{"id":907,"date":"2010-06-27T20:54:21","date_gmt":"2010-06-27T19:54:21","guid":{"rendered":"http:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=907"},"modified":"2023-01-29T20:46:47","modified_gmt":"2023-01-29T19:46:47","slug":"predigt-1-samuel-212-321","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-samuel-212-321\/","title":{"rendered":"Predigt: 1.Samuel 2,12-3,21"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/P02-1Sa0212-0321.doc\">Download<\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><strong>Samuel, Samuel!<\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: center;\">\u201e<strong>Da kam der Herr und trat herzu und rief wie vorher: Samuel, Samuel!<br \/>\nUnd Samuel sprach: Rede, denn dein Knecht h\u00f6rt.\u201d <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">(1.Sam 3,10)<\/p>\n<p>Am letzten Sonntag haben wir geh\u00f6rt, wie Gott sich \u00fcber das Elend von Hanna erbarmte und ihr Gebet erh\u00f6rte, sodass sie Samuel zur Welt bringen konnte. Hanna erf\u00fcllte ihr Gel\u00fcbde und brachte Samuel in jungem Alter zur Stiftsh\u00fctte, damit er dort als ein Diener Gottes erzogen w\u00fcrde. Im heutigen Text erfahren wir, wie Samuel sich weiter entwickelte, wie die Zeit von Samuel war und wie Gott Samuel schlie\u00dflich als seinen Knecht berief und kostbar gebrauchte. M\u00f6ge Gott uns helfen, die Bedeutung eines jungen Menschen vor Gott zu erkennen! M\u00f6ge Gott jeden von uns durch sein Wort pers\u00f6nlich ansprechen!<\/p>\n<p><strong>Teil 1: Die Bosheit der S\u00f6hne Elis (2,12-36)<\/strong><\/p>\n<p>Unser heutiger Text beginnt mit einer detaillierten Schilderung der Bosheit der beiden S\u00f6hne Elis, die an der Stiftsh\u00fctte als Priester fungierten. Vers 12 sagt: <strong>\u201eAber die S\u00f6hne Elis waren ruchlose M\u00e4nner; die fragten nichts nach dem Herrn\u201c<\/strong>. Obwohl sie ein geistliches Amt bekleideten, fragten Elis S\u00f6hne nicht nach Gott und interessierten sich nicht f\u00fcr seinen Willen. Als Priester hatten sie die wichtige Aufgabe, die Opfer der Menschen in der vorgeschriebenen Weise vor Gott darzubringen. Weil die Darbringung der Opfer im Alten Bund die entscheidende Rolle f\u00fcr die Beziehung zwischen Gott und den Menschen spielte, hatte Gott im Gesetz sehr genau geregelt, auf welche Weise die unterschiedlichen Opfer dargebracht werden mussten und welche Teile den Priestern als Anteil zustanden. Aber Elis S\u00f6hne ignorierten Gottes Anweisungen und nahmen sich von den Opfern, was sie wollten. Sie stellten ihre Lust nach einem bestimmten Mittagessen \u00fcber Gottes heiliges Gebot. Wenn jemand dagegen Einspruch erhob und darum bat, dass sein Opfer vorschriftsm\u00e4\u00dfig dargebracht werden sollte, lie\u00dfen sie ihre Diener sogar Gewalt androhen. Auf diese Weise missbrauchten sie in krasser Weise ihr Amt als Priester. Vor allem verachteten sie direkt den lebendigen Gott, dem die Opfer geh\u00f6rten und der im Gesetz klar gesagt hatte, in welcher Weise sie diese darzubringen hatten. Vers 17 sagt zusammenfassend: <strong>\u201eSo war die S\u00fcnde der M\u00e4nner sehr gro\u00df vor dem Herrn; denn sie verachteten das Opfer des Herrn.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Was sagt unser Text dagegen \u00fcber den jungen Samuel? Im Vers 18 hei\u00dft es: <strong>\u201eSamuel aber war ein Diener vor dem Herrn, und der Knabe war umg\u00fcrtet mit einem leinenen Priesterschurz.\u201c<\/strong> Die Beschreibung Samuels steht in einem krassen Kontrast zur Beschreibung von Elis S\u00f6hnen. Obwohl Samuel noch sehr jung war, war er ein Diener vor dem Herrn. Wohl am wichtigsten ist dabei der Ausdruck \u201evor dem Herrn\u201c. Samuel war nicht nur ein Diener Gottes \u2013 das waren Eli und seine S\u00f6hne formal gesehen auch \u2013, sondern Samuel war <strong>\u201eein Diener vor dem Herrn\u201c<\/strong>. In Vers 21b hei\u00dft es:<strong> \u201eAber der Knabe Samuel wuchs auf bei dem Herrn.\u201c<\/strong> Und Vers 26 sagt auch: \u201e<strong>Aber der Knabe Samuel nahm immer mehr zu an Alter und Gunst bei dem HERRN und bei den Menschen.\u201c <\/strong>Samuel lebte von klein auf vor Gott. Er hatte Ehrfurcht vor Gott. Er hatte t\u00e4glich Gemeinschaft mit Gott und lebte vor Gottes Augen.<\/p>\n<p>Konnte Samuel so leben, weil in seinem Leben alles leicht und wunschgem\u00e4\u00df war? Vers 19 berichtet, dass Samuel seine Mutter Hanna nur einmal im Jahr sehen konnte, wenn sie n\u00e4mlich zum j\u00e4hrlichen Opfer nach Silo kam. Dann bekam er von ihr als Geschenk ein selbst gemachtes Kleidungsst\u00fcck. Danach musste Samuel wieder ein Jahr lang von seiner Mutter und von seinem Vater getrennt leben. Samuel h\u00e4tte leicht die anderen Kinder beneiden k\u00f6nnen, die nicht an der Stiftsh\u00fctte leben sollten, sondern ein ganz normales Leben bei ihren Eltern f\u00fchren. Aber wir erfahren nichts davon, dass Samuel auf andere  neidisch war. Er liebte Gott und bem\u00fchte sich t\u00e4glich darum, Gott zu gefallen.<\/p>\n<p>Ebenso hat auch Hanna ihr Gel\u00fcbde, dass sie Gott ihren Sohn sein Leben lang geben w\u00fcrde, nicht bereut. Ihr Wohnort Rama lag so nah bei Silo, dass sie in ein paar Stunden dorthin laufen konnte. Daher h\u00e4tte Hanna ihren Sohn eigentlich leicht jede Woche oder wenigstens jeden Monat besuchen k\u00f6nnen. Aber Hanna ging wie fr\u00fcher nur einmal im Jahr nach Silo, um das j\u00e4hrliche Opfer darzubringen. Dies zeigt, dass sie ihr Gel\u00fcbde vor Gott sehr ernst nahm und es ohne Kompromisse halten wollte. Als sie Gott auf diese Weise ehrte, segnete Gott sie damit, dass er sie fruchtbar machte, sodass sie au\u00dfer Samuel noch drei weitere S\u00f6hne und zwei T\u00f6chter bekam (20.21). Als Hanna Gott ehrte, schenkte Gott ihr seine Anerkennung und gro\u00dfen Segen.<\/p>\n<p>Wie ermahnte Eli seine beiden S\u00f6hne, als er von ihren S\u00fcnden erfuhr? Die Verse 22-25 sagen: \u201e<strong>Eli aber war sehr alt geworden. Wenn er nun alles erfuhr, was seine S\u00f6hne ganz Israel antaten und dass sie bei den Frauen schliefen, die vor der T\u00fcr der Stiftsh\u00fctte dienten, sprach er zu ihnen: Warum tut ihr solche b\u00f6sen Dinge, von denen ich h\u00f6re im ganzen Volk? Nicht doch, meine S\u00f6hne! Das ist kein gutes Ger\u00fccht, von dem ich reden h\u00f6re in des HERRN Volk. Wenn jemand gegen einen Menschen s\u00fcndigt, so kann es Gott entscheiden. Wenn aber jemand gegen den HERRN s\u00fcndigt, wer soll es dann f\u00fcr ihn entscheiden? Aber sie gehorchten der Stimme ihres Vaters nicht; denn der HERR war willens, sie zu t\u00f6ten.\u201c <\/strong>Als Eli von den schweren S\u00fcnden seine S\u00f6hne erfuhr, tadelte er sie nur behutsam und schwach. Elis Tadel klingt so, als ob es sich nur um ein leichtes Vergehen handeln w\u00fcrde. Aber tats\u00e4chlich verachteten sie durch ihr Verhalten Gott in krasse Weise, und zwar nicht ab und zu aus Versehen, sondern t\u00e4glich und absichtlich. Daher standen die Ermahnung Elis und ihre S\u00fcnde nicht ann\u00e4hernd im richtigen Verh\u00e4ltnis. In Anbetracht ihrer schweren S\u00fcnde gegen Gott h\u00e4tte Eli mit allen zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln reagieren sollen, um sie aus der S\u00fcnde herauszuholen und vor den drohenden Folgen zu bewahren. Er h\u00e4tte ihnen zum Beispiel den Priesterdienst untersagen und sie zu Hause rauswerfen k\u00f6nnen, damit sie aufwachen und Bu\u00dfe tun w\u00fcrden. Aber das tat Eli nicht.<\/p>\n<p>Warum tadelte Eli seine S\u00f6hne nicht in angemessener Weise? Zum einen erachtete Eli ihre S\u00fcnde offenbar f\u00fcr nicht so schlimm. In seinen Worten spricht er mehrfach davon, was die Leute \u00fcber sie sagten. Es war ihm offenbar wichtiger, was die Menschen \u00fcber ihn und seine Familie dachten, als was Gott \u00fcber sie dachte. Es ging ihm mehr um das Ansehen seiner Person und Familie als um die Ehre Gottes.<\/p>\n<p>Zum anderen verschonte Eli seine S\u00f6hne vor Tadel und harter Behandlung wohl aus falsch verstandener Liebe. Er liebte seine S\u00f6hne in einer Weise, dass er ihnen nicht wehtun und sie auf keinen Fall verletzen wollte. Er wollte wohl auch die Anerkennung und Liebe seiner S\u00f6hne nicht verlieren. So eine Liebe ist keine wahre Liebe. Durch seine Liebe trug er letztlich dazu bei, dass sie unbeirrt weiter s\u00fcndigten und sich unweigerlich Gottes Gericht zuzogen.<\/p>\n<p>Wir sollen unsere Kinder nicht so lieben wie Eli, der sie in der S\u00fcnde gew\u00e4hren lie\u00df und sie dadurch ins Unheil laufen lie\u00df. Spr\u00fcche 23,13 und 14 lauten: <strong>\u201e<\/strong><strong>Lass nicht ab, den Knaben zu z\u00fcchtigen; denn wenn du ihn mit der Rute schl\u00e4gst, so wird er sein Leben behalten; du schl\u00e4gst ihn mit der Rute, aber du errettest ihn vom Tode.\u201c <\/strong>Unsere Liebe soll wahrhaftig sein und dem Vorbild der Liebe Gottes entsprechen. Die Stelle in Hebr\u00e4er 12,6 sagt: <strong>\u201eDenn wen der Herr lieb hat, den z\u00fcchtigt er, und er schl\u00e4gt jeden Sohn, den er annimmt.\u201c<\/strong> Gottes Liebe ist eine erziehende Liebe, die uns nicht unbeirrt s\u00fcndigen l\u00e4sst, sondern die aktiv auf unsere Bu\u00dfe und Ver\u00e4nderung hin wirkt, um uns von der S\u00fcnde und dem Tod zu erretten. Wir sollen Gottes Liebe stets annehmen und auch mit wahrer Liebe lieben lernen.<\/p>\n<p>Wie reagierte Gott, als Elis S\u00f6hne unbeirrt immer weiter s\u00fcndigten und Eli sie nicht davon abhielt? In den Versen 27-36 wird berichtet, wie Gott durch einen Mann Gottes Eli tadelte und das Gericht \u00fcber sein Haus ank\u00fcndigte. Gott erinnerte Eli zun\u00e4chst daran, was f\u00fcr ein gro\u00dfes Privileg er und seine Familie damit bekommen hatten, dass sie seine Priester sein durften. Danach sagte Gott: <strong>\u201e<\/strong><strong>Warum tretet ihr denn mit F\u00fc\u00dfen meine Schlachtopfer und Speisopfer, die ich f\u00fcr meine Wohnung geboten habe? Und du ehrst deine S\u00f6hne mehr als mich, dass ihr euch m\u00e4stet von dem Besten aller Opfer meines Volkes Israel.\u201c<\/strong> Gott tadelte nicht nur Elis S\u00f6hne, sondern auch Eli selbst. Gott warf Eli vor, dass er wusste, dass seine S\u00f6hne Gottes Opfer und damit ihn selbst verachteten, dass er aber nicht entschieden dagegen vorging. Gott tadelte ihn, weil er seine S\u00f6hne mehr ehrte als Gott. Hier wird ganz deutlich, dass Elis \u201eLiebe\u201c zu seinen S\u00f6hnen keine rechte Liebe war. Wenn Eli echte Liebe gehabt h\u00e4tte, h\u00e4tte er alles getan, um seine S\u00f6hne zur Bu\u00dfe zu bringen und vor dem drohenden Gericht zu bewahren. Hier erkennen wir, dass wir unsere Kinder und unsere N\u00e4chsten \u00fcberhaupt nur richtig lieben k\u00f6nnen, wenn wir Gott lieben. Wenn wir Gott lieben, k\u00f6nnen wir alles, was sie vor Gott gut machen vom Herzen loben und sie so zum Guten ermutigen. Andererseits haben wir, wenn wir Gott lieben, heiligen Zorn auf die S\u00fcnde und werden bei fortgesetzter S\u00fcnde alles tun, um ihnen zu helfen, dass sie davon umkehren k\u00f6nnen, auch wenn uns das selbst weh tut und wir unsere Beziehung vor\u00fcbergehend belasten.<\/p>\n<p>Genau das tat Eli aber nicht, weil er seine S\u00f6hne in Wirklichkeit mehr ehrte als Gott. Einen Menschen mehr zu ehren als Gott, bedeutet dass man die gesamte Sch\u00f6pfungsordnung auf den Kopf stellt, es ist G\u00f6tzendienst, auch wenn es um die eigenen Kinder geht. Welches Gericht zog er sich und seiner Familie dadurch zu? Betrachten wir die Verse 30-36. Gott wollte Elis Haus richten, sodass fast alle Nachkommen fr\u00fch sterben w\u00fcrden. Fast keiner seiner Nachkommen sollte alt werden. Als Zeichen daf\u00fcr, dass diese Ank\u00fcndigung wahr war, w\u00fcrden die beiden S\u00f6hne Elis an einem Tag sterben. Nach welchem Prinzip w\u00fcrde Gott Elis Familie bestrafen? Gott sagt im Vers 30: <strong>\u201eWer mich ehrt, den will ich auch ehren; wer aber mich verachtet, der soll wieder verachtet werden.\u201c<\/strong> Gott sieht auf unser Herz, auf unser Motiv. Wer Gott ehrt, den wird Gott auch ehren. Wer dagegen Gott verachtet, der wird auch verachtet werden. Nach diesem Prinzip hat Gott Hanna geehrt und gesegnet, die Gott dadurch ehrte, dass sie ihr Gel\u00fcbde hielt, und hat ihr f\u00fcnf weitere Kinder gegeben. Nach dem gleichen Prinzip hat Gott die Familie von Eli behandelt, die Gott durch ihre Einstellung und ihr Verhalten allesamt nicht.<\/p>\n<p>Nachdem der Mann Gottes Eli Gottes Gericht \u00fcber sein Haus detailliert angek\u00fcndigt und begr\u00fcndet hatte, k\u00f6nnten wir erwarten, dass Eli zumindest jetzt betroffen sein und seine S\u00f6hne entschlossen ermahnen w\u00fcrde. Aber Eli unternahm trotz Gottes starker Warnung nichts daf\u00fcr, um seine S\u00f6hne von ihrer S\u00fcnde abzubringen, jedenfalls nichts, was f\u00fcr die Bibel erw\u00e4hnenswert w\u00e4re. Das ist bezeichnend f\u00fcr das geistliche Leben von Eli. Eli war von Gott als Hoherpriester eingesetzt und dadurch mit dem wichtigsten geistlichen Amt betraut worden. Eli kannte die Schrift und er empfing sogar von Gott eine Offenbarung, die ganz pers\u00f6nlich an ihn gerichtet war. Aber Eli reagierte nicht auf Gottes Wort. Weil er auf Gottes Worte nicht reagierte, konnte Gott ihm und seiner Familie nicht helfen. Noch weniger konnte Gott ihn daf\u00fcr gebrauchen, um seinem Volk zu helfen, das dringend geistliche Erneuerung und daf\u00fcr Gottes Worte brauchte. Was tat Gott dann in dieser verzweifelten Lage? Lasst uns das im zweiten Teil betrachten!<\/p>\n<p><strong>Teil 2: Gott beruft Samuel (3,1-21)<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem die letzten zwei Abschnitte von Kap. 2 haupts\u00e4chlich von der S\u00fcnde von Eli und seinen S\u00f6hnen gehandelt haben, handelt Kap. 3 von der Berufung Samuels. Wie war die geistliche Lage der damaligen Zeit? Vers 1 sagt: <strong>\u201eUnd zu der Zeit, als der Knabe Samuel dem Herrn diente unter Eli, war des Herrn Wort selten und es gab kaum noch Offenbarung.\u201c<\/strong> Es war eine Zeit, in der Gottes Wort selten war. Woran lag das? Es lag nicht daran, dass Gott etwa keinen Wunsch mehr gehabt h\u00e4tte, die Menschen anzusprechen, sondern vielmehr daran, wie die Menschen damals eingestellt waren und leben wollten.<\/p>\n<p>Erinnern wir uns kurz daran, was wir im Buch Richter \u00fcber die Lebensweise der Menschen in jener Zeit erfahren haben. In Richter Kap. 17 haben wir von einem Mann namens Micha erfahren, der sich ein G\u00f6tzenbild gemacht und es in seinem Haus aufgestellt hat. Dann fand er einen Leviten und einigte sich auf ein bestimmtes Gehalt, f\u00fcr welches der fortan sein Priester sein sollte. Diese Schilderung ist ein Beispiel daf\u00fcr, wie die Menschen sich vom wahren Gott abwandten und selber bestimmten, wer f\u00fcr sie Gott sein sollte und auf welche Weise sie ihrem \u201eGott\u201c dienen wollten. Es war also eine Zeit des v\u00f6lligen geistlichen Verfalls. In Kap. 19 haben wir gelesen, wie ein Mann seine junge Nebenfrau, die von ihm weggelaufen war, zur\u00fcckholen wollte. Als sie auf dem Heimweg in einer Stadt in Benjamin \u00fcbernachten wollten, wurde er von den M\u00e4nnern der Stadt gezwungen, seine Frau herauszugeben, und seine Frau wurde von ihnen in jener Nacht so brutal missbraucht, dass sie auf der Schwelle des Hauses starb. Diese Zeit war also auch von schwerem moralischem Verfall gekennzeichnet. Zusammenfassend sagt Richter 21,25: <strong>\u201eZu der Zeit war kein K\u00f6nig in Israel; jeder tat, was ihn recht d\u00fcnkte.\u201c<\/strong> Es war eine chaotische Zeit, in der die Menschen keinen richtigen Ma\u00dfstab mehr f\u00fcr ihr Leben hatten und jeder machte, was er wollte.<strong> <\/strong><\/p>\n<p>In so einer Zeit brauchen die Menschen dringend Gottes Wort, das allein ihren Blick auf Gott lenken und ihnen geistliche Orientierung und Ma\u00dfstab f\u00fcr ihr Leben geben kann. Doch wen k\u00f6nnte Gott daf\u00fcr gebrauchen? \u00dcber den Hohenpriester Eli sagt Vers 2: <strong>\u201eUnd es begab sich zur selben Zeit, dass Eli lag an seinem Ort, und seine Augen hatten angefangen, schwach zu werden, sodass er nicht mehr sehen konnte.\u201c<\/strong> Dass Eli allm\u00e4hlich blind wurde, beschreibt nicht nur seinen k\u00f6rperlichen Verfall, sondern anschaulich auch seine geistliche Blindheit und Hilflosigkeit. Damit war derjenige, der eigentlich daf\u00fcr in Frage kam, f\u00fcr eine Erneuerung des Volkes mitzuwirken, selbst hilflos und f\u00fcr Gottes Werk nicht zu gebrauchen. Die Lage von Gottes Volk sah daher wirklich hoffnungslos aus.<\/p>\n<p>Aber bei Gott gibt es selbst in der dunkelsten Zeit Hoffnung! Im Vers 3 erfahren wir erstaunlicherweise: <strong>\u201eDie Lampe Gottes war noch nicht verloschen. Und Samuel hatte sich gelegt im Heiligtum des Herrn, wo die Lade Gottes war.\u201c <\/strong>Inmitten der dunklen Zeit gab es doch noch Hoffnung, weil die Lampe Gottes noch nicht verloschen war. Vordergr\u00fcndig bezieht sich dieses Wort auf den Leuchter, der in der Stiftsh\u00fctte stand und der nach wie vor brannte. Aber unmittelbar im n\u00e4chsten Satz wird unser Blick auf Samuel gelenkt, der Tag und Nacht im Heiligtum des Herrn lebte, wo die Lade Gottes mit dem Wort Gottes war. Gott hatte noch Hoffnung f\u00fcr sein Volk, weil es einen jungen Menschen gab, der vor Gott lebte und Gottes Wort hoch achtete.<\/p>\n<p>Wie berief Gott Samuel in jener Nacht? Betrachten wir die Vers 4 und 5: <strong>\u201eUnd der Herr rief Samuel. Er aber antwortete: Siehe, hier bin ich! und lief zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Er aber sprach: Ich habe nicht gerufen; geh wieder hin und lege dich schlafen. Und er ging hin und legte sich schlafen.\u201c<\/strong> Gott rief Samuel in jener Nacht mit seinem Namen. Gott rief Samuel ein zweites und ein drittes Mal \u201eSamuel!\u201c, aber jedes Mal lief Samuel zu Eli, weil er meinte, dass der ihn gerufen habe. Samuel war jederzeit bereit, zu reagieren, wenn er gerufen wurde. Aber er hatte Gottes Wort noch nicht pers\u00f6nlich empfangen und konnte Gottes Stimme nicht erkennen. Beim dritten Mal schlie\u00dflich erkannte Eli, dass Gott Samuel rief, und sagte zu ihm: <strong>\u201eGeh wieder hin und lege dich schlafen; und wenn du gerufen wirst, so sprich: Rede, Herr, denn dein Knecht h\u00f6rt\u201c<\/strong> (9). Samuel ging hin und legte sich wieder an seinen Ort. Was passierte daraufhin? Vers 10 berichtet: <strong>\u201eDa kam der Herr und trat herzu und rief wie vorher: Samuel, Samuel! Und Samuel sprach: Rede, denn dein Knecht h\u00f6rt.\u201c <\/strong><\/p>\n<p>Warum berief Gott Samuel? Gott suchte inst\u00e4ndig einen Menschen, den er gebrauchen konnte, um sein Volk zu erreichen, das sich ohne Gottes Wort von ihm immer weiter entfernte. Gott suchte einen Menschen, der bereit war, auf Gottes Worte zu reagieren und sie treu weiterzugeben. Gott suchte jemanden, der wie ein Sprachrohr seine Botschaft an das ganze Volk weiterleiten w\u00fcrde. Mit so einem inst\u00e4ndig suchenden Herzen rief Gott wiederholt:<strong> \u201eSamuel, Samuel!\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Samuel war bei seiner Berufung noch jung, vielleicht zw\u00f6lf, dreizehn oder vierzehn Jahre alt. Warum berief Gott gerade Samuel, obwohl er noch so jung war? Samuels Verhalten bei der Berufung zeigt, dass er ein Mensch war, der bereit war, auf den Ruf zu reagieren. Selbst als er noch dachte, dass ihn nur sein Lehrer Eli rufen w\u00fcrde, sagte er jedes Mal sofort: <strong>\u201eHier bin ich!\u201c <\/strong>und stand mitten in der Nacht auf und kam dienstbereit zu ihm. Als er begriff, dass Gott selbst ihn rief, reagierte er bereitwillig, indem er sagte: <strong>\u201eRede, denn dein Knecht h\u00f6rt.\u201c<\/strong> Gott berief Samuel also darum, weil er ein Mensch war, der auf Gottes Wort reagierte. In diesem Punkt war Samuel ganz anders als Eli. Eli hatte zwar umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen, aber er reagierte nicht auf Gottes Wort, selbst als es ganz pers\u00f6nlich an ihn gerichtet war. Samuel war noch sehr jung und unerfahren im Umgang mit den Menschen und auch im Dienst f\u00fcr Gott. Samuel konnte noch nicht einmal die Stimme Gottes von der Stimme eines Menschen unterscheiden. Doch trotzdem berief Gott Samuel, weil Gott wusste, dass Samuel auf Gottes Wort reagierte.<\/p>\n<p>Wir leben in einer Zeit, die der Zeit von Samuel sehr \u00e4hnlich ist. Die meisten Menschen haben sich von Gott abgewandt und fragen nicht mehr nach ihm. Sie wollen die \u00fcberlieferten geistlichen und moralischen Werte nicht anerkennen, sondern wollen selbst bestimmen, was sie glauben und wie sie leben wollen. Eine Folge davon ist der immer weiter voranschreitende Verfall der Moral, der sich im Bewusstsein und im Verhalten der Menschen ausdr\u00fcckt und dem unsere Gesetze immer weiter angepasst werden. Zum Beispiel soll ein neues Gesetz das Erbrecht so \u00e4ndern, dass die gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft der \u201eklassischen\u201c Ehe weitgehend gleichgestellt wird. Wegen der Wirtschaftskrise haben die meisten jungen Menschen haupts\u00e4chlich das Anliegen, durch eine geeignete Berufswahl irgendwie eine materielle Sicherheit in ihrem Leben herzustellen. Andere, die die Sinnlosigkeit so eines Lebens nicht ertragen k\u00f6nnen, suchen einen anderen Weg und viele fliehen in Alkohol und Drogen und nicht wenige begehen Selbstmord. Es ist wirklich eine dunkle Zeit. Wir sollen Gottes Herz verstehen, mit dem Gott unsere Zeit sieht. Es tut Gott weh, wenn er sieht, wie die Menschen in dieser Zeit unter der S\u00fcnde leiden. Gott sucht die Menschen, die bereit sind, Gottes Wort zu h\u00f6ren und darauf zu reagieren. Gott sucht Menschen, die bereit sind, sich von Gott berufen zu lassen und als sein  Sprachrohr zu wirken. Gott sucht die Menschen, die, wenn Gott sie ruft, wie Samuel sagen: <strong>\u201eRede, denn dein Knecht h\u00f6rt!\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Wenn wir auf uns selbst schauen, k\u00f6nnen wir uns selbst leicht f\u00fcr ungeeignet f\u00fcr Gottes Werk halten. Die Jugendlichen unter uns und manche jungen Mitarbeitern denken vielleicht, dass sie zu jung sind, um von Gott f\u00fcr sein Heilswerk gebraucht zu werden. Andere k\u00f6nnen denken, dass sie noch zu unerfahren sind als Bibellehrer oder zu ungeschickt im Umgang mit den deutschen Studenten. Manche denken, dass ihr Deutsch noch nicht gut genug sei oder dass es ihnen an anderen Eigenschaften fehlen w\u00fcrde, um von Gott gebraucht zu werden. Doch unabh\u00e4ngig davon, wie gro\u00dfe M\u00e4ngel wir haben m\u00f6gen, lehrt uns die Tatsache, dass Gott den Knaben Samuel berief, dass Gott uns berufen und f\u00fcr sein Werk gebrauchen kann und will, wenn wir bereit sind, auf sein Wort zu reagieren. Lasst uns bereit sein, Gottes Berufung zu empfangen! Lasst uns von Samuel, wenn Gott uns ruft, nicht irgendwelche Einw\u00e4nde vorzubringen, sondern zu sagen: <strong>\u201eRede, denn dein Knecht h\u00f6rt!\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Welche Botschaft gab Gott dem Samuel in jener Nacht? Betrachten wir die Verse 11-14. Die Botschaft, die Gott Samuel als erste anvertraute, war keine leichte Botschaft. Gott k\u00fcndigte an, dass er das Gericht, das er gegen Elis Haus vorausgesagt hatte, vollst\u00e4ndig kommen lassen w\u00fcrde. Gott nannte Samuel auch den Grund daf\u00fcr, n\u00e4mlich dass Eli gewusst hatte, wie sch\u00e4ndlich sich seine S\u00f6hne verhielten, und ihnen nicht gewehrt hatte. Diese S\u00fcnde, die \u00fcber Jahre hinweg bewusst begangen worden war, konnte weder mit Schlachtopfern noch mit Speisopfern ges\u00fchnt werden.<\/p>\n<p>Wie reagierte Samuel, nachdem er diese Botschaft von Gott geh\u00f6rt hatte? Er stand am Morgen auf und begann wie sonst seinen Dienst, indem er die T\u00fcren am Haus aufmachte. Aber er f\u00fcrchtete sich davor, Eli zu sagen, was ihm offenbart worden war; denn er war noch jung und Eli war der Hohepriester und sein pers\u00f6nlicher Hirte. Aber als Eli ihn aufforderte, ihm alles zu sagen, was ihm Gott gesagt hatte, hei\u00dft es: <strong>\u201eDa sagte ihm Samuel alles und verschwieg ihm nichts\u201c<\/strong> (18a). Hier zeigt sich eine wichtige Qualit\u00e4t von Samuel als Gottes Knecht. Obwohl es ihm sehr schwer gefallen sein muss, sagte Samuel Eli alles, was ihm Gott gesagt hatte. Es ist nicht schwer, Gottes Wort unverf\u00e4lscht weiterzusagen, wenn es sich um Gottes Segensverhei\u00dfung handelt. Aber wenn wir mit anderen Gottes Aufforderung zum Gehorsam oder seine Warnung vor dem Gericht studieren, k\u00f6nnen wir leicht versucht sein, Gottes Wort irgendwie abzumildern, weil wir uns vor einer negativen Reaktion f\u00fcrchten. Hier k\u00f6nnen wir von dem jungen Samuel lernen. Samuel f\u00fcrchtete Gott mehr als die Menschen. Daher verk\u00fcndigte er Gottes Wort treu, ohne etwas wegzulassen oder es irgendwie abzumildern, auch wenn die Botschaft unangenehm war. Dies l\u00e4sst uns den Grund erkennen, warum Gott gerade Samuel berufen hat.<\/p>\n<p>Was passierte, als Samuel auf diese Weise auf Gottes Worte reagierte? Vers 19 sagt: <strong>\u201eSamuel aber wuchs heran, und der HERR war mit ihm und lie\u00df keines von allen seinen Worten zur Erde fallen.\u201c <\/strong>W\u00e4hrend Samuel weiter heranwuchs, war Gott st\u00e4ndig mit ihm. Dass Gott mit ihm war, zeigte sich vor allem darin, dass Gott alle Worte, die er Samuel gab, auch eintreten lie\u00df. Welche Folge hatte es, als Gott auf diese Weise sichtbar mit dem jungen Samuel war? Vers 20 sagt, dass ganz Israel von Dan im Norden bis Beerscheba im S\u00fcden erkannte, dass Samuel damit betraut war, Prophet des Herrn zu sein (20). Obwohl Samuel kein \u00f6ffentliches Amt bekleidete und keine Werbung machte, erkannten alle im ganzen Land Samuel als einen Propheten.<\/p>\n<p>In welchem Ma\u00dfe konnte Gott den jungen Samuel gebrauchen? Vers 21 sagt dazu: <strong>\u201eUnd der HERR erschien weiter zu Silo, denn der HERR offenbarte sich Samuel zu Silo durch sein Wort. Und Samuels Wort erging an ganz Israel.\u201c <\/strong>Gott konnte durch Samuel, der treu Gottes Wort h\u00f6rte und weitergab, das ganze Volk erreichen! Denn Gott offenbarte sich Samuel kontinuierlich durch sein Wort in Silo, und Samuels Wort erging an ganz Israel. Auf diese Weise konnte Gott in der dunklen Zeit durch Samuel, obwohl er noch so jung war, das ganze Volk ansprechen und sie zur Umkehr auffordern. So konnte Gott durch einen Jugendlichen, Samuel, eine geistliche Erneuerung und Wiederherstellung des Volks einleiten.<\/p>\n<p>Lasst uns zum Schluss \u00fcberlegen: Wer ist der Gott von Samuel? Gott, der den jungen Samuel berief, ist ein Gott der Hoffnung. Inmitten der dunklen Zeit berief Gott Samuel, weil er die Hoffnung f\u00fcr sein Volk nicht aufgegeben hatte, sondern durch einen jungen Menschen ihnen Gottes Worte geben und sie so zur Umkehr zu Gott leiten wollte. Gott sieht auch unser Land in unserer Zeit trotz geistlichem und moralischem Verfall mit Hoffnung. Gott hat Hoffnung, solange es junge Menschen gibt, die wie Samuel auf sein Wort h\u00f6ren und reagieren. Gott sucht diejenigen, die wie Samuel bereit sind, Gottes Ruf zu h\u00f6ren und zu sagen: \u201eRede, dein Knecht h\u00f6rt!\u201c Dann will Gott uns dazu gebrauchen, durch sein Wort zu allen Menschen in Heidelberg und in Deutschland zu bringen. M\u00f6ge Gott uns allen und insbesondere den Jugendlichen helfen, wie Samuel vor Gott zu leben und bereit zu sein, seine Berufung pers\u00f6nlich zu empfangen! M\u00f6ge Gott jedem von uns helfen, wenn Gott ruft, zu sagen: \u201eRede, denn dein Knecht h\u00f6rt!\u201c M\u00f6ge Gott uns dadurch wie Samuel in unserer Zeit gebrauchen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Samuel, Samuel! \u201eDa kam der Herr und trat herzu und rief wie vorher: Samuel, Samuel! Und Samuel sprach: Rede, denn dein Knecht h\u00f6rt.\u201d (1.Sam 3,10) Am letzten Sonntag haben wir geh\u00f6rt, wie Gott sich \u00fcber das Elend von Hanna erbarmte und ihr Gebet erh\u00f6rte, sodass sie Samuel zur Welt bringen konnte. 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