{"id":2064,"date":"2012-06-10T17:16:51","date_gmt":"2012-06-10T16:16:51","guid":{"rendered":"http:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=2064"},"modified":"2022-11-18T12:24:07","modified_gmt":"2022-11-18T11:24:07","slug":"predigt-matthaus-1815-35","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-matthaus-1815-35\/","title":{"rendered":"Predigt: Matth\u00e4us 18,15 &#8211; 35"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/P11Mt18-1535.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><strong>Von der Vergebung<\/strong><\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201e<strong>So wird auch mein himmlischer Vater an euch tun, wenn ihr einander nicht von Herzen vergebt, ein jeder seinem Bruder.\u201c<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(18,35)<\/p>\n<p>Im heutigen Text geht es um ein ebenso wichtiges wie schwieriges Thema \u2013 die Vergebung. Obwohl in der Gemeinde Gottes Kinder zusammenkommen, kommt es auch hier immer wieder vor, dass wir aneinander schuldig werden; zum Beispiel durch lieblose Worte oder Verhalten, bei dem wir zu viel an uns selbst und zu wenig an andere denken; durch Faulheit, Unzuverl\u00e4s\u00adsig\u00adkeit usw. Manche stellen zum Beispiel jedesmal vor der Versammlung die St\u00fchle hin und legen die Liederb\u00fccher darauf, andere kommen immer erst im letzten Moment oder gar nicht. Manche sind immer bereit, eine Aufgaben zu \u00fcbernehmen, andere meinen meistens, sie haben keine Zeit. Ungewollt vers\u00fcndigen wir uns immer wieder an den anderen und sind auch immer wieder mit der S\u00fcnde anderer konfrontiert. Wie sollen wir damit umgehen, wenn ein Bruder an uns s\u00fcndigt? Wie oft sollen wir seine Schuld vergeben und wie k\u00f6nnen wir das tun? M\u00f6ge Gott jeden mit seinem Wort ansprechen und jedem pers\u00f6nlich helfen!<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Von \tder Verantwortung in der Gemeinde (15-20)<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Betrachten wir den Text. Nachdem Jesus gelehrt hatte, dass seine J\u00fcnger nicht miteinander konkurrieren, sondern einander annehmen sollen wie ein Kind, dass wir andere nicht zum Abfall verf\u00fchren und sie nicht verachten d\u00fcrfen, sprach er \u00fcber einen weiteren Aspekt des Umgangs miteinander. Er sagt: <strong>\u201eS\u00fcndigt aber dein Bruder an dir, so geh hin und weise ihn zurecht zwischen dir und ihm allein. H\u00f6rt er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen\u201c <\/strong>(15). Es geht um den richtigen Umgang mit einem Bruder, der an uns s\u00fcndigt. Wie reagieren die meisten Menschen normalerweise in so einer Situation, zum Beispiel in der Firma oder in einem Verein? Zwei Reaktionen sind in so einem Fall verbreitet: entweder dass man die Person, die einen verletzt oder gesch\u00e4digt hat, spontan angreift, sie beschimpft oder sich heimlich an ihr r\u00e4cht; oder \u2013 und das ist in einer Gemeinde wohl viel verbreiteter \u2013, dass man sich von der Person zur\u00fcckzieht, nicht mehr mit ihr redet, nur noch das N\u00f6tigste, oft ohne dass derjenige wei\u00df, was er falsch gemacht hat. Aber statt mit ihm deswegen zu reden, wird oft mit dritten \u00fcber ihn geredet und erz\u00e4hlt, wie unm\u00f6glich er sich verhalten hat. Dadurch gehen die Beziehungen kaputt und es bilden sich Parteien. Vor allem erf\u00e4hrt derjenige, der ges\u00fcndigt hat, keine Hilfe, seine S\u00fcnde zu erkennen und daf\u00fcr Bu\u00dfe zu tun.<\/p>\n<p>Aber was will Jesus? Jesus sagt: <strong>\u201e&#8230; so geh hin und weise ihn zurecht zwischen dir und ihm allein.\u201c <\/strong>Jesus will einen offenen Umgang mit der S\u00fcnde. Man soll in der Gemeinde S\u00fcnde also nicht einfach herunterschlucken und schweigen. S\u00fcnde soll offen angesprochen und behandelt werden, aber mit Liebe! Das Ziel unseres Handelns soll sein, dem anderen liebevoll zu helfen, geistlich wieder zurechtzukommen. Wenn uns das gelingt, sagt Jesus, dass wir unseren Bruder gewonnen haben. Diese Worte besagen, dass es bei unserer Hilfe um sehr viel geht, n\u00e4mlich darum, dem anderen zu helfen, seine S\u00fcnde zu erkennen und seine Beziehung zu Gott wieder herzustellen. Au\u00dferdem wird dadurch die Beziehung zwischen uns und dem Bruder wiederhergestellt, sodass wir ihm wieder gerne ins Gesicht schauen und wir einander wieder herzlich lieben und zusammenarbeiten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Was sollen wir aber tun, wenn der Bruder nicht auf uns h\u00f6rt? Jesus spricht auch \u00fcber diesen Fall: <strong>\u201eH\u00f6rt er nicht auf dich, so nimm noch einen oder zwei zu dir, damit jede Sache durch den Mund von zwei oder drei Zeugen best\u00e4tigt werde. H\u00f6rt er auf die nicht, so sage es der Gemeinde. H\u00f6rt er auch auf die Gemeinde nicht, so sei er f\u00fcr dich wie ein Heide und Z\u00f6llner\u201c <\/strong>(16.17). Man soll nochmals mit ihm reden und dabei einen oder zwei Geschwister als Zeugen mitnehmen. Dadurch entstehen oft neue M\u00f6glichkeiten, den Betreffenden zu erreichen, und die Ermahnung bekommt mehr Nachdruck. Dass wir den Bruder zun\u00e4chst unter vier Augen ermahnen und dann nur so weit wie n\u00f6tig ihn auch vor anderen ermahnen, geschieht auch aus Liebe zu ihm, damit das Gef\u00fchl des Bruders und sein Ansehen in der Gemeinde so wenig wie m\u00f6glich besch\u00e4digt werden. Doch wenn er auch nach einem Gespr\u00e4ch unter 6 oder 8 Augen nicht Bu\u00dfe tut, soll man es der Gemeinde sagen, damit alle f\u00fcr ihn beten und er doch noch Bu\u00dfe tun kann. Wenn er aber selbst dann nicht Bu\u00dfe tut, soll man ihn wie einen Heiden oder Z\u00f6llner betrachten, also nicht als einen Bruder, sondern wie einen, der geistlich noch ganz am Anfang steht.<\/p>\n<p>Welche Bedeutung hat es, wenn wir anderen auf diese Weise geistlich helfen? Jesus sagt weiter: <strong>\u201eWahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden l\u00f6sen werdet, soll auch im Himmel gel\u00f6st sein\u201c <\/strong>(18). Hier lehrt Jesus die gro\u00dfe Bedeutung der geistlichen Hilfe, die eine Gemeinde aus\u00fcbt. Dass man einem Bruder in der Gemeinde hilft, aus seiner S\u00fcnde herauszukommen, soll nicht einfach nur passieren, damit man wieder gut mit ihm zusammen leben kann. Vielmehr wird das, was wir auf Erden binden werden, auch im Himmel gebunden sein, und was wir auf Erden l\u00f6sen, wird auch im Himmel gel\u00f6st sein. Hier macht Jesus klar, was f\u00fcr eine gro\u00dfe Bedeutung es hat, wenn wir einem Bruder, der ges\u00fcndigt hat, helfen, seine S\u00fcnde zu erkennen und daf\u00fcr Bu\u00dfe zu tun. Denn Gott will gerade die J\u00fcnger bzw. die christliche Gemeinde daf\u00fcr gebrauchen, um Menschen von ihrer S\u00fcnde zu erl\u00f6sen, was nicht nur f\u00fcr ihr Leben hier, sondern auch f\u00fcr die Ewigkeit entscheidend ist. Was f\u00fcr eine gro\u00dfe Verantwortung hat Jesus hier der Gemeinde gegeben! Dabei ist vom Kontext der Bibel her klar, dass wir nat\u00fcrlich nicht willk\u00fcrlich dar\u00fcber entscheiden k\u00f6nnen, ob Menschen von ihren S\u00fcnden gel\u00f6st werden oder nicht, sondern allein aufgrund des Evangeliums und im Einklang mit Jesu Willen<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen wir als Gemeinde diese hohe Verantwortung f\u00fcr andere tragen? Jesus sagt weiter: <strong>\u201cWahrlich, ich sage euch auch: Wenn zwei unter euch eins werden auf Erden, worum sie bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel.<\/strong><sup> <\/sup><strong>Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.\u201c <\/strong>Hier sagt Jesus, woher die Autorit\u00e4t einer Gemeinde r\u00fchrt und auf welcher Grundlage sie jemanden zur Umkehr von seiner S\u00fcnde ermahnen und ihm die L\u00f6sung von seiner S\u00fcnde zusprechen kann. Die Berechtigung und Autorit\u00e4t einer Gemeinde beruht nicht auf ihrer Zugeh\u00f6rigkeit zu einer bestimmten Organisation, auf einer bestimmten Gr\u00f6\u00dfe oder auf einer bestimmten Tradition. Eine Gemeinde hat ihre geistliche Autorit\u00e4t dadurch, dass sie sich im Namen Jesu versammelt und einm\u00fctig zu ihm betet. Wenn wir uns im Namen Jesu versammeln, unterstellen wir uns seiner Person und seinem Willen und beten in seinem Namen zum Vater, wodurch unsere eigenen Gedanken, Gef\u00fchle und Neigungen in den Hintergrund treten und seine Wahrheit und seine Gnade in den Vordergrund. Jesus verspricht, dass er mitten unter uns ist, wenn wir uns in seinem Namen versammeln, selbst wenn es nur zwei oder drei Gl\u00e4ubige sind. Diese Gegenwart Jesu gibt uns geistliche Einsicht und Vollmacht, nach seinem Willen zu leben und auch anderen in rechter Weise zu helfen. Dabei spielt unser Gebet eine entscheidende Rolle. Jesus verspricht, dass Gott unsere Gebete erh\u00f6ren wird, wenn wir einm\u00fctig zu ihm beten, selbst wenn nur zwei eins werden, worum sie bitten wollen. Wie gern wollen wir diese Verhei\u00dfung in Anspruch nehmen!<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen wir aber in der Gemeinde mit den anderen eins werden und einm\u00fctig beten, obwohl wir von unserem Hintergrund, Charakter und Alter her verschieden sind? Es ist kein Vorgang, der automatisch passiert, wenn wir in einer Gemeinde eine Zeitlang zusammen sind. Wir k\u00f6nnen aber doch eins werden, wenn wir uns ganz bewusst in Jesu Namen versammeln und uns jeder darum bem\u00fchen, in ihm eins zu werden \u2013 das hei\u00dft in unsrem gemeinsamen Glauben an den ihn und dem gemeinsamen Anliegen, f\u00fcr seinen Namen und f\u00fcr sein Reich zu leben. Dann werden wir in Jesus immer weiter eins werden, selbst wenn wir uns nicht allzu oft sehen. M\u00f6ge Gott uns helfen, ganz bewusst in seinem Namen zusammen zu kommen und in ihm eins zu werden, sodass er mitten unter uns sein und all unsere Gebete erh\u00f6ren kann! M\u00f6gen viele Menschen Jesu Anwesenheit unter uns sp\u00fcren und durch unsere einm\u00fctigen Gebete von ihren S\u00fcnden f\u00fcr immer erl\u00f6st werden!<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Die \tvergebende Liebe (21-35)<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Welche Frage stellte Petrus, nachdem er die Worte Jesu \u00fcber den Umgang mit der S\u00fcnde anderer geh\u00f6rt hatte? Vers 21 sagt: <strong>\u201eDa trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir s\u00fcndigt, vergeben? Gen\u00fcgt es siebenmal?\u201c <\/strong>Petrus lebte st\u00e4ndig mit den anderen elf J\u00fcngern zusammen. Als er h\u00f6rte, dass er anderen, die an ihm s\u00fcndigten, helfen sollte, f\u00fcr ihre S\u00fcnde Bu\u00dfe zu tun, muss er daran gedacht haben, wie schwer es ist, anderen zu vergeben. Warum ist es so schwer, anderen zu vergeben? Weil unser Gerechtigkeitsgef\u00fchl verletzt ist und wir denken: Ich bin im Recht, der andere hat geredet oder gehandelt, wie er nicht darf! Weil unser Stolz verletzt oder weil wir Schaden genommen haben.<\/p>\n<p>Petrus Frage zeigt noch, dass wir anderen zwar ein paar Mal vergeben k\u00f6nnen; aber jeder hat eine Grenze, wo er von sich aus nicht weiter vergeben kann bzw. will. Offenbar w\u00e4re Petrus bereit gewesen, siebenmal seinem Bruder, der an ihm s\u00fcndigt, zu vergeben; es war das Maximum, das er sich vorstellen konnte. Trotzdem war er unsicher, ob es vor Gott wirklich genug ist. Darum stellte er Jesus seine Frage.<\/p>\n<p>Wie antwortete Jesus darauf? Vers 22 sagt: \u201e<strong>Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.\u201c <\/strong>Jesu Antwort war f\u00fcr Petrus sicher eine gro\u00dfe \u00dcberraschung gewesen sein<strong>. <\/strong>490 Mal einem Bruder zu vergeben, das ist wirklich viel mehr, als er sich vorstellen und praktisch tun konnte. Praktisch sagte Jesus damit, dass wir den anderen unbegrenzt oft vergeben sollen. Unsere Bereitschaft zu vergeben soll keine Grenze haben. Dabei sagt Jesus nichts von Bedingungen, etwa dass er sich bei uns entschuldigt und dann seine \u00c4nderung bzw. Besserung zeigt. Wir erwarten von Natur aus mindestens so etwas, oder? Aber Jesus sagt ohne Einschr\u00e4nkung: \u201esiebzigmal siebenmal\u201c! Wir sollen anderen grenzenlos oft vergeben.<\/p>\n<p>Aber wie k\u00f6nnen wir das tun? Wie kann ich jemandem, der dieselbe S\u00fcnde Hunderte Male wiederholt, jedesmal erneut von Herzen vergeben? Jesus erz\u00e4hlte daraufhin ein Gleichnis, das den Grund f\u00fcr diese Forderung und auch die Grundlage, aufgrund derer wir sie erf\u00fcllen k\u00f6nnen, klar macht. Betrachten wir die Verse 23-25. Ein K\u00f6nig wollte mit seinen Knechten abrechnen. Ein Mann war ihm 10.000 Zentner Silber schuldig, das ist 22 gro\u00dfe LKW\u2019s voll mit Silber, eine riesiges Verm\u00f6gen. Bei dieser Summe war klar, dass kein Mensch imstande war, so eine gro\u00dfe Schuld zur\u00fcck\u00adzuzahlen. Die Folge seiner riesigen Schuld war, dass der Mann sein restliches Leben und das seiner Familie hingeben musste. Vers 25: <strong>\u201eDa er&#8217;s nun nicht bezahlen konnte, befahl der Herr, ihn und seine Frau und seine Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und damit zu bezahlen.\u201c<\/strong> Es war die unausweichliche Konsequenz seiner Schuld, die gerechte Strafe.<\/p>\n<p>Was beschreibt Jesus mit diesem ersten Teil des Gleichnisses? Jesus beschreibt hier die Lage von jedem von uns Menschen vor Gott, dem wahren K\u00f6nig. Durch unsere vielen verschiedenen S\u00fcnden haben wir so eine gro\u00dfe Schuld bei Gott angeh\u00e4uft, dass es f\u00fcr uns v\u00f6llig unm\u00f6glich ist, sie ihm irgendwann irgendwie zur\u00fcckzuzahlen. Da wir nichts haben, um unsere Schuld auszugleichen, m\u00fcssen wir selbst mit unserer Person und unserem Leben daf\u00fcr einstehen.<\/p>\n<p>Aber das war nicht das Ende der Geschichte. Was tat der Mann in seiner hoffnungslosen Lage? Vers 26 sagt: <strong>\u201eDa fiel ihm der Knecht zu F\u00fc\u00dfen und flehte ihn an und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir&#8217;s alles bezahlen.\u201c <\/strong>Obwohl der Mann kein Recht auf Gnade und damit eigentlich keine Grundlage f\u00fcr seine Bitte hatte, bat er in seiner verzweifelten Lage den Herrn um Erbarmen.<strong> <\/strong>Wie reagierte der Herr? Vers 27 sagt: <strong>\u201eDa hatte der Herr Erbarmen mit diesem Knecht und lie\u00df ihn frei, und die Schuld erlie\u00df er ihm auch.\u201c <\/strong>Dieses Wort beschreibt das unfassbar gro\u00dfe Erbarmen des K\u00f6nigs. Der Mann hatte keine Grundlage, aufgrund derer er den Herrn um Gnade bitten konnte. Aber der Herr hatte Erbarmen, er war bewegt, als er die elende Lage des Mannes sah und seine Bitte h\u00f6rte. Aus Mitleid heraus lie\u00df er ihn frei, er erlie\u00df ihm also die Strafe, und er vergab ihm auch seine ganze Schuld. Hier zeigt uns Jesus, was Gott auch mit unserer gro\u00dfen Schuld macht bzw. Gottes Erbarmen. Obwohl wir von uns aus keinen Grund f\u00fcr Erbarmen vorweisen k\u00f6nnen, sondern wegen unserer Schuld die Strafe verdient haben, erl\u00e4sst Gott uns unsere Schuld, und zwar vollst\u00e4ndig und bedingungslos, wenn wir ihn darum bitten. Gott sei Dank f\u00fcr sein unfassbar gro\u00dfes Erbarmen mit uns S\u00fcndern!<\/p>\n<p>Wie froh muss der Mann gewesen sein, als der Herr ihm seine Schuld erlassen hatte! Er h\u00e4tte eigentlich von ganzem Herzen dankbar daf\u00fcr sein m\u00fcssen. Denn durch das Erbarmen des Herrn wurde sein Leben gerettet und das seiner Familie! Was tat er aber kurz danach? Verse 28-30: <strong>\u201eDa ging dieser Knecht hinaus und traf einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Silbergroschen schuldig; und er packte und w\u00fcrgte ihn und sprach: Bezahle, was du mir schuldig bist! Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir&#8217;s bezahlen. Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gef\u00e4ngnis, bis er bezahlt h\u00e4tte, was er schuldig war.\u201c<\/strong> Die Schuld des Mitknechts von 100 Silbergroschen war etwa der Lohn von 4 Monaten Arbeit. Das ist zwar keine kleine Summe, auf die man leicht verzichten kann. Aber weil es so viel weniger war als die riesige Schuld, die er selbst gerade erlassen bekommen hatte, h\u00e4tte er seinem Mitknecht seine Schuld wirklich erlassen sollen. Aber obwohl sein Mitknecht ihn um Erbarmen anflehte, wollte er ihn nicht erh\u00f6ren, sondern ging hin und warf ihn ins Gef\u00e4ngnis, bis er bezahlt h\u00e4tte, was er schuldig war.<\/p>\n<p>Wie grotesk und inakzeptabel erscheint uns sein Verhalten! Wie konnte er so streng gegen\u00fcber seinem Mitknecht sein, obwohl er selbst so gro\u00dfes Erbarmen erlebt hatte?! Aber stellt Jesus damit nicht gerade dar, wie auch wir uns oft verhalten, wenn wir anderen ihre vergleichsweise kleinen Verfehlungen nicht vergeben, obwohl Gott uns unsere ganze Schuld erlassen hat? Wie kann das passieren? Der Knecht, der seine riesige Schuld erlassen bekommen hatte, zog aus dieser Gnade offenbar keine tiefe Konsequenz. Sicherlich war er erleichtert und froh, aber sein Denken und sein Verhalten im Umgang mit anderen waren nicht davon gepr\u00e4gt, sondern immer noch von seiner fr\u00fcheren Natur, von seiner Unbarmherzigkeit und seiner Habgier. Uns kann die gleiche S\u00fcnde auch passieren, wenn wir aus Gottes Gnade keine tiefe Konsequenz ziehen. Anders gesagt, wenn wir zwei unterschiedliche Ma\u00dfst\u00e4be benutzen \u2013 die Vergebung unserer eigenen Schuld von Gott wie selbstverst\u00e4ndlich annehmen, aber die Schuld anderer als etwas ansehen, das f\u00fcr uns auf einem ganz anderen Papier steht. Das ist so schlimm vor Gott, weil wir damit die Gnade, die wir selbst von Gott erhalten haben, ignorieren und verachten. Es ist wichtig, dass wir aus der Gnade eine tiefe Konsequenz ziehen, sodass sie unsere Gesinnung, unsere Lebensweise und schlie\u00dflich unser ganzes Wesen pr\u00e4gt mit Dankbarkeit, Freude und Barmherzigkeit. Dadurch soll unser Wesen und unser Leben von Gottes Gnade zeugen. Wenn wir trotz der Gnade unbarmherzig und unvers\u00f6hnlich bleiben, k\u00f6nnen wir Gott nicht gefallen.<\/p>\n<p>Das Verhalten des Knechts mag ihm zwar wie seine Privatsache vorgekommen sein, aber es kam vor den K\u00f6nig. Wie reagierte der Herr auf das Verhalten des Knechts?  Betrachten wir die Verse 32-34: <strong>\u201eDa forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: Du b\u00f6ser Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich gebeten hast; h\u00e4ttest du dich da nicht auch erbarmen sollen \u00fcber deinen Mitknecht, wie ich mich \u00fcber dich erbarmt habe? <\/strong><sup><strong>34<\/strong><\/sup><strong> Und sein Herr wurde zornig und \u00fcberantwortete ihn den Peinigern, bis er alles bezahlt h\u00e4tte, was er ihm schuldig war.\u201c <\/strong>Der K\u00f6nig nennt ihn einen b\u00f6sen Knecht. Er war b\u00f6se, weil er, obwohl ihm seine ganze Schuld vergeben worden war, nicht bereit war, die vergleichsweise kleine Schuld seines Mitknechts zu vergeben. Der Herr wurde zornig und \u00fcberantwortete ihn den Peinigern, bis er alles bezahlt h\u00e4tte, was er ihm schuldig war. Er verlor das Erbarmen des Herrn, das er so verachtet hatte durch seine unbarmherzige unvers\u00f6hnliche Haltung gegen\u00fcber einem anderen. Es ist also nicht einfach eine verzeihliche Sache, wenn man trotz der von Gott empfangenen Gnade anderen gegen\u00fcber unvers\u00f6hnlich ist. Es ist vielmehr eine Bosheit, die der Herr nicht zu akzeptieren bereit ist.<\/p>\n<p>Welche Schlussfolgerung zieht Jesus daraus? Lesen wir gemeinsam Vers 35: \u201e<strong>So wird auch mein himmlischer Vater an euch tun, wenn ihr einander nicht von Herzen vergebt, ein jeder seinem Bruder.\u201c <\/strong>Jesus \u00fcbertr\u00e4gt das Gleichnis direkt auf die J\u00fcnger und damit auch auf uns, und spricht damit eine<strong> <\/strong>gro\u00dfe Warnung aus. Gott erwartet von uns, dass wir aus der gro\u00dfen Gnade der Vergebung all unserer Schuld eine tiefe Konsequenz ziehen und unseren Br\u00fcdern und Schwestern von Herzen vergeben. Von uns aus k\u00f6nnen wir das nicht tun. Aber wir k\u00f6nnen es tun, wenn wir t\u00e4glich bewusst machen, wie sehr wir selbst vor Gott verschuldet waren und welches gro\u00dfe Erbarmen Gott uns erwiesen hat, indem er uns unsere ganze Schuld aufgrund des Kreuzes Jesu erlassen hat. Sein Erbarmen ist die Quelle der Kraft, mit der wir jedem Bruder, der an uns s\u00fcndigt, seine Schuld vergeben k\u00f6nnen und sollen, und zwar bedigungslos und ohne Begrenzung. Dadurch wird Gott geehrt und die Kraft seiner Gnade gepriesen. Dadurch k\u00f6nnen wir anderen helfen, Gottes Gnade zu erkennen und zu ihr umzukehren und viele Au\u00dfenstehende zu Gottes Gnade einladen. M\u00f6ge Gott uns helfen, uns seiner gro\u00dfen Gnade t\u00e4glich bewusst zu sein und einander bedingungslos von Herzen zu vergeben, damit wir ihn ehren und von ihm gebraucht werden k\u00f6nnen! Lesen wir nochmals das Leitwort: \u201e<strong>So wird auch mein himmlischer Vater an euch tun, wenn ihr einander nicht von Herzen vergebt, ein jeder seinem Bruder\u201c<\/strong> (35).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Von der Vergebung \u201eSo wird auch mein himmlischer Vater an euch tun, wenn ihr einander nicht von Herzen vergebt, ein jeder seinem Bruder.\u201c (18,35) Im heutigen Text geht es um ein ebenso wichtiges wie schwieriges Thema \u2013 die Vergebung. 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