{"id":3541,"date":"2015-10-04T11:00:55","date_gmt":"2015-10-04T09:00:55","guid":{"rendered":"http:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=3541"},"modified":"2022-11-18T12:22:05","modified_gmt":"2022-11-18T11:22:05","slug":"predigt-psalm-11917-32-%d7%92-gimel-%d7%93-daleth","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-psalm-11917-32-%d7%92-gimel-%d7%93-daleth\/","title":{"rendered":"Predigt: Psalm 119,17 \u2013 32 (\u05d2 Gimel \u05d3 Daleth)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Ps119-17-32_P02.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">G\u00e4ste auf Erden<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eIch bin ein Gast auf Erden; verbirg deine Gebote nicht vor mir.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">Psalm 119,19<\/p>\n<p>Es war einmal vor vielen Jahren ein kleiner Junge, der zu einer Geburtstagsfeier eingeladen war. Und weil der Junge etwas doof war, beging er gleich drei Fehler, noch bevor er sich auf den Weg machte. Er ging los, ohne auf einer Karte nachzuschauen, wohin er musste. Der n\u00e4chste Fehler war, dass er sich noch nicht einmal die Adresse eingepr\u00e4gt hatte, als er losging. Und der dritte Fehler war nat\u00fcrlich, dass er sich viel zu sp\u00e4t auf den Weg machte. Unterwegs zur Geburtstagsfeier traf er auf das Haus eines anderen Freundes, der nicht zur Feier eingeladen war, der aber wusste, wo das Geburtstagskind wohnte. Dort erfuhr der kleine Junge erst einmal die Adresse. Aber er wusste immer noch nicht, wo sich die Stra\u00dfe befand. Und so machte er sich weiter auf den Weg und fragte ein halbes Dutzend Passanten nach der Adresse. Was der kleine Junge nicht wusste, war, dass die Stra\u00dfe einige un\u00fcbersichtliche Verzweigungen hatte und es nicht ganz einfach war, das richtige Haus zu finden. Und so kam es dazu, dass er mit einer Stunde Versp\u00e4tung auf der Geburtstagsfeier ankam und bei Ankunft fast anfing zu weinen. Der Gastgeber hatte sich in der Zwischenzeit schon Sorgen gemacht und die ganze Feier war um eine Stunde verschoben worden. Und die Moral der Geschichte? Es hat Vorteile zu wissen, was das Ziel ist und wie man zum Ziel kommt, bevor man sich auf den Weg macht.<br \/>\nWir befinden uns im l\u00e4ngsten Kapitel der Bibel. Es wird uns noch einige Wochen und Monate besch\u00e4ftigen. Und eine der gro\u00dfen Herausforderungen im Text ist es, aus den vielen einzelnen Versen eine zusammenh\u00e4ngende Aussage zu finden. In dem Text heute ist es vielleicht etwas einfacher. Ein Wort, das sich in unserem Text besonders h\u00e4ufig wiederholt, ist \u201eWeg\u201c. Beim Bibelstudium hatte Andreas darauf aufmerksam gemacht, dass das hebr\u00e4ische Wort f\u00fcr \u201eWeg\u201c mit dem Buchstaben Daleth anf\u00e4ngt. Daleth ist der Anfangsbuchstabe f\u00fcr die Verse 25-32. In den Versen 25-32 kommt das Wort \u201eWeg\u201c f\u00fcnfmal vor.<br \/>\nIn Psalm 119 ist \u201eWeg\u201c eines der Hauptthemen. Nicht nur Psalm 119, die Bibel vergleicht unser Leben immer und immer wieder mit einem Weg. Was bedeutet das f\u00fcr uns? Zum einen bedeutet es, dass unser Leben nicht statisch ist. Unser Leben ist dynamisch. Wir bewegen uns auf etwas zu. Jeder von uns befindet sich auf einem Weg. Jeder von uns ist unterwegs zu einem Ziel. Weg impliziert noch etwas anderes. Oftmals w\u00fcnschten wir uns, dass wir etwas schneller ans Ziel kommen k\u00f6nnten. Oft ist es so, dass wir einfach nur von einem zum anderen Ziel gebeamt werden wollen wie bei StarTrek. Aber das Leben funktioniert nicht so. Unser Leben besteht oft aus vielen monotonen Abl\u00e4ufen: Kinder, die in die Schule gehen; Leute, die sich auf die Arbeit machen; Einkaufen, W\u00e4sche machen, Kochen. Alles das ist so repetitiv. Jahrein jahraus jeden Tag dasselbe. Oder anders gesagt, unser Leben schreitet in kleinen Schritten voran: links, rechts, links, rechts. Aber dann gibt es diese Momente, in denen man sich umschaut und feststellt, wie unglaublich schnell die Zeit vergangen ist.<br \/>\nInwiefern sind wir alle auf dem Weg? Vers 19 sagt: \u201eIch bin ein Gast auf Erden; verbirg deine Gebote nicht vor mir.\u201c Andere \u00dcbersetzungen sagen statt Gast \u201eFremder\u201c oder \u201eFremdling\u201c. Diese Welt ist nicht unser Zuhause. Wir sind hier lediglich G\u00e4ste und Fremdlinge. Und wir sind auf Durchreise. Wir sind Pilger. Christen glauben daran, dass sie unterwegs zu ihrem wahren Zuhause sind. Was sagt unser Text \u00fcber unser Leben als G\u00e4ste auf Erden? Auf drei Dinge m\u00f6chte ich aufmerksam machen. Erstens, die Traurigkeit, zweitens, der Weg, und drittens, der Trost von G\u00e4sten auf Erden.<\/p>\n<p>Erstens, die Traurigkeit von G\u00e4sten auf Erden<br \/>\nWenn wir unseren Text beobachten f\u00e4llt uns auf, an wie vielen Stellen von Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit die Rede ist. Vers 20: \u201eMeine Seele verzehrt sich nach deinen Ordnungen allezeit.\u201c Robert Alter ist ein Professor und Experte f\u00fcr Hebr\u00e4isch, der Teile des AT \u00fcbersetzt hat. (Ich werde ihn noch \u00f6fter zitieren). Alter schreibt, dass das hebr\u00e4ische Verb garas nur an dieser Stelle in der gesamten Bibel vorkommt. Er \u00fcbersetzt es folgenderma\u00dfen: \u201eich welke dahin vor Verlangen&#8230;\u201c Es ein Ausdruck von unerf\u00fcllter Sehnsucht ist.<br \/>\nDer Psalmist litt auch wegen anderen Menschen. Ganz offensichtlich hatte er Anfeindungen und Erniedrigung durch andere erlebt. Vers 21-22: \u201eDu schiltst die Stolzen; verflucht sind die von deinen Geboten abirren. Wende von mir Schmach und Verachtung&#8230;\u201c Andere \u00dcbersetzungen sprechen von Schimpf und Schande. Wir sehen auch, dass die Menschen, von denen er Verachtung bekam, m\u00e4chtig waren. Vers 23: \u201eF\u00fcrsten sitzen da und reden wider mich; aber dein Knecht sinnt nach \u00fcber deine Gebote.\u201c Und weiter geht es mit Vers 25: \u201eMeine Seele lieg im Staube.\u201c Andere \u00dcbersetzungen, die etwas n\u00e4her am Urtext sind \u00fcbersetzen hier: \u201eMeine Seele klebt am Staub.\u201c Das ist ein ziemlich starker Ausdruck f\u00fcr Verzweiflung. Und wir lesen in Vers 28: \u201eIch gr\u00e4me mich, dass mir die Seele verschmachtet.\u201c Der Ausdruck \u201esich gr\u00e4men\u201c ist Lutherdeutsch, das heute niemand mehr verwendet. Bessere \u00dcbersetzung w\u00e4re hier: \u201eMeine Seele weint vor Kummer\u201c oder \u201eKeinen Schlaf findet meine Seele vor Kummer\u201c oder Robert Alter\u2019s dramatischere \u00dcbersetzung: \u201emein Wesen l\u00f6st sich in Seelenqualen auf.\u201c Vers 31 enth\u00e4lt das Gebetsanliegen: \u201eHERR, lass mich nicht zuschanden werden.\u201c<br \/>\nManche von den Traurigkeiten, die der Verfasser erfahren hatte, kommen uns bekannt vor, andere eher nicht. Vielleicht hat der eine oder andere von uns Ausgrenzung erfahren. Vielleicht wissen wir wie es sich anf\u00fchlt, wenn man gemobbt wird; wenn man au\u00dfen vor gelassen wird; wenn man isoliert und einsam ist. Vielleicht kennen wir zu einem gewissen Ausma\u00df das, was der Psalmist Schmach und Verachtung nennt. Auf der anderen Seite hat wahrscheinlich niemand von uns erlebt, dass F\u00fcrsten und K\u00f6nige sich gegen uns verschw\u00f6ren. Manche von uns haben vielleicht etwas Verfolgung erfahren. Aber niemand von uns hat erlebt, wie sich die M\u00e4chtigen gegen uns verschw\u00f6ren. Das Ausma\u00df der Verfolgung, die der Psalmist erfahren hat, ist uns fremd. Aber das macht das Ganze sehr tr\u00f6stlich. Egal wie traurig oder niedergeschlagen wir sind, wir d\u00fcrfen wissen, dass das, was die biblischen Autoren durchgemacht haben, weitaus schlimmer war. Es gibt in unserem Leben keine tragischen Ereignisse, die nicht auf die ein oder andere Art und Weise schon vom Psalmisten erlebt wurden. Sie sind die Pioniere im Leiden, nicht wir. Und deshab gibt es kein Problem, auf das die Bibel nicht schon eine Antwort hat.<br \/>\nFrage an die Gemeinde: wer von uns war diese Woche traurig? Diejenigen von uns, die diese Woche traurig waren, erinnern wir uns noch, weshalb wir traurig waren? Sehen wir uns noch einmal den Vers 19 an: \u201eIch bin ein Gast auf Erden; verbirg deine Gebote nicht vor mir.\u201c Die Traurigkeit des Psalmisten hatte etwas damit zu tun, dass er ein Gast auf Erden ist. Gast zu sein, klingt auf der einen Seite ganz angenehm. Aber in vielerlei Hinsicht ist es das \u00fcberhaupt nicht. Gast zu sein, kann sehr anstrengend sein. Wie in der Einleitung erw\u00e4hnt, habe ich gesagt, dass Fremdling oder Ausl\u00e4nder eine viel bessere \u00dcbersetzung ist. Wir haben zur Zeit in Europa eine immense Fl\u00fcchtlingskrise. Die Menschen kommen aus Krisengebieten und Konfliktherden auf der Suche nach einem neuen Zuhause, weil ihr eigenes Zuhause in Schutt und Asche aufgegangen ist. W\u00e4hrend die meisten Fl\u00fcchtlinge, die in Deutschland Asyl beantragen, wirklich froh dar\u00fcber sind, an einem besseren Ort zu sein, sind die meisten Menschen nicht gl\u00fccklich. Ein Syrer aus Damaskus sagte in einem Gespr\u00e4ch mit Spiegel Online: \u201eIch m\u00f6chte mit meiner Familie f\u00fcr immer hier leben, und ich sch\u00e4me mich, dass ich zurzeit Hilfe von Deutschland annehmen muss.\u201c Das ist sehr sympathisch und irgendwie auch sehr verst\u00e4ndlich. Damals war die Situation von Fremdlingen in einem Land noch weitaus schlimmer. Fremdlinge waren sozial fast immer in der untersten Schicht und sehr oft auch Sklaven. Wie k\u00f6nnte man als Gast auf Erden wirklich rundum zufrieden und gl\u00fccklich sein?<br \/>\nTraurigkeit hat etwas damit zu tun, Fremde zu sein. Was bedeutet das dann f\u00fcr uns? Meine These ist, dass dasselbe auch f\u00fcr uns gilt. Jede Traurigkeit, die wir hatten und haben, hat etwas damit zu tun, dass wir G\u00e4ste und Fremde auf Erden sind; dass dies nicht unser wahres Zuhause ist. Selbst in den sch\u00f6nsten und besten Momenten unseres Lebens, selbst in den besten Freundschaften und den besten Ehen, gibt es immer eine Spur von Traurigkeit. Henry Nouwen schrieb dazu: \u201eUnser Leben ist eine kurze Zeit in Erwartung, eine Zeit, in welcher sich Traurigkeit und Freude an jedem Moment k\u00fcssen. &#8230; Es scheint, als ob es keine eindeutige, reine Freude gibt, sondern dass wir selbst in den gl\u00fccklichsten Momenten unserer Existenz einen Hauch Traurigkeit f\u00fchlen. In jeder Zufriedenheit besteht das Bewusstsein, dass Zufriedenheit begrenzt ist. In jedem Erfolg ist die Furcht der Eifersucht. Hinter jedem L\u00e4cheln ist eine Tr\u00e4ne. In jeder Umarmung ist Einsamkeit. In jeder Freundschaft ist Distanz. Und in jeder Form von Licht wissen wir \u00fcber die umliegende Finsternis. Freude und Traurigkeit sind so nahe beieinander wie die brillanten Farben der Bl\u00e4tter eines Herbstes in Neuengland und der karge Anblick von kahlen B\u00e4umen.\u201c Nouwen hat Recht. Eigentlich gibt es keinen Augenblick in unserem Leben, an dem wir nicht irgendwie traurig sind. Und diese Tatsache weist darauf hin, dass unser tempor\u00e4res Leben hier auf Erden nicht alles ist.<br \/>\nC.S. Lewis hat es so formuliert: \u201eWenn ich in mir ein Verlangen vorfinde, das keine Erfahrung in dieser Welt befriedigen kann, dann ist die wahrscheinlichste Erkl\u00e4rung, dass ich f\u00fcr eine andere Welt geschaffen wurde. Wenn keine irdischen Vergn\u00fcgen mich zufrieden machen k\u00f6nnen, bedeutet es nicht, dass dieses Universum ein Betrug ist. Vermutlich waren irdische Freuden niemals dazu gedacht, zufrieden zu stellen, sondern unser Verlangen zu wecken, und auf die wahren Dinge hinzuweisen. Wenn dem so ist, dann muss ich auf der einen Seite aufpassen, die irdischen Segen niemals zu verachten oder undankbar daf\u00fcr zu sein und auf der anderen Seite niemals den Fehler zu machen, sie mit dem zu verwechseln, von dem sie lediglich eine Kopie, ein Echo und eine Spiegelung von sind.\u201c Als Fremdlinge hier auf Erden wird Kummer unser st\u00e4ndiger Begleiter sein.<br \/>\nWir sehen einen weiteren wichtigen Punkt: Traurigkeit geh\u00f6rt genau so zum christlichen Leben wie Freude. Traurigkeit und Niedergeschlagenheit sind keine S\u00fcnde. Im Gegenteil. Es gibt Bereiche in unserem Leben, wo wir eigentlich noch viel trauriger sein sollten, als wir es jetzt sind. Kummer und Leid geh\u00f6ren zum Leben dazu. Im Bezug auf Traurigkeit gibt es zwei Fehler, die man machen kann. Der eine Fehler ist, dass man alle Traurigkeit ignoriert; dass man alle Traurigkeit verdr\u00e4ngt: \u201eProbleme? Ich habe keine Probleme. Du hast vielleicht Probleme aber ich nicht!\u201c Der andere Fehler, den man mit Traurigkeit machen kann, ist ohne Hoffnung zu trauern; dass die Traurigkeit das Herz bitter macht; dass Traurigkeit zu Selbstmitleid und Lieblosigkeit f\u00fchrt. Beide Fehler waren dem Psalmisten fremd. Auf der einen Seite sehen wir, dass er wirklich ehrlich mit seinen Gef\u00fchlen und Emotionen umgehen konnte. Er ignorierte seine Gef\u00fchle nicht; er verleugnete seine Gef\u00fchle nicht; stattdessen betete er seine Gef\u00fchle. Auf der anderen Seite machte seine Trauer niemals bitter oder erb\u00e4rmlich. Wir folgern daraus, dass Traurigkeit unvermeidlich ist, aber dass es gute Formen und schlechte Formen von Kummer gibt.<\/p>\n<p>Zweitens, der Weg<br \/>\nWenn Traurigkeit ein unvermeidlicher Bestandteil unseres Lebens ist, dann ist die n\u00e4chste Frage, was wir mit unserem Kummer tun sollen. Vorhin habe ich gesagt, dass der Psalmist seine Traurigkeit betete. Er kam mit seinem unerf\u00fcllten Verlangen, mit seinen Sorgen, mit seiner Frustration, mit seinen Problemen zu Gott. Wir sehen in Vers 19: \u201eIch bin ein Gast auf Erden; verbirg deine Gebote nicht vor mir.\u201c Vers 22: \u201eWende von mir Schmach und Verachtung;\u201c Vers 25: \u201eMeine Seele liegt im Staube; erquicke mich nach deinem Wort.\u201c Vers 28: \u201eIch gr\u00e4me mich, dass mir die Seele verschmachtet; st\u00e4rke mich nach deinem Wort.\u201c Und Vers 31: \u201eHERR, lass mich nicht zuschanden werden!\u201c Das ist das eine, was der Psalmist tat. Er klagte, aber tat es vor Gott. Er weinte, aber er weinte vor Gott. Er beschwerte sich, aber er tat es vor Gott. Er betete alle seine Leiden und Schmerzen. Beten war die eine geistliche Disziplin.<br \/>\nDie andere Disziplin ist das Studium von Gottes Wort. In der Einleitung habe ich erw\u00e4hnt, dass Weg eines der Hauptthemen von Psalm 119 ist. Und das gilt umso mehr f\u00fcr die Verse 25-32. Der Anfangsbuchstabe f\u00fcr diese 8 Verse ist daleth. Das hebr\u00e4ische Wort f\u00fcr Weg beginnt mit diesem Anfangsbuchstaben. F\u00fcnfmal werden wir daher mit dem Wort \u201eWeg\u201c konfrontiert. Vers 26: \u201eIch erz\u00e4hle dir meine Wege und du erh\u00f6rst mich; lehre mich deine Gebote.\u201c Vers 27: \u201eLass mich verstehen den Weg deiner Befehle, so will ich reden von deinen Wundern.\u201c Vers 29: \u201eHalte fern von mir den Weg der L\u00fcge und gib mir in Gnaden dein Gesetz.\u201c Vers 30: \u201eIch habe erw\u00e4hlt den Weg der Wahrheit, deine Weisungen hab ich vor mich gestellt.\u201c Vers 32: \u201eIch laufe den Weg deiner Gebote.\u201c<br \/>\nWas ist dann der Weg Wahrheit? Was ist der Weg von Gottes Geboten? Wie hilft uns Gottes Wort bei der Navigation auf Erden? Was sagt uns Gottes Wort \u00fcber uns und \u00fcber diese Welt? Wie sollen wir leben? Das sind Themen, \u00fcber die man eine ganze Serie an Predigten halten k\u00f6nnte. Ich m\u00f6chte hier nur ganz kurz auf drei Beispiele eingehen: was die Bibel \u00fcber uns sagt, was die Bibel \u00fcber die Welt sagt und was die Bibel dar\u00fcber sagt, wie wir unser Leben f\u00fchren sollen.<br \/>\nWas sagt die Bibel \u00fcber uns? Wenn wir Leute befragen, was sie \u00fcber den Menschen denken, bekommen wir eine Bandbreite von Antworten zu h\u00f6ren. Viele Menschen w\u00fcrden folgendes antworten: \u201eIch glaube daran, dass der Mensch tief in seinem Innersten gut ist. (Er verh\u00e4lt sich nur nicht so).\u201c Oder andere w\u00fcrden sagen: \u201eIch glaube daran, dass der Mensch ein Schuft ist. (D.h., alle Menschen au\u00dfer ich und die Leute, die ich mag).\u201c An beiden Antworten ist etwas dran. Trotzdem gehen beide Antworten komplett an der Realit\u00e4t vorbei, weil sie alles andere als tief genug sind. Aber die Bibel sagt uns auf der einen Seite, dass wir nach dem Bild Gottes geschaffen sind. Und das verleiht dem Menschen eine einzigartige W\u00fcrde. Der Mensch war perfekt und vollkommen. Auf der anderen Seite offenbart die Bibel wie kein anderes Buch das B\u00f6se und das H\u00e4ssliche im Menschen. Als der gro\u00dfe Erweckungsprediger George Whitefield \u00fcber den Menschen als S\u00fcnder sprach, sagte er, dass der Mensch halb Tier und halb Teufel ist. Ich kenne keine andere Weltanschauung, in der beides so gehaltvoll, so realit\u00e4tsnah und so kompromisslos in die Tiefe gelehrt wird: die Herrlichkeit und die W\u00fcrde des Menschen als Gesch\u00f6pf nach dem Bild Gottes und die abgrundtiefe Bosheit und Schlechtigkeit und Niedertr\u00e4chtigkeit des Menschen durch seine S\u00fcnde.<br \/>\nWas sagt die Bibel \u00fcber die Welt? Wenn wir hier nur G\u00e4ste und Fremdlinge auf Erden sind, dann ist die logische Schlussfolgerung, dass unser wahres Zuhause erst noch kommt. Sowohl Henry Nouwen als auch C.S. Lewis haben argumentiert, dass unsere jetzige Traurigkeit und unser jetziger Kummer ein ganz starker Hinweis darauf sind, dass dieses Leben im Hier und Jetzt nicht alles ist. In einem Assay schrieb C.S. Lewis folgendes: \u201eWenn du von dieser Welt glaubst, dass sie nur f\u00fcr unser Gl\u00fcck geschaffen wurde, dann wirst du sie nicht zum Aushalten finden: halte sie f\u00fcr ein Platz zur Ausbildung und zur Besserung und dann ist es nicht so schlimm.\u201c Und dann gebrauchte C.S. Lewis folgendes Bild: stellen wir uns eine Gruppe von Menschen im selben Geb\u00e4ude vor. Die eine H\u00e4lfte der Menschen denkt, dass dieses Geb\u00e4ude ein Hotel ist. Die andere H\u00e4lfte der Menschen denkt, dass es ein Gef\u00e4ngnis ist. Diejenigen, die denken, dass das Haus ein Hotel ist, werden das Haus unausstehlich finden. Diejenigen, die das Haus f\u00fcr ein Gef\u00e4ngnis halten, werden davon \u00fcberrascht sein, wie gem\u00fctlich es ist. Die Schlussfolgerung ist daher, dass die anfangs h\u00e4ssliche Annahme diejenige ist, die das Haus sehr ertr\u00e4glich erscheinen l\u00e4sst. Diese Welt dient gewisserma\u00dfen unserer Ausbildung und unserer Besserung. Aber die wahre Welt kommt erst noch.<br \/>\nHier ist ein ganz essentieller Punkt: Unsere Welt ist eine gefallene Welt, aber gleichzeitig ist diese Welt immer noch Gottes Sch\u00f6pfung. Es ist so einfach als religi\u00f6se Leute zu sagen, dass die Welt einfach nur schlecht ist. Wie oft treffen wir auf Christen, die sagen, dass alle menschliche Kultur, Musik, Kunst, Literatur niedertr\u00e4chtig ist. Wie oft treffen wir auf Christen, die hinter jedem Osterhasen und Weihnachtsmann irgendetwas D\u00e4monisches und B\u00f6ses sehen. Oft werden Christen zurecht als bildungsfern, anti-intellektuell, anti-kulturell und als verurteilende Schlechtmacher angesehen.<br \/>\nNancy Pearcey, eine christliche Autorin, berichtet in ihrem Buch \u201eTotal Truth\u201c dar\u00fcber, wie sie durch Francis Schaeffer zum Glauben kam. Was sie an Francis Schaeffer zutiefst beeindruckte, war die Tatsache, dass er mit aller menschlichen Kunst, gro\u00dfz\u00fcgig umgehen konnte; dass er in der Lage war, allem, etwas Sch\u00f6nes abzugewinnen, wo immer das auch m\u00f6glich war. Sie schrieb: \u201eSchaeffer konnte die Aufmerksamkeit auf die k\u00fcnstlerische Qualit\u00e4t eines Gem\u00e4ldes aus der Renaissance lenken auch wenn er gleichzeitig die Weltanschauung des autonomen Humanismus der Renaissance kritisierte, die das Gem\u00e4lde ausdr\u00fcckte. Er w\u00fcrde die Farben und Komposition eines expressionistischen Gem\u00e4ldes, oder die technische Qualit\u00e4t eines Bergman Filmes, oder die Musikalit\u00e4t in einem Rock-Song anerkennen, selbst w\u00e4hrend er die relativistische oder nihilistische Weltanschauung identifizierte, die darin zum Ausdruck kamen.\u201c Schaeffer konnte das tun, weil er an das glaubte, was die Bibel lehrt: Gottes G\u00fcte und Kreativit\u00e4t und Herrlichkeit, die in einer gefallenen und kaputten Welt immer noch \u00fcberall durchscheint. Das sollte die Haltung von Christen zu dieser Welt sein.<br \/>\nMit welcher Einstellung sollen wir dann leben? Derek Kidner kommentierte, dass die drei Verben, die wir in den Versen 30-32 finden, eine Zusammenfassung des christlichen Lebens sind. Sehen wir uns noch einmal diese Verse an. Die drei Verben sind erw\u00e4hlen, halten, laufen. Es beginnt mit einer Entscheidung, die wir treffen m\u00fcssen. Wir entscheiden uns f\u00fcr Gott, f\u00fcr seine Wahrheit, f\u00fcr seine Realit\u00e4t. Wir halten uns daran fest, durch Studium von Gottes Wort, durch das Gebet. Und wir laufen dann auf diesen Weg. Das sind die drei Dinge, die wir tun sollen. Aber wir tun diese Dinge nicht alleine und nicht aus eigener Kraft und noch nicht einmal aus eigenem Impuls. Wir kommen zum dritten Teil.<\/p>\n<p>Drittens, der Trost<br \/>\nDie Frage ist dann: wie k\u00f6nnen wir uns f\u00fcr Gott entscheiden, wie k\u00f6nnen wir uns an ihm festhalten, und wie k\u00f6nnen wir laufen? Beide Abschnitte, die wir heute betrachtet haben, haben eher einen traurigen Charakter. Aber trotzdem haben beide ein erfreuliches Ende. In Vers 24 hei\u00dft es: \u201eIch habe Freude an deinen Mahnungen; sie sind meine Ratgeber.\u201c Und in Vers 32 hei\u00dft es: \u201eIch laufe den Weg deiner Gebote; denn du tr\u00f6stest mein Herz.\u201c Beide Male findet der Psalmist seine Freude wieder und seinen Trost. Die Frage ist dann: wie genau tr\u00f6stet uns Gottes Wort? Zwei Dinge m\u00f6chte ich dazu sagen und die Predigt damit abschlie\u00dfen.<br \/>\nZum einen, Gottes Wort macht uns darauf aufmerksam, dass das wahre Zuhause erst noch vor uns liegt. Hier in der Welt sind unsere besten und sch\u00f6nsten Beziehungen begrenzt und sind gepr\u00e4gt von Abschied. Letztes Jahr haben wir von Birgit Abschied nehmen m\u00fcssen. Aber in der kommenden Welt werden alle Freundschaften, alle Beziehungen ihr vollstes und sch\u00f6nstes Potential entfalten. Und wir werden niemals Abschied nehmen m\u00fcssen. Hier in dieser Welt leiden wir unter allen m\u00f6glichen k\u00f6rperlichen Krankheiten, an denen wir fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zugrunde gehen werden. Aber in der kommenden Welt werden wir K\u00f6rper haben, die nicht krank werden, die nicht m\u00fcde werden, die von einer Sch\u00f6nheit und Herrlichkeit sind, die diese Welt nicht kennt. Hier in dieser Welt sind wir als Kinder Gottes vor allem traurig und zerbrochen wegen unserer S\u00fcnde, die wir ungewollt, unvermeidlich, in Gedanken, Tagen und Worten begehen. Aber in der kommenden Welt werden wir nicht l\u00e4nger in der Lage sein zu s\u00fcndigen; wir k\u00f6nnen uns noch nicht einmal vorstellen, wie eine solche Welt aussieht. Hier in der Welt ist unser Leben viel zu oft gepr\u00e4gt von Egoismus und Selbstzentriertheit, auch wenn wir das nicht mehr wollen. Aber in der kommenden Welt ist unser ganzes Leben Gott-zentriert: Gott selbst ist der herrlichste Bewohner der himmlischen Stadt. Wir werden ihn zu jeder Zeit von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gem\u00fct und mit allen unseren Kr\u00e4ften lieben zur unserer vollkommenen Freude und zu seiner Ehre.<br \/>\nWenn der Tag kommt, wenn wir einziehen durch die Tore einziehen werden in diese Stadt, wird eines unserer ersten Gedanken sein: \u201eEndlich zu Hause. Hier ist meine wahre Heimat.\u201c Das ist der eine Trost f\u00fcr unsere Zeit hier auf Erden: wir haben eine Hoffnung, die unersch\u00fctterlich ist.<br \/>\nZum anderen, Gottes Wort weist auf die Person hin, die ihr Zuhause verlassen hat, um uns ein wahres Zuhause zu schenken. Die These dieser Predigt war es, dass Traurigkeit unser st\u00e4ndiger Begleiter ist, weil wir Fremdlinge sind. Die Bibel lehrt uns, dass wir als Fremdlinge niemals allein sind. Viele Jahrhunderte, nachdem dieser Psalm geschrieben wurde, kam Gott selbst als der ultimative Gast auf Erden. In Deutschland macht man sicher dar\u00fcber Gedanken, wie man die Fl\u00fcchtlinge unterbringen kann. Als Jesu auf die Erde kam, gab es noch nicht einmal ein Zimmer in der Herberge f\u00fcr ihn. Er wurde in einem Stall geboren und in eine Krippe gelegt. Viele Syrer fliehen nach Deutschland weil ihr Diktator solche Angst um seine Macht hat, dass er sein eigenes Volk mit Fassbomben angreift. Jesus musste vor dem Diktator seiner Zeit fliehen, weil er Herodes dabei war, in Bethlehem ein Blutbad unter Kindern anzurichten. Jesus war ein Fremder und Fl\u00fcchtling auf Erden. Jesus erfuhr, was es bedeutet, von anderen Menschen ausgegrenzt und gehasst zu werden. Er wurde als Gast getreten, geschlagen und misshandelt.<br \/>\nDer Psalmist betete in Vers 22, dass Gott Schmach und Verachtung abwenden w\u00fcrde. Aber von Jesus wurden Schmach und Verachtung nicht abgewendet. Jesus erfuhr sie von seinem Volk, das ihn lieben und ehren sollte. Der Psalmist beklagte in Vers 23 F\u00fcrsten, die gegen ihn redeten. Bei Jesus sehen wir, wie sich alle M\u00e4chtigen seiner Zeit verb\u00fcndet hatten, ihn zu beseitigen. Der Psalmist sagte in Vers 25, dass seine Seele im Staub klebt. Niemand wurde tiefer in den Staub getreten als Jesus. Jesu Seele weinte vor Schmerz, seine Seele verschmachtete. Und warum? Weil Gott durch Jesus Christus Traurigkeit ein f\u00fcr alle Mal vernichten wollte, ohne uns zu vernichten. In Jesus richtete Gott das B\u00f6se ohne uns zu richten. Gott zerst\u00f6rte Unrecht und Ungerechtigkeit, ohne uns Ungerechte zu zerst\u00f6ren. Was bedeutet es dann f\u00fcr uns?<br \/>\nEs bedeutet zum einen, dass wir unsere Reise nicht allein antreten. In Jesus sind wir mit einer Person konfrontiert, die wei\u00df, was es bedeutet niedergeschlagen zu sein, am Boden zu liegen, traurig zu sein und Kummer zu haben. Jesus wei\u00df es besser als jeder andere Mensch und Jesus wei\u00df es aus eigener Erfahrung. Diesen Begleiter haben wir an unserer Seite. Er wird uns niemals verlassen oder von uns weichen. Es bedeutet zum anderen, dass wir ihm wirklich vertrauen d\u00fcrfen. Gott gibt uns keine philosophische Antwort auf unser Leiden. Stattdessen schenkt er uns eine Person, die f\u00fcr uns und an unserer Stelle unendlich Schlimmeres erduldet hat. Und wir k\u00f6nnen und d\u00fcrfen dieser Person von ganzem Herzen vertrauen, weil wir am Kreuz erkennen, dass Gott es unendlich gut mit uns meint.<br \/>\nKennen wir diesen Jesus? Kennen wir den Jesus von dem das ganze AT spricht? Kennst du den Jesus, von dem jeder Psalm singt? Kennst du den Jesus, der das Wort Gottes selbst ist und der deshalb die perfekte Inkarnation von jedem Vers aus Psalm 119 ist? Indem Ma\u00dfe wie wir ihn kennen und das, was er f\u00fcr uns getan hat, anerkennen und f\u00fcr uns annehmen, finden wir Trost und Ruhe f\u00fcr unsere Seelen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download G\u00e4ste auf Erden \u201eIch bin ein Gast auf Erden; verbirg deine Gebote nicht vor mir.\u201c Psalm 119,19 Es war einmal vor vielen Jahren ein kleiner Junge, der zu einer Geburtstagsfeier eingeladen war. Und weil der Junge etwas doof war, beging er gleich drei Fehler, noch bevor er sich auf den Weg machte. 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