{"id":9971,"date":"2020-12-27T11:00:31","date_gmt":"2020-12-27T10:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=9971"},"modified":"2022-11-18T12:19:11","modified_gmt":"2022-11-18T11:19:11","slug":"predigt-kolosser-115a-jahresanfang-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-kolosser-115a-jahresanfang-2021\/","title":{"rendered":"Predigt: Kolosser 1,15a  (Jahresanfang 2021)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/2021_Kolosser-Lektion-1-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Gott schenkt uns \u201eein\u201c Bild von sich<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eEr ist das Bild des unsichtbaren Gottes\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">Kolosser 1,15a<\/p>\n<p>Betrachten wir Kolosser 1,15a: \u201eEr ist Bild des unsichtbaren Gottes.\u201c Diesen Vers verstehen wir umso besser, wenn wir ihn im gesamtbiblischen Kontext betrachten. In diesem Vers ist von \u201eBild\u201c die Rede. \u201eBild\u201c ist eine der biblischen Kategorien, die im Laufe der biblischen Geschichte immer mehr an Bedeutung gewinnen. Hierzu geh\u00f6ren auch die biblische Kategorien \u201eBund\u201c und \u201eTempel\u201c \u2013 hier ein Beispiel:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">\u201eUnd Salomo fing an, das Haus des HERRN zu bauen in Jerusalem, auf dem Berg Morija, wo der HERR seinem Vater David erschienen war, an der Stelle, die David bestimmt hatte, auf der Tenne Ornans, des Jebusiters.\u201c (2. Chr. 3,1)<br \/>\n\u201eEr aber sprach von dem Tempel seines Leibes.\u201c (Joh 2,21)<br \/>\n\u201eOder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes in euch ist, den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst geh\u00f6rt?\u201c (1. Kor 6,19)<br \/>\n\u201eUnd es wurde mir ein Rohr, gleich einem Stab, gegeben und gesagt: Steh auf und miss den Tempel Gottes und den Altar und die, welche darin anbeten!\u201c (Off 11,1)<\/p>\n<p>Weil \u201eBild\u201c ein Schl\u00fcsselwort zum Verst\u00e4ndnis von Kol 1,15a ist, habe ich dementsprechend die Predigt gegliedert:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">1 Von wem machen wir uns ein Bild?<br \/>\n2 Warum machen wir uns ein Bild?<br \/>\n3 Welches Bild gibt uns Gott?<\/p>\n<p>In meiner Predigt werde ich weit ausholen und schlie\u00dflich dann auf Kol 1,15a zu sprechen kommen. Beginnen wir nun mit der ersten Frage: Von wem machen wir uns ein Bild?<\/p>\n<p>Wenn im AT von \u201eBild\u201c die Rede ist, dann h\u00e4ufig im Zusammenhang mit G\u00f6tzendienst. Ein Teil des ersten Gebots besteht darin, sich kein Bildnis von etwas zu machen (2. Mo 20,4). Was bedeutet das? Wir denken an Bildnis sogleich an geschnitzte Figuren u.\u00c4. Aber sich ein Bildnis von etwas zu machen ist auch dann der Fall, wenn man sich eine Vorstellung von etwas, also ein Bild von etwas macht. Wie sehr Vorstellung und Bild miteinander verwandt sind, sehen wir v.a. in der englischen Sprache: \u201eImage\u201c und \u201eImagination\u201c. Wenn wir ehrlich zu uns sind, stellen wir fest, dass wir eine gro\u00dfe Neigung haben, uns ein Bild von etwas zu machen. Wir machen uns Vielem ein Bild, sei es von unserem Partner, von unserem Job, von unseren Mitmenschen, von unserer Umgebung, von unserer Gemeinde usw. Dass dieses Bild \u00fcberhaupt nicht mit der Realit\u00e4t \u00fcbereinstimmen muss, zeigt sich darin, dass jemand anders von der ein- und derselben Sache oder Person ein v\u00f6llig anderes Bild haben kann. Nicht ohne Grund werfen wir dem einen vor: \u201eDu siehst alles mit einer rosaroten Brille\u201c, dem anderen aber: \u201eDu bist ein Schwarzmaler\u201c. Oder hier ist ein anderes Beispiel: Ich denke, wir haben das alle schon erlebt: Du redest dir deinen Mund fusselig, weil du jemanden etwas erkl\u00e4ren willst. Doch am Ende stellt sich heraus, dass der andere dich \u00fcberhaupt nicht verstanden hat. Warum? Der andere hat sich ein Bild von dir gemacht und von diesem Bild ausgehend, h\u00f6rt er das, was du sagst. Alles, was du eben gesagt hast, ist durch den Kanal des Bildes, was er von dir hat, gegangen. Ein drittes Beispiel ist ein vertrautes Ph\u00e4nomen aus der Schule: Du hast f\u00fcr deine Aufs\u00e4tze immer nur eine 2 bekommen \u2013 egal wie sehr du dich angestrengt hast, nie war es eine 1. Und warum? Es k\u00f6nnte daran liegen, dass der Lehrer sich ein bestimmtes Bild von dir gemacht hat: \u201eSch\u00fcler x ist mittelstarker Sch\u00fcler.\u201c<br \/>\nMan kann an dieser Stelle nat\u00fcrlich einwenden: \u201eStopp mal, in dem Gebot: \u201esich kein Bildnis von etwas zu machen\u201c geht es um G\u00f6tzenbilder, nicht allgemein darum, sich von etwas ein Bild zu machen. Anbetung und sich ein Bild von etwas zu machen, sind gar nicht so weit voneinander entfernt, wie manche vielleicht denken. Gerade dann, wenn wir uns ein Bild von etwas machen, ist Anbetung mit im Spiel. Hierzu einige Beispiele dazu:<\/p>\n<ol>\n<li>Warum waren die Pharis\u00e4er nicht in der Lage gewesen, an Jesus zu glauben? Sie wollten auf Gedeih und Verderb ihr positives Selbstbild nicht aufgeben, als Jesus sie damit konfrontierte, dass sie S\u00fcnder sind. Und warum nicht? Weil sie ihre eigene Gerechtigkeit anbeteten.<\/li>\n<li>Ein alleinerziehender Vater mit 6 oder 7 Kindern sagte einmal: \u201eIch habe erst nach der Heirat gemerkt, was f\u00fcr eine Frau ich geheiratet habe.\u201c Wie kann das sein? Es k\u00f6nnte gut sein, dass er mit einem Wunschbild von seiner Frau in die Ehe eingegangen ist.<\/li>\n<li>Manche Eltern haben gro\u00dfe Schwierigkeiten damit, wenn ihr Kind nicht die Noten hat, die sie erwartet haben. Warum? Nicht bei allen, aber bei manchen von ihnen liegt es darin, dass sie sich ein festes Bild von ihrem Kind gemacht haben \u2013 \u201emein Kind ist hochbegabt!\u201c Um dieses Bild von dem Kind nicht aufgeben zu m\u00fcssen, macht man dann Folgendes: Man macht sich auch ein Bild von dem Lehrer, und zwar ein schlechtes. \u201eEs liegt an dem Lehrer. Er ist ein schlechter Lehrer. Er bringt es meinem Kind nicht richtig bei.\u201c Und warum macht man das? Um sein gutes Bild vom eigenen Kind weiter rechtfertigen zu k\u00f6nnen. Man h\u00e4lt an das schlechte Bild vom Lehrer genauso fest wie an das gute Bild von seinem Kind.<\/li>\n<\/ol>\n<p>In Psalm 116,11 hei\u00dft es: \u201eAlle Menschen sind L\u00fcgner!&#8220;. Wir machen uns ein Bild von etwas, wenn wir die Dinge gerne so sehen wollen, wie wir sie haben m\u00f6chten. Dieses Bild ist ein Produkt bestimmter W\u00fcnsche und Bed\u00fcrfnisse, die aus dem kommen, was wir gerade anbeten. Das Gegenteil davon ist, dass wir Gott erlauben, uns die Realit\u00e4t zu zeigen. Aber wir tun dies h\u00e4ufig nicht, weil wir die Wahrheit f\u00fcrchten. Wir tragen dieses Bild solange mit uns, bis es zum Crash mit der ern\u00fcchternden Realit\u00e4t kommt. Wie zum Beispiel bei diesem alleinerziehenden Vater: Seine Frau brannte mit jemanden anders durch und landete sp\u00e4ter in der Psychiatrie. Mit seinem Wunschbild kam es zu einem Crash mit der Realit\u00e4t! Das Bild, das wir uns von etwas machen, kann sich sehr von der Realit\u00e4t unterscheiden!<br \/>\nWas hat das Ganze aber mit Gott zu tun? In Kol 1,15 geht es doch um das Bild von Gott, nicht um Menschen oder Dinge! Nicht nur von Menschen und den Dingen um uns herum, sondern auch von Gott machen sich Menschen sehr gerne ein Bild. Und nicht nur auch, sondern vor allem von Gott machen sich Menschen ein Bild. Denn gerade weil Gott unsichtbar ist, sind wir viel leichter dazu verleitet, uns von ihm ein Bild zu machen, als von den Dingen, die wir sehen. In allen Religionen der Welt gibt es unz\u00e4hlige \u201eBilder\u201c von Gott, die gemalten und die geschnitzten und gegossenen und die aus Marmor gehauenen, die aus Gedanken und Begriffen zurechtgemachten, die rohen und die edlen. Aber auch nicht religi\u00f6se, sogar atheistische Menschen machen sich ein Bild von Gott. In meiner Vergangenheit lud ich immer mal wieder Studenten zum gemeinsamen Bibellesen ein. Dabei kam ich mit dem einen oder anderen auch in ein l\u00e4ngeres Gespr\u00e4ch. Was ich dabei h\u00e4ufig h\u00f6rte, waren S\u00e4tze wie: \u201eIch denke, dass Gott\u2026\u201c, \u201eIch glaube nicht, dass Gott\u2026\u201c Solche Aussagen sind ein Ausdruck davon, dass man sich ein Bild, eine Vorstellung von Gott macht.<br \/>\nEin anderes Beispiel: Zurzeit mache ich mit einem Christen Seelsorge, dessen Sohn nicht gl\u00e4ubig ist. Es ist erschreckend, wie der Sohn den Glauben des Buddhismus mit biblischen Wahrheiten vermischt und tats\u00e4chlich meint, er finde in der Bibel die Best\u00e4tigung f\u00fcr seinen Glauben. Er bastelt sich ein Bild von Gott zurecht, wie er ihn haben m\u00f6chte. Und wie steht es mit uns? Wenn wir ehrlich zu uns sind, tun auch wir Gl\u00e4ubigen es, ich tue es.<br \/>\nAber warum tun wir es? Damit w\u00e4ren wir auch schon bei der zweiten Frage: Warum eigentlich machen wir uns ein Bild von Gott? Wer einmal die Geschichte \u00fcber das Goldene Kalb analysiert, der bekommt eine gute Antwort auf diese Frage. Diese Geschichte zeigt, dass unsere Bilder von Gott ein Ausdruck davon sind, wie wir Gott haben wollen. Bewusst oder unbewusst meinen wir, dass unser Bild herrlicher ist als Gott in Wirklichkeit, wie es im R\u00f6merbrief hei\u00dft: \u201eund haben die Herrlichkeit des unverg\u00e4nglichen Gottes verwandelt in das Gleichnis eines Bildes vom verg\u00e4nglichen Menschen und von V\u00f6geln und von vierf\u00fc\u00dfigen und kriechenden Tieren\u201c (R\u00f6m. 1,23). Indem wir uns ein Bild von Gott machen, versuchen wir Gott unter Kontrolle zu kriegen. Der Gott in meiner Vorstellung stellt meine Lebensweise nicht in Frage, sondern dient dazu, sie zu rechtfertigen. So war es auch beim Volk Israel, als sie das Goldene Kalb angebetet hatten: \u201eSo standen sie am folgenden Tag fr\u00fch auf, opferten Brandopfer und brachten Heilsopfer dar\u201c (2. Mo 32,6).<br \/>\nEinen anderen Grund, warum sich Menschen ein Bild von Gott machen, finden wir in Joh 14,8. Der J\u00fcnger Philippus konfrontierte Jesus mit dem Wunsch: \u201eHerr, zeige uns den Vater, und es gen\u00fcgt uns\u201c. Das bedeutet so viel wie: \u201eWenn du mir nur Gott zeigen k\u00f6nntest, dann bin ich voll und ganz zufrieden, alles andere ist nicht so wichtig. Hauptsache ich kann endlich Gott sehen.\u201c Eine \u00e4hnliche Bitte stellte auch Moses, als er Gott bat: \u201eLass mich doch deine Herrlichkeit sehen!\u201c (2. Mo 33,18) Viele Menschen haben den Wunsch, den unsichtbaren Gott zu sehen. Weil Gott unsichtbar ist, brauchen wir irgendwie eine Vorstellung von ihm. Menschen machen sich also auch deswegen ein Bild von Gott, einfach weil wir eine Vorstellung vom unsichtbaren Gott brauchen. Denn wir brauchen ein Bild von Gott, um zu wissen, wie wir mit ihm eine Beziehung haben k\u00f6nnen. Wir brauchen ein Bild von Gott, um zu wissen, wie wir vor ihm leben sollen. Wir brauchen ein Bild von Gott, damit er uns nicht verborgen vorkommt. Gott kommt vielen Menschen als verborgen vor, gerade weil er unsichtbar ist. Insbesondere Menschen, die Gott in der Not nicht so erfahren haben, wie sie es erwartet haben, also nicht so wie es ihrem Bild von Gott entsprach, empfinden Gott als verborgen. Letzte Woche nach dem Gottesdienst teilte ein Bruder das Anliegen einer Kollegin mit, f\u00fcr ihren Vater, der am Sterben lag zu beten. Er erz\u00e4hlte uns davon, dass sich die Lage verschlechtert hatte, als er angefangen hatte daf\u00fcr zu beten. Dann beteten wir zusammen f\u00fcr ihren Vater. Und was geschah am n\u00e4chsten Tag? Der Vater war tot. Gott war nicht so, wie es sich die Kollegin vielleicht erhofft hatte. Menschen, die solch eine ersch\u00fctternde Erfahrung mit Gott gemacht haben wie diese Kollegin, wenden sich h\u00e4ufig von Gott ab. Gott ist f\u00fcr sie ein zutiefst verborgener Gott. Wie oft musste sich Gott wohl schon den Vorwurf anh\u00f6ren: \u201eGott, wo warst du?\u201c Seit dem S\u00fcndenfall ist Gott f\u00fcr den Menschen unsichtbar in tiefstem Sinne geworden. Seitdem haben immer wieder Menschen die Sehnsucht, Gott zu sehen.<br \/>\nUnd hier ist das Problem: Einerseits brauchen wir ein Bild von Gott, gerade weil Gott unsichtbar ist. Aber andererseits verbietet Gott es uns, sich ein Bild von ihm zu machen, und das ausgerechnet aus dem Grund, dass Gott unsichtbar ist. In 5. Mo 4, 15-16 hei\u00dft es n\u00e4mlich:<br \/>\nSo h\u00fctet eure Seelen sehr &#8211; denn ihr habt keinerlei Gestalt gesehen an dem Tag, als der HERR am Horeb mitten aus dem Feuer zu euch redete -, 16&nbsp;dass ihr nicht zu eurem Verderben handelt und euch ein G\u00f6tterbild macht in Gestalt irgendeines G\u00f6tzenbildes, das Abbild eines m\u00e4nnlichen oder eines weiblichen Wesens<br \/>\nWeil Gott unsichtbar ist, sind wir sind gar nicht imstande, uns ein Bild von Gott zu machen. Wir k\u00f6nnen es gar nicht! Kein Bild von Gott wird jemals dem gerecht, wie Er wirklich ist. Daher verbietet es Gott ganz klipp und klar<\/p>\n<p>Aber wie gesagt, eben darin besteht das Dilemma: Einerseits brauchen wir ein Bild von Gott, andererseits d\u00fcrfen und k\u00f6nnen wir uns kein Bild von Gott machen? Was ist die L\u00f6sung f\u00fcr dieses Dilemma? Die L\u00f6sung ist, Gott selbst gibt uns ein Bild von Sich. Was dieses Bild ist, erfahren wir in Kol. 1,15 Er [also Christus!] ist das Bild des unsichtbaren Gottes.\u201c In Christus schenkt uns Gott selbst ein Bild von sich! Oder besser gesagt: Das Bild von sich! (Daher die Anf\u00fchrungsstriche im Titel). Denn in Christus und nirgends wo anders, k\u00f6nnen wir die einzig wahre Vorstellung davon bekommen, wie Gott wirklich ist. Wie ich eben erw\u00e4hnt habe, hatte es Gott strengstens verboten, ein Bild von Ihm zu machen. Denn kein von uns gemachtes Bild wird seiner Herrlichkeit gerecht. Selbst das beste Bild von Gott reduziert dessen Herrlichkeit, es presst sozusagen Gottes Herrlichkeit in einen Bilderrahmen hinein. Doch Christus ist das Bild von Gott, dass Gottes Herrlichkeit komplett widerspiegelt. Es ist das Bild, wo Gott sagen kann: \u201eJa, genau so bin ich.\u201c In Christus k\u00f6nnen wir sehen, wie Gott es in Wirklichkeit mit uns meint, n\u00e4mlich als Vater. Daher lautete Jesu Antwort an Philippus: \u201eWer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen.\u201c (Joh 14,9).<br \/>\nZu Weihnachten senden sich Angeh\u00f6rige gerne Bilder voneinander zu, und sicherlich in diesem Jahr wegen Corona noch mehr als in den anderen Jahren zuvor. Die meisten von ihnen erfreuen uns. Doch es gibt kein Bild, das uns mehr erfreuen k\u00f6nnte, als das Bild, dass der unsichtbare Gott uns von sich schenkt. Wie herrlich dieses Bild ist, bezeugt Johannes mit den Worten: \u201eund wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit\u201c (Joh 1,14). \u201eF\u00fcr euch\u201c lautete die Serie der Weihnachtspredigten, die wir in diesem Jahr haben. Christus ist das Bild von Gott f\u00fcr euch, f\u00fcr dich und f\u00fcr mich.<br \/>\nUnsere Bilder machen Gott zu dem, wie wir ihn gerade haben m\u00f6chten. Gott aber m\u00f6chte, dass wir ihn uns so vorstellen, wie Er sich uns in Christus offenbart, nicht wie wir ihn haben wollen. Wie k\u00f6nnen wir diese Wahrheit in unserem allt\u00e4glichen Leben anwenden. Mir fallen hierzu drei Beispiele ein:<\/p>\n<ol>\n<li>Wann immer ich Sorgen, Bitterkeit, Unzufriedenheit, Ungeduld, Angst usw. in mir trage, bin ich in dem Moment von einem falschen Gottesbild getrieben. Bitterkeit kommt zum Beispiel in mir, wenn ich die Gnade Gottes in Christus aus den Augen verloren habe. Sorge macht sich in mir breit, wenn ich vergessen habe, dass Gott in Christus mein f\u00fcrsorglicher Vater ist. Angst kommt in mir auf, wenn ich vergessen habe, dass Gott in Christus mein Immanuel ist. Das Bild, das Gott uns in Christus gibt, ist unendlich viel herrlicher, als unsere Bilder von Gott. Lasst uns dem glauben. Lasst uns immer wieder aufs Neue das Bild schauen, dass Gott uns gegeben hat, also immer wieder darauf schauen, wie Jesus ist, sodass das Bild Gottes in unsere Herzen nicht verblasst, sondern zunehmend klarer wird.<\/li>\n<li>Wann immer wir denken, Gott lehnt es uns ab, Gott ist chronisch unzufrieden mit uns, Gott verachtet uns, man kann es Gott nicht recht machen, Gott ist mir feindlich gesinnt, tragen wir ein falsches Gottesbild mit uns. In Christus begegnet Gott uns als der Vater, der uns zwar wegen unserer S\u00fcnde zurechtweist und auch z\u00fcchtigt, aber uns stets als Vater und Freund, niemals als Richter gegen\u00fcbersteht. Es ist wichtig, jenes falsche Gottesbild abzulegen. Denn wer sich Gott so vorstellt, wie oben beschrieben, der wird nie Freude darin haben, Gott zu dienen, dem wird auch seine S\u00fcnde nie wirklich leid tun und blockiert sich selbst darin, Gottes Liebe aufzunehmen.<\/li>\n<li>Ein wohl h\u00e4ufiger Grund, warum Christen sich ein Bild von Gott machen, ist der Irrtum, dass sie meinen, sie wissen schon, wie Gott ist. Wer wiedergeboren ist, kennt zwar Gott (1. Joh 4,7), aber l\u00e4ngst noch nicht komplett. Selbst Paulus musste bekennen, dass seine Erkenntnis nur St\u00fcckwerk ist (1. Kor 13,9). Wenn Christen meinen, sie kennen schon Gott weitgehend, behindern sie sich selbst darin, dass sich Gott ihnen in Christus weiter offenbaren kann.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Ich habe eben dieses Beispiel erw\u00e4hnt: Du redest dir deinen Mund fusselig, weil du jemanden etwas erkl\u00e4ren willst. Doch am Ende stellt sich heraus, dass der andere dich \u00fcberhaupt nicht verstanden hat. Warum? Der andere hat sich ein Bild von dir gemacht und von diesem Bild ausgehend h\u00f6rt er das, was du sagst. Alles, was du eben gesagt hast, ist durch den Kanal des Bildes, was er von dir hat, durchgegangen. Und genau dasselbe tun wir oft mit Gott. Wir h\u00f6ren aus der Bibel etwas v\u00f6llig anderes heraus als das, was Gott uns eigentlich sagen m\u00f6chte. Warum? Weil wir uns ein Bild von Gott gemacht haben und alles durch dieses Bild hindurch h\u00f6ren.<br \/>\nUnsere Bilder von Gott sind ein Hindernis daf\u00fcr, dass sich Gott uns weiter in Christus offenbaren kann. Gott verbietet es uns, sich ein Bild von ihn zu machen, gerade weil diese Bilder ein Hindernis daf\u00fcr sind, dass er sich uns weiter und tiefer in Christus offenbaren kann.<br \/>\nWie schlimm finden wir es, wenn jemand ein falsches Bild von uns hat. Wir setzen allen Eifer darin ein, dass er uns richtig sieht. Wie k\u00f6nnen wir es dann wagen, uns ein falsches Bild von Gott zu machen? Wie k\u00f6nnen es wir wagen?! H\u00f6ren wir vor diesem Hintergrund neu Gottes Wort: \u201eDu sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen\u201c (2. Mo 20,4) Denn: \u201eEr [also Christus!] ist das Bild des unsichtbaren Gottes\u201c (Kol 1,15a).<br \/>\nWann immer wir die Bibel lesen, lass uns genau hinh\u00f6ren, lass uns dem \u00f6ffnen, wie sich Gott uns in Christus tiefer offenbaren will, anstatt das Gelesene in unser Bild von Gott zu pressen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Gott schenkt uns \u201eein\u201c Bild von sich \u201eEr ist das Bild des unsichtbaren Gottes\u201c Kolosser 1,15a Betrachten wir Kolosser 1,15a: \u201eEr ist Bild des unsichtbaren Gottes.\u201c Diesen Vers verstehen wir umso besser, wenn wir ihn im gesamtbiblischen Kontext betrachten. 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