gott auch unter widrigen Umständen als Gott zu ehren und in einer gottlosen Umgebung seinen Glauben an Gott zu behalten. Gott freute sich über sein betendes Lebens und erschien ihm wiederholt und half ihm immer wieder persönlich mit seinem Wort.

Von den vielen Gebeten Abrahams wird eines ausführlich beschrieben. In Kap. 18,22-32 erfahren wir wörtlich, wie Abraham für die Rettung der Menschen in Sodom betete. Wenn wir Abrahams Gebet lesen, wundern wir uns, mit welchem Mut er für sie betete und mit Gott aushandelte, dass Gott die ganze Stadt verschonen würde, wenn mindestens zehn Gerechte darin wären. Leider gab es nicht einmal zehn Gerechte. Trotzdem segnete Gott Abrahams Gebet und rettete Lot und seine Töchter vor dem Gericht über Sodom. Dass Abraham so beharrlich und mutig für alle Menschen in Sodom betete, weist darauf hin, dass er wirklich angenommen hatte, dass Gott ihn zum Segen für andere machen wollte. Sein Gebet zeigt aber auch, dass er nicht davon ausging, dass das einfach automatisch passiert. Sein inständiges Gebet ist vielmehr ein Ausdruck seines Glaubens an Gottes Verheißung und eine konkrete Anwendung davon.

Weil Gott uns verheißen hat, uns zu segnen und uns zum Segen für andere zu machen, dürfen auch wir mutig und beharrlich für uns und für andere beten. Bei der Umfrage haben erfreulich viele angegeben, dass sie regelmäßig persönlich in der Bibel lesen. Bei der Frage nach dem persönlichen Gebet war der höchste Balken aber bei „naja“. Tatsächlich ist es nicht leicht, ein persönliches Gebetsleben über lange Zeit zu führen und aufrechtzuerhalten. Verschiedene Probleme können dazu führen, dass unser Gebet oberflächlich und pflichtmäßig wird und unsere Gebetszeit immer kürzer. Das können Dinge sein, die uns ablenken, Zweifel oder andere Sünden, die wir nicht vor Gott bringen. Von der anderen Seite her betrachtet ist der Hauptfaktor für das Gebet, wie stark der Glaube an Gottes Verheißung in unserem Herzen brennt. Echte geistliche Erneuerung fängt immer mit der Erneuerung unserer eigenen Beziehung zu Gott an. Und wie es um unsere Beziehung zu Gott steht, zeigt sich gerade an unserem Gebet – wie viel und wie herzlich wir zu Gott kommen und wie ernsthaft wir dabei auch bereit sein, seine Stimme zu hören, unsere Sünde zuzugeben und davon abzukehren und seine Wort anzunehmen. Ich bin dankbar, dass viele unter uns beharrlich und treu zu Gott beten. Ich bin dankbar für die Frauen, die seit Jahren jeden Mittwoch zusammenkommen, um gemeinsam zu beten. Gott hat einen brennenden Wunsch, uns zu segnen und zum Segen für andere zu machen. Lasst uns im Glauben daran zu Gott mutig und freimütig beten, ihm danken und herzlich für uns und für unsere Nächsten bitten! Lasst uns mehr füreinander beten und einander im Gebet tragen. Lasst uns für unsere Kinder und die jungen Leute in der Gemeinde beten, dass sie Gott finden und unter seinem Segen leben können. Lasst uns für die Studenten und jungen Menschen in unserer Stadt beten, dass sie Jesus kennen lernen und seinen wahren Segen erfahren. Wenn wir beten, werden wir zu Mitarbeitern in Gottes Heilswerk und werden von ihm für andere zum Segen gemacht, weit mehr, als wir es uns vorstellen können!

2. Lehre: Im selben Kapitel, in dem Abrahams Gebet für Sodom beschrieben wird, erfahren wir vorher, wie Gott Abrahams Rolle in der Geschichte sah und wie er diese Rolle erfüllen sollte. In Kap. 18,17-19 heißt es: „Wie könnte ich Abraham verbergen, was ich tun will, da er doch ein großes und mächtiges Volk werden soll und alle Völker auf Erden in ihm gesegnet werden sollen? Denn dazu habe ich ihn auserkoren, dass er seinen Kindern befehle und seinem Hause nach ihm, dass sie des HERRN Wege halten und tun, was recht und gut ist, auf dass der HERR auf Abraham kommen lasse, was er ihm verheißen hat.“
Hier sehen wir, dass Gott Abraham als einen Mitarbeiter in seinem Werk betrachtete. Gott ist souverän und kann jederzeit tun, was er will, ohne sich mit jemandem abzusprechen. Aber Gott sagte, dass er Abraham nicht verbergen konnte, was er vorhatte, da er doch ein großes und mächtiges Volk werden sollte und alle Völker in ihm gesegnet werden sollten. Das zeigt, dass Gott Abraham inzwischen zu einem Mitarbeiter Gottes geworden war, den Gott in seine Pläne einweihen und seine Stimme bzw. Gebete dazu hören wollte.

Diese Rolle hat Gott auch jedem zugedacht, der an seinen Sohn Jesus und seine Verheißung glaubt. In Gottes Augen sind wir nicht einfach Schüler, Studenten, Hausfrauen, Angestellte oder Selbständige. Wenn wir an Gottes Verheißung in Jesus glauben, sind wir ungeachtet unserer Stellung in der Welt Gottes Mitarbeiter, die er in seine Vorhaben mit einbeziehen und deren Gebete er gerne hören will. In diesem Sinn hat unsere Gemeinde eine große Bedeutung. Auch wenn wir nicht viele sind, auch wenn wir in vieler Hinsicht mangelhaft sind: wenn wir für einander beten, für Gottes Wirken in der Gemeinde und in unserer Stadt, wird Gott uns hören und uns für sein Heilswerk gebrauchen.

Diese Stelle zeigt aber auch einen weiteren Weg, wie Abrahams Glaube sich ausdrücken sollte und wie er praktisch ein Segen für seine Nachkommen werden sollte. Gott sagte: „Denn dazu habe ich ihn auserkoren, dass er seinen Kindern befehle und seinem Hause nach ihm, dass sie des HERRN Wege halten und tun, was recht und gut ist, auf dass der HERR auf Abraham kommen lasse, was er ihm verheißen hat.“ Gott wollte, dass Abraham seine Nachkommen lehrt, Gottes Wege zu halten und zu tun, was recht und gut ist. Dann würde Gott auf Abraham den Segen kommen lassen, den er ihm verheißen hatte. Damals gab es noch keine Bibel, aber Abraham hatte verschiedene Worte Gottes empfangen und hatte gelernt, danach zu leben. Abraham lehrte diese Worte Gottes und seinen Willen seine Nachkommen. Er hatte nur einen Sohn, den Gott als Nachkommen anerkannte, Isaak. Aber ihn lehrte Abraham, an Gottes Verheißung des Segens zu glauben und dementsprechend zu leben. Wenn wir Kap. 24 lesen, wundern wir uns, dass Isaak die Frau, die Abrahams Knecht aus Mesopotamien zu ihm brachte, einfach annahm und zur Frau nahm, obwohl er sie gar nicht kannte, sondern nur den Bericht des Knechts gehört hatte, wie Gott ihn geführt hatte. In Kap. 25 erfahren wir, dass Isaak 20 Jahre lang beharrlich für Rebekka betete, weil sie unfruchtbar war. Isaak betete, bis Gott ihn erhörte und Rebekka schwanger werden ließ. Woher hatte er so einen großen Glauben, dass er so lange beten konnte? In Kap. 26 erfahren wir, dass Gott Isaak befahl, nicht nach Ägypten zu ziehen, sondern trotz der Hungersnot im Land zu bleiben, und dass er ihm verhieß, mit ihm zu sein und ihn zu segnen. Isaak glaubte Gott und gehorchte ihm und blieb in Gerar. Wir lesen auch, dass er danach, als die Philister ihm immer wieder seine Brunnen streitig machten, immer ruhig blieb und weiterzog, bis Gott er einen Brunnen fand, den sie ihm nicht streitig machten. Woher kam dieser Glaube? Wann hatte Isaak solchen Glauben gelernt? Der Grund dafür war, dass Abraham seinen Sohn Gottes Wege lehrte und ihn dazu anhielt, seinen Worten zu glauben und danach zu leben.

3. Vorbild. Dabei spielte auch Abrahams Vorbild eine wichtige Rolle. Wir wissen, dass Erziehung nach dem Motto: „Du sollst tun, was ich dir sage, aber nicht tun, was ich tue“, nicht funktioniert. Die Worte, die Eltern ihren Kindern sagen, müssen mit ihrem Leben übereinstimmen. Es gilt als erwiesen, dass das Vorbild von Eltern einen tiefergehenden Einfluss auf ihre Kinder hat als ihre Worte. Isaak hörte nicht nur Abrahams Worte, sondern konnte an seinem Vater im alltäglichen Leben immer wieder praktisch sehen, was es heißt, an Gottes Verheißung zu glauben und nach seinem Willen zu leben. So lernte er von seinem Vater, unabhängig von den Umständen auf Gottes Segen zu vertrauen. Er lernte von ihm auch, unabhängig vom Kontostand in Zelten zu leben und seine Hoffnung auf die Heimat im Himmel zu setzen. So konnte Isaak von Kind an zu einem Mann des Glaubens heranwachsen und selbst ein Stammvater des Glaubens werden.

Was kann das für uns bedeuten? Gott will uns weiter segnen mit allem geistlichen Segen durch Jesus und will uns auch zum Segen für andere machen. Gott will uns insbesondere zum Segen für unsere Kinder machen, was leibliche und geistliche Kinder umfasst. Darum sollen wir für sie herzlich und mutig beten. Aber wir sollen nicht nur für sie beten, sondern sie auch Gottes Wege lehren und ihnen helfen, an Gottes Verheißung zu glauben und danach zu leben. Vor allem sollen wir ihnen helfen, dass sie Jesus Christus kennen lernen und ihm begegnen und ihr Leben auf dem Weg seiner Nachfolge führen können. Das ist nicht nur eine gute Sache, sondern Gottes Wille für uns, der uns für sie zum Segen machen will. Das gilt nicht nur für die jeweiligen Eltern, sondern für die ganze Gemeinde. Früher haben P. und B. mit H., W. und S. in der Dachkammer Kindergottesdienste gefeiert. Später haben W. und S. und dann H. den jungen Leuten in der Jugendstunde bzw. dem Hoffnungskreis mit Gottes Worten gedient. In den letzten Jahren haben M. und C. die Kinder, die inzwischen Teenager sind, jeden Samstag Gottes Worte gelehrt, und G., R., P. G. H. und R. die kleineren Kindern am Freitag. Dadurch hat Gott sicher schon einige geistliche Samen in sie gesät. Dafür bin ich dankbar. Aber wir dürfen damit nicht aufhören. Da die Kinder ständig größer werden und die Zeit sich ändert, können wir nicht einfach alles wie früher machen. Lasst uns deshalb beten und neue Wege finden, den Kindern und den Jugendlichen in passender Weise zu helfen, Gottes Liebe und seine Wege zu erkennen, eine persönliche Beziehung zu ihm einzugehen und nach seinem Willen zu leben. Wir haben so viele Kinder und Jugendliche, die Gottes Segen bekommen sollen. Lasst uns alle für sie beten und eine gute Umgebung für sie bilden.

Das sollen wir nicht nur auf die eigenen Kinder in der Gemeinde beschränken. Gott will uns zum Segen für viele Menschen machen. Es gibt über 30.000 Studenten in unserer Stadt, die jung sind und viele Möglichkeiten für ihr Leben haben, aber Gott und seinen Sohn nicht kennen und fern von ihm und seinem wahren Segen leben. Gott will sie zu Jesus führen und ihnen neues, wahres Leben als seine Kinder schenken. Gott gebraucht dafür diejenigen, die an seine Verheißung glauben und für sie von Herzen beten. Lasst uns für sie neu beten und Wege suchen, sie mit Jesus bekannt zu machen und ihnen zu helfen, an ihn fest zu glauben. Lasst uns auch für unsere Freunde, Mitschüler, Kommilitonen, Nachbarn und Verwandte beten, dass wir ihnen geistlich helfen und ein Segen für sie werden können. Lasst uns dafür beten, dass wir in der Gemeinde dafür eine gute geistliche Umgebung schaffen können, voll herzlicher Liebe und geistlichem Leben. Lasst uns dafür beten, dass dazu jeder im Glauben gesund und stark wird und als fröhlicher Christ ein gutes Vorbild werden kann. Lasst uns beten und danach streben, dass wir durch echte liebevolle Beziehungen untereinander eine Gemeinde werden, die ihn ehrt und jeden, der hineinkommt, auf ihn hinweist. Das ist nicht etwas, was wir in kurzer Zeit erreichen können. Das ist etwas, das wir aus eigener Bemühung heraus überhaupt nicht schaffen können. Es ist aber etwas, für das wir beten und wonach wir streben können mit der Zuversicht, dass es Gottes Willen voll entspricht. Lasst uns dafür beten, dass Gott uns durch sein heiliges Wort und seinen Heiligen Geist dabei hilft, sodass er uns noch viel mehr segnen und uns für unsere Kinder und Jugendlichen, für viele Studenten und junge Leute und weitere Menschen zum Segen machen kann, wie er es verheißen hat. Lesen wir noch einmal die Verse 2 und 3: „Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen, und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“

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Fragebogen: 1.Mose 25,1 – 26,35 (Teil 2: Kap 26)

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Gott segnet Isaaks Familie

„Bleibe als Fremdling in diesem Lande, und ich will mit dir sein und dich segnen; denn dir und deinen Nachkommen will ich alle diese Länder geben ….“

(1.Mose 26,3a)

Teil 1

    1. Welche Vorbereitung traf Abraham für Isaak, bevor er starb (25,1-10)? Wie ging das Werk Gottes weiter (11)? Wie erfüllte Gott seine Verheißung an Ismael (12-18; vgl. 16,10-12)?
    2. Was tat Isaak wegen dem Problem seiner Frau (19-21)? Was offenbarte Gott Rebekka, als sie mit ihrem Problem in der Schwangerschaft zu ihm kam? Wodurch unterschieden sich Jakob und Esau voneinander? Was zeigt es über Esau, dass er sein Erstgeburtsrecht an Jakob verkaufte (Hebr 12,16)?

Teil 2

    1. Wohin ging Isaak, als eine neue Hungersnot aufkam, und warum (26,1.2)? Welchen Befehl und welche Verheißung gab Gott ihm (2-4)? Wie reagierte Isaak auf Gottes Befehl (6)
    2. Wie bewahrte Gott Isaak in seiner Schwäche (7-11)? Wie segnete Gott ihn (12.13)?
    3. Wie ging er mit den Philistern um, die von ihm seine Brunnen forderten (14b-21)? Was konnte er wohl durch seine Erfahrung dabei lernen (22)? Warum erschien Gott ihm wohl erneut (24)? Wie reagierte er auf Gottes Verheißung und was zeigt das über ihn (25)?
    4. Welche Veränderung können wir in Abimelech sehen, als er erneut kam, um Isaak zu treffen? Was zeigt dieses Ereignis über Isaaks stillen Sieg im Land? Was können wir von seinem Glauben lernen?

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