{"id":9820,"date":"2020-08-30T11:00:16","date_gmt":"2020-08-30T09:00:16","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=9820"},"modified":"2022-11-18T12:19:44","modified_gmt":"2022-11-18T11:19:44","slug":"predigt-1-mose-111-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-mose-111-9\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Mose 11,1 &#8211; 9"},"content":{"rendered":"<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020Gen-08_1101-1109.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a>\r\n<h2 style=\"text-align: center;\">Der Turm und die Stadt<\/h2>\r\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eDaher hei\u00dft ihr Name Babel, weil der HERR daselbst verwirrt hat aller Welt Sprache und sie von dort zerstreut hat \u00fcber die ganze Erde.\u201c<\/h3>\r\n<p style=\"text-align: center;\">(1. Mose 11,9)<\/p>\r\nEine gute Freundin von mir kommt urspr\u00fcnglich aus Indien. Aber sie lebt und arbeitet seit einigen Jahren in Frankreich. Zu Beginn ihrer Anstellung im Labor, musste sie zu einer Betriebs\u00e4rztin. Die Krankenschwester, die sie empfangen hatte, konnte nur Franz\u00f6sisch. Und anscheinend war sie eine etwas grobe und schroffe Person. Meine Bekannte war noch relativ neu in Frankreich. Eigentlich konnte sie nicht nicht wirklich Franz\u00f6sisch. Aber sie versuchte es so gut sie es konnte. Und dann erz\u00e4hlte sie mir, dass die Schwester so bewegt und angetan war und sie ganz freundlich und lieb behandelt hatte. Sprachen k\u00f6nnen sprichw\u00f6rtlich dazu f\u00fchren, dass sich T\u00fcren auftun.\r\nGleichzeitig wissen wir alle, dass Kommunikation wirklich schwierig ist. Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir uns hier in der Gemeinde auf deutsch unterhalten, obwohl die meisten von uns sich im Deutschen nicht wirklich zu Hause f\u00fchlen. Es gibt den Ausdruck \u201elost in Translation.\u201c Sprache steht nicht nur f\u00fcr Reden und Kommunikation. Hinter der Sprache ist eine ganze Kultur, eine Denk- und Lebensweise, eine geteilte Geschichte. Vieles davon l\u00e4sst sich nicht einfach \u00fcbersetzen. Weil dem so ist, leben wir in einer unweigerlich geteilten, zersplitterten Welt. Unser Text erz\u00e4hlt die Geschichte davon, wie es dazu kam.\r\nDrei Punkte sehen wir hier: erstens, unser Ehrgeiz; zweitens, Gottes Intervention; drittens, die Gnade auf die der Text hinweist.\r\n\r\n<strong>Erstens, unser Ehrgeiz<\/strong>\r\nDie Geschichte beginnt damit, dass die Menschen nach Osten zogen. Luther \u00fcbersetzt hier, dass die Menschen von Osten aufbrachen. Was aber eher gemeint ist, dass die Menschen ostw\u00e4rts zogen. Sie lassen sich im Land Schinar nieder. Mit dem Land Schinar ist ganze Mesopotamien gemeint. In den Versen 3 und 4 sagen die Menschen zueinander: \u201eAuf, formen wir Lehmziegel und brennen wir sie zu Backsteinen. \u2026 Auf, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis in den Himmel!\u201c Die Menschen im heutigen Text starteten ein ambitioniertes Bauprojekt. Die Menschen wollten zwei Dinge bauen: eine Stadt und einen Turm. Die Eigenschaft des geplanten Turmes ist interessant: die Spitze des Turmes sollte bis an den Himmel reichen. Warum bis an den Himmel?\r\nWenn wir diesen Text lesen, dann h\u00f6rt sich das Ganze an, wie ein Sakrileg. Vielleicht denken wir, dass es die Absicht der Menschen damals war, in den Himmel zu kommen. Vielleicht interpretieren wir es als deren kl\u00e4glicher Versuch, Gott zu finden; oder zumindest sprichw\u00f6rtlich nach den Sternen zu greifen. Ich denke, dass es nur teilweise richtig ist. Die meisten Ausleger sind sich darin einig, dass der Turm, von dem die Rede ist, eine Zikkurat ist. Eine Zikkurat ist ein Tempelturm in mehreren Stufen. In der Gegend von Mesopotamien, wo unser heutiger Text angesiedelt ist, hat man ca. zwei Dutzend Ruinen von solchen Zikkurats nachweisen k\u00f6nnen. Man nimmt an, dass Menschen bereits im 5. Jahrtausend vor Christus damit angefangen hatten, solche Tempelt\u00fcrme zu bauen. Oben auf der Zikkurat befand sich ein Tempel. Alternativ wurde eine Zikkurat neben einem Tempel gebaut. Frage ist dann, wozu diese T\u00fcrme dann dienten.\r\nZikkurats waren heilige Geb\u00e4ude. Es ging nicht darum, dass Menschen durch diesen Turm zu Gott kommen sollten. So ziemlich das Gegenteil ist der Fall. Der griechische Historiker Herodot berichtet, dass die Babylonier daran glaubten, dass die G\u00f6tter in den Tempel eintreten und dort ruhen. Eine Zikkurat war dazu da, dass Gott zu den Menschen herab kommt. Das war die Hoffnung, die die Menschen hatten, als sie sich ans Bauen machten.\r\nWarum wollten die Menschen, dass Gott herab kommt? Vers 4 antwortet: \u201eSo wollen wir uns einen Namen machen, damit wir uns nicht \u00fcber die ganze Erde zerstreuen.\u201c Das war ihre Motivation: sie wollten sich einen Namen machen. Sie wollten Bedeutung und Ber\u00fchmtheit erlangen. Sie wollten Ruhm und Ehre. Sie wollten, von anderen gekannt werden. Gott war daf\u00fcr ihr Mittel zum Zweck. Gott sollte herab kommen, Gott sollte sie besuchen kommen; nicht deshalb, weil sie ein intrinsisches Interesse hatten, ihn anzubeten; nicht deshalb, weil sie glaubten, dass Gott w\u00fcrdig ist; nicht deshalb, um Gottes Namen gro\u00df zu machen. Es ging ihnen um ihren eigenen Namen und um ihre eigene Herrlichkeit. Das ist es, was Gott f\u00fcr sie tun sollte.\r\nDie Geschichte vom Turmbau zu Babel ist wie die anderen fr\u00fchen Geschichten der Bibel geheimnisvoll. Ich finde die Geschichten zutiefst faszinierend. Wir m\u00fcssen verstehen, dass keine von diesen Geschichten isoliert dasteht. Die 9 Verse, die \u00fcber den Turmbau von Babel berichten, stehen in einem gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang zu den Texten vorher und nachher (wir gehen nachher etwas darauf ein). Diese einzelnen Geschichten sind daher Teil einer viel gr\u00f6\u00dferen Geschichte. Fakt ist, die Bibel erz\u00e4hlt eine gro\u00dfe Geschichte angefangen von Genesis bis zum Buch Offenbarung. Und hier ist der zweite Punkt, den ich faszinierend finde: wir alle, jeder einzelne von uns, wir sind Teil dieser Geschichte. Die Geschichte, welche die Bibel erz\u00e4hlt ist unsere Geschichte.\r\nWir k\u00f6nnten diesen Text lesen und denken: \u201eDiese primitiven V\u00f6lker dachten wirklich, dass wenn sie nur einen Tempel noch genug in den Himmel bauen, Gott sie besuchen und segnen kommt. Da sind wir aufgekl\u00e4rte Menschen viel weiter.\u201c Stimmt das wirklich? Die Tempelt\u00fcrme waren nicht unbedingt Orte der Anbetung (es fanden dort keine Gottesdienste oder Opfer statt); die Zikkurats waren Ausdruck der Anbetung. Jeder Mensch betet etwas an. Und wir haben nicht aufgeh\u00f6rt, T\u00fcrme zu bauen, die dem Ganzen Ausdruck verleihen. Diese T\u00fcrme sollen bis an den Himmel reichen. Wir nennen sie daher Wolkenkratzer. Wo stehen die h\u00f6chsten Geb\u00e4ude in Europa? Wie im heutigen Text stehen die T\u00fcrme in gro\u00dfen St\u00e4dten, z.B. in Frankfurt. Das h\u00f6chste Geb\u00e4ude der EU ist der \u201eCommerzbank Tower\u201c. Das derzeit h\u00f6chste Geb\u00e4ude in Europa ist das \u201eLakhta Center\u201c in St. Petersburg und ist das Hauptquartier von Gazprom. Sie sind Ausdruck dessen, was wir anbeten: das Geld und die Wirtschaft. Sie sind Ausdruck dessen, wie wir versuchen, uns einen Namen zu machen. Der Turmbau von Babel erz\u00e4hlt nicht einfach eine Geschichte von vor vielen Tausenden von Jahren. Es ist unsere Geschichte vom Hier und Jetzt.\r\nWir leben im Moment mit ungef\u00e4hr 7,8 Milliarden anderen Menschen auf diesem Planeten. Das ist eine Zahl, die man sich kaum vorstellen kann. Wenn wir jeden Menschen 1 Sekunde lang ins Gesicht schauen wollten, w\u00fcrden wir daf\u00fcr fast 250 Jahre brauchen. Angenommen jemand w\u00fcrde angesichts dieser Tatsache argumentieren: \u201eWei\u00dft du, es gibt Milliarden von anderen Menschen jetzt; es hat bereits Milliarden von Menschen vor uns gegeben und es wird sie nach uns geben; dein Leben kann doch gar nicht so wichtig sein. Du bist nichts anderes als ein einziges Sandkorn an einem Strand\u201c. Wir w\u00fcrden uns mit dieser Antwort niemals zufriedengeben &#8211; absolut nicht. Wir wollen Bedeutung. Wir wollen, dass andere uns kennen. Wir wollen uns einen Namen machen. Wir wollen ein besonderes Sandkorn sein. Nat\u00fcrlich wissen wir, dass nicht jeder von uns kann so bekannt werden kann wir Beethoven oder Einstein. Trotzdem wollen wir kein Leben f\u00fchren, das in Vergessenheit ger\u00e4t. Wir wollen einen Unterschied in dieser Welt machen.\r\nWie versuchen wir das zu erreichen? Wir tun dies, indem wir irgendetwas anbeten. Jeder von uns tut das. Anbetung klingt nach Gottesdienst und geistliche Aktivit\u00e4ten. Aber die Anbetung der fr\u00fchen Babylonier hat sich darin ge\u00e4u\u00dfert, dass sie Ziegelsteine en masse produziert haben und Geb\u00e4ude in die H\u00f6he gezogen haben. Ihre Anbetung kam durch harte Arbeit zum Ausdruck. Was arbeiten wir so flei\u00dfig? Was ist die Arbeit, die uns keine Ruhe l\u00e4sst? F\u00fcr manche mag es das Studium sein oder der Beruf. Wir arbeiten, weil wir uns beweisen wollen, dass wir jemand sind. F\u00fcr andere mag es Sport oder Kunst oder Musik sein oder irgendetwas anderes von dem wir uns erwarten, dass es uns eine einzigartige Identit\u00e4t geben kann. Hier ist der Punkt, den viele von uns nicht wahrhaben wollen: es k\u00f6nnen auch geistliche Aktivit\u00e4ten sein.\r\nViele von uns haben den Eindruck, dass unsere Gemeinde im Moment so passiv und zur\u00fcckhaltend ist; und einige von uns w\u00fcnschen sich, dass mehr Menschen anpacken und wieder mehr Leben in die Gemeinde einkehrt. Das w\u00fcnsche ich mir auch! Ich wei\u00df, dass es ein sehr kontroverses Thema ist, aber vielleicht ist jetzt eine gute Zeit, dar\u00fcber nachzudenken, weshalb wir fr\u00fcher all die guten Dinge getan haben, die wir getan haben. Was war unsere Motivation tats\u00e4chlich? Studenten einladen, Dienst im Zentrum, Bibelstudien, Konferenzen planen und durchf\u00fchren, opfern. Vielleicht denkt ihr: \u201eNat\u00fcrlich habe ich das alles f\u00fcr Gott getan!\u201c Ich will das nicht in Frage stellen. Gleichzeitig m\u00f6chte ich dazu einladen, unsere Motivation sorgf\u00e4ltig zu pr\u00fcfen. Denn wenn wir wirklich allein zur Ehre Gott arbeiten, warum schauen wir auf andere herab, die nicht so flei\u00dfig und hart arbeiten wie wir? Wenn wir wirklich allein f\u00fcr Gottes Namen arbeiten, warum sind wir so schlecht darin, gesunde und liebevolle Beziehungen zu unseren Br\u00fcdern und Schwestern in der Gemeinde aufzubauen? Warum gibt es in unseren Gemeinden so viele Spaltungen? So viele Wunden und Verletzungen?\r\nHier ist eine Frage, die jeder f\u00fcr sich beantworten muss: wof\u00fcr arbeiten wir? Denn selbst die guten und heiligen Dinge, die wir tun, k\u00f6nnen ein babylonischer Turmbau sein, wenn wir sie f\u00fcr uns und f\u00fcr unseren Namen tun. Das ist der erste Punkt. Die flei\u00dfigen, disziplinierten und religi\u00f6sen Babylonier werfen ein Licht auf unseren eigenen Ehrgeiz.\r\n\r\n<strong>Zweitens, Gottes Intervention<\/strong>\r\nUnser Text ist sehr symmetrisch aufgebaut. Und wir finden hier auch sehr viel Ironie. Ich habe argumentiert, dass die Zikkurat dazu da war, damit Gott vom Himmel herabkommt. In Vers 5 lesen wir dann: \u201eDa stieg der HERR herab, um sich Stadt und Turm anzusehen, die die Menschenkinder bauten.\u201c Gott kam tats\u00e4chlich herab. Und in Vers 7 lesen wir ein weiteres Mal wie Gott spricht: \u201eAuf, steigen wir hinab\u2026\u201c Ich hatte mich fr\u00fcher immer gefragt, weshalb Gott herabkommen musste, um sich die Stadt und den Turm anzusehen. \u201eIst Gott nicht allwissend? Ist er nicht omnipr\u00e4sent? Konnte er nicht vom Himmel sehen, was unten auf der Erde vor sich ging?\u201c Ich denke, dass der Autor von Genesis eine bildliche Sprache verwendet, um etwas zu illustrieren. Der Turm, der den Anspruch hat, bis zum Himmel zu reichen, ist so klein, dass Gott bildlich gesprochen herabkommen \u201emuss\u201c, um ihn \u00fcberhaupt sehen zu k\u00f6nnen.\r\nGott kommt also herab. Aber Gott tut nicht das, was sich die Menschen erhofft hatten. Gott verwirrt die Sprache der Menschen. Die Begr\u00fcndung ist in Vers 6: \u201eUnd der HERR sprach: Siehe, ein Volk sind sie und eine Sprache haben sie alle. Und das ist erst der Anfang ihres Tuns. Jetzt wird ihnen nichts mehr unerreichbar sein, wenn sie es sich zu tun vornehmen.\u201c Gott sah ihr Tun, das nicht gut war. Um ihrem Tun Einhalt zu gebieten, verwirrt er ihre Sprache.\r\nHier ist ein weiterer ironischer Punkt. Vers 9 sagt, dass die Stadt den Namen Babel bekam. Babel l\u00e4sst sich eigentlich aus dem akkadischen Wort babilu ableiten und bedeutet \u201edas Tor Gottes\u201c. Das k\u00f6nnte kaum besser klingen. Aber Babel klingt erstaunlich \u00e4hnlich mit \u201ebabbeln\u201c. Interessanterweise gibt es das Wort \u201ebabbeln\u201c nicht nur im Deutschen sondern in \u00e4hnlichen Formen in vielen anderen Sprachen. Im Englischen, Deutschen, Franz\u00f6sischen und etlichen anderen Sprachen kennen wir au\u00dferdem den Ausdruck \u201ebla, bla\u201c. Meinen tun wir damit unverst\u00e4ndliches oder unwichtiges Gelaber. Vers 9 sagt jetzt: \u201eDarum gab man der Stadt den Namen Babel\u2026\u201c Weil niemand mehr in der Lage war, die Sprache des anderen zu verstehen, hie\u00df die Stadt \u201eBabbeln\u201c. Die Einheits\u00fcbersetzung f\u00fcgt an dieser Stelle hinzu, dass Babel \u201eWirrsal\u201c bedeutet, weil Gott die Sprache der ganzen Welt verwirrt hat.\r\nNoch mehr Ironie: Die Menschen in Babel wollten eine Stadt und einen Turm bauen, um nicht \u00fcber die ganze Erde zerstreut zu werden. Wir lesen dann in Vers 8: \u201eDer HERR zerstreute sie von dort aus \u00fcber die ganze Erde, und sie h\u00f6rten auf, an der Stadt zu bauen.\u201c Ihnen geschah genau das, was sie eigentlich unbedingt vermeiden wollten.\r\nGottes Eingreifen war sein Gericht. Aber es war ein sehr gn\u00e4diges Eingreifen. Gott l\u00f6scht die Menschen nicht aus. So ziemlich das Gegenteil ist der Fall. Das sehen wir vor allem im dritten Teil.\r\n\r\n<strong>Drittens, die Gnade, auf die der Text hinweist<\/strong>\r\nIch hatte vorhin erw\u00e4hnt, dass Genesis 9 ein Puzzlest\u00fcck zu einer gr\u00f6\u00dferen Geschichte darstellt. Innerhalb von Genesis ist dieser Text wie ein Bindeglied. Es weist zur\u00fcck vor vorherige Texte. Wie nach dem Brudermord Kains, ist davon die Rede, dass die Menschheit nach Osten zog, weg von Gottes Angesicht und dass die Menschen eine Stadt bauten. Wie der Anfang von Genesis 6 (der omin\u00f6se Text von den Gottess\u00f6hnen und Menschent\u00f6chtern) weist die Geschichte auf dem moralischen Niedergang der Menschen hin. Aber der Text ist auch ein Hinweis auf das, was noch kommen wird. Etwas genauer gesagt, der Text gibt uns zwei Hinweise auf biblische Realit\u00e4ten, die erst nach und nach entfaltet werden. Die eine Realit\u00e4t hat mit unserem Namen zu tun. Die andere Realit\u00e4t hat mit dem Herabkommen Gottes zu tun.\r\nDie Menschen in Babel wollten sich einen Namen machen. Und ich habe versucht zu argumentieren, dass dieses Bed\u00fcrfnis, sich einen Namen zu machen, universell ist. Wir alle haben dieses Bed\u00fcrfnis, ob wir wollen oder nicht. Jeder von uns wendet sich irgendetwas zu, von dem wir erwarten, dass es uns eine einzigartige Identit\u00e4t und einen Namen schenken kann; und das, dem wir uns zuwenden, ist gerade das, was wir anbeten. Ein Kapitel sp\u00e4ter lesen wir, wie Gott Abram beruft. In Vers 2 sagt Gott dann: \u201eUnd ich will dich zum gro\u00dfen Volk machen und will dich segnen und dir einen gro\u00dfen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.\u201c Gott verspricht hier Abram, dass er ihm einen gro\u00dfen Namen machen w\u00fcrde. Was Gott damit zu sagen scheint, ist folgendes: \u201eDu willst einen gro\u00dfen Namen haben; die einzige Art und Weise, wie du dazu kommen kannst, ist, wenn ich dir einen gro\u00dfen Namen mache.\u201c\r\nWie macht Gott das dann? Die Menschen in Babel wollten sich einen Namen machen, indem sie sich eine Stadt und einen Turm gebaut hatten. Der Name, den Gott uns geben will, hat ebenfalls mit einer Stadt zu tun. In Offenbarung 3,12 hei\u00dft es dazu: \u201eWer siegt, den werde ich zu einer S\u00e4ule im Tempel meines Gottes machen und er wird nicht mehr hinausgehen. Und ich werde auf ihn den Namen meines Gottes schreiben und den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem, das aus dem Himmel herabkommt von meinem Gott, und auch meinen neuen Namen.\u201c Einen ber\u00fchmten Namen zu haben ist untrennbar damit verkn\u00fcpft, in einer Stadt angenommen und akzeptiert zu sein. Der typische Weg eines K\u00fcnstlers ist es, als ein Nobody in die Stadt zu kommen und sich dort einen Namen zu machen. Beethoven kam als ein relativ unbekannter K\u00fcnstler nach Wien und machte sich dort einen Namen, den heute fast jeder Mensch zumindest mal geh\u00f6rt hat. In Offenbarung bekommen wir die Verhei\u00dfung, dass Gott uns einen bleibenden Namen schenkt, und zwar in der einzigen Stadt, die wirklich z\u00e4hlt: im Neuen Jerusalem, das vom Himmel herabkommt. Wie kann Gott das tun?\r\nWir finden die Antwort, wenn wir uns dar\u00fcber Gedanken machen, wo Jesus gestorben ist. Jesus zog in die Stadt Jerusalem ein. Aber Jesus wurde nicht in Jerusalem gekreuzigt. Jesus wurde aus der Stadt herausgef\u00fchrt. Hebr\u00e4er 13,12 und 14 sagen: \u201eDeshalb hat auch Jesus, um durch sein eigenes Blut das Volk zu heiligen, au\u00dferhalb des Tores gelitten. \u2026 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern wir suchen die zuk\u00fcnftige.\u201c Was bedeutet das? Drau\u00dfen vor den Toren der Stadt hingerichtet zu werden, bedeutete, dass Jesus von der Stadt abgelehnt wurde. Jesus erfuhr die Ablehnung der Menschen; den Ausschluss aus der Gemeinschaft; die Isolation. Die Ablehnung Jerusalems war aber nichts weiter als ein Symbol f\u00fcr die wahre Ablehnung, die Jesus erdulden musste: der Ausschluss aus der Gemeinschaft mit dem Vater. Jesus litt au\u00dferhalb der irdischen Stadt, als Zeichen dessen, dass er die himmlische Stadt f\u00fcr uns verlassen hatte. Jesus litt au\u00dferhalb des irdischen Jerusalems und au\u00dferhalb des himmlischen.\r\nWas bedeutet das dann f\u00fcr uns? Die einzige Art und Weise, wie wir uns einen Namen machen k\u00f6nnen, ist, indem wir aufh\u00f6ren, uns selbst einen Namen zu machen. Gott gibt uns einen bleibenden Namen. Wir bekommen einen bleibenden Namen nicht durch das, was wir tun oder was wir leisten oder vollbringen oder bauen oder schaffen. Unser bleibender Name beruht darauf, was Jesus f\u00fcr uns an unserer Stelle vollbracht hat. Der Name, den Gott uns schenkt, beruht auf Gnade. Diese Identit\u00e4t, die Gott uns schenkt, macht uns frei von Stolz: auch frei von unserem verletzten Stolz. Wenn wir das verstanden und angenommen haben, und erst dann, wenn wir das verstanden und angenommen haben, sind wir wirklich f\u00e4hig f\u00fcr Gemeinschaft und f\u00fcr Freundschaften. Die anderen sind nicht l\u00e4nger unsere Konkurrenten; die anderen sind nicht l\u00e4nger eine Bedrohung f\u00fcr uns. Sie sind unsere Gef\u00e4hrten auf dem Weg in die wahre Stadt, die herabkommen wird.\r\nDie zweite Realit\u00e4t, auf die der Text hinweist, ist das Herabkommen Gottes. Der Turm war ein heiliger Ort und wurde in der Hoffnung gebaut, dass Gott herabkommt. Sp\u00e4ter, im Verlauf der Bibel sehen wir, wie Gott selbst einen heiligen Ort erschafft, um mit den Menschen Gemeinschaft haben zu k\u00f6nnen. In Exodus kommt Gott herab, und bleibt unter den Israeliten in der Stiftsh\u00fctte. In 1. K\u00f6nige kommt Gott herab, in den Tempel, um mit seinem Volk Gemeinschaft zu haben. Aber alles im AT ist nur ein Schatten der kommenden Wirklichkeit, wie Hebr\u00e4erbrief und sagt. In Johannes 1,14 lesen wir: \u201eDas Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.\u201c In Jesus Christus ist Gott selbst Mensch geworden, um mit uns Menschen zu sein, so dass wir im Angesicht Jesu nichts weniger sehen als die Herrlichkeit Gottes. Mit anderen Worten, Gott hat Jesus als den Turm in der Mitte der Stadt aufgerichtet: der heilige Ort, an dem Gott herabkommt und uns Menschen begegnet.\r\nUnd das ist immer noch nicht alles. Die meisten Interpreten sind sich darin einig, dass Apostelgeschichte 2 eine Umkehrung von unserer Geschichte ist. Jesus sandte seinen Heiligen Geist, damit Gott selbst durch seinen Heiligen Geist fortan in allen Menschen wohnen kann, was jeden einzelnen Menschen, der an Jesus glaubt, zu einem Tempel Gottes macht. Das Kommen des Heiligen Geistes hat f\u00fcr einen kurzen Moment die Verwirrung der Sprachen aufgehoben. Noch ist es nicht permanent. Aber es gibt wieder einen Hinweis darauf, wie es sein wird, wenn Gottes Reich vollst\u00e4ndig da ist und wenn seine Stadt vom Himmel herabkommt.\r\nDie Frage ist, ob wir bereit sind, um der Stadt Gottes willen aufzuh\u00f6ren, unsere eigene Stadt und unseren eigenen Namen zu bauen.\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Der Turm und die Stadt \u201eDaher hei\u00dft ihr Name Babel, weil der HERR daselbst verwirrt hat aller Welt Sprache und sie von dort zerstreut hat \u00fcber die ganze Erde.\u201c (1. Mose 11,9) Eine gute Freundin von mir kommt urspr\u00fcnglich aus Indien. Aber sie lebt und arbeitet seit einigen Jahren in Frankreich. Zu Beginn ihrer [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[37,4],"tags":[],"class_list":["post-9820","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-1-mose","category-predigt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9820","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9820"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9820\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9823,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9820\/revisions\/9823"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9820"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9820"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9820"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}