{"id":9978,"date":"2021-01-10T11:00:52","date_gmt":"2021-01-10T10:00:52","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=9978"},"modified":"2025-05-25T20:14:59","modified_gmt":"2025-05-25T18:14:59","slug":"predigt-kolosser-31-4-jahresanfang-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-kolosser-31-4-jahresanfang-2021\/","title":{"rendered":"Predigt: Kolosser 3,1 &#8211; 4  (Jahresanfang 2021)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021_Kolosser-Lektion-3A-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Christus, unser Leben<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eSeid ihr nun mit Christus auferweckt, so sucht, was oben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">Kolosser 3,1<\/p>\n<p>Stellen wir uns vor, wir machen eine kleine Bergwanderung. Wir stehen oben am Berg und blicken herunter, und direkt unter uns ist ein Dorf: es ist das Ziel, das wir erreichen wollen. Im Dort ist unsere Herberge. Dort warten Tee und warmes Essen auf uns. Das Dorf ist Luftlinie so nah, dass wir von oben ein Steinchen ins Dorf werfen k\u00f6nnten. Aber um die Siedlung zu erreichen, m\u00fcssen wir auf Schlangenwegen herunter. Der Weg hin zum Dorf f\u00fchrt an manchen Stellen weiter weg vom Dorf; oftmals so weit, dass wir die H\u00e4user ganz aus dem Blickfeld verlieren. Aber es ist der einzige Weg, auf dem wir Schritt f\u00fcr Schritt n\u00e4her zur Herberge kommen, n\u00e4her zu dem Ort, wo wir uns ausruhen k\u00f6nnen.<br \/>\nIch finde diese Illustration passend und hilfreich f\u00fcr den heutigen Text. Der Text handelt vom Evangelium; von der guten Nachricht. Zwei Probleme scheinen viele Christen mit dem Evangelium zu haben. Und vielleicht haben viele von uns die gleichen Probleme. Zum einen scheint es irgendwie zu gut zu sein, um wahr zu sein. Wir haben Schwierigkeit, daran zu glauben. D.h., wir glauben schon daran, in der Theorie. Es ist ein gewisses Kopfwissen. Aber wie das Dorf, das uns auf dem Berg zu F\u00fc\u00dfen liegt, ist es ganz weit weg entfernt von uns. Ganz nah und doch so fern.<br \/>\nDas andere Problem, das viele Christen haben und das eng damit zusammenh\u00e4ngt. Wie werden wir ver\u00e4ndert? Wie werden wir geheiligt? Viele glauben daran, dass Ver\u00e4nderung durch einen \u201e5-Punkte\u201c Plan geschieht; durch Aktionen; durch Disziplin; durch Gesetze; durch Moral. Das NT hat nichts einzuwenden gegen Aktionen, Disziplin und Moral. Und man sich sicherlich einen biblischen 5-Punkte Plan zusammenzimmern. Aber die Bibel sagt uns vor allen Dingen, dass Ver\u00e4nderung durch folgendes geschieht: durch das Evangelium. Wir werden ver\u00e4ndert und geheiligt durch die frohe Botschaft von Jesus. Und auch das scheint ein Umweg zu sein. Sich auf die frohe Botschaft einzulassen, um ver\u00e4ndert zu werden, scheint vom Ziel wegzuf\u00fchren, wie der Weg zum Dorf an manchen Stellen vom Dorf wegf\u00fchrt.<br \/>\nUnd doch ist das der Weg. Genau das ist es, was Paulus im Kolosserbrief argumentiert. Drei Dinge mindestens k\u00f6nnen wir hier \u00fcber das Evangelium und uns lernen: erstens, das Evangelium erz\u00e4hlt eine Geschichte; zweitens, das Evangelium l\u00e4sst uns Teil dieser Geschichte sein; drittens, das Evangelium gibt unserem Leben eine v\u00f6llig neue Ausrichtung.<\/p>\n<p><strong>Erstens, das Evangelium erz\u00e4hlt eine Geschichte<\/strong><br \/>\nUnser Text ist eine Fortsetzung von Paulus\u2018 Argument, das in Kapitel 2,20 beginnt: \u201eWenn ihr nun mit Christus den Elementen der Welt gestorben seid, was lasst ihr euch dann Satzungen auferlegen, als lebtet ihr noch in der Welt.\u201c Paulus setzt das fort in Kapitel 3: \u201eSeid ihr nun mit Christus aufweckt, so sucht, was oben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.\u201c Und dann Vers 4: \u201eWenn aber Christus, euer Leben, offenbar wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit.\u201c Vier Dinge erfahren wir hier \u00fcber Jesus: er ist gestorben, er ist auferstanden, er sitzt zur Rechten Gottes im Himmel, und er wird eines Tages wiederkommen in Herrlichkeit. Ein paar Dinge m\u00fcssen wir hier verstehen. Zum einen, f\u00fcr Paulus waren diese Ereignisse historische Tatsachen; und zwar sprichw\u00f6rtliche, geschichtliche Fakten, die niemand bezweifeln konnte. Konservative Theologen gehen davon aus, dass Paulus den Brief in der ersten H\u00e4lfte der 60er Jahre geschrieben hatte. Selbst liberale Theologen, die nicht an eine paulinische Autorschaft glauben, gehen davon aus, dass der Brief fr\u00fch entstanden ist, ca. 70 nach Christus. D.h., Paulus schreibt \u00fcber Jesu Tod und Auferstehung und Himmelfahrt, wie wir \u00fcber Ereignisse aus den 80er oder Anfang der 90er Jahren sprechen w\u00fcrden, z.B. der Mauerfall. Paulus hatte mit vielen Menschen gesprochen, die diese Ereignisse mit ihren eigenen Augen gesehen hatten und bereit waren, als Zeuge daf\u00fcr mit ihrem Blut zu bezahlen. F\u00fcr Paulus waren Jesu Tod und Auferstehung waren keine mythologischen, verkl\u00e4rten Legenden, sondern Ereignisse. Es waren keine sch\u00f6nen Gute-Nacht-Geschichtchen, sondern harte, belastbare, pr\u00fcfbare Fakten.<br \/>\nNoch ein Gedanke: diese Fakten, waren nicht nur zusammenhanglose Ereignisse. Es war weit mehr als das. Es war Teil einer Geschichte. Denken wir an unser Leben zur\u00fcck. Nehmen wir an, jemand w\u00fcrde uns folgende Aufgabe stellen: was waren die 3-4 wichtigsten Ereignisse unseres Lebens, die uns gepr\u00e4gt haben. Was w\u00fcrden wir sagen? Vermutlich m\u00fcssten wir erst einmal nachdenken, was es war. Vielleicht ein wichtiger Abschluss in deinem Leben? Oder der Tag, an dem zu geheiratet hast? Oder der Tag, an dem wir zum ersten Mal Eltern wurden? Angenommen jemand w\u00fcrde jetzt sagen: erz\u00e4hle uns von allen vier Ereignissen. Sehr wahrscheinlich w\u00fcrde daraus eine kleine Geschichte \u00fcber unser Leben entstehen.<br \/>\nHier ist der Punkt, auf den ich hinaus will. Jesu Tod, seine Auferstehung, sein Sitzen zur Rechten Gottes und seine Wiederkunft sind vergangene, gegenw\u00e4rtige und zuk\u00fcnftige Ereignisse. Sie sind wie die tragenden S\u00e4ulen einer Saga, einer Geschichte. Auf diese S\u00e4ulen ruht eine immense, kosmische Geschichte, deren Erz\u00e4hler Gott selbst ist. Es ist die gro\u00dfe Meta-Narrative der Bibel: dass ein guter Gott eine gute Sch\u00f6pfung erschaffen hat, in welcher der Mensch, die Krone der Sch\u00f6pfung ist und der Tr\u00e4ger von Gottes Bild. Es ist die Geschichte, wie der Mensch sich \u00fcber Gott erhoben hat, das Bild Gottes im Menschen zerst\u00f6rt wurde und wie Leid, Korruption und Bosheit Teil dieser Welt geworden sind. Und es ist die Geschichte, wie Gott sein Volk rettete, in dem Jesus, der Prinz in diese Welt kam, um uns zu retten und das K\u00f6nigtum Gottes wieder aufzurichten: nicht durch milit\u00e4rische Eroberung, sondern indem er sich unterordnet, stirbt und aufersteht. Jesus sitzt zur Rechten Gottes; er ist der K\u00f6nig des Universums, und eines Tages wird er zur\u00fcckkehren, um Himmel und Erde zu vereinen.<br \/>\nDas Evangelium erz\u00e4hlt eine Geschichte.<\/p>\n<p><strong>Zweitens, das Evangelium l\u00e4sst uns Teil von der Geschichte sein<\/strong><br \/>\nPaulus macht einige sehr erstaunliche Aussagen. In Vers 1 sagt er: \u201eSeid ihr nun mit Christus auferweckt\u201c. In Vers 3 sagt er: \u201eDenn ihr seid gestorben.\u201c In Vers 4: \u201eWenn aber Christus, euer Leben, offenbar wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit.\u201c Paulus sagt: \u201eihr seid gestorben. Ihr seid auferstanden. Ihr werdet offenbar werden.\u201c<br \/>\nDenken wir kurz dar\u00fcber nach. Diese Aussagen sind merkw\u00fcrdig. Sie scheinen nicht mit unserer eigenen Erfahrung \u00fcbereinzustimmen. Inwiefern sind wir gestorben? Inwiefern sind wir auferstanden? Vor allem: gestorben und auferstanden in der Vergangenheitsform? Wann genau soll das gewesen sein? Dorothy Sayer\u2019s schrieb \u00fcber Jesu Tod und Auferstehung: \u201eEine Sache ist sicher: wenn er Gott war und nichts weiter, dann hat seine Unsterblichkeit keine weitere Bedeutung f\u00fcr uns; wenn er Mensch war und nichts weiter, dann ist sein Tod nicht wichtiger als dein oder mein Tod. Aber wenn er wirklich Gott und Mensch war, dann starb Gott ebenfalls, als der Mensch Jesus starb; und als Gott Jesus von den Toten auferstand, ist der Mensch ebenfalls auferstanden, weil sie ein und dieselbe Person waren.\u201c Sie hat absolut Recht.<br \/>\nPaulus geht hier aber noch einen Schritt weiter. Das was Jesus getan hat, hat nicht nur abstrakte Bedeutung f\u00fcr die Menschheit. Es hat eine ganz konkrete Bedeutung f\u00fcr uns. Das Schl\u00fcsselwort ist \u201emit\u201c und \u201ein\u201c. Wir sind mit Christus auferweckt; wir sind mit Christus gestorben; unser Leben ist mit Christus verborgen in Gott; Christus selbst ist unser Leben. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass Gott uns das, was Jesus getan hat, so anrechnet, als ob es getan h\u00e4tten. Tim Keller hat es folgenderma\u00dfen ausgedr\u00fcckt: \u201eGott behandelt dich, als ob du so frei von der Schuld deiner S\u00fcnde w\u00e4rest, wie wenn du am Kreuz gestorben und in Qualen selbst den Preis bezahlt h\u00e4ttest. Warum? Weil du gestorben bist. Warum? Weil er gestorben ist. \u2026 Die Essenz der S\u00fcnde besteht darin, dass ich mich an die Stelle Gottes gesetzt habe und Dinge getan habe, die nur Gott h\u00e4tte tun d\u00fcrfen, n\u00e4mlich mein Leben zu regieren; die Essenz der Rettung ist, dass Gott sich an meine Stelle setzt und dort wo nur ich es verdient h\u00e4tte zu sein, n\u00e4mlich am Kreuz.\u201c<br \/>\nNicht nur das: die Tatsache, dass wir mit Jesus auferstanden sind, bedeutet, dass wir ein v\u00f6llig neues Leben anvertraut bekommen haben. Das neue Leben in Christus beginnt nicht erst, wenn wir physisch gestorben sind und im Grab liegen. Es beginnt im Hier und Jetzt. Und es bedeutet, dass wir einen direkten Zugang zu Gott dem Vater haben, so wie Jesus sein Sohn einen direkten Zugang zu ihm hat. Gott steht uns zu jederzeit offen wie es vorher noch nie der Fall war.<br \/>\nDen Implikationen und Anwendungen dessen sind keine Grenzen gesetzt. Eine Anwendung auf uns: wenn wir es zulassen, dann definiert und erz\u00e4hlt das Evangelium unsere Geschichte. Um ganz kurz etwas auszuholen: wir allen haben die Beobachtung gemacht, dass wir Menschen Geschichten lieben. Meine Jungs lieben Geschichten. Und meine Jungs hassen Spazierg\u00e4nge. Aber weil sie Geschichten mehr lieben als Spazierg\u00e4nge zu hassen, konnte ich sie praktisch immer damit locken, mit mir auf einen langweiligen Spaziergang zu kommen, wenn ich ihnen im Gegenzug eine Geschichte erz\u00e4hle.<br \/>\nIch bin ein Fan von Herr der Ringe und StarWars und Marvel. Was alle diese Filme gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass sie vor Spezialeffekten nur so strotzen. Die meisten dieser Spezialeffekte wurden am Computer generiert. Aber ganz egal wie visuell beeindruckend die Effekte sind, sie sind kein Ersatz f\u00fcr eine gute Geschichte. Am Ende des Tages muss die Geschichte stimmig sein. Wenn der Film eine schlechte Geschichte erz\u00e4hlt, dann ist der Film ist der Regel durch nichts anderes mehr zu retten. Was tun wir, wenn wir eine gute Geschichte h\u00f6ren? Wir versetzen uns in die Geschichte. Wir erleben die Geschichte selbst mit. Wir identifizieren uns mit den Figuren der Geschichte: wir leiden, wir schmachten, wir fiebern mit. Wir wollen wissen, wie die Geschichte endet. Gibt es ein Happy End? Wird der Held den Drachen besiegen k\u00f6nnen? Werden Prinz und Prinzessin sich finden?<br \/>\nWarum lieben wir Geschichten? Hier ist ein Grund. Wir lieben Geschichten, weil wir tief im Innersten unseres Herzens wissen, dass wir alle Teil einer Geschichte sind. Wir sind alle eingebettet in einer gro\u00dfen Erz\u00e4hlung. Wir leben unsere Geschichte. Wir tun alles, damit die Geschichte, die unser Leben erz\u00e4hlt, ein gl\u00fcckliches Ende nimmt. Wir befinden uns in einem st\u00e4ndigen Kampf, in einem st\u00e4ndigen Konflikt und in einem st\u00e4ndigen Spannungsfeld deshalb. Jeder Mensch lebt in einer Geschichte, und diese Tatsache ist erst einmal unabh\u00e4ngig davon, was wir glauben. Aber die Frage ist dann nat\u00fcrlich: was f\u00fcr eine Geschichte lebst du?<br \/>\nWenn du nicht an Gott glaubst, dann ist diese Welt alles, was es gibt. Du lebst in einer Geschichte, in der es eigentlich keinen h\u00f6heren Sinn gibt, kein gr\u00f6\u00dferes Ziel, wof\u00fcr es sich lohnt, zu leben, keine h\u00f6here Moral. Du lebst in einem Universum, von dem niemand wei\u00df, warum oder wozu es existiert; und du lebst auf einem Planeten, der sich um eine Sonne kreist, die in ein paar Milliarden Jahren ein toter Stern sein wird. Und du lebst eine Erz\u00e4hlung, in der mit dem Tod alles vorbei ist. Weil dem so ist, geht es vor allem darum, ein m\u00f6glichst gutes und bequemes Leben zu haben; m\u00f6glichst viel Geld zu verdienen und m\u00f6glichst Beziehungen zu haben, die dich gl\u00fccklich machen. Hier ist das Tragische, wenn du nicht an Gott glaubst: es gibt kein wirkliches Happy End. Kurz bevor ich meinen Postdoc angetreten hatte, hatte ich ein Gespr\u00e4ch mit einem der Arbeitsgruppenleiter in Hannover. Er fragte mich, was ich vorhatte. Ich erz\u00e4hlte ihm, dass ich in Boston eine Stelle bekommen hatte. Er gratulierte mir. Und danach sagte er mir: \u201eAber vergiss nicht: danach geht es nur noch bergab.\u201c Ich war etwas verdutzt und fragte ihn, was er damit meinte. Seine Antwort: \u201eIn jeder Hinsicht.\u201c Und das ist die Narrative ohne Gott.<br \/>\nAber wenn wir uns auf Jesus einlassen, dann ist alles anders. Vers 4 sagt: \u201eWenn aber Christus, euer Leben, offenbar wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit.\u201c Die Geschichte, die wir leben, ist, dass Gott uns so sehr und so innig geliebt hat, dass er alles auf sich genommen hat, um uns zu suchen und zu finden und zu retten. Er ist unser Br\u00e4utigam, und wir sind seine Braut. Wir leben gerade in einer Zwischenzeit: zwischen Jesu Himmelfahrt und seiner Wiederkunft. Wir leben auf eine Zukunft hin, in der Jesu Reich endg\u00fcltig kommen wird und er alles neu machen wird; in der die schlimmsten und traurigsten Dinge dieser Welt nicht mehr sein werden, als Nebelschwaden, die in der aufgehenden Sonne verschwinden. Und wir leben in einer Realit\u00e4t, in der das Beste und Gr\u00f6\u00dfte und Sch\u00f6nste noch vor uns liegt. Ganz egal wie du aufgewachsen bist, welche Verluste du in deinem erfahren hast, welche Leiden und Schmerzen du eventuell jetzt hast: Jesus ist unser Happy End.<\/p>\n<p><strong>Drittens, das Evangelium gibt unserem Leben eine radikal neue Ausrichtung<\/strong><br \/>\nZweimal sagt uns Paulus, dass wir eine v\u00f6llig neue Ausrichtung in unserem Leben haben sollen. Vers 1: \u201esucht, was oben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.\u201c Und in Vers 2 schreibt er: \u201eTrachtet nach dem, was oben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.\u201c Genau diese Worte, dass wir nicht nach dem suchen sollen, was auf Erden ist, macht viele etwas stutzig. Wir wollen kurz dar\u00fcber nachdenken, was es nicht bedeutet; dann, was es bedeutet und als letztes, wie wir es umsetzen k\u00f6nnen.<br \/>\nZu suchen, was oben ist, bedeutet nicht, dass wir in einer geistlichen Blase leben; es bedeutet nicht, dass wir uns abkapseln; und es bedeutet nicht dass wir uns nur noch mit Geistlichem zu tun haben, dass wir keinen Bezug mehr haben zu unserem irdischen Leben. Vor ungef\u00e4hr einem Jahr gab es einen rassistischen Anschlag in Hanau. Acht M\u00e4nner und eine Frau, die alle einen Migrationshintergrund hatten, wurden dabei erschossen. Bei der Umfrage im vergangenen Jahr hatte jemand angemerkt, dass unsere Gottesdienste mehr Bezug haben sollten, zu dem, was um uns herum passiert. Und ich pers\u00f6nlich denke, dass diese Person recht hatte, weil das Evangelium relevant ist f\u00fcr alle Bereiche unseres Lebens. Zu suchen, was oben ist, bedeutet nicht, dass wir einen Tunnelblick haben und nicht sehen, was rechts und links von uns ist. Es bedeutet auch nicht, dass uns irdische Dinge unwichtig sind. Vor allem bedeutet es nicht, dass wir als Menschen leben, die keine Bodenhaftung haben. Im Gegenteil, diejenigen Menschen, die den Himmel suchen, k\u00f6nnen die besseren B\u00fcrger hier auf Erden sein.<br \/>\nWas bedeutet es dann, uns nach oben auszurichten? Vers 1 sagt, dass Christus oben zur Rechten Gottes sitzt. Jesus ist K\u00f6nig, und er regiert. Zu suchen, was oben ist, hei\u00dft dann, dass unser Leben mit der Realit\u00e4t \u00fcbereinstimmt, dass Jesus K\u00f6nig ist. Es bedeutet, dass alle Bereiche unseres Lebens unter seiner Herrschaft stehen. Es bedeutet, dass wir sein Recht und seine Gerechtigkeit in unser Leben und unsere Umgebung importieren. Jesus sagte in Matth\u00e4us 6,33: \u201eTrachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.\u201c Wir haben vorhin gesagt, dass das Evangelium eine Geschichte erz\u00e4hlt; und wir haben gesagt, dass das Evangelium Gottes Einladung an uns ist, selbst Teil dieser Geschichte zu werden. Zu suchen, was oben ist, bedeutet dann, dass wir so leben, dass unser Leben innerhalb der Erz\u00e4hlung Gottes Sinn ergibt.<br \/>\nIch gebe zwei Beispiele. Die allermeisten von uns haben einen Job. Frage: ist unsere Arbeit irdische T\u00e4tigkeit? Antwort: ja, zu einem gro\u00dfen Teil. Zu suchen, was oben ist, bedeutet nicht, dass unsere Arbeit nicht wichtig ist. Im Gegenteil. Unsere Arbeit ist wichtig. Wir d\u00fcrfen unsere ganze Arbeit unter die Herrschaft Jesu bringen. D.h., wir arbeiten f\u00fcr den K\u00f6nig. Auf der Arbeit verhalten wir uns nicht nur konform mit den Arbeitsgesetzen der Bundesrepublik Deutschland, sondern konform mit der Konstitution des Himmelreichs. Wir behandeln unsere Kollegen mit Jesu Liebe und Respekt. Unsere Arbeit im Kontext von Jesu Reich ist wichtig. Und gleichzeitig wissen wir, dass Arbeit nicht alles ist. Unsere Identit\u00e4t ist nicht abh\u00e4ngig davon. Wir sind immer noch Gottes geliebte Kinder, auch wenn auf der Arbeit der Erfolg oder die Anerkennung oder die Wertsch\u00e4tzung ausbleiben.<br \/>\nOder ein anderes Beispiel: unsere Gesundheit ist wichtig. Zu suchen, was oben ist, bedeutet, dass wir unsere Gesundheit unter Jesu Reich stellen. Leider gibt es viel zu viele Christen unter den sogenannten Corona-Leugnern. Durch Verbreitung von Falschinformationen setzen sie sowohl ihre Gesundheit als auch die Gesundheit von anderen aufs Spiel. Als B\u00fcrger von Gottes Reich ist das nicht die Art wie wir leben sollen. W\u00e4hrend der Pandemie wollen wir vorbildlich unsere Masken tragen. Wir halten unseren Mindestabstand. Wir halten uns an die Vorgaben der Regierung, wohlwissend, dass unsere Regierung alles andere als perfekt ist und \u00f6fters ungeschickt agiert. Ich hoffe, dass wir uns alle impfen lassen, wenn wir an der Reihe sind. (Papst Franziskus hat verk\u00fcndigt, dass er sich impfen lassen wird. Er kritisierte in diesem Zusammenhang eine \u201eselbstzerst\u00f6rerische Verweigerungshaltung\u201c, f\u00fcr die er kein Verst\u00e4ndnis hat). Gesundheit ist wichtig. Und gleichzeitig wissen wir, dass Gesundheit nicht alles ist. Wir sind nicht abh\u00e4ngig davon. Unsere Identit\u00e4t ist nicht abh\u00e4ngig davon. Wir sind auch dann noch Gottes geliebte Kinder, wenn es mit unserer Gesundheit unaufhaltsam bergab geht.<br \/>\nAls letztes, wie k\u00f6nnen wir dann nach oben trachten? R. wird uns n\u00e4chste Woche mehr dazu sagen. N\u00e4chste Woche wird der Fokus sein, wie Gottes Wort uns dabei hilft. Ich will daher kurz die andere Seite der Medaille beleuchten. Es braucht Gebet. Es braucht Zeiten, in denen wir in der Stille vor Gott sind. Es braucht viel Gemeinschaft mit Gott. Ich muss mich hier an meine eigene Nase fassen. Ich bin alles andere als ein treuer Beter. Dallas Willard hat folgenden Tipp gegeben, den ich versuche umzusetzen. Sobald er aufwachte, hat er im Bett bereits angefangen, das Vater Unser zu beten und dar\u00fcber zu meditieren: \u201eVater Unser, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden\u2026\u201c Wenn wir diese Worte beten, laden wir Jesu Herrschaft ein in unser Leben in diese Welt. Wir trachten nach oben, wo Jesus zur Rechten Gottes sitzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Christus, unser Leben \u201eSeid ihr nun mit Christus auferweckt, so sucht, was oben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.\u201c Kolosser 3,1 Stellen wir uns vor, wir machen eine kleine Bergwanderung. 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