{"id":9792,"date":"2020-08-09T11:00:30","date_gmt":"2020-08-09T09:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=9792"},"modified":"2022-11-18T12:19:46","modified_gmt":"2022-11-18T11:19:46","slug":"predigt-1-mose-417-532","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-mose-417-532\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Mose 4,17 &#8211; 5,32"},"content":{"rendered":"<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/2020Gen-06_0417-0532-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a>\r\n<h2 style=\"text-align: center;\">Menschlicher Fortschritt und die Suche nach Gott<\/h2>\r\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eLamech war 182 Jahre alt und zeugte einen Sohn und nannte ihn Noah und sprach: Der wird uns tr\u00f6sten in unserer Arbeit und der M\u00fchsal unserer H\u00e4nde auf dem Acker, den der HERR verflucht hat.\u201c<\/h3>\r\n<p style=\"text-align: center;\">(1. Mose 5,29)<\/p>\r\nDer heutige Text k\u00f6nnte auf dem ersten Blick etwas langweilig erscheinen. Wir haben zwei Stammb\u00e4ume mit vielen Namen, die uns nicht so viel sagen scheinen. Der eine Stammbaum ist von Kain, der \u2013 wie wir letzte Woche gesehen haben \u2013 ein Bruderm\u00f6rder ist; kein angenehmer Zeitgenosse. Der andere Stammbaum ist von Set, der eher fromm gewesen zu sein scheint. Eine naheliegende Herangehensweise w\u00e4re, die beiden Stammb\u00e4ume miteinander zu vergleichen und zu kontrastieren. Und wenn man so veranlagt ist, w\u00fcrde man vielleicht dazu neigen zu sagen, dass der eine Stammbaum weltlich ist, w\u00e4hrend der andere geistlich ist; der eine scheint gottlos zu sein, der andere gottesf\u00fcrchtig; der eine eher negativ, w\u00e4hrend der andere eher positiv ist. Pers\u00f6nlich glaube ich, dass das zu vereinfacht ist. Der Autor von Genesis scheint wesentlich differenzierter zu sein. In beiden Stammb\u00e4umen geht es um Menschen. Und immer, wenn wir es mit Menschen zu tun haben, dann haben wir es mit Problemen zu tun, weil alle Menschen Probleme haben und problematisch sind. Kein Mensch ist nur gut. Gleichzeitig ist kein Mensch nur schlecht.\r\nIch w\u00fcrde folgende drei Punkte vorschlagen, \u00fcber die wir nachdenken k\u00f6nnen: erstens, was wir erreicht haben; zweitens, worin wir versagt haben; drittens, was Gott f\u00fcr uns tut.\r\n\r\n<strong>Erstens, was wir erreicht haben<\/strong>\r\nIn Kains Stammbaum sehen wir einige erstaunliche Errungenschaften, menschlicher Zivilisation. Wir finden gleich die erste Errungenschaft in Vers 17: \u201eUnd er baute eine Stadt, die nannte er nach seines Sohnes Namen Henoch.\u201c Der Fluch auf Kain war, dass er keine Ruhe haben w\u00fcrde. Hier in Vers 17 baut er eine Stadt. Es ist die erste Siedlung, die in Genesis erw\u00e4hnt wird. Vielleicht ist das ein Ausdruck von Kains Wunsch, Ruhe zu finden. Seit jeher verk\u00f6rpern St\u00e4dte das Gr\u00f6\u00dfte, was menschliche Zivilisation hervorbringen kann. Wenn wir uns mit den gr\u00f6\u00dften und besten Errungenschaften unserer Gesellschaft auseinandersetzen wollen, dann m\u00fcssen wir in eine der Metropolen: Berlin, Hamburg, M\u00fcnchen, K\u00f6ln. Dort befinden sich die gr\u00f6\u00dften Museen, dort leben die meisten K\u00fcnstler, dort befinden sich die gr\u00f6\u00dften Opern, Theater und Konzerts\u00e4le. Die St\u00e4dte bestimmen, was in ist und was out. Und in den St\u00e4dten ist das Zentrum politischer Macht, egal ob Paris oder Moskau oder Seoul. Nat\u00fcrlich war die Stadt von Kain nicht vergleichbar mit New York. Kains Stadt war noch nicht einmal vergleichbar mit Heidelberg. Aber wir sehen hier den ersten Keim menschlicher Zivilisation. Wir sehen hier den ersten Spatenstich von New York und Tokyo.\r\nViele Christen scheinen gewisse Vorbehalte gegen St\u00e4dte zu haben. St\u00e4dte sind etwas suspekt. Weil die Stadt das Gr\u00f6\u00dfte beherbergt, was Menschen hervorbringen k\u00f6nnen, finden wir sowohl das Beste wie auch das Schlechteste, was Menschen vollbringen k\u00f6nnen. In den USA hat man das Ph\u00e4nomen, dass die meisten evangelikalen Christen auf dem Land leben, w\u00e4hrend die St\u00e4dte fast durchgehend s\u00e4kular sind. Wir sollten uns aber dessen bewusst sein, dass St\u00e4dte an und f\u00fcr sich gut sind. Und wir sollten uns dar\u00fcber im Klaren sind, dass Gott St\u00e4dte am Herzen liegen. Tim Keller hat das folgenderma\u00dfen begr\u00fcndet: Auf dem Land gibt es mehr Tiere als Menschen. St\u00e4dte hingegen sind Orte, wo es mehr Menschen als Tiere gibt. Weil Gott Menschen mehr liebt als er Tiere liebt, muss Gott St\u00e4dte mehr lieben als das Land.\r\nWelche weiteren bedeutenden Fortschritte sehen wir? In Vers 19 begegnen wir Lamech. Lamech hatte sich zwei Frauen genommen. Es ist die erste Erw\u00e4hnung einer Vielehe. (Das ist kein Fortschritt). Beide Frauen hatten Kinder. Alle Kinder von Lamech brachten Erstaunliches hervor. Drei besondere Errungenschaften sehen wir hier: Viehzucht, was wiederum voraussetzt, dass Menschen \u00fcberhaupt anfingen, wilde Tiere zu isolieren, zu halten und zu domestizieren. Die n\u00e4chste Errungenschaft sind Musikinstrumente: Zither und Fl\u00f6ten. Falls es bis dahin keine Musik gab, wurde sie erfunden. Falls es vorher Musik gab, fand die Musik ganz neue Ausdrucksformen. Die dritte Errungenschaft ist das Schmiedehandwerk. Das war nat\u00fcrlich die Grundlage f\u00fcr richtiges Werkzeug wie auch f\u00fcr Waffen aller Art. Alle drei geh\u00f6ren mit zu den gr\u00f6\u00dften Leistungen der fr\u00fchen Menschheitsgeschichte.\r\nInteressant ist auch, dass Kains Stammbaum Frauen erw\u00e4hnt, w\u00e4hrend der Stammbaum von Set keine einzige Frau erw\u00e4hnt. In Vers 22 lesen wir: \u201eUnd die Schwester des Tubal-Kain war Naama.\u201c Wir wissen nicht, weshalb die Schwester von Tubal-Kain erw\u00e4hnt wird. Vielleicht liegt das an einer gewissen Symmetrie: zwei Kinder von der einen Frau und zwei Kinder der anderen Frau. Vielleicht war Naama auch f\u00fcr irgendwelchen Gro\u00dftaten bekannt wie der Rest ihrer Familie.\r\nAlle drei Erfindungen, das Domestizieren von Tieren, die Musik und das Schmiedehandwerk sind an und f\u00fcr sich gute Dinge. Die Frage ist, warum alle diese Dinge bei Kains Nachkommen erw\u00e4hnt werden und keines davon bei den Nachkommen von Set. Ich denke nicht, dass es daran liegt, dass Sets Nachkommen nichts geleistet haben. Aber vielleicht ging es dem Autor der Genesis auch darum zu zeigen, dass Kains Nachkommen zu gro\u00dfen Taten in der Lage waren.\r\nWas k\u00f6nnen wir daraus mitnehmen? Wir leben in einer Welt, in der wir die Fr\u00fcchte technologischer und wissenschaftlicher Durchbr\u00fcche genie\u00dfen k\u00f6nnen. Fast jeder von uns hat ein Smartphone in der Tasche. Viele sehen das Smartphone als die gr\u00f6\u00dfte technische Erfindung des 21. Jahrhunderts. Wenn wir unterwegs sind und uns in der Gegend nicht auskennen, dann benutzen wir Googlemaps mit einem GPS. Es sind f\u00fcr uns Selbstverst\u00e4ndlichkeiten, und wir vergessen zu leicht, wie viele technische und wissenschaftliche Durchbr\u00fcche daf\u00fcr notwendig waren. Zum Beispiel k\u00f6nnten wir ohne Einsteins Relativit\u00e4tstheorie kein GPS benutzen.\r\nEine wirklich bahnbrechende Entdeckung in der Medizin sind Impfstoffe. Noch vor 150 Jahren war es durchaus normal, dass eine Familie fast die H\u00e4lfte der Kinder im Kleinkindalter verloren hat. Wir k\u00f6nnen uns das kaum vorstellen wie es w\u00e4re, wenn bis zur H\u00e4lfte der Kinder unserer Gemeinde jetzt im Grab liegen w\u00fcrde. Die hohe Kindersterblichkeit wurde erst durch zwei wichtige Erneuerungen besiegt: Kanalisation und Impfstoffe. Pocken, Polio, Dyphterie sind Krankheiten, an denen fr\u00fcher Millionen von Menschen erkrankt und viele verstorben sind, vor allem Kinder. Heute gilt Pocken als ausgerottet und Polio und Dyphterie als fast besiegt.\r\nNoch einmal, wir genie\u00dfen die Fr\u00fcchte dieser Anstrengungen. Wir genie\u00dfen den Komfort oder einfach die Tatsache, dass wir aufgrund mancher von diesen Erfindungen \u00fcberhaupt am Leben sind. Ich gehe davon aus, dass die meisten Erfinder und Wissenschaftler, die dahinterstanden, keine Christen waren. D.h., in der s\u00e4kularen Welt sehen wir, wie Menschen immer und immer wieder Gro\u00dfartiges leisten und herausragende L\u00f6sungen auf gro\u00dfe Probleme finden. Wir sollten dankbar f\u00fcr ihre Errungenschaften sein.\r\nLeider haben wir Christen aber nicht unbedingt den Ruf, offen zu sein f\u00fcr wissenschaftliche Erneuerungen. Hier sind ein paar Beispiele. Ende M\u00e4rz hatten die allermeisten westlichen L\u00e4nder verstanden, dass die Coronavirus-Pandemie ein ernsthaftes Problem ist. Zu diesem Zeitpunkt ist in der New York Times ein Artikel erschienen, in welcher die christliche Rechte f\u00fcr ihre antiwissenschaftliche Haltung kritisiert wurde. Der Titel des Artikels lautete: \u201edie wissenschaftsfeindliche Haltung religi\u00f6sen Rechten l\u00e4hmt unsere Antwort auf die Coronakrise.\u201c In dem Artikel kritisierte die Autorin unter anderem Pastoren, die sich weigerten, den Ernst der Lage anzuerkennen und sich weiterhin pers\u00f6nlich zum Gottesdienst versammelten.\r\nDer Gro\u00dfteil der Christen in Deutschland glaubt, dass Adam und Eva vor weniger als 10.000 Jahren erschaffen wurden. Viele halten die Evolutionstheorie f\u00fcr ideologischen Unfug im Deckmantel der Wissenschaft. Viele Christen glauben auch nicht an den von Menschen verursachten Klimawandel. Wie die meisten von euch wissen, habe ich was diese Themen angeht einen anderen Standpunkt. Ich kann niemanden von euch vom Gegenteil \u00fcberzeugen. Aber aufgrund vom heutigen Text m\u00f6chte ich gerne dazu einladen, eine gr\u00f6\u00dfere Offenheit f\u00fcr das zu haben, was Menschen mit oder ohne Gott vollbringen. Und wir Christen sollten die ersten sein, die eine intellektuelle Neugier haben, den Indizien dorthin zu folgen, wohin sie uns leiten.\r\nDer erste Punkt ist: seit jeher sind Menschen zu gro\u00dfartigen Errungenschaften in der Lage.\r\n\r\n<strong>Zweitens, worin wir versagt haben<\/strong>\r\nWir finden einen Hinweis in den Versen 23 und 24 f\u00fcr das v\u00f6llige Versagen der Menschheit: <em>\u201eUnd Lamech sprach zu seinen Frauen: <\/em>\r\n<em>Ada und Zilla, h\u00f6ret meine Rede,<\/em>\r\n<em>ihr Frauen Lamechs, merkt auf, was ich sage:<\/em>\r\n<em>Einen Mann erschlug ich f\u00fcr meine Wunde<\/em>\r\n<em>und einen J\u00fcngling f\u00fcr meine Beule.<\/em>\r\n<em>Kain soll siebenmal ger\u00e4cht werden,<\/em>\r\n<em>aber Lamech siebenundsiebzigmal.\u201c<\/em>\r\nDiese Verse sind vermutlich eine Art Lied. Wir sehen hier ein Musterbeispiel f\u00fcr hebr\u00e4ische Poesie (Parallelismen). Diese Verse zeigen uns, dass Lamech vor allen Dingen ein barbarischer und gewaltt\u00e4tiger Mensch war. Aus anscheinend geringen Anl\u00e4ssen hatte er Menschen umgebracht. Nicht nur das, er schreckte nicht davor zur\u00fcck, Jungen, also Kinder, zu erschlagen. Nicht nur das, er br\u00fcstete sich sogar damit. Er war auch noch stolz darauf, ein mehrfacher M\u00f6rder zu sein. Es zeigt, wie wenig Wert ein Menschenleben f\u00fcr ihn hatte: im Prinzip keinen Wert.\r\nDas weist auf unser Versagen hin. Inwiefern tut es das? Es zeigt, dass trotz aller gro\u00dfen kulturellen und technischen Errungenschaften die Menschen nicht in der Lage sind, ihre eigene Bosheit in den Griff zu bekommen. Hier ist das Revolution\u00e4re an dem, was der Text sagt: ganz egal wie technologisch entwickelt eine Gesellschaft ist, ganz egal wie reich und wohlhabend ein Land ist, ganz egal wie gebildet und kultiviert eine Gemeinschaft ist, Menschen werden niemals in der Lage sein, das B\u00f6se zu besiegen. Denken wir zum Beispiel \u00fcber Reichtum nach: wir haben den Luxus, in einem der wohlhabendsten L\u00e4nder in der Geschichte der Menschheit zu leben. Der Reichtum hat sicherlich dazu beigetragen, dass Deutschland eines der sichersten L\u00e4nder der Welt ist. Und trotzdem gibt es immer noch Verbrechen in unserem Land. Trotzdem gibt es Ausbeutung, Ungerechtigkeit und Rassismus. Trotzdem ist unser Land nicht so gro\u00dfz\u00fcgig wie es sein sollte. Wir w\u00fcrden alle diese Formen von Bosheit auch dann noch unter uns sehen, wenn unser Land noch reicher w\u00e4re.\r\nOder man k\u00f6nnte meinen, dass Bildung hilft, die Bosheit zu besiegen. Und in der Tat ist Bildung ein wichtiger Faktor daf\u00fcr, die Gesellschaft gerechter und besser zu machen. Keine Frage. Und trotzdem liegt unser Versagen nicht darin begr\u00fcndet, dass wir zu wenig Bildung haben oder zu wenig wissen. Unser Versagen liegt nicht darin, dass wir nicht wissen was gut und b\u00f6se ist. Lamech hatte ein ziemlich klares Verst\u00e4ndnis davon, dass Mord b\u00f6se ist. Lamech wusste, dass es ein moralisches Gebot gab, unter dem Mord verboten war. Es war ihm nur schlichtweg egal.\r\nWas stellen wir dann fest? St\u00e4dtebau, Viehzucht, Musik und Schmiedehandwerk f\u00fchrten zu gro\u00dfen Ver\u00e4nderungen und Verbesserungen unserer Umgebung. Aber die Umgebung ist nicht das eigentliche Problem des Menschen. Das Problem der Bosheit sind wir selbst. Das Problem der S\u00fcnde ist tief in unseren Herzen verwurzelt. Das Problem der Bosheit ist so tief in uns verankert, dass wir selbst dann Verbrechen begehen w\u00fcrden, wenn wir in einer absolut perfekten und heilen Welt leben w\u00fcrden. Als gefallene Menschen w\u00fcrden wir auch dann noch s\u00fcndigen, wenn wir im absoluten Paradies sind. Und das macht uns zu hoffnungslos widerspr\u00fcchlichen Wesen. D.A. Carson sagte: \u201eWir Menschen sind uns selbst ein R\u00e4tsel. Wir sind rational und irrational, zivilisiert und grausam, f\u00e4hig zu tiefer Freundschaft und m\u00f6rderischer Feindschaft, frei und gefangen, der H\u00f6hepunkt der Sch\u00f6pfung und die gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr dieselbe. Wir sind Rembrandt und Hitler, Mozart und Stalin, Antigone und Lady Macbeth, Rut und Isabel. \u201aWas f\u00fcr ein Kunstwerk\u2019, sagt Shakespeare \u00fcber die Menschen. \u201eWir sind sehr gef\u00e4hrlich\u201c, schreibt Aurthur Miller in Nach dem S\u00fcndenfall.\u201c Und das sind wir.\r\nDie Tatsache, dass wir Menschen nicht in der Lage sind, das Problem unserer Bosheit in den Griff zu bekommen, weist auf etwas noch Gr\u00f6\u00dferes hin. Wir sind nicht in der Lage den Tod zu \u00fcberwinden. Und vor allem sind wir nicht in der Lage, durch unsere Anstrengungen Gott selbst zu finden. Im Jahr 410 wurde das \u201eewige und unbesiegbare\u201c Rom von Alarich I, K\u00f6nig der Westgoten, erobert und gepl\u00fcndert. Die Eroberung Roms war ein riesiger Schock. Bald wurden Stimmen laut, die behaupteten, dass Rom nur deshalb gefallen war, weil das Christentum zur Staatsreligion geworden war. Viele wollten zur\u00fcck zu den r\u00f6mischen G\u00f6ttern. Als Antwort auf diese Anschuldigung schrieb Augustinus sein gr\u00f6\u00dftes Werk: \u201eDe Civitate Dei\u201c. Im deutschen wird der Titel \u00fcbersetzt als \u201eDer Gottesstaat\u201c. Ich finde die \u00dcbersetzung \u201edie Stadt Gottes\u201c besser. Es ist ein Mammutwerk. Augustinus sagt, dass es auf der einen Seite die irdische Stadt gibt und auf der anderen Seite die Stadt Gottes. Stephen Surh hat das ganze Buch gelesen (je nach Ausgabe sind das um die 1,400 Seiten). Seine Zusammenfassung von dem ganzen Werk war folgende: alle menschlichen Leistungen, alle menschlichen Errungenschaften in allen Bereichen, egal ob Politik, Religion, Philosophie etc. sind unzureichend, um Gott zu erfassen. Die Stadt Gottes ist unerreichbar f\u00fcr die irdische Stadt.\r\nUnd das ist es, was wir von Kains Stammbaum lernen k\u00f6nnen. Trotz aller Errungenschaften schaffen wir es nicht, das B\u00f6se zu bezwingen und Gott zu finden.\r\n\r\n<strong>Drittens, was Gott f\u00fcr tut<\/strong>\r\nWir finden mindestens drei Hinweise auf das, was Gott tut. Am Ende von Kapitel 4,26 lesen wir: \u201eZu der Zeit fing man an, den Namen des HERRN anzurufen.\u201c Die Menschen damals fingen an zu beten. Allein die Tatsache, dass das hier Erw\u00e4hnung findet, zeigt, dass die Menschen nicht in den luftleeren Raum hinein gebetet haben. Die Menschen beteten, und Gott lie\u00df sich von den Menschen finden.\r\nWir finden einen weiteren Hinweis in Kapitel 5,22-24. Diese Verse handeln von meinem Namensgeber. Wenn wir die Stelle \u00fcber Henoch mit den Versen vorher und nachher vergleichen, stellen wir fest, wie sehr er aus der Reihe tanzt. \u00dcber die Ahnen vorher und nachher hei\u00dft es: \u201ePerson wurde X Jahre alt und zeugte Sohn und lebte danach X Jahre und zeugte S\u00f6hne und T\u00f6chter, dass sein ganzes Alter ward X Jahre, und starb.\u201c \u00dcber Henoch hei\u00dft es: \u201eHenoch war 65 Jahre alt und zeugte Metuschelach.\u201c Jetzt w\u00fcrden wir erwarten, wieviele Jahre er noch lebte. Aber stattdessen lesen wir: \u201eUnd Henoch wandelte mit Gott.\u201c Dann erst folgt die Angabe wie lange er noch lebte und dass er S\u00f6hne und T\u00f6chter zeugte. Vers 23 sagt: \u201edass sein ganzes Alter ward 365 Jahre.\u201c Hier m\u00fcsste jetzt eigentlich stehen, dass er starb. Stattdessen hei\u00dft es: \u201eUnd Henoch wandelte mit Gott und ward nicht mehr gesehen, denn Gott hatte ihn entr\u00fcckt.\u201c Danach geht es im Stammbaum weiter wie vorher.\r\nEine Sonntagsschullehrerin hatte die Geschichte von Henoch folgenderma\u00dfen zusammengefasst: jeden Tag machte Henoch mit Gott einen Spaziergang. Wenn der Tag sich neigte und es Zeit war umzukehren, fragte Henoch Gott: \u201eIch muss zur\u00fcck nach Hause. Kommst du mit?\u201c Und Gott antwortete: \u201eOkay.\u201c Irgendwann nach 365 Jahren waren Henoch und Gott wieder spazieren. Als es Zeit war, umzukehren, fragte Henoch wieder: \u201eIch muss wieder zur\u00fcck. Kommst du wieder mit zur mir nach Hause?\u201c Gott antwortete dann: \u201eDie letzten 365 Jahre hast du mich jedes Mal zu dir nach Hause eingeladen. M\u00f6chtest du heute vielleicht zu mir nach Hause?\u201c Henoch antwortete: \u201eOkay.\u201c Und seitdem ist Henoch bei Gott zu Hause.\r\nDas Wort \u201ewandeln\u201c dr\u00fcckt eine richtige Freundschaft aus. Bis auf den heutigen Tag ist das \u201egemeinsam unterwegs sein\u201c ein Inbegriff f\u00fcr Freundschaft. Ich bin mir sicher, dass jeder von uns dazu Erfahrungen hat. Eine sehr amerikanische Erfahrung ist es, Road Trips zu machen: man ist viele Stunden am Tag im Auto eingeschlossen unterwegs auf nicht enden wollenden Landstra\u00dfen oder Autobahnen, unterbrochen von irgendwelchen Dinners. Sam und ich hatten \u00fcber ein Wochenende einen solchen Roadtrip unternommen: sieben Stunden hin und sieben Stunden zur\u00fcck. Und wir haben uns fast die ganze Fahrt \u00fcber unterhalten. So etwas schwei\u00dft zusammen.\r\nHier im Text sehen wir etwas ungleich viel Wunderbareres: ein Mensch wandelt mit Gott. Ein Mensch bekommt das Privileg ein Freund Gottes zu werden, und Gott wird der beste Freund dieses Menschen. Wir haben gesehen, dass trotz aller Errungenschaften, der Mensch Gott nicht erfassen kann. Aber hier l\u00e4sst sich Gott auf den Menschen ein in inniger, tiefer Gemeinschaft.\r\nEinen dritten Hinweis finden wir in den Versen 28 und 29. Wieder begegnet uns ein Lamech, aber dieses Mal ein ganz anderer Lamech. Er hat einen Sohn. \u00dcber diesen Sohn sagt er: \u201eDer wird uns tr\u00f6sten in unserer Arbeit und der M\u00fchsal unserer H\u00e4nde auf dem Acker, den der HERR verflucht hat.\u201c Wie wir n\u00e4chste Woche sehen war Noah auch jemand, der mit Gott wandelte. Und vielleicht brachte Noah etwas Trost. Aber gleichzeitig war auch Noah jemand, der nicht frei von S\u00fcnde war.\r\nHier ist der Punkt: die Freundschaft zwischen Gott und Henoch und der Trost von Noah sind Hinweise auf das, was Gott sp\u00e4ter tun w\u00fcrde. Die Beziehung dieser M\u00e4nner mit Gott war so einzigartig, dass Genesis das hervorhebt. Aber es w\u00fcrde der Tag kommen, an dem Gott diese Freundschaft allen Menschen anbietet. In Johannes 15 sagt Jesus seinen J\u00fcngern: \u201eIhr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete. Ich nenne euch hinfort nicht Knechte; denn der Knecht wei\u00df nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich Freunde genannt; denn alles, was ich von meinem Vater geh\u00f6rt habe, habe ich euch kundgetan.\u201c Gott vollbringt das, was kein Mensch erreichen konnte. Er wird Mensch und kommt zu uns. In Jesus Christus bietet Gott uns seine Freundschaft an. Jesus ist die Person, auf die Henoch und Noah hinweisen. Wenn wir uns auf diesen Jesus einlassen, wenn wir an diesen Jesus glauben, dann l\u00e4sst Gott uns eintreten in den Kreis seiner Freunde. Es ist das Gr\u00f6\u00dfte und das H\u00f6chste, worauf sich ein Mensch einlassen kann.\r\nMein Gebet und mein Wunsch ist, dass unsere Gemeinde eine Gemeinschaft von Menschen sein kann, die mit Gott wandeln. Mein Gebet und mein Wunsch ist, dass jeder einzelne von uns dadurch eine Quelle des Trostes werden kann.\r\n\r\n<!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Menschlicher Fortschritt und die Suche nach Gott \u201eLamech war 182 Jahre alt und zeugte einen Sohn und nannte ihn Noah und sprach: Der wird uns tr\u00f6sten in unserer Arbeit und der M\u00fchsal unserer H\u00e4nde auf dem Acker, den der HERR verflucht hat.\u201c (1. 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