{"id":835,"date":"2010-05-24T15:33:10","date_gmt":"2010-05-24T14:33:10","guid":{"rendered":"http:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=835"},"modified":"2023-01-29T20:45:11","modified_gmt":"2023-01-29T19:45:11","slug":"predigt-johannes-1916-42","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-johannes-1916-42\/","title":{"rendered":"Predigt: Johannes 19,16-42"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/J43-P19-1642.doc\">Download<\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Jesu\u00a0 Kreuzigung\u00a0 und\u00a0 Tod<\/h2>\n<address style=\"text-align: center;\">\u201eAls nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht!<br \/>\nund neigte das Haupt und verschied.\u201c<br \/>\n(19,30)<\/address>\n<p>Am vorletzten Sonntag haben wir geh\u00f6rt, wie Jesus gefangen genommen und vor Hannas und Kaiphas verh\u00f6rt wurde. Letzte Woche haben wir erfahren, wie Jesus anschlie\u00dfend vor dem r\u00f6mischen Statthalter Pilatus angeklagt und verh\u00f6rt wurde. Obwohl Jesus sich vor Pilatus als der wahre K\u00f6nig zu erkennen gab und Pilatus schnell von Jesu Unschuld \u00fcberzeugt war, zog er nicht die Konsequenz daraus, Jesus auch als seinen K\u00f6nig pers\u00f6nlich anzuerkennen. Schlie\u00dflich gab er dem Druck der Juden nach und \u00fcberantwortete ihnen Jesus, dass er gekreuzigt w\u00fcrde. Unser heutiger Text berichtet \u00fcber Jesu Kreuzigung und Tod. Dieser Bericht bildet den H\u00f6hepunkt in unserem Evangelium und offenbart den Kern von Gottes Erl\u00f6\u00adsungs\u00adwerk. Am Kreuz sprach Jesus: <strong>\u201eEs ist vollbracht!\u201c<\/strong> M\u00f6ge Gott uns helfen, Jesu Kreu\u00adzi\u00adgung und Tod neu wahrzunehmen und die Bedeutung f\u00fcr uns neu erkennen!<\/p>\n<p><strong>Teil 1: Jesus wurde gekreuzigt (16b-24)<\/strong><\/p>\n<p>Was musste Jesus tun, nachdem er von Pilatus zur Kreuzigung \u00fcberantwortet worden war? Unser Text beginnt mit den Worten: <strong>\u201e<\/strong><strong>Sie nahmen ihn aber\u00a0und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur St\u00e4tte, die da hei\u00dft Sch\u00e4delst\u00e4tte, auf Hebr\u00e4isch Golgatha\u201c <\/strong>(16b.17). Jesus musste sein Kreuz, an dem er sterben sollte, selbst zur Hinrichtungsst\u00e4tte tragen. Diese Form der \u00f6ffentlichen Zurschaustellung der zur Kreuzigung Verurteilten diente zu ihrer zus\u00e4tzlichen Dem\u00fctigung und zur Warnung und Abschreckung der Bev\u00f6lkerung. Man hat berechnet, dass das Kreuz etwa 70 Kilogramm gewogen hat. Jesus, der die ganze Nacht hindurch verh\u00f6rt und dabei auch geschlagen und gegei\u00dfelt worden war, war ersch\u00f6pft. Obwohl das Kreuz f\u00fcr ihn zu schwer war, setzte er seine ganze restliche Kraft ein, um das Kreuz zur Hinrichtungsst\u00e4tte zu tragen. Der unheimlich klingende Name \u201eSch\u00e4delst\u00e4tte\u201c weist darauf hin, dass an diesem Ort schon andere Hinrichtungen stattgefunden haben. Es war ein Ort des Schreckens und des Todes.<\/p>\n<p>Was taten die Soldaten mit Jesus, als sie auf Golgatha angekommen waren? Betrachten wir Vers 18: <strong>\u201eDort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.\u201c <\/strong>Jesus wurde gekreuzigt. Der r\u00f6mische Schriftsteller Cicero bezeichnet die Kreuzigung als eine besonders grausame Form der Hinrichtung. Sie war so qualvoll, dass sie im ganzen r\u00f6mischen Reich nicht bei r\u00f6mischen B\u00fcrgern angewendet werden durfte, sondern nur bei Sklaven und Schwerverbrecher aus den Kolonien. Dabei wurde der Verurteilte ausgezogen und auf das Kreuz gelegt. Anschlie\u00dfend wurden lange N\u00e4gel durch seine H\u00e4nde und durch die \u00fcbereinander gelegten F\u00fc\u00dfe in das Holz getrieben. Dann wurde das Kreuz aufgerichtet und in den Sockel gestellt. Von da an hing der Gekreuzigte mit seinem ganzen Gewicht an den N\u00e4geln durch die H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe, was unvorstellbare Schmerzen verursachte. Die H\u00e4ngelage am Kreuz bewirkte akute Atemnot; um nicht zu ersticken, musste er sich immer wieder auf die N\u00e4gel gest\u00fctzt aufrichten, um Luft zu holen. Auf diese Weise vollzog sich unter unbeschreiblichen Qualen langsam der Todeskampf. Dem Verfasser Johannes, der Jesu Kreuzigung als Augenzeuge selbst mit ansah, war es nicht m\u00f6glich, Jesu Leiden am Kreuz auch nur ansatzweise zu beschreiben. Er konnte nur extrem kurz berichten: <strong>\u201eDort kreuzigten sie ihn.\u201c <\/strong>Jesus litt am Kreuz unendliche Qualen.<\/p>\n<p>Rechts und links von Jesus wurden zwei Verbrecher hingerichtet. Durch seine Kreuzigung inmitten von Verbrechern sollte Jesus wie der schlimmste Verbrecher erscheinen. Dadurch sollte die Schande, die er durch die Kreuzigung erfuhr, noch vermehrt werden.<\/p>\n<p>Betrachten wir Vers 19: <strong>\u201ePilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der K\u00f6nig der Juden.<\/strong><strong>\u201c <\/strong>\u00dcber den Gekreu\u00adzig\u00adten wurde manchmal ein Schild angebracht, das ihre Schuld benannte. Pilatus lie\u00df am Kreuz Jesu oben ein Schild anbringen, auf dem stand: <strong>\u201eJesus von Nazareth, der K\u00f6nig der Juden\u201c<\/strong>. Wir kennen nicht genau den Beweggrund, aus dem Pilatus diese Worte schreiben lie\u00df. Aber unabh\u00e4ngig davon macht diese Aufschrift eine klare Aussage dar\u00fcber, wer hier am Kreuz starb. Denn was bedeuten die Worte von dieser Aufschrift? <strong>\u201eJesus von Nazareth\u201c<\/strong> war der Name, unter dem Jesus allgemein bekannt war. Jesus von Nazareth war der gute Hirte, der \u00fcberall im Land die Kranken heilte und den Armen und Verzweifelten die gute Botschaft vom Reich Gottes predigte. Auf dem Schild stand auch<strong> \u201eder K\u00f6nig der Juden\u201c. <\/strong> Was bedeutet das? Mit dieser Bezeichnung ist nicht der damals amtierende politische K\u00f6nig gemeint, der gar kein Jude war. \u201eDer K\u00f6nig der Juden\u201c ist der wahre K\u00f6nig, den Gott seinem Volk durch die Propheten durch die Jahrhunderte hindurch vielfach verhei\u00dfen hat und der ein ewiges Reich aufrichten wird. \u00dcber ihn hat Gott vorausgesagt, dass er in seinem Reich mit Recht und Gerechtigkeit regieren wird, und dass sein Reich ewig bestehen wird. Der Christus ist der wahre K\u00f6nig und Retter f\u00fcr die Juden und f\u00fcr alle Menschen. Unabh\u00e4ngig davon, wie gut Pilatus das selbst verstanden hat, verk\u00fcndete also die Aufschrift am Kreuz die Wahrheit, dass Jesus der Christus, der von Gott verhei\u00dfene Retter und K\u00f6nig ist.<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Die Aufschrift an Jesu Kreuz war in drei Sprachen geschrieben, n\u00e4mlich in der Landessprache Hebr\u00e4isch, in der Amtssprache Lateinisch und in der damaligen Weltsprache Griechisch. Dadurch konnten Juden, R\u00f6mer und Menschen aus allen V\u00f6lkern unmissverst\u00e4ndlich erfahren, wer Jesus ist, der hier am Kreuz starb.<\/p>\n<p>Betrachten wir die Verse 20-22. Tats\u00e4chlich lasen viele Juden diese Aufschrift, weil der Ort, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei Jerusalem war. Die Hohenpriester forderten Pilatus dazu auf, die Aufschrift zu \u00e4ndern und so die Bedeutung der Worte zu relativieren. Aber Pilatus weigerte sich, ihre Bitte zu erf\u00fcllen, und sagte: <strong>\u201e<\/strong><strong>Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben\u201c<\/strong> (22). Auf diese Weise blieb die Aufschrift auf dem Kreuz unverf\u00e4lscht und bezeugt die Geschichte hindurch bis heute, dass Jesus der von Gott bestimmte wahre K\u00f6nig und Retter f\u00fcr die Juden und f\u00fcr alle Menschen ist und darum hier am Kreuz starb.<\/p>\n<p>Diese Wahrheit, die in den damaligen Weltsprachen verk\u00fcndigt wurde, steht bis heute unverkennbar da. Sie wurde und wird immer wieder \u00fcberall dort verk\u00fcndigt, wo das Evangelium Jesu von Menschen bezeugt wird. Auf unz\u00e4hligen Bildern und plastischen Darstellungen vom gekreuzigten Jesus in Kirchen, Schulen, Altersheimen, Galerien und Wohnzimmern ist oben am Kreuz die Aufschrift zu sehen, die bezeugt, dass dort Jesus starb, der der K\u00f6nig der Juden und der Christus f\u00fcr alle Menschen ist. Diese Botschaft fordert alle Menschen zu einer klaren Stellungnahme heraus. Dies ist von lebenswichtiger Bedeutung. Denn unabh\u00e4ngig davon, was die Mehrheit der Menschen in unserer Zeit dar\u00fcber denken mag, hat Gott bestimmt, dass alle, die diese Wahrheit vom Herzen bejahen und Jesus als ihren K\u00f6nig und Retter annehmen, Gottes Kinder und B\u00fcrger seines ewigen Reiches werden. Dagegen werden alle, die Jesus als K\u00f6nig ablehnen und verachten, Gottes ewiges Reich nicht sehen und niemals hineinkommen.<\/p>\n<p>Betrachten wir weiter die Verse 23 und 24a: <strong>\u201eAls aber die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, f\u00fcr jeden Soldaten einen Teil, dazu auch das Gewand. Das war aber ungen\u00e4ht, von oben an gewebt in einem St\u00fcck. Da sprachen sie untereinander: Lasst uns das nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es geh\u00f6ren soll.\u201c <\/strong>W\u00e4hrend Jesus sich oben am Kreuz unendlich qu\u00e4lte und mit dem Tode rang, verteilten die Soldaten unter dem Kreuz Jesu Kleider. Sie waren getrieben von ihrer Habgier und ignorierten Jesus, der mit dem Tode rang, in krasser Weise. Ihre Einstellung und ihr Verhalten m\u00f6gen uns erschrecken. Doch sie sind ein Beispiel f\u00fcr den in die S\u00fcnde gefallenen Menschen, der Gottes Bild in sich verloren hat und von seiner s\u00fcndigen Natur bestimmt wird.<\/p>\n<p>Johannes muss eigentlich schockiert gewesen sein, als er das Verhalten der Soldaten sah. Aber Johannes betrachtete dieses Ereignis nicht einfach aus seiner eigenen Sicht; er betrachtete es aus der Sicht der Schrift und konnte dann erkennen, dass sich dadurch die Prophezeiung im Psalm 22 erf\u00fcllte, und konnte bezeugen: <strong>\u201eSo sollte die Schrift erf\u00fcllt werden, die sagt: \u00bbSie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben \u00fcber mein Gewand das Los geworfen.\u00ab Das taten die Soldaten<\/strong><strong>\u201c <\/strong>(24b). Auch das herzlose Verhalten der Soldaten war eine Erf\u00fcllung von Gottes Prophezeiung. Auf diese Weise erf\u00fcllte sich bei Jesu Kreuzigung die Schrift bis ins Detail.<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Teil 2: \u201eEs ist vollbracht!\u201c (25-37)<\/strong><\/p>\n<p>Wer war au\u00dfer den Soldaten noch beim Kreuz Jesu? Der Vers 25 erw\u00e4hnt namentlich die Frauen, die beim Kreuz Jesu standen. Sie waren die Frauen, die Jesus als seine J\u00fcngerinnen bereits in Galil\u00e4a treu nachgefolgt und mit nach Jerusalem gegangen waren. W\u00e4hrend die J\u00fcnger schon bei Jesu Gefangennahme geflohen waren, blieben diese Frauen bis zum Ende treu bei Jesus.<\/p>\n<p>Alle J\u00fcngerinnen und auch der J\u00fcnger Johannes m\u00fcssen unter dem Kreuz in tiefer Traurigkeit gewesen sein. Insbesondere f\u00fcr die Mutter Jesu muss es unertr\u00e4glich gewesen sein, ihren Sohn so grausam und qualvoll sterben zu sehen. Was sagte Jesus, um ihr zu helfen? Betrachten wir die Verse 26 und 27: <strong>\u201eAls nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den J\u00fcnger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem J\u00fcnger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der J\u00fcnger zu sich.\u201c<\/strong> Jesus gab seiner Mutter seinen J\u00fcnger Johannes als Sohn, der sie \u00fcber den Verlust hinwegtr\u00f6sten sollte. Johannes war der J\u00fcnger, der die Liebe Jesu in besonderer Weise angenommen hatte. Gleichzeitig vertraute er seine Mutter dem Johannes als Mutter an, damit er sich um sie wie um seine Mutter k\u00fcmmern und sie ihr Leben lang besch\u00fctzen und versorgen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Was zeigt dies \u00fcber Jesus? Hier zeigt sich, dass Jesus selbst noch in seinem Sterben Raum in seinem Herzen f\u00fcr das Leiden anderer Menschen hatte und sich um sie k\u00fcmmerte. Wie gro\u00df sind das Herz und die Liebe Jesu! Dieses Ereignis zeigt au\u00dferdem auch, dass Jesu Kreuzestod Menschen, die eigentlich nicht miteinander verwandt oder sonst wie verbunden sind, verbindet und unter ihnen neue Familienbeziehungen stiftet. Auf diese Weise entstanden und entstehen bis heute durch das Kreuz Jesu unz\u00e4hlige neue Beziehungen, in denen die Gl\u00e4ubigen einander V\u00e4ter und M\u00fctter und S\u00f6hne und T\u00f6chter bzw. Br\u00fcder und Schwestern werden.<\/p>\n<p>Was sagte Jesus noch am Kreuz? Betrachten wir die Verse 28 und 29. Jesus litt am Kreuz wegen des Fl\u00fcssigkeitsverlusts unter furchtbarem Durst. Jesus sagte: <strong>\u201eMich d\u00fcrstet.\u201c<\/strong> Aber Jesus sagte das nicht einfach, weil er seinen Durst stillen wollte. Es wird betont, dass Jesus das sagte, weil er die Schrift erf\u00fcllen wollte. Denn im Psalm 22, dem so genannten messianischen Leidenspsalm, wird sein qu\u00e4lender Durst eindr\u00fccklich vorausgesagt. Dort hei\u00dft es: <strong>\u201eMeine Kr\u00e4fte sind vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt mir am Gaumen, und du legst mich in des Todes Staub\u201c<\/strong> (Ps 22,16). Dieses Ereignis bezeugt erneut die detaillierte Erf\u00fcllung der Schrift. Es bezeugt auch, welche tiefe Hochachtung Jesus vor der Schrift hatte und dass er bis zur letzten Minute seines Lebens alles daf\u00fcr tat, um die Schrift zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Was sagte Jesus schlie\u00dflich, bevor er starb? Betrachten wir den Vers 30: <strong>\u201eAls nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht!, und neigte das Haupt und verschied.\u201c <\/strong>Dieses Wort war das letzte Wort Jesu am Kreuz nach unserem Evangelium, danach starb er. Wir wollen gemeinsam dar\u00fcber nachdenken, warum Jesus, der K\u00f6nig der Juden, am Kreuz tats\u00e4chlich sterben musste, und was sein letztes Wort am Kreuz bedeutet.<\/p>\n<p>Zum einen: Warum musste Jesus am Kreuz so viel leiden und sterben? Wie wir gesehen haben, war Jesu Kreuzigung kein tragisches Justizirrtum oder einfach nur die b\u00f6se Tat von b\u00f6sen Menschen. Vielmehr geschah die Kreuzigung Jesu nach dem Ratschluss Gottes und nach seinen Prophezeiungen. Wieso war es aber Gottes Wille und Ratschluss, dass Jesus am Kreuz so sehr leiden und sterben sollte? Am Kreuz offenbart sich Gottes Zorn \u00fcber die S\u00fcnde der Menschen. Wir Menschen haben jeder unsere eigene Einsch\u00e4tzung \u00fcber die S\u00fcnde und halten sie f\u00fcr mehr oder weniger schlimm. Aber am Kreuz zeigt sich, wie schlimm die S\u00fcnde in Wirklichkeit ist, dass sie so schrecklich ist, dass der heilige Gott sie nicht ertragen kann. Am Kreuz zeigt sich, dass S\u00fcnde unweigerlich das Gericht nach sich zieht. Als Jesus am Kreuz hing, entlud sich Gottes Zorngericht \u00fcber die S\u00fcnde an ihm, weil er die S\u00fcnde der ganzen Welt stellvertretend auf sich genommen hatte und trug. Jesus ertrug dort die Strafe, die wir mit unseren S\u00fcnden eigentlich verdient h\u00e4tten und tragen m\u00fcssten<\/p>\n<p>Ohne Glauben an Gott kann man alles m\u00f6gliche Gute \u00fcber den Menschen denken und sagen; die Menschen machen sich eigene Ma\u00dfst\u00e4be und halten den Menschen f\u00fcr gut oder sogar f\u00fcr herrlich; insbesondere sich selbst halten sie mindestens f\u00fcr gar nicht so schlecht. Aber vor Gott zeigt sich die n\u00fcchterne Realit\u00e4t von uns Menschen, wie verkehrt wir sind und wie weit entfernt von Gott und seiner Gnade. Am Kreuz wird offenbar, dass wir Menschen eigentlich hoffnungs\u00adlos verloren sind.<\/p>\n<p>Warum verh\u00e4ngte Gott dann also das Gericht \u00fcber Jesus am Kreuz? Gott tat dies, damit er nicht alle Menschen wegen ihrer S\u00fcnde ewig bestrafen muss, sondern damit dadurch S\u00fchne stattfinden und eine Vers\u00f6hnung zwischen dem heiligen Gott und uns s\u00fcndigen Menschen m\u00f6glich wird. Fr\u00fcher mussten die Israeliten, wenn sie eine S\u00fcnde begangen hatten, ein Lamm nehmen und es zum Priester bringen und dort ihre Hand auf den Kopf des Lammes legen, bevor der Priester das Lamm zur S\u00fchnung ihrer S\u00fcnde schlachtete; auf diese Weise kamen sie durch den stellvertretenden Tod des Lammes zu Gott. Aber dieser Weg war unvollkommen, das Blut eines Opfertiers konnte die S\u00fcnde nur oberfl\u00e4chlich bedecken, und man musste immer wieder neue Opfer bringen, wenn man neue S\u00fcnden auf sich geladen hatte. Doch Jesus kam und lud als Gottes Lamm die S\u00fcnde der Welt stellvertretend f\u00fcr uns auf sich und trug sie ans Kreuz. So hei\u00dft es bereits in Kap. 1,29: <strong>\u201eAm n\u00e4chsten Tag sieht Johannes, dass Jesus zu ihm kommt, und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt S\u00fcnde tr\u00e4gt!\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Damit kommen wir zu der zweiten Frage: Was bedeutet es, dass Jesus am Kreuz starb und rief: \u201eEs ist vollbracht!\u201c? Am Kreuz hat Jesus Gottes Willen vollst\u00e4ndig erf\u00fcllt und sein Erl\u00f6sungswerk f\u00fcr uns Menschen vollbracht. Jesu Ruf \u201eEs ist vollbracht!\u201c war sein Siegesruf, weil Jesus den Sieg \u00fcber die S\u00fcnde errungen und dem Willen Gottes vollst\u00e4ndig gehorcht hat. Jesus hat am Kreuz die Worte Gottes erf\u00fcllt, die Gott im Alten Testament \u00fcber den Christus und sein Heilswerk vorausgesagt hat. Allein in unserem Text wird vier Mal, n\u00e4mlich in den Versen 24, 28, 36 und 37, ausdr\u00fccklich gesagt, inwiefern durch Jesu Kreuzigung die Prophezeiungen Gottes erf\u00fcllt wurden. Dadurch hat sich Jesus als der von Gott verhei\u00dfene Christus offenbart. Viele weitere Prophezeiungen hat Jesus durch seinen Gehorsam durch sein Leiden und Sterben am Kreuz erf\u00fcllt. Durch den Propheten Jesaja hatte Gott \u00fcber das Werk des Christus Folgendes vorausgesagt: <strong>\u201eF\u00fcrwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn f\u00fcr den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert w\u00e4re. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer S\u00fcnde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden h\u00e4tten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der Herr warf unser aller S\u00fcnde auf ihn\u201c<\/strong> (Jes 53,4-6). Jesus trug am Kreuz unsere S\u00fcnde und starb an unserer Stelle, damit wir Erl\u00f6sung von der S\u00fcnde und Friede mit Gott haben k\u00f6nnen. Auf diese Weise hat Jesus das Erl\u00f6sungswerk Gottes vollbracht. Das ist wahr. Jeder der Jesu Tod am Kreuz f\u00fcr seine S\u00fcnde pers\u00f6nlich annimmt, wird von Gott als sein Kind angenommen und hat Frieden mit Gott, wie es hei\u00dft:<strong> \u201eDa wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus\u201c<\/strong> (R\u00f6m 5,1). Weil Jesus am Kreuz an unserer Stelle starb und so die Strafe f\u00fcr unsere S\u00fcnde trug, d\u00fcrfen wir vor Gott frei von Schuld und Verdammnis leben und in Gemeinschaft mit ihm leben. So hei\u00dft es in R\u00f6mer Kap. 8: \u201eSo gibt es nun keine Verdammnis f\u00fcr die, die in Christus Jesus sind.\u201c Weil Jesus am Kreuz unsere Erl\u00f6sung vollbracht hat, d\u00fcrfen wir als Gottes Kinder mit der lebendigen Hoffnung auf sein ewiges Reich leben und wissen, dass wir nach unserem Leben hier von ihm dort angenommen und ewig mit ihm herrschen d\u00fcrfen. Dank sei Jesus, der sich hingab und dadurch unsere Erl\u00f6sung vollbracht hat!<\/p>\n<p>Wie sollen wir dann aufgrund der Gnade Jesu am Kreuz leben? Jesus hat durch seinen Tod am Kreuz das Prinzip des Lebens gezeigt, das er gelehrt und nach dem er selbst gelebt hat. In Kap. 12,24.25 hat Jesus dieses Prinzip gelehrt: <strong>\u201eWahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde f\u00e4llt und erstirbt, bleib es allein.\u00a0 Wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben lieb hat, der wird es verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird\u2019s erhalten zum ewigen Leben.\u201c<\/strong> Jesus hat sein eigenes Leben nicht geliebt, sondern er trug sein Kreuz und starb daran. Jesu Opfer und sein Werk sind einmalig, sodass wir es ihm nicht gleichtun k\u00f6nnen oder m\u00fcssen. Aber Jesus hat uns eingeladen, ihm nachzufolgen und selbst auch nach dem Prinzip des Lebens zu leben. Wir sollen auch unser eigenes Leben nicht lieben, sondern das Kreuz, das er uns in seinem Werk zur Erl\u00f6sung der Menschen gibt auf uns nehmen und treu tagen. M\u00f6ge er uns treu helfen, ihm f\u00fcr seine Gnade dankbar zu bleiben und ihm treu nachzufolgen!<\/p>\n<p>Betrachten wir die Verse 31-37. Die Juden baten Pilatus darum, die Gekreuzigten vom Kreuz abzunehmen, weil noch am selben Abend das Passafest beginnen sollte. Die Soldaten kamen und brachen dem Ersten die Beine, um seinen Tod in kurzer Zeit herbeizuf\u00fchren. Auch dem anderen, der mit Jesus gekreuzigt war, brachen sie die Beine. Aber als sie zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht. Doch um sicherzustellen, dass Jesus wirklich gestorben war, nahm einer der Soldaten einen Spie\u00df und bohrte ihn in die Seite Jesu. Sogleich floss Blut und Wasser heraus. Dass Blut und Wasser sichtbar getrennt aus Jesu K\u00f6rper heraus flossen, war ein klarer Beweis daf\u00fcr, dass Jesus schon gestorben war. Dass Jesus davor verschont wurde, dass ihm die Beine gebrochen wurden, und dass er doch mit einem Speer durchbohrt wurde, entsprach weder der Forderung der Hohenpriester noch einer genauen Anweisung von Pilatus. Dass es dennoch schlie\u00dflich genau so geschah, war auch eine Erf\u00fcllung der Schrift. So sagen die Verse 36 und 37: <strong>\u201eDenn das ist geschehen, damit die Schrift erf\u00fcllt w\u00fcrde (2.Mose 12,46): \u00bbIhr sollt ihm kein Bein zerbrechen.\u00ab\u00a0Und wiederum sagt die Schrift an einer andern Stelle (Sacharja 12,10): \u00bbSie werden den sehen, den sie durchbohrt haben.\u00ab\u201c <\/strong>Auf diese Weise erf\u00fcllte sich Gottes Ratschluss bis ins Detail.<\/p>\n<p>Im Vers 35\u00a0bezeugt Johannes die Authentizit\u00e4t und Glaubw\u00fcrdigkeit seines Berichts, den er als Augenzeuge geschrieben hat. Er sagt: <strong>\u201eUnd der das gesehen hat, der hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr, und er wei\u00df, dass er die Wahrheit sagt, damit auch ihr glaubt.\u201c <\/strong>Der Bericht \u00fcber Jesu Tod am Kreuz ist absolut zuverl\u00e4ssig und vertrauensw\u00fcrdig. Wir d\u00fcrfen die Erl\u00f6sung, die Jesus am Kreuz vollbracht hat, jeder vertrauensvoll annehmen. Tun wir das und danken wir Jesus, der nach Gottes Ratschluss am Kreuz Gottes Erl\u00f6sungswerk f\u00fcr uns vollbracht hat!<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Teil 3: Jesu Grablegung (38-42)<\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Dieser Abschnitt berichtet \u00fcber die Grablegung des Leichnams Jesu. Dabei traten zwei M\u00e4nner auf, die beide bis dahin keine klare Haltung gegen\u00fcber Jesus gezeigt hatten. Josef von Arimath\u00e4a war ein Ratsherr, der den Beschluss der anderen \u00fcber Jesus aber nicht gebilligt hatte. Er war ein J\u00fcnger Jesu, aber er bekannte seinen Glauben nicht offen, weil er sich vor den Juden f\u00fcrchtete, die Jesus gegen\u00fcber feindlich gesinnt waren. Aber Josef bekam nun den Mut, zu Pilatus zu gehen und um den Leichnam Jesu zu bitten und so seinen Glauben an Jesus \u00f6ffentlich zu bezeugen. Nikodemus war in Kap. 3 Jesus schon einmal begegnet, aber er hatte damals keine Entschei\u00addung f\u00fcr Jesus getroffen. Nun aber engagierte er sich bei der Grablegung Jesu, indem er eine gro\u00dfe Menge von Gew\u00fcrzen brachte, die f\u00fcr die Zubereitung des Salb\u00f6ls erforderlich waren. Beide bekamen durch Jesu Tod am Kreuz den Mut, sich klar auf die Seite Jesu zu stellen und sich offen zu ihrem Glauben zu bekennen.<\/p>\n<p>Lesen wir zum Schluss nochmals das Leitwort: <strong>\u201eAls nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied.\u201c <\/strong>Wir haben heute Jesu Tod am Kreuz betrachtet. Durch seinen Tod hat Jesus die Schrift erf\u00fcllt und das Werk Gottes zur Erl\u00f6sung der S\u00fcnder vollbracht. Dadurch wurde f\u00fcr jeden Menschen der Weg zu Gott und zur Vergebung und zum neuen, ewigen Leben in seinem Reich weit ge\u00f6ffnet. Nehmen wir Jesu Gnade jeder vom Herzen an! Danken wir Gott f\u00fcr Jesus, der unsere Erl\u00f6sung vollbracht hat!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Jesu\u00a0 Kreuzigung\u00a0 und\u00a0 Tod \u201eAls nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied.\u201c (19,30) Am vorletzten Sonntag haben wir geh\u00f6rt, wie Jesus gefangen genommen und vor Hannas und Kaiphas verh\u00f6rt wurde. Letzte Woche haben wir erfahren, wie Jesus anschlie\u00dfend vor dem r\u00f6mischen Statthalter Pilatus angeklagt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[16,4],"tags":[],"class_list":["post-835","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-johannes","category-predigt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/835","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=835"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/835\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11139,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/835\/revisions\/11139"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=835"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=835"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=835"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}