{"id":9833,"date":"2020-09-20T11:00:39","date_gmt":"2020-09-20T09:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=9833"},"modified":"2022-11-18T12:19:42","modified_gmt":"2022-11-18T11:19:42","slug":"predigt-1-mose-151-1521","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-mose-151-1521\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Mose 15,1 \u2013 15,21"},"content":{"rendered":"<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020Gen-11_1501-1521-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a>\r\n<h2 style=\"text-align: center;\">Der Bund<\/h2>\r\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eDie Sonne war untergangen und es war dunkel geworden. Und siehe, ein rauchender Ofen und eine lodernde Fackel waren da; sie fuhren zwischen jenen Fleischst\u00fccken hindurch.\u201c<\/h3>\r\n<p style=\"text-align: center;\">(1.Mose 15,17)<\/p>\r\nIm Leben vom Abraham gab es einige wichtige Momente. Praktisch jedes Kapitel, das uns in Genesis von Abraham berichtet wird, ist ein wichtiges, pr\u00e4gendes Ereignis. Und weil jedes Kapitel wichtig ist, muss man gut begr\u00fcnden, weshalb ausgerechnet das heutige Kapitel besonders wichtig ist. Hier ist die Begr\u00fcndung: Die Autoren des NT fanden dieses Kapitel wichtig. Paulus fand das heutige Kapitel so wichtig, dass er sowohl im R\u00f6merbrief als auch im Galaterbrief auf unseren Text Bezug nahm. Auch im Jakobusbrief wird auf unseren Text Bezug genommen. Die NT Autoren haben in diesem Text einen Schl\u00fcsselmoment in Abrahams Leben gesehen. Was ist dieser Schl\u00fcsselmoment? Gott schlie\u00dft einen feierlichen, zeremoniellen Bund mit Abraham.\r\nDrei Dinge k\u00f6nnen wir im Text dann sehen: erstens, die Prophetie; zweitens, die Reaktion; drittens, die Versicherung.\r\n\r\n<strong>Erstens, die Prophetie<\/strong>\r\nIn Vers 1a lesen wir: \u201eNach diesen Ereignissen erging das Wort des HERRN in einer Vision an Abram.\u201c Beim schnellen Lesen k\u00f6nnten wir denken, dass Gott hier einfach nur mit Abram spricht, was sicherlich schon au\u00dfergew\u00f6hnlich genug ist. Diejenigen Leser, die sich mit der Hebr\u00e4ischen Sprache auskennen, haben alle hier angemerkt, dass der Autor einen sehr au\u00dfergew\u00f6hnlichen Ausdruck verwendet. Dass das Wort des HERRN an jemanden ergeht lesen wir sonst nicht mehr in Genesis. Es ist ein Ausdruck, den wir von den Propheten kennen, aber nicht von den Patriarchen. Das Wort \u201eVision\u201c finden wir au\u00dferdem im gesamten Pentateuch nur hier und einmal mehr im 4. Buch Mose. In 4. Mose ist es Bileam, der Visionen sieht. D.h., Gott spricht nicht einfach nur zu Abram. Abram bekam eine Prophetie von Gott. Abram h\u00f6rt nicht einfach nur Gottes Stimme. Er sieht das, was Gott ihm offenbart. Anders gesagt, das Wort, das Abram hier empf\u00e4ngt, ist von einer Klarheit und Deutlichkeit, wie vermutlich kaum ein anderer Mensch vor oder nach ihm in Genesis Gott geh\u00f6rt hat. Abram wird sp\u00e4ter in Genesis 20 ein Prophet genannt. Und der Autor macht an dieser Stelle ganz deutlich, dass Abram das von Gott erf\u00e4hrt, was sonst nur die Propheten zu sehen und zu h\u00f6ren bekamen.\r\nWas ist es, was Gott Abram in der Prophetie mitteilt? Das, was Abram h\u00f6rt, ist \u2013 wie ich finde \u2013 eine der sch\u00f6nsten Verhei\u00dfungen und Zusagen, die es \u00fcberhaupt in der Bibel gibt. Gott spricht: \u201eF\u00fcrchte dich nicht, Abram! Ich bin dein Schild und dein sehr gro\u00dfer Lohn.\u201c Die Kreisleiter hatten sich dazu entschlossen Kapitel 14 zu \u00fcberspringen, was ich etwas schade finde. In Kapitel 14 h\u00e4tten wir gesehen, dass Abram sich in einen milit\u00e4rischen Konflikt verwickelt hatte. Das hatte er freiwillig getan, um seinen Neffen Lot aus der Patsche zu helfen. Und in Kapiteln 13 und 14 hatten wir gesehen, dass Abram ein au\u00dferordentlich gro\u00dfz\u00fcgiger Mensch war: er gab seinem Neffen den Vorzug, sich das Land auszusuchen, was eigentlich unerh\u00f6rt war. Und er lehnte die Kriegsbeute ab, die ihm eigentlich rechtm\u00e4\u00dfig zugestanden hatte. Das war der Kontext. Und das war die Situation, in der Abram sich befand: er hatte guten Grund sich zu f\u00fcrchten und Sorgen zu machen; und er hatte guten Grund, Verlustgef\u00fchle zu haben.\r\nIn diese Situation spricht Gott dann: \u201eF\u00fcrchte dich nicht, Abram! Ich bin dein Schild und dein sehr gro\u00dfer Lohn.\u201c Schild ist nat\u00fcrlich ein Bild f\u00fcr Bewahrung und Schutz. Der sehr gro\u00dfe Lohn ist selbsterkl\u00e4rend. Das Erstaunliche an Gottes Aussage ist folgendes: Gott sagte, dass er genau das f\u00fcr Abram ist. Gott sagte nicht: \u201eich gebe dir Schutz\u201c, sondern: \u201eich bin dein Besch\u00fctzer\u201c; und Gott sagte auch nicht: \u201eich gebe dir eine gro\u00dfe Belohnung\u201c, sondern \u201eich bin deine gro\u00dfe Belohnung\u201c. Abram w\u00fcrde sein ein und alles in Gott finden. Gott selbst f\u00fcr ihm alles und mehr als genug sein. Das war das prophetische Wort, das Abram zu h\u00f6ren bekam. Es war genau das Wort, das er in seiner Situation gebraucht hatte. Und es ist das prophetische Wort an uns: Gott will unser Gott sein. Er ist unser Schild und unser sehr gro\u00dfer Lohn.\r\n\r\n<strong>Zweitens, die Reaktion<\/strong>\r\nWir sehen im Gro\u00dfen und Ganzen zwei Reaktionen von Abram. Beide Reaktionen sind auf dem ersten Blick grundverschieden. Und trotzdem geh\u00f6ren sie eigentlich zusammen wie Licht und Schatten.\r\nAbrams erste Reaktion ist vielleicht nicht ganz, was wir erwarten w\u00fcrden. Noch einmal, Gott erscheint in einer Vision und spricht mit gro\u00dfer Klarheit und Deutlichkeit davon, dass Abram keinen Grund hatte, sich zu f\u00fcrchten, weil Gott sein Schild und sein sehr gro\u00dfer Lohn war. Abram h\u00e4tte an dieser Stelle \u201eDankesch\u00f6n\u201c sagen k\u00f6nnen und dann anfangen k\u00f6nnen, f\u00fcr Gott Anbetungslieder zu singen. Aber genau das tut Abram nicht. Er sagt stattdessen: \u201eHerr HERR [im Urtext steht einmal \u201eadonai\u201c, gefolgt von \u201eJahwe\u201c], was willst du mir geben? Ich gehe dahin ohne Kinder und mein Knecht Elieser von Damaskus wird mein Haus besitzen.\u201c Abram war noch nicht fertig. Weiter sagte er: \u201eSiehe, du hast mir keine Nachkommen gegeben; so wird mich mein Haussklave beerben.\u201c Abram sagte: \u201eGott, du hast mir Nachkommen versprochen. Wo sind diese Nachkommen? Ich kann sie nicht sehen.\u201c Diese Reaktion ist umso erstaunlicher, weil es die ersten Worte sind, die wir aus Abrams Mund h\u00f6ren und die wirklich an Gott adressiert sind. Vorher haben wir nur gelesen, wie Gott einfach in Stille gehorchte. Was ist das f\u00fcr eine Reaktion? Abram sagte nicht \u201eJa und Amen!\u201c. Abrams Antwort war ein: \u201eAber\u2026\u201c Abrams Reaktion war kein \u201eich kann es kaum erwarten, Herr\u201c. Es war ein: \u201eIm Ernst jetzt?\u201c Abram ist sichtlich frustriert. Er klagt. Er \u00e4u\u00dfert seine Zweifel.\r\nBevor wir fortfahren, sollten wir uns ein wenig Gedanken dar\u00fcber machen. Wie wir alle wissen, befand sich Abram auf einer Reise des Glaubens. Er hatte alles hinter sich gelassen: sein Zuhause, seine Verwandtschaft, seine vertraute Umgebung; er hatte sich auf das Abenteuer seines Lebens eingelassen. In der Bibel ist Abram der Mann des Glaubens par excellence. Und trotzdem wurde er von Zweifeln geplagt. Was folgern wir daraus? Wenn ein Mann des Glaubens wie Abram Zweifel hatte, warum sollte es uns besser ergehen? Wie k\u00f6nnten wir erwarten, dass wir keine Zweifel haben werden? Nat\u00fcrlich werden wir Zweifel haben. Zweifel sind unvermeidlich.\r\nDie Bibel berichtet von so vielen Menschen, die Zweifel hatten. Wir denken an den Vater eines besessenen Jungen, der Jesus um Heilung; und wo Jesus sagte: \u201eAlle Dinge sind m\u00f6glich dem, der da glaubt!\u201c Und wir h\u00f6ren diesen Schrei der Verzweiflung: \u201eIch glaube; hilf meinem Unglauben!\u201c Das sind Zweifel. Oder wir denken an Johannes den T\u00e4ufer, der furchtlos ein ganzes Volk dazu herausfordern konnte, Bu\u00dfe zu tun. Er hatte keine Hemmungen, Herodes zu konfrontieren, was ihn sprichw\u00f6rtlich den Kopf gekostet hat. Er hatte Jesus getauft und ihn als den Messias verk\u00fcndigt. Aber dann sa\u00df er bei Herodes im Gef\u00e4ngnis und wartete auf seine Hinrichtung. Und er hat Zweifel und l\u00e4sst Jesus fragen: \u201eBist du, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?\u201c Wenn Jesus der Messias ist, warum geht es mir dann so dreckig? Wenn Jesus der Heiland ist, warum heilt er mich nicht von den Schmerzen, unter dem ich jetzt gerade leide? Wenn Jesus der Erretter ist, warum rettet er mich nicht aus dieser verfahrenen Lage? Warum ist die Welt dann in diesem Chaos?\r\nEin guter Freund von mir hatte erz\u00e4hlt, wie er einen \u00e4lteren gl\u00e4ubigen Menschen beim Sterben begleitet hatte. Der Sterbende war ein leid-gepr\u00fcfter Christ, der schon so viele Krisen gemeistert hatte; der standhaft im Glauben gewesen war; ein Mann des Glaubens. Als er im Sterben lag, sagte er nicht: \u201eich freue mich, bald beim Vater zu sein; ich wei\u00df, dass der Tod nicht \u00fcber mich triumphieren kann; Jesus ist bei mir.\u201c Das waren nicht seine Worte. Er sieht die Finsternis des Todes wie sie \u00fcber ihn hereinbricht und sagte er dann folgendes: \u201eDas ist schwerer als ich dachte.\u201c Das sind Worte des Zweifels inmitten der letzten Krise seines Lebens.\r\nHier ist eine interessante Beobachtung. In christlichen Kreisen gibt es vor allem zwei Art und Weisen, wie mit Zweifeln umgegangen wird. In eher konservativen Kreisen sind Zweifel nicht willkommen. Zweifel werden als Unf\u00e4higkeit angesehen, zu glauben. Wer Zweifel hat, der hat halt einfach ein Problem. Manche christlichen Gemeinden haben wenig Geduld, Verst\u00e4ndnis und Mitgef\u00fchl f\u00fcr Zweifler, weil Zweifel einfach etwas ist, wof\u00fcr man halt Bu\u00dfe tun muss und gut ist. Vielleicht auch deswegen, weil man Furcht davor hat, dass man durch die Zweifel die anderen ansteckt. Auf der anderen Seite gibt es dann eher etwas liberale Kreise. Und dort hei\u00dft es dann, dass Zweifel v\u00f6llig in Ordnung sind; Zweifel sind \u00fcberhaupt kein Problem. Vielleicht ist da auch Furcht im Spiel: die Furcht davor zu dogmatisch zu sein. Weder der eine Ansatz noch der andere Ansatz sind aber wirklich biblisch. Das sehen wir daran, wie Gott auf Abram eingeht.\r\nGott schimpft nicht wegen Abrams Zweifel. Er h\u00f6rt Abram zu und nimmt ihn an. Gleichzeitig adressiert Gott Abrams Zweifel direkt. Er verspricht ihm einen leiblichen Nachkommen als Erben, keinen adoptierten Haussklaven. Gott l\u00e4sst Abram aus dem Zelt herrausgehen, zeigt ihm den Himmel: \u201eSieh doch zum Himmel hinaus und z\u00e4hl die Sterne, wenn du sie z\u00e4hlen kannst! Und er sprach zu ihm: So zahlreich werden deine Nachkommen sein.\u201c In Kapitel 13 war es Staub auf Erden, von dem man im Nahen Osten zu jederzeit mehr davon hat als einem lieb ist. Hier sind es dieses Mal die Sterne am Himmel, deren Anblick absolut atemberaubend gewesen sein muss. D.h., Gott tut beides: auf der einen Seite nimmt Gott uns in unseren Zweifeln an; auf der anderen Seite tut er etwas, um unseren Zweifel abzubauen.\r\nZweifel ist also die eine Reaktion von Abram. Die andere Reaktion sehen wir in Vers 6: \u201eAbram glaubte dem HERRN, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit.\u201c Abram zweifelte und glaubte. Pastor Uwe Sch\u00e4fer sagte, dass Zweifel der kleine Bruder vom Glauben ist. Und ich denke, dass er absolut Recht hat. Zweifel und Unglauben sind nicht dasselbe. Unglauben ist die Ablehnung zu glauben, auch wenn es eigentlich guten Grund gibt zu glauben; oder weil man nicht bereit ist, sich mit den Indizien auseinanderzusetzen. Es ist eine bewusste und willentliche Ablehnung. Zweifel sind die Unsicherheiten der Menschen, die Glauben haben.\r\nWas sollen wir tun, wenn wir Zweifel haben? Wir d\u00fcrfen zwei Dinge tun. Das erste ist, wirklich ehrlich mit unseren Zweifeln zu sein. C.S. Lewis hat zwei B\u00fccher \u00fcber das Leid geschrieben. Das erste Buch ist l\u00e4nger und etwas philosophisch und sehr durchdacht. Das zweite Buch ist wesentlich k\u00fcrzer und ist eigentlich vor allem eine Aufarbeitung von seinem Schmerz, als seine geliebte Ehefrau gestorben war. Es ist voll von Zweifel. Aber die rohen Emotionen und die Ehrlichkeit, mit der er schreibt, macht dieses Buch fast zu einer Art Psalm. Man entdeckt sich darin wieder. Und es ist die Aufrichtigkeit, durch welche viele Menschen Trost gefunden haben.\r\nDas zweite, das wir tun d\u00fcrfen, ist, unsere Zweifel zu beten. Es ist okay, wenn wir unsere Zweifel anderen Menschen mitteilen; aber auch das braucht Weisheit, weil es nicht immer ermutigend ist. Die meisten von uns wissen aus eigener Erfahrung, wie destruktiv es sein kann, wenn man sich in der Gegenwart von Menschen befindet, die nur jammern und sich beschweren. Es gibt kaum etwas Anstrengenderes als mit Menschen zusammen zu sein, die sich in einer Negativspirale befinden. Zweifel, Skepsis, Frust, Entt\u00e4uschung und Wut k\u00f6nnen ihre eigene Dynamik entwickeln; aus Klagen kann schnell Murren werden; es kann sich so leicht eine Negativit\u00e4t entwickeln, die einen selbst und alle Menschen in der Umgebung mit in den Abgrund hinunterziehen.\r\nAber es gibt ein offenes Ohr, das nicht m\u00fcde wird, uns zuzuh\u00f6ren. Es gibt ein unendlich gro\u00dfes Herz, das sich nicht durch uns entmutigen l\u00e4sst. Es gibt die ewigen Arme Gottes, die immer bereit sind, uns zu empfangen. Hier ist der Punkt: M\u00e4nner und Frauen des Glaubens haben gezweifelt, aber sie haben ihre Zweifel immer wieder vor Gott gebracht. M\u00e4nner und Frauen des Glaubens haben viel geklagt, aber diese Klage richtete sich direkt an Gott. M\u00e4nner und Frauen des Glaubens haben auch ihrem Frust und ihrer Wut Ausdruck verliehen, aber sie taten es vor allen Dingen im Gebet; im direkten Gespr\u00e4ch mit Gott. Das macht den ganzen Unterschied.\r\n\r\n<strong>Drittens, die Versicherung<\/strong>\r\nAbram glaubte Gott. Aber das hielt ihn nicht davon ab, wieder zweifelnde Fragen zu stellen. In Vers 7 verhei\u00dft Gott, dass er Abram das Land geben w\u00fcrde. Das Problem war nur, dass das Land schon zu Abrams Zeiten bewohnt war. Verschiedene kanaanitische St\u00e4mme hatten sich schon niedergelassen. Insgesamt werden in den Versen 19-21 zehn verschiedene St\u00e4mme erw\u00e4hnt. Abrams fragte: \u201eHerr HERR [Abram gebraucht die gleiche Anrede wie vorher], woran soll ich merken, dass ich es besitzen werden?\u201c Gott h\u00e4tte an dieser Stelle sagen k\u00f6nnen: \u201eAbram, ist es nicht genug, dass ich dir das versprochen habe? Was soll ich denn noch tun?\u201c Aber das ist es nicht, was Gott sagt. Gott tut das genaue Gegenteil.\r\nEr l\u00e4sst Abram ein Rind, eine Ziege, ein Widder und zwei Tauben bringen. Vers 10 sagt, dass Abram Gott diese Tiere nicht nur brachte. Er fing sofort damit an, sie zu zerschneiden. Es erweckt den Eindruck, dass Abram nicht nur wusste, was zu tun ist. Er hatte auf Anhieb verstanden, worum es Gott ging. Diese Tiere waren keine Opfertiere. Es handelt sich hier um ein anderes Ritual. In Vers 18 lesen wir, dass Gott mit Abram an diesem Tag einen Bund schloss. D.h., das Zerteilen der Tiere war Teil dieses Bundes. Wir haben so etwas \u00c4hnliches bei uns im Alltag. Wenn wir in eine Wohnung einziehen, dann unterschreiben wir einen Mietvertrag. In diesem Vertrag sind die Rechte und Pflichten der Vertragspartner festgehalten. Dieser Vertrag ist fast immer schriftlich. Und wenn sich einer der Partner nicht daran h\u00e4lt, dann kann der andere Partner aufgrund dieses Vertrags Schadensersatz verlangen, klagen oder k\u00fcndigen etc.\r\nHier in Genesis 15 schlie\u00dft Gott mit Abram einen Vertrag ab. Und damals waren die Vertr\u00e4ge nicht schriftlich. Sie waren zeremoniell. D.h., die Vertragspartner haben in einem Schauspiel das nachgespielt, was einem passieren sollte, wenn man sich nicht an den Vertrag h\u00e4lt. Man hat einen assyrischen Vertragstext aus dem 8. Jahrhundert vor Christus gefunden, wo das verb\u00fcrgt ist. In diesem Fall wurde ein Lamm zerteilt. Und dann hei\u00dft es: \u201eDieses Haupt ist nicht das Haupt des Lammes, es ist das Haupt des Mati\u2019lu [die Person, die den Vertrag abgeschlossen hat]. Wenn Mati\u2019lu gegen diesen Vertrag s\u00fcndigt, so m\u00f6ge, genau wie diesem jungen Lamm das Haupt abgerissen wurde, das Haupt von Mati\u2019lu und seiner S\u00f6hne abgerissen werden.\u201c .\r\nDie Tatsache, dass Gott so einen Bund mit Abram abschlie\u00dft, ist erstaunlich. Wir lesen diesen Text mit unserer kulturellen Brille und m\u00f6gen denken: \u201eTiere zerteilen: was f\u00fcr eine primitive Kultur!\u201c Und vielleicht ist es das auch. Ich denke, dass es ein gro\u00dfer Fortschritt ist, dass wir einen schriftlichen Mitvertrag haben und keine Ziege mehr zerteilen m\u00fcssen. Aber Gott nutzt die archaischen Mittel von Abrams Zeit, um ihm etwas zu zeigen. Gott spricht ganz gezielt in seine Zeit hinein auf eine Art und Weise wie Abram es verstehen kann. Wenn Gott mit einem 8-j\u00e4hrigen Kind aus unserer Zeit einen Bund geschlossen, vielleicht h\u00e4tte Gott dann einen \u201ePinky swear\u201c gemacht? Es zeigt, wie sehr sich der allm\u00e4chtige, ewige Gott erniedrigt, um mit uns auf solche Art und Weise zu kommunizieren, dass wir es nachvollziehen und verstehen k\u00f6nnen und damit es f\u00fcr uns Bedeutung hat.\r\nAber hier ist noch viel mehr. Im Text passieren seltsame, mysteri\u00f6se Dinge. Vers 12: \u201eBei Sonnenuntergang fiel auf Abram ein tiefer Schlaf. Und siehe, Angst und gro\u00dfes Dunkel fielen auf ihn.\u201c Auf einmal ist eine tiefe Finsternis. Es ist aber nicht einfach nur physische Dunkelheit; es ist eine Finsternis der Seele voller Angst und Horror. Vers 17: \u201eDie Sonne war untergegangen und es war dunkel geworden. Und siehe, ein rauchender Ofen und eine lodernde Fackel waren da; sie fuhren zwischen jenen Fleischst\u00fccken hindurch.\u201c Inmitten der Finsternis sehen wir einen rauchenden Ofen und eine brennende Fackel. Wir begegnen dem rauchenden Ofen und der brennenden Fackel in Exodus, auf dem Berg Sinai. Sie repr\u00e4sentieren die Gegenwart Gottes. Was tut Gott? Gott geht inmitten der zerteilten Tiere hindurch.\r\nWas bedeutet das dann? Gott willigt als Bundespartner ein, dass ihm das widerfahren soll, was den Tieren passiert, wenn er sich nicht an den Bund halten sollte. Und das scheint noch unvorstellbarer. Tim Keller kommentierte, dass das was Gott hier Abram zusagte, folgendes war: \u201eM\u00f6ge meine Unsterblichkeit sterblich werden; m\u00f6ge meine Unver\u00e4nderlichkeit ver\u00e4nderlich werden; m\u00f6ge meine Unendlichkeit endlich werden; m\u00f6ge das Unm\u00f6glich m\u00f6glich werden; m\u00f6ge ich zerteilt werden; m\u00f6ge ich zerschnitten werden; m\u00f6ge ich verworfen werden.\u201c Das an sich ist bereits einzigartig. Auf der anderen Seite, machen wir uns wirklich Sorgen darum, dass es an Gott scheitern sollte? Gott ist Gott: er ist treu; er h\u00e4lt sich an seine Abmachungen; er steht zu seinen Verhei\u00dfungen; er macht keine leeren Versprechungen. Wenn Gott einen Bund mit uns schlie\u00dft, dann liegt es nicht an Gott, dass der Bund scheitert.\r\nAbram musste verstanden haben, dass er der Wackelkandidat ist. Er muss sich gefragt haben: \u201eGott ist treu. Aber was ist, wenn ich untreu werde? Was ist, wenn ich in meinem Glaubensleben versage? Was ist, wenn ich wieder aufgrund einer Hungernot nach \u00c4gypten gehe? Was ist, wenn ich aus Furcht schon wieder krumme Dinge mache und meine Frau als meine Schwester ausgebe? Was ist, wenn ich versage?\u201c Um den Text richtig zu erfassen, m\u00fcssen wir nicht nur verstehen, wer durch die zerteilten Tiere ging: das war Gott selbst. Wir m\u00fcssen auch verstehen, wer nicht hindurchging: und das war Abram.\r\nWenn ein K\u00f6nig damals mit einem Untertanen einen Bund geschlossen hatte, war es \u00fcblich, dass der Untertan alleine zwischen die zerteilten Tiere ging. Warum sollte der K\u00f6nig sich das auch antun? Er war ja derjenige, der Macht \u00fcber seine Untertanen hatte. In Ausnahmef\u00e4llen, wenn der K\u00f6nig besonders gro\u00dfz\u00fcgig war, ging der K\u00f6nig gemeinsam mit seinem Untertanen hindurch. Aber hier ist es Gott alleine und nicht Abram. Gott verspricht, dass er die Strafe auch dann noch auf sich nimmt, wenn es Abram ist und nicht Gott, der den Bund verletzt. Der Bund, den Gott mit Abram schlie\u00dft, ist ein Bund der Gnade. Gott bezahlt f\u00fcr Abram. Gott b\u00fcrgt f\u00fcr Abram. Gott h\u00e4lt seinen Kopf f\u00fcr Abram hin. Gott verspricht, dass er sein Leben daf\u00fcr gibt, wenn Abram versagt.\r\nWie hat sich dieser Text erf\u00fcllt? In Matth\u00e4us 27,45 lesen wir: \u201eVon der sechsten Stunde an war Finsternis \u00fcber dem ganzen Land bis zur neunten Stunde.\u201c Wieder begegnet uns eine unnat\u00fcrliche Finsternis, die schlimmer ist als jede Nacht. Wieder haben wir es mit einer Finsternis voller Horror und Schrecken zu tun. Es ist die Finsternis der Abwesenheit Gottes. Und Jesus schrie in unvorstellbarem Schmerz und Leid: \u201eMein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?\u201c Jesus starb am Kreuz in sprichw\u00f6rtlicher Gottverlassenheit. Gott wurde Gewalt angetan. Gott wurde von Gott verlassen. Gott wurde zerteilt. Seine ewige Gemeinschaft wurde auseinandergerissen. Er nahm den Fluch auf sich. Er nahm die Strafe auf sich.\r\nWir haben die Prophetie gesehen: Gott ist unser Schild und unser sehr gro\u00dfer Lohn. Wir haben unsere Reaktion gesehen: wir haben Zweifel, ob dem wirklich so sein kann. Und wir haben die Versicherung gesehen: Gott hat in Jesus Christus unseren Fluch auf sich geladen, damit Er uns segnen kann. Wenn wir Jesus f\u00fcr uns verlassen am Kreuz sehen, dann wissen wir, wie ernst Gott es mit uns meint. Wenn wir Jesus am Kreuz f\u00fcr uns sterben sehen, dann schwinden die Zweifel. Und wenn wir an diesen Jesus glauben, dann wird das f\u00fcr uns wahr, was in Vers 6 geschrieben steht: \u201eAbram glaubte dem HERRN, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit.\u201c\r\n\r\n<!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Der Bund \u201eDie Sonne war untergangen und es war dunkel geworden. Und siehe, ein rauchender Ofen und eine lodernde Fackel waren da; sie fuhren zwischen jenen Fleischst\u00fccken hindurch.\u201c (1.Mose 15,17) Im Leben vom Abraham gab es einige wichtige Momente. 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