{"id":9933,"date":"2020-11-29T11:00:10","date_gmt":"2020-11-29T10:00:10","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=9933"},"modified":"2022-11-18T12:19:14","modified_gmt":"2022-11-18T11:19:14","slug":"predigt-1-mose-271-46","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-mose-271-46\/","title":{"rendered":"Predigt: 1.Mose 27,1 &#8211; 46"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2020Gen-19a_2701-2746-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Der Kampf und den Segen und das Geschenk<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eDa entsetzte sich Isaak \u00fcber die Ma\u00dfen sehr und sprach: Wer? Wo ist denn der J\u00e4ger, der mir gebracht hat, und ich habe von allem gegessen, ehe du kamst, und habe ihn gesegnet? Er wird auch gesegnet bleiben.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">1.Mose 27,33<\/p>\n<p>Wir haben heute wieder eine faszinierende Geschichte, die auf faszinierende Art und Weise erz\u00e4hlt wird. Der Hebr\u00e4isch-Experte, der mich durch Genesis begleitet ist Robert Alter. Und Alter zeigt, dass der heutige Text eigentlich aus sieben Dialogen besteht: Isaak spricht mit seinem Lieblingssohn Esau; Rebekka spricht mit ihrem Lieblingssohn Jakob; dann Isaak und Jakob; dann wieder Isaak mit Esau, Rebekka mit Jakob, Rebekka mit Isaak und Isaak mit Jakob. Bei diesen sieben Dialogen ist sehr interessant, wer mit wem redet; und es ist aber auch sehr interessant zu sehen, wer nicht miteinander redet: Jakob redet nicht mit Esau, Rebekka redet nicht mit Esau. Isaak redet nur deshalb mit Jakob, weil er dachte, dass Jakob Esau ist. Und danach redete er weiter mit Jakob, weil Jakob ihn bereits erfolgreich \u00fcbers Ohr gehauen hatte und deshalb irgendwie alles zu sp\u00e4t war.<br \/>\nWarum geht es dann in der Geschichte? Aber wir haben nicht nur sieben Dialoge. Das Wort Segen wird sieben Mal im Text erw\u00e4hnt. Und das ist bestimmt kein Zufall. Es geht um den Segen. Wir wollen \u00fcber drei Fragen zum Segen nachdenken. Zum einen, was sich hinter dem Segen verbirgt; als zweites, welche Kosten wir auf uns nehmen, um den Segen zu erlangen; drittens, wie wir den Segen bekommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Erstens, was sich hinter dem Segen verbirgt<\/strong><br \/>\nIsaak war blind geworden und dachte, dass er bald sterben w\u00fcrde. In Wirklichkeit hatte er noch einige Jahrzehnte Lebenszeit vor sich. Er gab seinem Sohn Esau den Auftrag, ein Tier zu jagen: \u201eBereite mir dann ein leckeres Mahl, wie ich es gern mag, und bring es mir! Dann will ich essen, damit meine Lebenskraft dich segne, bevor ich sterbe.\u201c Die meisten von uns haben eine ungef\u00e4hre Ahnung, was Segen ist. Was immer der Segen ist, wir wissen, dass es etwas Positives und etwas Sch\u00f6nes ist. Segen ist etwas Gutes; es ist mit Reichtum verbunden. Wir wissen, dass es etwas ist, f\u00fcr das man durchaus die ein oder andere Anstrengung in Kauf nehmen kann.<br \/>\nDer heutige Text zeigt uns aber noch etwas konkreter, was dieser Segen ist. In den Versen 27-28 sehen wir, dass der Segen einen materiellen Bonus hatte (Einheits\u00fcbersetzung): \u201eIsaak roch den Duft seiner Gew\u00e4nder, er segnete ihn und sagte: Siehe, mein Sohn duftet wie das Feld, das der HERR gesegnet hat. Gott gebe dir vom Tau des Himmels, vom Fett der Erde, viel Korn und Most.\u201c Aber das war nicht alles. Es hatte einen geschichtlichen Aspekt f\u00fcr die Zukunft. Vers 29 sagt: \u201eV\u00f6lker sollen dir dienen, Nationen sich vor dir niederwerfen. Sei Herr \u00fcber deine Br\u00fcder. Die S\u00f6hne deiner Mutter sollen dir huldigen. Verflicht, wer dich verflucht. Gesegnet, wer dich segnet.\u201c<br \/>\nUnd noch etwas f\u00e4llt uns an dem Segen auf. Esau kommt wenig sp\u00e4ter und will den Segen seines Vaters. Wir als westliche Leser k\u00f6nnten an dieser Stelle denken, dass es doch ganz einfach sein m\u00fcsste. Isaak k\u00f6nnte hier sagen: \u201eIch wurde auf schamvolle Weise betrogen. Hiermit nehme ich den f\u00e4lschlich erteilten Segen zur\u00fcck.\u201c Aber genau das ist es, was hier nicht geschieht. Isaak ist entsetzt, als er merkt, wen er versehentlich gesegnet hat. Wenn es jemand geben w\u00fcrde, der mit sofortiger Wirkung seine Taten und Worte r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht h\u00e4tte sofern dies m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, Isaak w\u00e4re vermutlich dieser Mann gewesen. Aber er tut es nicht, weil er es nicht kann. Stattdessen sagt er: \u201eWer? Wo ist denn der J\u00e4ger, der mir gebracht hat, und ich habe von allem gegessen, ehe du kamst, und hab ihn gesegnet? Er wird auch gesegnet bleiben.\u201c D.h., der Segen, den Jakob sich hier unter den Nagel gerissen hat, hat etwas Unwiderrufliches an sich. Er ist fortan der Gesegnete. Niemand, noch nicht einmal sein Vater, kann ihm das wieder streitig machen.<br \/>\nNoch ein Punkt, auf den uns unser Text aufmerksam macht: in Vers 36 sagt Esau: \u201eEr hat mich jetzt schon zweimal betrogen: Mein Erstgeburtsrecht hat er mir genommen, jetzt nimmt er mir auch noch den Segen.\u201c F\u00fcr Esau waren der Segen und das Recht des Erstgeborenen zwei Paar Schuhe. Der Autor vom Hebr\u00e4erbrief schrieb folgendes: \u201edass keiner unz\u00fcchtig ist oder gottlos wie Esau, der f\u00fcr eine einzige Mahlzeit sein Erstgeburtsrecht verkaufte! Ihr wisst auch, dass er verworfen wurde, als er sp\u00e4ter den Segen erben wollte; denn er fand keinen Raum zur Umkehr, obgleich er unter Tr\u00e4nen danach suchte.\u201c F\u00fcr den Schreiber von Hebr\u00e4erbrief waren das Erstgeburtsrecht und der Segen ein und dasselbe; oder anders gesagt, beide geh\u00f6rten untrennbar zusammen. Das Eine ging nicht ohne das andere. Bruce Waltke fasst in seinem Kommentar zusammen: \u201eBeide beziehen sich auf die Erbrechte des Erstgeborenen &#8211; das Geburtsrecht, auf Eigentum; der Segen, auf g\u00f6ttliche Macht, Wohlstand und Herrschaft. Zusammen machen sie den Erben zum prim\u00e4ren Tr\u00e4ger des Familienerbes, sowohl wirtschaftlich, sozial und religi\u00f6s.\u201c Das ist es was Jakob wollte und was Esau verachtet hatte. Der Segen bietet Sicherheit, Bedeutung, Identit\u00e4t und ist unwiderruflich.<br \/>\nBevor wir fortfahren, m\u00f6chte ich gerne an dieser Stelle festhalten, dass wir alle, jeder einzelne von uns, auf der Suche nach Segen sind. Vielleicht verwenden wir nicht dieses Wort. Aber es ist genau das, wonach wir suchen. Der Segen verleiht eine Sicherheit in unsicheren Zeiten. In Zeiten einer globalen Pandemie und den damit verbundenen Wirtschaftskrisen ist das etwas, was wir uns mehr denn je w\u00fcnschen. Der Segen verleiht Bedeutung: Jakob ist als Tr\u00e4ger des Segens in die Geschichte eingegangen; er ist einer der drei Patriarchen, der in einem Atemzug mit seinen gro\u00dfen V\u00e4tern Abraham und Isaak genannt wird. Wir werden zwar nicht die Ber\u00fchmtheit erlangen wie Jakob es tat. Und doch wollen wir Bedeutung. Wir wollen, dass unser Leben einen Sinn hat; dass es einen Unterschied macht. Wir alle wollen besonders sein. Der Segen verleiht Identit\u00e4t. F\u00fcr Jakob bedeutete es, der rechtm\u00e4\u00dfige Erbe zu sein. Wir alle sehnen uns nach wahrer Identit\u00e4t. Wir sind besessen danach, eine ad\u00e4quate Antwort auf die Frage zu finden: \u201ewer bin ich eigentlich?\u201c Und die damit verbundenen Fragen: \u201eWas ist mein einzigartiger Platz in der Familie, in der Gesellschaft in der Geschichte? Was ist es, was mich ausmacht?\u201c Wir alle wollen jemand sein.<br \/>\nWir alle sind auf der Suche nach etwas, was unwiderruflich ist. Hier ist ein Beispiel: der erfolgreichste deutsche Basketballer aller Zeiten ist ohne Zweifel Dirk Nowitzki. Er spielte mehr als 20 Jahre in den USA in der besten Basketball-Liga der Welt. Er hatte viele individuelle Erfolge. Aber lange Zeit war er nicht in der Lage, eine Meisterschaft zu gewinnen. Die Meisterschaft ist der ultimative Beweis, dass man im Sport alles erreicht hat. Daran war er immer wieder gescheitert. Viele dachten, dass er ein Unvollendeter bleiben wird: ein guter Basketballer, dem aber der letzte Biss fehlt, um zu den Gr\u00f6\u00dften des Sports zu geh\u00f6ren. Aber dann kam das Jahr 2011. Nowitzki spielte mit einem Team von Underdogs und Oldtimern gegen die jungen, talentierten und favorisierten Miami Heat, die drei Superstars in ihren Reihen hatten. Im Finale spielte Nowitzki mit einer gerissenen Sehne im linken Mittelfinger und mit einem Infekt. Als er endlich den ersten und einzigen Meistertitel gewinnt, sagt er selbst: \u201eDas kann mir niemand mehr wegnehmen. Das ist wirklich das Beste daran.\u201c Das waren seine Worte.<br \/>\nDer Segen tut noch etwas. Es ist eine Validierung f\u00fcr uns selbst. Stellen wir uns einen Studenten vor, der gut in Chemie ist. Alle Kommilitonen k\u00f6nnen das best\u00e4tigen. Das f\u00fchlt sich sicherlich gut an. Aber es macht einen riesigen Unterschied, ob das ein paar Mitstudenten von hunderten von Studenten im Jahrgang sagen, oder ob das der gro\u00dfe, landesweit bekannte Professor sagt, nach einer m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung. (Es gab ein Pr\u00fcfungsprotokoll von einer Chemiepr\u00fcfung. Der Professor hatte eine spezielle und besonders schwierige Frage, mit der er die Studenten auseinandergenommen hatte. Ein Student hatte sich auf diese Frage besonders gut vorbereitet. Die Pr\u00fcfung kam, und auf dem H\u00f6hepunkt der Pr\u00fcfung fragte er Professor seine Frage. Der Student gab seine gut vorbereitete Antwort. Der Professor war erstaunt. Er drehte sich zum Beisitzer und sagte: \u201eer wusste es tats\u00e4chlich\u2026\u201c Der Student berichtete im Protokoll: \u201evon diesem Moment an konnte ich in der Pr\u00fcfung sagen, was ich wollte. Die Pr\u00fcfung war praktisch schon gelaufen. Die Note stand bereits fest.\u201c)<br \/>\nNat\u00fcrlich lieben wir es Komplimente zu bekommen. Wir lieben es gelobt zu werden. Aber es gibt Lob, das wir viel mehr sch\u00e4tzen als das Lob von anderen: es ist das Lob von den Menschen, die wir anhimmeln und zu denen wir heraufschauen. Es ist das Lob von Menschen, die wir als echte Autorit\u00e4ten und Experten auf einem Gebiet sch\u00e4tzen. Wir sch\u00e4tzen das Lob von den Menschen, die wir selbst loben. Wer sind diese Leute? Es k\u00f6nnen unsere Lehrer und Professoren sein. Sehr oft sind es Menschen vom anderen Geschlecht, zu denen wir uns hingezogen f\u00fchlen. Und sehr, sehr oft sind es unsere Eltern. Wir wollen, dass unsere Eltern stolz auf uns sind.<br \/>\nF\u00fcr Jakob war es definitiv sein Vater. Jakob hatte definitiv \u201eDaddy Issues\u201c, einen Vaterkomplex. Zeit seines Lebens stand er im Schatten seines \u00e4lteren Bruders. Esau war k\u00f6rperlich st\u00e4rker, ein richtiger Mann, ein Athlet. Esau war der mit dem Waschbrettbauch und dem V-R\u00fccken, er hatte im Schwimmen das Goldabzeichen, bevor er Bezirksmeister im Fu\u00dfball wurde und im Sport-Abitur seine 15 Punkte holte. Isaak war stolz auf seinen starken, durchtrainierten Sohn, dessen Schrank voller Pokale war. Jakob war abgeh\u00e4ngt. Seine einzige Bronzemedaille konnte seinem Vater nicht einmal ein m\u00fcdes L\u00e4cheln abgewinnen. Als Jakob aber den Segen einheimste, da stand er ganz im Zentrum der Aufmerksamkeit seines Vaters. In diesem kurzen Moment war er es, der das ganze Wohlwollen, die ganze Akzeptanz und Annahme und den Respekt seines Vaters bekam. Es war die Validierung, die er sich immer gew\u00fcnscht h\u00e4tte.<br \/>\nUnd das ist es, was wir wollen. Wir wollen validiert werden. Wir wollen, dass die Menschen, zu denen wir aufblicken, uns Anerkennung geben und uns sagen: \u201eDu bist angenommen. Du bist geliebt. Du bist etwas ganz Besonderes.\u201c Wir alle wollen den Segen. Keine Frage.<\/p>\n<p><strong>Zweitens, welche Kosten wir auf uns nehmen, um den Segen zu erlangen<\/strong><br \/>\nWas taten Rebekka und Jakob genau? Sie mussten schneller sein als Esau. Also wurden schnell zwei Tiere aus der Herde geschlachtet und gekocht. Rebekka sagte: \u201eBring es deinem Vater! Dann wird er essen, damit er dich vor seinem Tod segnet.\u201c Jakobs Einwand ist, dass er und Esau sehr verschieden sind, angefangen mit ihrer K\u00f6rperbehaarung. D.h., als Rebekka Jakob vorschl\u00e4gt, wie sie zusammen den blinden Isaak hinters Licht f\u00fchren und betr\u00fcgen k\u00f6nnen, ist Jakobs Reaktion: \u201eIch habe keine Probleme damit, Papa anzul\u00fcgen. Aber was ist, wenn er mich dabei erwischt?\u201c Jakob hatte keine Skrupel und Hemmungen zu betr\u00fcgen. Er hatte nur etwas Furcht vor den Konsequenzen, wenn der Schwindel auffliegen w\u00fcrde.<br \/>\nJakob bekommt die Felle von den Ziegen umgebunden. Er l\u00fcgt seinen Vater mehrmals an: \u201eIch bin Esau, dein erstgeborener Sohn; ich habe getan, wie du mir gesagt hast.\u201c \u201eDer HERR, dein Gott, bescherte mir\u2019s.\u201c Auf die Frage von Isaak \u201eBist du mein Sohn Esau?\u201c die L\u00fcge: \u201eJa, ich bin\u2019s.\u201c Und auf dem H\u00f6hepunkt der Begegnung will Isaak ein Kuss von seinem Sohn. Es ist f\u00fcr Isaak die letzte Gelegenheit, zu pr\u00fcfen, ob er wirklich mit Esau spricht. Er riecht die Kleider. Sie riechen nach Feld und Natur.<br \/>\nWie kam Jakob also an seinen Segen? Er erschlich sich den Segen, indem er sich als seinen Bruder ausgab: er hatte sich verkleidet, er musste versuchen so zu tun, so zu sprechen und so zu riechen wie sein \u00e4lterer Bruder. Er war also nicht er selbst. Er verstellte sich.<br \/>\nTim Keller sagte, dass das auch die Art und Weise ist, wie wir versuchen, an den Segen zu kommen: wir verstellen uns ebenfalls. Als ich im Gymnasium war, war ich auf einigen Partys. Ich trank wie die anderen, ich tanzte wie die anderen, oder zumindest versuchte ich es. Und wisst ihr was? Ich hatte es gehasst wie die Pest. Ich hasste die Musik, ich fand dadurch keine neuen oder besseren Freunde, ich hatte einfach nur eine hundsmiserable Zeit. Ich hatte mich verstellt, um zu versuchen, dazu zu geh\u00f6ren. Frage an euch: wie authentisch seid ihr? Wer von euch hat sich schon mal verstellt, einfach nur, um von den anderen akzeptiert zu werden?<br \/>\nUnd vielleicht verstellen sich manche von uns auf religi\u00f6se Art und Weise. Wir tun so, als ob in unserem Glaubensleben alles in Ordnung ist, obwohl wir wissen, dass es eigentlich nicht wirklich in Ordnung ist. Wir tun so, als ob es in unseren Familien rund l\u00e4uft, obwohl unsere Familien dysfunktional sind. Wir tun so, als ob wir nur kleine Problemchen hier und da haben, obwohl wir eigentlich wissen, wie wenig wir unsere wahren Probleme unter Kontrolle haben. Oder wer von euch hatte schon einmal solche Gedanken wie: \u201eich wei\u00df, dass ich ein paar Schw\u00e4chen und Macken habe. Aber sooo schlimm bin ich ja auch wieder nicht. Im Vergleich mit den anderen bin ich doch ganz okay.\u201c Und das ist auch eine Art, sich zu verkleiden, so zu tun als ob. Und wir betr\u00fcgen uns dabei selbst.<br \/>\nWas ist die Konsequenz dessen, wenn wir uns etwas Segen erhaschen, indem wir uns verstellen? Was war die Konsequenz bei Jakob? Die Folgen waren viel Leid und viel Schmerz. Jakob hinterlie\u00df ein Tr\u00fcmmerfeld. Seine Beziehung mit Esau war endg\u00fcltig zerbrochen, so dass er umziehen musste. Wir k\u00f6nnen uns nur vorstellen, wie die Beziehung zu seinem Vater ausgesehen haben musste. Und Jakob verlie\u00df seine Mutter: den Elternteil, mit dem er sich am besten verstanden hatte. Beide w\u00fcrden sich nicht mehr wiedersehen k\u00f6nnen. Jakob erfuhr das, was C.S. Lewis im Buch Perelandra beschrieben hatte: \u201eAber nehmen wir an, du k\u00e4mpfst dich zum Guten durch und stellst fest, dass auch das schrecklich ist? Was w\u00e4re, wenn sich das Essen selbst als gerade das herausstellt, was man nicht essen kann, und das Zuhause als der Ort, an dem man nicht leben kann, und dein Trost die Person, die dir Unbehagen bereitet? Dann ist in der Tat keine Rettung mehr m\u00f6glich: die letzte Karte ist ausgespielt worden.\u201c<br \/>\nJakob hatte den Segen irgendwie. Und doch konnte er nicht wirklich gl\u00fccklich sein. Es musste f\u00fcr ihn zutiefst unbefriedigend sein. Und vielleicht ist das auch unsere Erfahrung? Was ist dann die L\u00f6sung?<\/p>\n<p><strong>Drittens, wie wir den Segen doch bekommen k\u00f6nnen<\/strong><br \/>\nIm heutigen Text sind vier Personen beteiligt. Keiner von den vier Personen hinterl\u00e4sst eine gute Figur. Derek Kidner schreibt in seinem wunderbaren Kommentar: \u201eEsau hatte sein Anrecht auf den Segen des Erstgeborenen weggehandelt. \u2026 Isaak, ob er von dem Verkauf wusste oder nicht, kannte doch die Prophezeiung Gottes bei der Geburt; trotzdem war Isaak entschlossen, Gottes Macht zu nutzen, um das zu vereiteln. Das ist die Perspektive der Zauberei und nicht der Religion. Esau brach seinen Eid, indem er mit diesem Plan \u00fcbereinstimmte. Rebekka und Jakob hatten das rechte Anliegen, aber gingen weder auf Gott noch auf Menschen zu, machten keine Gesten des Glaubens oder der Liebe und ernteten die entsprechende Frucht des Hasses.\u201c<br \/>\nEin Punkt, den wir wirklich verstehen und verinnerlichen m\u00fcssen: wir lesen diese Geschichten nicht, um moralische Schl\u00fcsse f\u00fcr unser Leben zu ziehen, wie z.B. \u201esei ein Mann des Glaubens wie Jakob.\u201c Nein! Das, was wir aus der Geschichte mitnehmen sollen, ist die gn\u00e4dige Wirksamkeit Gottes trotz widrigster Umst\u00e4nde. Gott hat Jakob gesegnet, nicht weil Jakob ein Betr\u00fcger war, sondern trotz der Tatsache. Wir sehen, dass Gott die Familie von Isaak gebraucht hat, obwohl die Familie ein einziges Desaster war. Wir sehen, dass Gott sich von seinen guten Pl\u00e4nen nicht abbringen lie\u00df, obwohl alle vier Protagonisten alles taten, um sich gegenseitig zu sabotieren. Und diese Geschichte weist auf etwas hin. Sie weist uns auf die Schl\u00fcsselperson hin, durch welche am Ende des Tages alle Menschen gesegnet werden k\u00f6nnen, wenn sie es wollen.<br \/>\nJesus ist der einzige Sohn Gottes, der geliebte Sohn, der wahre Erstgeborene. Wir haben versucht, unseren Segen dadurch einzuheimsen, indem wir uns als jemand anderes ausgegeben haben. Das Wunder ist, dass Jesus sich ebenfalls verkleidet. Jesus wurde so wie wir. Jesus gab sich als uns aus: schwach und arm und krank, in der Gestalt eines Sklaven. Nicht nur das, Jesus gab seinen Platz beim Vater auf: sein Privileg, sein Ansehen beim Vater, das Wohlwollen, die Gunst des Vaters und seinen Segen. Er gab es alles auf, um so zu werden wie wir. Der H\u00f6hepunkt der Ablehnung, der Gipfel des Hasses ist der Tod des geliebten Sohnes am Kreuz. Jesus wurde vom Vater verschm\u00e4ht, damit wir, die wir beim Vater angenommen sind: wir, die wir unw\u00fcrdig, s\u00fcndig, lieblos, unbeholfen und gefallen sind. Mit anderen Worten: der Segen, den wir immer haben wollten, er geh\u00f6rt uns. Gott schenkt uns den Segen in Jesus Christus durch das, was Jesus f\u00fcr uns vollbracht hat. Der Segen Gottes ist seine Gnade. Der Segen ist sein Geschenk, um das wir uns nicht verdient gemacht haben.<br \/>\nWas ist die Anwendung dann? Wir sind eine Gemeinde, in der es an Einheit fehlt, was unsere gemeinsame Identit\u00e4t ist und unsere Vision und Mission. Was ich mir w\u00fcnsche ist, dass wir im kommenden Jahr einiges an Aufbauarbeit gemeinsam bewerkstelligen k\u00f6nnen; dass wir wieder anfangen k\u00f6nnen, ein Bewusstsein daf\u00fcr zu haben, dass wir eine unglaublich starke Identit\u00e4t haben. Das, was uns miteinander verbindet ist viel gr\u00f6\u00dfer und st\u00e4rker als das, was uns voneinander unterscheidet und trennt. Uns verbindet, dass wir den Segen Gottes haben; uns verbindet, dass wir allesamt von Gott geliebt sind; uns verbindet, dass Gott seinen Sohn versto\u00dfen hat, damit wir die Rolle seines geliebten Sohnes einnehmen k\u00f6nnen.<br \/>\nUnd verbindet, dass wir gemeinsam berufen sind, den Kampf des Glaubens zu f\u00fchren. Aber hier ist absolut Entscheidende: wir k\u00e4mpfen nicht wie Jakob und Esau. Wir k\u00e4mpfen nicht, um den Segen zu erlangen. Wir k\u00e4mpfen nicht, um Gott gef\u00e4llig zu werden, damit er uns segnet. Diesen Kampf hat Jesus f\u00fcr uns gek\u00e4mpft. Jesus hat bereits f\u00fcr uns gewonnen, als er unsere S\u00fcnde ins Grab genommen hat und am dritten Tage auferstand. Unser Kampf ist ein anderer. Unser Ringen besteht darin: mit all unseren intellektuellen F\u00e4higkeiten zu verstehen, mit all unseren Sinnen zu erkennen, mit unserem ganzen Leben zu erfahren, wie sehr wir geliebt sind und wie sehr wir gesegnet sind. Wir k\u00e4mpfen, uns neu von der Liebe Gottes \u00fcberw\u00e4ltigen zu lassen, aufs Neue zu h\u00f6ren, wie Gott zu uns spricht: \u201eDu bist mein geliebter Sohn; du bist meine geliebte Tochter. Ich liebe dich \u00fcber alles. Der Himmel steht dir offen. Du bist unendlich reich gesegnet.\u201c<br \/>\nMein Wunsch ist, dass wir das als Individuen und als Gemeinschaft neu erfahren. Wir werden kein Segen f\u00fcr die anderen sein k\u00f6nnen ohne das.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Der Kampf und den Segen und das Geschenk \u201eDa entsetzte sich Isaak \u00fcber die Ma\u00dfen sehr und sprach: Wer? Wo ist denn der J\u00e4ger, der mir gebracht hat, und ich habe von allem gegessen, ehe du kamst, und habe ihn gesegnet? Er wird auch gesegnet bleiben.\u201c 1.Mose 27,33 Wir haben heute wieder eine faszinierende [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[37,4],"tags":[],"class_list":["post-9933","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-1-mose","category-predigt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9933","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9933"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9933\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9935,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9933\/revisions\/9935"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9933"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9933"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9933"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}