{"id":804,"date":"2010-05-09T15:23:28","date_gmt":"2010-05-09T14:23:28","guid":{"rendered":"http:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=804"},"modified":"2023-01-29T20:45:12","modified_gmt":"2023-01-29T19:45:12","slug":"predigt-johannes-181-27","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-johannes-181-27\/","title":{"rendered":"Predigt: Johannes 18,1-27"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/Johannes-181-27-4.doc\">Download<\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Jesu Gefangennahme und Petrus\u2018 Anfechtung<\/h2>\n<address style=\"text-align: center;\">\u201eDa sprach Jesus zu Petrus: Steck dein Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat?\u201c<br \/>\n(18,11)<\/address>\n<p>Heute beginnen wir mit dem Passionsteil des Johannesevangeliums. Jesus ging dem Ende seines Lebens entgegen. Doch Jesu Leben unterscheidet sich wesentlich vom Leben anderer ber\u00fchmter Pers\u00f6nlichkeiten. Menschen werden bekannt, weil sie Zeit ihres Lebens etwas Gro\u00dfartiges erreichen. Doch wenn der Hochpunkt erreicht ist, nimmt ihr Lebenslauf nicht selten bizarre Z\u00fcge an. Das Leben des Menschen ist von H\u00f6hen und Tiefen gepr\u00e4gt, von menschlichen Unzul\u00e4nglichkeiten und Fehlern. Bei Jesus stellen wir allerdings einen klaren Unterschied fest. Er steuerte geradewegs dem Hochpunkt seines Lebens zu, mit jeder Minute, die verging, n\u00e4herte er sich unweigerlich dem Ratschluss Gottes. Jesu Leben ist deshalb das Ideal eines geistlichen Glaubenswandels und das obwohl sein Ende alles andere als einfach war. Doch gerade sein Weg zum Kreuz zeigt uns den wahrhaftigen Jesus.<\/p>\n<p>Zugleich betrachten wir heute welchen Weg Petrus gegangen ist. Der Vergleich zwischen Jesus und Petrus und die Unterschiede, die wir feststellen, helfen uns, die Unterschiede zwischen Jesu optimalem Wandel und unserem Wandel festzustellen und einen L\u00f6sungsweg zu finden. M\u00f6ge Gott uns durch sein Wort reichlich segnen, m\u00f6ge er in uns Erkenntnis und Ver\u00e4nderung bewirken, damit wir kein ungl\u00fcckliches Dasein in dieser Welt f\u00fchren, sondern ein erf\u00fclltes und freies Leben im Einklang mit dem g\u00f6ttlichen Willen.<\/p>\n<p><strong>Teil I Jesu Gefangennahme (1-11)<\/strong><\/p>\n<p>Wie beginnt die Passion Christi im Johannesevangelium? Betrachten wir Vers 1: <strong>\u201eAls Jesus das geredet hatte, ging er hinaus mit seinen J\u00fcngern \u00fcber den Bach Kidron; da war ein Garten, in den gingen Jesus und seine J\u00fcnger.\u201c<\/strong> Jesus pflegte mit seinen J\u00fcngern in einen Garten zu gehen. Diesen Garten kennen wir auch als den Garten Gethsemane. Dieser liegt auf dem \u00d6lberg. Dieser Ort war nicht zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlt. Vers 2 sagt dar\u00fcber: <strong>\u201eJudas aber, der ihn verriet, kannte den Ort auch, denn Jesus versammelte sich oft dort mit seinen J\u00fcngern.\u201c<\/strong> Jesus versammelte sich oft mit seinen J\u00fcngern an diesem Ort. Das wusste Judas, deshalb nahm er die f\u00fcr die Festnahme Jesu vorgesehene Soldatenschar und ihre Begleiter genau zu diesem Ort.<\/p>\n<p>Was wusste Jesus \u00fcber dieses Vorhaben? Vers 4a lautet: <strong>\u201eDa nun Jesus alles wusste, was ihm begegnen sollte\u201c<\/strong>. Durch die g\u00f6ttliche Vorsehung wusste Jesus alles was ihm begegnen w\u00fcrde. Er kannte seinen Verr\u00e4ter schon l\u00e4ngst und er kannte den Ort des Verrates, dennoch suchte er nicht das Weite. Jesus floh nicht. Ganz im Gegenteil, er ging gerade dort hin, wo sie ihn suchen w\u00fcrden. Was zeigt das \u00fcber Jesus? Das zeigt, dass er vor dem Leideskelch nicht floh, sondern ihr entschlossen entgegen ging.<\/p>\n<p>Was tat Jesus noch? Vers 4b: <strong>\u201eging er hinaus und sprach zu ihnen: Wen sucht ihr? Sie antworteten ihm: Jesus von Nazareth. Er spricht zu ihnen: Ich bin\u2019s!\u201c \u201eAls nun Jesus zu ihnen sagte: Ich bin\u2019s!, wichen sie zur\u00fcck und fielen zu Boden.\u201c<\/strong> (6) Warum \u00fcberw\u00e4ltigte Jesu Antwort die Soldatenschar, so dass sie zu Boden fielen? Normalerweise rechneten die Soldaten mit Fluchtversuchen, mit Falschaussagen, mit Heulen und Z\u00e4hneklappern usw. Wahrscheinlich hatte keiner von ihnen je erlebt, dass der Angeklagte aufstand und ihnen souver\u00e4n begegnete. Doch nicht nur das Auftreten Jesu lag au\u00dferhalb der Konvention, sondern auch seine Antwort. Wir kennen das ber\u00fchmte Selbstbekenntnis Jesu <strong>\u201eIch bin\u201c<\/strong>, \u201eEgo Eimi\u201c. Mit diesem Ausdruck hat sich Jesus 24 Mal im Johannesevangelium offenbart. An sieben Stellen steht dieser Ausdruck am Ende des Satzes. Dieser Ausdruck war nicht die allgemeing\u00fcltige Art sich vorzustellen. Niemand kam auf die Idee diese Formulierung zu verwenden. Jeder wusste, dass nur Gott sich im AT auf diese Art vorgestellt hat. Beides zusammen, das souver\u00e4ne Auftreten Jesu und seine g\u00f6ttliche Art sich zu offenbaren, war f\u00fcr die verfeindete Schar ein \u00fcberw\u00e4ltigendes Erlebnis.<\/p>\n<p>Jesus schaute sich das Ganze an und half ihnen auf die Spr\u00fcnge: <strong>\u201eWen sucht ihr?\u201c<\/strong> musste er erneut fragen. <strong>\u201eJesus von Nazareth\u201c<\/strong> gaben sie zu Antwort. <strong>\u201eJesus antwortete: Ich habe euch gesagt, dass ich es bin. Sucht ihr mich, so lasst diese gehen!\u201c<\/strong> In welcher Hinsicht erf\u00fcllte dieser Satz eine Prophezeiung des hohepriesterlichen Gebetes Jesu? Vers 9 lautet: <strong>\u201eDamit sollte das Wort erf\u00fcllt werden, das er gesagt hatte: Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast.\u201c<\/strong> Hier sehen wir nicht nur Jesu g\u00f6ttliche Offenbarung, sondern auch sein Hirtenherz und Hirtenwesen. In der Stunde, in der seine langwierige und schmerzhafte Agonie ihren Lauf nahm, dachte Jesus zuerst an die Seinen, an seine geliebten J\u00fcnger, die er auch am Ende weder aus den Augen, noch aus dem Sinn oder aus dem Herzen verlor. Das Wort des J\u00fcngers bewahrheitete sich: <strong>\u201eund wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende.\u201c<\/strong> (13,1)<strong><\/strong><\/p>\n<p>Wir haben betrachtet, mich welcher Haltung Jesus den Weg zum Kreuz angetreten ist. Wie hat hingegen Petrus\u2018 Weg ausgesehen? Betrachten wir den Vers 10: <strong>\u201eSimon Petrus aber hatte ein Schwert und zog es und schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Und der Knecht hie\u00df Malchus.\u201c<\/strong> Simon zeigte seine k\u00e4mpferische und aggressive Seite. Wie ist sein Eifer an dieser Stelle zu bewerten? Lesen wir das Leitwort, den Vers 11: <strong>\u201eDa sprach Jesus zu Petrus: Steck dein Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat?\u201c<\/strong> Jesus erteilte Simon einen Befehl und stellte ihm eine Frage. Dadurch k\u00f6nnen wir feststellen, dass Simons Handlung nicht angemessen war. In Wirklichkeit hatte er sich nicht nur ein wenig, sondern g\u00e4nzlich daneben benommen. Warum? Denn Simon Petrus bezweckte mit seinem verzweifelten Befreiungsschlag nichts anderes, als Jesus davon abzuhalten, den ihm zustehenden Kelch zu trinken. Der Kelch war bitter, doch die daraus entspringende Frucht weltbewegend. Jesus verstand den Ratschluss Gottes, f\u00fcr kurze Zeit unbeschreibliches Leid auf sich zu nehmen, um ewiges Heil und Grund ewiger Freude f\u00fcr Viele zu schaffen. Doch Simon begriff den Ratschluss Gottes nicht. Jesus war Herr der Lage, w\u00e4hrend sich Simon von der Situation verleiten lie\u00df. Und unter diesem Gesichtspunkt kommt der gravierende Unterschied zwischen Jesus und Simon am deutlichsten zum Ausdruck. Wir werden im n\u00e4chsten Teil genauer darauf eingehen.<\/p>\n<p><strong>Teil II Jesu Verh\u00f6r und Simons Verleumdung (12-27)<\/strong><\/p>\n<p>Was geschah mit Jesus? Ab Vers 12 hei\u00dft es: <strong>\u201eDie Schar aber und ihr Anf\u00fchrer und die Knechte der Juden nahmen Jesus und banden ihn und f\u00fchrten ihn zuerst zu Hannas; der war der Schwiegervater des Kaiphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war.\u201c<\/strong> Hannas war der Hohepriester, doch er wurde von den R\u00f6mern abgesetzt und sein Schwiegersohn Kaiphas als neuer Hohepriester eingesetzt. Doch die Juden betrachteten ihn weiterhin als ihren rechtm\u00e4\u00dfigen Hohepriester. So galten beide als Hohepriester. <strong>\u201eKaiphas aber war es, der den Juden geraten hatte, es w\u00e4re gut, ein Mensch st\u00fcrbe f\u00fcr das ganze Volk.\u201c<\/strong> (14) Nat\u00fcrlich stimmt dieser Gedanke. Dieser Satz dr\u00fcckt sogar den Ratschluss Gottes aus. Es war Gottes Erl\u00f6sungsplan, Jesus zur Errettung der Welt hinzugeben. Doch Kaiphas Motive waren ganz andere. Er hegte Mordabsicht gegen Jesus, nicht weil er das Volk liebte, sondern weil er Jesus hasste. Was wir durch Vers 14 noch erfahren ist, dass das Urteil, n\u00e4mlich die Todesstrafe, bereits vor dem Gerichtsprozess feststand! Das war ein Armutszeugnis f\u00fcr den Hohepriester, denn die j\u00fcdische Judikative war von Gott als eine Instanz der Gerechtigkeit eingesetzt worden und sollte vor Willk\u00fcr und Machtmissbrauch sch\u00fctzen. Doch der Hohepriester handelte willk\u00fcrlich und hob die Gerechtigkeit, deren H\u00fcter er eigentlich sein sollte, f\u00fcr pers\u00f6nliche Interessen einfach auf. In dieser Hinsicht wurde ein Scheinprozess in Szene gesetzt.<\/p>\n<p>Was tat infolgedessen Simon? \u00a0Betrachten wir die Verse 15-18. Mit Hilfe eines dem Hohenpriester bekannten J\u00fcngers gelangte Simon in den Palast des Hohepriesters. Und dabei geschah etwas. <strong>\u201eDa sprach die Magd, die T\u00fcrh\u00fcterin, zu Petrus: Bist du nicht auch einer von den J\u00fcngern dieses Menschen? Er sprach: Ich bin\u2019s nicht.\u201c<\/strong> Welche Bedeutung hat die kurze Antwort Simons? Vergleichen wir sie mit der Antwort Jesu. Jesus bekannte sich und sagte: <strong>\u201eIch bin\u2019s\u201c<\/strong>. Simon hingegen verleugnete Jesus und sagte: <strong>\u201eIch bin\u2019s nicht\u201c<\/strong>. Jesus gab sich bereitwillige dem Willen Gottes hin. Doch Simon konnte nicht einhalten, was er Jesus versprochen hatte. <strong>\u201eIch will mein Leben f\u00fcr dich lassen.\u201c<\/strong> (13,37) hatte er Jesus versichert. In seinen Augen war er der Spitzenj\u00fcnger mit dem M\u00e4rtyrergeist. Doch er konnte sein Versprechen nicht einhalten. Er konnte nicht der J\u00fcnger sein, den er gerne gewesen w\u00e4re. Er scheiterte. Fr\u00fcher hatte Jesus ihn davor gewarnt. Er w\u00fcrde scheitern, deshalb sollte er sich im Gebet vorbereiten. Doch Simon hatte das nicht f\u00fcr n\u00f6tig gehalten, er war schlie\u00dflich der Spitzenj\u00fcnger. Wozu brauchte er Gebetsbeistand? Wir erkennen sein Problem. Weil er ein falsches Bild von sich hatte, weil ihm also die Selbsterkenntnis fehlte, hatte er sein Herz nicht im Gebet vorbereitet. Deshalb konnte er auch keine wahrhaftige Antwort geben, sondern log. Welchen Effekt h\u00e4tte seine fatale Antwort auf ihn haben sollen? Sie h\u00e4tte eine \u201eeye opening experience\u201c sein sollen. Sie h\u00e4tte ihm die blanke Wirklichkeit aufzeigen sollen. Er h\u00e4tte seine Realit\u00e4t erkennen und zu Gott kommen und Bu\u00dfe tun sollen. Was tat er hingegen? Stattdessen w\u00e4rmte er sich mit den Knechten und Dienern des Hohepriesters am Kohlefeuer, als w\u00e4re nichts gewesen, als w\u00e4re er in bester Gesellschaft und als w\u00e4re die Welt in Ordnung. Nach wie vor fehlte ihm die Selbsterkenntnis.<\/p>\n<p>Welchen Lauf nahm der Scheinprozess? Betrachten wir die Verse 19-21. Der Hohepriester fing an Fragen \u00fcber Jesu J\u00fcnger und \u00fcber Jesu Lehre zu stellen. Welche Antwort gab ihm Jesus? <strong>\u201eJesus antwortete ihm: Ich habe frei und offen vor aller Welt geredet. Ich habe allezeit gelehrt in den Synagogen und im Tempel, wo alle Juden zusammenkommen, und habe nichts im Verborgenen geredet.\u201c<\/strong> Jesus verweigerte die Aussage. Er h\u00e4tte viele Worte reden k\u00f6nnen. Der Mensch unternimmt normalerweise vieles um sich zu entlasten. Er wird alles unternehmen, um ein positives Bild von sich zu hinterlassen. Jesus aber ist auch vor Gericht souver\u00e4n. Er war niemandem Rechenschaft schuldig, sein messianisches Wirken war nicht in Verborgenheit geschehen. Frei und offen hatte er vor aller Augen und Ohren geredet. Die Synagoge und der Tempel waren die Orte seiner Verk\u00fcndigung. Sie sollten hingehen und die unz\u00e4hligen Menschen befragen, die Zeugen der Wirksamkeit Jesu geworden waren.<\/p>\n<p>Wie sah die Reaktion auf Jesu Antwort aus? Schauen wir auf die Verse 22 bis 24. Jesus wurde ins Gesicht geschlagen. Laut j\u00fcdischem Rechtssystem konnten die Angeklagten ihre Aussage verweigern. Doch obwohl Jesus von seinem Recht Gebrauch machte, wurde er geschlagen. Wir k\u00f6nnen uns vorstellen warum. Die Hohepriester waren darauf aus einen Anklagepunkt zu finden, der ihre Mordabsicht rechtfertigte. Doch Jesus lieferte ihnen nichts. Was tat Hannas daraufhin? Er sandte ihn gebunden zu Kaiphas. Dort sollte Jesus der offizielle Prozess gemacht werden.<\/p>\n<p>Was geschah mit Petrus? Betrachten wir die letzten drei Verse. W\u00e4hrend er weiterhin dort stand und sich w\u00e4rmte, geschah, was geschehen musste. <strong>\u201eDa sprachen sie zu ihm: Bist du nicht einer seiner J\u00fcnger? Er leugnete und sprach: Ich bin\u2019s nicht.\u201c<\/strong> Erneut leugnete er und blieb unter der Gemeinschaft der feindseligen Gegner Christi, bis er ein drittes Mal gefragt wurde. <strong>\u201eDa leugnete Petrus abermals, und alsbald kr\u00e4hte der Hahn.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Was lernen wir durch Simons Negativbeispiel? Erneut liefert uns Simon Gelegenheit, uns selbst in ihm wiederzufinden. Wie oft haben auch wir uns dazu entschlossen, aus Glauben zu leben und sind dennoch daran gescheitert, wollten das Wort Jesu zu Herzen nehmen und haben es vergessen, haben Glaubensentscheidungen getroffen, aber nur kurzfristig danach gelebt! Immer wieder werden wir mit unserer schwachen Natur konfrontiert. Die Erkenntnis ist erschreckend, doch danken wir Gott f\u00fcr diese Selbsterkenntnis. Denn dadurch k\u00f6nnen wir zu Gott kommen und vor ihm niederfallen und ein flehentliches Gebetsleben f\u00fchren.<\/p>\n<p>Im heutigen Text haben wir gesehen, wie Jesus dem Ratschluss Gottes entschlossen entgegen gegangen ist. In dieser Hinsicht ist Jesus einmaliges und einzigartiges Beispiel. Doch auch f\u00fcr Jesus ist dieser Weg nicht einfach gewesen. In den Evangelien erfahren wir, wie sich Jesus intensiv darauf vorbereitet hat. Wir haben durch sein hohepriesterliches Gebet erfahren, wie er sich daf\u00fcr geheiligt hat. Und wir erfahren von seinem Gebetskampf im Garten Gethsemane, indem er Blut und Schwei\u00df lie\u00df. Jesus hatte somit beides, ein klares Lebensziel, n\u00e4mlich den Ratschluss Gottes zu erf\u00fcllen und die daf\u00fcr notwendige praktische Vorbereitung. Beides zusammengenommen machten aus Jesus jemanden, dessen Haltung, Handlung, Worte, Einstellung, Gesinnung, Herz, Verstand und Gem\u00fct im v\u00f6lligen Einklang mit dem Willen Gottes standen. Auf diese Weise konnte Jesus in jeder nur erdenklichen Hinsicht Herr der Lage sein, anstatt sich von ihr verleiten zu lassen. Vor ihm standen Verleumdungen und Schl\u00e4ge, ein ungerechtes Urteil, schmachvolle Erniedrigungen, die grausame Gei\u00dfelung und das blutige Kreuz. Doch gerade darin erkannte Jesus den Ratschluss Gottes. Und er tat keinen R\u00fcckschritt, sondern marschierte unnachgiebig dem Ratschluss Gottes entgegen, um Gott zu verherrlichen und ewiges Heil zu vollbringen.<\/p>\n<p>Leider k\u00f6nnen wir diese Punkte nicht f\u00fcr Simon wiederholen. Nat\u00fcrlich legte er auch positive Seiten auf. Von allen J\u00fcngern hatte er sich am Treuesten erwiesen, er war voller Eifer und brennender Liebe f\u00fcr Jesus. Doch ihm mangelte es an zwei Dingen. Zun\u00e4chst einmal besa\u00df er ein Verst\u00e4ndnis vom Ratschluss Gottes, das dem Verst\u00e4ndnis vieler heutiger Christen sehr \u00e4hnelt. Gottes Ratschluss f\u00fcr mich kann nur gute und angenehme Punkte beinhalten. Gottes Wille f\u00fcr mich muss sch\u00f6n und wohltuend sein. Wenn sich allerdings unangenehme Situationen ereignen oder ich mich in Lagen befinde, die mir nicht gefallen, dann stimmt wohl etwas nicht. Das kann nicht Gottes Wille sein. Mit dieser Einstellung hat Simon nach dem Schwert gegriffen. Und mit dieser Einstellung werden wir zwangsl\u00e4ufig Dummheiten jeglicher Art anstellen. Zum anderen besa\u00df er ein falsches Verst\u00e4ndnis von sich selbst. Er vertraute auf sich selbst, anstatt wie Jesus zu Gott zu kommen und den Beistand des Allm\u00e4chtigen Vaters zu erbitten.<\/p>\n<p>Welche Schl\u00fcsse k\u00f6nnen wir von Petrus Negativbeispielen ziehen? Wie k\u00f6nnen wir Gottes Ratschluss als Gottes Ratschluss erkennen und annehmen, so wie Jesus es getan hat? Erinnern wir uns zur\u00fcck an das Wort der Konferenz: <strong>\u201eWir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.\u201c<\/strong> (R\u00f6m. 8,28) Wenn wir Gott lieben und darauf kommt es an, m\u00fcssen wir wissen, dass alles, aber auch alles, was uns widerf\u00e4hrt, Teil des guten Ratschlusses Gottes ist und zum Besten dienen wird, f\u00fcr uns zum Besten und f\u00fcr Gottes Werk zum Besten, auch wenn es uns anders erscheinen m\u00f6ge. F\u00fcr Jesus gab es sicherlich auch sch\u00f6neres als das blutige Kreuz. So finden wir auch viele sch\u00f6ne Dinge in unserer Vorstellung. Doch wonach wollen wir leben? Wir wollen Gott lieben und Gott dienen und nicht unserer Vorstellung.<\/p>\n<p>Welche Hilfe finden wir noch? Betrachten wir Jesu Beispiel. Auch wir bed\u00fcrfen des Gebets. Wir brauchen Hilfe von oben. Gott will uns helfen und er wird uns helfen.<\/p>\n<p>Als ich den Text studierte, lie\u00df mich ein bestimmter Gedanke aufhorchen. Und zwar, der Gedanke, ein Leben frei von der S\u00fcnde f\u00fchren zu k\u00f6nnen. Diesen Gedanken hatte ich mehrmals resigniert f\u00fcr unm\u00f6glich gehalten. Das Resultat war, dass ich t\u00e4glich auf uns\u00e4gliche Weise leiden musste, weil mein Wandel ganz offensichtlich nicht dem Willen Gottes entsprach. Ich schaute auf Jesus. Sein Leben entsprach dem Willen Gottes. Er hatte das richtige Ziel und die richtige Vorbereitung. Wenn ich das doch auch f\u00fcr mich behaupten k\u00f6nnte! Das w\u00e4re in der Tat ein Leben frei von S\u00fcnde, von Selbstverdammung und den Qualen des Todes. Also kam ich zur\u00fcck zu Gott, mit der Bitte, dass mein Wandel sich seinem Ratschluss anpassen m\u00f6ge. Ich durfte sogleich den Segen Gottes erfahren, m\u00f6ge er mein Gebet weiterhin erh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Lasst uns inst\u00e4ndig daf\u00fcr beten, dass auch unser Wesen, unser Dichten und Trachten, unsere Gef\u00fchle, Hoffnungen, Worte und Taten und alles andere, das zu unserem Wesen geh\u00f6rt, im Einklang mit dem g\u00f6ttlichen Willen und dem g\u00f6ttlichen Ratschluss stehen m\u00f6ge. Das ist ein Leben, frei von der S\u00fcnde, frei von Selbstverdammung, frei von den Qualen des Todes, erf\u00fcllt mit lebendiger Freude, ein wahrhaftiges Glaubensleben.<\/p>\n<p>Lesen wir das Leitwort, Vers 11: <strong>\u201eDa sprach Jesus zu Petrus: Steck dein Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat?\u201c<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Jesu Gefangennahme und Petrus\u2018 Anfechtung \u201eDa sprach Jesus zu Petrus: Steck dein Schwert in die Scheide! 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