{"id":9692,"date":"2020-05-31T11:00:06","date_gmt":"2020-05-31T09:00:06","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=9692"},"modified":"2022-11-18T12:19:53","modified_gmt":"2022-11-18T11:19:53","slug":"fragebogen-1-korinther-1434-35-sonderlektion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/fragebogen-1-korinther-1434-35-sonderlektion\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Korinther 14,34.35  (Sonderlektion)"},"content":{"rendered":"<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/SL-1Kor-14_3435-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a>\r\n<h2 style=\"text-align: center;\">Frauen und die Gemeinde Jesu<\/h2>\r\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eLasst aber alles ehrbar und ordentlich zugehen\u201c<\/h3>\r\n<p style=\"text-align: center;\">(1. Korinther 14,40)<\/p>\r\nJemand hatte mal gesagt, dass Predigen ab und zu folgendem Bild \u00e4hnelt: man schmei\u00dft einen gro\u00dfen Stein in ein Geb\u00fcsch voller Schlangen; anschlie\u00dfend hat man als Prediger die Aufgabe, alle Schlangen unsch\u00e4dlich zu machen, bevor sie die Zuh\u00f6rer bei\u00dfen k\u00f6nnen. Wenn man diese Analogie auf die heutige Predigt anwendet, ist die Frage, was die dickste und gr\u00f6\u00dfte Schlange im Text ist. Ich w\u00fcrde argumentieren, dass es die Verse 34 und 35 sind. Diese Verse handeln von Paulus\u2018 Anweisungen f\u00fcr die Frauen in der Gemeinde. Und wie wir uns alle vorstellen k\u00f6nnen, ist das ein schwieriges und sehr kontroverses Thema. Je nachdem mit wem man diese Diskussionen f\u00fchrt, kann es ein emotional ziemlich geladenes Thema sein.\r\nIn meinen mehr als 30 Jahre in dieser Gemeinde kann ich mich an keine Predigt erinnern, in der wir dieses Thema etwas systematischer und tiefer aufgegriffen haben. Weil dem so ist, wollen wir uns heute ausschlie\u00dflich mit diesen problematischen Bibelversen besch\u00e4ftigen. Die Predigt heute wird nicht alle Fragen dazu beantworten k\u00f6nnen. Beileibe nicht! Aber es kann vielleicht der Anfang einer hoffentlich respektvollen Diskussion sein; eine Diskussion bei der wir uns nicht mit Vereinfachungen, Klischees, etc. zufriedengeben, sondern in der wir versuchen biblisch nuanciert, reflektiert an die Sache herangehen. Auch wenn ihr mit meinen Schlussfolgerungen nicht ganz einverstanden sein solltet, hoffe ich, dass ihr zumindest meiner Argumentation gut folgen k\u00f6nnt.\r\nDrei Punkte m\u00f6chte ich gerne heute vermitteln: erstens, was Paulus\u2018 Worte \u00fcber die Frauen ziemlich wahrscheinlich nicht bedeuten; zweitens, was diese Verse bedeuten k\u00f6nnten; drittens, was diese Worte uns bedeuten sollten.\r\n\r\nErstens, was diese Verse ziemlich wahrscheinlich nicht bedeuten\r\nVerse 33b bis 35 sagen: \u201eWie in allen Gemeinden der Heiligen sollen die Frauen schweigen in den Gemeindeversammlungen; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt. Wollen sie aber etwas lernen, so sollen sie daheim ihre M\u00e4nner fragen. Es steht einer Frau schlecht an, in der Gemeindeversammlung zu reden.\u201c Was scheint Paulus hier zu sagen? Frauen sollen in Versammlungen der Gemeinde schweigen und nicht reden; sie sollen sich unterordnen; wenn sie etwas lernen wollen, sollen sie ihre M\u00e4nner zu Hause fragen. Und Paulus schlie\u00dft den Gedanken ab mit den Worten, dass es eine Schande ist, wenn Frauen in der Gemeindeversammlung reden. Ist es das, was Paulus als eine allgemeing\u00fcltige Regel formuliert? Vers 33b scheint darauf hinzudeuten, dass das, was Paulus an dieser Stelle sagt, nicht nur f\u00fcr die Korinther Christen gilt, sondern f\u00fcr alle Gemeinden. Und wenn dem so ist, warum sollte es nicht f\u00fcr unsere Gemeinde gelten?\r\nIn vielen christlichen Kreisen werden diese Verse als Beleg daf\u00fcr genommen, dass Frauen, in der Versammlung der Gemeinde zu schweigen haben. Zum Beispiel schreibt Friedemann Werkshage: \u201e\u2026 Apostel Paulus gibt die Anweisung, dass eine Frau nicht lehren, noch \u00fcber den Mann herrschen, sondern still sein soll. Diese Anweisung bezieht sich nicht nur auf die Gemeindestunden, wo sie ehedem schweigen soll, sondern hat einen allgemeinen Charakter. \u2026 Wenn nun eine Frau vor anderen (vor allem in Gegenwart von M\u00e4nnern) die Bibel auslegen und erkl\u00e4ren w\u00fcrde, widerspr\u00e4che dies eindeutig dem Willen Gottes.\u201c Ist es das, was Paulus meinte? Pers\u00f6nlich bin ich mir ziemlich sicher, dass es nicht das ist, was Paulus meinte. Das hat mindestens drei Gr\u00fcnde.\r\nDer erste Grund ist, weil es im direkten Widerspruch zu dem steht, was Paulus im gleichen Brief schreibt. In Vers 31 schreibt Paulus: \u201eIhr k\u00f6nnt alle prophetisch reden, doch einer nach dem andern, damit alle lernen und alle ermahnt werden.\u201c Das Wort \u201ealle\u201c scheint wirklich \u201ealle\u201c zu meinen, M\u00e4nner als auch Frauen. D.h., man m\u00fcsste diesen Vers 31 entsprechend nicht w\u00f6rtlich nehmen, wenn man Verse 34 und 35 aus dem Kontext genommen w\u00f6rtlich nimmt. Der expliziteste Widerspruch befindet sich aber in Kapitel 11,5. In diesem Vers gibt Paulus explizite Anweisungen, was Frauen tun sollen, wenn sie prophetisch reden. Der Kontext von Vers 5 macht deutlich, dass es dabei nicht im famili\u00e4ren Kreis geht, sondern \u00fcber das Verhalten im Gottesdienst. Dieser scheinbare Widerspruch ist so gro\u00df und so stark, dass sich viele christliche Denker den Kopf zerbrochen haben, wie man das unter einen Hut bringen soll. Viele sind zu dem Schluss gekommen, dass sich diese Widerspr\u00fcche nicht vereinen lassen.\r\nViele Ausleger eher aus der modernen Zeit gehen davon aus, dass die Verse 34 und 35 nicht von Paulus stammen, sondern sp\u00e4ter hinzugef\u00fcgt wurden. Es gibt Manuskripte, die diese Verse nach Vers 40 stellen. Das Problem ist allerdings, dass es sp\u00e4te Manuskripte sind. In allen wichtigen fr\u00fchen Manuskripten sind die Worte von 1. Korinther 14 so widergegeben, wie wir es heute lesen. D.h., es gibt keine wirklich guten Hinweise und Indizien daf\u00fcr, dass es sich um einen sp\u00e4teren Nachschub handelt. Aber allein die Tatsache, dass solche Konstrukte entwickelt werden, zeigt, wie problematisch der scheinbare Widerspruch ist.\r\nDer zweite Grund ist, weil es im direkten Widerspruch zu dem steht, was in der fr\u00fchen christlichen Gemeinde praktiziert wurde. Wir k\u00f6nnen nicht alle Textstellen erw\u00e4hnen, deshalb nur einige Beispiele. Priska und Aquila hatten Apollos zu sich aufgenommen und ihm die Bibel gelehrt. Sehr wahrscheinlich war das im Kontext ihrer Hausgemeinde. D.h., dass in der fr\u00fchen Gemeinde Frauen andere M\u00e4nner gelehrt haben. In R\u00f6mer 16,3 erw\u00e4hnt Paulus dieses Ehepaar. Interessanterweise erw\u00e4hnt er Priska an erster Stelle und nennt sie seine Mitarbeiter in Christus Jesus. Allein die Tatsache, dass Paulus Priska an erster Stelle erw\u00e4hnt, ist extrem au\u00dfergew\u00f6hnlich.\r\nR\u00f6mer 16 ist eine kleine Fundgrube an Besonderheiten. Und wenn man da genauer hinschaut, finden wir einige interessante Erw\u00e4hnungen. Paulus erw\u00e4hnt eine Schwester namens Ph\u00f6be. Ph\u00f6be war eine Diakonin aus der Gemeinde von Kenchre\u00e4, d.h., sie hatte eine leitende Aufgabe innerhalb dieser Gemeinde. Das Wort \u201eich empfehle euch\u201c ist interessant. Es ist ein starker Hinweis darauf, dass Ph\u00f6be der \u00dcberbringer vom R\u00f6merbrief war. Welche Aufgabe hatten die \u00dcberbringer des Briefes? Ihre Aufgabe war es, den Brief in der Gemeinde vorzulesen. Beim Lesen des Briefes ist davon auszugehen, dass die Zuh\u00f6rer Fragen hatten: \u201eWas genau hat Paulus an dieser Stelle gemeint?\u201c Ihre Aufgabe war es dann, ihnen diesen Brief genauer zu erkl\u00e4ren. Sie war diejenige, die mit Paulus l\u00e4ngstem und ausf\u00fchrlichstem und systematischstem Brief vertraut war. Mit anderen Worten, der erste Bibellehrer vom R\u00f6merbrief war sehr wahrscheinlich eine Lehrerin.\r\nIn R\u00f6mer 16,7 schreibt Paulus, dass die r\u00f6mischen Geschwister Gr\u00fc\u00dfe weiterreichen sollten an Andronikus und Junia. Wir wissen nichts \u00fcber diese Personen mit Ausnahme dessen, was in Paulus\u2018 Brief steht: \u201eGr\u00fc\u00dft den Andronikus und die Junia, meine Stammverwandten und Mitgefangenen, die ber\u00fchmt sind unter den Aposteln und vor mir in Christus gewesen sind.\u201c Junia war eine Frau und z\u00e4hlte zu den Aposteln. Nicht nur, dass sie ein Apostel war: sie war eine Ber\u00fchmtheit unter den Aposteln. Der Gedanke, dass eine Frau ein Apostel war, hat im Lauf der sp\u00e4teren Kirchengeschichte f\u00fcr so viel Irritation gesorgt, dass sp\u00e4tere Manuskripte ihren Namen in \u201eJunias\u201c abge\u00e4ndert haben, also in einen M\u00e4nnernamen. Was immer Apostel auch bedeuten mag, es war ein offizielles Amt innerhalb der fr\u00fchen Gemeinde mit leitenden Funktionen.\r\nWir k\u00f6nnten noch viele weitere Beispiele anf\u00fchren. Ein Kommentator hat treffend geschrieben: \u201eWie k\u00f6nnen Frauen wie Evodia und Syntiche, Priska und Maria, Junia und Tryphaena und Tryphosa als Mitarbeiterinnen in der Gemeinde ihren Dienst aus\u00fcben, wenn sie in den Gemeinden nicht reden d\u00fcrfen? Wie kann Ph\u00f6be ihre Rolle als Diakonin aus\u00fcben, wenn es ihr nicht erlaubt ist, in der Versammlung zu sprechen? Wie kann von einer Frau wie Nympha, die einflussreich genug ist, eine Hausgemeinde zu beherbergen, verlangt werden, in ihrem eigenen Zuhause zu schweigen?\u201c\r\nDer dritte Grund, ist vielleicht nicht so stark wie die Gr\u00fcnde 1 und 2, aber nichtsdestotrotz wichtig. Unter der Annahme, dass die sprichw\u00f6rtliche Auslegung die Richtige ist, weshalb sollten Frauen in der Gemeinde schweigen und nicht reden? Weshalb sollten ausgerechnet Frauen als Lehrer, Prophetinnen oder Leiterinnen ungeeigneter sein? In welcher Hinsicht sind Frauen weniger bef\u00e4higt, weniger qualifiziert, weniger geeignet? Weil Frauen emotionaler sind? Weil Frauen zu Irrlehren neigen? Weil Frauen weniger intelligent sind? Definitiv nicht! Mein Eindruck ist, dass in der Mehrzahl der F\u00e4lle Frauen wesentlich bessere Entscheidungen treffen als M\u00e4nner. Wenn bei der letzten Pr\u00e4sidentschaftswahl nur die Frauen gew\u00e4hlt h\u00e4tten und nicht die M\u00e4nner, dann w\u00e4re jetzt Hillary Clinton Pr\u00e4sidentin, die USA w\u00fcrden in der jetzigen Coronavirus-Krise deutlich besser dastehen als sie es im Moment tun; und die Welt w\u00e4re ein etwas besserer Ort f\u00fcr alle.\r\nUm zusammenzufassen, in der fr\u00fchen Gemeinde waren Frauen in verschiedenen leitenden Diensten t\u00e4tig, sowohl als Diakone, als Propheten, als Ausleger, als Apostel. Und aufgrund dessen k\u00f6nnen wir sagen, dass eine verallgemeinernde Lesart von Paulus\u2018 Worten, dass die Frauen in der Gemeinde schweigen sollen, mit ziemlich gro\u00dfer Sicherheit daneben ist, weil diese Lesart mit vielen anderen Bibelstellen im Widerspruch steht und daher am Ende des Tages nicht biblisch ist.\r\n\r\nZweitens, was diese Verse bedeuten k\u00f6nnten\r\nGrunds\u00e4tzlich sind diese Verse nicht einfach zu verstehen. Es ist ohne Zweifel eine schwierige Textstelle. Und weil dem so ist, scheint es fast so viele Auslegungen dazu zu geben wie es Theologen gibt. Jede dieser Auslegungen hat ihre St\u00e4rken und Schw\u00e4chen. Ich gebe die Auslegung weiter, die ich f\u00fcr am plausibelsten halte.\r\nSehen wir uns die beiden Verse noch einmal: \u201eWie in allen Gemeinden der Heiligen sollen die Frauen schweigen in den Gemeindeversammlungen; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt. Wollen sie aber etwas lernen, so sollen sie daheim ihre M\u00e4nner fragen. Es steht einer Frau schlecht an, in der Gemeindeversammlung zu reden.\u201c Wir finden ein paar wichtige Hinweise, wenn wir uns den Urtext anschauen.\r\nDas Wort, das in Vers 34 f\u00fcr \u201eFrauen\u201c verwendet wird, ist hai gynaikes. Und das kann sowohl Frauen bedeuten als auch Ehefrauen. Paulus verwendet dieses Wort in Kapiteln 7 und 11 im ersten Korintherbrief und meint damit ganz klar Ehefrauen. Falls das die richtige Lesart ist, w\u00fcrde Vers 35 Sinn machen: die Ehefrauen k\u00f6nnen zu Hause ihre M\u00e4nner fragen, wenn sie etwas lernen wollen. Wenn sich das nicht auf Ehefrauen beziehen w\u00fcrde, w\u00e4re eine berechtigte Frage, was mit den nicht verheirateten Frauen ist, z.B. mit den Alleinstehenden und Witwen? Wenn sich das auf die Ehefrauen bezieht, dann macht auch die Aussage in Vers 34 mehr Sinn, dass sich die Frauen unterordnen sollen. Diese Unterordnung bedeutet nicht, dass alle Frauen allen M\u00e4nnern untergeordnet sind. Absolut nicht! Aber im Kontext der Ehe, soll sich die Ehefrau ihrem Ehemann unterordnen, und der Ehemann soll die Frau lieben wie Christus die Gemeinde geliebt hat (also mit anderen Worten f\u00fcr seine Frau sterben). D.h., das Schweigen der Frau w\u00e4re ein Zeichen ihrer Unterordnung gegen\u00fcber dem Ehemann.\r\nEinen weiteren Hinweis finden wir in dem Wort \u201ees steht einer Frau schlecht an\u2026\u201c Andere \u00dcbersetzungen sind etwas direkter. Die NG\u00dc z.B. schreibt: \u201eDenn es ist nicht ehrenhaft f\u00fcr eine Frau\u2026\u201c Die Elberfelder Bibel schreibt: \u201ees ist sch\u00e4ndlich f\u00fcr eine Frau\u2026\u201c Frage ist: was genau ist denn so unehrenhaft und sch\u00e4ndlich? In der damaligen Gesellschaft war es unehrenhaft f\u00fcr eine Frau, durch ihr Verhalten ihren Ehemann schlecht dastehen zu lassen. Die Rede der Frauen, worauf Paulus also anspielte war ein Verhalten von Frauen, mit dem sie ihre M\u00e4nner besch\u00e4mten, sie in peinliche Situationen hineinbrachten, z.B. indem sie ihren M\u00e4nnern \u00f6ffentlich widersprachen. Um welche Situationen handelte es sich demnach? Der Kontext ist hier absolut wichtig. Kapitel 14 handelt nicht von allgemeinen Verhaltensregeln f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen in der Gemeinde. Das Kapitel handelt von praktischen Anweisungen f\u00fcr die Zungenrede und das prophetische Reden. Paulus schreibt, dass die Propheten einer nach dem anderen weissagen sollten. Nach der prophetischen Rede sollten die anderen urteilen. In diesem Kontext sagt Paulus, dass die Ehefrau besser schweigen sollte, um ihren Ehemann nicht in Verruf zu bringen.\r\nWas genau haben die Ehefrauen in dieser Situation geredet, was sie besser nicht h\u00e4tten sagen sollen? Vers 35 sagt: \u201eWenn sie aber etwas lernen wollen, so sollen sie daheim ihre eigenen M\u00e4nner fragen\u2026\u201c Paulus schreibt hier nicht: \u201ewenn ihr Frauen etwas zur Versammlung beitragen wollt, sagt es euren Ehem\u00e4nnern zu Hause.\u201c Sondern er sagt, dass die Frauen, die etwas lernen wollen, ihre M\u00e4nner im Privaten fragen sollten. Die Ehefrauen hatten nicht geredet, um andere zu lehren; sie hatten vermutlich Fragen gestellt und durch ihre Fragen eventuell auch Kritik ge\u00e4u\u00dfert und ihre Ehem\u00e4nner in Verlegenheit gebracht. Das Schweigen, wozu Paulus die Ehefrauen auffordert, ist kein permanentes Schweigen in der Gemeinde. Es ist ein tempor\u00e4res \u201esich auf die Zunge bei\u00dfen\u201c; ein vor\u00fcbergehendes sich Zusammenrei\u00dfen, um nicht andere zu blamieren.\r\nD.h., um das Ganze zusammenzufassen: diese Worte von Paulus waren vermutlich an die Ehefrauen gerichtet, welche die sozialen Konventionen und Ordnungen au\u00dfer Acht gelassen hatten, und w\u00e4hrend dem Gottesdienst beim Interpretieren der prophetischen Reden, ihre Ehem\u00e4nner \u00f6ffentlich befragt hatten und diese dadurch blo\u00dfgestellt hatten. Das ist es, was diese Frauen besser unterlassen sollten.\r\n\r\nDrittens, was diese Verse f\u00fcr uns bedeuten sollten\r\nAls Paulus seinen Brief an die Korinther schrieb, lebten die meisten Frauen in Gesellschaften, in welchen sie systematisch unterdr\u00fcckt wurden. Wer eine kurze aber informative Zusammenfassung dessen lesen m\u00f6chte, dem empfehle ich ein Kapitel aus Rodney Stark\u2019s Buch \u201eDer Triumph des Christentums\u201c. Zwischen R\u00f6mern, Griechen und Juden gab es zwar starke Unterschiede, wie Frauen behandelt wurden. Aber insgesamt hatten Frauen nicht viel zu melden. Viele von uns hatten in den letzten zwei Monaten viel Zeit in h\u00e4uslicher Quarant\u00e4ne gelebt. F\u00fcr viele Frauen in der Antike war h\u00e4usliche Quanrant\u00e4ne der Alltag.\r\nEin rabbinisches Gebet, das vielleicht auch Paulus bekannt war, lautet: \u201eGelobt seist du, o Herr unser Gott, K\u00f6nig des Universums, der du mich nicht als Sklaven oder als Heide oder als Frau erschaffen hast\u2026\u201c J\u00fcdische M\u00e4nner dankten Gott daf\u00fcr, dass er sie nicht als Sklaven, als Heiden oder als Frauen erschaffen hatte. In unseren Ohren klingt dieses Gebet diskriminierend und beleidigend. Aber dieses Gebet war nicht herablassend gemeint. Es war ein echtes Dankgebet, mitunter weil Frauen einem viel h\u00e4rteren Leben ausgesetzt waren als M\u00e4nner.\r\nAber dann kam Jesus und seine Gruppe von Nachfolgern. Jesus behandelte Frauen nicht wie Menschen zweiter Klasse. Er begegnete ihnen mit der gleichen Achtung und W\u00fcrde und Respekt wie M\u00e4nnern. Juden hatten gedankt, dass sie keine Sklaven, Heiden oder Frauen sind. Paulus hingegen hatte im Galaterbrief folgendes: \u201eHier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.\u201c Kein Rabbi w\u00e4re auf die Idee gekommen, Frauen als J\u00fcnger zu haben. Jesus aber hatte J\u00fcngerinnen, und sie waren die treuesten Nachfolger: sie waren die letzten Menschen als Jesus starb und die ersten Menschen am Grab. In fast allen Gesellschaften damals wurde es als \u00fcberfl\u00fcssig angesehen, Frauen zu bilden. Um 90 nach Christus sagte Rabbi Eliezer, dass es besser w\u00e4re, eine Torah zu verbrennen, als sie einer Frau zu lehren. Nicht so Jesus und die fr\u00fchen Christen. Jesus ermutigte Maria, die Schwester von Marta, zu lernen; Paulus ermutigte die Frauen, zu lernen.\r\nFrauen wurden in der Regel sehr fr\u00fch verheiratet, eigentlich noch bevor sie Frauen waren, als junge Teenager, h\u00e4ufig noch bevor sie in die Phase der Pubert\u00e4t eingetreten waren. Bei den R\u00f6mern war es \u00fcblich, dass junge M\u00e4dchen, aus heutiger Sicht Kinder, mit viel \u00e4lteren M\u00e4nnern verheiratet wurden. Frauen hatten kein Mitspracherecht bei der Wahl des Ehemanns. Eine Studie konnte zeigen, dass christliche Frauen deutlich sp\u00e4ter heirateten zu einem Zeitpunkt, als sie sowohl physisch als auch geistig reifer waren. Und viele Frauen hatten Einfluss auf die Wahl ihres Ehepartners.\r\nSowohl bei den Juden als auch bei Griechen und R\u00f6mern konnten Frauen sich in der Regel nicht scheiden lassen. (Bei den Hellenen konnten Frauen nur durch einen m\u00e4nnlichen Verwandten die Scheidung einreichen, und selbst dann konnte ihr Vater oder Bruder ein Veto einlegen). M\u00e4nner hingegen konnten sich jederzeit aus trivialsten Gr\u00fcnden von ihren Frauen scheiden lassen. Frauen wurden als Eigentum ihrer M\u00e4nner angesehen, mit dem die M\u00e4nner so ziemlich alles tun und lassen konnten, was sie wollten. Aber f\u00fcr die Christen galt das Gebot Jesu, dass Menschen nicht das scheiden sollen, was Gott zusammengef\u00fcgt hat. Christliche Ehen waren wesentlich stabiler. Und nicht nur das, Paulus schrieb in 1. Korinther 7,4: \u201eDie Frau verf\u00fcgt nicht \u00fcber ihren Leib, sondern der Mann.\u201c Mit dieser Aussage w\u00e4ren alle M\u00e4nner damals einverstanden gewesen. Aber er schrieb weiter: \u201eEbenso verf\u00fcgt der Mann nicht \u00fcber seinen Leib, sondern die Frau.\u201c Die Tatsache, dass der Mann zur Frau geh\u00f6rte wie umgekehrt und dass die Ehefrau die gleichen Rechte hatte wie ihr Ehemann, war absolut unerh\u00f6rt.\r\nWir k\u00f6nnten die Liste noch weiter fortsetzen. Aber was ich abschlie\u00dfend sagen will, ist, dass die fr\u00fche Gemeinde nichts weniger war als eine Revolution f\u00fcr die Frauen. Frauen liebten die Gemeinde Jesu. Frauen bl\u00fchten in der fr\u00fchen Gemeinde regelrecht auf.\r\nDie Frage war, was dieser Text f\u00fcr uns bedeuten sollte. Wir leben zu einer Zeit und in einem Land, in dem es deutlich mehr Gerechtigkeit gibt f\u00fcr Frauen als in der Antike. Zum Gl\u00fcck ist dem so und Gott sei Dank! Aber Fakt ist, dass Frauen selbst im progressiven Deutschland immer noch benachteiligt sind. Frauen werden h\u00e4ufig f\u00fcr die gleichen T\u00e4tigkeiten und Berufe schlechter bezahlt als ihre m\u00e4nnlichen Kollegen. Frauen sind ungleich viel h\u00e4ufiger Opfer von sexueller Gewalt. In Beziehungen sind Frauen ungleich viel h\u00e4ufiger Opfer von h\u00e4uslicher Gewalt. Wenn wir unseren Blick \u00fcber unseren Tellerrand erheben, dann sehen wir, dass es in den allermeisten L\u00e4ndern der Welt noch viel schlimmer um die Rechte der Frauen bestellt ist.\r\nDer Text heute ist f\u00fcr uns eine Erinnerung, dass allen damaligen Konventionen zum Trotz in der ersten Gemeinde M\u00e4nner und Frauen gleichberechtigt waren; dass die erste Gemeinde sich mit besonderer Gnade, mit besonderer F\u00fcrsorge, mit besonderer Liebe um die Ausgesto\u00dfenen und die Benachteiligten der damaligen Gesellschaft gek\u00fcmmert hatten. Es liegt an uns, diese Mission fortzusetzen. Es liegt an uns, eine Gemeinde Jesu zu sein, die Gottes Gerechtigkeit predigt und lebt. Gottes Gerechtigkeit ist, dass Er f\u00fcr unsere S\u00fcnde gestorben ist und uns elenden Menschen vergibt. Gottes Gerechtigkeit ist, dass Er sich \u00fcber uns erbarmt hat. Christen leben Gottes Gerechtigkeit, indem sie die Benachteiligten, die Elenden der heutigen Zeit mit besonderer Liebe annehmen und ihnen dienen. Frage: Wollen wir eine solche Gemeinde sein?\r\n\r\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"vX7UcwmzGe\"><a href=\"https:\/\/www.frauen-und-kinder-in-not.de\/\">Startseite<\/a><\/blockquote><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Startseite&#8220; &#8212; Frauen und Kinder in Not\" src=\"https:\/\/www.frauen-und-kinder-in-not.de\/embed\/#?secret=vX7UcwmzGe\" data-secret=\"vX7UcwmzGe\" width=\"500\" height=\"282\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe>\r\nhttps:\/\/www.diakonie.de\/wissen-kompakt\/frauenhaeuser-und-frauenberatungsstellen\r\n\r\n<!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Frauen und die Gemeinde Jesu \u201eLasst aber alles ehrbar und ordentlich zugehen\u201c (1. 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