{"id":9801,"date":"2020-08-16T11:00:09","date_gmt":"2020-08-16T09:00:09","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=9801"},"modified":"2022-11-18T12:19:46","modified_gmt":"2022-11-18T11:19:46","slug":"predigt-1-mose-61-724","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-mose-61-724\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Mose 6,1 &#8211; 7,24"},"content":{"rendered":"<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/2020Gen-07_0601-0724-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a>\r\n<h2 style=\"text-align: center;\">Gottes Gericht und Rettung<\/h2>\r\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eDies ist die Geschichte von Noahs Geschlecht. Noah war ein frommer Mann und ohne Tadel zu seinen Zeiten. Er wandelte mit Gott.\u201c<\/h3>\r\n<p style=\"text-align: center;\">(1. Mose 6,9)<\/p>\r\nNach dem Bericht \u00fcber die Sch\u00f6pfung und das Paradies haben wir in der Genesis erfahren, wie die S\u00fcnde in die Welt kam und sich ausgebreitet hat. Im heutigen Text erfahren wir, wie die ganze Menschheit von der S\u00fcnde ergriffen und derart beherrscht wurde, dass es f\u00fcr die Menschheit keinen Ausweg mehr gab und Gott sie durch eine Flut richten musste. Der Bericht \u00fcber die Sintflut schildert das tragischste Ereignis und den negativen H\u00f6hepunkt des ganzen Alten Testaments. Wir erfahren aber auch, wie Gott inmitten des Gerichts einen Mann und seine Familie errettete und dadurch die Menschheit und die Tierwelt erhielt. Wir wollen den Text mit drei Fragen betrachten: Wie konnte es so weit kommen, dass Gottes Gericht unausweichlich wurde? Wer war Noah und wie wurde er mit seiner Familie gerettet? Welche Bedeutung hat dieser Text f\u00fcr uns heute?\r\n\r\n<strong>1. Wie konnte es so weit kommen?<\/strong>\r\n\r\nDer erste Abschnitt von Kap. 6 (Verse 1-4) ist der einzige in unserem Text, der uns bei dieser Frage weiterhelfen kann. Er ist eine Art Br\u00fccke zwischen den Stammb\u00e4umen in den Kapiteln 4 und 5 und dem Bericht ab Kap. 6,5 \u00fcber die v\u00f6llige Verdorbenheit und Bosheit der Menschen, die zu Gottes Entschluss zur Sintflut gef\u00fchrt haben. In den Versen 1-2 hei\u00dft es: \u201eAls aber die Menschen sich zu mehren begannen auf Erden und ihnen T\u00f6chter geboren wurden, da sahen die Gottess\u00f6hne, wie sch\u00f6n die T\u00f6chter der Menschen waren, und nahmen sich zu Frauen, welche sie wollten.\u201c Diese Stelle ist nicht ganz einfach, weshalb es auch verschiedene Auslegungen dazu gibt. Das hebr\u00e4ische Wort f\u00fcr Gottess\u00f6hne hei\u00dft \u201enefilim\u201c und steht nicht nur f\u00fcr leibliche S\u00f6hne, sondern auch allgemeiner f\u00fcr ein Verh\u00e4ltnis der Unterordnung. Es wird auch im Buch Hiob Kap. 1 verwendet f\u00fcr Engelsf\u00fcrsten, die zur Umgebung Gottes geh\u00f6ren wie zu einem K\u00f6nig sein Gefolge. Manche Ausleger meinen, dass im Vers 2 mit \u201eGottess\u00f6hne\u201c tats\u00e4chlich Engel gemeint sind, die in Menschengestalt auf die Erde kamen und sich mit sch\u00f6nen Frauen k\u00f6rperlich verbunden haben. Gegen diese Auslegung spricht, dass Gott daraufhin im Vers 3 sagt, dass sein Geist nicht immerdar im Menschen bleiben soll, weil der Mensch Fleisch ist, und dass Gott als Reaktion auf diese Entwicklung die Lebenszeit der Menschen auf 120 Jahre reduziert hat. Gott redet hier nur von den Menschen, nicht den Engeln. \u00dcberhaupt: wenn wir diesen Abschnitt als eine Art Erkl\u00e4rung verstehen, wie es dazu kam, dass Gottes Gericht \u00fcber die Menschheit unvermeidbar wurde, h\u00e4tten wir ein Problem, die Gerechtigkeit Gottes zu erkl\u00e4ren, wenn die Verursacher haupts\u00e4chlich Engel gewesen w\u00e4ren. Au\u00dferdem sagte Jesus im Markus\u00adevangelium, dass wenn die Toten auferstehen, sie weder heiraten noch sich heiraten lassen, sondern \u201esie sind wie die Engel im Himmel\u201c (Mk 10,25). Damit deutet Jesus an, dass die Engel keine k\u00f6rperliche Verbindung miteinander eingehen, dann wohl auch erst recht nicht mit Menschen.\r\n\r\nDie andere h\u00e4ufig vertretene Erkl\u00e4rung dieser Stelle ergibt sich aus dem direkten Kontext und ist viel plausibler. Denn vor diesen Versen werden in Kap. 5 die Nachkommen Sets beschrieben, bei denen wir mehrere Spuren von Fr\u00f6mmigkeit finden: nach der Geburt von Sets Sohn hei\u00dft es, dass man anfing, den Namen des Herrn anzurufen (4,26); sp\u00e4ter wird Henochs Wandel mit Gott beschrieben (5,22-24) und schlie\u00dflich Lamechs Hoffnung auf einen Erl\u00f6ser nach der Geburt von Noah (5,29). Daher nennt man diesen Stammbaum auch die \u201efromme Linie\u201c. Davor werden in Kap. 4 ab Vers 17 die Nachkommen von Kain aufgef\u00fchrt, bei denen gewisse Errungenschaften in Handwerk und Kultur erw\u00e4hnt werden, aber nichts von Fr\u00f6mmigkeit. Daher ist es plausibel, dass sich die \u201eGottess\u00f6hne\u201c im Vers 2 auf die fromme Nachkommenschaft von Set beziehen, und die \u201eT\u00f6chter der Menschen\u201c auf die ungl\u00e4ubige Nachkommenschaft von Kain. So verstanden besagen die Verse 1 und 2, dass das Verderben der ganzen Menschheit anfing, als die M\u00e4nner aus der Nachkommenschaft Sets nicht mehr nach geistlichen Kriterien heirateten, sondern nur noch darauf sahen, wie sch\u00f6n die Frauen waren, und einfach sch\u00f6ne Frauen aus der Nachkommenschaft Kains heirateten, die ihnen gefielen. Das klingt aus heutiger Sicht erschreckend normal. \u00c4u\u00dferlich war das Ergebnis auch beeindruckend, weil aus diesen Beziehungen besonders gro\u00dfe Menschen hervorgingen, die als \u201eRiesen\u201c und als Helden der Vorzeit bezeichnet werden. Aber geistlich gesehen war es ein Drama. Die so entstehenden Familien verloren ihre geistliche Grundlage und Inhalt. Ihre Kinder wurden nicht mehr zum Glauben herangef\u00fchrt und hatten keine geistlichen Werte und Lebensweise mehr. Gott musste tief bek\u00fcmmert feststellen, dass der Mensch nur noch \u201eFleisch\u201c ist. Das bedeutet, dass der Mensch nicht mehr nach Gottes Ehre und seinem heiligen Willen trachtete, sondern nur noch f\u00fcr die Erf\u00fcllung seiner menschlichen W\u00fcnsche und Bed\u00fcrfnisse lebte. Als nach und nach alle M\u00e4nner aus der frommen Linie Sets ungl\u00e4ubige Frauen heirateten, starb die Fr\u00f6mmigkeit aus. Dann war der geistliche und moralische Verfall der Gesellschaft nicht mehr aufzuhalten.\r\n\r\nVerse 5 und 6 sagen: \u201eAls aber der Herr sah, dass der Menschen Bosheit gro\u00df war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur b\u00f6se war immerdar, da reute es den Herrn, das er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bek\u00fcmmerte ihn in seinem Herzen\u201c. Als es fast keine gl\u00e4ubigen Menschen mehr gab, wurden die Menschen nicht nur im Durchschnitt ein bisschen schlechter als fr\u00fcher, sondern durch und durch b\u00f6se. Das war nicht nur ein Problem \u00e4u\u00dferen Verhaltens. Gott stellte fest, dass alles Denken und Streben in ihrem Herzen nur noch b\u00f6se war, und zwar immer. Als ihr Innerstes verdorben war, waren nat\u00fcrlich auch ihre Taten b\u00f6se. Die Verse 11 und 12 sagen: \u201eAber die Erde war verderbt vor Gott und voller Frevel. Da sah Gott auf die Erde, und siehe, sie war verderbt; denn alles Fleisch hatte seinen Weg verderbt auf Erden.\u201c Hier wiederholt sich das Wort \u201everderbt\u201c dreimal. Frevel sind absichtliche Verst\u00f6\u00dfe gegen von Gott gegebene Ordnungen, insbesondere schwere Gewalttaten. In anderen \u00dcbersetzungen wird Frevel mit \u201eGewalttat\u201c (Elberfelder; KJV) \u00fcbersetzt. Die Erde war voll von Gewalttaten. Jeder Vergleich erscheint hier unangemessen; aber vielleicht hilft es uns, uns diese Situation zur Zeit Noahs etwas besser vorzustellen, wenn wir an die Gr\u00e4ueltaten der Nationalsozialisten denken. T\u00e4glich gab es an allen Orten Gewaltverbrechen wie willk\u00fcrliche Misshandlungen von Frauen und Kindern, Vergewaltigungen, Raub von G\u00fctern und Menschen, Mord und Totschlag, oft wegen Lappalien. Als Gott das sah, war er in seinem Herzen tief bek\u00fcmmert. Gott hatte selbst alles perfekt geplant und sehr gut gemacht, insbesondere hatte er den Menschen sehr gut gemacht. Als Gott nun mit ansehen musste, zu was f\u00fcr Wesen die Menschen verkommen waren, war Gott zutiefst bek\u00fcmmert. Als die Menschen t\u00e4glich nur noch frevelhafte Taten planten und ausf\u00fchrten, waren sie nur noch wie ein Schatten dessen, was sie h\u00e4tten sein sollen, schlimmer als wilde Tiere. Als Gott Tag f\u00fcr Tag ihr verdorbenes Wesen und ihre abartigen Taten mit ansehen musste, war er immer tiefer zerknirscht. Schlie\u00dflich passierte etwas, was eigentlich nicht passieren kann: es reute Gott, dass er die Menschen gemacht hatte (6). Es bek\u00fcmmerte ihn so sehr, dass er sprach: \u201eIch will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis hin zum Vieh und bis zu den V\u00f6geln unter dem Himmel; denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe\u201c (7). Gottes Entscheidung, die Menschen, die er selbst geschaffen hatte, zu vertilgen, mitsamt den Tieren, die gar nichts daf\u00fcr konnte, zeigt, wie tief Gott in seinem Herzen bek\u00fcmmert war. Es zeigt, wie tief die S\u00fcnde der Menschen Gott in seinem Herzen frustriert. Jede S\u00fcnde ist eine Kr\u00e4nkung Gottes und Beleidigung seiner Heiligkeit. Als sich die Menschen so weit auf die S\u00fcnde eingelassen hatten, dass sie sich nicht mehr zu Gott bekehren konnten, beschloss Gott, die Menschen zu vertilgen. Als die Menschen durch ihre S\u00fcnde Gottes Sch\u00f6pfungswerk zerst\u00f6rten und Gottes Sch\u00f6pfungsziel unwiederbringlich verfehlten, zog Gott die Konsequenz, diese Menschheit zu beenden. Das war der absolute und unfassbare Tiefpunkt der Geschichte.\r\n\r\nAber das war nicht alles! Genau an dieser Stelle kommt in der Bibel ein \u201eAber\u201c, ein g\u00f6ttliches \u201eAber\u201c! \u201eAber Noah fand Gnade vor dem Herrn\u201c (8). Gott wollte trotz seiner Entt\u00e4uschung sein Sch\u00f6pfungswerk mit den Menschen nicht aufgeben, sondern einen neuen Anfang machen. Gott fand einen einzigen Mann, der daf\u00fcr geeignet war \u2013 Noah.\r\n\r\n<strong>2. Was f\u00fcr ein Mann war Noah und wieso konnte er errettet werden?<\/strong>\r\n\r\nLesen wir nochmal gemeinsam das Leitwort, Vers 9: \u201eDies ist die Geschichte von Noahs Geschlecht. Noah war ein frommer Mann und ohne Tadel zu seinen Zeiten. Er wandelte mit Gott.\u201c Dieser Vers sagt uns, dass Noah ein frommer Mann war, andere \u00dcbersetzungen sagen hier \u201eein gerechter Mann\u201c, und dass er trotz der Verdorbenheit seiner Zeit ohne Tadel war. Dabei macht der Text klar, dass Noah die Rettung von dem Gericht nicht verdient hatte. Das Erste, was wir in Kap. 6 \u00fcber ihn erfahren, ist, dass Noah \u201eGnade vor dem Herrn\u201c fand (8). Die Grundlage von Noahs Rettung war also auch Gottes Gnade. Trotzdem hei\u00dft es von Noah, dass er ein gerechter Mann und tadellos war.\r\n\r\nWie konnte Noah Gottes Willen \u00fcberhaupt erkennen, obwohl er keine Bibel hatte? Wie konnte Noah so sehr nach Gottes Willen leben, obwohl alle um ihn herum hemmungslos nach ihrem s\u00fcndigen Verlangen lebten? Der Text gibt uns darauf aber keine ausf\u00fchrliche Antwort. Die einzige Antwort, die wir in finden k\u00f6nnen, steht gegen Ende von Vers 9, wo es hei\u00dft: \u201eEr wandelte mit Gott.\u201c Wandeln bedeutet \u201egehen\u201c und beschreibt, dass eine Person allein oder mit jemandem zusammen spazieren geht oder eine bestimmte Strecke geht \u2013 oder eben durchs Leben geht. Es ist das gleiche Wort, das in Kap. 5 verwendet wird, wo Henochs Wandel mit Gott beschrieben wird (5,22.24). Henochs Wandel mit Gott gefiel Gott offenbar so gut, dass Henoch eines Tages von Gott entr\u00fcckt wurde. Noah lebte in einer Zeit, wo der Unglaube gesellschaftlicher Konsens war und jeder hemmungslos lebte, wie er wollte. Noah muss als ein Mensch auch s\u00fcndige Neigungen gehabt haben und muss f\u00fcr S\u00fcnde auch versuchbar gewesen sein. Aber dadurch dass Noah t\u00e4glich mit Gott wandelte, lebte er in einer pers\u00f6nlichen Beziehung zu Gott, die ihm erm\u00f6glichte, ganz anders zu leben. Durch seine t\u00e4gliche Gemeinschaft mit Gott konnte er jeden Tag seine Beziehung zu Gott erneuern und neu erkennen, was Gott gef\u00e4llt, und die n\u00f6tige Motivation und Kraft bekommen, um sein Leben nach Gottes Willen zu f\u00fchren. Sein Wandel mit Gott muss die anderen Menschen auf Gott hingewiesen und ihr frevelhaftes Leben angeprangert haben. Viele m\u00fcssen Noah deswegen kritisiert, bedroht und gehasst haben. Noah musste t\u00e4glich gegen den Strom schwimmen. Aber weil er t\u00e4glich mit Gott wandelte, konnte er alle Schwierigkeiten und Versuchungen \u00fcberwinden und sein Leben an Gottes Willen ausrichten. Weil Noah so mit Gott wandelte, konnte er schlie\u00dflich Gnade vor Gott finden und selbst errettet und von Gott dazu gebraucht werden, die Menschheit und die Tierwelt zu erhalten.\r\n\r\nDie Verse 13-21 berichten, wie Gott Noah in sein Vorhaben einweihte und ihn genau anwies, wie der die Arche bauen und sollte. Vers13 sagt: \u201eDa sprach Gott zu Noah: Das Ende alles Fleisches ist bei mir beschlossen, denn die Erde ist voller Frevel von ihnen; und siehe, ich will sie verderben mit der Erde.\u201c Nur Gott wusste, wie das Gericht kommen w\u00fcrde, aber er offenbarte Noah dieses Geheimnis. Gott er\u00f6ffnete ihm auch den Weg zur Rettung vor dem Gericht. Gott befahl Noah, einen riesigen Kasten zu bauen,&nbsp;und gab ihm die genaue L\u00e4nge, Breite und H\u00f6he vor. Die Arche sollte etwa 140 m lang sein und etwa 20.000 t Wasser verdr\u00e4ngen. Gott gab Noah auch Anweisungen \u00fcber den sicheren Bau mit Pech und \u00fcber die Ausgestaltung mit Kammern darin, einem Fenster und einer T\u00fcr mitten in seiner Seite, weil Gott Noah und seine Familie durch die Arche erretten wollte.\r\n\r\nIm Vers 18 sagte Gott: \u201eAber mit dir will ich meinen Bund aufrichten, und du sollst in die Arche gehen mit deinen S\u00f6hnen, mit deiner Frau und mit den Frauen deiner S\u00f6hne\u201c (18). Gott schloss von sich aus einen Bund mit Noah und verk\u00fcndigte dadurch, dass Noahs Errettung sicher war, weil Gott seinen Bund nie brechen w\u00fcrde. Gott sagte Noah, dass er die Versorgung seiner Familie und der Tiere vorbereiten sollte. Gott wollte durch die Arche Noah und seinen Familie und die gesamte Tierwelt retten.\r\nWie reagierte Noah auf Gottes Bund? Vers 22 sagt: \u201eUnd Noah tat alles, was ihm Gott gebot.\u201c In Kap. 7,5 lesen wir nochmal: \u201eUnd Noah tat alles, was ihm der Herr gebot.\u201c Der Bau der riesigen Arche muss mindestens Jahrzehnte gedauert haben. Noah musste seine ganze Zeit, Kraft und Geld daf\u00fcr einsetzten und seine drei S\u00f6hne Jahrzehntelang zur Mitarbeit gewinnen. Aber Noah tat alles, was ihm Gott gebot. Noahs Gehorsam war der praktische Ausdruck seines Glaubens, durch den er alle Schwierigkeiten \u00fcberwand. Noahs Tat des Glaubens ist in die Geschichte Gottes eingegangen. In Hebr 11,7 lesen wir: \u201eDurch den Glauben hat Noah Gott geehrt und die Arche gebaut zur Rettung seines Hauses, als er ein g\u00f6ttliches Wort empfing \u00fcber das, was man noch nicht sah; durch den Glauben sprach er der Welt das Urteil und hat ererbt die Gerechtigkeit, die durch den Glauben kommt.\u201c.\r\nW\u00e4hrend Noah die Arche baute, m\u00fcssen die Menschen weiter hemmungslos ges\u00fcndigt haben. Noahs Archebau war wie eine st\u00e4ndige Predigt f\u00fcr sie. Vielleicht wurden manche von Noahs Leben angesprochen und \u00fcberlegten, ihr Leben zu \u00e4ndern. Aber die Zeit ging vorbei, sodass schlie\u00dflich niemand darauf reagierte. Kap. 7,1-6 beschreibt, wie Gott Noah anwies, in die Arche zu gehen mit seiner ganzen Familie und den Tieren. Dann sagte Gott: \u201eDenn von heute an in sieben Tagen will ich regnen lassen auf Erden vierzig Tage und vierzig N\u00e4chte und vertilgen von dem Erdboden alles Lebendige, das ich gemacht habe\u201c (4). An dieser Stelle hei\u00dft es zum zweiten Mal: \u201eUnd Noah tat alles, was ihm der Herr gebot\u201c (5).\r\nDie Sintflut kam am siebzehnten Tag des zweiten Monats. An diesem Tag brachen alle Brunnen der gro\u00dfen Tiefe auf und taten sich die Fenster des Himmels auf. Als Noah und die Tiere in die Arche gegangen waren, schloss Gott pers\u00f6nlich hinter ihnen zu. Vers 17 sagt \u00fcber die Dauer der Sintflut: \u201eUnd die Sintflut war vierzig Tage auf Erden, und die Wasser wuchsen und hoben die Arche auf und trugen sie empor \u00fcber die Erde.\u201c In den Versen 18-23 wird betont, dass durch die Sintflut alles, was lebte, vernichtet wurde. Denn die Wasser wuchsen \u00fcber die h\u00f6chsten Berge und die Flut dauerte 150 Tage. Es war ein beispielloses Gericht, dem niemand entrinnen konnte. Nur Noah und seine Familie wurden gerettet. \u201eAllein Noah blieb \u00fcbrig und was mit ihm in die Arche war.\u201c (23)\r\n\r\n<strong>3. Was bedeutet dieser Text f\u00fcr uns heute?<\/strong>\r\n\r\nZum einen k\u00f6nnen wir hier Wichtiges \u00fcber Gott lernen. Gott liebt die Menschen, sodass er sie trotz ihrer S\u00fcnde lange erduldet und auf ihre Umkehr zu ihm wartet. Aber das bedeutet nicht, dass Gott an sich S\u00fcnde akzeptieren oder zulassen kann. Gott ist wirklich auch heilig und gerecht. Gott konnte die S\u00fcnde von Kains Nachkommen erdulden, solange es fromme Menschen in der Nachkommenschaft Sets gab, die zu Gott beteten und einen guten Einfluss aus\u00fcbten und Hoffnung f\u00fcr die Welt bedeuteten. Aber als sich auch Sets Nachkommen von Gott abwandten und einfach nach ihren eigenen Kriterien heirateten, verloren die Familien ihre geistliche Substanz, die Gottesfurcht starb aus und der geistliche und moralische Verfall der Gesellschaft schritt in erschreckendem Ma\u00dfe voran.\r\n\r\nDas zeigt uns zum einen, welche wichtige Rolle wir Gl\u00e4ubigen in der Welt spielen. Vor Gott sind wir das Salz der Erde und das Licht in der Welt und sollen sein Licht leuchten lassen. Gott hat Hoffnung f\u00fcr eine verkehrte Welt, solange es Gl\u00e4ubige gibt, die ernsthaft nach Ihm fragen und zu Ihm beten. Es zeigt auch, wie wichtig es ist, dass unsere jungen Leute und unsere Kinder im Vertrauen auf Gott nach geistlichen Kriterien heiraten, damit ihre Familien einen geistlichen Halt haben und ihre Kinder zum Glauben finden k\u00f6nnen.\r\n\r\nZum anderen lernen wir, dass wenn Menschen sich konsequent absichtlich nicht mit ihrer S\u00fcnde zu Gott wenden, sie irgendwann an einen Punkt kommen, an dem sie nicht mehr von ihrer S\u00fcnde umkehren k\u00f6nnen. Die meisten Menschen heute halten S\u00fcnde bewusst oder unbewusst f\u00fcr harmlos, solange sie nur wenig unter ihren Folgen leiden m\u00fcssen. Viele denken, dass sie zumindest in gewissem Ma\u00dfe oder sogar hemmungslos s\u00fcndigen k\u00f6nnten, weil sie sich einreden, dass es Gott gar nicht g\u00e4be oder dass \u201eder liebe Gott\u201c wie ein alter seniler Mann w\u00e4re, der seinen Kindern alles nachsieht und ihnen am Ende sowieso seinen Besitz vererbt. Aber das Ereignis der Sintflut zeigt, dass Gottes Gericht nicht nur ein leeres Wort in der Bibel ist, sondern eine Realit\u00e4t, an der kein Mensch vorbeigehen kann. N\u00e4chste Woche werden wir in Kap. 8 lesen, dass Gott nach der verheerenden Sintflut den Menschen versprochen hat, die Erde nie wieder durch eine Flut zu richten. Aber die Bibel spricht im Alten und Neuen Testament von einem universalen Gericht am Ende der Zeit.\r\n\r\nAufgrund des weit verbreiteten Fortschrittsglaubens denken viele, dass die Menschen im Laufe der Jahrtausende besser geworden w\u00e4ren. Dieser Gedanke ist zwar f\u00fcr uns schmeichelhaft, aber er ist ein gro\u00dfer Irrtum. Direkt nach der Sintflut, als Noah mit seiner Familie gerade aus der Arche ausgestiegen war, stellte Gott fest, dass das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens von Jugend auf b\u00f6se ist (8,21). Jesus hat im Markusevangelium klargestellt, dass aus dem Herzen der Menschen lauter s\u00fcndige Gedanken und W\u00fcnsche kommen (Mk&nbsp;7,20-23). Wenn wir unvoreinge\u00adnommen einen Blick in die Geschichte oder in die aktuellen Nachrichten werfen, k\u00f6nnen wir das leicht best\u00e4tigen (ganz aktuell zum Beispiel, wie der Diktator von Wei\u00dfrussland Tausende von friedlichen Demonstranten in seinem eigenen Land verhaften und viele von ihnen nieder\u00adkn\u00fcppeln und auch noch im Gef\u00e4ngnis misshandeln l\u00e4sst, damit sie aufh\u00f6ren, seine Wiederwahl in Frage zu stellen). Das Schlimme dabei ist, dass wir, obwohl wir das unm\u00f6glich finden, im Grunde keine besseren Menschen sind. In Deutschland haben wir bewiesen, dass wir zu sehr viel schlimmeren Ver\u00adbrechen in der Lage waren, als wir einen schlimmeren Diktator hatten.\r\nJesus selbst nahm im Lukasevangelium auf die Tage Noahs Bezug und sagte: \u201eUnd wie es geschah in den Tagen Noahs, so wird&#8217;s auch sein in den Tagen des Menschensohns: Sie a\u00dfen, sie tranken, sie heirateten, sie lie\u00dfen sich heiraten bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und brachte sie alle um\u201c (Lk 17,26.27). Mit den Tagen des Menschensohns meint Jesus die Zeit, in der er wiederkommt, um diejenigen zu sich zu holen, die im Vertrauen auf ihn f\u00fcr ihn gelebt haben, und \u00fcber die, die Gottes Heilsangebot konsequent abgelehnt haben, Gericht zu halten. Jesus sagt an dieser Stelle warnend voraus, dass dann die meisten nicht auf sein Kommen vorbereitet sein werden, so wie auch die Menschen in den Tagen Noahs nicht auf die Sintflut vorbereitet waren Das Problem war nicht, dass sie nichts vom Kommen der Flut wussten. Noah wird von Apostel Petrus im 2. Petrusbrief ein \u201ePrediger der Gerechtigkeit\u201c genannt. Er hatte den Menschen das Kommen der Sintflut jahrzehntelang gepredigt, vermutlich auch mit dem Mund, aber ganz sicher durch sein Leben und seinen jahrzehntelangen Archebau. In der ganzen Welt muss sich herumgesprochen haben, dass dort ein Mann mitten im trockenen Land ein riesiges Schiff baute, und die Frage aufgeworfen haben, warum er das tat. Es war auch nicht so, dass es f\u00fcr sie keinen Rettungsweg gegeben h\u00e4tte. Sicher h\u00e4tten noch weitere Menschen in der Arche Platz finden k\u00f6nnen. Aber das Problem war, dass sie nicht bereit waren, die Botschaft Gottes zu h\u00f6ren und ernst zu nehmen, sondern lieber in ihrer eigenen Vorstellung bleiben und sich nur mit Dingen in dieser Welt wie essen, trinken und heiraten besch\u00e4ftigen wollten. Jesus warnt, dass es bei seinem Kommen auch so sein wird.\r\n\r\nAber Jesus hat noch viel mehr als \u00fcber Gottes Gericht zu sprechen, \u00fcbere Gottes Liebe zu uns S\u00fcndern und \u00fcber sein ewiges Reich gesprochen. Tats\u00e4chlich hat er in vielen Gleichnissen den Tag seiner Wiederkunft beschrieben und die Trennung der Menschen zum Gericht oder zum Himmelreich. Jesus hat klar gemacht, dass niemand sich selbst retten kann. Jesus hat uns aus seiner Gnade erw\u00e4hlt und ezum Glauben an ihn gef\u00fchrt und in seine Nachfolge berufen. Er selbst ist unsere Arche, durch die wir gerettet werden. So wie Noah im Vertrauen auf Gottes Wort sein ganzes Leben daf\u00fcr einsetzte, die Arche zu bauen, sollen wir uns ganz daf\u00fcr einsetzen, ganz in Jesus zu bleiben und ihm nachzufolgen. Dabei sollen wir uns klar machen, dass Gott uns viel mehr gegeben hat als Noah. Gott hat Noah eine ausf\u00fchrliche Anweisung und eine Verhei\u00dfung der Rettung gegeben. Aber in Jesus hat Gott uns sich selbst gegeben. Jesus hat uns Gottes Liebe und Wahrheit vorgelebt und sie sichtbar und erfahrbar gemacht. Er hat in himmlischen Worten die geistliche Realit\u00e4t dieser Welt und der zuk\u00fcnftigen Welt erkl\u00e4rt. Schlie\u00dflich ist er ans Kreuz gegangen, um f\u00fcr unsere ganze Verderbtheit und S\u00fcnde die Strafe mit seinem eigenen Blut zu bezahlen damit wir durch sein Blut das ewige Leben haben. Aus diesem Glauben d\u00fcrfen und sollen wir t\u00e4glich leben. DAs entspricht dem Archebau. Das ist auch bei uns nicht nur eine Sache des Herzens. Unser ver\u00e4ndertes Leben und unser Mund soll all die Menschen um uns herum auf das kommende Gericht und noch mehr auf Jesu Liebe hinweisen, durch die er das Gericht schon auf sich genommen hat, sodass sie auch zu ihm zu kommen und von ihm gerettet werden und am ewigen Leben mit ihm teilhaben. Wir wissen das und wollen das, aber in der Praxis fehlt uns oft wegen der Alltagsprobleme oder wegen Entt\u00e4uschungen und dem Druck der Welt die geistliche Kraft dazu und unser Leben hat kaum Anziehungskraft. M\u00f6ge Gott uns helfen, wie Noah t\u00e4glich mit Gott tiefe Gemeinschaft zu haben und mit ihm zu wandeln, sodass wir aus seiner Kraft ein entschiedenes, kr\u00e4ftiges und anziehendes Leben mit ihm f\u00fchren k\u00f6nnen. Amen! Lesen wir noch einmal das Leitwort, Vers 9: \u201eDies ist die Geschichte von Noahs Geschlecht. Noah war ein frommer Mann und ohne Tadel zu seinen Zeiten. 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