{"id":3563,"date":"2015-10-18T11:00:41","date_gmt":"2015-10-18T09:00:41","guid":{"rendered":"http:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=3563"},"modified":"2022-11-18T12:22:03","modified_gmt":"2022-11-18T11:22:03","slug":"predigt-psalm-11949-64-%d7%96-zayin-%d7%97-heth","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-psalm-11949-64-%d7%96-zayin-%d7%97-heth\/","title":{"rendered":"Predigt: Psalm 119,49 \u2013 64 (\u05d6 Zayin \u05d7 Heth)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Ps119-49-64_P04.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Deine Gebote sind mein Lied<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eDeine Gebote sind mein Lied im Hause, in dem ich Fremdling bin.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(54)<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Psalm 119 ist nicht nur der L\u00e4ngste von 150 Psalmen, sondern bekanntlich auch das l\u00e4ngste Kapitel der gesamten Bibel. Kein anderes Kapitel mehr als 100 Verse. Fast jeder der uns vorliegenden 176 Verse hat einen direkten Bezug zum Wort Gottes. Es gibt nur 2 Ausnahmen; das sind 1,1%. Der Rest hat einen direkten Bezug zum Wort Gottes und das Wort Gottes findet mindestens 8 verschiedene Synonyme. Zudem auff\u00e4llig, dass die Ausgabe der Lutherbibel nur eine einzige \u00dcberschrift f\u00fcr diesen l\u00e4ngsten aller Kapitel verwendet. Und darin sind 2 Informationen enthalten, die den Psalm 119 wahrscheinlich treffender nicht h\u00e4tten zusammenfassen k\u00f6nnen. Die \u00dcberschrift lautet: <i>\u201eDie Herrlichkeit des Wortes Gottes (Das g\u00fcldene ABC)\u201c<\/i>. Wir erfahren zum einen, worum es darin geht, n\u00e4mlich um die Herrlichkeit des Wortes Gottes, zum anderen erhalten wir einen Hinweis auf den k\u00fcnstlerischen Aspekt, mit dem dieser Psalm verfasst wurde, der leider nur im hebr\u00e4ischen Original zur vollen Entfaltung kommt.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Psalm 119, auch unsere Textpassage, spiegelt auch das Leben seines Verfassers sehr sch\u00f6n wieder. Deshalb wollen wir uns heute einige Fragen stellen: 1) Unter welchen Umst\u00e4nden litt der Psalmist 2) Was schenkte dem Psalmisten Trost in seiner Not 3) Welche praktischen Anwendungen leitete der Psalmist ab.<\/p>\n<p class=\"western\"><b>Erstens \u2013 Unter welchen Umst\u00e4nden litt der Psalmist? (51.53.61)<\/b><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Hierzu wollen wir auf 3 Verse blicken. Zun\u00e4chst Vers 51: <b>\u201eDie Stolzen treiben ihren Spott mit mir; dennoch weiche ich nicht von deinem Gesetz.\u201c<\/b> Der Psalmist litt unter den \u201eStolzen\u201c, die ihren Spott mit ihm trieben. Sie werden als stolz beschrieben, weil sie sich dem gl\u00e4ubigen Psalmisten \u00fcberlegen f\u00fchlten und ihn wiederum erniedrigten. Man k\u00f6nnte den ersten Vers-Teil auch wie folgt \u00fcbersetzen: Die Stolzen bzw. Arroganten spotten mich <span style=\"text-decoration: underline;\">au\u00dferordentlich<\/span>. F\u00fcr den Psalmisten muss es alles andere als einfach gewesen sein, den vehementen Angriffen der Ungl\u00e4ubigen ausgesetzt zu sein. (Heute w\u00fcrde man Mobbing sagen oder religi\u00f6se Diskriminierung). Attacken dieser Art kennen wir aus unserer Zeit nur zu gut. Gl\u00e4ubige bekommen zu h\u00f6ren, wie man im 21. Jhd. an Gott glauben kann. Ob man keine anderen Hobbys habe, als in die Gemeinde zu gehen und Gottes Wort zu studieren. Denke, statt zu glauben\u2026 wird einem vorwurfsvoll angeraten. Nutze dein Hirnschmalz, verlasse dich auf die Wissenschaft, auf das Rationale, nicht auf das Unm\u00f6gliche&#8230; (In den vergangenen Jahren haben wir unsere Infoabende dazu genutzt, um auf solche Vorw\u00fcrfe und Vorurteile einzugehen und zu zeigen, warum gerade der Glaube an Gott und der Glaube an das Wort Gottes die vern\u00fcnftigste Entscheidung und logischste Schlussfolgerung ist, die wir in dieser Welt treffen k\u00f6nnen). Trotz des Spottes seiner Zeitgenossen traf der Psalmist die Entscheidung: <b>\u201edennoch weiche ich nicht von deinem Gesetz\u201c<\/b>.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Er litt offenbar nicht nur unter Verbalattacken. Im Vers 61 berichtet er: <b>\u201eDer Gottlosen Stricke umschlingen mich; aber dein Gesetz vergesse ich nicht.\u201c<\/b> Wir wissen nicht mit 100%iger Sicherheit, ob David diesen Psalm gedichtet hat aber wenn wir an Davids Leben denken, stellen wir fest, dass er mehr war als nur Zielscheibe des Spottes. (Sein Leib war im wahrsten Sinne des Wortes eine Zielscheibe. Saul hatte versucht ihn mit dem Speer zu treffen (Vlg. 1.Sam 20,33)). Mehrfach trachteten ihm seine Feinde nach dem Leben und wollten ihm den Garaus machen. Doch selbst unter solchen Umst\u00e4nden wollte der Psalmist unbeirrt an seiner Entscheidung festhalten: <b>\u201eaber dein Gesetz vergesse ich nicht.\u201c<\/b><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Betrachten wir schlie\u00dflich den Vers 53: <b>\u201eZorn erfasst mich \u00fcber die Gottlosen, die dein Gesetz verlassen.\u201c<\/b> Unter den Gottlosen, die ihm Leid zuf\u00fcgten, befanden sich offenbar nicht nur Heiden, sondern auch j\u00fcdische Genossen, die allerdings Gottes Gesetz bewusst und absichtlich verlie\u00dfen, gottlos wurden und gottlos lebten (vllt. war Saul ein solches Bsp). Als der Psalmist mit ansah, wie Menschen, die Gottes Wesen, Gottes Wort und Gottes Werk besser kennen sollten, als die restliche Welt, sich abkehrten und Gott und seinem Wort den R\u00fccken zuwandten, konnte er nicht neutral bleiben. Er wurde zornig. F\u00fcr \u201eZorn\u201c steht im Hebr\u00e4ischen \u201ebrennende Hitze\u201c. Dieser Ausdruck zeigt die Liebe des Psalmisten zu seinem Gott und sein Interesse f\u00fcr Gottes Volk. Gott war ihm nicht gleichg\u00fcltig, auch das Volk Gottes war ihm nicht gleichg\u00fcltig. Sein (heiliger) Zorn liefert die Best\u00e4tigung.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Wir k\u00f6nnen uns selbst fragen, wie es uns geht, wenn Gottes Name gel\u00e4stert wird, wenn Gottes Wort durch den Dreck gezogen wird und wenn Menschen den Weg des Glaubens verlassen. Bleibt unser Herz kalt und neutral? Dann stimmt etwas nicht; dann sind uns Gott und die Menschen gleichg\u00fcltig. Oder brennt es in unserem Inneren? Daran k\u00f6nnen wir feststellen, wo wir stehen.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Wir haben durch 3 Verse gesehen, worunter der Psalmist zu leiden hatte: Unter den Anfeindungen der Gottlosen. Wir haben auch seine entschiedene Haltung zum Wort Gottes gesehen. Allerdings w\u00e4re es wirklich suboptimal, wenn unser Glaubensleben ausschlie\u00dflich oder gr\u00f6\u00dftenteils aus Traurigkeit und Zorn best\u00fcnde. (Trifft das vllt. zu? Das w\u00e4re auch kein allzu erbauliches Zeugnis, weder f\u00fcr uns noch f\u00fcr andere.)<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Im zweiten Teil wollen wir uns deshalb mit der folgenden Frage besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><b>Zweitens \u2013 Was schenkte dem Psalmisten Trost in seiner Not? (49.50.52.54.55.62.56.57)<\/b><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Betrachten wir zun\u00e4chst den Vers 49: <b>\u201eDenke an das Wort, das du deinem Knecht gabst und lass mich darauf hoffen.\u201c <\/b>Normalerweise m\u00fcssen wir st\u00e4ndig an Gottes Wort erinnert werden. Wie oft und wie schnell vergessen wir sein Wort! Wie schnell vergessen wir z.B. unser Jahresleitwort? Die meisten k\u00f6nnen ein Lied davon singen. Der Dichter sang ein anderes Lied und es hei\u00dft in seinem Psalm: <b>\u201eDenke an das Wort, das du deinem Knecht gabst und lass mich darauf hoffen\u201c<\/b>. Er erinnerte sich sehr gut an das Wort \u2013 h\u00f6chstwahrscheinlich ein Verhei\u00dfungswort -, das Gott ihm einst gegeben hatte. Daran klammerte er sich fest, auch \u00fcber Jahre hinweg, er verga\u00df es nicht, denn es war seine einzige reale Hoffnung und das wusste er. (In letzter Konsequenz und vor letzter Instanz war das Wort Gottes seine letzte und einzige Hoffnung.)<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Betrachten wir Vers 50: \u201e<b>Das ist mein Trost in meinem Elend, dass dein Wort mich erquickt.\u201c<\/b> Im Kontext der 3 Verse aus dem ersten Teil befand er sich im Elend. Diesen Zustand kennen wir, er ist uns weder abstrakt noch trivial, denn jeder von uns wei\u00df, wie es sich anf\u00fchlt, im Elend festzusitzen. Sch\u00f6n w\u00e4re es, wenn unser Elend ausschlie\u00dflich um Jesu Willen und um des Evangeliums Willen verursacht w\u00fcrde (dann h\u00e4tte er etwas heroisch-geistliches an sich) aber in vielen F\u00e4llen sorgen unser Alltag und unser Unverm\u00f6gen im Alltag f\u00fcr hinreichend viel Elend: Unsere S\u00fcndhaftigkeit, unsere Inkonsequenz, unsere Mutlosigkeit.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Elend ist uns nicht fremd. Elend kennen wir nur zu gut und Elend l\u00e4sst sich nicht immer vermeiden. Die Frage ist, wie gehen wir mit unserem Elend um, was machen wir, wenn wir uns mittendrin befinden? Zerbrechen wir daran? D.h. streichen wir die Segel und gehen unter? Oder, zerbrechen wir Gottes Autorit\u00e4t \u00fcber uns? D.h. suchen eine alternative L\u00f6sungen abseits von Gott, um mit dem Elend fertigzuwerden. Das sind typische Negativreaktionen. Der Psalmist aber kennt die L\u00f6sung in seiner Misere: <b>\u201eDas ist mein Trost in meinem Elend, dass dein Wort mich erquickt.\u201c<\/b> Weder er zerbrach, noch Gottes Autorit\u00e4t. Er fand Trost in seinem Elend und wurde durch Gottes Wort erquickt. Das hebr\u00e4ische Wort f\u00fcr erquicken bedeutet wiederbeleben bzw. am Leben erhalten. Und das tat Gottes Wort in ihm. Gottes Wort war eine Wiederbelebung. Gottes Wort richtete ihn wieder auf. Gottes Wort war sein Heilmittel, nach Schicksalsschl\u00e4gen. Dadurch lernen wir Gottes Wort kennen. Gottes Wort ist nicht einfach nur ein Wort. Gottes Wort ist lebendig und hat Kraft, uns Trost zu spenden und lebendig zu machen! Deshalb ist Gottes Wort wirklich unsere einzig wahre Hoffnung und daran k\u00f6nnen wir uns tr\u00f6sten.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Und gerade in der gr\u00f6\u00dften Not zeigt sich, wer sein Leben wirklich auf Gottes Wort gebaut hat und wer nur so getan hat als ob. Die Welt beschert uns Elend und Traurigkeit. Doch selbst wenn die ganze Welt untergeht, so \u00fcberdauert Gottes Wort die Zeit. <b>\u201eHimmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht\u201c.<\/b> (Lk 21,33) verk\u00fcndete Jesus seinen J\u00fcngern. Nur Gottes Wort ist in der Lage, uns die Hoffnung zu geben, die uns wahrhaftig tr\u00f6stet und erquickt.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Wie wurde der Psalmist desweiteren getr\u00f6stet? Betrachten wir den Vers 52: <b>\u201eHerr, wenn ich an deine ewigen Ordnungen denke, so werde ich getr\u00f6stet.\u201c<\/b> \u201eewigen Ordnungen\u201c k\u00f6nnte man auch \u00fcbersetzen mit \u201eewiges Gericht\u201c. Man k\u00f6nnte sich fragen, warum der Psalmist ausgerechnet durch das Nachsinnen \u00fcber das ewige Gericht getr\u00f6stet wurde. Doch dieser Vers steht im Einklang mit dem Gebet der M\u00e4rtyrer in der Offenbarung, die unten am Altar positioniert mit lauter Stimme schrien: <b>\u201eHerr, du Heiliger und Wahrhaftiger, wie lange richtest du nicht und r\u00e4chst nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen?\u201c<\/b> (Offb 6,10) Es gibt viel Unrecht in dieser Welt. Und gerade wenn das Evangelium verk\u00fcndet wird, erntet der Verk\u00fcndiger der frohen Botschaft nicht selten zus\u00e4tzliches Unrecht. F\u00fcr den Psalmisten war der Gedanke an Gottes ewigen Ordnungen, also dass Gott all das B\u00f6se, das in dieser Welt geschieht, nicht einfach toleriert oder \u00fcbersieht, sondern eines Tages auch richtet und seine ewige Gerechtigkeit walten l\u00e4sst, unheimlich tr\u00f6stlich. Und das sollte es auch f\u00fcr uns sein. (Das Gegenteil von Ordnung ist Unordnung. Und das Gegenteil von ewiger Ordnung ist wirklich schrecklich: ewige Unordnung! Als Kinder taten wir uns schwer, unsere Zimmer aufzur\u00e4umen, obwohl wir an der zunehmenden Unordnung litten. Es war einfach nicht sch\u00f6n! Mama konnte immer am besten aufr\u00e4umen. Das war wie ein Wunder, wie sie es fertig brachte, dass es so sauber und ordentlich wurde! Danach war es ein Genuss, wieder Zeit im eigenen Zimmer zu verbringen). Eines Tages, im ewigen Reich, herrschen endlich und ein f\u00fcr alle Mal ewige Ordnung und Gerechtigkeit, uneingeschr\u00e4nkt und vollkommen, zu aller Zufriedenheit, ganz ohne Unordnung. Dieser Gedanke ist wirklich tr\u00f6stlich.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Welchen Trost fand der Psalmist noch? Betrachten wir den Vers 54: <b>\u201eDeine Gebote sind mein Lied im Hause, in dem ich Fremdling bin.\u201c<\/b> Vor zwei Wochen haben wir den Psalmisten bekennen h\u00f6ren: <b>\u201eIch bin ein Gast auf Erden\u201c<\/b> (Ps 119,19). Im Vers 54 versch\u00e4rft und konkretisiert Luther die Formulierung seiner \u00dcbersetzung und benutzt das treffende Wort <b>\u201eFremdling\u201c<\/b>. Der Dichter bekannte: Ich bin ein Fremder! Es ist nicht so sch\u00f6n, ein Fremdling zu sein. Zuhause ist es am Sch\u00f6nsten.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Der wohl bedeutendste Apologet unserer Zeit, Ravi Zacharias, verbringt ca. die H\u00e4lfte des seines Lebens mit Vortragsreisen im In- und Ausland. Er sagt, dass es Zeiten gibt, an denen er es kaum erwarten kann, nachhause zu kommen und seine Familie in die Arme zu schlie\u00dfen. Und manchmal, wenn er von einer langen Reise zur\u00fcckkehrt, kniet er sich nieder und k\u00fcsst den K\u00fcchenboden seines Hauses. Er kommentierte sein Verhalten mit den Worten: Es ist gut, zuhause zu sein. (Die Angelsachsen sagen: Home sweet home. Ein Lied tr\u00e4gt den Titel: Home sweet Alabama. Andere besingen California. Ein anderes Lied, das die Sehnsucht nach der Heimat zum Ausdruck bringt, lautet: 500 miles, indem es hei\u00dft: \u201eLord, I\u2019m one, Lord, I\u2019m two, Lord, I\u2019m three, Lord, I\u2019m four, Lord, I\u2019m five hundret miles away from home&#8230; I\u2019ll be free, I\u2019ll be free, I\u2019ll come to my country, Lord I\u2019m five hundred miles away fro<span lang=\"en-US\">m home\u201d.)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Es ist nicht sonderlich schwer, zu erkennen, dass es zuhause am sch\u00f6nsten ist, allerdings ging die Erkenntnis des Psalmisten weit dar\u00fcber hinaus! <b>\u201eim Hause, in dem ich Fremdling bin\u201c<\/b> wird von anderen Bibelausgaben wie folgt \u00fcbersetzt: <b>\u201esolange ich [&#8230;]auf dieser Erde lebe\u201c<\/b> (NG\u00dc) oder <b>\u201eim Haus meiner Pilgerschaft\u201c<\/b> (EU). Er bezeugt quasi, dass er, wo auch immer er sich auf der Erde befand, ein Fremder war und entsprechend daran zu leiden hatte. Dieses Verst\u00e4ndnis deckt sich mit dem NT-Verst\u00e4ndnis; Petrus nennt die verstreuten Christen <b>\u201eauserw\u00e4hlte Fremdlinge\u201c<\/b> (1.Petr 1,1). Wir Christen sind also in Wirklichkeit von Gott auserw\u00e4hlt, als Fremde in dieser Welt zu leben, weil wir nicht in dieser Welt, sondern woanders, unsere wahre Heimat haben.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Wie ging der Psalmist mit der dazugeh\u00f6rigen Traurigkeit seines Fremdling-Daseins um? Er sagt: <b>\u201eDeine Gebote sind mein Lied im Hause, in dem ich Fremdling bin.\u201c<\/b> <b>\u201eDeine Gebote sind mein Lied\u201c<\/b> bzw. Deine Gebote sind mein Psalm. Jean Calvin kommentiert, dass dieses Lied f\u00fcr den Dichter mehr ist als nur Ausdruck seiner Sehnsucht nach Gott und der ewigen Heimat. Er schreibt: <i>\u201eDer Dichter wiederholt in einer anderen Ausdrucksweise, dass Gottes Gesetz die [\u2026]beste Freude seines Lebens war. Denn Gesang ist ein Zeichen der Freude.\u201c<\/i> (Calvin, Psalm 119, V. 54) Gottes Wort war das Lied des K\u00fcnstlers, welches ihm in der Fremde Freude bereitete. Unser Poet hatte die lebendige Kraft des Wortes Gottes erfahren. Es schenkte ihm Freude in der Einsamkeit, Hoffnung in der Fremde. Gottes Wort war ein helles Licht, in der ihn umgebenden Finsternis. Kein Wunder also, dass er Gottes Wort auf mannigfaltige Weise in seinem Psalm verarbeitet hat. Am liebsten sang er \u00fcber Gottes Wort.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Gottes Wort tr\u00f6stete ihn nicht nur tags\u00fcber. Betrachten wir Verse 55 und 62: <b>\u201eHerr, ich denke des Nachts an deinen Namen und halte dein Gesetz.\u201c<\/b> <b>\u201eZur Mitternacht stehe ich auf, dir zu danken f\u00fcr die Ordnungen deiner Gerechtigkeit\u201c<\/b>. W\u00e4hrend andere schlafen, was man nachts zutun pflegt oder dunkle, s\u00fcndige oder kriminelle Machenschaften in der Stille und Anonymit\u00e4t der Nacht vollbringen, dachte unser Poet an Gottes Namen und hielt sein Gesetz und dankte Gott f\u00fcr die Ordnungen seiner Gerechtigkeit. Das ist ein starkes Zeugnis! Woran denkst du, wenn du nachts wach im Bett liegst? Wie sieht dein \u201eNachtleben\u201c aus, wenn keiner hinschaut? M\u00f6ge Gottes Wort unser ganzes Wesen ansprechen und unser ganzes Leben pr\u00e4gen.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Durch die Verse 56 und 57 lernen wir seine besondere Wertsch\u00e4tzung des Wortes Gottes kennen: <b>\u201eDas ist mein Schatz, dass ich mich an deine Befehle halte.\u201c \u201eIch habe gesagt: Herr, das soll mein Erbe sein, dass ich deine Worte halte.\u201c<\/b> W\u00e4hrend die meisten Menschen mit Schatz und Erbe materielle Dinge verbinden, die auf dem ersten Blick Faszination aus\u00fcben, hatte der Psalmist einen anderen, verborgenen Schatz\/Erbe entdeckt, das auf dem ersten Blick nicht gl\u00e4nzte: Gottes Wort, das er halten wollte! W\u00e4hrend sich andere die K\u00f6pfe einschlagen, um ihren Schatzanteil zu sichern (auch Bodensch\u00e4tze, die zu kriegerischen Auseinandersetzungen f\u00fchren) oder sich um das Erbe streiten und es zu zerbrochenen Beziehungen kommt (es existiert gar ein Erbrecht), konnte der Psalmist durch das Halten des Wortes Gottes sich uneingeschr\u00e4nkt und ohne jegliche Limitierung am g\u00f6ttlichen Wort erfreuen, das ihn auf ewig bereicherte! Was ist das Wort Gottes f\u00fcr uns? Ist es dein Schatz \/ dein Erbe? Halten wir uns bereitwillig daran?<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Schlie\u00dflich lesen wir im Vers 64: <b>\u201eHerr, die Erde ist voll deiner G\u00fcte; lehre mich deine Gebote\u201c<\/b>. Auch dieser Vers zeigt, wie der Verfasser Trost fand: Durch Gottes sch\u00f6pferische Sch\u00f6nheit, mit der er die Welt gemacht hat und durch sein Gnadenwerk unter uns Menschen. Sie zeigen Gottes G\u00fcte, in unserer ansonsten finsteren Welt.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Abschlie\u00dfend zum zweiten Teil k\u00f6nnen wir folgendes Res\u00fcmee ziehen. Trotz Leid und Elend muss unser Leben nicht von Trauer und Elend gepr\u00e4gt sein. Und je mehr wir Gott und seinem Wort Raum in uns geben, umso mehr k\u00f6nnen sie uns tr\u00f6sten und ver\u00e4ndern. Die Frage ist, wie k\u00f6nnen wir das tun? Lasst uns im dritten Teil betrachten, was der Psalmist getan hat.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><b>Drittens \u2013 Welche praktischen Anwendungen leitete der Psalmist ab? (59.60.63)<\/b><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Lesen wir die Vers 59 und 60: <b>\u201eIch bedenke meine Wege und lenke meine F\u00fc\u00dfe zu deinen Mahnungen. Ich eile und s\u00e4ume nicht, zu halten deine Gebote.\u201c<\/b><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Man k\u00f6nnte diese Verse leicht \u00fcberfliegen und den enormen Reichtum ihrer Aussage verpassen. Der Autor schriebt: <b>\u201eIch bedenke meine Wege\u201c<\/b>, d.h. er reflektierte \u00fcber sein Leben, \u00fcber seine Handlungen und Entscheidungen. Das tun nicht viele Menschen. Viele leben in den Tag hinein oder halten ihre Weg f\u00fcr den besten Weg. Selbst wenn sie erkannt haben, dass ihr Weg nicht der Richtige ist, sind viele man\u00f6vrierunf\u00e4hig. Der Psalmist aber schreibt: <b>\u201eund lenke meine F\u00fc\u00dfe zu deinen Mahnungen.\u201c<\/b> Er lernte, das Wort Gottes auf sein Leben anzuwenden und Konsequenzen zu ziehen! F\u00fcr das von Luther verwendete \u201elenke meine F\u00fc\u00dfe\u201c steht im Urtext: \u201eumkehren der F\u00fc\u00dfe\u201c. Er musste also nicht nur eine leichte Korrekturma\u00dfnahme von wenigen Grad vornehmen, also feinjustieren, sondern um 180\u00b0 wenden. Und Vers 60 zeigt uns seine Haltung: <b>\u201eIch eile und s\u00e4ume nicht, zu halten deine Gebote.\u201c<\/b> Er war weder tr\u00e4ge, noch bereitete es ihm gro\u00dfe Schmerzen. Weil er sich von der Wahrheit, Relevanz und Herrlichkeit des Wortes Gottes \u00fcberzeugt hatte, beeilte er sich, seine Wege nach dem Wort Gottes auszurichten. Und das macht auch heute den Unterschied aus, zwischen einem vor sich her d\u00fcmpelnden Christen und einem Gl\u00e4ubigen, der ansprechbar ist f\u00fcr Gott und sein Wort. Auch wenn wir nicht so jemand sind, sollten wir uns von Herzen w\u00fcnschen, so einer zu sein!<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Welche Entscheidung traf er noch? Vers 63 lautet: <b>\u201eIch halte mich zu allen, die dich f\u00fcrchten und deine Befehle halten.\u201c<\/b> Man k\u00f6nnte meinen, der Psalmist w\u00e4re ein Einzelk\u00e4mpfer, ein gl\u00e4ubiger Robinson Crusoe, auf einer kleinen und einsamen Glaubensinsel, umgeben von einem Ozean des Unglaubens. Doch auch er hatte Glaubensgenossen. Und selbst wenn sein Glaube dem Glauben seiner Geschwister \u00fcberragte, wollte er sich zu denen halten, die Gott f\u00fcrchteten und seine Befehle hielten. Er traf also die Entscheidung, in Solidarit\u00e4t und Gemeinschaft zu anderen Gl\u00e4ubigen zu leben, anstatt sein Ding durchzuziehen. F\u00fcr uns ist das ein starker Appell, gerade f\u00fcr unser Gemeindeleben (nat\u00fcrlich auch \u00fcber die Gemeindegrenzen hinaus). Wir sollten erkennen, wie sehr wir uns gegenseitig, als den gemeinschaftlichen Leib Christi ben\u00f6tigen, anstatt uns innerhalb der Gemeinde zu distanzieren. Wenn jemand meint, im besondere Ma\u00dfe vom Geist Gottes erf\u00fcllt zu sein, sollte er sich von anderen in der Gemeinde, die ebenfalls Gott lieben und Gottes Wort lieben, nicht distanzieren, sondern einander in Demut annehmen. Das Gleiche gilt f\u00fcr diejenigen, die meinen, anderen im geistlichen Verst\u00e4ndnis, der pers\u00f6nlichen Reife, den Glaubenswerken etc. \u00fcberlegen zu sein. Der Psalmist suchte Solidarit\u00e4t und Gemeinschaft und nicht die Distanz. Gott m\u00f6chte diese Gemeinschaft gebrauchen, um uns zu erbauen und zu ermutigen. M\u00f6ge er in gleicher Weise seinen Segen \u00fcber unsere Gemeinde aussch\u00fctten.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Zum Schluss wollen wir uns noch den Vers 58 vor Augen f\u00fchren: <b>\u201eIch suche deine Gunst von ganzem Herzen; sei mir gn\u00e4dig nach deinem Wort.\u201c<\/b> W\u00f6rtlich \u00fcbersetzt w\u00fcrde der Vers in etwa so klingen: Von ganzem Herzen sehne ich mich nach deinem Angesicht, bis ich schwach und krank werde; sei mir gn\u00e4dig nach deinem Wort.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Auf der einen Seite sehen wir die gro\u00dfe Sehnsucht nach Gott. Auf der anderen Seite sehen wir, dass der Psalmist Gott darum bat, ihm gn\u00e4dig zu sein. Und er wusste: Gottes Wort ist die Quelle dieser Gnade! Ansonsten k\u00f6nnte man den falschen Eindruck erlangen, dass er durch seinen perfektionistischen Gehorsam seinen Weg zu Gott fand. In Wirklichkeit ist jeder Mensch auf die Gnade Gottes angewiesen. Und es ist Gottes eigens Wort, das uns diese Gnade vermittelt. Allen voran das Wort des Evangeliums, das durch und durch von Gnade durchtr\u00e4nkt ist und vor Gnade trieft.<\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\">Wir wollen die Predigt christologisch abschlie\u00dfen, denn niemals haben wir so gro\u00dfe Gnade gesehen, wie durch Jesus Christus, der als Gottes Wort Fleisch geworden ist und zu uns kam, der an unserer Stelle gespottet wurde, an unserer Stelle von den Stricken der Gottlosen umschlungen ward, an unserer Stelle das Gericht empfing, an unserer Stelle alles in Ordnung brachte und deshalb wirklich tr\u00f6sten kann, weil er Gottes G\u00fcte in die Welt gebracht hat. Und dieses Wort des Evangeliums, das uns diese Gnadenbotschaft vermittelt, ist wirklich unser Schatz und Erbe, das wir lieben, halten und verbreiten sollten wie nichts anderes auf der Welt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Deine Gebote sind mein Lied \u201eDeine Gebote sind mein Lied im Hause, in dem ich Fremdling bin.\u201c (54) Psalm 119 ist nicht nur der L\u00e4ngste von 150 Psalmen, sondern bekanntlich auch das l\u00e4ngste Kapitel der gesamten Bibel. Kein anderes Kapitel mehr als 100 Verse. 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