Fragebogen: 1.Mose 27,1 – 28,22

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Gott begegnet Jakob

„Und Jakob tat ein Gelübde und sprach: Wird Gott mit mir sein und mich behüten auf dem Wege, den ich reise, und mir Brot zu essen geben
und Kleider anzuziehen und mich mit Frieden wieder heim zu meinem Vater bringen, so soll der HERR mein Gott sein.“

1.Mose 28,20.21

 

  1. Was beabsichtigte Isaak zu tun und warum (1-4)? Was war Rebekkas Gegenplan (5-10)? Wie reagierte Jakob (11-17)?
  2. Welchen Segen gab Isaak Jakob (27-29)? Was sagte Isaak zu Esau, als der hereinkam (32.33)? Welchen Segen gab Isaak ihm, als er seinen Vater bat? Was beschloss Esau zu tun (41)?
  3. Warum entschied sich Rebekka, Jakob wegzuschicken? Wie musste sie wegen dem, was sie getan hatte, leiden? Wie gebrauchte Gott aber ihr Handeln, um seinen Willen zu erfüllen?
  4. Welche Anweisung und welchen Segen gab Isaak Jakob (28,1-5)? Was zeigt das über Isaak? Was tat Esau daraufhin (6-9)?
  5. Wie mag Jakob sich in der ersten Nacht, in der er von Zuhause weg war, gefühlt haben (10.11)? Beschreibe, was er in seinem Traum sah (12-15). Wie stellte Gott sich ihm vor und was verhieß er Jakob? Welcher Teil der Verheißung kam von Abrahams Bund und welcher Teil war speziell für Jakob?
  6. Wie reagierte Jakob, als er aufwachte (16-19)? Betrachte Jakobs Gelübde in den Versen 20-22. Warum war dieses Gelübde in seinem Leben wichtig?

 

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Predigt: 1. Mose 12,1 -3 (Sonderlektion am 22.11.2020 – Online Konferenz)

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Gottes Vision für Abraham

„Und der Herr sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“

(1.Mose 12,1-3)

Danken wir Gott, der uns durch das Evangelium zu seinen Kindern gemacht und uns zu einer Gemeinde zusammengefügt hat. Ich danke Gott für die Neuanfangskonferenz, dass wir trotz der Coronabeschränkungen miteinander reden und uns über unsere Erfahrungen, Probleme und Verbesserungsvorschläge austauschen konnten. Dieses Wochenende ist sicher nur ein Anfang, und es gilt nun, dass wir weiter im Gespräch bleiben, Wege zur Verbesserung suchen und vor allem weiter Gott im Gebet um Erneuerung bitten. Ein wichtiger Punkt ist, dass wir alle Klarheit über Gottes Vision für die Gemeinde bekommen; Gott will, dass wir seine Vision für uns selbst und für die Gemeinde ergreifen und mit seiner Vision im Herzen leben. Da wir in den letzten Wochen den Anfang von Gottes Heilswerk mit Abraham betrachtet haben und Abraham im Neuen Testament der Vater aller Gläubigen genannt wird, wollen wir Gottes Vision für Abraham gezielt betrachten und dadurch Gottes Vision für uns neu ergreifen. Gott helfe uns dabei!

Abraham war ein normaler Mensch ohne besondere Fähigkeiten und mit eingeschränkten Möglichkeiten, um noch etwas Besonderes in seinem Leben zu erfahren oder zu erreichen. Denn Abraham war schon ziemlich alt und er war kinderlos, weil seine Frau unfruchtbar war. In seiner Lage konnte Abraham keine Vision für sein Leben haben. Aber Gott hatte für ihn eine großartige Vision, die Gott eines Tages enthüllte, als er ihn berief. Gott sprach zu ihm: „Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ Gott wollte diesen kinderlosen älteren Mann zu einem großen Volk machen, das in einer Bundesbeziehung mit Gott leben und ihn ehren sollte. Gott wollte ihn segnen und seinen Namen weltweit bekannt machen. Gott wollte ihn vor allem zu einem Segen für unzählige andere Menschen machen. Alle Geschlechter der Erde sollten durch Abraham und seine Nachkommen gesegnet werden. Das war Gottes eigener Wille und Plan, den Gott Abraham durch seine Verheißung vermittelte.

Gott wollte und will alle Geschlechter auf Erden segnen. Gott will, dass alle Welt ihn erkennt und ihn als Gott anerkennt und seine Liebe und seinen Segen erfahren kann. Gott will alle Völker wahrhaft segnen durch den einen Nachkommen Jesus Christus, seinen Sohn, der als Nachkommen Abrahams in die Welt kam, um uns von unserer Sünde zu retten und uns neues Leben als Gottes Kinder zu geben. Wahrer Segen kommt durch Jesus Christus. Wir können nicht für andere ein Segen sein – womit? Wir sind selbst normale Menschen und sind Sünder.

Es ist wirklich sehr bemerkenswert, dass Gott für sein großes weltweites Heilswerk einen einzelnen Menschen berief und sich konzentriert um ihn kümmerte. Warum tat Gott das? Welche Rolle sollte Abraham in Gottes großem Heilswerk spielen? Um auf diese Frage die richtige Antwort zu finden, sollen wir darauf achten, was Gott von Abraham wollte. In Kap. 12 befahl Gott Abraham, sein Vaterland und seine Verwandtschaft zu verlassen und in ein unbekanntes Land zu ziehen, und gab ihm dabei eine großartige Verheißung seines Segens. Gott wollte, dass Abraham an Gottes Verheißung glaubt und im Vertrauen darauf ein neues Leben anfängt. Im ganzen weiteren Bericht über Abrahams Leben in den Kap. 12-25 sehen wir, dass Gott sich vor allem um einen Punkt bemüht hat: Abraham zu helfen, an Gottes Verheißung wirklich und unter allen Umständen zu glauben. Deshalb erinnerte Gott ihn geduldig immer wieder an seine Verheißung, die Gott immer wieder anders formulierte, damit Abraham sie tief und fest in seinem Herzen annimmt. Mal sagte Gott, dass seine Nachkommen so zahlreich wie die Sterne am Himmel sein sollten, ein anderes Mal, dass sie wie der Sand am Ufer des Meeres sein würden. Abraham sollte nicht nur irgendwie vage, gefühlsmäßig oder theoretisch daran glauben, sondern von ganzem Herzen fest glauben, sodass er aus dem Glauben an Gottes Verheißung leben würde. Der erste praktische Schritt zur Erfüllung von Gottes Verheißung war, dass Abraham einen Sohn bekommen sollte. Aber Gott wartete damit geduldig und erfüllte diese erste Stufe seiner Verheißung erst, als er wirklich fest daran glaubte. Obwohl das 25 Jahre lang dauerte, wartete Gott und half ihm mit Geduld, den Glauben in seinem Herzen fest zu ergreifen und zu verankern. Erst als Abraham Gottes Verheißung, dass er ein Vater vieler Völker sein und von Sara einen leiblichen Sohn bekommen würde, wirklich glaubte und diesen Glauben in Leib und Seele gravierte, erfüllte Gott seine Verheißung und gab ihm Isaak. (Davor half Gott noch Sara, auch an Gottes Wort zu glauben – Gott wollte, dass beide glauben.)

Was bedeutet das? Gottes Vision war und ist, dass alle Geschlechter von Menschen auf der Erde wirklich gesegnet werden. Gottes Vision ist, dass alle Völker durch seinen Sohn Jesus Christus seinen wahren Segen bekommen, nämlich die Befreiung von ihrer Sünde und ein neues geheiligtes Leben als Gottes Kinder in der Beziehung zu ihm führen und das ewige Leben erlangen. Das ist Gottes Vision, die er viele Propheten sehen ließ. Das war auch die Vision, mit der Jesus Christus auf der Erde gebetet und gewirkt hat. Diese Vision hat er durch viele Gleichnisse vom Himmelreich gepredigt und in die Herzen vieler Menschen gepflanzt. Für diese Vision, dass so unzählige Menschen in Gottes Reich kommen werden, hat er sein Leben am Kreuz hingegeben hat und ist von Gott von den Toten auferweckt worden. In Jesus ist das Heil für alle Völker und es strömt bis heute überall dort in das Herz und Leben der Menschen, die davon hören und daran glauben. Dieses großartige weltweite Segenswerk wollte Gott damit beginnen, dass zuerst ein Mensch an Gottes Segenswerk wirklich glaubt. Darum war es Gott so wichtig, dass Abraham an Gottes Segensverheißung wirklich glaubt. Gottes große Vision für Abraham war, dass er in diesem großen Erlösungswerk gebraucht werden und darin eine wichtige Rolle spielen sollte. Aber Abrahams Rolle war nicht, dass er bestimmte großartige Dinge tun sollte. Er sollte auch nicht mittelgroße oder kleine Werke vollbringen. Abraham konnte das nicht. Gott wollte sein Werk tun. Was Gott von Abraham aber erwartete, war, dass er an Gottes Verheißung fest glauben und aus diesem Glauben heraus sein ganzes Leben führen sollte. Dadurch sollte Abraham der erste sein, der an Gottes Verheißung fest glaubt und durch diesen Glauben in der Gemeinschaft mit Gott lebt. Dadurch sollte er ein Beispiel und Vorbild für seine Kinder und für unzählige Nachkommen werden. Was Gott von Abraham verlangte, war also nicht viel, sondern echter Glaube an Gottes Verheißung des Segens und dass er aus diesem Glauben sein Leben mit Gott führt. Dabei hatte Gott die Vision, dass Abraham ein geistliches Vorbild und Stammvater für aller Gläubigen würde. Gott hatte die Vision, dass Abraham ein Vater vieler Völker und sogar der Vorfahr Jesu Christi werden sollte, der den wahren Segen der Rettung von der Sünde und des ewiges Leben als Gottes Kinder für alle Geschlechter der Erde bringt. In Jesus Christus sollte Abraham wirklich ein Segen für alle Geschlechter der Erde werden. Diese Vision hat Gott inzwischen buchstäblich erfüllt (nur dass es noch eine kleine Zahl von Volksstämmen gibt, die mit dem Evangelium Jesu noch nicht erreicht worden sind).

Wir Menschen können Gott eigentlich nichts bringen. Wir Menschen haben ein Wissen um Gott und ein Bewusstsein dafür, dass wir Gott in unserem Leben ehren sollen. Dabei haben wir tief in uns die Vorstellung, dass wir Gott dadurch ehren sollen, dass wir bestimmte Dinge für ihn tun und so leben, dass es Gott ihm gefällt und wir dadurch seine Anerkennung finden. Aber wir sind in unserem Wesen so sündig, dass wir in Wirklichkeit nichts tun können, durch das wir Gott beeindrucken oder seine Anerkennung erlangen können. Als Gott Abraham berief, hat er von ihm kein Werke verlangt. Gott gab eine große Verheißung und befahl ihm, ihm in ein anderes Land zu folgen, wo er ein neues Leben aus Glauben an Gottes Verheißung anfangen sollte. Gott wollte, dass Abraham Gottes Verheißung tief annimmt und unabhängig von seinen Umständen fest glaubt. Erst dann gab er ihm den verheißenen Sohn. Jahre später prüfte Gott Abrahams Glauben an seine Verheißung nochmal, indem er ihm befahl, Isaak im Gebirge Morija Gott zu opfern. Gott wollte also, dass Abraham so fest an seine Verheißung glaubt, dass er bereit wäre, Isaak zu opfern, der für die Erfüllung der Verheißung eigentlich eine Schlüsselrolle spielte. Gott wollte sein Werk nicht auf Menschen oder auf menschliche Bemühungen bauen. Gott wollte sein Werk selber tun. Gott wollte aber, dass mindestens ein Mensch auf der Erde an Gott und an seine Verheißung des Segens glaubt. Als Abraham an Gottes Verheißung wirklich fest glaubte, machte Gott ihn zu einem Beispiel und Stammvater des Glaubens und zu einer Quelle des Segens für alle Geschlechter der Erde.

Wir sollen begreifen, wie wichtig Gott der Glaube ist, und entsprechend ernsthaft dafür beten und uns bemühen, an seine Verheißungsworte wirklich zu glauben. Alles fängt mit dem Glauben an. Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen. Wenn aber ein Mensch da ist, der Gottes Wort wirklich glaubt, ist Gott sehr froh und will auf seinen Glauben hin ihn oder sie segnen und durch sie andere segnen. Gott wünscht sich von uns daher vor allem, dass wir an seine Verheißungen in der Bibel wirklich glauben. Gott will, dass wir nicht nur gefühlsmäßig oder irgendwie vage glauben, sondern so fest an sein Wort glauben, dass wir unser ganzes Leben aus dem Glauben daran führen. Gott hat uns seinen Sohn Jesus gegeben und die Verheißung, dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Gott hat uns in Jesus die Vergebung all unserer Sünden und ein neues, ewiges Leben als seine Kinder verheißen. In Jesus gilt seine Segensverheißung, die Gott Abraham gegeben hat, auch für uns. In Jesus will er uns wahrhaftig segnen und in ihm will er uns auch zum Segen für andere Menschen machen. Daher dürfen wir Gottes Verheißung in Gen 12,2 auch für uns annehmen und daran fest glauben, jeder persönlich und auch als Gemeinde. Durch unseren Glauben an Gottes Verheißung sollen wir Gott als den treuen, wahrhaftigen und zuverlässigen Gott ehren. Wenn wir heute neu an Gottes Segensverheißung glauben, ungeachtet dessen, was für gute oder schlechte Erfahrungen wir früher gemacht haben, und ungeachtet unserer momentanen Situation, wird Gott uns selbst neu und noch mehr als bisher segnen und uns auch zum Segen für andere Menschen machen. Wenn wir an Gottes Verheißung wirklich glauben, wird Gott uns gebrauchen, um in der Familie, in der Gemeinde, an der Schule, an der Uni oder am Arbeitsplatz viele zu Jesus einzuladen und ihnen zu helfen, durch Glauben seinen umfassenden und ewigen Segen zu empfangen.

Wir haben bis jetzt betrachtet, wie wichtig für die Erfüllung von Gottes Vision der Glaube Abrahams war. Nun könnte jemand fragen: Ist also nur der Glaube wichtig? Ist es denn egal, wie wir leben? Der Glaube ist am wichtigsten, aber es ist natürlich nicht egal, wie wir leben. An Abrahams Beispiel können wir gut sehen, wie der Glaube sich im Leben ausdrückt und es prägt. Wenn wir Abrahams Leben betrachten, finden wir drei Dinge, wie sich sein Glaube an Gottes Verheißung ausgedrückt hat.

1. Gebet: Von Kap. 12 bis Kap. 25 finden wir viele Stellen, die erwähnen, dass Abraham zu Gott betete. Immer wieder heißt es, dass er einen Altar baute und den Namen des Herrn anrief (12,7; 13,4; 21,33). Abrahams Glaube drückte sich vor allem dadurch aus, dass er Gott immer wieder dankte, ihn lobte und als Gott anbetete. Durch sein betendes Leben lernte er, Gott auch unter widrigen Umständen als Gott zu ehren und in einer gottlosen Umgebung seinen Glauben an Gott zu behalten. Gott freute sich über sein betendes Lebens und erschien ihm wiederholt und half ihm immer wieder persönlich mit seinem Wort.

Von den vielen Gebeten Abrahams wird eines ausführlich beschrieben. In Kap. 18,22-32 erfahren wir wörtlich, wie Abraham für die Rettung der Menschen in Sodom betete. Wenn wir Abrahams Gebet lesen, wundern wir uns, mit welchem Mut er für sie betete und mit Gott aushandelte, dass Gott die ganze Stadt verschonen würde, wenn mindestens zehn Gerechte darin wären. Leider gab es nicht einmal zehn Gerechte. Trotzdem segnete Gott Abrahams Gebet und rettete Lot und seine Töchter vor dem Gericht über Sodom. Dass Abraham so beharrlich und mutig für alle Menschen in Sodom betete, weist darauf hin, dass er wirklich angenommen hatte, dass Gott ihn zum Segen für andere machen wollte. Sein Gebet zeigt aber auch, dass er nicht davon ausging, dass das einfach automatisch passiert. Sein inständiges Gebet ist vielmehr ein Ausdruck seines Glaubens an Gottes Verheißung und eine konkrete Anwendung davon.

Weil Gott uns verheißen hat, uns zu segnen und uns zum Segen für andere zu machen, dürfen auch wir mutig und beharrlich für uns und für andere beten. Bei der Umfrage haben erfreulich viele angegeben, dass sie regelmäßig persönlich in der Bibel lesen. Bei der Frage nach dem persönlichen Gebet war der höchste Balken aber bei „naja“. Tatsächlich ist es nicht leicht, ein persönliches Gebetsleben über lange Zeit zu führen und aufrechtzuerhalten. Verschiedene Probleme können dazu führen, dass unser Gebet oberflächlich und pflichtmäßig wird und unsere Gebetszeit immer kürzer. Das können Dinge sein, die uns ablenken, Zweifel oder andere Sünden, die wir nicht vor Gott bringen. Von der anderen Seite her betrachtet ist der Hauptfaktor für das Gebet, wie stark der Glaube an Gottes Verheißung in unserem Herzen brennt. Echte geistliche Erneuerung fängt immer mit der Erneuerung unserer eigenen Beziehung zu Gott an. Und wie es um unsere Beziehung zu Gott steht, zeigt sich gerade an unserem Gebet – wie viel und wie herzlich wir zu Gott kommen und wie ernsthaft wir dabei auch bereit sein, seine Stimme zu hören, unsere Sünde zuzugeben und davon abzukehren und seine Wort anzunehmen. Ich bin dankbar, dass viele unter uns beharrlich und treu zu Gott beten. Ich bin dankbar für die Frauen, die seit Jahren jeden Mittwoch zusammenkommen, um gemeinsam zu beten. Gott hat einen brennenden Wunsch, uns zu segnen und zum Segen für andere zu machen. Lasst uns im Glauben daran zu Gott mutig und freimütig beten, ihm danken und herzlich für uns und für unsere Nächsten bitten! Lasst uns mehr füreinander beten und einander im Gebet tragen. Lasst uns für unsere Kinder und die jungen Leute in der Gemeinde beten, dass sie Gott finden und unter seinem Segen leben können. Lasst uns für die Studenten und jungen Menschen in unserer Stadt beten, dass sie Jesus kennen lernen und seinen wahren Segen erfahren. Wenn wir beten, werden wir zu Mitarbeitern in Gottes Heilswerk und werden von ihm für andere zum Segen gemacht, weit mehr, als wir es uns vorstellen können!

2. Lehre: Im selben Kapitel, in dem Abrahams Gebet für Sodom beschrieben wird, erfahren wir vorher, wie Gott Abrahams Rolle in der Geschichte sah und wie er diese Rolle erfüllen sollte. In Kap. 18,17-19 heißt es: „Wie könnte ich Abraham verbergen, was ich tun will, da er doch ein großes und mächtiges Volk werden soll und alle Völker auf Erden in ihm gesegnet werden sollen? Denn dazu habe ich ihn auserkoren, dass er seinen Kindern befehle und seinem Hause nach ihm, dass sie des HERRN Wege halten und tun, was recht und gut ist, auf dass der HERR auf Abraham kommen lasse, was er ihm verheißen hat.“
Hier sehen wir, dass Gott Abraham als einen Mitarbeiter in seinem Werk betrachtete. Gott ist souverän und kann jederzeit tun, was er will, ohne sich mit jemandem abzusprechen. Aber Gott sagte, dass er Abraham nicht verbergen konnte, was er vorhatte, da er doch ein großes und mächtiges Volk werden sollte und alle Völker in ihm gesegnet werden sollten. Das zeigt, dass Gott Abraham inzwischen zu einem Mitarbeiter Gottes geworden war, den Gott in seine Pläne einweihen und seine Stimme bzw. Gebete dazu hören wollte.

Diese Rolle hat Gott auch jedem zugedacht, der an seinen Sohn Jesus und seine Verheißung glaubt. In Gottes Augen sind wir nicht einfach Schüler, Studenten, Hausfrauen, Angestellte oder Selbständige. Wenn wir an Gottes Verheißung in Jesus glauben, sind wir ungeachtet unserer Stellung in der Welt Gottes Mitarbeiter, die er in seine Vorhaben mit einbeziehen und deren Gebete er gerne hören will. In diesem Sinn hat unsere Gemeinde eine große Bedeutung. Auch wenn wir nicht viele sind, auch wenn wir in vieler Hinsicht mangelhaft sind: wenn wir für einander beten, für Gottes Wirken in der Gemeinde und in unserer Stadt, wird Gott uns hören und uns für sein Heilswerk gebrauchen.

Diese Stelle zeigt aber auch einen weiteren Weg, wie Abrahams Glaube sich ausdrücken sollte und wie er praktisch ein Segen für seine Nachkommen werden sollte. Gott sagte: „Denn dazu habe ich ihn auserkoren, dass er seinen Kindern befehle und seinem Hause nach ihm, dass sie des HERRN Wege halten und tun, was recht und gut ist, auf dass der HERR auf Abraham kommen lasse, was er ihm verheißen hat.“ Gott wollte, dass Abraham seine Nachkommen lehrt, Gottes Wege zu halten und zu tun, was recht und gut ist. Dann würde Gott auf Abraham den Segen kommen lassen, den er ihm verheißen hatte. Damals gab es noch keine Bibel, aber Abraham hatte verschiedene Worte Gottes empfangen und hatte gelernt, danach zu leben. Abraham lehrte diese Worte Gottes und seinen Willen seine Nachkommen. Er hatte nur einen Sohn, den Gott als Nachkommen anerkannte, Isaak. Aber ihn lehrte Abraham, an Gottes Verheißung des Segens zu glauben und dementsprechend zu leben. Wenn wir Kap. 24 lesen, wundern wir uns, dass Isaak die Frau, die Abrahams Knecht aus Mesopotamien zu ihm brachte, einfach annahm und zur Frau nahm, obwohl er sie gar nicht kannte, sondern nur den Bericht des Knechts gehört hatte, wie Gott ihn geführt hatte. In Kap. 25 erfahren wir, dass Isaak 20 Jahre lang beharrlich für Rebekka betete, weil sie unfruchtbar war. Isaak betete, bis Gott ihn erhörte und Rebekka schwanger werden ließ. Woher hatte er so einen großen Glauben, dass er so lange beten konnte? In Kap. 26 erfahren wir, dass Gott Isaak befahl, nicht nach Ägypten zu ziehen, sondern trotz der Hungersnot im Land zu bleiben, und dass er ihm verhieß, mit ihm zu sein und ihn zu segnen. Isaak glaubte Gott und gehorchte ihm und blieb in Gerar. Wir lesen auch, dass er danach, als die Philister ihm immer wieder seine Brunnen streitig machten, immer ruhig blieb und weiterzog, bis Gott er einen Brunnen fand, den sie ihm nicht streitig machten. Woher kam dieser Glaube? Wann hatte Isaak solchen Glauben gelernt? Der Grund dafür war, dass Abraham seinen Sohn Gottes Wege lehrte und ihn dazu anhielt, seinen Worten zu glauben und danach zu leben.

3. Vorbild. Dabei spielte auch Abrahams Vorbild eine wichtige Rolle. Wir wissen, dass Erziehung nach dem Motto: „Du sollst tun, was ich dir sage, aber nicht tun, was ich tue“, nicht funktioniert. Die Worte, die Eltern ihren Kindern sagen, müssen mit ihrem Leben übereinstimmen. Es gilt als erwiesen, dass das Vorbild von Eltern einen tiefergehenden Einfluss auf ihre Kinder hat als ihre Worte. Isaak hörte nicht nur Abrahams Worte, sondern konnte an seinem Vater im alltäglichen Leben immer wieder praktisch sehen, was es heißt, an Gottes Verheißung zu glauben und nach seinem Willen zu leben. So lernte er von seinem Vater, unabhängig von den Umständen auf Gottes Segen zu vertrauen. Er lernte von ihm auch, unabhängig vom Kontostand in Zelten zu leben und seine Hoffnung auf die Heimat im Himmel zu setzen. So konnte Isaak von Kind an zu einem Mann des Glaubens heranwachsen und selbst ein Stammvater des Glaubens werden.

Was kann das für uns bedeuten? Gott will uns weiter segnen mit allem geistlichen Segen durch Jesus und will uns auch zum Segen für andere machen. Gott will uns insbesondere zum Segen für unsere Kinder machen, was leibliche und geistliche Kinder umfasst. Darum sollen wir für sie herzlich und mutig beten. Aber wir sollen nicht nur für sie beten, sondern sie auch Gottes Wege lehren und ihnen helfen, an Gottes Verheißung zu glauben und danach zu leben. Vor allem sollen wir ihnen helfen, dass sie Jesus Christus kennen lernen und ihm begegnen und ihr Leben auf dem Weg seiner Nachfolge führen können. Das ist nicht nur eine gute Sache, sondern Gottes Wille für uns, der uns für sie zum Segen machen will. Das gilt nicht nur für die jeweiligen Eltern, sondern für die ganze Gemeinde. Früher haben P. und B. mit H., W. und S. in der Dachkammer Kindergottesdienste gefeiert. Später haben W. und S. und dann H. den jungen Leuten in der Jugendstunde bzw. dem Hoffnungskreis mit Gottes Worten gedient. In den letzten Jahren haben M. und C. die Kinder, die inzwischen Teenager sind, jeden Samstag Gottes Worte gelehrt, und G., R., P. G. H. und R. die kleineren Kindern am Freitag. Dadurch hat Gott sicher schon einige geistliche Samen in sie gesät. Dafür bin ich dankbar. Aber wir dürfen damit nicht aufhören. Da die Kinder ständig größer werden und die Zeit sich ändert, können wir nicht einfach alles wie früher machen. Lasst uns deshalb beten und neue Wege finden, den Kindern und den Jugendlichen in passender Weise zu helfen, Gottes Liebe und seine Wege zu erkennen, eine persönliche Beziehung zu ihm einzugehen und nach seinem Willen zu leben. Wir haben so viele Kinder und Jugendliche, die Gottes Segen bekommen sollen. Lasst uns alle für sie beten und eine gute Umgebung für sie bilden.

Das sollen wir nicht nur auf die eigenen Kinder in der Gemeinde beschränken. Gott will uns zum Segen für viele Menschen machen. Es gibt über 30.000 Studenten in unserer Stadt, die jung sind und viele Möglichkeiten für ihr Leben haben, aber Gott und seinen Sohn nicht kennen und fern von ihm und seinem wahren Segen leben. Gott will sie zu Jesus führen und ihnen neues, wahres Leben als seine Kinder schenken. Gott gebraucht dafür diejenigen, die an seine Verheißung glauben und für sie von Herzen beten. Lasst uns für sie neu beten und Wege suchen, sie mit Jesus bekannt zu machen und ihnen zu helfen, an ihn fest zu glauben. Lasst uns auch für unsere Freunde, Mitschüler, Kommilitonen, Nachbarn und Verwandte beten, dass wir ihnen geistlich helfen und ein Segen für sie werden können. Lasst uns dafür beten, dass wir in der Gemeinde dafür eine gute geistliche Umgebung schaffen können, voll herzlicher Liebe und geistlichem Leben. Lasst uns dafür beten, dass dazu jeder im Glauben gesund und stark wird und als fröhlicher Christ ein gutes Vorbild werden kann. Lasst uns beten und danach streben, dass wir durch echte liebevolle Beziehungen untereinander eine Gemeinde werden, die ihn ehrt und jeden, der hineinkommt, auf ihn hinweist. Das ist nicht etwas, was wir in kurzer Zeit erreichen können. Das ist etwas, das wir aus eigener Bemühung heraus überhaupt nicht schaffen können. Es ist aber etwas, für das wir beten und wonach wir streben können mit der Zuversicht, dass es Gottes Willen voll entspricht. Lasst uns dafür beten, dass Gott uns durch sein heiliges Wort und seinen Heiligen Geist dabei hilft, sodass er uns noch viel mehr segnen und uns für unsere Kinder und Jugendlichen, für viele Studenten und junge Leute und weitere Menschen zum Segen machen kann, wie er es verheißen hat. Lesen wir noch einmal die Verse 2 und 3: „Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen, und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“

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Fragebogen: 1.Mose 25,1 – 26,35 (Teil 2: Kap 26)

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Gott segnet Isaaks Familie

„Bleibe als Fremdling in diesem Lande, und ich will mit dir sein und dich segnen; denn dir und deinen Nachkommen will ich alle diese Länder geben ….“

(1.Mose 26,3a)

Teil 1

    1. Welche Vorbereitung traf Abraham für Isaak, bevor er starb (25,1-10)? Wie ging das Werk Gottes weiter (11)? Wie erfüllte Gott seine Verheißung an Ismael (12-18; vgl. 16,10-12)?
    2. Was tat Isaak wegen dem Problem seiner Frau (19-21)? Was offenbarte Gott Rebekka, als sie mit ihrem Problem in der Schwangerschaft zu ihm kam? Wodurch unterschieden sich Jakob und Esau voneinander? Was zeigt es über Esau, dass er sein Erstgeburtsrecht an Jakob verkaufte (Hebr 12,16)?

Teil 2

    1. Wohin ging Isaak, als eine neue Hungersnot aufkam, und warum (26,1.2)? Welchen Befehl und welche Verheißung gab Gott ihm (2-4)? Wie reagierte Isaak auf Gottes Befehl (6)
    2. Wie bewahrte Gott Isaak in seiner Schwäche (7-11)? Wie segnete Gott ihn (12.13)?
    3. Wie ging er mit den Philistern um, die von ihm seine Brunnen forderten (14b-21)? Was konnte er wohl durch seine Erfahrung dabei lernen (22)? Warum erschien Gott ihm wohl erneut (24)? Wie reagierte er auf Gottes Verheißung und was zeigt das über ihn (25)?
    4. Welche Veränderung können wir in Abimelech sehen, als er erneut kam, um Isaak zu treffen? Was zeigt dieses Ereignis über Isaaks stillen Sieg im Land? Was können wir von seinem Glauben lernen?

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Predigt: 1.Mose 25,1 – 34

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Gottes Geschichte mit Abraham, Isaak und Jakob

Und es geschah nach dem Tod Abrahams, da segnete Gott seinen Sohn Isaak. Und Isaak wohnte bei dem „Brunnen des Lebendigen, der [mich] sieht“

(1.Mose 22,11)

Die Bibel setzt im Vergleich zu säkularen Geschichtsbüchern ganz andere Schwerpunkte. Während Letztere viel über die damaligen Reiche und deren Herrscher berichten, erwähnt die Bibel sie nur am Rande, dafür aber sehr ausführlich die Geschichte Israels – die Geschichte eines Volkes, das in der Geschichtsschreibung kaum Beachtung findet. Genauso wenig die Person Abraham. Die Bibel hingegen berichtet über ihn etwa 14 Kapitel lang. Warum diese unterschiedliche Schwerpunktsetzung? Die Bibel behandelt nicht irgendeine menschliche Geschichte, sondern Gottes Geschichte mit uns Menschen. Vom 1. Buch Mose bis zum Buch der Offenbarung geht es um Gottes Geschichte mit uns. Und eben in dieser Geschichte spielte Abrahams Leben eine sehr wichtige Rolle. Von ihm sollte der Nachkomme kommen, durch den alle Völker gesegnet werden. In dem heutigen Text erfahren wir, wie diese bedeutende Geschichte Abrahams zu Ende ging und gleichzeitig wie Gott Seine Geschichte in den nachfolgenden Generationen fortsetzte. Drei Fragen sollen uns bei der Betrachtung des Textes helfen:

1. Wie endete Gottes Geschichte mit Abraham?
2. Wie setzte Gott die bereits begonnene Geschichte mit Isaak fort?
3. Wie begann Gott die Geschichte mit Jakob?

Teil 1: Das Ende von Gottes Geschichte mit Abraham (V. 1 – 10)
Im Vers 1 erfahren wir, dass Abraham erneut geheiratet hat. Mit einer Frau namens Ketura zeugte er sechs Söhne. Aus ihnen gingen verschiedene Völker hervor. Warum Abraham noch mit über 100 Jahren geheiratet hatte, wissen wir nicht. Jedenfalls nutzte Gott diese Wiederheirat von Abraham, um eine seiner Verheißungen an ihn wahr zu machen, nämlich die Verheißung, ihn zum Vater vieler Völker zu machen. Vielleicht hat Abraham aus dem Glauben an diese Berufung noch einmal geheiratet. Jedenfalls kam die Fähigkeit, noch in diesem Alter Kinder zu zeugen, von Gott.
Unter den Söhnen Abrahams nahm Isaak eine Sonderstellung ein. Isaak erhielt das gesamte Erbe, während die anderen nur Geschenke von Abraham bekamen und in den Osten fortgeschickt wurden. Die Sonderstellung Isaaks zeigt sich auch darin, dass sowohl Hagar als auch Ketura im Vers 6 als Nebenfrauen bezeichnet werden. Auch bei der Aufzählung der Nachkommen Keturas im Buch der Chronik wird Ketura als Nebenfrau Abrahams bezeichnet (1. Chr. 1,32). Ketura war nicht einfach Abrahams zweite Ehefrau nach Sarah und Isaak nicht einfach nur der Lieblingssohn von Abraham. Indem Abraham die anderen Söhne wegschickte und nur Isaak das Erbe gab, handelte Abraham ganz im Sinne des Wortes: denn nach Isaak soll dein Geschlecht genannt werden (1. Mo 21,12). Dieses Wort war an Abraham ergangen, als er Ismael aus dem Haus vertreiben sollte, damit Isaak als einziger Erbe bestehen bleibt. Seine Söhne wegzuschicken, fiel Abraham sicherlich nicht leicht. Wir können das bei der Austreibung Ismaels sehen (vgl. 1. Mo 21,10-12). Aber Abraham handelte nicht nach familiären Interessen, sondern nach Gottes Plan für ihn und seiner Nachkommenschaft. Abraham lebte bis ans Ende seines Lebens im Bewusstsein, dass sein Leben eingebunden ist in die Heilsgeschichte Gottes.
Abraham war 75 Jahre alt, als er den Ruf Gottes vernahm. Er war 175 Jahre alt, als er starb. Abraham lebte also 100 Jahre als Nomade oder Halbnomade. Später sollten die Israeliten bei der Darbringung der Erstlingsfrüchte sagen: „Mein Vater war ein umherirrender Aramäer“ (5. Mo 26,5). Abraham lebte das Leben eines Heimatlosen. Abraham hatte kein bequemes Leben gehabt. Es war ein Leben voller Herausforderungen gewesen. Und das schon gleich zu Beginn: Gott hatte Abraham dazu herausgefordert, alles hinter sich zu lassen. Seine Verwandtschaft, seine Heimat, seine Sicherheit, alles. Aber dennoch heißt es am Ende über sein Leben: Und Abraham verschied und starb in gutem Alter, alt und lebenssatt (V.8). Das hebr. Wort für „alt“ meint nicht einfach nur hohes Alter, sondern „durch Erfahrungen geprägt“. Und was bedeutet „satt“? In einem Kommentar hierzu heißt es:

„satt“ ist der Gegensatz von „hungrig“. Der Satte hat keinen Hunger mehr. Der satte Mensch ist befriedigt. Er (…) hat die Erfüllung dessen erlebt, was von Gott her in seinem Leben angelegt war“ 1

In seinem Leben hatte Abraham erfahren, dass Gott stück für stück seine Verheißungen an ihn erfüllte, insbesondere die Verheißung seines Sohnes, auf den er 25 Jahre lang gewartet hatte. Im Laufe seines Lebens hatte Abraham Gott immer mehr kennengelernt und immer mehr verstanden, dass Gott selbst und Gottes Plan für Sein Leben das sind, was ein Leben erfüllt. Darüber hinaus hatte Gott Abraham mit vielen irdischen Gütern beschenkt. Daher endete Gottes Geschichte mit Abraham in viel Segen und Zufriedenheit.
Im Vers 11 erfahren wir, dass Gott die Geschichte, die er mit Abraham begann, mit Isaak fortsetzte. Lasst uns im zweiten Teil betrachten, wie Er es tat.

Teil 2: Die Fortsetzung von Gottes Geschichte mit Isaak (V. 11 – 21)
Von Isaak haben wir bereits in den vorausgegangenen Kapiteln erfahren. Bei der Heirat mit Rebekka hatte Isaak ganz konkret Gottes Führung erlebt gehabt. Gott hatte bereits seine Geschichte mit Isaak begonnen. Der heutige Text berichtet davon, wie sich diese Geschichte fortgesetzt hatte. Im Vers 11 heißt es schlicht: „nach dem Tod Abrahams, da segnete Gott seinen Sohn Isaak“. Isaak wurde gesegnet.
Wie reagierte Isaak auf diese Gnade? Am Ende von Vers 11 heißt es: „Und er wohnte bei dem „Brunnen des Lebendigen, der mich sieht.“ Wenn die Bibel am Satzanfang das Wörtchen „und“ gebraucht, stellt sie damit -zumindest häufig- einen kausalen Zusammenhang zum vorausgegangenen Satz her. Wir kennen das auch aus anderen Stellen der Bibel, z.B. im Zusammenhang des Weltmissionsbefehls. Jesus sagte: „…lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit!“ (Mt 28,20). Mit dem Wort „und“ versprach Jesus seinen Jüngern, bei der Ausführung des Weltmissionsbefehls mit ihnen zu sein. Dass Isaak bei dem „Brunnen des Lebendigen wohnte, der mich sieht“ war seine Reaktion auf den Segen Gottes in seinem Leben. Vers 11 macht also nicht nur eine äußere Angabe über Isaaks Wohnort, sondern auch eine Aussage über Isaaks geistliche Ausrichtung. Isaak, der den Segen Gottes erfahren hatte, wollte in der Gegenwart Gottes leben. Isaak wählte einen Ort, mit dem er sich persönlich identifizieren konnte. Es ist ja von einem „Brunnen des Lebendigen, der mich sieht“ die Rede. Isaak hatte Gott als einen lebendigen Gott erlebt. Isaak kannte Gott also nicht nur aus den Erzählungen Seines Vaters, sondern auch ganz persönlich. Isaak wusste: Gott lebt. Und wer weiß, dass Gott lebt, der weiß auch, dass Gott ihn sieht. Zu wissen, dass Gott einen sieht, ist gleichbedeutend damit, zu wissen, dass Gott alle eigenen Probleme, Sorgen, Ängste und Belastungen kennt. Es ist die Gewissheit, nicht allein zu sein, nicht von Gott vergessen zu sein. Gott ist da und kann helfen.
Dass Gott ihn sieht, hatte Isaak ganz deutlich in seinem Leben erfahren. Hiervon berichten die V. 20 und 21: Als sich herausstellte, dass seine Frau Rebekka unfruchtbar war, brachte Isaak dieses Problem im Gebet zu Gott. Isaak betete und betete und… betete. Im Vers 26 erfahren wir, dass Isaak sage und schreibe 20 Jahre für dieses Anliegen gebetet haben muss! Aber dann kam endlich die Gebetserhörung: Gott schenkte Isaak und Rebekka zwei Söhne. Isaak hatte erfahren: Während der 20 Jahren hatte Gott das Problem von Isaak und Rebekka nicht aus den Augen gelassen. Er dachte daran und löste es zu seiner Zeit. Gott hatte sie nicht vergessen. Diese Erfahrung hatte sicherlich dazu beigetragen, dass Isaak an einem Gott glaubte, der ihn sieht2.
Weil er so glaubte, konnte Isaak in der Abhängigkeit von Gott leben. Wir sehen das auch in der Auseinandersetzung mit den Hirten von Gerar. Jedes Mal wenn die Hirten die Brunnen von Isaak für sich beanspruchten, zog Isaak weg und grub einen weiteren Brunnen. Obwohl Isaak zu dem Zeitpunkt sehr mächtig gewesen war, gab er nach, anstelle mit ihnen zu kämpfen. Dies tat er so lange, bis er auf einen Brunnen stieß, über den die Hirten von Gerar nicht stritten. Isaak sagte: „Nun hat uns der HERR einen weiten Raum gemacht, damit wir fruchtbar sein können im Land“ (1. Mo 26,22b). Über Ismael hingegen heißt es am Ende von Vers 18: „So setzte er sich allen seinen Brüdern vors Gesicht“ Es trat ein, was Gott Hagar bei ihrer Schwangerschaft schon vorausgesagt hatte: „Und er, er wird ein Mensch wie ein Wildesel sein; seine Hand gegen alle und die Hand aller gegen ihn, und allen seinen Brüdern setzt er sich vors Gesicht (1. Mo 16,12).“ Anders als Isaaks Leben war Ismaels Leben nicht von der Abhängigkeit von Gott, sondern von einem Leben auf eigener Faust gekennzeichnet. Im Vers 16 erfahren wir, dass aus ihm zwölf Fürsten hervorgingen. Damit hatte Gott seine Verheißung an Hagar, Ismael zu einem großen Volk zu machen, erfüllt. Zwar hatte Gott auch Ismael gesegnet. Aber doch war dies allein ein irdischer Segen. Isaaks Nachkommenschaft hingegen sollte von geistlicher Bedeutung für die ganze Welt werden. Sowohl über Isaak als auch über Ismael heißt es: „Dies ist die Geschichte Ismaels… (V.12) Dies ist die Geschichte Isaaks (V.19)“ Gleichzeitig verlief die Geschichte von beiden völlig unterschiedlich. Warum? Einfach gesagt: Isaaks Geschichte war ein Teil von der Heilsgeschichte Gottes, Ismaels Geschichte nicht.
In der dritten Generation stand die Frage erneut, durch welchen von den beiden Söhnen Gott seine Heilsgeschichte fortsetzte: Esau oder Jakob? Wie Gott diese Frage klärte und warum Jakob dafür geeignet war, um von Gott gebraucht zu werden, wollen wir im letzten Teil der Predigt betrachten.

Teil 3: Der Beginn von Gottes Geschichte mit Jakob (V. 22 – 34)
Über Gottes Geschichte mit Jakob erfahren wir schon in der Zeit, wo er noch im Mutterleib war. Als Rebekka mit ihren Beschwerden aufgrund der Schwangerschaft zu Gott kam, offenbarte Gott ihr seine Absicht mit ihren beiden Söhnen: Zwei Nationen sind in deinem Leib, und zwei Volksstämme scheiden sich aus deinem Innern; und ein Volksstamm wird stärker sein als der andere, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen (V.23). Mit diesen Worten hatte Gott Rebekka indirekt offenbart, dass Er von den beiden Söhnen Jakob erwählt hatte. Durch seine Linie sollten die Verheißungen an Abraham erfüllt werden. Mit ihm wollte Gott die Geschichte, die er mit Abraham begonnen, und mit Isaak fortgesetzt hatte, nun weiter fortführen.
Die nachfolgende Begebenheit, die uns in den Versen 27 – 34 berichtet wird, macht deutlich, warum Jakob von Gott gebraucht werden konnte, Esau hingegen nicht. Man könnte meinen, es läge daran, dass Jakob ein sittsamer Mensch, Esau hingegen ein wilder Jäger gewesen war. Je mehr wir aber die Geschichte betrachten, desto mehr sollte auffallen, dass Jakob nicht moralisch besser war als Esau. Im Vers 31 erfahren wir, dass Jakob eine ziemlich fiese Nummer mit seinem Bruder abgezogen hatte. Esau war erschöpft und sehr hungrig. Offenbar war seine Jagd erfolglos gewesen. Als Esau Jakob um das Linsengericht bat, das Jakob gerade kochte, gab Jakob ihm das Essen nicht ohne Weiteres. Anstelle Esau Bruderliebe zu erweisen, erpresste Jakob Esau: Ohne Erstgeburtsrecht kein Essen. Dies erinnert mich an die Geschichte der Versuchung Jesu. Der Teufel versuchte Jesus gerade dann mit Brot, als Jesus hungerte (Mt. 4,2-3). Das, was Jakob machte, war prinzipiell nicht anders. Jakob nutzte die Situation, in der sein Bruder schwach war, listig aus. Jakob war keineswegs frommer gewesen als Esau. Aber dennoch konnte Jakob von Gott eher gebraucht werden als Esau. Warum? In dem Verhalten von Jakob gegenüber Esau sah Gott mehr als nur List. Das Verhalten von Jakob gegenüber Esau zeigt noch etwas über Jakob: Jakob wollte unbedingt das Erstgeburtsrecht haben, mit anderen Worten: Jakob wollte unbedingt den Segen Gottes haben. Die Art und Weise, wie Jakob an diesen Segen ranging, war zwar nicht richtig, aber dass er ihn unbedingt haben wollte, zeigt, wie sehr er den Segen Gottes wertgeschätzt hatte. Und gerade dies war der krasse Gegensatz zu seinem Bruder Esau. Im Vers 34 tadelt die Bibel Esau mit den Worten: „So verachtete Esau das Erstgeburtsrecht.“ Seine Verachtung kommt eben dadurch zum Ausdruck, dass er um einer Speise willen sein Erstgeburtsrecht verkaufte. Esau sagte nicht einfach nur (V.30): Lass mich schnell von dem Roten essen (Luther-Übers.), sondern: „Lass mich von dem roten (Gericht) da hinunterschlingen“ (Schlachter-Übers.). Das Wort „hinunterschlingen“ bringt mehr seine Gier zum Ausdruck. Für Esau zählte die schnelle Befriedigung seines Fleisches. Im Vers 31 sagte Esau auch: „Siehe, ich muss doch sterben; was soll mir das Erstgeburtsrecht?“ (V. 31). Diese Worte zeigen, dass für Esau der Augenblick mehr zählte als der zukünftige Segen Gottes. In dem Buch „die Pilgerreise“ wird die Einstellung von Esau sehr gut veranschaulicht. Ich möchte hieraus einen Abschnitt vorlesen:

„Ich sah wie Ausleger ihn bei der Hand fasste und ihn in ein kleines Zimmer führte, in dem zwei Kinder saßen. Das ältere hieß Verlangen, das andere Geduld. Verlangen schien sehr unzufrieden zu sein, aber Geduld war ganz still. „Warum ist Verlangen so unzufrieden?“, fragte Christian. „Der Hauslehrer wünscht nicht, dass man die Kinder mit den besten Sachen überschüttet. Sie sollen mit einigen bis Anfang nächsten Jahres warten. Verlangen will alles sofort haben, Geduld dagegen wartet willig.“
Da kam jemand zu Verlangen und schüttete einen Sack voll Kostbarkeiten vor ihm aus. Sofort beschäftigte er sich damit: erfreut sich darüber, wühlte hastig darin herum und sah mit einem höhnischen Lächeln hinüber zu Geduld, der ganz offensichtlich jetzt gerade leer ausging. Doch ich sah, dass Verlangen schon nach kurzer Zeit mit der Zerstörung all der Kostbarkeiten begann, sodass nichts mehr übrig blieb als Trümmer und Fetzen. „Hilf mir das zu verstehen“, bat Christian. „Die beiden Kinder sind Abbilder“, erklärte der Ausleger. „Verlangen ist ein Bild von den Kindern dieser Welt, Geduld von den Kindern der zukünftigen. Wie Verlangen alles sofort haben will, also schon in dieser Welt, so sind auch die Kinder dieser Welt: Sie müssen alles Gute jetzt schon besitzen und können auf ihren Anteil nicht warten. Das Sprichwort: „Ein Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach“ gilt bei ihnen mehr als alle göttlichen Zeugnisse von den Gütern der zukünftigen Welt. Du hast gesehen, wie schnell er alles verschwendet hatte und dass ihm nichts blieb als Fetzen und Trümmer. So wird es auch den Kindern dieser Welt am Ende ergehen.“3

Im Vers 30 erfahren wir, dass man Esau aufgrund der Begebenheit mit der roten Speise auch Edom (= „rot“) nannte. Dieser Name war eigentlich ein schändlicher Name gewesen. Denn er erinnerte daran, dass Esau wegen der roten Speise sein Erstgeburtsrecht verkauft hatte. Auch Jakob erhielt später einen neuen Namen. Gott gab ihm den Namen Israel. Bei Jakob war es aber umgekehrt. Nicht sein neuer Name, sondern sein alter Name erinnerte an etwas Schändlichem aus seinem Leben. Im Vers 26 erfahren wir, dass er deswegen so genannt wurde, weil er bei der Geburt die Ferse seines Bruders festgehalten hatte. Das hebr. Wort für „Ferse“ hat nämlich eine Klangähnlichkeit mit dem Namen Jakob. Später, als Jakob Esau erneut überlistet hatte, sagte Esau: „Er heißt mit Recht Jakob, denn er hat mich nun zweimal überlistet.“ (1. Mo 27,36). Esau machte hier ein Wortspiel, denn das hebr. Wort für „betrügen“ hat eine Lautähnlichkeit mit dem Namen Jakob. Einfach gesagt: Der Name „Jakob“ erinnerte daran, dass Jakob ein „Fersenschleicher“ bzw. ein „Betrüger“ war. Aber der Name „Israel“ hingegen bedeutet: „Gott herrscht“. Dieser Name deutet darauf hin, dass sich Jakob nicht mehr von seinem Eigenwillen, sondern von Gott mehr und mehr beherrschen ließ. Im Laufe der Zeit hatte Gott Jakob immer mehr verändert. Jakob war wie Esau kein vollkommener Mensch gewesen, aber Jakob suchte den Segen Gottes und ließ sich von Gott verändern. Dadurch konnte Gott seine Heilsgeschichte durch ihn fortsetzen.
Was lehrt der Text uns? Die Geschichte, die Gott mit Abraham begann und mit Isaak und Jakob fortsetzte, hat ihren Höhepunkt in dem Tod und Auferstehung Jesu Christi. Christus ist der eingeborene Sohn Gottes. Er ist unter allen Kindern Gottes der Erstgeborene. Von Jesu erhabener Stellung als Erstgeborener spricht auch der Hebräerbrief 1,6-8:

„Und wenn er den Erstgeborenen wiederum in die Welt einführt, spricht er: »Und alle Engel Gottes sollen ihn anbeten!« Von den Engeln zwar sagt er: »Er macht seine Engel zu Winden und seine Diener zu Feuerflammen«; aber von dem Sohn: »Dein Thron, o Gott, währt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Das Zepter deines Reiches ist ein Zepter des Rechts.“

Aber am Kreuz verzichtete Christus auf sein Erstgeburtsrecht, damit wir gesegnet werden können; damit wir Erben aller Segnungen Gottes werden können. Im Grunde genommen tat Christus an uns genau das Gegenteil davon, was Jakob tat: Während sich Jakob das Erstgeburtsrecht erschlich, verzichtete Christus um unseretwillen freiwillig auf sein Erstgeburtsrecht. Im Philliperbrief 2,6-7 heißt es:

der, als er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; sondern er entäußerte sich selbst

Christus hat auf sein Erstgeburtsrecht verzichtet, damit wir wie Erstgeborene behandelt werden können. Welche Wertschätzung bringen wir den Segnungen Gottes, die wir in Christus haben, entgegen? Neigen wir in dieser Sache eher dazu wie Jakob oder wie Esau zu sein? Was beherrscht und treibt uns: Sind es wie bei Esau der Augenblick und die Erfüllung der fleischlichen Bedürfnisse oder das Trachten nach dem Reich Gottes?
Die Heilsgeschichte Gottes hat in dem Tod und Auferstehung Jesu Christi ihren Höhepunkt, aber sie ist noch nicht zu ende. Gott baut jetzt seine Gemeinde. Und er tut dies Werk nicht alleine, sondern durch Menschen. Jeder Gläubige hat das Privileg, Teil dieser Geschichte zu sein. Und die Frage ist daher: Worum geht es in deinem und meinem Leben? Geht es um die höhere Sache Christi oder um das Erreichen von eigenen Zielen und Interessen? Ist mein und dein Leben eingebunden in die Geschichte Gottes oder spielt es sich irgendwo außerhalb davon ab? Abraham hatte so sehr ein Bewusstsein für die Geschichte Gottes in seinem Leben gehabt, dass er Entscheidungen danach traf. Anstelle nach familiären Interessen zu gehen, schickte Abraham seine Söhne in den Osten. Wonach treffen wir unsere Entscheidungen? Geht es da um die höhere Sache Christi oder doch nur um die eigenen Interessen? Wie sehr haben wir es verstanden, dass unser Leben dazu bestimmt ist, ein Teil der Geschichte Gottes zu sein? Abrahams Leben endete mit höchster Zufriedenheit. Ebenso kann Gott es mit jedem tun, dessen Leben sich in der Geschichte Gottes abspielt.
Christus ist der wahre „Brunnen des Lebendigen, der uns sieht“. Denn Christus selbst ist das Leben und daher auch eine Quelle des Lebens. Am Kreuz hat Christus bewiesen, dass er uns sieht, und zwar in all unserer Sündennot und Elend. Nun sitzt er zur Rechten Gottes und leistet als Hohepriester Fürbitte für uns. Christus sieht uns. Lasst uns daher in seiner Gegenwart und in seiner Abhängigkeit leben, wie es Isaak tat. Auf diese Weise kann auch unser Leben zu einem Teil der Heilsgeschichte Gottes werden. Lasst uns beten.

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1 BRÄUMER, H. (2011; 2. Auflage), in: Wuppertaler Studienbibel, S.245. SCM R. Brockhaus.
2 da Jakob noch zu Lebzeiten Abrahams auf die Welt gekommen war, muss das, was in V. 11
   über Isaak gesagt wird, nach dem, was in den V. 20 und 21 berichtet wird, geschehen sein
3 BUNYAN, J. (2016; 6. Auflage). Die Pilgerreise, S. 31f. SCM R. Brockhaus.

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