{"id":9894,"date":"2020-10-25T11:00:07","date_gmt":"2020-10-25T10:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=9894"},"modified":"2022-11-18T12:19:40","modified_gmt":"2022-11-18T11:19:40","slug":"predigt-1-mose-221-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-mose-221-19\/","title":{"rendered":"Predigt: 1.Mose 22,1 &#8211; 19"},"content":{"rendered":"<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/2020Gen-16_2201-2219-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a>\r\n<h2 style=\"text-align: center;\">Die Pr\u00fcfung<\/h2>\r\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eAbraham gab jenem Ort den Namen: Der HERR sieht, wie man noch heute sagt: Auf dem Berg l\u00e4sst sich der HERR sehen.\u201c<\/h3>\r\n<p style=\"text-align: center;\">(1.Mose 22,14)<\/p>\r\nIn Vers 1 (Elberfelder \u00dcbersetzung) hei\u00dft es: \u201eUnd es geschah nach diesen Dingen, da pr\u00fcfte Gott den Abraham.\u201c Einheits\u00fcbersetzung schreibt, dass Gott den Abraham auf die Probe stellte. Es geht um eine Pr\u00fcfung, ein Test. Und das ist das Thema, mit dem wir uns heute besch\u00e4ftigen. \u00dcber drei Fragen wollen wir nachdenken: erstens, was wurde in der Pr\u00fcfung verlangt? Zweitens, worum ging es in der Pr\u00fcfung? Drittens, worauf weist die Pr\u00fcfung hin?\r\n\r\n<strong>Erstens, was wurde in der Pr\u00fcfung verlangt?<\/strong>\r\nIn Vers 2 h\u00f6ren wir, was Gott zu Abraham spricht: \u201eNimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar!\u201c Was hier hervorsticht, ist, wie der Autor Gottes Worte hier wiedergibt. Die Einheits\u00fcbersetzung hat diesen Vers gut \u00fcbersetzt. Gott verwendet vier verschiedene Ausdr\u00fccke, um Isaak zu benennen. Der Hebr\u00e4isch-Experte Robert Alter berichtet von einer klassischen Midrasch, eine rabbinische Auslegung von diesem Vers. Die Auslegung geht folgenderma\u00dfen: \u201edeinen Sohn.\u201c Abraham sagt: \u201eIch habe zwei S\u00f6hne.\u201c \u201eDeinen einzigen Sohn.\u201c Abraham: \u201edieser Sohn ist der einzige seiner Mutter. Jener Sohn ist der einzige der anderen Mutter.\u201c \u201eDen du liebst.\u201c Abraham: \u201eIch liebe beide.\u201c \u201eIsaak\u201c. Diesen Isaak, sein Sohn, sein einziger Sohn, der Sohn, den er \u00fcber alles liebhatte, sollte er nun auf einem Berg zum Brandopfer bringen. Wer von uns kann sich vorstellen, wie grausam dieser Befehl ist?\r\nAnfang des Jahres hatten wir eine Beerdigung in Karlsruhe gefeiert. Auf dem Weg zum Begr\u00e4bnis bin ich an einem Grab vorbeigegangen, das von einem Ehepaar gepflegt wurde. In diesem Grab lag ihre Tochter, die mit 18 Jahren gestorben war. Ich will mir nicht vorstellen, durch welches Trauertal die Eltern hindurchgegangen sein m\u00fcssen. Man sagt, dass f\u00fcr Eltern kaum etwas so schmerzhaft ist, wie die eigenen Kinder beerdigen zu m\u00fcssen. Aber das, was von Abraham gefordert wurde, war ungleich schlimmer. Abraham sollte derjenige sein, der seinen eigenen Sohn schlachtet und ihn verbrennt und opfert. Es war eine unm\u00f6gliche Forderung.\r\nWir lesen, dass Abraham am n\u00e4chsten Morgen fr\u00fch aufstand. Vermutlich hatte er ohnehin nicht geschlafen. Er sattelt seinen Esel, er nimmt zwei Knechte mit sich, seinen Sohn Isaak und spaltete Holz zum Brandopfer. Am dritten Tag der Reise sieht Abraham den Berg, den Gott ihn zeigen wollte. (Das Wort \u201esehen\u201c ist ein Schl\u00fcsselwort im Text). Vers 6: \u201eUnd Abraham nahm das Holz zum Brandopfer und legte es auf seinen Sohn Isaak. Er aber nahm das Feuer und das Messer in seine Hand; und gingen die beiden miteinander. Das Messer in Abrahams Hand war kein Schweizer Taschenmesser. Es war auch kein spitzer Dolch, wie man das in vielen Darstellungen sieht, sondern eher ein Hackbeil oder eine Machete. Gerhard von Rad kommentierte, dass Abraham die gef\u00e4hrlichen Dinge trug: das Messer und das Feuer, damit sich der Junge nicht damit verletzen w\u00fcrde. Isaak trug das Holz, auf dem er geopfert werden sollte.\r\nIn den Versen 7 und 8 ist der einzige Dialog zwischen Abraham und Isaak \u00fcberliefert. Isaak sagt: \u201eMein Vater!\u201c (Robert Alter sagt, dass es eine sehr vertrauliche Anrede ist, wie das Wort \u201eAbba\u201c, also \u201ePapa\u201c). Abraham antwortete: \u201eHier bin ich, mein Sohn.\u201c Isaak: \u201eSiehe, hier ist Feuer und Holz; wo ist aber das Schaf zum Brandopfer?\u201c Abrahams Antwort: \u201eMein Sohn, Gott wird sich ersehen ein Schaf zum Brandopfer.\u201c Und wie ein Refrain wiederholt der Text, dass die beiden weitergingen. Fast alle Kommentatoren merken hier an, wie sich der Erz\u00e4hlstil verlangsamt. Wir f\u00fchlen uns fast, als ob wir die beiden mit auf den Berg begleiten.\r\nEs wird noch dramatischer. Als sie angekommen sind, baut Abraham den Altar, legt das Holz darauf, bindet seinen Sohn, legt ihn auf den Altar oben auf das Holz. Der n\u00e4chste Moment ist praktisch in Zeitlupe beschrieben: \u201eAbraham streckte seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten.\u201c Unerh\u00f6rt dramatisch. Der Verfasser l\u00e4sst uns praktisch mitzittern. Er l\u00e4sst uns mitf\u00fchlen, wie krass die Forderung Gottes war; wie unaussprechlich der Schmerz von Abraham gewesen sein musste, als er sich auf diese Reise machte und wie unm\u00f6glich die Forderung Gottes war. Wie konnte Gott Abraham so etwas antun? Wie konnte Gott so etwas von ihm fordern?\r\nVielen Christen ist ein wenig die Sensibilit\u00e4t abhanden gekommen, wie schlimm Gottes Worte waren. Eine Freundin von mir hat folgendes \u00fcber die Geschichte gesagt: \u201esie erinnert mich an die Pr\u00fcfungen, die man ablegen musste, um einer Mafia beizutreten. Zeig mir, dass du f\u00fcr die Sache t\u00f6ten kannst. Wie passt das mit all den Prinzipien zusammen, dass wir nicht t\u00f6ten sollen, die anderen lieben sollen etc.? Und was beweist es, wenn du bereit bist zu t\u00f6ten, au\u00dfer, dass du ganz in der Sache bist? [Und] au\u00dfer dass du vermutlich ein Extremist bist und ins Gef\u00e4ngnis geh\u00f6rst?\u201c\r\nDer notorische Atheist Richard Dawkins schreibt: \u201eGott beauftragte Abraham, aus seinem lange ersehnten Sohn ein Brandopfer zu machen. Abraham baute den Altar, legte Feuerholz darauf und b\u00fcndelte Isaak auf den Altar. Sein m\u00f6rderisches Messer war bereits in seiner Hand, als der Angel dramatisch intervenierte mit der Nachricht, dass es eine spontane \u00c4nderung im Plan gab: Gott hatte nur Spa\u00df gemacht und war dabei Abraham zu versuchen und seinen Glauben zu testen. Ein moderner Moralist kann nicht anders als sich zu fragen, wie ein Kind sich jemals von solch einem psychologischen Trauma erholen k\u00f6nnte. Nach den Standards moderner Moralvorstellungen ist diese abscheuliche Geschichte ein Beispiel f\u00fcr Kindesmissbrauch, Schikane in zwei asymmetrisch veranlagten Machtverh\u00e4ltnissen und der erste aufgezeichnete Gebrauch der N\u00fcrnberger Ausrede: \u201aIch habe nur den Befehlen gehorcht.\u2019 Und trotzdem ist diese Legende eine der grundlegenden Mythen aller drei monotheistischen Religionen.\u201c\r\nBeide haben irgendwo Recht. Die Emp\u00f6rung ist angebracht. Es ist ein sehr schwieriger Text, der uns alle zumindest mal nachdenklich stimmen sollte.\r\n\r\n<strong>Zweitens, worum ging es in der Pr\u00fcfung?<\/strong>\r\nEine Pr\u00fcfung ist dazu da, etwas zu offenbaren, was mehr oder weniger verborgen ist. Zum Beispiel, wenn wir die praktische F\u00fchrerscheinpr\u00fcfung machen, wird uns der Pr\u00fcfer sagen: \u201eFahren Sie die n\u00e4chste Stra\u00dfe rechts. Fahren sie die n\u00e4chste Ausfahrt von der Autobahn herunter. Parken Sie hier ein.\u201c Das ist der Inhalt der Pr\u00fcfung. Was die Pr\u00fcfung zeigen soll, ist, ob wir Auto fahren k\u00f6nnen und zwar nach der Stra\u00dfenverkehrsordnung. Wir haben uns dar\u00fcber Gedanken macht, was Abraham in seiner Pr\u00fcfung machen musste. Aber was genau sollte die Pr\u00fcfung zeigen? Was genau sollte die Pr\u00fcfung demonstrieren?\r\nIn Vers 12 spricht Gott: \u201eLege deine Hand nicht an den Knaben und tu ihm nichts; denn nun wei\u00df ich, dass du Gott f\u00fcrchtest und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen.\u201c Die Pr\u00fcfung offenbart, dass Abraham Gott f\u00fcrchtet. Egal, was Gott von Abraham verlangt, Abraham w\u00e4re bereit, es zu tun, selbst wenn es das Leben seines einzigen, geliebten Sohnes kosten w\u00fcrde. Oder anders gesagt, die Pr\u00fcfung offenbart, dass Abraham Gott mehr liebt als alles andere. Frage: ist es das, worum es in der Pr\u00fcfung wirklich ging?\r\nUnd hier ist gleich noch ein weiteres Problem: Gott musste Gott Abraham \u00fcberhaupt testen? Wei\u00df Gott nicht alle Dinge? Warum musste Gott dann etwas von Abraham fordern, was absolut unmoralisch und verwerflich zu sein scheint? Schon der Kirchenvater Augustinus hatte sich mit der Frage besch\u00e4ftigt. Und er kam zum Schluss, dass durch Abrahams Tat die Welt von seinem Glauben erfuhr nicht Gott. C.S. Lewis schreibt: \u201ewas immer Gott wusste, Abraham wusste auf jeden Fall nicht, dass sein Gehorsam einen solchen Befahl ertragen konnte, bis das Ereignis es ihm zeigte. \u2026 Die Realit\u00e4t von Abrahams Gehorsam war die Tat selbst; und was Gott wusste, in dem Wissen, dass Abraham ihm gehorchen w\u00fcrde, war Abrahams tats\u00e4chlicher Gehorsam auf der Spitze des Berges in jenem Moment. Wenn man sagt, dass Gott keine Experimente brauchte, ist das gleichbedeutend damit, zu sagen, dass weil Gott etwas wei\u00df, das, was Gott wei\u00df, nicht zu existieren braucht.\u201c Mit anderen Worten, damit der Gehorsam Abrahams zur Geltung kam und damit sich sein Gehorsam entfaltete, brauchte es diese Versuchung und diesen Test.\r\nTraditionell ist das die Art und Weise, wie der Text gedeutet wird: es ging vor allem um Abrahams Gehorsam und die Frage, ob in Abrahams Herzen Gott an erster Stelle stand. Und wie Richard Dawkins bereits angemerkt hatte, ist diese Geschichte in den wichtigsten monotheistischen Religionen vertreten, also auch im Judentum und im Islam. Und eine traditionelle Auslegung ist, dass wir Gott unseren Gehorsam schulden, ganz egal wie abstrus und wie unverst\u00e4ndlich und wie wahnsinnig Gottes Befehl auch erscheinen mag. Ich will gar nicht absprechen, dass es hier um Abrahams Gehorsam und Liebe zu Gott ging. Aber die Frage ist: ist das alles?\r\nHier sind ein paar \u00dcberlegungen. Ich hatte vorhin eine Bekannte von mir zitiert, die sagte, dass dieser Text im Widerspruch zu stehen scheint zu den Zehn Geboten: \u201eDu sollst nicht t\u00f6ten.\u201c Oder in Jeremia 19,5 beklagt Gott den grausamen G\u00f6tzenkult bei den Israeliten: \u201eSie haben dem Baal Kulth\u00f6hen gebaut, um ihre Kinder als Brandopfer f\u00fcr den Baal im Feuer zu verbrennen, was ich nie befohlen oder angeordnet habe und was mir niemals in den Sinn gekommen ist.\u201c Gott ist entsetzt \u00fcber die Kinderopfer. So etwas w\u00e4re ihm nie in den Sinn gekommen! In Frankreich hatte vor kurzem ein islamistischer Anschlag auf einen Lehrer stattgefunden: der Lehrer Samuel Paty hatte im Unterricht Karikaturen vom Propheten Mohammed gezeigt. Daraufhin hatte ein 18-j\u00e4hriger den Lehrer enthauptet. Ganz Frankreich trauert um den ermordeten Lehrer. Es ist vor allem die barbarische Gewalt und Brutalit\u00e4t dieses Anschlags, die das Land ersch\u00fcttert hat. Der Gewaltverbrecher meint, im Namen Allahs gehandelt zu haben. Frage ist, inwiefern unterscheidet sich das Verhalten Abrahams? Ist Abrahams Verhalten wirklich so viel nobler als die eines radikalen, islamistischen Attent\u00e4ters?\r\nJetzt k\u00f6nnten manche nat\u00fcrlich einwenden und sagen: Abraham hat ja seinen Sohn letzten Endes nicht umgebracht, weil Gott im letzten Moment eingegriffen hatte. D.h., man k\u00f6nnte spitzfindig argumentieren, dass Gott ja bereits wusste, dass er Abraham hindern w\u00fcrde, den letzten Schritt zu gehen. Aber das macht die Geschichte nicht unbedingt viel besser. Der Punkt ist, dass Abraham seinen Sohn umgebracht h\u00e4tte. Jeder heutige Rechtsstaat h\u00e4tte Abraham f\u00fcr versuchten Mordes verurteilt.\r\nPers\u00f6nlich glaube ich, dass ein Gro\u00dfteil unserer Schwierigkeiten mit dem Text etwas damit zu hat, dass wir etwas nicht verstehen, was Abraham aber verstanden hat. Abraham scheint etwas gewusst zu haben, was wir die Leser nicht wissen. Und weil dem so ist, haben wir Probleme, sein Verhalten ganz nachzuvollziehen. Und das, was Abraham kannte, aber wir nicht kennen, ist, die Bedeutung des Erstgeborenen. Tim Keller zeigt in seiner Predigt ein Musterbeispiel daf\u00fcr, wie man diesen Text exegetisch angehen sollte. Zu Abrahams Zeit gab es das sogenannte Erstgeburtsrecht. (Wir sehen vor allem in der Geschichte von Jakob und Esau, was das bedeutet). Es war das ungeschriebene Gesetz, dass der Erstgeborene nicht nur der erste Erbe war; er war der einzige Erbe, ganz egal wie viele zus\u00e4tzliche Geschwister es gab. Der Grund war folgender: angenommen eine Familie besitzt einen Weinberg. Wenn man diesen Weinberg auf mehrere Geschwister verteilen w\u00fcrde, dann w\u00fcrde sich die Gr\u00f6\u00dfe des Eigentums mit jeder Generation verkleinern. Deshalb wurde der ganze Besitz nur dem Erstgeborenen gegeben; die Geschwister waren darauf angewiesen, dass der Erstgeborene sie gut behandeln w\u00fcrde und sie versorgen w\u00fcrde.\r\nWas bedeutete dann der Erstgeborene in Abrahams Zeit und Kultur? Der Erstgeborene war die ganze Hoffnung der Familie. Der Erstgeborene war nicht einfach irgendein Individuum innerhalb der Familie. Er stand repr\u00e4sentativ f\u00fcr die St\u00e4rke der ganzen Familie. Gott verwendet genau dieses Verst\u00e4ndnis vom Erstgeborenen, um Abraham zu testen. \u00dcbrigens, Gott verwendet nicht nur kulturelle Aspekte, um zu kommunizieren. Gott ver\u00e4ndert sie auch. Im ganzen Buch Genesis sehen wir, wie Gott das Erstgeburtsrecht unterwandert und auf den Kopf stellt: der j\u00fcngere Abel wird dem \u00e4lteren Kain vorgezogen; Isaak vor Ismael; Jakob vor Esau; Ephraim vor Manasse usw.\r\nWeil es das Erstgeburtsrecht damals gab, machen Textstellen Sinn, wie Exodus 22,28b-29: \u201eDeinen ersten Sohn sollst du mir geben. So sollst du auch tun mit deinem Stier und deinem Kleinvieh.\u201c Und Exodus 34,19: \u201eAlle Erstgeburt ist mein, alle m\u00e4nnliche Erstgeburt von deinem Vieh, es sei Stier oder Schaf.\u201c Und im darauffolgenden Vers: \u201eAlle Erstgeburt unter deinen S\u00f6hnen sollst du ausl\u00f6sen.\u201c Als Gott Gericht \u00fcber \u00c4gypten hielt, schlug Gott die Erstgeburt der \u00c4gypter. Und damit schlug Gott nicht einfach nur Individuen; jedes der Erstgeborenen repr\u00e4sentierte die ganze Familie, die ganze Sippe. Und daher war es ein Gericht \u00fcber ganz \u00c4gypten. Israel entging diesem Gericht nur, wenn sie das Blut des Lammes an der T\u00fcr hatten. Mit anderen Worten, die Israeliten waren nicht frommer oder besser als ihre \u00e4gyptischen Nachbarn. Sie verdienten Gottes Gericht nicht weniger. Das Einzige, was sie von den \u00c4gyptern unterschied, war, dass ein Opfertier stellvertretend f\u00fcr sie gestorben war.\r\nGott sagte Abraham nicht, dass er Isaak ermorden sollte. Gott sagte Abraham nicht, dass er irgendjemanden umbringen sollte. Gott gibt ihm den Befehl, Isaak auf dem Brandopferaltar darzubringen. Und das bedeutet etwas v\u00f6llig anderes. Als Gott von Abraham Isaak einforderte, wusste Abraham, dass es Gottes absolutes Recht war, das zu tun, weil Abraham ein gefallener S\u00fcnder war. Gott hatte das Recht, Isaak als Brandopfer einzufordern, weil Isaak stellvertretend f\u00fcr eine Familie stand, die nicht so war wie sie h\u00e4tte sein sollen; die Gottes Anspr\u00fcchen und Forderungen nicht gerecht wurde; die vor dem heiligen Ma\u00dfstab Gottes nicht bestehen konnte.\r\nWenn wir dieses Wissen zugrunde liegen, dann machen manche Aspekte, die vorher wenig Sinn machten, pl\u00f6tzlich sehr viel Sinn. Zum Beispiel, auf die Frage von Isaak: \u201ewo ist das Schaf zum Brandopfer?\u201c antwortet Abraham: \u201eMein Sohn, Gott wird sich ersehen ein Schaf zum Brandopfer.\u201c \u201eGott wird sich darum k\u00fcmmern, mein Sohn. Ich glaube daran, dass Gott ein Opfer bereith\u00e4lt.\u201c Abraham wusste: wie immer die Geschichte ausgehen wird, es muss ein stellvertretendes Opfer dargebracht werden. Und sp\u00e4ter in Vers 13 hebt Abraham seine Augen auf und sieht einen Widder. Und Vers 13 sagt explizit: \u201eund ging hin und nahm den Widder und opferte ihn zum Brandopfer an seines Sohnes statt.\u201c Der Berg hei\u00dft Jahwe-Jireh. Und das wird \u00fcbersetzt mit dem Satz: \u201eAuf dem Berg l\u00e4sst sich der HERR sehen.\u201c Oder andere \u00dcbersetzungen schreiben: \u201eAuf dem Berg l\u00e4sst Gott sehen\u201c oder \u201eAuf dem Berg versorgt Gott.\u201c\r\nWir haben die Frage immer noch nicht beantwortet, worum es in der Pr\u00fcfung wirklich ging. Hebr\u00e4er 11,17-18 sagt: \u201eAufgrund des Glaubens hat Abraham den Isaak hingegeben, als er auf die Probe gestellt wurde; er gab den einzigen Sohn dahin, er, der die Verhei\u00dfungen empfangen hatte und zu dem gesagt worden war: Durch Isaak wirst du Nachkommen haben.\u201c Isaak war der Sohn der Verhei\u00dfung. Isaak stand f\u00fcr die ganzen guten Zusagen Gottes. Isaak stand f\u00fcr den Plan Gottes, die ganze Welt durch Abrahams Nachkommen zu segnen und zu retten. Isaak stand f\u00fcr die Gnade und Barmherzigkeit Gottes. Worum ging es dann also in dem Test? Was sollte die Pr\u00fcfung offenbaren? Glaubte Abraham daran, dass Gott seine Zusagen auch dann erf\u00fcllen w\u00fcrde, wenn Gott Isaak als Brandopfer forderte? Glaubte Abraham daran, dass Gott gn\u00e4dig und barmherzig ist, auch dann oder besser gerade weil Abraham ein S\u00fcnder war? Glaubte Abraham daran, dass Gott liebend ist, obwohl er heilig ist? Glaubte Abraham daran, dass Gott vergebend ist, obwohl Gott absolut gerecht ist? Glaubte Abraham daran, dass Gott treu ist, obwohl er selbst untreu war? Oder anders gesagt: Konnte Abraham daran glauben, dass Gott gut ist und es gut mit ihm meint, obwohl alles dagegen zu sprechen schien?\r\nTim Keller hat die Frage gestellt: was trieb Abraham auf diesen Berg? Was denkt ihr? War es ein z\u00e4hneknirschendes: \u201eIch bin gehorsam, weil ich Gott mehr als alles andere liebe; weil ich es schaffen kann; weil ich diszipliniert bin.\u201c Oder war es ein: \u201eIch bin gehorsam, weil Gott mich mehr liebt als ich es mir vorstellen kann; weil Gott mich versorgen wird; weil Gott seine Verhei\u00dfungen an mir erf\u00fcllen wird.\u201c Und genau das war der Test.\r\n\r\n<strong>Drittens, worauf weist die Pr\u00fcfung hin?<\/strong>\r\nDer Ausgang der Geschichte ist nicht ganz befriedigend. Genau wie Isaaks Opferung kein ad\u00e4quates stellvertretendes Opfer f\u00fcr Abrahams Familie gewesen w\u00e4re, wissen wir auch, dass der Widder kein ad\u00e4quates stellvertretendes Opfer f\u00fcr Isaak war. Diese Geschichte ist aber ein massiver Hinweis, auf das, was noch folgen w\u00fcrde. Der Name Morija kommt nur ein weiteres Mal in der Bibel vor. 2. Chronik 3,1: \u201eUnd Salomo fing an das Haus des HERRN zu bauen in Jerusalem, auf dem Berg Morija, wo der HERR seinem Vater David erschienen war, an dem Ort, den David bestimmt hatte, auf der Tenne Ornans, des Jebusiters.\u201c Die Stadt Jerusalem entstand an den Bergen von Morija. Unweit von der Stelle wo Abraham fast Isaak opferte, baute Salomo sp\u00e4ter den Tempel.\r\nAn einem der Ausl\u00e4ufer von den Bergen von Morija w\u00fcrde sp\u00e4ter ein anderer Sohn das Holz auf dem R\u00fccken tragen, an dem er geopfert werden sollte. Derek Kidner kommentierte die Parallele zu Johannes-Evangelium, wo es hei\u00dft, dass Jesus sein eigenes Kreuz tragen musste. Aber es gab einen entscheidenden Unterschied: als der Sohn auf das Holz gelegt wurde, gab es keinen Engel vom Himmel, der eingriff; keine Stimme vom Himmel; keine \u00fcberraschende Wendung. Edmund Clowney sagte: \u201eAls der geliebte Sohn rief: \u201aMein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?\u2018, bezahlte Gott den Preis mit seinem Schweigen.\u201c Jesus ist der wahre Isaak. Er ist der wahre Sohn, der wahre einzige Sohn, der wahre geliebte Sohn des Vaters. Jesus ist das wahre stellvertretende Lamm Gottes, der alle andere Opfertiere obsolet macht. Jesu Tod war das wahre Opfer, das alle anderen S\u00fcnd- und Brandopfer ein- f\u00fcr allemal beendete.\r\n\r\nHier ist eine Anwendung von uns. Auf unserem Glaubensweg werden wir es immer wieder mit diversen Bergen zu tun haben: Berge, die richtige Krisen in unserem Leben repr\u00e4sentieren; Berge, auf denen uns das genommen wird, was uns lieb und kostbar ist; Berge, auf denen wir das verlieren, worin wir alle unsere Hoffnung gesetzt hatten; Berge, auf denen es um unsere Existenzgrundlage zu gehen scheint. Wenn wir mit solchen Pr\u00fcfungen konfrontiert sind, wie k\u00f6nnen wir dann bestehen?\r\nUm ein letztes Mal Tim Keller zu erw\u00e4hnen: wenn Abraham gesehen h\u00e4tte, was Jesus, der wahre geliebte Sohn, f\u00fcr ihn am Kreuz vollbracht hat, er h\u00e4tte die Worte von Vers 12 umgedreht und gesagt: \u201eJetzt wei\u00df ich, jetzt wei\u00df ich, dass Gott mich liebt; du hast mir deinen Sohn, deinen einzigen nicht vorenthalten.\u201c Wenn diese frohe Botschaft des Evangeliums in unserem Herzen wohnt, dann haben wir eine Chance, die Pr\u00fcfungen unseres Lebens bestehen. Und wir erfahren wie aus jedem Berg Morija der Berg Jahwe-Jireh wird: Auf dem Berg l\u00e4sst Gott uns sehen. Auf dem Berg versorgt uns Gott. \u201eAuf dem Berg l\u00e4sst sich der HERR sehen.\u201cd\r\n\r\n<!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Die Pr\u00fcfung \u201eAbraham gab jenem Ort den Namen: Der HERR sieht, wie man noch heute sagt: Auf dem Berg l\u00e4sst sich der HERR sehen.\u201c (1.Mose 22,14) In Vers 1 (Elberfelder \u00dcbersetzung) hei\u00dft es: \u201eUnd es geschah nach diesen Dingen, da pr\u00fcfte Gott den Abraham.\u201c Einheits\u00fcbersetzung schreibt, dass Gott den Abraham auf die Probe stellte. 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