{"id":9916,"date":"2020-11-08T11:00:02","date_gmt":"2020-11-08T10:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=9916"},"modified":"2022-11-18T12:19:16","modified_gmt":"2022-11-18T11:19:16","slug":"predigt-1-mose-251-34","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-mose-251-34\/","title":{"rendered":"Predigt: 1.Mose 25,1 &#8211; 34"},"content":{"rendered":"<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2020Gen-18a_2501-2534.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a>\r\n<h2 style=\"text-align: center;\">Gottes Geschichte mit Abraham, Isaak und Jakob<\/h2>\r\n<h3 style=\"text-align: center;\">Und es geschah nach dem Tod Abrahams, da segnete Gott seinen Sohn Isaak. Und Isaak wohnte bei dem \u201eBrunnen des Lebendigen, der [mich] sieht\u201c<\/h3>\r\n<p style=\"text-align: center;\">(1.Mose 22,11)<\/p>\r\nDie Bibel setzt im Vergleich zu s\u00e4kularen Geschichtsb\u00fcchern ganz andere Schwerpunkte. W\u00e4hrend Letztere viel \u00fcber die damaligen Reiche und deren Herrscher berichten, erw\u00e4hnt die Bibel sie nur am Rande, daf\u00fcr aber sehr ausf\u00fchrlich die Geschichte Israels \u2013 die Geschichte eines Volkes, das in der Geschichtsschreibung kaum Beachtung findet. Genauso wenig die Person Abraham. Die Bibel hingegen berichtet \u00fcber ihn etwa 14 Kapitel lang. Warum diese unterschiedliche Schwerpunktsetzung? Die Bibel behandelt nicht irgendeine menschliche Geschichte, sondern Gottes Geschichte mit uns Menschen. Vom 1. Buch Mose bis zum Buch der Offenbarung geht es um Gottes Geschichte mit uns. Und eben in dieser Geschichte spielte Abrahams Leben eine sehr wichtige Rolle. Von ihm sollte der Nachkomme kommen, durch den alle V\u00f6lker gesegnet werden. In dem heutigen Text erfahren wir, wie diese bedeutende Geschichte Abrahams zu Ende ging und gleichzeitig wie Gott Seine Geschichte in den nachfolgenden Generationen fortsetzte. Drei Fragen sollen uns bei der Betrachtung des Textes helfen:\r\n<p style=\"padding-left: 40px;\">1. Wie endete Gottes Geschichte mit Abraham?\r\n2. Wie setzte Gott die bereits begonnene Geschichte mit Isaak fort?\r\n3. Wie begann Gott die Geschichte mit Jakob?<\/p>\r\n<strong>Teil 1: Das Ende von Gottes Geschichte mit Abraham (V. 1 \u2013 10)<\/strong>\r\nIm Vers 1 erfahren wir, dass Abraham erneut geheiratet hat. Mit einer Frau namens Ketura zeugte er sechs S\u00f6hne. Aus ihnen gingen verschiedene V\u00f6lker hervor. Warum Abraham noch mit \u00fcber 100 Jahren geheiratet hatte, wissen wir nicht. Jedenfalls nutzte Gott diese Wiederheirat von Abraham, um eine seiner Verhei\u00dfungen an ihn wahr zu machen, n\u00e4mlich die Verhei\u00dfung, ihn zum Vater vieler V\u00f6lker zu machen. Vielleicht hat Abraham aus dem Glauben an diese Berufung noch einmal geheiratet. Jedenfalls kam die F\u00e4higkeit, noch in diesem Alter Kinder zu zeugen, von Gott.\r\nUnter den S\u00f6hnen Abrahams nahm Isaak eine Sonderstellung ein. Isaak erhielt das gesamte Erbe, w\u00e4hrend die anderen nur Geschenke von Abraham bekamen und in den Osten fortgeschickt wurden. Die Sonderstellung Isaaks zeigt sich auch darin, dass sowohl Hagar als auch Ketura im Vers 6 als Nebenfrauen bezeichnet werden. Auch bei der Aufz\u00e4hlung der Nachkommen Keturas im Buch der Chronik wird Ketura als Nebenfrau Abrahams bezeichnet (1. Chr. 1,32). Ketura war nicht einfach Abrahams zweite Ehefrau nach Sarah und Isaak nicht einfach nur der Lieblingssohn von Abraham. Indem Abraham die anderen S\u00f6hne wegschickte und nur Isaak das Erbe gab, handelte Abraham ganz im Sinne des Wortes: denn nach Isaak soll dein Geschlecht genannt werden (1. Mo 21,12). Dieses Wort war an Abraham ergangen, als er Ismael aus dem Haus vertreiben sollte, damit Isaak als einziger Erbe bestehen bleibt. Seine S\u00f6hne wegzuschicken, fiel Abraham sicherlich nicht leicht. Wir k\u00f6nnen das bei der Austreibung Ismaels sehen (vgl. 1. Mo 21,10-12). Aber Abraham handelte nicht nach famili\u00e4ren Interessen, sondern nach Gottes Plan f\u00fcr ihn und seiner Nachkommenschaft. Abraham lebte bis ans Ende seines Lebens im Bewusstsein, dass sein Leben eingebunden ist in die Heilsgeschichte Gottes.\r\nAbraham war 75 Jahre alt, als er den Ruf Gottes vernahm. Er war 175 Jahre alt, als er starb. Abraham lebte also 100 Jahre als Nomade oder Halbnomade. Sp\u00e4ter sollten die Israeliten bei der Darbringung der Erstlingsfr\u00fcchte sagen: \u201eMein Vater war ein umherirrender Aram\u00e4er\u201c (5. Mo 26,5). Abraham lebte das Leben eines Heimatlosen. Abraham hatte kein bequemes Leben gehabt. Es war ein Leben voller Herausforderungen gewesen. Und das schon gleich zu Beginn: Gott hatte Abraham dazu herausgefordert, alles hinter sich zu lassen. Seine Verwandtschaft, seine Heimat, seine Sicherheit, alles. Aber dennoch hei\u00dft es am Ende \u00fcber sein Leben: Und Abraham verschied und starb in gutem Alter, alt und lebenssatt (V.8). Das hebr. Wort f\u00fcr \u201ealt\u201c meint nicht einfach nur hohes Alter, sondern \u201edurch Erfahrungen gepr\u00e4gt\u201c. Und was bedeutet \u201esatt\u201c? In einem Kommentar hierzu hei\u00dft es:\r\n<p style=\"padding-left: 40px;\">\u201esatt\u201c ist der Gegensatz von \u201ehungrig\u201c. Der Satte hat keinen Hunger mehr. Der satte Mensch ist befriedigt. Er (\u2026) hat die Erf\u00fcllung dessen erlebt, was von Gott her in seinem Leben angelegt war\u201c 1<\/p>\r\nIn seinem Leben hatte Abraham erfahren, dass Gott st\u00fcck f\u00fcr st\u00fcck seine Verhei\u00dfungen an ihn erf\u00fcllte, insbesondere die Verhei\u00dfung seines Sohnes, auf den er 25 Jahre lang gewartet hatte. Im Laufe seines Lebens hatte Abraham Gott immer mehr kennengelernt und immer mehr verstanden, dass Gott selbst und Gottes Plan f\u00fcr Sein Leben das sind, was ein Leben erf\u00fcllt. Dar\u00fcber hinaus hatte Gott Abraham mit vielen irdischen G\u00fctern beschenkt. Daher endete Gottes Geschichte mit Abraham in viel Segen und Zufriedenheit.\r\nIm Vers 11 erfahren wir, dass Gott die Geschichte, die er mit Abraham begann, mit Isaak fortsetzte. Lasst uns im zweiten Teil betrachten, wie Er es tat.\r\n\r\n<strong>Teil 2: Die Fortsetzung von Gottes Geschichte mit Isaak (V. 11 &#8211; 21)<\/strong>\r\nVon Isaak haben wir bereits in den vorausgegangenen Kapiteln erfahren. Bei der Heirat mit Rebekka hatte Isaak ganz konkret Gottes F\u00fchrung erlebt gehabt. Gott hatte bereits seine Geschichte mit Isaak begonnen. Der heutige Text berichtet davon, wie sich diese Geschichte fortgesetzt hatte. Im Vers 11 hei\u00dft es schlicht: \u201enach dem Tod Abrahams, da segnete Gott seinen Sohn Isaak\u201c. Isaak wurde gesegnet.\r\nWie reagierte Isaak auf diese Gnade? Am Ende von Vers 11 hei\u00dft es: \u201eUnd er wohnte bei dem \u201eBrunnen des Lebendigen, der mich sieht.\u201c Wenn die Bibel am Satzanfang das W\u00f6rtchen \u201eund\u201c gebraucht, stellt sie damit -zumindest h\u00e4ufig- einen kausalen Zusammenhang zum vorausgegangenen Satz her. Wir kennen das auch aus anderen Stellen der Bibel, z.B. im Zusammenhang des Weltmissionsbefehls. Jesus sagte: \u201e\u2026lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit!\u201c (Mt 28,20). Mit dem Wort \u201eund\u201c versprach Jesus seinen J\u00fcngern, bei der Ausf\u00fchrung des Weltmissionsbefehls mit ihnen zu sein. Dass Isaak bei dem \u201eBrunnen des Lebendigen wohnte, der mich sieht\u201c war seine Reaktion auf den Segen Gottes in seinem Leben. Vers 11 macht also nicht nur eine \u00e4u\u00dfere Angabe \u00fcber Isaaks Wohnort, sondern auch eine Aussage \u00fcber Isaaks geistliche Ausrichtung. Isaak, der den Segen Gottes erfahren hatte, wollte in der Gegenwart Gottes leben. Isaak w\u00e4hlte einen Ort, mit dem er sich pers\u00f6nlich identifizieren konnte. Es ist ja von einem \u201eBrunnen des Lebendigen, der mich sieht\u201c die Rede. Isaak hatte Gott als einen lebendigen Gott erlebt. Isaak kannte Gott also nicht nur aus den Erz\u00e4hlungen Seines Vaters, sondern auch ganz pers\u00f6nlich. Isaak wusste: Gott lebt. Und wer wei\u00df, dass Gott lebt, der wei\u00df auch, dass Gott ihn sieht. Zu wissen, dass Gott einen sieht, ist gleichbedeutend damit, zu wissen, dass Gott alle eigenen Probleme, Sorgen, \u00c4ngste und Belastungen kennt. Es ist die Gewissheit, nicht allein zu sein, nicht von Gott vergessen zu sein. Gott ist da und kann helfen.\r\nDass Gott ihn sieht, hatte Isaak ganz deutlich in seinem Leben erfahren. Hiervon berichten die V. 20 und 21: Als sich herausstellte, dass seine Frau Rebekka unfruchtbar war, brachte Isaak dieses Problem im Gebet zu Gott. Isaak betete und betete und\u2026 betete. Im Vers 26 erfahren wir, dass Isaak sage und schreibe 20 Jahre f\u00fcr dieses Anliegen gebetet haben muss! Aber dann kam endlich die Gebetserh\u00f6rung: Gott schenkte Isaak und Rebekka zwei S\u00f6hne. Isaak hatte erfahren: W\u00e4hrend der 20 Jahren hatte Gott das Problem von Isaak und Rebekka nicht aus den Augen gelassen. Er dachte daran und l\u00f6ste es zu seiner Zeit. Gott hatte sie nicht vergessen. Diese Erfahrung hatte sicherlich dazu beigetragen, dass Isaak an einem Gott glaubte, der ihn sieht2.\r\nWeil er so glaubte, konnte Isaak in der Abh\u00e4ngigkeit von Gott leben. Wir sehen das auch in der Auseinandersetzung mit den Hirten von Gerar. Jedes Mal wenn die Hirten die Brunnen von Isaak f\u00fcr sich beanspruchten, zog Isaak weg und grub einen weiteren Brunnen. Obwohl Isaak zu dem Zeitpunkt sehr m\u00e4chtig gewesen war, gab er nach, anstelle mit ihnen zu k\u00e4mpfen. Dies tat er so lange, bis er auf einen Brunnen stie\u00df, \u00fcber den die Hirten von Gerar nicht stritten. Isaak sagte: \u201eNun hat uns der HERR einen weiten Raum gemacht, damit wir fruchtbar sein k\u00f6nnen im Land\u201c (1. Mo 26,22b). \u00dcber Ismael hingegen hei\u00dft es am Ende von Vers 18: \u201eSo setzte er sich allen seinen Br\u00fcdern vors Gesicht\u201c Es trat ein, was Gott Hagar bei ihrer Schwangerschaft schon vorausgesagt hatte: \u201eUnd er, er wird ein Mensch wie ein Wildesel sein; seine Hand gegen alle und die Hand aller gegen ihn, und allen seinen Br\u00fcdern setzt er sich vors Gesicht (1. Mo 16,12).\u201c Anders als Isaaks Leben war Ismaels Leben nicht von der Abh\u00e4ngigkeit von Gott, sondern von einem Leben auf eigener Faust gekennzeichnet. Im Vers 16 erfahren wir, dass aus ihm zw\u00f6lf F\u00fcrsten hervorgingen. Damit hatte Gott seine Verhei\u00dfung an Hagar, Ismael zu einem gro\u00dfen Volk zu machen, erf\u00fcllt. Zwar hatte Gott auch Ismael gesegnet. Aber doch war dies allein ein irdischer Segen. Isaaks Nachkommenschaft hingegen sollte von geistlicher Bedeutung f\u00fcr die ganze Welt werden. Sowohl \u00fcber Isaak als auch \u00fcber Ismael hei\u00dft es: \u201eDies ist die Geschichte Ismaels\u2026 (V.12) Dies ist die Geschichte Isaaks (V.19)\u201c Gleichzeitig verlief die Geschichte von beiden v\u00f6llig unterschiedlich. Warum? Einfach gesagt: Isaaks Geschichte war ein Teil von der Heilsgeschichte Gottes, Ismaels Geschichte nicht.\r\nIn der dritten Generation stand die Frage erneut, durch welchen von den beiden S\u00f6hnen Gott seine Heilsgeschichte fortsetzte: Esau oder Jakob? Wie Gott diese Frage kl\u00e4rte und warum Jakob daf\u00fcr geeignet war, um von Gott gebraucht zu werden, wollen wir im letzten Teil der Predigt betrachten.\r\n\r\n<strong>Teil 3: Der Beginn von Gottes Geschichte mit Jakob (V. 22 \u2013 34)<\/strong>\r\n\u00dcber Gottes Geschichte mit Jakob erfahren wir schon in der Zeit, wo er noch im Mutterleib war. Als Rebekka mit ihren Beschwerden aufgrund der Schwangerschaft zu Gott kam, offenbarte Gott ihr seine Absicht mit ihren beiden S\u00f6hnen: Zwei Nationen sind in deinem Leib, und zwei Volksst\u00e4mme scheiden sich aus deinem Innern; und ein Volksstamm wird st\u00e4rker sein als der andere, und der \u00c4ltere wird dem J\u00fcngeren dienen (V.23). Mit diesen Worten hatte Gott Rebekka indirekt offenbart, dass Er von den beiden S\u00f6hnen Jakob erw\u00e4hlt hatte. Durch seine Linie sollten die Verhei\u00dfungen an Abraham erf\u00fcllt werden. Mit ihm wollte Gott die Geschichte, die er mit Abraham begonnen, und mit Isaak fortgesetzt hatte, nun weiter fortf\u00fchren.\r\nDie nachfolgende Begebenheit, die uns in den Versen 27 \u2013 34 berichtet wird, macht deutlich, warum Jakob von Gott gebraucht werden konnte, Esau hingegen nicht. Man k\u00f6nnte meinen, es l\u00e4ge daran, dass Jakob ein sittsamer Mensch, Esau hingegen ein wilder J\u00e4ger gewesen war. Je mehr wir aber die Geschichte betrachten, desto mehr sollte auffallen, dass Jakob nicht moralisch besser war als Esau. Im Vers 31 erfahren wir, dass Jakob eine ziemlich fiese Nummer mit seinem Bruder abgezogen hatte. Esau war ersch\u00f6pft und sehr hungrig. Offenbar war seine Jagd erfolglos gewesen. Als Esau Jakob um das Linsengericht bat, das Jakob gerade kochte, gab Jakob ihm das Essen nicht ohne Weiteres. Anstelle Esau Bruderliebe zu erweisen, erpresste Jakob Esau: Ohne Erstgeburtsrecht kein Essen. Dies erinnert mich an die Geschichte der Versuchung Jesu. Der Teufel versuchte Jesus gerade dann mit Brot, als Jesus hungerte (Mt. 4,2-3). Das, was Jakob machte, war prinzipiell nicht anders. Jakob nutzte die Situation, in der sein Bruder schwach war, listig aus. Jakob war keineswegs frommer gewesen als Esau. Aber dennoch konnte Jakob von Gott eher gebraucht werden als Esau. Warum? In dem Verhalten von Jakob gegen\u00fcber Esau sah Gott mehr als nur List. Das Verhalten von Jakob gegen\u00fcber Esau zeigt noch etwas \u00fcber Jakob: Jakob wollte unbedingt das Erstgeburtsrecht haben, mit anderen Worten: Jakob wollte unbedingt den Segen Gottes haben. Die Art und Weise, wie Jakob an diesen Segen ranging, war zwar nicht richtig, aber dass er ihn unbedingt haben wollte, zeigt, wie sehr er den Segen Gottes wertgesch\u00e4tzt hatte. Und gerade dies war der krasse Gegensatz zu seinem Bruder Esau. Im Vers 34 tadelt die Bibel Esau mit den Worten: \u201eSo verachtete Esau das Erstgeburtsrecht.\u201c Seine Verachtung kommt eben dadurch zum Ausdruck, dass er um einer Speise willen sein Erstgeburtsrecht verkaufte. Esau sagte nicht einfach nur (V.30): Lass mich schnell von dem Roten essen (Luther-\u00dcbers.), sondern: \u201eLass mich von dem roten (Gericht) da hinunterschlingen\u201c (Schlachter-\u00dcbers.). Das Wort \u201ehinunterschlingen\u201c bringt mehr seine Gier zum Ausdruck. F\u00fcr Esau z\u00e4hlte die schnelle Befriedigung seines Fleisches. Im Vers 31 sagte Esau auch: \u201eSiehe, ich muss doch sterben; was soll mir das Erstgeburtsrecht?\u201c (V. 31). Diese Worte zeigen, dass f\u00fcr Esau der Augenblick mehr z\u00e4hlte als der zuk\u00fcnftige Segen Gottes. In dem Buch \u201edie Pilgerreise\u201c wird die Einstellung von Esau sehr gut veranschaulicht. Ich m\u00f6chte hieraus einen Abschnitt vorlesen:\r\n<p style=\"padding-left: 40px;\">\u201eIch sah wie Ausleger ihn bei der Hand fasste und ihn in ein kleines Zimmer f\u00fchrte, in dem zwei Kinder sa\u00dfen. Das \u00e4ltere hie\u00df Verlangen, das andere Geduld. Verlangen schien sehr unzufrieden zu sein, aber Geduld war ganz still. \u201eWarum ist Verlangen so unzufrieden?\u201c, fragte Christian. \u201eDer Hauslehrer w\u00fcnscht nicht, dass man die Kinder mit den besten Sachen \u00fcbersch\u00fcttet. Sie sollen mit einigen bis Anfang n\u00e4chsten Jahres warten. Verlangen will alles sofort haben, Geduld dagegen wartet willig.\u201c\r\nDa kam jemand zu Verlangen und sch\u00fcttete einen Sack voll Kostbarkeiten vor ihm aus. Sofort besch\u00e4ftigte er sich damit: erfreut sich dar\u00fcber, w\u00fchlte hastig darin herum und sah mit einem h\u00f6hnischen L\u00e4cheln hin\u00fcber zu Geduld, der ganz offensichtlich jetzt gerade leer ausging. Doch ich sah, dass Verlangen schon nach kurzer Zeit mit der Zerst\u00f6rung all der Kostbarkeiten begann, sodass nichts mehr \u00fcbrig blieb als Tr\u00fcmmer und Fetzen. \u201eHilf mir das zu verstehen\u201c, bat Christian. \u201eDie beiden Kinder sind Abbilder\u201c, erkl\u00e4rte der Ausleger. \u201eVerlangen ist ein Bild von den Kindern dieser Welt, Geduld von den Kindern der zuk\u00fcnftigen. Wie Verlangen alles sofort haben will, also schon in dieser Welt, so sind auch die Kinder dieser Welt: Sie m\u00fcssen alles Gute jetzt schon besitzen und k\u00f6nnen auf ihren Anteil nicht warten. Das Sprichwort: \u201eEin Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach\u201c gilt bei ihnen mehr als alle g\u00f6ttlichen Zeugnisse von den G\u00fctern der zuk\u00fcnftigen Welt. Du hast gesehen, wie schnell er alles verschwendet hatte und dass ihm nichts blieb als Fetzen und Tr\u00fcmmer. So wird es auch den Kindern dieser Welt am Ende ergehen.\u201c3<\/p>\r\nIm Vers 30 erfahren wir, dass man Esau aufgrund der Begebenheit mit der roten Speise auch Edom (= \u201erot\u201c) nannte. Dieser Name war eigentlich ein sch\u00e4ndlicher Name gewesen. Denn er erinnerte daran, dass Esau wegen der roten Speise sein Erstgeburtsrecht verkauft hatte. Auch Jakob erhielt sp\u00e4ter einen neuen Namen. Gott gab ihm den Namen Israel. Bei Jakob war es aber umgekehrt. Nicht sein neuer Name, sondern sein alter Name erinnerte an etwas Sch\u00e4ndlichem aus seinem Leben. Im Vers 26 erfahren wir, dass er deswegen so genannt wurde, weil er bei der Geburt die Ferse seines Bruders festgehalten hatte. Das hebr. Wort f\u00fcr \u201eFerse\u201c hat n\u00e4mlich eine Klang\u00e4hnlichkeit mit dem Namen Jakob. Sp\u00e4ter, als Jakob Esau erneut \u00fcberlistet hatte, sagte Esau: \u201eEr hei\u00dft mit Recht Jakob, denn er hat mich nun zweimal \u00fcberlistet.\u201c (1. Mo 27,36). Esau machte hier ein Wortspiel, denn das hebr. Wort f\u00fcr \u201ebetr\u00fcgen\u201c hat eine Laut\u00e4hnlichkeit mit dem Namen Jakob. Einfach gesagt: Der Name \u201eJakob\u201c erinnerte daran, dass Jakob ein \u201eFersenschleicher\u201c bzw. ein \u201eBetr\u00fcger\u201c war. Aber der Name \u201eIsrael\u201c hingegen bedeutet: \u201eGott herrscht\u201c. Dieser Name deutet darauf hin, dass sich Jakob nicht mehr von seinem Eigenwillen, sondern von Gott mehr und mehr beherrschen lie\u00df. Im Laufe der Zeit hatte Gott Jakob immer mehr ver\u00e4ndert. Jakob war wie Esau kein vollkommener Mensch gewesen, aber Jakob suchte den Segen Gottes und lie\u00df sich von Gott ver\u00e4ndern. Dadurch konnte Gott seine Heilsgeschichte durch ihn fortsetzen.\r\nWas lehrt der Text uns? Die Geschichte, die Gott mit Abraham begann und mit Isaak und Jakob fortsetzte, hat ihren H\u00f6hepunkt in dem Tod und Auferstehung Jesu Christi. Christus ist der eingeborene Sohn Gottes. Er ist unter allen Kindern Gottes der Erstgeborene. Von Jesu erhabener Stellung als Erstgeborener spricht auch der Hebr\u00e4erbrief 1,6-8:\r\n<p style=\"padding-left: 40px;\">\u201eUnd wenn er den Erstgeborenen wiederum in die Welt einf\u00fchrt, spricht er: \u00bbUnd alle Engel Gottes sollen ihn anbeten!\u00ab Von den Engeln zwar sagt er: \u00bbEr macht seine Engel zu Winden und seine Diener zu Feuerflammen\u00ab; aber von dem Sohn: \u00bbDein Thron, o Gott, w\u00e4hrt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Das Zepter deines Reiches ist ein Zepter des Rechts.\u201c<\/p>\r\nAber am Kreuz verzichtete Christus auf sein Erstgeburtsrecht, damit wir gesegnet werden k\u00f6nnen; damit wir Erben aller Segnungen Gottes werden k\u00f6nnen. Im Grunde genommen tat Christus an uns genau das Gegenteil davon, was Jakob tat: W\u00e4hrend sich Jakob das Erstgeburtsrecht erschlich, verzichtete Christus um unseretwillen freiwillig auf sein Erstgeburtsrecht. Im Philliperbrief 2,6-7 hei\u00dft es:\r\n<p style=\"padding-left: 40px;\">der, als er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; sondern er ent\u00e4u\u00dferte sich selbst<\/p>\r\nChristus hat auf sein Erstgeburtsrecht verzichtet, damit wir wie Erstgeborene behandelt werden k\u00f6nnen. Welche Wertsch\u00e4tzung bringen wir den Segnungen Gottes, die wir in Christus haben, entgegen? Neigen wir in dieser Sache eher dazu wie Jakob oder wie Esau zu sein? Was beherrscht und treibt uns: Sind es wie bei Esau der Augenblick und die Erf\u00fcllung der fleischlichen Bed\u00fcrfnisse oder das Trachten nach dem Reich Gottes?\r\nDie Heilsgeschichte Gottes hat in dem Tod und Auferstehung Jesu Christi ihren H\u00f6hepunkt, aber sie ist noch nicht zu ende. Gott baut jetzt seine Gemeinde. Und er tut dies Werk nicht alleine, sondern durch Menschen. Jeder Gl\u00e4ubige hat das Privileg, Teil dieser Geschichte zu sein. Und die Frage ist daher: Worum geht es in deinem und meinem Leben? Geht es um die h\u00f6here Sache Christi oder um das Erreichen von eigenen Zielen und Interessen? Ist mein und dein Leben eingebunden in die Geschichte Gottes oder spielt es sich irgendwo au\u00dferhalb davon ab? Abraham hatte so sehr ein Bewusstsein f\u00fcr die Geschichte Gottes in seinem Leben gehabt, dass er Entscheidungen danach traf. Anstelle nach famili\u00e4ren Interessen zu gehen, schickte Abraham seine S\u00f6hne in den Osten. Wonach treffen wir unsere Entscheidungen? Geht es da um die h\u00f6here Sache Christi oder doch nur um die eigenen Interessen? Wie sehr haben wir es verstanden, dass unser Leben dazu bestimmt ist, ein Teil der Geschichte Gottes zu sein? Abrahams Leben endete mit h\u00f6chster Zufriedenheit. Ebenso kann Gott es mit jedem tun, dessen Leben sich in der Geschichte Gottes abspielt.\r\nChristus ist der wahre \u201eBrunnen des Lebendigen, der uns sieht\u201c. Denn Christus selbst ist das Leben und daher auch eine Quelle des Lebens. Am Kreuz hat Christus bewiesen, dass er uns sieht, und zwar in all unserer S\u00fcndennot und Elend. Nun sitzt er zur Rechten Gottes und leistet als Hohepriester F\u00fcrbitte f\u00fcr uns. Christus sieht uns. Lasst uns daher in seiner Gegenwart und in seiner Abh\u00e4ngigkeit leben, wie es Isaak tat. Auf diese Weise kann auch unser Leben zu einem Teil der Heilsgeschichte Gottes werden. Lasst uns beten.\r\n\r\n___________\r\n1 BR\u00c4UMER, H. (2011; 2. Auflage), in: Wuppertaler Studienbibel, S.245. SCM R. Brockhaus.\r\n2 da Jakob noch zu Lebzeiten Abrahams auf die Welt gekommen war, muss das, was in V. 11\r\n&nbsp;&nbsp; \u00fcber Isaak gesagt wird, nach dem, was in den V. 20 und 21 berichtet wird, geschehen sein\r\n3 BUNYAN, J. (2016; 6. Auflage). Die Pilgerreise, S. 31f. SCM R. Brockhaus.\r\n\r\n<!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Gottes Geschichte mit Abraham, Isaak und Jakob Und es geschah nach dem Tod Abrahams, da segnete Gott seinen Sohn Isaak. Und Isaak wohnte bei dem \u201eBrunnen des Lebendigen, der [mich] sieht\u201c (1.Mose 22,11) Die Bibel setzt im Vergleich zu s\u00e4kularen Geschichtsb\u00fcchern ganz andere Schwerpunkte. 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