{"id":2082,"date":"2012-06-25T22:45:31","date_gmt":"2012-06-25T21:45:31","guid":{"rendered":"http:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=2082"},"modified":"2022-11-18T12:24:06","modified_gmt":"2022-11-18T11:24:06","slug":"predigt-matthaus-1916-30","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-matthaus-1916-30\/","title":{"rendered":"Predigt: Matth\u00e4us 19,16 &#8211; 30"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/P11Mt19-1630.doc\">Download<\/a><\/strong><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><strong>Der Weg  zum ewigen Leben<\/strong><\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201e<strong>Jesus antwortete ihm: Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe,\u00a0 was du hast, und gib\u2019s<\/strong> <strong>den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach!\u201c<\/strong><em><strong> <\/strong><\/em><\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(19,21)<\/p>\n<p>In unserem heutigen Text begegnen wir einem jungen Mann, der die wichtigste Frage stellte, die ein Mensch in seinem Leben stellen kann: die Frage nach dem Weg zum ewigen Leben. Und er stellte diese Frage gerade demjenigen, der sie als Einziger kompetent beantworten konnte, n\u00e4mlich Jesus, dem Sohn Gottes. Lasst uns durch Jesu Gespr\u00e4ch mit ihm neu begreifen, was der Weg zum ewigen Leben ist, und uns f\u00fcr diesen Weg neu entscheiden! Gott helfe uns auch zu verstehen, woran dieser junge Mann scheiterte, und die n\u00f6tige Einstellung aufzubringen, damit wir den Weg zum Himmelreich erfolgreich gehen k\u00f6nnen!<\/p>\n<p><strong>I.<\/strong><strong>Komm \tund folge mir nach! (16-26)<\/strong><\/p>\n<p>Betrachten wir den Text. Vers 16 sagt: <strong>\u201eUnd siehe, einer trat zu ihm und fragte: Meister, was soll ich Gutes tun, damit ich das ewige Leben habe?\u201c<\/strong> Der Mann, der hier zu Jesus kam, war nach Vers 22 ein \u201eJ\u00fcngling\u201c, vermutlich etwa zwanzig Jahre alt. Dort hei\u00dft es auch, dass er viele G\u00fcter hatte, also reich war. Lukas berichtet au\u00dferdem, dass er ein Oberer war, also ein Mitglied des Hohen Rats oder Inhaber einer leitenden Funktion auf dem Land. Trotz seines jungen Alters hatte er also schon eine steile Karriere hingelegt. Er hatte scheinbar alles, was man sich nur w\u00fcnschen konnte \u2013 er war sehr reich, sehr erfolgreich, dabei noch sehr jung. Viele M\u00e4nner m\u00fcssen ihn beneidet haben. Viele Frauen wollten ihn heiraten oder einen Mann wie ihn als Schwiegersohn haben.<\/p>\n<p>Warum kam dieser Mann zu Jesus? Er fragte Jesus: <strong>\u201eMeister, was soll ich Gutes tun, damit ich das ewige Leben habe?\u201c<\/strong> Er fragte Jesus nach dem ewigen Leben. Im Markusevangelium erfahren wir auch von seiner inst\u00e4ndigen Haltung, mit der er das fragte; dort hei\u00dft es, dass er zu Jesus lief und vor ihm niederkniete. Die Frage nach dem ewigen Leben war ihm also eine dringende, sehr wichtige Frage. Trotz seines gro\u00dfen Erfolgs und Reichtums konnte er damit nicht zufrieden sein. Als Jude wusste er von Gott und dass all sein Erfolg und Besitz letztlich sinnlos waren, wenn er nicht das ewige Leben erlangen w\u00fcrde. Er war anders als Viele, die sich einfach mit ihrem Geld und Erfolg in der Welt zufriedenzustellen versuchen.<\/p>\n<p>Betrachten wir nochmals seine Frage. In seinen Worten <strong>\u201ewas soll ich Gutes tun, damit ich das ewige Leben habe?\u201c,<\/strong> wird deutlich, dass er bereits eine bestimmte Vorstellung von dem Weg zum ewigen Leben hatte. Er meinte, dass er Gutes tun sollte, um das ewige Leben zu haben. So wie er in der Welt Vieles erlangt hatte, indem er flei\u00dfig und anst\u00e4ndig arbeitete, meinte er, dass er auch das ewige Leben bekommen w\u00fcrde, wenn er etwas Gutes tun w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Wie reagierte Jesus auf seine Frage? Jesus stellte ihm zun\u00e4chst eine Gegenfrage: <strong>\u201eWas fragst du mich nach dem, was gut ist? Gut ist nur Einer.\u201c<\/strong> (17a) Es ist sehr selten, dass Jesus jemandem, der ihn etwas fragte, gleich als Erstes seine Frage korrigierte. Aber Jesus hielt es offensichtlich f\u00fcr n\u00f6tig, den jungen Mann darauf hinzuweisen, dass nur Einer gut ist, n\u00e4mlich Gott. Denn ihm  war offenbar nicht bewusst, dass Gott allein wirklich gut ist, und dass er als ein Mensch nichts wirklich \u201eGutes\u201c tun und schon gar nicht sich das ewige Leben verdienen kann. Er sollte vor Gott stehen, der heilig ist und auf dessen Gnade er angewiesen ist.<\/p>\n<p>Danach ging Jesus auch auf seine Frage ein. Er sagte: <strong>\u201eWillst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote.\u201c <\/strong>Jesus verwies ihn auf den damals g\u00fcltigen Weg, den Gott durch Mose offenbart hatte. Der Mann fragte ihn:<strong> \u201eWelche?\u201c <\/strong>Jesus sagte:<strong> \u201e\u00bbDu sollst nicht t\u00f6ten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis geben;  ehre Vater und Mutter\u00ab <\/strong>;<strong> und: \u00bbDu sollst deinen N\u00e4chsten lieben wie dich selbst\u00ab\u201c<\/strong> (18.19). Die Gebote, die Jesus zitierte, waren \u00fcberwiegend aus den Zehn Geboten. Dabei nannte Jesus nur Gebote, die sich auf die Liebe zum N\u00e4chsten beziehen. Denn bei diesen Geboten kann man viel leichter erkennen, ob man sie gehalten hat oder nicht als etwa bei dem Gebot, keine andere G\u00f6tter neben Gott zu haben. Vor allem aber nannte Jesus ihm Gebote der N\u00e4chstenliebe, weil der junge Mann offensichtlich in seinem Leben gro\u00dfe Probleme mit der N\u00e4chstenliebe hatte. Wir wollen gleich darauf eingehen, warum.<\/p>\n<p>Wie antwortete er auf Jesu Aufforderung? Er sagte zu ihm: <strong>\u201eDas habe ich alles gehalten; was fehlt mir noch?\u201c <\/strong>Was f\u00fcr eine Antwort! Jesus hatte ihm f\u00fcnf Gebote der N\u00e4chstenliebe gesagt und er sagte einfach: <strong>\u201eDas habe ich alles gehalten.\u201c<\/strong> Die Antwort des Mannes zeigt Einiges \u00fcber ihn. Sie zeigt zum einen, dass er sich wirklich sehr darum bem\u00fcht haben muss, nach Gottes Gesetz zu leben. Von klein auf hatte er Gottes Gebote studiert und darum gek\u00e4mpft, sie im allt\u00e4glichen Leben zu halten, und zwar so ernsthaft, dass er \u00fcberzeugt war, dass er alles gehalten h\u00e4tte. Andererseits zeigt seine Antwort, dass er die Gebote nur oberfl\u00e4chlich verstand. Als er Jesus antwortete: <strong>\u201eDas habe ich alles gehalten\u201c<\/strong>, dachte er bestimmt daran, dass er noch nie jemanden bestohlen und noch nie die Ehe gebrochen hatte. Das war wohl auch richtig. Aber hatte er Gottes Gebote wirklich in Gottes Sinne erf\u00fcllt? Hatte er seine N\u00e4chsten wirklich so sehr geliebt wie sich selbst? Er lebte in gro\u00dfem Reichtum und genoss seine vielen G\u00fcter, w\u00e4hrend viele Menschen in Israel damals unter gro\u00dfem Mangel litten und oft nicht wussten, wie sie ihre Kinder satt kriegen sollten. Trotzdem sagte er, dass er alles gehalten h\u00e4tte. Er dachte wirklich sehr gut \u00fcber sich selbst, sodass sein Leben nach seinem Urteil praktisch tadellos war. Seine Antwort zeigt, dass er wirklich ein falsches Bild von sich selbst hatte. Er hielt zwar viele Gebote \u00e4u\u00dferlich treu, er ging sicher an jedem Sabbat p\u00fcnktlich in die Synagoge, betete dreimal am Tag und brachte seinen Zehnten, weshalb er meinte, sein Leben sei vor Gott in Ordnung. Er merkte nicht, dass er in Wirklichkeit in krasser Weise gegen das Gebot der N\u00e4chsten\u00adliebe verstie\u00df, wenn er etwa im Wohlstand lebte, w\u00e4hrend in seiner Stadt andere Menschen hungern mussten. Sein Bild von sich selbst und seine reale Person klafften in eklatanter Weise auseinander \u2013 ohne dass er es merkte! Er merkte nur, dass er aus f\u00fcr ihn unerfindlichen Gr\u00fcnden keine Gewissheit auf das ewige Leben und keinen Frieden im Herzen haben konnte. Er sp\u00fcrte, dass ihm irgendetwas fehlte, aber er wusste nicht was. Er war in seinem Leben an eine Grenze geraten, an der er nicht weiterkam; er war in einem Dilemma, das er nicht verstehen konnte und f\u00fcr das er keine L\u00f6sung hatte. Er brauchte die g\u00f6ttliche Hilfe.<\/p>\n<p>Wie half ihm Jesus? Lesen wir gemeinsam den Verse 21: \u201e<strong>Jesus antwortete ihm: Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib&#8217;s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach!\u201c <\/strong>Was f\u00fcr eine gro\u00dfartige Antwort Jesu! Jesu Antwort enthielt sowohl die exakte Analyse seines Problems als auch die L\u00f6sung einschlie\u00dflich der n\u00f6tigen praktischen Handlungsanweisung. In seiner Antwort kritisierte Jesus ihn nicht wegen seinem oberfl\u00e4chlichen Verst\u00e4ndnis der Gebote, wegen seinem egoistischen Leben oder wegen seinem viel zu guten Bild, das er von sich selbst hatte. Indem Jesus zu ihm sagte: <strong>\u201eWillst du vollkommen sein\u201c<\/strong>, erkannte er indirekt seine Bem\u00fchung um ein Gott gef\u00e4lliges Leben an und ermutigte ihn dazu, seine Lebenseinstellung und Lebensweise nun gr\u00fcndlich zu verbessern und auf das Himmelreich auszurichten. Dazu sagte Jesus zu ihm: <strong>\u201e&#8230; geh hin, verkaufe, was du hast, und gib\u2019s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben\u201c. <\/strong>Jesu Orientierung f\u00fcr ihn war sehr klar und unerwartet radikal. Warum verlangte Jesus von ihm, dass er seinen ganzen Besitz verkaufen und das Geld den Armen geben sollte? Jesus hatte das nicht von jedem verlangt, den er zur Nachfolge einlud. Aber Jesus wusste, dass dieser junge Mann an seinen vielen G\u00fcter hing. Solange aber sein Herz an seinem Haus, seinem Weinberg, seinen Pferden und seinem Geld hing, konnte er den Weg zum ewigen Leben unm\u00f6glich gehen, weil er sein Herz nicht ganz daf\u00fcr einsetzen konnte. Jesus wollte ihm helfen, von seiner inneren Bindung frei zu werden, indem er ihn aufforderte, praktisch seinen Schatz von dieser Welt ins Himmelreich zu verlagern. Indem er seinen Besitz verkaufen und das Geld den Armen geben w\u00fcrde, w\u00fcrde er praktisch damit anfangen, seine N\u00e4chsten so sehr zu lieben wie sich selbst. Dazu gab Jesus ihm die gro\u00dfartige Verhei\u00dfung: <strong>\u201e&#8230; so wirst du einen Schatz im Himmel haben\u201c.<\/strong> Obwohl er hier kurzfristig seine G\u00fcter verlieren w\u00fcrde, w\u00fcrde er das ewige Leben erlangen und im Himmel einen Schatz haben, den er ewig genie\u00dfen kann. Dann sagte Jesus: <strong>\u201e&#8230; und komm und folge mir nach!\u201c <\/strong>Das ist der Kernpunkt von Jesu Aufforderung. Jesus lud ihn dazu ein, zu kommen und <strong>ihm<\/strong> nachzufolgen und sein Leben nach Jesu Vorbild und Wort und in der Gemeinschaft mit ihm zu f\u00fchren. Jesus lud ihn dazu ein, weil Jesus zu folgen der Weg zum ewigen Leben ist. Gute Werke und andere menschliche Bem\u00fchungen konnten ihn niemals ins Himmelreich f\u00fchren. Aber wenn er Jesus nachfolgen w\u00fcrde, w\u00fcrde Jesus ihn annehmen, reinigen, ver\u00e4ndern und selbst Schritt f\u00fcr Schritt ins Himmelreich f\u00fchren. Dabei w\u00fcrde er zwar kurzfristigen Spa\u00df und Vergn\u00fcgen durch den Reichtum verlieren; aber er w\u00fcrde innere Freiheit und Erf\u00fcllung in Jesus gewinnen und das ewige Leben mit ihm im Himmelreich erlangen. Er sollte wirklich zu Jesu Aufforderung \u201eJa\u201c sagen und seine gro\u00dfartige Einladung annehmen.<\/p>\n<p>Doch wie reagierte der junge Mann? <strong>\u201eAls der J\u00fcngling das Wort h\u00f6rte, ging er betr\u00fcbt davon; denn er hatte viele G\u00fcter.\u201c <\/strong>Das ist eine sehr traurige Stelle im Evangelium. Er war mit der brennenden Frage gekommen, wie er das ewige Leben haben konnte; aber als er von Jesus den Weg dorthin h\u00f6rte, ging er traurig davon.  Wie ist das zu erkl\u00e4ren? Die Worte <strong>\u201edenn er hatte viele G\u00fcter\u201c<\/strong> zeigen uns als Grund, dass er an seinen Reichtum gebunden war. Er wusste, dass er das ewige Leben erlangen sollte, er wollte es auch gerne erlangen, es war sozusagen sein Ziel. Aber der Reichtum, den er durch Erbe oder durch seine Arbeit erlangt hatte, \u00fcbte so eine starke Anziehungskraft auf ihn aus, dass er nicht mehr darauf verzichten wollte. Sein Herz war von seinem Geld und den Dingen, die er davon gekauft hatte, so fest gebunden, dass er es nicht \u00fcbers Herz brachte, sich davon zu trennen. Als er kam, sah es so aus, dass er Gott wirklich liebte und um jeden Preis ewig bei ihm sein wollte. Aber durch Jesu Aufforderung wurde offenbar, dass er in Wirklichkeit sein Leben im Reichtum mehr liebte als Gott und das ewige Leben bei ihm. Das ewige Leben war f\u00fcr ihn ein wichtiges Ziel gewesen; aber vor dem wahrhaftigen Wort Jesu stellte es sich heraus, dass er in Wirklichkeit nicht dazu bereit war, sein Leben entsprechend zu f\u00fchren. Sein Weggang von Jesus ist unendlich tragisch und traurig. Er zeigt warnend, dass es nicht ausreicht, dass wir das ewige Leben als Ziel haben, sondern dass wir auch unsere Lebenseinstellung und Lebensweise dementsprechend \u00e4ndern m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Der Bericht von Matth\u00e4us endet nicht mit dem Weggang des Mannes. Jesus nahm seinen Weggang zum Anlass, seine J\u00fcnger, die alles geh\u00f6rt hatten, die Gef\u00e4hrlichkeit des Reichtums zu lehren. \u201e<strong>Jesus aber sprach zu seinen J\u00fcngern: Wahrlich, ich sage euch: Ein Reicher wird schwer ins Himmelreich kommen. Und weiter sage ich euch: Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadel\u00f6hr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.\u201c<\/strong> Jesus machte ihnen klar, dass der junge Mann, der wegen seiner Liebe zum Reichtum nicht in der Lage war, den Weg zum Himmelreich zu gehen, kein Einzelfall war. Im Gegenteil! Jesus sagt, dass allgemein ein Reicher schwer ins Himmelreich kommt. Es ist f\u00fcr einen Reichen schwerer, ins Himmelreich zu kommen, als dass ein Kamel durch ein Nadel\u00f6hr geht. Ein Kamel ist etwa 2,30 Meter hoch, also 2300 Millimeter, ein Nadel\u00f6hr dagegen nur etwa 2-5 Millimeter. Damit sagte Jesus, dass es praktisch unm\u00f6glich ist, als Reicher ins Reich Gottes zu kommen. Warum ist das so? Reichtum bindet unser Herz so stark, dass es nicht frei ist und wir es, obwohl wir es wollen, nicht wirklich f\u00fcr Jesus und seine Nachfolge hingeben k\u00f6nnen. In unserer Gesellschaft wird Reichtum \u00fcberall als begehrenswert gepriesen. Aber in Wirklichkeit ist Reichtum geistlich gesehen \u00e4u\u00dferst gef\u00e4hrlich und wirkt in den meisten F\u00e4llen t\u00f6dlich.<\/p>\n<p>Wie reagierten die J\u00fcnger auf Jesu Aussage? Vers 26 sagt:<strong> \u201eAls das seine J\u00fcnger h\u00f6rten, entsetzten sie sich sehr und sprachen: Ja, wer kann dann selig werden?\u201c <\/strong>Die J\u00fcnger reagierten auf Jesu Lehre schockiert. Sie hatten vielleicht gehofft, dass der reiche Mann, den sie gerade beobachtet hatten, eine Ausnahme war, dass es im Allgemeinen aber doch m\u00f6glich sei, dass man reich ist und trotzdem ins Himmelreich kommt. Aber wenn es generell f\u00fcr einen Reichen schwerer ist, ins Himmelreich zu kommen, als f\u00fcr ein Kamel, durch ein Nadel\u00f6hr zu gehen, wer kann dann gerettet werden? Hinter ihrer Frage verbirgt sich der Gedanke, dass jeder einen Wunsch hat, gewissen Reichtum zu erlangen, wohl auch die J\u00fcnger selbst. Sie hatten zwar alles verlassen und lebten zu der Zeit sehr bescheiden mit Jesus. Aber sie hatten in ihren Herzen trotzdem auch einen Wunsch, einmal Macht und Reichtum zu haben. Das zeigt zum Beispiel die Stelle in Apg 1,6, wo sie Jesus nach seiner Auferstehung fragten, ob er noch in dieser Zeit das Reich f\u00fcr Israel aufrichten w\u00fcrde; sie hatten also die Erwartung eines irdischen messianischen Reichs, bei dem sie sich leitende Positionen und vermutlich auch eine entsprechende Verg\u00fctung erhofften. Sie waren innerlich also auch nicht frei von dem Wunsch nach Reichtum. Das erkl\u00e4rt auch, warum sie so schockiert waren, als Jesus sagte, dass es f\u00fcr einen Reichen unm\u00f6glich ist, ins Himmelreich zu kommen. Wenn Jesus gesagt h\u00e4tte, dass es f\u00fcr einen Reichen so schwer sei, ins Himmelreich zu kommen, wie f\u00fcr einen Hasen oder eine Maus, durch ein Nadel\u00f6hr zu gehen, h\u00e4tten sie noch eine kleine M\u00f6glichkeit sehen k\u00f6nnen, dass sie auch mit gewissem Reichtum ins Himmelreich kommen k\u00f6nnen. Aber durch das Wort vom Kamel und dem Nadel\u00f6hr machte Jesus klar, dass es praktisch unm\u00f6glich ist, und lie\u00df ihren verborgenen Traum von einem Leben in Reichtum und mit ewigen Leben platzen. Ihre Frage <strong>\u201eJa, wer kann dann selig werden?\u201c<\/strong>, bringt ihre Betroffenheit zum Ausdruck.<\/p>\n<p>Wie antwortete Jesus auf ihre Frage? \u201e<strong>Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: Bei den Menschen ist&#8217;s unm\u00f6glich; aber bei Gott sind alle Dinge m\u00f6glich.\u201c<\/strong> Zun\u00e4chst sagt Jesus etwas ganz Ern\u00fcchterndes: <strong>\u201eBei den Menschen ist\u2019s unm\u00f6glich.\u201c <\/strong>F\u00fcr uns Menschen ist es unm\u00f6glich, dass wir durch eigene Bem\u00fchungen und Werke gerettet werden, es ist ganz ausgeschlossen. Aber bei Gott ist unsere Errettung doch m\u00f6glich, n\u00e4mlich durch seine einseitige Gnade in Jesus und unseren Glauben. Unsere Rettung ist nur bei Gott m\u00f6glich, denn bei Gott sind alle Dinge m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Was bedeutet das f\u00fcr uns? Die meisten von uns haben die Verhei\u00dfung des ewigen Lebens angenommen und haben das ewige Leben als Ziel ihres Leben. Wir k\u00f6nnen von Jesu Gespr\u00e4ch mit dem reichen J\u00fcngling lernen, dass es wichtig ist, dass wir diesem Ziel auch entsprechend leben, dass wir es wirklich anstreben und unser Leben in alle Bereichen danach ausrichten! Wie wir unsere Zeit von morgens bis abends gestalten, wie wir unsere Freizeit gebrauchen, was wir tun und lassen, soll auf das ewige Leben im Himmelreich ausgerichtet sein und diesem Ziel dienen. Zurzeit betrachten viele die Fu\u00dfballspiele der Europameisterschaft. Obwohl es dabei nur um menschliche Ehre und Geld geht, arbeiten die Spieler und Trainer seit Monaten f\u00fcr das Ziel, dabei erfolgreich zu sein, und richten ihr ganzes Leben danach aus bis dahin, was sie essen, wann sie schlafen usw. Wie viel mehr sollten wir unser Leben nach dem herrlichen dund ewigen Ziel ausrichten, das Gott uns fest verhei\u00dfen und zugesagt hat. So sollen wir selbst bei kleinen Dingen, wenn wir zum Beispiel etwas lesen oder Musik h\u00f6ren oder mit jemandem reden, uns selbst pr\u00fcfen und fragen: Tue ich das im Hinblick auf das ewige Leben oder nur f\u00fcr meinen praktischen Vorteil oder Vergn\u00fcgen? Und unser Verhalten entsprechend korrigieren. Wir sollen uns jeden Tag neu fragen, wof\u00fcr wir heute leben wollen, und unser Leben so immer mehr auf das Himmelreich auszurichten. Danken wir Gott, dass er uns durch Jesus zum Weg des ewigen Leben eingeladen hat! Gott helfe uns, das ewige Leben wirklich zu unserem Ziel zu machen und Jesus konsequent nachzufolgen und so unser Leben ganzu darauf auszurichten!<\/p>\n<p><strong>II.<\/strong><strong>Vom \tLohn der Nachfolge (27-30)<\/strong><\/p>\n<p>Was sagte Petrus, nachdem der junge Mann weggegangen war? Betrachten wir Vers 27: <strong>\u201eDa fing Petrus an und sprach zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt; was wird uns daf\u00fcr gegeben?\u201c <\/strong>Petrus und die anderen J\u00fcnger waren in einer v\u00f6llig anderen Lage als der reiche junge Mann. Sie hatten alles verlassen und waren Jesus gefolgt. Doch obwohl sie damit das Himmelreich praktisch zu ihrem Ziel gemacht hatten, zeigt Petrus\u2018 Frage ihre Unsicherheit \u00fcber die Belohnung, die sie daf\u00fcr bekommen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Was antwortete Jesus? Betrachten wir Vers 28: <strong>\u201eJesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet bei der Wiedergeburt, wenn der Menschensohn sitzen wird auf dem Thron seiner Herrlichkeit, auch sitzen auf zw\u00f6lf Thronen und richten die zw\u00f6lf St\u00e4mme Israels.\u201c <\/strong>Jesus gibt hier seinen J\u00fcngern, die Jesus nachfolgten, eine gro\u00dfartige Verhei\u00dfung. Wenn er wieder kommen und alle vom Tod auferwecken wird, werden sie auf zw\u00f6lf Thronen sitzen und die zw\u00f6lf St\u00e4mme Israels richten. Sie werden im Himmelreich also nach Jesus die h\u00f6chsten \u00c4mter innehaben und mit gro\u00dfer Autorit\u00e4t und Verantwortung herrschen.<\/p>\n<p>Wieso sagte Jesus ihnen so einen gro\u00dfartige Belohnung zu, obwohl er wusste, dass sie nicht vollkommen waren, sondern auch noch W\u00fcnsche nach Reichtum hatten? Den Schl\u00fcssel dazu finden wir in den Worten, mit dem Jesus seine Verhei\u00dfung beginnt: \u201e<strong>Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid &#8230;\u201c<\/strong> Entscheidend f\u00fcr den gro\u00dfartigen Lohn von Gott war nicht, dass sie hundertprozentig rein waren, sondern dass sie Jesus nachfolgten. Denn die Nachfolge Jesu w\u00fcrde sie zu immer mehr Einsicht f\u00fchren und auch ihre Gesinnung und Lebensweise immer weiter ver\u00e4ndern, sodass sie immer mehr dem ewigen Leben im Himmelreich entspricht. Dabei w\u00fcrden sie weiter manches verlassen m\u00fcssen, was sie bei der Nachfolge hinderte. Doch daf\u00fcr w\u00fcrden sie von Gott reichen Lohn erhalten. Denn Jesus sagte weiter: <strong>\u201eUnd wer H\u00e4user oder Br\u00fcder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Kinder oder \u00c4cker verl\u00e4sst um meines Namens willen, der wird&#8217;s hundertfach empfangen und das ewige Leben ererben\u201c <\/strong>(29). Auch dieser Teil von Jesu Verhei\u00dfung ist gewaltig. Die Nachfolge Jesu erfordert immer wieder, auch auf etwas zu verzichten, etwa auf eigene Zeit, bestimmte Pl\u00e4ne und W\u00fcnsche, lieb gewonnene T\u00e4tigkeiten, manchmal auch auf nahe stehende Menschen oder Besitzt\u00fcmer. Doch auch wenn uns das im ersten Moment vielleicht schwer fallen mag, ist Jesus nachzufolgen nie ein Verlustgesch\u00e4ft. Denn das, was wir um Jesu willen verlassen, wird Gott uns hunderfach wieder empfangen lassen und wird uns vor allem schlie\u00dflich das ewige Leben geben. Wer Jesus folgt, ist am Ende also immer der Gewinner.<\/p>\n<p>Nach diesen verhei\u00dfungsvollen Worten sagt Jesus noch ein warnendes Wort: <strong>\u201eAber viele, die die Ersten sind, werden die Letzten und die Letzten werden die Ersten sein.\u201c <\/strong>In diesem Wort erinnert Jesus daran, dass Gott es ist, der bestimmt, wer ins Himmelreich einzieht und mit wie viel Herrlichkeit, und dass das oft ganz anders sein wird, als wir es uns vorstellen. Das soll uns davor warnen, selbstsicher zu meinen, dass wir garantiert ins Himmelreich einziehen und gro\u00dfe Herrlichkeit genie\u00dfen werden, etwa weil wir schon viele Jahre im Glauben gelebt und dabei scheinbar vieles f\u00fcr Gott getan h\u00e4tten. Statt so zu denken, sollten wir uns jeden Tag neu bewusst machen, dass wir von uns aus gar keine M\u00f6glichkeit hatten, das Himmelreich zu erlangen, und neu seine Gnade dankbar annehmen und aufgrund dessen unser Leben neu auf das Himmelreich ausrichten und dementsprechend leben. M\u00f6ge Gott uns dabei helfen, Jesus im Vertrauen auf seine Belohnung konsequent zu folgen, ohne uns vor Verlusten zu f\u00fcrchten!<\/p>\n<p>Bei der Vorbereitung habe ich erkannt, dass mein allt\u00e4gliches Leben nicht wirklich auf das Himmelreichs ausgerichtet ist, das ich erlangen will. So bin ich seit mehreren Jahren nur unregelm\u00e4\u00dfig und inzwischen nur noch kaum morgens zur Gebetsstunde gekommen, obwohl ich immer wieder erkannt habe, dass ich die Gemeinschaft mit Gott im Zentrum morgens brauche, da ich sie im Zug nur unzureichend nachholen kann. Auch habe ich erkannt, dass ich die Zeit im Zug und abends nach dem Bibelstudium nicht Jesus unterstellt und auf das Himmelreich ausgerichtet habe, sondern meistens dazu genutzt habe, mich durch Zeitunglesen oder Internet zu zerstreuen. Ich will mein Leben ganz auf das Ziel des ewigen Lebens ausrichten und will morgens fr\u00fch im Zentrum auf Gottes Wort h\u00f6ren und beten. Ich will auch meine freie Zeit im Zug und zu Hause nicht mehr f\u00fcr Dinge nehmen, die dem Himmelreich nichts nutzen, sondern will das verkaufen und die Zeit f\u00fcrs Bibel lesen, Gebet und Vorbereiten von Bibelstudium, Stellungnahme und Predigt nutzen oder sonst irgendwie f\u00fcr Gott und sein Reich einsetzen. Lesen wir zum Schluss nochmals das Leitwort: <strong>\u201eJesus antwortete ihm: Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib\u2019s<\/strong> <strong>den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach!\u201c<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Der Weg zum ewigen Leben \u201eJesus antwortete ihm: Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe,\u00a0 was du hast, und gib\u2019s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach!\u201c (19,21) In unserem heutigen Text begegnen wir einem jungen Mann, der die wichtigste Frage stellte, die ein [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-2082","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-predigt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2082","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2082"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2082\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11002,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2082\/revisions\/11002"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2082"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2082"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2082"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}