{"id":9775,"date":"2020-07-26T11:00:11","date_gmt":"2020-07-26T09:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=9775"},"modified":"2022-11-18T12:19:48","modified_gmt":"2022-11-18T11:19:48","slug":"predigt-1-mose-38-24","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-mose-38-24\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Mose 3,8 \u2013 24"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/2020Gen-04_0308-0324-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Zerbrochene Beziehungen<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eUnd sie h\u00f6rten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag k\u00fchl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN zwischen den B\u00e4umen im Garten.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">1. Mose 3,21<\/p>\n<p>Christen sind sich nicht einig darin, ob unser heutiger Text sprichw\u00f6rtlich zu verstehen ist oder eher bildlich. Es gibt viele Christen, die unseren Text als historische Tatsache betrachten. Sie lesen den Text als einen historischen Bericht, der sich genau so zugetragen hat: mit einer Frau namens Eva und mit einer sprechenden Schlange. Es gibt viele andere christliche Ausleger, die diesen Text nicht wortw\u00f6rtlich lesen. Sie sehen den Text eher als ein Bild oder als eine Art Gleichnis. Um das zu veranschaulichen erw\u00e4hnt der gro\u00dfartige Kommentator Derek Kidner, die Geschichte von Davids S\u00fcnde. 2. Samuel 11 ist der historische Tatsachenbericht, also das, was sich tats\u00e4chlich zugetragen hat. Aber in 2. Samuel 12 erz\u00e4hlt der Prophet Nathan diese S\u00fcnde als ein Gleichnis. So \u00e4hnlich k\u00f6nnte es auch in Genesis 3 sein. Wenn dem so ist, dann man findet in unserem Text einen wahren historischen Kern, ohne dass sich historisch alles genau auf diese Weise zugetragen haben muss. Was ist richtig? Beide Seiten haben ihre Argumente, die mal mehr mal weniger \u00fcberzeugend sind.<\/p>\n<p>Ganz egal welche Sicht man auf diesen Text hat, finde ich, dass dieser Text erstaunlich ist. In wenigen Zeilen werden hier Eigenschaften der Menschen offenbart, wie man sie treffender und pr\u00e4ziser kaum formulieren k\u00f6nnte. Die Beschreibung des Menschen trifft genau ins Schwarze.<\/p>\n<p>Was lernen wir im Text also \u00fcber uns? Drei Dinge sehen wir: erstens, unsere tiefe Bosheit; zweitens, die Folge dessen; und drittens, eine neue Hoffnung.<\/p>\n<p><strong>Erstens, unsere tiefe Bosheit<\/strong><\/p>\n<p>Der erste Punkt klingt sehr negativ. Und als ich vor vielen Jahren an einem Lichtblick-Gottesdienst in K\u00f6ln teilgenommen hatte, war da ein junger Mann, mit dem wir uns unterhalten hatten. Ein Freund von mir hatte ihn willkommen gehei\u00dfen und ihn gefragt, warum er l\u00e4ngere Zeit nicht da war. Seine Antwort war: \u201edie Kirche versucht doch nur, uns Schuldgef\u00fchle einzufl\u00f6\u00dfen. Und damit haben ich abgeschlossen. Das brauche ich nicht mehr.\u201c Wenn ich mit Menschen \u00fcber den Glauben diskutieren will, stelle ich meistens eine einfache Frage: \u201eglaubst du, dass Menschen gut sind oder b\u00f6se?\u201c Und aus dieser simplen Frage entstehen meistens richtig tiefgehende Diskussionen. Ich glaube nicht daran, dass alle Menschen nur b\u00f6se sind. Aber ich glaube, dass der heutige Text uns auf eine tiefe Bosheit aufmerksam macht, die in einen jeden von uns schlummert. Diese Bosheit zeigt sich auf verschiedene Weise in unserem Alltag.<\/p>\n<p>Was hatten Adam und Eva verbrochen? In Vers 11 stellt Gott die Frage: \u201eWer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon essen?\u201c Und genau das war es nat\u00fcrlich, was Adam und Eva getan hatten. Um ganz kurz zu wiederholen, was es damit auf sich hat: Gott hatte Adam und Eva die Erlaubnis gegeben, von allen B\u00e4umen im Garten zu essen. Es gab nur einen einzigen Baum, von dem Gott sagte: \u201evon diesem Baum bitte nicht.\u201c Das war das einzige Gebot, das Gott den Menschen gegeben hatte. Und die Menschen hatten sich nicht daran gehalten.<\/p>\n<p>Frage ist dann nat\u00fcrlich, was daran so schlimm war. Hier ist das, was Gottes Gebot bedeutete: Adam sollte nicht von dem Baum der Erkenntnis des Guten und B\u00f6sen essen, einfach aus dem einen Grund, weil Gott es ihm gesagt hatte. Es lag nicht daran, dass der Baum an sich schlecht war; oder dass die Fr\u00fcchte des Baums giftig oder ungenie\u00dfbar waren. Der Baum an sich war vielleicht wie jeder andere Baum auch. Gott sagte also praktisch: \u201eKannst du dich an eine Sache halten, nur aus dem einen Grund, dass ich Gott bin und du nicht? Kannst du nicht von diesem Baum essen, weil ich dich liebe und du mich liebst?\u201c<\/p>\n<p>Und genau dieser eine Punkt macht deutlich, dass in allen unseren guten Taten, die Motivation das A und O ist. Viele Unternehmen haben einen Verhaltens-Codex. Der Verhaltens-Codex beruft sich auf die gesetzlichen Bestimmungen, aber tut h\u00e4ufig noch etwas anderes. Er appelliert an das menschliche Gewissen, sich ethisch und integer zu benehmen. Beruflich leite ich ein Konsortium, in welchem sich verschiedene Pharma- und Unipartner zusammengefunden haben. Als wir unser erstes offizielles Treffen zum Projektstart hatten, hatte mir ein erfahrener Kollege &#8230; den Tipp gegeben, ebenfalls ein paar Regeln mit auf den Weg zu geben, auf die sich alle Partner einigen sollten. Andere Menschen mit Respekt zu behandeln ist eine gute Sache. Geistiges Eigentum von anderen anzuerkennen und das nicht zu klauen, ist eine gute Sache. Warum versuchen wir alle dazu zu bewegen, sich daran zu halten? Der Grund ist, weil es uns Menschen hilft, gut miteinander auszukommen. Die Verhaltensregeln sollen helfen, eine Umgebung zu schaffen, in der man produktiv gemeinsam arbeiten kann. Sie sollen helfen, ein Klima zu schaffen, in dem man es \u00fcberhaupt gut miteinander aush\u00e4lt.<\/p>\n<p>Was sind dann also Gr\u00fcnde, weshalb Menschen Gutes zu tun? Eine der Gr\u00fcnde ist, weil es uns selbst hilft. Wenn wir nicht l\u00fcgen und nicht betr\u00fcgen, dann werden wir viel eher von den anderen als vertrauensw\u00fcrdig wahrgenommen, was uns wiederum gut tut. Wenn wir andere mit Respekt und Freundlichkeit behandeln, dann ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich h\u00f6her, dass wir ebenfalls so behandelt werden. Wenn wir ehrlich und transparent sind, stehen die Chancen h\u00f6her, dass es die anderen auch zu uns sind.<\/p>\n<p>Was sagt das dann \u00fcber unsere intrinsische Motivation, Gutes zu tun? Zwei Motive stehen dahinter. Das eine ist Furcht. Wir verhalten uns gut, weil wir uns vor den m\u00f6glichen negativen Konsequenzen f\u00fcrchten, wenn wir es nicht tun; wir f\u00fcrchten uns davor, unseren Ruf zu verlieren; oder Karrierem\u00f6glichkeiten zu verlieren. Das andere Motiv ist Stolz. Man verh\u00e4lt sich gut, weil man sich als etwas Besseres vorkommt. Man tut das Richtige, weil man nicht so schlecht und schlimm ist wie die anderen unmoralischen, verdorbenen Verlierer. Man tut Gutes, weil man eben diszipliniert und flei\u00dfig ist, nicht so wie die anderen, die ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen. Es ist die Motivation der Pharis\u00e4er, die immer auf andere herabgeblickt haben. Das sind die Hauptmotive, die uns h\u00e4ufig antreiben, Gutes zu tun: Furcht vor negativen Konsequenzen oder eitler Stolz. Beides, sowohl Furcht als auch Stolz sind am Ende des Tages selbstzentriert und egoistisch. Man tut das Gute mehr f\u00fcr sich selbst als f\u00fcr andere.<\/p>\n<p>Und genau das war es, was Gott nicht wollte. Gott wollte, dass Adam und Eva nicht von dem einen Baum essen, nicht deshalb, weil es ihnen Vorteile bringt, wenn sie es nicht tun; und auch nicht deshalb, weil davon zu essen f\u00fcr sie direkte Nachteile bringen w\u00fcrde. Gott wollte, dass sie es nicht tun, nicht f\u00fcr sie selbst, sondern f\u00fcr ihn. Gott wollte, dass sie ihm gehorchen, nicht um ihretwillen, sondern um seinetwillen. Und die Tragik der Geschichte ist, dass Adam und Eva das nicht wollten. Ihre Tat war ein Ausdruck dessen, dass sie Gott nicht auf dem Thron ihres Herzens haben wollten.<\/p>\n<p>Was sagt das dann also \u00fcber die tiefe Bosheit des Menschen? Was sagt das \u00fcber uns? Wir denken so oft, eigentlich zu oft, dass S\u00fcnde lediglich bedeutet, schlechte Dinge zu tun. Und in der Tat, Stehlen, L\u00fcgen, Ehebrechen sind S\u00fcnde. Hass und Rassismus sind S\u00fcnde. Jeder einzelne von uns denkt, sagt und tut Dinge, die schlecht sind. Das ist leider so. Aber der Ungehorsam von Adam und Eva zeigen, dass selbst die guten Werke, die wir vollbringen, viel zu oft aus den falschen Motiven getan werden. Selbst unsere guten Taten haben so oft eine faule Wurzel, weil es uns st\u00e4ndig um uns selbst geht und weniger um Gott und die anderen. Die Tatsache, dass selbst die guten Dinge, die wir tun, h\u00e4ufig aus b\u00f6sen Motiven geschehen, ist ein Indiz daf\u00fcr, dass in jedem menschlichen Herzen Bosheit ist: eine Bosheit im Herzen, deren Wurzeln bis in die tiefsten Ecken unserer Herzen herunterreichen.<\/p>\n<p><strong>Zweitens, die Folge dessen<\/strong><\/p>\n<p>Wir sehen in der Tat eine ganze Lawine von Konsequenzen. Wenn man alles das in einem Wort zusammenfassen wollte, w\u00fcrde ich sagen, dass wir zerbrochene Beziehungen sehen. Das Resultat der S\u00fcnde sind zerbrochene Beziehungen. Hier sind ein paar ziemlich klare Indizien, die darauf hinweisen. Vers 8: \u201eUnd sie h\u00f6rten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag k\u00fchl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN zwischen den B\u00e4umen im Garten.\u201c Adam und Eva versteckten sich vor Gott. Sie wollten nichts mit ihm zu tun haben. In Vers 10 sagt Adam: \u201eIch h\u00f6rte dich im Garten und f\u00fcrchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich.\u201c Adam und Eva hatten sich gesch\u00e4mt. Wir gehen gleich darauf ein, was das genau bedeutet. Als Gott Adam dann zur Rede stellt bez\u00fcglich des Baumes, war Adams Antwort: \u201eDie Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich a\u00df.\u201c Es ist als ob Adam sagen w\u00fcrde: \u201eGott, hast du nicht gesagt, dass Eva mein Helfer sein sollte? Und jetzt sieh an, was sie angerichtet hat. Ich bin so entt\u00e4uscht von ihr und von dir.\u201c Als Gott die Frau zu Rede stellt, sehen wir wieder eine Schuldzuweisung: \u201eDie Schlange betrog mich, so dass ich a\u00df.\u201c Ihre Ausrede war: \u201eIch wurde betrogen! Ich bin doch nur das Opfer. Ich kann gar nichts daf\u00fcr.\u201c<\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes sehen wir den Fluch der S\u00fcnde. Auf der Arbeit wird ein Fluch liegen: Arbeit wird uns nicht nur anstrengen, sie wird uns kaputtmachen. Jemand sagte einmal, dass unser ganzes Leben ein Kampf gegen Staub ist. Wenn eine Ecke im Haus frei von Staub ist, verstaubt die andere Ecke. Was ist der Lohn f\u00fcr diese Kampf? Wenn wir sterben, werden wir mit 2 Metern Staub bedeckt. Als n\u00e4chstes sehen wir einen Fluch auf den Beziehungen zwischen den Geschlechtern. Derek Kidner fasst alles das mit folgenden Worten zusammen: \u201eDrei Arten von Chaos, die einen gro\u00dfen Teil menschlichen Leids abdecken, erscheinen im Keim in diesem Kapitel. Innerhalb pers\u00f6nlicher Beziehungen sehen wir die ersten Anzeichen gegenseitiger Entfremdung und die Brutalisierung sexueller Liebe. Misstrauen und Leidenschaften, die in der Gesellschaft w\u00fcten werden, sind hier in ihrer Embryonalform. Auf der geistlichen Ebene befindet sich der Mensch in seinem Selbstwiderspruch zum einen auf der Flucht vor Gott und zum anderen im Kampf gegen das B\u00f6se. Auf der physischen Ebene ist sein Leben ein schmerzhafter Kampf die grundlegenden Prozesse zu erneuern und zu erhalten, die zu einem gewissen Ma\u00df gest\u00f6rt sind.\u201c Das ist die Welt nach dem Fall.<\/p>\n<p>Bevor wir fortfahren, wollen wir uns an dieser Stelle Gedanken dar\u00fcber machen, wie sich die zerbrochenen Beziehungen auf unser pers\u00f6nliches Leben anwenden lassen. Wir k\u00f6nnten dieses Thema stundenlang vertiefen. Ich will nur einen Punkt herauspicken, der in Genesis 3 ziemlich zentral ist: die Scham.<\/p>\n<p>Adam und Eva sch\u00e4mten sich und versuchten ihre Nacktheit zu bedecken. Es gibt eine Reihe von Tr\u00e4umen, die von ganz vielen Menschen getr\u00e4umt werden. Einer von diesen Tr\u00e4umen, ist, dass man pl\u00f6tzlich vor anderen Menschen nackt ist. Und sehr h\u00e4ufig sch\u00e4mt man sich daf\u00fcr. Interessanterweise ist Nacktheit und Scham ein relatives Ph\u00e4nomen. Z.B. ist es im Schwimmbad oder am Strand v\u00f6llig in Ordnung, sich nur in Badehose und Bikini zu zeigen. Aber in fast allen anderen gesellschaftlichen Situationen w\u00e4re das nicht angemessen. Und die meisten von uns kennen es, wenn man durch seine Kleidung komplett aus der Rolle f\u00e4llt. Zum Beispiel w\u00e4re es inakzeptabel, wenn ein Bankangestellter in Jeans und T-Shirt zur Arbeit kommen w\u00fcrde. Man kann auch aus der Rolle fallen, indem man v\u00f6llig overdressed ist. Ich hatte einmal einen Termin mit Kollegen von &#8230;, einem etwas konservativen Pharma-Unternehmen. Ich kam ziemlich l\u00e4ssig gekleidet im Polo-Shirt. Mein Chef hatte zumindest noch ein Hemd an. Der dritte Kollege kam in einem richtig schicken Anzug mit Krawatte. Als er mich sah, machte er eine Bemerkung bez\u00fcglich meiner legeren Kleidung. Mein Chef sagte nur: \u201eWir sind Biotech. Wir d\u00fcrfen das.\u201c Und sofort hat sich der gut gekleidete Kollege die Krawatte ausgezogen. Nacktheit ist ein relatives Ph\u00e4nomen.<\/p>\n<p>Was genau bedeutet Nacktheit dann? Wer nackt ist, der gibt sich den anderen so zu erkennen, wie er ist. Das gilt sowohl im physischen wie auch im charakterlichen Sinne. Wer sich den anderen so zeigt, wie er ist, der macht sich verletzlich und verwundbar. Ein h\u00e4ssliches Beispiel daf\u00fcr sind Opfer, die \u201eBodyshaming\u201c erfahren, z.B. weil ein unvorteilhaftes Foto von ihnen erschienen ist. Was bedeutet das dann also? Diejenigen, die sehen aber selbst nicht gesehen werden, sind im Vorteil. Diejenigen, die sehen und selbst nicht gesehen werden, sind in einer Position der Macht. Hier ist ein sehr praktisches Beispiel daf\u00fcr, wie sich das bei uns zeigt: als die COVID-Krise bei uns durchgeschlagen hat, sind wir auf Online-Gottesdienste umgestiegen. Wir haben euch, die Teilnehmer, mehrfach darum gebeten, ihre Webcams einzuschalten (sofern eine vorhanden ist), weil es die M\u00f6glichkeiten zur Gemeinschaft drastisch verbessert. Manche sind der Bitte nachgekommen. Aber viele von euch haben das trotz vorhandener technischer M\u00f6glichkeiten nicht gemacht. Ich will niemanden Vorw\u00fcrfe machen. Und ich kann es absolut nachvollziehen. Fakt ist, dass man sich immer besser f\u00fchlt, wenn man andere sehen kann, aber selbst nicht von anderen gesehen wird.<\/p>\n<p>Wir alle sind absolute Weltmeister darin, zu kontrollieren, was wir vor anderen Menschen preisgeben. Bewusst oder unterbewusst betreiben wir ununterbrochen ein Selbstimage-Management. Hier sind ein paar Beispiele: Die M\u00e4nner unter uns: warum ziehen manche von uns den Bierbauch ein, wenn jemand ein Foto von uns machen will? Die Frauen unter uns: warum darf man euch aus manchen Winkeln erst gar nicht fotografieren? Wenn wir uns zu klein f\u00fchlen, warum versuchen wir mit Abs\u00e4tzen und vorteilhaften Frisuren zu versuchen, uns gr\u00f6\u00dfer zu machen? Wenn wir uns zu gro\u00df f\u00fchlen, warum versuchen wir uns kleiner zu machen? Diejenigen unter uns, die die Tendenz haben, eher unordentlich zu sein: warum r\u00e4umen wir erst dann und h\u00e4ufig nur dann auf, wenn wir Besuch bekommen? Wenn wir auf ein Date gehen, warum zeigen wir uns nur von unserer absoluten Schokoladenseite, obwohl wir wissen, dass wir eigentlich nicht so sind? Wer von uns war schon mal in einem Gespr\u00e4ch mit Kollegen oder Freunden, die sich \u00fcber etwas unterhalten haben, wovon man gar keine Ahnung hat; wer von uns hat in solchen Situationen einfach mitgenickt und \u201euhum\u201c gesagt, anstatt einfach zuzugeben, dass man keine Ahnung von der Materie hat, weil man nicht zeigen will, wie ignorant man ist? Vielleicht fallen euch noch viele weitere Beispiele ein. Was ist das alles? Das sind Feigenbl\u00e4tter, die wir benutzen, um unsere Nacktheit vor anderen Menschen zu verbergen.<\/p>\n<p>Warum verhalten wir uns so? Und die Antwort ist folgende: seit dem Fall sind wir Menschen davon \u00fcberzeugt, dass wir entweder gekannt oder geliebt werden k\u00f6nnen, aber nicht beides gleichzeitig. Da wir denken, dass beides nicht m\u00f6glich ist, ist es bevorzugen, lieber nicht wirklich gekannt zu werden. Beides ist aber notwendig, um echte Beziehungen f\u00fchren zu k\u00f6nnen. John Ortberg hat das auf einem Diagramm sehr anschaulich illustriert. Auf der einen Achse steht: \u201eAngenommen sein\u201c. Auf der anderen Achse steht: \u201eGekannt werden.\u201c Nehmen wir an, niemand kennt uns und niemand hat uns angenommen. Dieser traurige Fall w\u00fcrde bedeuten, dass wir \u00fcberhaupt keine Beziehungen haben. Das w\u00e4re Isolation. Angenommen der Fall wir werden gekannt, aber werden nicht angenommen. Wer immer solche Erfahrungen macht, der wei\u00df, wie verletzend das ist. Dieses Ph\u00e4nomen hei\u00dft Ablehnung. Auf der anderen Seite, wenn wir nicht gekannt werden aber angenommen sind, dann befinden wir uns in einer oberfl\u00e4chlichen Beziehung. Diese Beziehung nur den Schein echter Gemeinschaft. Wenn wir aber sowohl gekannt werden und gleichzeitig angenommen sind, dann ist das nichts weniger als Liebe.<\/p>\n<p>Wir alle wollen eigentlich diese Art von Liebe erfahren. Wir haben die Vermutung, dass eine solche Liebe uns wieder heil und ganz machen k\u00f6nnte. Und gleichzeitig wissen wir, dass wir nicht so sind, wie wir h\u00e4tten sein sollen. Wir wissen, dass wir schwach sind, unvollkommen, gefallen, gezeichnet von der tiefen Bosheit in uns. Was ist die L\u00f6sung?<\/p>\n<p><strong>Drittens, eine neue Hoffnung<\/strong><\/p>\n<p>Auffallend im Text ist, dass es Gott ist, der die Initiative ergreift. In Vers 8 lesen wir: \u201eUnd sie h\u00f6rten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag k\u00fchl geworden war.\u201c Adam und Eva hatten sich vor Gott versteckt wie Verbrecher vor der Polizei. Aber Gott kommt nicht als Polizist oder als Richter. Dasselbe Wort, was hier mit \u201eging\u201c \u00fcbersetzt wird, finden wir sp\u00e4ter in Genesis, wenn es hei\u00dft, dass Henoch oder Noah mit Gott wandelte. Gott wandelte im Garten immer noch als ein Freund, obwohl er von den Menschen betrogen war. Gott kam seine Kinder besuchen.<\/p>\n<p>In Vers 9 ist es Gott, der den Menschen ruft: \u201eWo bist du?\u201c Nicht der Mensch macht sich auf die Suche nach Rettung. Gott macht sich auf die Suche nach dem Menschen. Das verlorene Schaf macht sich nicht auf den Weg zum Hirten. Der Hirte kommt und findet das verlorene Schaf.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich sehen wir in dem ber\u00fchmten Vers 15 das sogenannte Protoevangelion: \u201eUnd ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.\u201c Eines Tages w\u00fcrde ein Nachkomme der Frau die Schlange besiegen. Eines Tages w\u00fcrde dieser Nachkomme alles das, was mit dem Fall in die Br\u00fcche gegangen ist, reparieren und wiederherstellen.<\/p>\n<p>In unserem reichhaltigen Text finden wir noch einen weiteren Hinweis auf das, was Jesus eines Tages tun w\u00fcrde. In Vers 21 lesen wir: \u201eUnd Gott der HERR machte Adam und seiner Frau R\u00f6cke von Fellen und zog sie ihnen an.\u201c Adam und Eva hatten Feigenbl\u00e4tter benutzt. Das war kein guter Schutz. Gott bedeckt ihre Scham. Gott ist der Erfinder von Kleidung. Die Kleidung, die Gott ihnen machte, war aus Fellen gemacht. Das impliziert, dass Tiere gestorben waren.<\/p>\n<p>Viele Jahre sp\u00e4ter sehen wir das Lamm Gottes, das wahre Opfer. Jesus ist der eine, wahre Nachkomme der Frau. Er ist der Mensch, der wir alle h\u00e4tten sein sollen. Als Jesus hingerichtet wurde, geh\u00f6rte es zum Schauspiel, dass er nackt ausgezogen wurde. Jesus hing ohne Kleidung am Kreuz. Er wurde ganz entbl\u00f6\u00dft. Jesus wurde maximal gedem\u00fctigt. Jesus erduldete die maximale Schande, die absolute Ablehnung, die wir verdient h\u00e4tten. Das ist der Preis, der bezahlt werden musste, damit unsere Scham bedeckt werden kann. In Jesus Christus bedeckt Gott unsere Nacktheit. Gott legt ein wei\u00dfes Gewand \u00fcber unsere Fehler, unsere Bosheit, alle die Dinge, f\u00fcr die wir uns in Grund und Boden sch\u00e4men oder sch\u00e4men sollten.<\/p>\n<p>Was bedeutet das dann? In Jesus erfahren wir die wahre Liebe Gottes. Gott sieht uns. Er kennt uns durch und durch. Er sieht unsere tiefe Bosheit. Am Kreuz sehen wir, dass er uns trotzdem angenommen hat. Er liebt uns, obwohl er uns kennt. Wer von dieser Liebe geschmeckt hat, der bekommt die Kapazit\u00e4t von den Wunden und Verletzungen frei zu werden, die uns in der Vergangenheit zugef\u00fcgt wurden. Wer diese Liebe erfahren hat, der wird bef\u00e4higt, andere zu lieben. Wer diese bedingungslose Annahme Gottes erfahren hat, der wird selbst den Wunsch haben, eine Gemeinschaft zu bauen, in der andere Menschen das erfahren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wo stehst du in diesem Heilungsprozess? Wo stehen wir als Gemeinde?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Zerbrochene Beziehungen \u201eUnd sie h\u00f6rten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag k\u00fchl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN zwischen den B\u00e4umen im Garten.\u201c 1. 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