{"id":2305,"date":"2012-12-23T00:03:07","date_gmt":"2012-12-22T23:03:07","guid":{"rendered":"http:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=2305"},"modified":"2022-11-18T12:23:34","modified_gmt":"2022-11-18T11:23:34","slug":"predigt-matthaus-2731-66","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-matthaus-2731-66\/","title":{"rendered":"Predigt: Matth\u00e4us 27,31 \u2013 66"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/P11Mt27-3166.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><strong>Mein  Gott,  warum  hast  du  mich  verlassen?<\/strong><\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201e<strong>Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das hei\u00dft: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?\u201c<\/strong><em><strong> <\/strong><\/em><\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(27,46)<\/p>\n<p>In der letzten Woche haben wir gesehen, wie Jesus von Pilatus verh\u00f6rt und schlie\u00dflich zum Tod verurteilt wurde. Unser heutiger Text berichtet dar\u00fcber, wie Jesus dann am selben Tag gekreuzigt wurde. Dabei beschreibt der Verfasser in knapper, n\u00fcchterner Form nur die Tatsachen. Er berichtet von den wenigen Worten Jesu am Kreuz nur das eine, als er im schlimmsten Moment seiner Leiden laut schrie: <strong>\u201eEli, Eli, lama asabtani? Das hei\u00dft: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?\u201c<\/strong><em><strong> <\/strong><\/em>M\u00f6ge Gott uns helfen, die Tatsachen von Jesu Leiden und Sterben am Kreuz neu zu begreifen und ihre Bedeutung f\u00fcr uns neu zu erkennen!<\/p>\n<p><strong>I.Jesu \tKreuzigung und Tod (31-56)<\/strong><\/p>\n<p>Betrachten wir den Text. Vers 31 sagt: <strong>\u201eUnd als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Mantel aus und zogen ihm seine Kleider an und f\u00fchrten ihn ab, um ihn zu kreuzigen.\u201c <\/strong>Jesus war von Pilatus zur Gei\u00dfelung ausgeh\u00e4ndigt und zur Kreuzigung verurteilt worden. Man sagt, dass ein einziger Gei\u00dfelhieb oft so starke Verletzungen verursachte, dass ein Mann das Bewusstsein verlor. Nach der Gei\u00dfelung hatten die Soldaten Jesus verspottet, ihm eine Krone aus Dornen aufgesetzt und ihm mit einem Rohrstab auf den Kopf geschlagen. Danach f\u00fchrten sie ihn ab, um ihn zu kreuzigen. Ein zur Kreuzigung Verurteilter musste sein Kreuz selbst zur Hinrichtungsst\u00e4tte tragen. Nach Berechnungen war das Kreuz etwa 70 Kilogramm schwer. Jesus musste das schwere Kreuz auf seinen von den Gei\u00dfelhieben aufgerissenen R\u00fccken legen und musste es zur Stadt hinaustragen.<\/p>\n<p>Betrachten wir Vers 32: <strong>\u201eUnd als sie hinausgingen, fanden sie einen Menschen aus Kyrene mit Namen Simon; den zwangen sie, dass er ihm sein Kreuz trug.\u201c <\/strong>Als Jesus das Kreuz auf sich nehmen musste, war er bereits v\u00f6llig ersch\u00f6pft und schwer verwundet. Denn Jesus hatte die ganze Nacht nicht geschlafen, sondern war an verschiedene Orte geschleppt und dort verh\u00f6rt und geschlagen und gegei\u00dfelt worden. Die Tatsache, dass die harten r\u00f6mischen Soldaten einen Passanten zwangen, Jesu Kreuz zu tragen, zeigt, dass es unterwegs f\u00fcr alle offensichtlich wurde, dass Jesus v\u00f6llig au\u00dferstande war, das Kreuz selbst weiter zu tragen; Jesus muss mehrmals unter dem Kreuz zusammengebrochen sein. Der Passant namens Simon war vermutlich ein Pilger, der aus Kyrene (einer gro\u00dfen Stadt im heutigen Libyen) zum Passafest nach Jerusalem gekommen war. Er wurde v\u00f6llig unerwartet in das Leiden Jesu involviert und konnte ihn in seinem Leiden aus n\u00e4chster N\u00e4he beobachten. Diese Teilnahme an Jesu Leiden blieb nicht ohne Konsequenzen in seinem Leben. Im Markusevangelium wird er als der Vater des Alexander und Rufus vorgestellt (Mk 15,21), was darauf hinweist, dass seine S\u00f6hne sp\u00e4ter namhafte Gl\u00e4ubige in der fr\u00fchen christlichen Gemeinde wurden. Offenbar kam Simon also durch die Teilnahme an Jesu Leiden zum pers\u00f6nlichen Glauben an Jesus.<\/p>\n<p>Betrachten wir die Verse 33 und 34: <strong>\u201eUnd als sie an die St\u00e4tte kamen mit Namen Golgatha, das hei\u00dft: Sch\u00e4delst\u00e4tte,<\/strong> <strong>gaben sie ihm Wein zu trinken mit Galle vermischt; und als er&#8217;s schmeckte, wollte er nicht trinken.\u201c <\/strong>Endlich kamen sie an der Hinrichtungsst\u00e4tte au\u00dferhalb Jerusalems an, die den furchterregenden Namen \u201eGolgatha\u201c bzw. \u201eSch\u00e4delst\u00e4tte\u201c trug. Dort boten ihm die Soldaten ein Getr\u00e4nk mit leicht bet\u00e4ubender Wirkung an. Doch Jesus wollte es nicht trinken. Jesus wollte die Leiden, die er nach dem Willen Gottes tragen sollte, bei vollem Bewusstein und in vollem Ma\u00dfe tragen.<\/p>\n<p>Was passierte dann an der Hinrichtungsst\u00e4tte? Betrachten wir weiter den Text. Vers 35a sagt: <strong>\u201e<\/strong><strong>Als sie ihn aber gekreuzigt hatten &#8230;\u201c <\/strong>Der Verfasser erw\u00e4hnt den Vorgang der Kreuzigung selbst nur in diesem kurzen Nebensatz. Er wagte nicht, den Vorgang von Jesu Kreuzigung zu beschreiben, wohl weil es zu grausam und schlicht unbeschreiblich war. Wie wir wissen, war die Kreuzigung die qualvollste Hinrichtungsmethode jener Zeit, weil sie unertr\u00e4gliche Schmerzen mit einer sehr langen Leidensdauer verband. Dazu wurde der Verurteilte zun\u00e4chst ausgezogen und auf das am Boden liegende Kreuz gelegt. Dann wurden lange N\u00e4gel durch seine H\u00e4nde und ein besonders langer Nagel durch die \u00fcbereinander gelegten F\u00fc\u00dfe in das Holz geschlagen. Dann wurde das Kreuz aufgerichtet und in den Sockel gestellt. Von da an hing der Gekreuzigte mit seinem ganzen K\u00f6rpergewicht an den drei N\u00e4geln. Die H\u00e4ngelage verursachte Atemnot, da jeder Atemzug durch das Abst\u00fctzen auf die N\u00e4gel in den Wunden unertr\u00e4gliche Schmerzen verursachte. Die Wunden verursachten au\u00dferdem Infektionen im K\u00f6rper und Fieber, und der st\u00e4ndige Blutverlust qu\u00e4lenden Durst. Stundenlang musste Jesus unter solchen Qualen am Kreuz mit dem Tod ringen.<\/p>\n<p>Was taten die Soldaten unten am Kreuz Jesu? Vers 35b sagt \u201e<strong>&#8230; verteilten sie seine Kleider und warfen das Los darum.\u201c <\/strong>Die Soldaten ignorierten Jesus v\u00f6llig, der oben am Kreuz hing und mit dem Tode rang. Sie interessierten sich nur f\u00fcr einen kleinen materiellen Gewinn, den die Kleider Jesu f\u00fcr sie darstellten. Sie sind ein Bild der gefallenen Menschen, die von Habgier getrieben sind und keinen echten Respekt geschweige denn Liebe zu anderen Menschen haben.<\/p>\n<p>Betrachten wir auch Vers 37: <strong>\u201eUnd oben \u00fcber sein Haupt setzten sie eine Aufschrift mit der Ursache seines Todes: Dies ist Jesus, der Juden K\u00f6nig.\u201c <\/strong>Das Schild oben am Kreuz sollte eigentlich das Verbrechen angeben, wegen dem der Gekreuzigte verurteilt war. Aber das Schild, das man an Jesu Kreuz anbrachte, sagte, dass er der K\u00f6nig der Juden war. Dadurch wurde zum einen Jesu Unschuld bezeugt. Das Schild bezeugte auch, dass hier tats\u00e4chlich Jesus Christus am Kreuz starb, den viele vom Sehen kannten und es verifizieren konnten. Zum anderen bezeugte das Schild allen Menschen aller Zeiten, dass Jesus, der hier am Kreuz starb, der K\u00f6nig der Juden ist. Jesus ist der wahre K\u00f6nig, den Gott als Messias verhei\u00dfen hat, der nun am Kreuz starb, um Gottes Willen f\u00fcr ihn zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Betrachten wir Vers 38. Jesus wurde nicht allein gekreuzigt, sondern mit ihm zwei R\u00e4uber, und zwar rechts und links neben Jesus. Dadurch, dass man mit Jesus zwei Schwerverbrecher hinrichtete und Jesus in der Mitte von ihnen, wollte man zeigen, dass Jesus ein schlimmerer Verbrecher w\u00e4re, und wollte die Schande \u00fcber ihn noch vergr\u00f6\u00dfern. Doch auch diese dem\u00fctigende Aktion wurde Gottes Prophezeiung in Jesaja 53 erf\u00fcllt, wo \u00fcber den Messias vorausgesagt ist: <strong>\u201eDarum will ich ihm die Vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben, daf\u00fcr dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den \u00dcbelt\u00e4tern gleichgerechnet ist und er die S\u00fcnde der Vielen getragen hat und f\u00fcr die \u00dcbelt\u00e4ter gebeten\u201c <\/strong>(Jes 53,12). Obwohl die Juden und Pilatus bei der Kreuzigung nach ihren eigenen b\u00f6sen W\u00fcnschen und Gedanken handelten, erf\u00fcllten sich also Gottes Ratschluss und sein Wort.<\/p>\n<p>Obwohl Jesus durch die \u00f6ffentliche Kreuzigung schon die gr\u00f6\u00dfte Schande widerfuhr, wurde er zus\u00e4tzlich von den vor\u00fcbergehenden Menschen verspottet. Betrachten wir die Verse 39-43: <strong>\u201eDie aber vor\u00fcbergingen, l\u00e4sterten ihn und sch\u00fcttelten ihre K\u00f6pfe und sprachen: Der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir selber, wenn du Gottes Sohn bist, und steig herab vom Kreuz! Desgleichen spotteten auch die Hohenpriester mit den Schriftgelehrten und \u00c4ltesten und sprachen: Andern hat er geholfen und kann sich selber nicht helfen. Ist er der K\u00f6nig von Israel, so steige er nun vom Kreuz herab. Dann wollen wir an ihn glauben. Er hat Gott vertraut; der erl\u00f6se ihn nun, wenn er Gefallen an ihm hat; denn er hat gesagt: Ich bin Gottes Sohn. Desgleichen schm\u00e4hten ihn auch die R\u00e4uber, die mit ihm gekreuzigt waren.\u201c <\/strong>Jesus wurde von dem Volk, das vor\u00fcberging, h\u00e4misch verspottet und von den religi\u00f6sen Leitern verh\u00f6hnt. Sie verh\u00f6hnten ihn damit, dass Jesus sich selbst nicht half, und schlussfolgerten daraus, dass Jesus keine Macht dazu hatte. Ihr Spott enth\u00e4lt einiges an Wahrheit. Sie wussten und bezeugten, dass Jesus andern geholfen hatte. Es stimmte auch, dass Jesus sich nicht selbst half. Doch Jesus tat das nicht, weil er keine Macht dazu hatte, sondern er verzichtete freiwillig darauf, sich selbst zu helfen, um uns Menschen zu helfen. Die religi\u00f6sen Leiter wollten sich selbst helfen, sie waren stets auf ihr Ansehen und ihre Position in der Gesellschaft bedacht und strebten danach, sie zu erhalten. Sie wollten sich auch vor Gott selbst helfen und wollten sich durch ihre eigenen Anstrgenungen und Bem\u00fchungen selbst gerecht machen. Aber sie scheiterten dabei v\u00f6llig und wurden zu scheinheiligen, unbarmherzigen Menschen, die aus Neid und Hass den Sohn Gottes t\u00f6teten. Jeder Mensch hat die Neigung, sich selbst helfen in seinem Leben, sein Leben aufzubauen und zu erhalten, nicht nur in praktischer und zwischenmenschlicher Hinsicht, sondern auch vor Gott. Doch wie das Beispiel der Juden zeigt, f\u00fchrt die Bem\u00fchung sich selbst zu retten, geistlich gerade zum Tod. Dagegen half sich Jesus selbst nicht, sondern gab sich am Kreuz selbst hin, damit wir gerettet w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Hier finden wir die Antwort auf die Frage, die sich uns aufdr\u00e4ngt, wenn wir versuchen, uns Jesu Leiden am Kreuz vorzustellen, n\u00e4mlich die Frage, warum Jesus all die Qualen am Kreuz erdulden musste. Wir finden die Antwort in dem prophetischen Wort \u00fcber den Messias in Jesaja 53, wo es hei\u00dft: <strong>\u201eAber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer S\u00fcnde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden h\u00e4tten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. <\/strong><strong>Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller S\u00fcnde auf ihn\u201c<\/strong> (Jes 53,4-6). Jesus war v\u00f6llig ohne Schuld. Aber er wurde wegen unserer Missetat am Kreuz verwundet, also wegen unserer Abtr\u00fcnnigkeit von Gott, wegen unserem Streben, unser Leben ohne Gott jenseits seiner Herrschaft nach unseren eigenen Gedanken und W\u00fcnschen zu f\u00fchren. Jesus wurde gerade wegen unserer S\u00fcnde am Kreuz zerschlagen. Am Kreuz Jesu k\u00f6nnen wir also erkennen, wie schlimm unsre S\u00fcnde ist. Die meisten Menschen beurteilen die S\u00fcnde nach ihrem eigenen Gef\u00fchl und Gewissen und nach der jeweils vorherrschenden Moral. Wie leicht verharmlosen auch wir dadurch unsere S\u00fcnde, insbesondere geistliche S\u00fcnde wie Unglaube, Ungehorsam, die nicht so offensichtlich sind wie moralische S\u00fcnden. Aber wenn wir darauf sehen, wie Jesus am Kreuz litt, sehen wir, wie schlimm unsere S\u00fcnde ist, wie v\u00f6llig inakzeptabel, und welche furchtbare Folgen die S\u00fcnde nach sich zieht. Aber Jesus wurde am Kreuz wegen unserer Abtr\u00fcnnigkeit und wegen unserer S\u00fcnde verwundet und zerschlagen. Jesus hat die Strafe f\u00fcr unsere S\u00fcnde bezahlt, damit wir Frieden mit Gott haben und geistliche und seeli\u00adsche Heilung erfahren k\u00f6nnen. Am Kreuz hat uns Jesus erl\u00f6st!<\/p>\n<p>Betrachten wir Vers 45: <strong>\u201eUnd von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis \u00fcber das ganze Land bis zur neunten Stunde.\u201c <\/strong>Zur sechsten Stunde, also um zw\u00f6lf Uhr mittags, hing Jesus schon drei Stunden lang am Kreuz. In dieser Zeit, in der es normalerweise am Tag am hellsten ist, kam drei Stunden lang eine Finsternis \u00fcber das ganze Land. Wissenschaftler, die \u00fcber dieses Ererignis geforscht haben, berichten, dass es sich dabei unm\u00f6glich um ein nat\u00fcrliches Ph\u00e4nomen wie etwa eine Sonnenfinsternis gehandelt haben kann (eine Sonnenfinsternis dauert maximal acht Minuten, die hier erw\u00e4hnte Finsternis dauerte etwa 22-mal so lang). Wieso kam es an jenem Tag zu dieser Finsternis? Als Gottes Sohn am Kreuz starb, h\u00fcllte Gott das ganze Land in Finsternis. Die Finsternis ist ein Ausdruck von Gottes Traurigkeit \u00fcber den Tod seines geliebten Sohnes. Sie markiert den dunkelsten Moment in der ganzen Geschichte, als die ungerechten Menschen den von  Gott gesandten Sohn v\u00f6llig verwarfen und den einzigen Gerechten t\u00f6teten. Es veranschaulicht die Zeit, in der die Gerechtigkeit von der Ungerechtigkeit scheinbar besiegt wurde, die Liebe vom Hass, die Wahrheit von der L\u00fcge, das Licht von der Finsternis.<\/p>\n<p>Lesen wir gemeinsam den Vers 46: <strong>\u201eUnd um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das hei\u00dft: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?\u201c<\/strong> Es war um die neunte Stunde, also um 15 Uhr. Bis dahin hatte Jesus alle Qualen an seinem ganzen Leib und alle Verspottungen schweigend ertragen, um den Willen Gottes zu erf\u00fcllen, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank gef\u00fchrt wird und seinen Mund nicht auftut. Aber um die neunte Stunde schrie Jesus laut: <strong>\u201eEli, Eli, lama asabtani? Das hei\u00dft: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?\u201c<\/strong> Jesus schrie laut, weil Gott ihn verlassen hatte.<\/p>\n<p>Kein Mensch ist auf der Erde je von Gott wirklich verlassen worden. Zwar wenden sich viele Menschen von Gott ab wie Kain, der sein Leben ohne Gott f\u00fchren wollte. Aber trotzdem verl\u00e4sst Gott sie deswegen nicht. Gott liebt selbst die schlimmsten S\u00fcnder und erh\u00e4lt ihnen das Leben und verschiedenen Segen, damit sie zu ihm umkehren m\u00f6gen. Wie Jesus gesagt hat, l\u00e4sst Gott die Sonne aufgehen \u00fcber B\u00f6se und Gute und l\u00e4sst regnen \u00fcber Gerechte und Ungerechte (Mt 6,45b). Nach der Apostelgeschichte 17 ist Gott keinem Menschen fern, sondern in ihm leben, weben und sind wir (Apg 17,27.28a). Jesus war Gott stets in ganz besonderer Weise nahe. Denn Jesus war schon im Anfang bei Gott, und auch, als er als Mensch auf die Erde kam, lebte in Gemeinschaft mit ihm, sodass Jesus sagen konnte: <strong>\u201eIch und der Vater sind eins\u201c<\/strong> (Joh 10,30). Aber als Jesus am Kreuz unsere S\u00fcnde stellvertretend auf sich nahm und die S\u00fcnde der ganzen Welt trug, konnte der heilige Gott keine Gemeinschaft mehr mit ihm haben; Gott musste seine sch\u00fctzende, segnende Hand von ihm abziehen und ihn verlassen. Jesus hatte alle k\u00f6rperlichen Qualen am Kreuz schweigend erduldet. Aber er konnte es nicht aushalten, von Gott verlassen zu werden, sondern schrie laut: \u201eWarum?\u201c Jesus fragte Gott das nicht, weil er den Grund daf\u00fcr nicht kannte. Jesus schrie laut, warum Gott ihn verlassen hatte, weil er es nicht ertragen konnte. Niemand kann es ertragen, von Gott verlassen zu werden. Gott ist die Quelle des Lichts, des Lebens und allen Segens. Von Gott v\u00f6llig verlassen zu werden, hat deshalb unweigerlich das Ende des Lebens und die Finsternis und den Tod in Ewigkeit zur Folge. Das ist die Folge von unserer S\u00fcnde, die wir eigentlich selbst zu tragen h\u00e4tten. Wegen unserer Abtr\u00fcnnigkeit von Gott und S\u00fcnde m\u00fcssten wir eigentlich von Gott verlassen werden. Aber Dank sei Gott, der aus seiner Liebe unsere S\u00fcnde auf Jesus gelegt und ihn verlassen hat, damit wir nicht von ihm verlassen werden m\u00fcssen, sondern ewig bei ihm leben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Betrachten wir die Verse 47-49. Jesu Schrei wurde von den Menschen, die am Kreuz standen, nicht verstanden. Einige meinten, Jesus rufe nach Elia. W\u00e4hrend einer einen Schwamm mit Essig tr\u00e4nkte und ihn auf ein Rohr steckte, um Jesus zu trinken zu geben, sagten die anderen sp\u00f6ttisch: <strong>\u201eHalt, lass sehen, ob Elia komme und ihm helfe!\u201c<\/strong> Selbst im allerdunkelsten Moment musste Jesus musste Jesus Unverst\u00e4ndnis und Spott erdulden. Jesus war am Kreuz wirklich von Gott und von Menschen verlassen.<\/p>\n<p>Wie starb Jesus? Vers 50 sagt: <strong>\u201eAber Jesus abermals schrie laut und verschied.\u201c<\/strong> Jesus schrie noch einmal laut und starb dann. Nach dem Bericht von Lukas war das letzte Wort Jesu am Kreuz seine Bitte war: <strong>\u201eVater, ich befehle meinen Geist in deine H\u00e4nde\u201c<\/strong> (Lk 23,46). Jesus starb im Glauben und v\u00f6lligen Vertrauen auf den Vater. Jesus starb an unsrer Stelle, damit wir geheilt werden und Frieden haben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Welche besonderen Ereignisse passierten, als Jesus starb? Vers 51 berichtet: <strong>\u201eUnd siehe, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei St\u00fccke von oben an bis unten aus.\u201c<\/strong> Der Vorhang im Tempel trennte den allerheiligsten Bereich ab, in dem die Bundeslade und der Gnadenthron waren. W\u00e4hrend im Tempel selbst wenigstens die Priester eintreten und dort arbeiten durften, durften diesen allerheiligsten Bereich hinter dem Vorhang selbst die Priester nicht betreten. Selbst der Hohepriester durfte diesen Bereich nicht betreten. Nur einmal im Jahr durfte der Hohepriester hinter den Vorhang treten, nachdem er sich selbst durch Opfer gereinigt hatte, um Gott f\u00fcr das Volk um Vergebung der unwissend begangenen S\u00fcnden zu bitten. Der Vorhang im Tempel symbolisierte somit die absolute und un\u00fcberwindbare Grenze, die zwischen dem heiligen Gott und uns s\u00fcndigen Menschen besteht. Dass dieser Vorhang nun von oben bis unten zerriss, als Jesus am Kreuz starb, zeigt anschaulich, dass durch Jesu Tod die Trennung zwischen Gott und den Menschen aufgehoben ist und wir frei zu Gott kommen d\u00fcrfen. So hei\u00dft es auch in der Stelle Hebr 10,19-20: <strong>\u201eWeil wir denn nun, liebe Br\u00fcder, durch das Blut Jesu die Freiheit haben zum Eingang in das Heiligtum,<\/strong><strong> <\/strong><strong>den er uns aufgetan hat als neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, das ist: durch das Opfer seines Leibes &#8230;\u201c <\/strong>Indem Jesus sich selbst am Kreuz geopfert und sein reines Blut f\u00fcr uns vergossen hat, hat er f\u00fcr uns einen neuen Weg zu Gott ge\u00f6ffnet, auf dem wir zu ihm kommen k\u00f6nnen, wie wir sind, und von ihm unsre S\u00fcnden vergeben bekommen. Preis sei Jesus daf\u00fcr!<\/p>\n<p>Welches weitere Ereignis passierte, als Jesu am Kreuz starb? Betrachten wir die Verse 52-53: <strong>\u201eUnd die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen, und die Gr\u00e4ber taten sich auf, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen standen auf und gingen aus den Gr\u00e4bern nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen.\u201c <\/strong>Als Jesus starb, gab es ein gewaltiges Erdbeben, bei dem die Felsen zerrissen. Aber es war weit mehr als nur ein nat\u00fcrliches Ph\u00e4nomen. Denn die Gr\u00e4ber taten sich dabei auf und viele Verstorbene, die im Glauben entschlafen waren, standen auf und erschienen nach Jesu Auferstehung vielen in Jerusalem. Gott demonstrierte durch das Zerrei\u00dfen des Vorhangs und durch die Auferstehung vieler Gl\u00e4ubiger die Bedeutung von Jesu Tod f\u00fcr uns Menschen. Durch Jesu stellvertretenden Tod am Kreuz wurde die Macht des Todes \u00fcber uns Menschen und sein Anspruch auf uns wegen unsrer S\u00fcnde \u00fcberwunden und so wurde f\u00fcr uns der Sieg \u00fcber den Tod durch die Auferstehung m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Was sagte der Hauptmann, der die Kreuzigung Jesu \u00fcberwachte? Betrachten wir Verse 54: <strong>\u201eAls aber der Hauptmann und die mit ihm Jesus bewachten das Erdbeben sahen und was da geschah, erschraken sie sehr und sprachen: Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!\u201c <\/strong>Der Hauptmann war ein R\u00f6mer und damit ein Heide. Er hatte die ganze Kreuzigung beaufsichtigt und daher sechs Stunden lang gesehen, wie Jesus sich am Kreuz verhalten hatte, wie er alle Leiden schweigend erduldet und was er gesagt hatte. Seine Beobachtung und die Erfahrung des Erdbebens genau in dem Moment, als Jesus starb, f\u00fchrten ihn zu der Erkenntnis, dass Jesus Gottes Sohn gewesen ist. Er wurde der erste Mensch, der durch das Schauen auf das Kreuz zur Erkenntnis Jesu und zum Glauben an ihn kam.<\/p>\n<p>Die Verse 55 und 56 berichten von vielen Frauen, die Jesu Kreuzigung und Tod von ferne beobachteten. Sie waren Jesus schon aus Galil\u00e4a nachgefolgt und waren anders als die J\u00fcnger bis zu seinem Tod am Kreuz in seiner N\u00e4he geblieben. Ihr Verhalten zeigt ihre Treue zu Jesus, den sie bis zum Tod und dar\u00fcber hinaus liebten. So haben sie Jesus Ehre gegeben, der f\u00fcr ihre und unsere S\u00fcnde gestorben ist.<\/p>\n<p><strong>II. Jesu Grablegung (57-66)<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Abschnitt berichtet \u00fcber Jesu Begr\u00e4bnis und \u00fcber die Bewachung seines Grabs durch r\u00f6mische Soldaten. Nachdem Jesus gestorben war, ging ein reicher Mann namens Josef aus Arimath\u00e4a zu Pilatus ging und bat ihn um den Leichnam Jesu. Offenbar hatte Josef, der nach dem Bericht des Markusevangeliums ein Oberer, also ein Mitglied des Hohen  Rats, war, durch Jesu Tod den Mut gefasst, sich \u00f6ffentlich als ein J\u00fcnger Jesu zu outen und f\u00fcr ihn einzusetzen.<\/p>\n<p>Er legte den Leib Jesu in sein eigenes neues Grab und w\u00e4lzte einen gro\u00dfen Stein vor dessen T\u00fcr. Dadurch  wurde die Prophezeiung in Jesaja 53,9 erf\u00fcllt, wo es hei\u00dft: <strong>\u201eUnd man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei \u00dcbelt\u00e4tern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist.\u201c <\/strong>Zwei der Frauen beobachteten auch, wie Jesus begraben wurden. Wegen ihrer treuen Liebe zu Jesus wussten sie, wo er begraben war, und konnte so zwei Tage sp\u00e4ter die ersten Zeuginnen der Auferstehung werden.<\/p>\n<p>Mit welchem Anliegen kamen am n\u00e4chsten Tag die religi\u00f6sen Leiter zu  Pilatus? Betrachten wir die Verse 62-64: <strong>\u201eAm n\u00e4chsten Tag, der auf den R\u00fcsttag folgt, kamen die Hohenpriester mit den Pharis\u00e4ern zu Pilatus und sprachen: Herr, wir haben daran gedacht, dass dieser Verf\u00fchrer sprach, als er noch lebte: Ich will nach drei Tagen auferstehen. Darum befiehl, dass man das Grab bewache bis zum dritten Tag, damit nicht seine J\u00fcnger kommen und ihn stehlen und zum Volk sagen: Er ist auferstanden von den Toten, und der letzte Betrug \u00e4rger wird als der erste.\u201c<\/strong> Hier zeigen sich die geistlichen Leiter der Juden erstaunlich gut informiert. Sie wussten, dass Jesus seine Aufesrsteung am dritten Tag angek\u00fcndigt hatte. Doch anstatt aufgrund dessen an Jesus zu glauben, setzten sie alle ihre Energie daf\u00fcr ein, Jesus und den Glauben an ihn auf der Erde auszul\u00f6schen. Aus ihrer Angst davor, dass Jesu J\u00fcnger kommen und seinen Leichnam stehlen und dann behaupten k\u00f6nnten, er sei auferstanden, trieb sie dazu, Pilatus darum zu bitten, dass er Jesu Grab durch Soldaten bewachen w\u00fcrde. Pilatus willigte ein und befahl die Bewachung des Grabs durch eine r\u00f6mische Wache, die gew\u00f6hnlich 16 Mann betrug. Hier treten die religi\u00f6sen Leiter der Juden und die R\u00f6mer als zwei einflussreiche Gruppen auf, die darin zusammenarbeiteten, den Glauben an Jesus zu verhindern. Doch in Wirklichkeit konnten sie ihr Ziel nicht erreichen. Vielmehr lieferten sie durch die Bewachung von Jesu Grab zwei Tage sp\u00e4ter einen zus\u00e4tzlichen Beweis daf\u00fcr, dass Jesus nicht etwa gestohlen worden sein kann, sondern wirklich wirklich von den Toten auferstanden ist.<\/p>\n<p>Lesen wir zum Schluss das Leitwort, Vers 46: <strong>\u201eUnd um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das hei\u00dft: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?\u201c<\/strong> Danken wir Gott, dass er Jesus, seinen Sohn, hingegeben und am Kreuz verlassen hat, damit wir nicht von ihm verlassen werden m\u00fcssen, sondern Frieden mit Gott haben und ewig leben k\u00f6nnen! M\u00f6ge Gott uns helfen, t\u00e4glich auf Jesus am Kreuz zu schauen und aus diesem Glauben heraus zu leben!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Mein Gott, warum hast du mich verlassen? \u201eUnd um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das hei\u00dft: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?\u201c (27,46) In der letzten Woche haben wir gesehen, wie Jesus von Pilatus verh\u00f6rt und schlie\u00dflich zum Tod verurteilt wurde. 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