{"id":9958,"date":"2020-12-20T11:00:22","date_gmt":"2020-12-20T10:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=9958"},"modified":"2025-05-25T20:14:09","modified_gmt":"2025-05-25T18:14:09","slug":"predigt-2-korinther-81-9-weihnachten-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-2-korinther-81-9-weihnachten-2020\/","title":{"rendered":"Predigt: 2. Korinther 8,1 &#8211; 9  (Weihnachten 2020)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2020_WN-3_2.Korinther_8-0109-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">F\u00fcr uns: reich durch Jesus<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eDenn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich w\u00fcrdet.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(2.Korinther 8,9)<\/p>\n<p>R. hat, wie ich finde, f\u00fcr diesen Gottesdienst einen wunderbaren Text und f\u00fcr diese Weihnachten ein wunderbares Thema ausgesucht. Das Thema lautet \u201ef\u00fcr uns\u201c. Und deshalb lautet der Titel der Predigt \u201ef\u00fcr uns: reich durch Jesus\u201c. Und der Text heute aus 2. Korinther 8,1-9 ist kein traditioneller Weihnachtstext. Ich denke, dass es ein Novum ist, dass wir diesen Text in der Weihnachtszeit lesen. Gleichzeitig k\u00f6nnte ich mir keinen besseren und passenderen Text vorstellen.<br \/>\nIn 2. Korinther 8 und 9 macht Paulus einen Spendenaufruf. Wenn wir diese zwei Kapitel sorgf\u00e4ltig lesen, dann stellen wir fest, dass es ein Spendenaufruf wie kein anderer ist. F\u00fcr viele Menschen unserer Zeit ist Spenden eine l\u00e4stige Sache. Man wei\u00df, dass es theoretisch eine gute Sache ist. Man kann es sich ja auch leisten. Und an Weihnachten macht man das auch mal, allein um das Gewissen zu beruhigen und weil man dann wei\u00df, dass man seine gute Tat vollbracht hat.<br \/>\nAber das ist \u00fcberhaupt nicht das, was Paulus im Sinn hat. Das Schl\u00fcsselwort hier ist \u201eGnade\u201c. Gnade bedeutet ein unverdientes Geschenk zu bekommen. Paulus argumentiert, dass wir Christen ein unverdientes Geschenk bekommen habe, das von solch einem Ausma\u00df und solcher einer Dimension ist, dass es die Gesamtsituation der Empf\u00e4nger radikal ver\u00e4ndert. Im Bezug auf die Gnade macht der Text uns auf drei Punkte aufmerksam: erstens, der Reichtum, den wir in Jesus haben; zweitens, was der Reichtum in uns bewirken sollte; drittens, was der Reichtum durch uns bewirken sollte.<\/p>\n<p><strong>Erstens, der Reichtum, den wir in Jesus haben<\/strong><\/p>\n<p>In Vers 9 schreibt Paulus: \u201eDenn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich w\u00fcrdet.\u201c Dieser Vers ist ziemlich zentral in Paulus Argumentation. Und er fasst praktisch die ganze Weihnachtsgeschichte zusammen.<br \/>\nHier sind ein paar Gedanken zu diesem Vers. Erster Gedanke: Jesus ist reich. Das wissen wir alle. Aber wir haben das oft nicht so auf dem Schirm. Ich m\u00f6chte versuchen, das anhand eines kleinen und einfachen Beispiels zu verdeutlichen. Seit dem Beginn der Corona-Pandemie kann ich an zwei H\u00e4nden abz\u00e4hlen, wie oft ich auf der Arbeit war. Ich mache derzeit fast ausschlie\u00dflich Home-Office. Weil ich etwas Bewegung brauche, gehe ich abends oft an die frische Luft zum Spazieren: manchmal mit den Kindern oder alleine. Heidelberg ist eine reiche Stadt. Und \u00f6fters gehe ich an richtig sch\u00f6nen H\u00e4usern vorbei und schaue ein wenig in die Fenster rein. Was ist ein 1-Familien-Haus in Handschuhsheim oder Neuenheim wert? Manche dieser H\u00e4user sind sicherlich eine Million Euro wert. Wer ein solches Haus besitzt, der ist reich.<br \/>\nAber das ist nichts im Vergleich dazu, wenn man den gleichen Spaziergang durch die Innenstadt von New York macht. Ein Quadratmeter Wohnung kostet dort mehr als 16.000 Dollar, Tendenz steigend. Wer dort eine Wohnung oder gar ein Haus besitzt, ist wirklich reich. Das sind die Kategorien, in denen wir uns Reichtum vorstellen: jemand der Immobilien in einer sch\u00f6nen, angesagten Gegend besitzt. Aber stellen wir uns vor, dass jemand nicht nur das Haus in Manhattan geh\u00f6rt, sondern die ganze Stra\u00dfe mit allen H\u00e4usern links und rechts; und nicht nur die ganze Stra\u00dfe, sondern die ganze Stadt, das ganze Land, die ganze Welt? Und was ist dieser winzige, blaue Planet im Vergleich zur Gesamtheit des ganzen Universums mit Milliarden von Galaxien und unz\u00e4hlbar vielen Sternen? Und was ist das im Vergleich zum Himmel? Versteht ihr, Jesus ist der Eigent\u00fcmer von allem was existiert. Ihm geh\u00f6rt alles im Himmel und alles auf Erden. Es ist eine Kategorie von reich f\u00fcr die uns eigentlich die Worte fehlen.<br \/>\nDas n\u00e4chste, was Paulus uns sagt, ist, dass Jesus arm wurde. Im Jahr 2010 haben Warren Buffet, Bill und Melinda Gates eine Initiative gegr\u00fcndet, die \u201eThe Giving Pledge\u201c hei\u00dft. Diese Initiative richtet sich an die reichsten Menschen der Welt. Die Unterzeichner verpflichten sich, dass sie mindestens die H\u00e4lfte ihres Verm\u00f6gens f\u00fcr wohlt\u00e4tige Zwecke spenden. So l\u00f6blich diese Abmachung ist, sie ist wiederum nichts im Vergleich zum Opfer, das Jesus gebracht hat.<br \/>\nEs ist nichts im Vergleich, weil Jesu Reichtum sich in einer ganz anderen Dimension bewegt wie alle Milliard\u00e4re dieser Welt zusammengenommen. Und es nichts im Vergleich zum Opfer der Milliard\u00e4re, weil niemand von ihnen wirklich arm wird. Jesus gab nicht nur die H\u00e4lfte von einem Besitz. Er gab alles. Und er gab alles auf. Er hielt nichts zur\u00fcck. Jesus ist Gott, der Mensch wurde mit all seinen unvorstellbaren Implikationen: der Ewige wurde zeitlich; der H\u00f6chste kam in Niedrigkeit; der St\u00e4rkste wurde schwach; der Allm\u00e4chtige wurde hilflos; der Gr\u00f6\u00dfte wurde ganz klein; der Mythos wurde Teil der Geschichte; das Ideale wurde real; das Wort wurde Fleisch; der Reichste wurde ganz arm.<br \/>\nJesus wurde nicht nur in einer der \u00e4rmsten Familien in einer obskuren Ecke des r\u00f6mischen Reiches geboren. Er lebte als ein armer Wanderprediger. Er hatte weder Geld noch Macht. Und am Ende starb er den Tod eines Sklaven, in der Hand von Heiden. Das letzte, was er besa\u00df, war seine Kleidung, die er trug, als er festgenommen wurde. Als Jesus ans Kreuz geh\u00e4ngt wurde, hat man ihm auch das noch genommen. Schlimmer, elendiger und erniedrigender kann man es sich nicht vorstellen. Jesus gab alles: seine Stellung beim Vater, sein Besitz, sein Leben bis hin zum letzten Atemzug. Alles, was Jesus h\u00e4tte geben k\u00f6nnen, gab er.<br \/>\nSehen wir uns noch einmal Vers 9 an: \u201eDenn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich w\u00fcrdet.\u201c Noch ein Gedanke, Jesus war nicht nur reich, und er wurde nicht nur arm. Paulus schreibt: \u201eum euretwillen\u201c und \u201eauf dass ihr\u201c. Er tat es, damit wir reich werden. Und das ist der entscheidende Gedanke hier. Es ist der Unterschied zwischen dem Evangelium und Religion. Wenn wir diesen Punkt nicht verstehen, dann haben wir die Essenz des Evangeliums nicht verstanden.<br \/>\nJesus ist das ultimative Vorbild daf\u00fcr, was Gro\u00dfz\u00fcgigkeit angibt. Es gibt kein gr\u00f6\u00dferes und kein extremeres Beispiel. Paulus h\u00e4tte daher an dieser Stelle schreiben k\u00f6nnen: \u201eund deshalb, folgt dem Beispiel Jesu. Macht das, was Jesus getan hat. Nehmt euch Jesus als Vorbild.\u201c Aber das tut er nicht. Er sagt etwas ganz anderes. Er sagt: \u201eJesus wurde arm f\u00fcr euch. Jesu Opfer ist f\u00fcr euch. Ihr seid durch ihn reich. Es ist Gottes Geschenk f\u00fcr euch, und ihr habt nichts getan und nichts vorzuweisen, um das zu verdienen.\u201c Jesus ist f\u00fcr uns! Er wurde von Gott gegeben, f\u00fcr dich und f\u00fcr mich. Sein Reichtum ist f\u00fcr uns. Wir haben noch nicht einmal angefangen zu verstehen, was es bedeutet, dass der ganze Reichtum Christi uns geh\u00f6rt. Wir sind Erben Christi; wir sind B\u00fcrger des Himmels; seine Auferstehung geh\u00f6rt uns und wir werden mit ihm ewig leben; wir sind seine Kinder, und wir sind seine Braut; er hat uns eine Wohnung gebaut; wir werden eines Tages Engel richten; wir werden mit Christus regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit.<br \/>\nHier ist der Punkt. Nat\u00fcrlich ist Jesus unser Vorbild und unser Beispiel in praktisch allen Bereichen unseres Lebens. Aber Jesus ist so viel mehr als das. Er ist das Geschenk Gottes f\u00fcr uns; er ist unser Erretter und Befreier; er ist unser Erl\u00f6ser, der selbst das L\u00f6segeld bezahlt hat; er ist unser guter Hirte, der sein Leben f\u00fcr seine Herde gab; er ist das Lamm, das an unserer Stelle geschlachtet wurde; er ist das vollkommene Opfer, das allen anderen Opfern ein Ende setzt. Jesus ist nicht nur unser Vorbild. Er ist derjenige, der uns vergibt, f\u00fcr die unz\u00e4hligen Male, in dem wir ihm nicht nachfolgen konnten.<br \/>\nWenn wir verstanden haben, und nur dann, wenn wir verstanden haben, dass Jesus f\u00fcr uns nicht nur Vorbild sondern vor allem und zuerst Erretter ist, fangen wir an, aus seinem Reichtum zu sch\u00f6pfen. Dann ist das Evangelium f\u00fcr uns nicht einfach guter Ratschlag sondern gute Nachricht.<br \/>\nJesus wurde arm, um uns einen Reichtum zu schenken, den nichts und niemand uns wieder wegnehmen kann. Jesus kam, um uns zu Multi-Milliard\u00e4ren zu machen. Das ist der erste Punkt.<\/p>\n<p><strong>Zweitens, was der Reichtum Christi in uns tun sollte<\/strong><\/p>\n<p>Paulus erw\u00e4hnt eine Gemeinde in Mazedonien, die sehr besonders war. In praktisch jeder Gemeinde, muss die Gemeindeleitung die Gemeinde immer wieder daran erinnern, gro\u00dfz\u00fcgig zu geben, mehr zu spenden und mehr zu opfern. Die Gemeinde in Mazedonien war au\u00dfergew\u00f6hnlich. Sie mussten eher dazu angehalten werden, nicht zu viel zu geben. Vers 3 sagt: \u201eIch bezeuge, dass sie nach Kr\u00e4ften und sogar \u00fcber ihre Kr\u00e4fte spendeten, ganz von sich aus.\u201c Sie gaben mehr, als es f\u00fcr sie gut war. Nicht nur das, sie bettelten bei Paulus, dass sie sich an der Spendenaktion beteiligen durften. Paulus war tief beeindruckt, keine Frage. Aber was genau beeindruckte Paulus? Paulus lobte die Mazedonier nicht einfach \u00fcber den gr\u00fcnen Klee.<br \/>\nIn Vers 1 schreibt er: \u201eWir m\u00f6chten euch nun, liebe Geschwister, von der besonderen Gnade berichten, die Gott den Gemeinden in Mazedonien geschenkt hat.\u201c Das, was Paulus an der mazedonischen Gemeinde erstaunte, war das, was die Gnade in ihnen hervorgebracht hatte. Es war nicht die Summe, die sie gespendet hatten, die Zahl auf dem Scheck. Das, was Paulus erstaunte, war ihr Herz. Mit anderen Worten, der Reichtum in Christus, hatte in ihrem Herzensinneren etwas bewirkt. Und das sehen wir in Vers 2. \u201eW\u00e4hrend sie durch gro\u00dfe Not gepr\u00fcft wurden, verwandelten sich ihre \u00fcbergro\u00dfe Freude und ihre tiefe Armut in den Reichtum ihrer selbstlosen G\u00fcte.\u201c Der Kommentator David Garland hat das als mathematische Formel zusammengefasst (Slide 2). Ich vereinfache das etwas: \u201e\u00fcbergro\u00dfe Freude + tiefe Armut = wahrer Reichtum\u201c<br \/>\nHier ist die Antwort auf die Frage, was der Reichtum in uns tun sollte. Der Reichtum, den wir in Christus haben, sollte in uns eine tiefe Freude ausl\u00f6sen. Die meisten von uns sind sich einig, dass wir auf Gemeinde-Ebene ein Problem damit haben. Wenn wir den Ergebnissen der Umfrage trauen k\u00f6nnen, dann denkt die Mehrheit der Gemeinde, dass wir nicht wirklich lebendig sind (Slide 3). Wir sind definitiv keine mazedonische Gemeinde, deren Freude geradezu ungebremst und ungehemmt ist. Berechtigte Frage ist sicherlich, woran das liegt. Mein pers\u00f6nlicher Wunsch ist, dass jeder von uns pers\u00f6nlich und wir als Gemeinde zusammen daran arbeiten k\u00f6nnen.<br \/>\nZwei Gedanken m\u00f6chte ich hierzu noch mitgeben. Viele von uns haben kennen den Slogan, der von Campus Crusade verbreitet wurde: Facts, Faith, Feelings (Slide 4). Auf deutsch: Fakten, Glauben und Gef\u00fchle. Wenn man die Fakten mit Gottes Wort ersetzt, beginnen alle mit einem \u201eG\u201c, so dass man sich das gut merken kann. Dazu sieht man dann einen Zug. Vorne ist die Lokomotive mit Gottes Wort. Dann folgt der Kohlewagen mit Glauben. Als letztes kommt dann der Wagon mit den Gef\u00fchlen. Die Botschaft lautet: Der Zug f\u00e4hrt auch ohne den Wagon. So lange du Gottes Wort und Glaube hast, ist alles gut. Auf der anderen Seite wird dein Zug nicht fahren k\u00f6nnen, wenn du nur Gef\u00fchle hast. Auf diesem Bild sind Gef\u00fchle also drittrangig.<br \/>\nInspiriert von zwei sehr gegens\u00e4tzlichen Pastoren (John Piper und Peter Scazzero), die sich dazu ge\u00e4u\u00dfert haben, m\u00f6chte ich ein anderes Bild vorstellen. Gottes Wort und Fakten sind das, was wir in die Lokomotive einwerfen (Slide 5). Unser Herz ist der Motor. Gottes Wort ist das, was das Feuer am Brennen h\u00e4lt und den Motor am Laufen l\u00e4sst. Das Resultat von diesem Prozess sind unser Glaube und unsere Gef\u00fchle. Beides l\u00e4sst sich nicht trennen. Unsere Emotionen sind das, was unseren Zug antreibt. Dieses Modell finde ich viel n\u00e4her an unserem heutigen Text: die mazedonischen Christen hatten Freude. Aus dieser Freude heraus kam ihr unb\u00e4ndiger Wunsch, gro\u00dfz\u00fcgig zu geben. Und es ist genau diese Frucht des Heiligen Geistes, die Paulus sehen wollte.<br \/>\nMit anderen Worten: unsere Gef\u00fchle sind nicht optional! Unsere Gef\u00fchle geh\u00f6ren essentiell zum Glaubensleben dazu. Liebe, Freude, Friede sind die ersten Ausw\u00fcchse der Frucht des Heiligen Geistes. Wir k\u00f6nnen keine reifen Christen sein, wenn unsere Gef\u00fchlswelt nicht in Ordnung ist. D.h., wenn du ein Leben f\u00fchrst, in dem Freude Mangelware ist, wenn in deinem Leben andere Gef\u00fchle dominieren, wie Furcht oder \u00c4rger oder Zorn oder Ungeduld oder sogar Hass, dann haben nicht einfach ein kleines Problem. Uns fehlt dann nicht einfach nur die Kirsche auf dem Sahneh\u00e4ubchen. Wir haben dann ein Problem, was mit der Essenz unseres Glaubenslebens zu tun hat. Die Freude Gottes ist Pflicht, und ich w\u00fcrde sagen, noch wichtiger, als andere zu missionieren.<br \/>\nGestern zum Beispiel war ich einkaufen. Die Einkaufswaren auf das Band zu legen, ist zu Coronazeiten eine etwas nervige Angelegenheit geworden, vor allem wenn man den Abstand zum Vordermann einhalten muss. Ich hatte mich kurz vorgelehnt, um auf dem Band noch ein paar Dinge unterzubringen. Sofort wurde ich von der Frau vor mir angesprochen: \u201eK\u00f6nnen Sie vielleicht den Sicherheitsabstand einhalten?\u201c Ich war unglaublich genervt, weil die Dame zu ihrer Vorderperson nicht nur 1.5m sondern 3m Abstand gehalten hatte. Und habe sie darauf hingewiesen. Hinterher musste ich dar\u00fcber nachdenken. Es war so eine Nichtigkeit. Warum hat mich das so sauer gemacht? Und es hat mir ins Bewusstsein ger\u00fcckt, wie wenig Freude ich auf meinem eigenen Herzenskonto habe. Wirklich traurig! Das ist ein besch\u00e4mendes Beispiel aus meinem Leben. Ich bin mir sicher, dass ihr es viel besser macht. Der erste Gedanke, den ich hier erw\u00e4hnen wollte, ist, dass unsere Freude nicht optional ist. Sie ist essentiell in unserem Glaubensleben.<br \/>\nDer zweite Gedanke ist folgender: die Art von Gef\u00fchlen, die Paulus sich w\u00fcnscht, sind nicht oberfl\u00e4chlich. Wenn wir uns noch einmal Vers 2 anschauen: \u201eW\u00e4hrend sie durch gro\u00dfe Not gepr\u00fcft wurden, verwandelten sich ihre \u00fcbergro\u00dfe Freude und ihre tiefe Armut in den Reichtum ihrer selbstlosen G\u00fcte.\u201c Die mazedonischen Christen wurden durch gro\u00dfe Not gepr\u00fcft. Und Paulus spricht von tiefer Armut. Wir wissen nicht genau, welche Probleme sie genau hatten. Aber wenn Paulus, der Misshandlung, Verfolgung, Gef\u00e4ngnis, Krankheit und Schiffbruch aus eigener Erfahrung kannte, von gro\u00dfer Not und tiefer Armut spricht, dann muss es wirklich schlimm gewesen sein. Es war sicherlich schlimmer noch, als heute inmitten einer Wirtschaftskrise arbeitslos zu werden; oder wenn man jeden Monat feststellen muss, dass das Gehalt kaum ausreicht, um die Miete und Lebenshaltungskosten zu decken. Ihre Freude war davon unber\u00fchrt. Sie waren fr\u00f6hliche Christen inmitten von Bedr\u00e4ngnissen und Problemen.<br \/>\nVielleicht ist ein Problem bei uns, dass unsere Freude zu oberfl\u00e4chlich ist. Wir freuen uns, wenn wir in Mathe eine 2+ geschrieben haben; wir freuen uns, wenn der Arbeitgeber uns eine Gehaltserh\u00f6hung gibt; wir freuen uns auf den Feierabend, wenn die Kinder im Bett sind und wir dann endlich anfangen k\u00f6nnen, in Ruhe Netflix zu schauen. Alles das ist an sich nicht schlimm. Aber die Freude, die die Christen damals hatten, war von einer v\u00f6llig anderen Qualit\u00e4t und Tiefe.<br \/>\nWie schaut es mit deiner Freude aus? Falls ihr f\u00fcr das neue Jahr noch keine Vors\u00e4tze habt und falls ihr noch offen seid f\u00fcr Vorschl\u00e4ge, wie w\u00e4re es damit (Slide 6): mit allem was wir haben und mit allem was wir sind, zu lernen, den Reichtum, den wir in Christus haben, zu genie\u00dfen und uns von Gott mit einer Freude erf\u00fcllen zu lassen, die die Welt nicht kennt und die durch keine Not und keine Probleme zunichte gemacht werden kann. Ein solches Leben ist biblisch, es verherrlicht Gott und es segnet die Mitmenschen.<\/p>\n<p><strong>Drittens, wie wir aufgrund des Reichtums leben sollten<\/strong><\/p>\n<p>Paulus schreibt in Vers 7: \u201eWie ihr aber in allen St\u00fccken reich seid, im Glauben und im Wort und in der Erkenntnis und in allem Eifer und in der Liebe, die wir in euch erweckt haben, so gebt auch reichlich bei dieser Wohltat.\u201c Der Reichtum in Christus inspiriert zu einem Leben, das gekennzeichnet ist von Gro\u00dfz\u00fcgigkeit. Es ist ein Leben, das im Gegensatz zu allem steht, was in dieser Welt \u00fcblich ist.<br \/>\nDie Welt sagt, dass wir reich sind, wenn wir viel haben. Das Evangelium sagt, dass wir viel haben, wenn wir viel geben. Die Welt sagt, dass wir gl\u00fccklich sind, wenn wir gesegnet sind. Das Evangelium sagt, dass wir gl\u00fccklich sind, wenn wir andere segnen. Die Welt sagt, dass wir auf unseren eigenen Vorteil bedacht sein sollten. Das Evangelium sagt, dass wir Gottes Reich und seiner Gerechtigkeit die Priorit\u00e4t geben d\u00fcrfen. Die Welt sagt, dass mit dem Tod alles aus ist. Das Evangelium sagt, dass diejenigen, die in Christus sind, leben werden, auch dann, wenn sie sterben. Und alles das f\u00fchrt zu einem gebenden und hingebenden Leben. Paulus schreibt in Vers 5 \u00fcber die Mazedonier: \u201eUnd noch in anderer Hinsicht \u00fcbertrafen sie unsere Erwartungen, denn vor allem anderen stellten sie sich selbst \u2013 in \u00dcbereinstimmung mit Gottes Willen \u2013 zun\u00e4chst dem Herrn und dann auch uns zur Verf\u00fcgung.\u201c Hingabe and Gott und Hingabe an Menschen war das Resultat.<br \/>\nVor etwas mehr als 100 Jahren gab es in New York eine deutsche Frau namens Lilian, durch die zwei junge schwarze Frauen zum Glauben an Jesus gekommen waren. Diese Frauen wollten Mitglieder in derselben Gemeinde werden, wo Lilian war. Aber aufgrund ihrer Hautfarbe waren sie in der Gemeinde nicht willkommen. Lilian hatte ein Herz f\u00fcr sie und machte ihnen das Angebot, dass sie nach Harlem kommen konnte, um dort mit ihnen in der Bibel zu lesen. Und wenn weitere Freunde von ihnen kommen w\u00fcrden, k\u00f6nnten sie in Harlem ihre eigene Gemeinde gr\u00fcnden. Dieser Plan von Lilian wurde in ihrer Gemeinde mit viel Argwohn und Ablehnung entgegengenommen. Der Verlobte von Lilian stellte sie vor der Wahl: entweder sie w\u00fcrde ihren Plan aufgeben, mit den schwarzen Frauen in Harlem in der Bibel zu lesen oder er w\u00fcrde die Verlobung aufl\u00f6sen.<br \/>\nLilian hatte eine schwierige Entscheidung zu treffen. Auf der einen Seite war es ihr Traum zu heiraten. Auf der anderen Seite las sie in der Bibel einen Vers aus Jesaja 54,1: \u201eFreue dich, du Unfruchtbare, die nie gebar, du, die nie in Wehen lag, brich in Jubel aus und jauchze! Denn die Einsame hat jetzt viel mehr Kinder als die Verm\u00e4hlte, spricht der HERR.\u201c (Unsere Schwester Birgit Steller wurde ebenfalls sehr durch diesen Vers angesprochen). Sie wurde durch dieses Wort bewegt, und danach war der Sachverhalt f\u00fcr sie klar. Die Verlobung wurde abgesagt, und sie ging nach Harlem, lehrte die Bibel. Ein Jahr sp\u00e4ter wurde dort eine Gemeinde gegr\u00fcndet, die heute etwa 1200 Mitglieder hat und die f\u00fcr viele Tausende von Menschen auf der ganzen Welt ein Segen wurde. Lilian hatte ihre Heirat geopfert. Und sie hat in der Tat viel mehr Kinder als sie durch eine Ehe h\u00e4tte haben k\u00f6nnen.<br \/>\nWisst ihr was das ist? Das ist die Logik des Evangeliums. Jesus wurde f\u00fcr uns arm, damit wir durch ihn reich werden. Diese Frau hatte den Reichtum Jesu. Weil sie diesen Reichtum hatte, konnte sie viele andere Menschen reich machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download F\u00fcr uns: reich durch Jesus \u201eDenn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich w\u00fcrdet.\u201c (2.Korinther 8,9) R. hat, wie ich finde, f\u00fcr diesen Gottesdienst einen wunderbaren Text und f\u00fcr diese Weihnachten ein wunderbares Thema ausgesucht. 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