{"id":594,"date":"2009-12-08T21:44:22","date_gmt":"2009-12-08T20:44:22","guid":{"rendered":"http:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=594"},"modified":"2023-01-29T20:29:15","modified_gmt":"2023-01-29T19:29:15","slug":"predigt-richter-171-2125","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-richter-171-2125\/","title":{"rendered":"Predigt: Richter 17,1-21,25"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Ri-8P17012125.doc\">Download<\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Jeder\u00a0 tat,\u00a0 was\u00a0 ihn\u00a0 recht\u00a0 d\u00fcnkte<\/h2>\n<address style=\"text-align: center;\">\u201eZu der Zeit war kein K\u00f6nig in Israel; jeder tat, was ihn recht d\u00fcnkte.\u201c<\/address>\n<address style=\"text-align: center;\">(Ri 21,25)<\/address>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Unser heutiger Text umfasst die letzten f\u00fcnf Kapitel des Buches Richter. In diesem letzten Abschnitt erfahren wir keinen weiteren Bericht \u00fcber Richter, die Gott berufen hat. Vielmehr erfahren wir von mehreren Ereignissen, die beispielhaft die Lage der Menschen und der Gesellschaft in Israel in jener Zeit aufzeigen. Die Richter regierten das Volk nicht aktiv, sondern leiteten es eher passiv, indem sie bei Streitf\u00e4llen, die an sie herangetragen wurden, richteten und f\u00fcr das Volk bei nationalen Bedrohungen eintraten. Daher hatten die Israeliten in jener Zeit viel Freiheit f\u00fcr die Gestaltung ihres pers\u00f6nlichen und gesellschaftlichen Lebens. Doch was passierte, als sie ihre Freiheit daf\u00fcr gebrauchten, ihr Leben nach ihrem Gutd\u00fcnken zu f\u00fchren? Sie gerieten in geistliches Chaos und Verdorbenheit. Lasst uns das im heutigen Text betrachten! Lasst uns lernen, wie wir mit der gro\u00dfen Freiheit, die wir genie\u00dfen, richtig umgehen k\u00f6nnen!<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Teil 1: Der Stamm Dan, der tat, was ihn recht d\u00fcnkte (Kap. 17.18)<\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Von welcher Begebenheit berichtet der erste Abschnitt, Kap. 17,1-6? Ein Mann namens Micha auf dem Gebirge Ephraim stahl von seiner Mutter 1100 Silberst\u00fccke, was damals ein Verm\u00f6gen war, das mehr als vierzehn Jahresgeh\u00e4ltern eines Arbeiters entsprach. Doch als er h\u00f6rte, dass sie den Dieb verfluchte, bekam er offenbar Angst vor dem Fluch und gab seinen Diebstahl zu und das Geld zur\u00fcck. Daraufhin segnete sie ihn, um den Fluch, den sie ausgesprochen hatte, wieder aufzuheben. Was sollte sie mit dem Geld machen? In den Versen 3b und 4 sagte sie, dass sie das Geld dem Herrn weihen w\u00fcrde. Das klang sehr fromm; aber tats\u00e4chlich nahm sie daraufhin 200 Silberst\u00fccke und gab sie dem Goldschmied, damit der ein gegossenes und geschnitztes Bild daraus machte. Dieses G\u00f6tzenbild stellte ihr Sohn Micha in das sogenannte Gotteshaus, das er besa\u00df und indem er bereits einen Efod und einen Hausg\u00f6tzen stehen hatte. Offenbar fand er, dass er als Eigent\u00fcmer von drei G\u00f6tzen nun auch einen eigenen Priester haben sollte. Daher f\u00fcllte er einem seiner S\u00f6hne die Hand, sodass er sein Priester wurde.<\/p>\n<p>Wer kam in dieser Zeit bei Michas Haus vorbei? Die Verse 7-13 berichten von einem jungen Leviten aus Bethlehem in Juda. Als Levit h\u00e4tte er eigentlich dort die Menschen Gottes Worte lehren sollen; aber er zog durchs Land, um einen Ort zu finden, wo er bleiben konnte. Bei seiner Job und Wohnungssuche kam er auch bei Michas Haus vorbei. Als Micha erfuhr, dass er ein Levit war, engagierte er ihn als seinen Priester. Micha meinte, dass er nun von Gott gesegnet w\u00fcrde, da er nun einen echten Leviten als Priester besch\u00e4ftigte (13).<\/p>\n<p>Was war das Problem von Micha? Sein Problem war der G\u00f6tzendienst. Micha und auch seine Mutter verwendeten zwar viele fromme Worte wie segnen, verfluchen, weihen und den Namen Gottes, aber sie missbrauchten sie im Grunde f\u00fcr ihren G\u00f6tzendienst, den sie mit dem Glauben an den wahren Gott vermischten und verwechselten. Dies wird besonders deutlich, als Michas Mutter sagte, dass sie das Geld dem Herrn weihen w\u00fcrde, praktisch aber ein geschnitztes und gegossenes Bild davon machen lie\u00df. Gott dem Herrn zu dienen oder einer Statue aus Holz und Metall, war f\u00fcr sie gleichbedeutend. Durch ihren G\u00f6tzendienst verletzten sie das Herz Gottes zutiefst; denn sie verstie\u00dfen damit in krasser Weise gegen den ersten Teil der Zehn Gebote, wo Gott die Erstellung und Anbetung von G\u00f6tzenbildern strikt verboten hat. Als Israelit muss Micha das genau gewusst haben. Warum hat er trotzdem G\u00f6tzen verehrt? Er folgte seinem inneren Drang, seinen Gott und seinen Gottesdienst selbst zu bestimmen. Durch den G\u00f6tzendienst wollte er sein eigenes Ziel erreichen. Was sein Ziel war, kommt im Vers 13 zum Ausdruck, wo er sagte: <strong>\u201eNun wei\u00df ich, dass mir der Herr wohltun wird, weil ich einen Leviten zum Priester habe.\u201c <\/strong>Das Ziel von Michas religi\u00f6sem Leben war also nicht Gott, seine Ehre und sein Wille, sondern sein eigenes Wohl. Gott war f\u00fcr ihn ein Mittel, durch das er sein eigenes Ziel erlangen wollte. Daf\u00fcr war er auch bereit, G\u00f6tzenbilder aufzustellen und so Elemente des wahren Gottesdienstes beliebig mit G\u00f6tzendienst zu vermischen. Sozusagen war ihm jedes Mittel recht, wenn es dazu beitragen w\u00fcrde, dass es ihm gut geht. Wie war es m\u00f6glich, dass ein Mann vom Volk Gottes in seinem Denken und Leben sich so weit vom wahren Gott und von seinem Weg entfernte? Es war m\u00f6glich, weil Micha nicht vor Gott und nach dem Ma\u00dfstab seines Wortes lebte, sondern einfach dachte und macht, was ihm selbst richtig vorkam, und zwar auch im geistlichen Bereich. Als er seinen eigenen W\u00fcnschen, Gef\u00fchlen und Gedanken folgte, wurde er ein G\u00f6tzenanbeter, dessen Leben voller Kompromisse und S\u00fcnde war. M\u00f6ge Gott uns davor bewahren, unser Glaubensleben nach unseren eigenen Gedanken und Gef\u00fchlen zu f\u00fchren! M\u00f6ge Gott uns helfen, den wahren, lebendigen Gott zu verehren und wirklich ihm allein zu dienen!<\/p>\n<p>Das Kap. 18 berichtet davon, wie die Daniter, einer der zw\u00f6lf St\u00e4mme Israels, sich bei ihrer Suche nach einem geeigneten Wohnsitz verhielten und wie sie dort schlie\u00dflich ihr religi\u00f6ses Leben gestalteten. Eigent\u00adlich hatten die Daniter auch ein Gebiet in Israel zugeteilt bekommen. Aber die Stelle in Kap. 1,34 berichtet, dass die Amoriter die Daniter aufs Gebirge dr\u00e4ngten und nicht zulie\u00dfen, dass sie herunter auf die Ebene kamen. Doch anstatt zu beten und die Inbesitznahme ihres Gebietes neu herauszufordern, schickten sie f\u00fcnf Kundschafter aus, damit sie f\u00fcr sie ein Gebiet finden sollten, das sie ohne viel Aufwand bequem in Besitz nehmen konnten. Die f\u00fcnf Kundschafter kamen auf ihrer Suche auch beim Haus von Micha vorbei. Als sie dort den jungen Leviten kennen lernten, den Micha zu seinem Priester gemacht hatte, baten sie ihn, f\u00fcr sie Gott zu befragen, ob ihr Weg auch zum Ziel f\u00fchren w\u00fcrde. Der Priester antwortete ihnen einfach: \u201e<strong>Zieht hin mit Frieden; euer Weg, den ihr geht, ist dem Herrn vor Augen<\/strong>\u201c (6). Von diesem Zuspruch ermutigt, zogen sie weiter und fanden Lajisch, eine Stadt, von der es hei\u00dft, dass es den Leuten darin an nichts fehlte von allem, was es auf Erden gibt, und dass sie ruhig und sicher wohnten. Als sie wieder zu ihrem Stamm zur\u00fcckkamen, forderten sie ihre Stammesbr\u00fcder dazu auf, sich aufzumachen und Lajisch zu erobern. Auf dem Weg dorthin gingen sie nochmals beim Haus Michas in Ephraim vorbei und raubten seinen Efod, seinen Hausg\u00f6tzen und das geschnitzte und gegossene G\u00f6tzenbild. Sie \u00fcberredeten auch den jungen Leviten, mitzukommen und der Priester ihres Stammes zu werden. Hier wird klar, dass die Daniter den Wunsch hatten, G\u00f6tzen zu verehren, und die G\u00f6tzenbilder Michas gefielen ihnen anscheinend und waren so eine willkommene Gelegenheit, ihren Wunsch an ihrer neuen Wohnst\u00e4tte zu praktizieren (15-26). Nachdem \u00a0sie die G\u00f6tzenbilder geraubt und den Leviten mitgenommen hatten, \u00fcberfielen sie \u00fcber die Stadt Lajisch, in dem die Menschen ruhig und sicher wohnten; sie schlugen sie mit der Sch\u00e4rfe des Schwerts und verbrannten die Stadt mit Feuer. Danach bauten sie die Stadt wieder auf und nannten sie nach ihrem Stammvater \u201eDan\u201c. <strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Was taten sie, als sie die Stadt wieder aufgebaut hatten? Betrachten wir die Verse 30 und 31:<strong> \u201eUnd die Daniter richteten f\u00fcr sich das Schnitzbild auf. Und Jonatan, der Sohn Gerschoms, des Sohnes des Mose, und seine S\u00f6hne waren Priester im Stamm der Daniter bis auf die Zeit, da sie aus dem Lande gefangen weggef\u00fchrt wurden. So stellten sie das Schnitzbild, das Micha gemacht hatte, bei sich auf, solange das Haus Gottes zu Silo stand.\u201c<\/strong> Mit der Aufrichtung des Schnitzbildes und der Bestimmung von Jonatan und seinen S\u00f6hnen als Priester machten sie den G\u00f6tzendienst in ihrem Stamm zu einer festen Einrichtung. Dadurch verstie\u00dfen in krasser Weise gegen Gottes Willen. Sie m\u00fcssen gewusst haben, dass Gott jeglichen G\u00f6tzendienst in den Zehn Geboten verboten hat. Warum wollten sie trotzdem G\u00f6tzen dienen? Sie hatten die Dankbarkeit und das Vertrauen gegen\u00fcber dem wahren, lebendigen Gott offenbar schon lange verloren. Sie wollten lieber den G\u00f6tzenbildern dienen, weil dies mehr ihrem eigenen Verlangen entsprach, etwas Sichtbares zu verehren, und weil sie glaubten, dass es ihrem Stamm dadurch gut gehen w\u00fcrde. Sie wollten lieber G\u00f6tzen dienen, weil sie dann scheinbar nicht mehr die Gebote Gottes zu beachten brauchten, sondern ganz nach ihrem Gutd\u00fcnken leben konnten, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Dieses Ereignis macht deutlich, dass die Verehrung von G\u00f6tzen in Israel nicht blo\u00df das Problem einzelner Menschen wie etwa Micha war. G\u00f6tzenkult war vielmehr ein verbreitetes geistliches Problem, von dem nun sogar auch ein ganzer Stamm befallen war.<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Zum G\u00f6tzendienst der Daniter gibt der Verfasser im Vers 31 noch einen besonderen Hinweis. Dort wird erw\u00e4hnt, dass sie das Schnitzbild bei sich aufstellten, solange das Haus Gottes in Silo stand. Das sagt zum einen, dass sie das Schnitzbild von Micha etwa 300 Jahre lang verehrt haben, bis Salomo den Tempel erbaute. Zum anderen weist diese Bemerkung darauf hin, dass in all diesen Jahren ihr G\u00f6tzendienst in offenem Widerspruch zur Verehrung des wahren Gottes stand. Denn so sehr sie sich auch einredeten, dass ihr G\u00f6tzendienst in Dan recht w\u00e4re, war er doch nicht recht; denn es gab und gibt den wahren, lebendigen Gott, den man in Silo verehrte. Auf diese Weise verachteten sie \u00fcber Generationen hinweg den lebendigen Gott und stellten auch die rechte Gottesverehrung durch die anderen St\u00e4mme Israels in Frage.<\/p>\n<p>Auch in unserer Zeit haben viele Menschen eine Einstellung zur Religion wie die Daniter. Viele wollen selbst bestimmen, wer Gott f\u00fcr sie sein soll und auf welche Art und Weise sie ihn verehren wollen. Sie w\u00e4hlen sich selbst eine Religion aus, die ihnen gef\u00e4llt und richtig vorkommt, oder wandeln den christlichen Glauben nach ihren eigenen Vorstellungen und W\u00fcnschen ab. Auf diese Weise bestimmt der Mensch selbst, wer und wie Gott sein soll, anstatt nach der Wahrheit zu fragen und von Gott bestimmen zu lassen, wie der Mensch sein soll. M\u00f6ge Gott uns helfen, immer mit ehrf\u00fcrchtigem Herzen nach Gott zu fragen und unseren Glauben und unser Leben von seinem Wort und Willen bestimmen zu lassen! M\u00f6ge Gott vielen jungen Menschen in unserem Land helfen, den lebendigen Gott zu suchen und zu finden, indem sie sein Wort h\u00f6ren und danach leben!<\/p>\n<p><strong>Teil 2: <\/strong><strong>Der Stamm<\/strong><strong> Benjamin, der <\/strong><strong>tat, was ihn recht d\u00fcnkte <\/strong><strong>(Kap. 19-21)<\/strong><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Nachdem uns Kap. 18 einen Einblick in das gottlose und willk\u00fcrliche Leben der Daniter gegeben hat, berichten die Kap. 19-21 \u00fcber den Stamm Benjamin, genauer gesagt \u00fcber eine drastische S\u00fcnde der Benjaminiter in Gibea und ihre verheerenden Folgen. Was geschah? Ein Mann aus Ephraim zog nach Bethlehem, um von dort seine Nebenfrau zur\u00fcckzuholen, die dorthin zu ihrem Vater geflohen war. Nachdem er sich von seinem Schwiegervater mehrmals hatte \u00fcberreden lassen, noch zum Essen und zu einer weiteren \u00dcbernachtung zu bleiben, brach er am f\u00fcnften Tag sp\u00e4t von dort auf. Als es dunkel wurde, ging er mit seiner Nebenfrau nach Gibea in Benjamin, um dort zu \u00fcbernachten, und wurde schlie\u00dflich von einem alten Mann aufgenommen. Doch in der Nacht kamen die M\u00e4nner von Gibea, umstellten das Haus und verlangten von dem Hausbesitzer, den Mann herauszugeben, damit sie an ihm ihre perverse Lust befriedigen k\u00f6nnten. Dieses Ereignis \u00e4hnelt in verbl\u00fcffender, ja erschreckender Weise dem Ereignis in Sodom, wo die M\u00e4nner der Stadt von Lot die Herausgabe der beiden M\u00e4nner forderten, die in sein Haus gekommen waren. Auch die Reaktion des alten Mannes \u00e4hnelt sehr der Reaktion damals von Lot; denn er wollte zwar den Mann, der bei ihm \u00fcbernachtete, sch\u00fctzen, redete aber die verdorbenen M\u00e4nner freundlich mit \u201emeine Br\u00fcder\u201c an und bot ihnen bereitwillig an, ihnen seine eigene Tochter und die Nebenfrau des Mannes herauszugeben, damit sie sie vergewaltigen k\u00f6nnten. Als die Leute nicht auf ihn h\u00f6ren wollten, fasste der Mann seine Nebenfrau und brachte sie zu ihnen hinaus. Da machten die M\u00e4nner der Stadt sich \u00fcber sie her und trieben die ganze Nacht hindurch ihren Mutwillen mit ihr und lie\u00dfen sie erst gegen Morgen wieder gehen. Sie lebten hemmungslos nach ihrer Lust und stellten die Befriedigung ihrer Begierden \u00fcber alles andere im Leben, wobei sie auf nichts und niemand R\u00fccksicht nahmen. Die Frau konnte sich noch zum Haus zur\u00fcckschleppen; als ihr Mann am n\u00e4chsten Morgen die T\u00fcr \u00f6ffnete, um nach Hause zu reisen, fand er sie leblos vor der T\u00fcr liegen, die H\u00e4nde an der T\u00fcrschwelle. Er legte sie auf seinen Esel und wanderte heim.<\/p>\n<p>Wie reagierte der Mann auf den schrecklichen Tod seiner Frau? Als er zu Hause ankam, zerst\u00fcckelte er den Leichnam seiner Frau in zw\u00f6lf Teile und sandte sie zu allen St\u00e4mmen Israels, um bei allen dieses Verbrechen bekannt zu machen (29). Das Verbrechen, das die M\u00e4nner von Gibea an seiner Frau begangen hatten, war unfassbar grausam. Aber die Reaktion des Mannes darauf war auch erschreckend.<\/p>\n<p>Wie reagierten die anderen elf St\u00e4mme Israels auf diese Schandtat? Betrachten wir Kap. 20,1-10. Ganz Israel kam in Mizpa zusammen. Nachdem der Mann seine Version der Ereignisse vorgetragen hatte, verurteilten sie einm\u00fctig die M\u00e4nner von Gibea und beschlossen, gegen die Stadt hinaufzuziehen sie zu t\u00f6ten. Dabei redeten und verhielten sie sich so, als ob sie selbst in Ordnung w\u00e4ren, und ignorierten, dass nicht nur die M\u00e4nner in Gibea, sondern sie alle nach dem eigenen Gutd\u00fcnken lebten. Sie beteten nicht, um Gott nach seinem Willen zu befragen, sondern trafen von sich aus das Urteil und bestimmten das Ma\u00df der Strafe nach ihrem Gutd\u00fcnken.<\/p>\n<p>Betrachten wir die Verse 12-25. Sie forderten die Benjaminiter dazu auf, die M\u00e4nner von Gibea zur Bestrafung herauszugeben. Doch die Benjaminiter weigerten sich und stellten sich solidarisch hinter die Leute von Gibea. Sie waren nicht bereit, vor Gott die S\u00fcnde ihrer Br\u00fcder anzuerkennen, sondern stellten sich aus falscher Solidarit\u00e4t auf ihre Seite. Im Grunde erkl\u00e4rten sich dadurch indirekt mit dem Verhalten der M\u00e4nner von Gibea einverstanden. Wegen dieser selbstgerechten Gesinnung der Israeliten und der Unbu\u00dffertigkeit der Benjaminiter\u00a0 kam es zu einem tragischen Bruderkrieg. Bei diesem Krieg fielen zun\u00e4chst viele Zigtausend M\u00e4nner auf der Seite Israels, die sich daraufhin immer mehr vor Gott dem\u00fctigten. Schlie\u00dflich erlangte das Heer Israels den Sieg \u00fcber die M\u00e4nner von Benjamin. Dabei w\u00fcteten sie so ma\u00dflos gegen die Benjaminiter, dass von \u00fcber 25000 M\u00e4nnern nur noch 600 M\u00e4nner \u00fcbrig blieben und keine einzige Frau.<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Kap. 21 berichtet davon, wie den Israeliten ihre Tat, dass sie einen Stamm fast ausgerottet hatten, leid tat und wie sie sich bem\u00fchten, den wenigen \u00fcbrig gebliebenen Benjaminitern zu Frauen zu verhelfen. Aber sie konnten ihnen nicht von ihren T\u00f6chtern geben, weil sie vor dem Kampf spontan einen unn\u00f6tigen Schwur geschworen hatten, dass kein Israelit seine Tochter den Benjaminitern zur Frau geben durfte, und die Vermischung mit heidnischen Frauen auch nicht in Frage kam. Schlie\u00dflich \u00fcberfielen sie die Stadt, die nicht zu ihrer Versammlung nach Mizpa gekommen war und sich an dem Eid nicht beteiligt hatte; sie bestraften sie gem\u00e4\u00df ihrem eigenen Wort, indem sie alle M\u00e4nner und verheirateten Frauen darin t\u00f6teten, aber sie lie\u00dfen die unverheirateten Frauen leben, womit sie streng gesehen ihren eigenen Eid wiederum brachen. Doch es fehlten noch 200 Frauen, damit jeder der 600 \u00fcbrig gebliebenen Benjaminiter eine Frau bekommen konnte. Daraufhin forderten sie die Benjaminiter dazu auf, bei einem Fest in der Stadt Silo zu lauern und so viele der ledigen Frauen zu rauben. Die Benjaminiter taten dies und auf diese unfassbare Weise verhinderten die Israeliten das Aussterben dieses Stammes.<\/p>\n<p>In diesen drei Kapiteln erfahren wir von vielen unfassbaren Vorg\u00e4ngen in Israel. Wie ist das zu erkl\u00e4ren? Eigentlich hatte Gott die Israeliten dazu berufen, ein K\u00f6nigreich von Priestern und ein heiliges Volk zu sein. Gott hatte ihnen das Gesetz und den Gottesdienst gegeben, damit sie zu diesem Bild hin wachsen konnten. Was war das Hauptproblem, dass sie sich davon so weit entfernten? Lesen wir gemeinsam das Leitwort, Kap. 21,25: <strong>\u201eZu der Zeit war kein K\u00f6nig in Israel; jeder tat, was ihn recht d\u00fcnkte.\u201c <\/strong>Die Menschen lebten nach ihrem Gutd\u00fcnken! Nach ihrem Gutd\u00fcnken waren die M\u00e4nner in Gibea ihrer Begierde gefolgt. Daraufhin hatten die Israeliten nach ihrem Gutd\u00fcnken die Tat verurteilt und die Strafe selbst bestimmt, ohne Gott zu fragen. Erst als sie eine gro\u00dfe Niederlage erlebten, fragten sie Gott \u2013 aber sie hatten den gro\u00dfen Rahmen ihrer Aktion da bereits selbst bestimmt und Gott durfte nur eine Nebenrolle \u201espielen\u201c. Nach ihrem Gutd\u00fcnken haben sie einen Eid abgelegt und f\u00fchlten sich daran gebunden. Sie meinten, dass sie recht handelten damit, aber in Wirklichkeit haben sie ihren Eid nach ihrem Gutd\u00fcnken nachher auch wieder gebrochen haben<\/p>\n<p>Woran lag es, dass die Menschen so verkehrt lebten und nach ihrem Gutd\u00fcnken so viele S\u00fcnden begingen, obwohl sie zu Gottes Volk geh\u00f6rten? <strong> \u201eZu der Zeit war kein K\u00f6nig in Israel\u201c<\/strong> (1a). Dieser Vers weist auf das Problem hin, dass es in Israel damals keinen K\u00f6nig gab. Ein K\u00f6nig soll nach der Lehre der Bibel ein Vertreter Gottes sein und den Menschen Gottes Ordnung und Gottes Gesetz bringen und ihnen helfen, danach zu leben. Schon der Richter Gideon hatte in diesem Sinne gesagt: \u201eIch will nicht Herrscher \u00fcber euch sein, und mein Sohn soll auch nicht Herrscher \u00fcber euch sein, sondern der Her soll Herrscher \u00fcber euch sein.\u201c (9,25). Insofern war das Problem, dass die Israeliten Gott nicht als ihren K\u00f6nig anerkannten und nicht auf sein Wort h\u00f6rten und ihm folgten.<\/p>\n<p>Wir leben in einer Zeit, wo die Menschen sich keiner Autorit\u00e4t unterstellen wollen, weder den eigenen Eltern noch den Lehrern oder den Regierenden. Selbst Gott will man nicht anerkennen, weil man in v\u00f6lliger Freiheit leben will mit der Erwartung, dadurch gl\u00fccklich werden zu k\u00f6nnen. Auch in unserem eigenen Herzen gibt es eine Neigung, zu leben, wie wir wollen, und einfach zu machen, was uns gef\u00e4llt. Aber Gott ist K\u00f6nig und Herr \u00fcber alle Menschen. Er will im Leben von jedem Menschen K\u00f6nig sein und will unser Leben mit seinem guten willen leiten und segnen. Ein Leben nach dem eigenen Gutd\u00fcnken bzw. nach menschlichen Ma\u00dfst\u00e4ben, ohne Gott als K\u00f6nig anzuerkennen, f\u00fchrt unweigerlich zu einem geistlichen und moralischen Chaos im Leben jedes Einzelnen und der Gesellschaft. Wenn wir dagegen Gott als unseren K\u00f6nig anerkennen und t\u00e4glich auf sein Wort h\u00f6ren und in allen Bereichen danach leben, k\u00f6nnen wir unser Leben recht f\u00fchren, sodass es Gott ehrt und von ihm gesegnet werden kann. Wir stehen kurz vor Weihnachten, wo wir das Kommen Jesu als Gottes Sohn und als unseren wahren K\u00f6nig feiern. M\u00f6ge Gott uns helfen, ihn als unseren K\u00f6nig tief anzuerkennen und t\u00e4glich unter seiner Herrschaft zu leben, damit wir ihn ehren und er uns segnen und selig machen kann!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Jeder\u00a0 tat,\u00a0 was\u00a0 ihn\u00a0 recht\u00a0 d\u00fcnkte \u201eZu der Zeit war kein K\u00f6nig in Israel; jeder tat, was ihn recht d\u00fcnkte.\u201c (Ri 21,25) Unser heutiger Text umfasst die letzten f\u00fcnf Kapitel des Buches Richter. In diesem letzten Abschnitt erfahren wir keinen weiteren Bericht \u00fcber Richter, die Gott berufen hat. 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