{"id":14317,"date":"2026-11-01T11:00:25","date_gmt":"2026-11-01T10:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=14317"},"modified":"2026-11-02T22:51:40","modified_gmt":"2026-11-02T21:51:40","slug":"predigt-matthaeus-31-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-matthaeus-31-12\/","title":{"rendered":"Predigt: Matth\u00e4us 3,1-12"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/2027-Matthaeus_03-01_3-12_P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/11\/2027-Matthaeus_03-01_3-12_P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/matthaeus\/3\/1-12?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Johannes der Vorbereiter<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eEr war es, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat: Stimme eines Rufers in der W\u00fcste: \/ Bereitet den Weg des Herrn! \/ Macht gerade seine Stra\u00dfen!\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Matth\u00e4us 3,3)<\/p>\n<p>Als Teenager war ich einmal in der Altstadt, weil der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl dort eine Wahlkampfrede hielt. Der Besuch von Kohl wurde auf Plakaten angek\u00fcndigt mit den Worten \u201eDer Kanzler kommt!\u201c F\u00fcr mich war es das erste Mal, den h\u00f6chsten Politiker unseres Landes live zu erleben. Ich kann mich kaum noch an seine Rede erinnern. Aber ich erinnere mich, dass ich von seinem Auftritt beeindruckt war: guter Redner, imposante Pers\u00f6nlichkeit. Bevor ein Kanzler nach Heidelberg kommen kann, braucht es Vorbereitung. Das Bundeskriminalamt ist f\u00fcr den Schutz des Kanzlers verantwortlich und arbeitet mit der Landespolizei an einem Sicherheitskonzept. Der Veranstaltungsort wird nach Bomben abgesucht und abgesichert. Es gibt Stra\u00dfensperrungen, Halteverbote, Vorbereitung von m\u00f6glichen Ausweichstrecken, medizinische Absicherung mit Planung der n\u00e4chstgelegenen Krankenh\u00e4user usw.<br \/>\nUnd damit sind wir beim heutigen Text. Nicht der Kanzler kommt, es ist der K\u00f6nig, der uns besuchen kommt. Sein Besuch braucht gr\u00fcndliche Vorbereitung. Als Vorbereiter wird ein Mann namens Johannes geschickt. Der Text heute fokussiert sich auf diesen sehr besonderen Mann. Wir sehen hier erstens, wer dieser Vorbote ist, zweitens, wie seine Vorbereitung aussah, und drittens, welche Vorfreude auf den K\u00f6nig geweckt wird.<\/p>\n<p><strong>1. Der Vorbote<\/strong><br \/>\nVers 1 beginnt mit den Worten: \u201eIn jenen Tagen&nbsp;\u2026\u201c Lukas gibt uns verschiedene historische Indizien, die das Auftreten von Johannes ziemlich klar in der Geschichte verankern: das 15. Jahr des Kaisers Tiberius, Pontius Pilatus war Statthalter von Jud\u00e4a, usw. F\u00fcr Matth\u00e4us waren alle diese Details erst einmal nicht ganz so wichtig. \u201eIn jenen Tagen\u201c bezieht sich auf die Tage Jesu in der \u00d6ffentlichkeit. Aber bevor Jesus auftreten sollte, brauchte es einen Vorboten. Dieser Vorbote war Johannes der T\u00e4ufer.<br \/>\nWas wissen wir \u00fcber Johannes den T\u00e4ufer? Vers 4 erw\u00e4hnt: \u201eJohannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen G\u00fcrtel um seine H\u00fcften; Heuschrecken und wilder Honig waren seine Nahrung.\u201c Wir alle haben schonmal Romane gelesen. In Romanen ist es v\u00f6llig normal, dass uns viel und ausf\u00fchrlich \u00fcber das \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild einer Person berichtet wird: Gr\u00f6\u00dfe, Haarfarbe, Auff\u00e4lligkeiten und nat\u00fcrlich die Garderobe. Der Schreibstil dient dem Zweck, dass wir uns die Person bildlich vorstellen k\u00f6nnen. F\u00fcr die Geschichtsschreiber der Antike war das meistens zweitrangig. Das Matth\u00e4usevangelium ist kein Roman. Warum erw\u00e4hnt Matth\u00e4us das Outfit von Johannes dem T\u00e4ufer? Es gibt mindestens zwei Gr\u00fcnde.<br \/>\nAuf der einen Seite weckt die Beschreibung Erinnerungen an einen gro\u00dfen Propheten des AT. \u00dcber den Propheten Elia lesen wir 2. K\u00f6nige 1,8: \u201eEr trug einen Mantel aus Ziegenhaaren und hatte einen ledernen Gurt um die H\u00fcften.\u201c Bei Elia war das Gewand aus Ziegenhaar, bei Johannes war es Kamelhaar. Aber davon abgesehen klingt ihre Tracht sehr \u00e4hnlich. Es bleibt nicht bei \u00e4u\u00dferlichen \u00c4hnlichkeiten. Johannes nimmt in seiner Zeit die Rolle ein, die Elia in seiner Zeit eingenommen hatte. Der Engel Gabriel hatte angek\u00fcndigt, dass Johannes mit dem Geist und mit der Kraft Elias vorangehen w\u00fcrde. Mit anderen Worten, Johannes ist ein Prophet in der Nachfolge und prophetischen Tradition Elias, auch in der Art und Weise wie er sich kleidete.<br \/>\nDer andere Grund ist, dass Vers 4 uns zeigt, wie authentisch Johannes\u2018 Leben war. Ziegen- und Kamelhaar waren ziemlich rudiment\u00e4re und auch etwas grobschl\u00e4chtige Kleidung. Es war die Kleidung einfacher Nomaden im Gegensatz zu feineren Stoffen wie Leinen oder Seide. Damit einhergehend lesen wir, dass Johannes sich von Heuschrecken und wildem Honig ern\u00e4hrte. Michael Wilkins schreibt dazu: \u201eJohannes\u2019 Lebensweise l\u00e4sst ihn als jemanden hervorstechen, der den Luxus des Lebens abgelehnt hat. Seine Lebensweise und seine Kleidung verbinden sich mit seiner Botschaft zu einem machtvollen Aufruf zur Umkehr angesichts der N\u00e4he des Reiches Gottes. Er verk\u00f6rpert in seinem Lebensstil die Botschaft der Umkehr, die er predigt.\u201c<br \/>\nStichwort authentisch: Vermutlich war es diese Einheit von einer starken Botschaft gepaart mit einem starken Lebensstil, dass Menschen zu ihm hinstr\u00f6mten. Sie waren der Ansicht, dass dieser Mann wirklich etwas zu sagen hatte. Vers 5: \u201eDie Leute von Jerusalem und ganz Jud\u00e4a und aus der ganzen Jordangegend zogen zu ihm hinaus.\u201c Die Menschen kamen von nah und fern, um ihn zu h\u00f6ren. Und dabei war Johannes der T\u00e4ufer alles andere als schmeichelhaft. Pharis\u00e4er und Sadduz\u00e4er kamen zu ihm. Das war die religi\u00f6se Elite des Landes. Zu ihnen sagte er: \u201eIhr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Zorngericht entrinnen k\u00f6nnt?\u201c<br \/>\nJohannes scheint eine Tradition von Predigern geschaffen zu haben, die ihre Zuh\u00f6rerschaft liebevoll aber derb beschimpfen. Der Prediger George Whitefield konnte ebenfalls riesige Menschenmassen zu sich ziehen. Benjamin Franklin, einer der Gr\u00fcnderv\u00e4ter der Vereinigten Staaten war ein Augenzeuge von Whitefield\u2019s Predigten. Er berichtete folgendes: \u201eDie Menschenmengen aller Glaubensrichtungen und Konfessionen, die seinen Predigten beiwohnten, waren enorm, und f\u00fcr mich, der ich zu ihnen geh\u00f6rte, war es ein Anlass zum Nachdenken, den au\u00dferordentlichen Einfluss seiner Redekunst auf seine Zuh\u00f6rer zu beobachten und zu sehen, wie sehr sie ihn bewunderten und respektierten, obwohl er sie regelm\u00e4\u00dfig beschimpfte, indem er ihnen versicherte, sie seien von Natur aus halb Tier und halb Teufel.\u201c Aber hier war das Erstaunliche: Die Predigten von Whitefield hatten eine unglaubliche Kraft und f\u00fchrten zu nachhaltigen Ver\u00e4nderungen. Menschen bekehrten sich. Franklin schreibt weiter: \u201cEs schien, als w\u00fcrde die ganze Welt religi\u00f6s werden; sodass man abends nicht durch die Stadt gehen konnte, ohne von verschiedenen Familien in jeder Stra\u00dfe gesungene Psalmen zu h\u00f6ren.\u201c<br \/>\nEine kurze Anwendung, bevor wir fortfahren. Vor Jahren hatte ich ein kurzes aber interessantes Gespr\u00e4ch mit einem jungen Mann. Er fragte mich, warum ich an Gott glauben w\u00fcrde. Ich antwortete ihm, dass ich in einer christlichen Familie aufgewachsen bin und den Glauben praktisch in die Wiege gelegt bekommen hatte; aber dass ich viele Jahre sp\u00e4ter zur Einsicht kam, dass es meiner Meinung nach bessere Argumente zugunsten des Glaubens gibt als umgekehrt. Ich gab ihm ein konkretes Beispiel. F\u00fcr die Encounter Konferenz dieses Jahr wurde ich gebeten, einen Workshop zum Thema intellektuelle Grundlagen des Glaubens abzuhalten. Ich bin ein gro\u00dfer Fan von Diskussionen \u00fcber den christlichen Glauben und welche Gr\u00fcnde daf\u00fcr und vielleicht auch dagegensprechen. Aber gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass intellektuelle Einw\u00e4nde f\u00fcr den christlichen Glauben f\u00fcr junge Menschen vor 20 Jahren ein etwas akuteres Problem waren, als das heute der Fall zu sein scheint. Korrigiert mich gerne, falls ich hier falsch liegen sollte! In einem Artikel zu diesem Thema hatte ich gelesen, dass junge Menschen heute andere Fragen auf dem Herzen haben. Die Fragen gehen eher in die Richtung: \u201eDas mit Jesus, ist da etwas Wahres dran? Hat das Substanz? Kann ich darauf vertrauen? Funktioniert das mit dem Glauben? Macht das wirklich einen Unterschied?\u201c<br \/>\nWir alle leben in einer Zeit der Informations- und Reiz\u00fcberflutung. Wir bekommen mehr wichtiges und noch viel mehr unwichtiges Wissen vermittelt, als unser armes Gehirn sinnvoll prozessieren kann. Und wir leben in einer Zeit, in der sich jeder seine Quellen selbst aussuchen kann, durch welche man seine Nachrichten bekommt. Viele bekommen ihre News aus den sozialen Medien. Damit einhergehend leben wir in einer Zeit, in der es unglaublich viele Falschinformationen gibt. Wir verstehen, dass zwei sich widersprechende Aussagen nicht zur gleichen Zeit und auf die gleiche Art und Weise wahr sein k\u00f6nnen. Aber wir werden \u00fcbersch\u00fcttet von sich widersprechenden Aussagen. Wem und was kann in der heutigen Zeit \u00fcberhaupt noch vertrauen?<br \/>\nIch glaube, dass eine Person wie Johannes der T\u00e4ufer mehr denn je gebraucht wird: Eine Person die authentisch ist; eine Person, deren Worte und Leben \u00fcbereinstimmen; eine Person, die f\u00fcr die Wahrheit einsteht, auch dann noch, wenn es einen Preis kostet. Ich glaube, dass es einen Hunger nach dem gibt, was wahr und was real ist. Und falls es dir so gehen sollte, habe ich gute Nachrichten. Das Reale und das Wahre sind genau das, was Gott dir in Jesus Christus bietet.<\/p>\n<p><strong>2. Die Vorbereitung<\/strong><br \/>\nWir haben gesagt, dass Johannes der Vorbote f\u00fcr Jesus ist. Die Frage ist nun, wie die Vorbereitung aussah. Vers 3 sagt: \u201eEr war es, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat: Stimme eines Rufers in der W\u00fcste: \/ Bereitet den Weg des Herrn! \/ Macht gerade seine Stra\u00dfen!\u201c Der Weg des Herrn sollte bereitet werden; die Stra\u00dfen sollten gerade gemacht werden. Das Bild ist nicht schwer zu verstehen: Wenn eine Stra\u00dfe in schlechtem Zustand war, musste sie ausgebessert werden; Unebenheiten mussten ausger\u00e4umt werden, Schlagl\u00f6cher mussten gef\u00fcllt werden; wenn sich auf der Stra\u00dfe ein Hindernis befand, dann musste es beseitigt werden. Hier ist der Punkt: Wenn wir auf einer schlechten Stra\u00dfe unterwegs sind, m\u00fcssen wir vorsichtiger fahren. Wenn wir auf Hindernisse sto\u00dfen, m\u00fcssen wir drumherum fahren. Mit anderen Worten, wir m\u00fcssen uns der schlechten Stra\u00dfe anpassen. Aber wenn ein K\u00f6nig eine schlechte Stra\u00dfe passieren wollte, dann musste die Stra\u00dfe begradigt werden. Die Stra\u00dfe musste sich dem K\u00f6nig anpassen. Nicht der K\u00f6nig passt sich uns an. Wir sind aufgefordert, uns dem K\u00f6nig anzupassen. Matth\u00e4us zitiert aus Jesaja 40,3, um anzuzeigen, dass Johannes die Stimme in der W\u00fcste ist. Aber wenn die Rede davon ist, den Weg des Herrn zu bahnen, steht in Jesaja f\u00fcr HERR das hebr\u00e4ische Wort Jahwe \u201eich bin\u201c. Jesus ist nicht ein Herr; er ist der HERR. Der K\u00f6nig, f\u00fcr den Johannes den Weg bereitet, ist niemand anders als Gott selbst. Gott kommt uns in Jesus Christus besuchen.<br \/>\nWas sollen wir also tun? Vers 6 erw\u00e4hnt, dass das Volk kam, um seine S\u00fcnden zu bekennen und sich taufen zu lassen. In den Versen 8-10 sagt Johannes. \u201eBringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt, und meint nicht, ihr k\u00f6nntet sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen dem Abraham Kinder erwecken. Schon ist die Axt an die Wurzel der B\u00e4ume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.\u201c Einige Kommentare zu diesen Versen, die wirklich voller Inhalt sind.<br \/>\nDas Volk lie\u00df sich taufen. Uns ist vermutlich nicht bewusst, wie radikal das ist. Wenn Heiden sich zum Judentum bekehrten, dann wurden sie getauft. F\u00fcr die Juden machte das Sinn: Die Heiden waren die Unreinen, das Volk Gottes waren die Reinen; nat\u00fcrlich mussten sich die ungl\u00e4ubigen, schmutzigen Heiden taufen lassen, um Teil ihrer heiligen Gemeinschaft zu werden. Aber das war nicht das, was Johannes sagte. Johannes sagte: \u201eAlle m\u00fcssen ins Wasser!\u201c Auch diejenigen, die dachten, dass sie bereits zum Volk Israel geh\u00f6rten. Und Johannes sagte auch: \u201eIhr braucht euch nicht auf Abraham zu verlassen.\u201c D.&nbsp;h.: \u201eAlle eure religi\u00f6sen Riten, sie bringen euch erst einmal gar nichts. Abrahams Nachkommen zu sein, ist erst einmal zweitrangig. Gott hat keine Enkelkinder. Er hat nur Kinder.\u201c Das gilt auch uns. Vielleicht denken sich manche hier: \u201eIch bin ja christlich aufgewachsen; ich bin jede Woche im Gottesdienst; ich studiere die Bibel; ich kann auch das Mischpult bedienen und kenne das Passwort f\u00fcr den Gemeinde-Computer und habe die Stuhlordnung f\u00fcr den Gottesdienst auswendig gelernt.\u201c Und Johannes w\u00fcrde sagen: \u201eVerlasst euch nicht darauf; bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt.\u201c<br \/>\nDas bringt uns zum n\u00e4chsten Punkt: Johannes predigte die Umkehr, oder auf Lutherdeutsch die Bu\u00dfe. Das griechische Wort ist metanoia (zusammen mit agape geh\u00f6rt das zu einer Handvoll von griechischen W\u00f6rtern, die man sich ruhig merken darf). Metanoia bedeutet einen radikalen Richtungswechsel, eine Abkehr von unserem alten Leben und eine Hinwendung zu Gott. Wenn diese Umkehr echt ist, dann wird sie Frucht bringen. Frucht ist ein gutes und frommes Leben. Craig Bloomberg schreibt in seinem Kommentar: \u201eEin Christ ohne Frucht ist kein Christ.\u201c Frucht ist nicht das, was uns rettet, aber Frucht ist ein Indiz daf\u00fcr, dass wir gerettet wurden.<br \/>\nIch gebe ein paar konkrete Beispiele. Umkehr bedeutet Abkehr von schlechten Dingen, die wir tun. Was sind die S\u00fcnden, von denen wir abkehren sollten? Vielleicht fallen uns Momente ein, in denen wir uns lieblos verhalten haben. Vielleicht f\u00e4llt uns ein, dass wir gelogen haben. Vielleicht f\u00e4llt uns ein, dass wir r\u00fccksichtslos unsere eigenen Interessen (die durchaus ihre Berechtigungen haben) durchgesetzt haben, ohne auf die Interessen und die Bed\u00fcrfnisse der anderen zu achten. Vielleicht fallen uns sexuelle S\u00fcnden ein. Vielleicht fallen uns Geldsorgen ein. Metanoia bedeutet nicht nur, dass wir die Entscheidung treffen, davon abzulassen. Es setzt einen Schritt vorher an. Wir machen uns Gedanken dar\u00fcber, weshalb wir die Dinge tun, von denen wir eigentlich wissen, dass sie nicht gut sind. Warum sind wir selbsts\u00fcchtig? Warum l\u00fcgen wir? Warum sind wir geldgierig? Was ist das gr\u00f6\u00dfere Prinzip, das dahintersteht? Denn jede S\u00fcnde, die wir begehen, hat etwas damit zu tun, dass Gott nicht unser K\u00f6nig ist und unser K\u00f6nig nicht Gott ist. Etwas anderes sitzt auf dem Thron unseres Herzens.<br \/>\nMetanoia h\u00f6rt aber nicht bei den schlechten Dingen auf. Echte Bu\u00dfe bedeutet, dass wir uns auch dar\u00fcber Gedanken machen, weshalb wir die guten Dinge tun, die wir tun. Warum f\u00fchrst du das gute Leben, das du f\u00fchrst? Hier ist ein Klassiker: Ist es dir wichtiger, ein frommes Leben zu f\u00fchren oder dass anderen Menschen \u00fcber dich denken, dass du ein frommes Leben f\u00fchrst? Bist du jemand, der wirklich ordentlich ist oder jemand, der sein Zimmer und seine Wohnung nur dann aufr\u00e4umt, wenn G\u00e4ste kommen? Weil wir eigentlich Chaoten sind, aber wir nicht wollen, dass andere sehen, wie chaotisch wir eigentlich sind? Verstehen wir, dass die Motivation, weshalb wir etwas tun, in Gottes Augen genauso wichtig ist, wie das, was wir tun?<br \/>\nDie Taufe der Bu\u00dfe war anders als j\u00fcdische Reinigungen. Bei rituellen Reinigungen ging man selbst in das reinigende Wasser. Bei der Taufe hingegen wird man von einer anderen Person getauft. Wir k\u00f6nnen uns nicht selbst taufen. Und wir k\u00f6nnen uns nicht selbst so ver\u00e4ndern, dass wir Frucht der Umkehr hervorbringen. Die gute Nachricht ist aber, dass wir das nicht selbst zu tun brauchen.<\/p>\n<p><strong>3. Die Vorfreude<\/strong><br \/>\nWenn wir diesen Text oberfl\u00e4chlich lesen, scheint der Text etwas d\u00fcster und trostlos zu sein. Aber wenn wir etwas genauer lesen, sehen wir in diesem Text auch eine gro\u00dfe Vorfreude. Die Predigt von Johannes begann mit den Worten: \u201eKehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.\u201c Hier ein kleiner Spoiler: In den n\u00e4chsten Monaten, in denen wir uns mit Matth\u00e4us-Evangelium besch\u00e4ftigen, werden wir uns ganz tiefgehend mit dem Himmelreich auseinandersetzen. Das Himmelreich ist praktisch das Hauptthema. Und die Tatsache, dass das Reich Gottes nahe ist, ist die beste Nachricht, die es gibt.<br \/>\nUm noch einmal Bloomberg zu zitieren: \u201eZu verk\u00fcnden, dass das Reich nahe ist, bedeutet, dass die entscheidende Verwirklichung der g\u00f6ttlichen Herrschaft den Menschen so nahegekommen ist, dass sie mit der M\u00f6glichkeit und der unausweichlichen Notwendigkeit von Bu\u00dfe und Bekehrung konfrontiert sind. Das Reich fasst Gottes Plan zusammen, ein neues menschliches Leben zu schaffen, indem es eine neue Art von Gemeinschaft unter Menschen, Familien und Gruppen erm\u00f6glicht. Es verbindet die M\u00f6glichkeit einer pers\u00f6nlichen Beziehung zu Jesus mit der Verantwortung des Menschen, die gesamte Natur weise zu verwalten; die Erwartung, dass echte Ver\u00e4nderung hier und jetzt m\u00f6glich ist; [\u2026] die Schaffung neuer menschlicher Beziehungen und die schlie\u00dflich von Gott herbeigef\u00fchrte Befreiung der gesamten Natur von der Zerst\u00f6rung.\u201c<br \/>\nIch habe gesagt, dass wir nicht aus uns selbst heraus Frucht der Umkehr wachsen lassen k\u00f6nnen. Gott hilft uns dabei. In Vers 11 sagt Johannes: \u201eIch taufe euch mit Wasser zur Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist st\u00e4rker als ich und ich bin es nicht wert, ihm die Sandalen auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.\u201c Johannes spricht davon, dass Jesus seine Anh\u00e4nger mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen wird. Ausleger sind sich nicht ganz einig, was Taufe mit Feuer bedeutet. Vermutlich ist damit gemeint, dass der Heilige Geist uns reinigt. In der Bibel ist h\u00e4ufig davon die Rede, dass Feuer etwas Reinigendes hat, wie z.&nbsp;B. Gold, das im Feuer gel\u00e4utert wird. Aber es klingt unangenehm.<br \/>\nDem K\u00f6nig den Weg zu bereiten, und die Stra\u00dfen zu begradigen ist Umkehr. Nicht der K\u00f6nig passt sich uns an. Wir m\u00fcssen uns dem K\u00f6nig anpassen. Sich diesem K\u00f6nig unterzuordnen h\u00f6rt sich nach dem Gegenteil von Freiheit an. Es h\u00f6rt sich be\u00e4ngstigend an. In den Chroniken von Narnia landen die vier Geschwister Peter, Susan, Edmund und Lucy in der Welt von Narnia, das von dem gro\u00dfen K\u00f6nig Aslan regiert wird. Sie haben keine Ahnung, wer Aslan ist. W\u00e4hrend ihr Bruder Edmund auf Abwegen ist, begegnen drei von ihnen der Familie Biber. Und die Biber erkl\u00e4ren den Kindern: \u201eAslan ist ein L\u00f6we \u2013 der L\u00f6we, der gro\u00dfe L\u00f6we.\u201c Susan sagt daraufhin: \u201eOoh, ich hatte gedacht, er w\u00e4re ein Mensch. Ist er \u2026 ungef\u00e4hrlich? Ich habe Angst davor, einem L\u00f6wen zu begegnen.\u201c Auf diese Frage antwortet Herr Biber: \u201eUngef\u00e4hrlich? Wer hat was von ungef\u00e4hrlich gesagt? Nat\u00fcrlich ist er nicht ungef\u00e4hrlich. Aber er ist gut. Er ist der K\u00f6nig, das sage ich dir.\u201c Es ist so eine wundervolle Illustration f\u00fcr Jesus. Sich auf Jesus einzulassen ist gef\u00e4hrlich. Wir wissen nicht, was uns erwartet.<br \/>\nC.S. Lewis beschreibt den Prozess der Heiligung in Mere Christianity: \u201eStell dir vor, du w\u00e4rst ein lebendes Haus. Gott kommt herein, um dieses Haus wieder auf Vordermann zu bringen. Zun\u00e4chst kannst du vielleicht noch nachvollziehen, was Er tut. Er bringt die Abfl\u00fcsse in Ordnung, beseitigt die undichten Stellen im Dach und so weiter; du wusstest, dass diese Arbeiten notwendig waren, und bist daher nicht \u00fcberrascht. Doch schon bald f\u00e4ngt Er an, das Haus auf eine Weise zu zerlegen, die furchtbar wehtut und keinen Sinn zu ergeben scheint. Was in aller Welt hat Er vor? Die Erkl\u00e4rung ist, dass Er ein ganz anderes Haus baut als das, das du dir vorgestellt hast \u2013 hier einen neuen Fl\u00fcgel anbauen, dort ein zus\u00e4tzliches Stockwerk aufsetzen, T\u00fcrme errichten, Innenh\u00f6fe anlegen. Du dachtest, du w\u00fcrdest zu einer anst\u00e4ndigen H\u00fctte umgebaut, aber Er baut einen Palast. Er beabsichtigt, selbst darin zu wohnen.\u201c<br \/>\nDer K\u00f6nig ist gef\u00e4hrlich. Aber woher wissen wir, dass er gut ist? Wir lernen diesen K\u00f6nig in den folgenden Kapiteln kennen. Einen kleinen Ausblick: Jesus ist ein ganz anderer K\u00f6nig als jeder K\u00f6nig der Menschheitsgeschichte. In der vergangenen Woche waren meine S\u00f6hne M., E. und ich in Stra\u00dfburg und haben uns dort mit Freunden und Familie getroffen. Curie hatte die wunderbare Idee, in das Museum f\u00fcr Moderne Kunst zu gehen. Nie und nimmer w\u00e4re ich auf die Idee gekommen, mit Kindern dort hinzugehen, aber es hat erstaunlich gut geklappt. Eines der Hauptwerke im Museum ist ein riesiges Gem\u00e4lde (ca. 9m lang und 6m hoch) von Gustave Dor\u00e9 mit dem Titel \u201eChristus verl\u00e4sst das Pr\u00e4torium\u201c. Gemeint ist damit, dass Pilatus Jesus zum Tod verurteilt hatte und Jesus auf dem Weg zur Hinrichtungsst\u00e4tte ist. Im Hintergrund sind die politischen Machthaber. Links und rechts steht das Volk, das von den Soldaten zur Seite gedr\u00e4ngt wird. Simon von Kyrene tr\u00e4gt Jesus das Kreuz. Und in der Mitte des Gem\u00e4ldes wandelt Jesus mit einer Dornenkrone, in einem wei\u00dfen Gewand. Es gibt keinen Zweifel daran, dass er der K\u00f6nig ist.<br \/>\nJesus ist der K\u00f6nig, der f\u00fcr seine Feinde am Kreuz stirbt. Jesus ist der K\u00f6nig, der sein Leben f\u00fcr Menschen dahingegeben hat, die es nicht verdient haben, damit diese Menschen (wir alle!) ein neues Leben f\u00fchren k\u00f6nnen. Jesus ist der K\u00f6nig der Liebe. Das Gef\u00e4hrliche an Jesus ist seine Liebe, aber diese Liebe ist unendlich gut und unendlich barmherzig und das Einzige, was uns heilen und ganz machen kann. K\u00f6nig Jesus ist die Hoffnung dieser Welt, und der Text strahlt die Vorfreude aus, dass dieser K\u00f6nig gekommen ist.<br \/>\nDas Himmelreich ist nahe. Bereitet ihm den Weg. Macht die Stra\u00dfe gerade f\u00fcr ihn.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Johannes der Vorbereiter \u201eEr war es, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat: Stimme eines Rufers in der W\u00fcste: \/ Bereitet den Weg des Herrn! \/ Macht gerade seine Stra\u00dfen!\u201c (Matth\u00e4us 3,3) Als Teenager war ich einmal in der Altstadt, weil der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl dort [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[20,4],"tags":[],"class_list":["post-14317","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-matthaeus","category-predigt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14317","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14317"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14317\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14321,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14317\/revisions\/14321"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14317"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14317"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14317"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}