{"id":9397,"date":"2019-09-29T11:00:13","date_gmt":"2019-09-29T09:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=9397"},"modified":"2022-11-18T12:20:42","modified_gmt":"2022-11-18T11:20:42","slug":"predigt-johannes-98-41","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-johannes-98-41\/","title":{"rendered":"Predigt: Johannes 9,8 &#8211; 41"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/2019-Joh_09-0841-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Umgang mit dem Licht der Welt<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Und Jesus sprach: Ich bin zum Gericht in diese Welt gekommen, auf dass die da nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, blind werden<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Johannes 9,39)<\/p>\n<p>Letzte Woche wurde der erste Teil \u00fcber die Geschichte von der Heilung des Blindgeborenen gepredigt. Ich werde heute \u00fcber den zweiten Teil predigen. Ich muss sagen, dass mein Vorg\u00e4nger den besseren Teil vom Kuchen abbekommen hat. Denn im ersten Teil der Geschichte geht es viel um Jesus, in meinem Teil viel um den Unglauben der Juden zur Zeit Jesu. Naja, deswegen m\u00f6chte ich zumindest zu Beginn noch einmal das Wichtigste aus den ersten Versen zusammenfassen. In den ersten Versen offenbart sich Jesus erneut als das Licht der Welt. Jesus ist derjenige, der Menschen geistliches Sehverm\u00f6gen schenken kann. Mit dem Hinweis, dass Siloah \u2013 Gesandter bedeutet, macht Johannes deutlich, dass Jesus selbst unser Siloah ist: Er wurde von Gott gesandt, um uns die Augen \u00fcber Gott zu \u00f6ffnen. Jesus ist unser Siloah! Er kann unsere Augen von jeglicher Blindheit befreien. Die Einfachheit, wie Jesus den Blinden heilte, zeigt, dass es f\u00fcr Jesus gar kein Problem ist von geistlicher Blindheit zu heilen. Jesus kann es nicht nur, sondern er tut es auch sehr gerne. Jesus heilte den Blinden aus v\u00f6lliger Eigeninitiative. Es war ja nicht so wie bei den zwei Blinden bei Jericho. Er schrie nicht: \u201eJesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!\u201c (Mk 10, 47). Jesus ging einfach auf ihn zu und heilte ihn. Aber das war nicht alles. Er brachte sich dabei sogar selbst in Lebensgefahr, indem er am Sabbat einen Brei herstellte. Jesus kann und will sehr gerne jedem geistliches Sehverm\u00f6gen geben, denn er ist das Licht der Welt. Aber umso mehr sollten wir uns die Frage stellen: \u201eWenn Jesus geistliches Sehverm\u00f6gen geben kann und es auch sehr sehr gerne tut, warum, warum gibt es aber trotzdem noch so viele Menschen, die geistlich blind sind?\u201c Der restliche Teil von der Geschichte gibt uns eine Antwort auf diese Frage. Wir wollen uns mit ihm wie immer anhand von drei Fragen auseinandersetzen. In dem Leitwort spricht Jesus von Sehenden, die blind werden, und von Blinden, die sehend werden. Ich habe drei Fragen danach orientiert: 1. Warum k\u00f6nnen Sehende blind werden? 2. Warum bleiben viele Blinde blind? Und 3. Wie k\u00f6nnen Blinde sehend werden? Die folgenden drei Teile geben eine Antwort auf jeweils eine der drei Fragen.<\/p>\n<p><strong>Teil I: Der Unglaube der Pharis\u00e4er (V. 8 \u2013 26)<\/strong><\/p>\n<p>In den Versen 8 \u2013 12 erfahren wir, wie das Wunder an die \u00d6ffentlichkeit kam. Es f\u00e4llt auf, dass Johannes ziemlich ausf\u00fchrlich dar\u00fcber schreibt. Eigentlich berichtet Johannes nur das, was er f\u00fcr erw\u00e4hnenswert hielt. Zum Beispiel berichtet er kein Sterbenswort \u00fcber die Freude der Eltern \u00fcber die Heilung ihres Sohnes. Mit Sicherheit haben sich die Eltern sehr gefreut. Aber Johannes hielt es nicht f\u00fcr erw\u00e4hnenswert. Warum hielt Johannes aber die Reaktionen der Leute auf das Wunder f\u00fcr so erw\u00e4hnenswert? Wenn wir diesen Abschnitt lesen, bekommt man den Eindruck, dass das Volk \u00fcberfordert war das Wunder einzuordnen. Was sollten sie von diesem Wunder denken? Wie sollten sie es beurteilen? Was sie dann machen, ist sehr bemerkenswert. In ihrer Ratlosigkeit schickten sie den geheilten Mann zu den Pharis\u00e4ern. Warum zu den Pharis\u00e4ern? Die Pharis\u00e4er galten sozusagen als die Fachm\u00e4nner f\u00fcr geistliche Dinge. Sie waren sozusagen die Meinungsbildner in geistlichen Angelegenheiten. Die Pharis\u00e4er sollten die ganze Sache beurteilen. Sie sollten sagen, wie man \u00fcber dieses Wunder zu denken hat. Also, was Johannes wohl in diesem Abschnitt aufzeigen will, ist, dass die Pharis\u00e4er als die Leute mit geistlichem Durchblick galten. Sie waren die geistlich Sehenden. Sie sahen sich selbst als Sehende und sie wurden als die Sehende anerkannt. Einst waren die Pharis\u00e4er wirklich geistlich Sehende gewesen. Die Pharis\u00e4er gingen aus der nachexilischen, j\u00fcdischen Bewegungen hervor, die eine Absonderung von heidnischen Einfl\u00fcssen anstrebten. Sp\u00e4ter, im 2. Jh. v. Chr. (Antiochus IV. Epiphanes), wandten sie sich entschieden gegen die Hellenisierung. Ihr Leben sollte allein von den bew\u00e4hrten \u00dcberlieferungen: das Gesetz, die Propheten und die Schriften bestimmt werden. Die Pharis\u00e4er hatten einen geistlichen Anfang gehabt. Sie waren erweckte Leute gewesen, geistlich wache Menschen, eben geistlich Sehende!<\/p>\n<p>Doch wie konnten ausgerechnet sie blind werden? Dies wird uns klar, wenn wir den Verlauf der Untersuchung des Wunders durch die Pharis\u00e4er n\u00e4her betrachten. Die Untersuchung durchl\u00e4uft drei Phasen: Zuerst befragen sie den geheilten Mann, dann seine Eltern und dann nochmal den geheilten Mann. Die erste Phase von V. 13 &#8211; 16 zeigt, was bei den Pharis\u00e4ern auf dem Spiel stand: Es ging um die Frage des Sabbats. Dass Jesus ausgerechnet den Mann mit der Herstellung eines Breis heilte, war ein krasser Versto\u00df gegen ihr Verst\u00e4ndnis des Sabbatgebots. In den Augen der Pharis\u00e4er war das keine kleine Sache. In Joh 5,16, wo es um die Heilung des Gel\u00e4hmten ging, hei\u00dft es: Darum verfolgten die Juden Jesus, weil er dies am Sabbat getan hatte. Johannes erkl\u00e4rt hier, dass der angebliche Sabbatbruch Jesu der Anlass war, warum die Pharis\u00e4er Jesus verfolgten. Die Pharis\u00e4er nahmen den Sabbat sehr ernst, todernst. Der Sabbat hatte einen wichtigen Platz in der Fr\u00f6mmigkeit der Pharis\u00e4er. Er war in der Fr\u00f6mmigkeit der Pharis\u00e4er keine Nebensache. Als Jesus am Sabbat den Brei herstellte, war das ein heftiges R\u00fctteln an der Fr\u00f6mmigkeit der Pharis\u00e4er. Das Wunder Jesu bewirkte sozusagen einen tiefen Riss in die Fr\u00f6mmigkeit der Pharis\u00e4er. Es stellte sie in Frage. Letztendlich zielte die Frage nach der Echtheit des Wunders darauf ab: \u201eEntweder ist Jesus total verkehrt oder wir sind total verkehrt. Wenn dieses Wunder echt ist, wenn dieses Wunder wirklich von Gott kommt, dann bedeutete es automatisch, dass wir mit all unseren Satzungen \u00fcber den Sabbat total falsch liegen.\u201c<\/p>\n<p>Wie gingen die Pharis\u00e4er mit dieser Spannung um? Betrachten wir Vers 16. Das erste, was die Pharis\u00e4er versuchten, war es, die Tatsache des Wunders zu ignorieren. Sie sagten einfach: Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht h\u00e4lt. Was sie eigentlich sagten, war: \u201eDieser Mensch kann nicht von Gott sein; dieser Mensch darf nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht h\u00e4lt.\u201c Das Wunder der Heilung lie\u00dfen sie einfach unbeachtet. Aber das war so eine krasse Ignoranz gegen\u00fcber dem Wunder, dass selbst ein Teil der Pharis\u00e4er zugeben musste: Wie kann ein s\u00fcndiger Mensch solche Zeichen tun? Das Wunder einfach so ignorieren, ging also nicht. Was machten die Pharis\u00e4er dann? Im Vers 17 erfahren wir, dass die Pharis\u00e4er den Geheilten nach seiner Meinung \u00fcber Jesus fragen. Wahrscheinlich hatten sie sich erhofft, dass er Jesus als fragw\u00fcrdig darstellt. Aber das ging voll in die Hose. Der Geheilte hielt Jesus f\u00fcr einen Propheten. Auch das funktionierte also nicht. Was machten sie dann? Wenn schon an Jesus nichts Schlechtes gefunden werden konnte, so musste doch zumindest etwas an dem Wunder nicht in Ordnung gewesen sein. Hierzu gab es zwei M\u00f6glichkeiten: a) Der Mann war in Wirklichkeit gar nicht blind. Es war ein anderer. Das Wunder war sozusagen nur ein Fake. b) An der Art und Weise, wie der Mann geheilt worden ist, l\u00e4sst sich etwas finden; z.B. dass man es irgendwie nat\u00fcrlich erkl\u00e4ren kann oder dass sich dahinter Zauberei verbirgt u.\u00c4. Die Pharis\u00e4er stellten den Eltern daher im Vers 19 zwei Fragen: Ist das euer Sohn, von dem ihr sagt, er sei blind geboren? Wieso ist er nun sehend? Aber auch die Eltern konnten den Pharis\u00e4er nicht weiterhelfen. Es konnte einfach nicht geleugnet werden, dass der Mann wirklich ihr Sohn war, der zuvor blind gewesen ist. Die andere Frage wollten sie ja aus Angst nicht beantworten (hierzu sp\u00e4ter im zweiten Teil). So standen die Pharis\u00e4er wieder am Anfang.<\/p>\n<p>Was machten sie dann? Im Vers 24 erfahren wir, dass sie den geheilten Mann wieder befragten. Ihre Vorgehensweise wiederholt sich: Entweder musste etwas an Jesus oder an dem Wunder gefunden werden. Sie n\u00f6tigen ihn regelrecht dazu, Jesus zu verleumden. Es durfte einfach nicht sein, dass Jesus von Gott ist. Aber der geheilte Mann erf\u00fcllt ihre Erwartung nicht. Stattdessen legte er ein klares Zeugnis ab: Ist er ein S\u00fcnder? Das wei\u00df ich nicht; eins aber wei\u00df ich: dass ich blind war und bin nun sehend (V. 25). Dann musste doch wenigstens etwas an dem Wunder sein. Also stellen die Pharis\u00e4er den Blindgeborenen erneut die Frage: Was hat er mit dir getan? Wie hat er deine Augen aufgetan? (V. 26) Aber der geheilte Mann war nicht mehr bereit, auf die Frage der Pharis\u00e4er zu antworten. Stattdessen f\u00e4ngt er an, sie zurechtzuweisen. Der Mann merkte also, dass die Pharis\u00e4er es einfach nicht verstehen wollen. Die gesamte Untersuchung der Pharis\u00e4er macht eine Sache ganz deutlich: Sie wollten das Wunder einfach nicht wahrhaben.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur Frage: Wie konnten ausgerechnet die Pharis\u00e4er, die einst Sehende waren, geistlich blind werden? Nachdem wir ihre Untersuchung des Wunders betrachtet haben, ist die Antwort ganz klar: Sie widerstanden der Wahrheit. Jesus hatte ihnen ein ganz \u201ehelles Licht\u201c gegeben. Er h\u00e4tte den Blinden mit einem Wort heilen k\u00f6nnen. Aber er heilte ihn absichtlich mit der Herstellung eines Breis. Damit verk\u00f6rperte der geheilte Blindgeborene eine ganz klare Botschaft: \u201eEure gesamte Fr\u00f6mmigkeit um den Sabbat ist falsch.\u201c Mit einem Blinden, der sehend geworden war, wollte Jesus denjenigen helfen, die einst sehend waren und nun blind geworden waren. Der geheilte Blindgeborene, der eine klare Botschaft verk\u00f6rperte, stand direkt vor ihren Augen. Das war ein ganz \u201ehelles Licht\u201c, welches Jesus ihnen gegeben hatte. Aber die Pharis\u00e4er widerstanden diesem Licht willentlich. Sie taten es, weil es ihre gesamte Fr\u00f6mmigkeit um den Sabbat als verkehrt hinstellte. Das wollten sie nicht anerkennen.<\/p>\n<p>Um noch einmal auf die Frage zur\u00fcckzukommen, \u201eWie kann es sein, dass Sehende blind werden?\u201c: Immer dann, wenn Menschen, die einst erweckt waren bzw. die einst sehend waren, sich gegen bestimmten Offenbarungen Gottes wehren bzw. nicht wahrhaben wollen &#8211; solche stehen in der Gefahr, geistlich blind zu werden. Dieses Ph\u00e4nomen hat sich in der Kirchengeschichte h\u00e4ufige Male wiederholt.<\/p>\n<p>In dem Text werden mindestens zwei Kennzeichen von Menschen genannt, die einst sehend waren und nun blind geworden sind. Das erste Kennzeichen sehen wir in den Versen 28 und 29. Die Pharis\u00e4er beriefen sich st\u00e4ndig auf Mose. Mit anderen Worten sie beriefen sich auf ihre Tradition und Geschichte. Diese st\u00e4ndige Berufung auf Tradition und Geschichte ist wirklich ein typisches Kennzeichen von Menschen oder Gemeinden, die einst sehend und nun blind geworden sind. Das zweite Kennzeichen ist in den Versen 29 und 30 zu finden. Das Wort \u201ewissen\u201c taucht hier mehrmals auf. \u00dcbrigens im ganzen Text kommt dieses Wort sehr h\u00e4ufig vor. Das ist bestimmt kein Zufall: \u201eSehen\u201c und \u201eWissen\u201c sind eng miteinander verbunden. Verinnerlichtes, geistliches Wissen ist die Folge vom geistlichen Sehen (bzw. Erkenntnis).<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zu den Versen 29 und 30. Die Pharis\u00e4er behaupteten zu wissen, dass Gott mit Mose geredet hat. Aber das war nur ein theoretisches Wissen. W\u00e4re dies ein verinnerlichtes Wissen gewesen, dann h\u00e4tten sie verstanden, dass Gott gerade auch durch Jesus redet. Deswegen sagte Jesus einmal zu den Juden: der euch verklagt, ist Mose, auf den ihr hofft (Joh 5,45). Andererseits behaupteten die Pharis\u00e4er etwas nicht zu wissen, was sie sehr wohl wussten. Sie behaupteten nicht zu wissen, woher Jesus komme. Aber schon Nikodemus musste zugeben: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. Das stimmte einfach nicht. Die Pharis\u00e4er konnten sehr wohl wissen, woher Jesus kommt. Der geheilte Mann weist sie daher zurecht: Das ist verwunderlich, dass ihr nicht wisst, woher er ist; und er hat meine Augen aufgetan. Das zweite Kennzeichen von blindgewordenen Menschen ist also: Sie behaupten etwas zu wissen, das sie nicht in Wirklichkeit wissen, und sie leugnen etwas zu wissen, dass sie sehr wohl wissen. Kennt ihr solche Leute, die sobald man ihnen von seinen Entdeckungen aus der Schrift erz\u00e4hlt, immer sagen: \u201eIch wei\u00df nicht\u2026\u201c. Das muss zwar nicht, kann aber ein Symptom daf\u00fcr sein, dass man der Wahrheit widersteht.<\/p>\n<p>Anstelle Bu\u00dfe zu tun, schwelgten die Pharis\u00e4er weiterhin an ihrer Selbstgef\u00e4lligkeit. Heuchlerisch fragten sie Jesus: Sind wir denn auch blind? (V. 40). Dann gab ihnen Jesus eine deutliche Antwort: W\u00e4rt ihr blind, so h\u00e4ttet ihr keine S\u00fcnde; weil ihr aber sagt: Wir sind sehend, bleibt eure S\u00fcnde (V. 41). Geistlich blind muss nicht unbedingt ein Problem sein. Von Natur sind wir alle blind, was Gott angeht. So gesehen sind wir alle Blindgeborene. Selbst die J\u00fcnger waren in gewisser Weise blind. Das zeigt ihre Frage ganz am Anfang des Textes (V. 2). Sie gingen von einer v\u00f6llig falschen Absicht Gottes bzgl. der Blindheit des Mannes aus (V. 3). Gott hatte etwas ganz anderes vor, als sie dachten. Jesus konnte den J\u00fcngern helfen, Gott St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck besser kennenzulernen. Ebenso kann Jesus jedem \u201eBlindgeborenen\u201c helfen. Wenn aber Menschen behaupten, sehend zu sein, obwohl sie blindgeworden sind, dann machen sie sich schuldig und unf\u00e4hig f\u00fcr Jesu Hilfe.<\/p>\n<p>Zur Zeit Jesu glaubte man, dass blindgeboren sein ein Gericht Gottes sei (daher die Frage der J\u00fcnger zu Beginn des Textes). Aber V. 39 macht deutlich, dass nicht blindgeboren, sondern blindgeworden ein Gericht Gottes ist!<\/p>\n<p>Jede Gemeinde, jeder einzelne Christ steht in der Gefahr, aus einem geistlich Sehenden zu einem geistlich Blinden zu werden. Wir sollten uns daher diese Fragen stellen: Gibt es bestimmte Offenbarungen Gottes, gegen die ich mich str\u00e4ube, die ich wie die Pharis\u00e4er einfach nicht wahrhaben will, einfach weil sie mir nicht passen? Treffen auf mich jene zwei Kennzeichen zu? Wenn das der Fall sein sollte, erkenne an, dass du geistlich blind bist, auf dass der Herr dir Augenlicht geben kann.<\/p>\n<p>Die Pharis\u00e4er sind ein typisches Beispiel daf\u00fcr, wie einst Sehende blind geworden sind. Die Eltern des Blindgeborenen sind hingegen ein typisches Beispiel f\u00fcr Blinde, die blind bleiben. Lasst uns das im zweiten Teil betrachten.<\/p>\n<p><strong>Teil II: Der Unglaube der Eltern (V. 18 \u2013 23)<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Wunder hatte das Licht Jesu nicht nur in das Leben des Blindgeborenen, sondern auch in das Leben der Eltern hineingeleuchtet. Die Heilung ihres Sohnes h\u00e4tte ein wunderbarer Anlass werden k\u00f6nnen, zum Glauben an den Herrn zu kommen. Wie gingen die Eltern aber mit diesem Licht um? Lasst uns hierzu einmal die Antwort der Eltern in den Versen 20 und 21 genauer anschauen. In diesen zwei Versen taucht das Wort \u201ewissen\u201c mehrfach auf. Zuerst sagen die Eltern: \u201eWir wissen\u201c, dann sagen sie zwei Mal hintereinander \u201ewir wissen nicht\u201c. Das zeigt etwas ganz Entscheidendes, wie sie mit dem Licht Jesu umgegangen sind. Zum einen k\u00f6nnen sie einfach nicht leugnen, dass etwas Wundersames mit ihrem Sohn passiert ist. Sie sagen: \u201eWir wissen\u201c. Aber gleich, in dem n\u00e4chsten Moment sagen sie \u201eWir wissen nicht\u201c. Das zeigt, dass sie das Licht vertuschten. Sie wussten sehr wohl, von wem ihr Sohn geheilt worden war und wie Jesus ihn geheilt hatte. Ihr Sohn hatte es ja \u00f6ffentlich gemacht und sie geh\u00f6rten bestimmt zu den ersten, die das erfahren hatten. Aber anstelle es zu bekennen, sagten sie zwei Mal \u201eWir wissen nicht\u201c. Warum vertuschten sie das Licht? Johannes nennt den Grund in Vers 22. Die Eltern f\u00fcrchteten sich vor den religi\u00f6sen Leitern. Die religi\u00f6sen Leiter hatten beschlossen, jeden aus der Synagoge hinauszuwerfen, der Jesus als den Christus bekennt. Aus der Synagoge ausgesto\u00dfen zu werden, war eine sehr bittere Angelegenheit. Es bedeutete nicht einfach nur, nicht mehr die Synagoge besuchen zu d\u00fcrfen. Jemand, der aus der Synagoge ausgesto\u00dfen war, war in der j\u00fcdischen Gesellschaft stigmatisiert. Mit einem Mal wollte niemand mehr was mit ihm zu tun haben. Das hatte sicherlich auch gro\u00dfe Beeintr\u00e4chtigungen auf die Aus\u00fcbung des Berufes gehabt. Stell dir vor, du erf\u00e4hrst im engsten, vertrautesten Kreis, da wo du deinen sozialen Platz und Annahme gefunden hast, auf einmal die totale Verachtung und Ablehnung. Das ist schon hart. Trotzdem ist das nicht wert, das Licht zu vertuschen. Deren Sohn ist gerade hierf\u00fcr ein Beispiel. Auch wenn er am Ende niemanden mehr hatte, er hatte Jesus und das reicht! Den Eltern war es lieber als Unwissende zu gelten, als zu sozialen Au\u00dfenseitern zu werden. Mit anderen Worten, sie hatten offenbar gar kein Problem damit, geistlich blind zu sein. Das sie zwei Mal sagten: \u201eWir wissen nicht\u201c passt wirklich gut zu ihnen. Sie waren geistlich blind und sie blieben auch geistlich blind.<\/p>\n<p>Am Beispiel der Eltern lernen wir also, dass Menschenfurcht dazu f\u00fchrt, dass man das Licht vertuscht. Die nat\u00fcrliche Folge davon ist, dass man geistlich blind bleibt. Ist ja klar, warum sollte einer, der das Licht vertuscht bzw. gar nicht wirklich haben will, mehr Licht bekommen? Die Frage, die man sich daher stellen sollte, ist: Wie wichtig ist es mir, an geistlichem Sehverm\u00f6gen zuzunehmen? Setzt die Menschenfurcht auch in meinem Leben dem Licht eine Grenze, sodass ich es vertusche?<\/p>\n<p>Nachdem wir den Unglauben der Pharis\u00e4er und den Unglauben der Eltern betrachtet haben, wollen wir uns den Glauben des Blindgeborenen anschauen. Der Blindgeborene ist ein Beispiel f\u00fcr Blinde, die sehend werden.<\/p>\n<p><strong>Teil III: Der Glaube des Blindgeborenen (V. 24 &#8211; 41)<\/strong><\/p>\n<p>Im Laufe der Geschichte nimmt der geheilte Mann immer mehr an geistlichem Sehverm\u00f6gen zu. Zuerst war Jesus f\u00fcr den Blindgeborenen nur der Mensch, der Jesus hei\u00dft (V.11). Dann erkennt er in Jesus einen Propheten (V. 17). Einen weiteren Moment seiner Entwicklung sehen wir in Vers 38: Herr, ich glaube. Und er betete ihn an. Jetzt ist Jesus nicht mehr nur ein Prophet. Der Blindgeborene erkennt in Jesus den Messias. Er fing an Jesus anzubeten. Jesus war f\u00fcr ihn zum Gott geworden. Diese drei Momente der Entwicklung seines Glaubens sind nicht als Stufen (wie bei eine Treppe) zu verstehen, sondern eher als einen Prozess mit flie\u00dfenden \u00dcberg\u00e4ngen zu verstehen. In den Versen 31 bis 33 sehen wir zum Beispiel wie der Blindgeborene Jesus mit aller Entschiedenheit vor den Pharis\u00e4ern verteidigt und im Kauf nimmt, aus der Synagoge ausgesto\u00dfen zu werden. Das zeigt, dass der Anbetungsglaube bereits in dem Mann keimte.<\/p>\n<p>Wie auch immer, jedenfalls zeigen diese drei Momente, dass der Blindgeborene von einem geistlich blinden Menschen zu einem geistlich sehr klar sehenden Menschen ver\u00e4ndert wurde. Wie konnte das geschehen? Einfach gesagt, der Mann rebellierte nicht gegen das Licht (wie die Pharis\u00e4er), er vertuschte das Licht nicht (wie die Eltern), sondern er reagierte auf das Licht, das Jesus ihm gegeben hatte. So konnte ihm Jesus mehr und mehr Licht geben.<\/p>\n<p>Als Jesus dem Blindgeborenen zum ersten Mal begegnete, reagierte der Mann ohne Wenn und Aber auf Jesu Wort, obwohl Jesus es ihm nicht einmal begr\u00fcndet hatte, warum er zum Teich Siloah gehen sollte. Medizinisch gesehen, machte Jesu Auftrag keinen Sinn. Offenbar hatte der Mann von Jesus schon geh\u00f6rt, weswegen er sp\u00e4ter sagte: Der Mensch, der Jesus hei\u00dft. Er hatte ein wenig Licht. Er reagierte auf dieses Licht, indem er Jesu Befehl ohne Wenn und Aber gehorchte.<\/p>\n<p>Als der geheilte Mann das Wunder erlebt hatte, fing er an, \u00fcber Jesus nachzudenken. Dies sehen wir in den Versen 31 bis 33. Das Wunder regte den Blindgeborenen dazu an, vern\u00fcnftige und logische Schlussfolgerungen \u00fcber Jesus zu ziehen: Jesus konnte kein S\u00fcnder sein. Er musste ein gottesf\u00fcrchtiger Mensch sein. Er musste ein Mensch sein, der von Gott kommt. Auch hier sehen wir wieder, dass der Blindgeborene auf das Licht reagierte, indem er \u00fcber das Wunder nachdachte. Seine Reaktion auf das Licht zeigt sich aber auch noch auf eine andere Weise. Das, was er mit Jesus erlebt hatte; das, was er \u00fcber Jesus erkannt hatte, das bekannte er auch, anstelle es zu vertuschen. Er tat das, obwohl ihn das in gro\u00dfe Gefahr brachte. Gerade das zeigt, wie gut er auf das Licht reagiert hatte.<\/p>\n<p>Wie wir wissen, wurde der Blindgeborene aus der Synagoge ausgesto\u00dfen. Sp\u00e4testens jetzt h\u00e4tte er sagen k\u00f6nnen: \u201eJesus bringt mir nur Probleme mit Menschen ein. Ich lasse diese ganze Sache mit Jesus lieber sein!\u201c. In solchen Momenten kann es leicht sein, dass man nicht mehr bereit ist, weiter auf das Licht zu reagieren. Aber der Blindgeborene war anders. Als Jesus dem Blindgeborenen zum zweiten Mal begegnete, sagte der Blindgeborene: Herr, wer ist&#8217;s, auf dass ich an ihn glaube? Der Blindgeborene war f\u00fcr die Wahrheit nach wie vor total offen. Er war bereit, Jesus als den anzuerkennen, der Er ist, unabh\u00e4ngig davon, was das f\u00fcr Konsequenzen f\u00fcr ihn h\u00e4tte. Jesus wurde immer mehr zu einem sozialen Au\u00dfenseiter (vgl. Joh 7,20). Aber der Blindgeborene war bereit, den als Messias anzuerkennen, wer der auch sein m\u00f6ge. Als der Blindgeborene so gut auf das Licht reagiert hatte, konnte Jesus ihm weiteres Licht geben. Jesus gab ihm eine ganz klare Antwort: der mit dir redet, der ist&#8217;s. Der Blindgeborene konnte nun Jesus ganz klar sehen: Jesus ist Gott selbst! Hierf\u00fcr musste der Mann nur vor dem Licht kapitulieren. Alles andere hat Jesus getan. Wir k\u00f6nnen vom Anfang bis zum Ende der Geschichte sehen, dass Jesus dem Blindgeborenen sehr entgegen kam. Wie schon in der Einleitung erw\u00e4hnt, hatte der Blindgeborene Jesus nicht einmal darum gebeten, ihn zu heilen. Jesus heilte den Mann von sich aus. Sp\u00e4ter als er geheilt wurde, ging der Mann nicht wieder zu Jesus. Selbst als er aus der Synagoge ausgesto\u00dfen wurde, ging er nicht zu Jesus. Jesus war es, der den Blindgeborenen aufgesucht hatte. Jesus war es, der ihm mit der Frage: Glaubst du an den Menschensohn? zu einem tieferen Glauben verholfen hat. Jesus kommt denen, die auf das Licht gut reagieren, sehr sehr entgegen. Er gibt ihnen sehr gerne mehr geistliches Sehverm\u00f6gen.<\/p>\n<p>Jesus m\u00f6chte auch unser Sehverm\u00f6gen sehr gerne verbessern. Er ist ja das Licht der Welt. Es geh\u00f6rt ja zu seinem Wesen, uns geistliches Augenlicht zu geben. Daher sollte man sich fragen, wie man mit dem Licht, das man bekommen hat, umgeht? Widersteht man dem Licht wie die Pharis\u00e4er, vertuscht man das Licht wie die Eltern oder kapituliert man davor wie der Blindgeborene. Wenn wir auf das Licht mit einem offenen Herzen reagieren, wird sich unser Glaube mehr und mehr zu einem Glauben ver\u00e4ndern, der Jesus anbetet.<\/p>\n<p>Als der Mann vor Jesus niederfiel und ihn anbetete, sagte Jesus nicht: \u201eHey, das ist doch nicht n\u00f6tig. Wegen mir brauchst du keine Probleme mit den religi\u00f6sen Leitern zu haben. Danke, aber das brauchst du nicht f\u00fcr mich zu machen.\u201c Nein, Jesus nahm diese Anbetung an. Was f\u00fcr ein sch\u00f6nes Bild: Der Mann fiel vor Jesus nieder. Und Jesus blieb vor ihm stehen. Es ist, als ob Jesus sagen w\u00fcrde: \u201eIch bin es w\u00fcrdig! &#8211; deine Verspottung, dein Rausschmiss, deine Anbetung \u2013 dein alles bin ich w\u00fcrdig!\u201c Und es ist, als ob der Mann sagen w\u00fcrde: \u201eAuch wenn ich niemanden mehr habe, Hauptsache ich habe dich! Das ist v\u00f6llig genug!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Umgang mit dem Licht der Welt Und Jesus sprach: Ich bin zum Gericht in diese Welt gekommen, auf dass die da nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, blind werden (Johannes 9,39) Letzte Woche wurde der erste Teil \u00fcber die Geschichte von der Heilung des Blindgeborenen gepredigt. Ich werde heute \u00fcber den zweiten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[16,4],"tags":[],"class_list":["post-9397","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-johannes","category-predigt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9397","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9397"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9397\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9400,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9397\/revisions\/9400"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9397"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9397"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9397"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}